versionsgeschichten von: In 500 Jahren von der mechanischen Ente zum Ententest — Ein Abriss

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am 11.05.2019 um 13:45 Uhr

 der vorgetragene text


Lieben Dank nach Luzern, Verehrte An- und Abwesende,

In 10 Minuten “Soziale Arbeit und Digitalisierung”: Es muss also nicht nur rasch gehen. Ich vermute ja, dass Alois Huber — typisch für ein Lösungsfokussiertes Setting — die zwei gemeinsamen Arbeitstage in einem Ressourcenzustand eröffnen will…

In WikiDienstag.ch erzähle ich immer wieder die Geschichte der Sozialen Arbeit als ”die Nachtseite” der “Vier Industriellen Revolutionen. Die Erzählung der Industriellen Revolution ist ein aktuell sehr erfolgreiches Narrativ. Jedes Kind versteht seit hunderten von Jahren “das Märchen von der mechanischen Ente”. Und was die Kinder verstehen, das interessiert auch mich. Ich mag Theoriegedichte.

Der vorgetragene Text ist mit vielen Links im Tagungspadlet von Florian Zahorka verlinkt. Es geht los:

Spoiler — oder um es vorweg zu nehmen:

Der Vorschlag wird sein, die Zeichenkette Digitalisierung lediglich als Titel für die aktuelle, vierte Industrielle Revolution zu akzeptieren.

Die Zeichenkette Digital— unterschieden von der Zeichenkette Analog — haben wir von Paul Watzlawick definiert bekommen — im 4. Axiom. 1967. Digital bezeichnet dabei die Unterscheidung Entweder — Oder:

Ein bisschen schwanger geht nicht.

Und Analog ist — naja! — eben alles andere.

Diese Unterscheidung Digital:Analog hat in der Bio-Psycho-Sozialen Denkfigur — wie wir diese auch bei Silvia Staub-Bernasconi nutzen — einen festen Platz und macht dort einen praktischen Unterschiedeinen Unterschied, welcher einen Unterschied machtDarauf kann ich hier nicht eingehen. Aber — und darum geht es mir — ich brauche die Zeichenkette Digital. Aber eben: Für etwas ganz Anderes.

Um es kurz durchzuspielen — und damit vom Tisch zu haben:

  1. Soziale Arbeit kritisiert an “Digitalisierung” nicht, dass ganz viele Menschen mit ganz vielen Menschen in Austausch treten können.
    Weltgesellschaft ist unser Ausgangspunkt.
  2. Soziale Arbeit kritisiert an “Digitalisierung” nicht, dass Menschen und Gruppen von Menschen mit eigensinniger körperlicher und/oder psychischer und/oder sozialer Ausstattung gesellschaftlich inkludiert werden können. “Computervermittelte Kommunikation” bedeutet für Millionen von Menschen zunächst vor allem und insbesondere InklusionMenschen mit Neurodiversität bilden dabei ja bloss das Aushängeschild.
    Inklusion ist zentralstes Anliegen professioneller Sozialer Arbeit.
  3. Soziale Arbeit kritisiert an “Digitalisierung” nicht, dass Menschen und Gruppen von Menschen nicht mehr abhängig von Massen leitenden Mediensind und ihre ganz andere Sicht auf ihre ganz andere Lebensweltselbstbestimmt darstellen können.
    Die Herstellung von Gegenöffentlichkeit ist traditionelleste Praxis sozialräumlicher Interventionen, fragt Marianne Meinhold.

    Und schliesslich:

  4. Soziale Arbeit kritisiert an Digitalisierung nicht, dass jetzt Töne, Bilder, Dateien digital — und nicht mehr analog — durch Berge, Meere und Lüfte geweht werden. Das mag einen Unterschied machen für den Hauselektriker.
    Das Kommunikationsmodell der Bio-Psycho-Sozialen Denkfigur unterscheidet zunächst nicht, wer oder was kommunziert.

Soziale Arbeit beobachtet Austauschprozesse von Menschen und Gruppen von Menschen und interveniert auf Grund bestimmter Kriterien in der Leitunterscheidung von Behinderungs- und Begrenzungmacht.

Digitalisierung

scheint aber ein durchaus möglicher Titel für die “Vierte Industrielle Revolution” zu sein.

Die zwei ersten industriellen Revolutionen wollen wir Mechanisierung und Maschinisierung nennen.

Die zwei letzten industriellen Revolutionen wollen wir Automatisierung und Digitalisierung nennen.

Es ist aber völlig egal, wie die “Industrielle Revolution” phasiert, bezeichnet und terminiert wird. Die Gemeinsamkeit aller wie auch immer modellierter Modelle besteht darin, dass es sich um einen Wandel handelt, welche vom Einfachen zum Schwierigen, vom Mechanischen zum Dynamischen, vom Kausalen zum Unprognostizierbaren, vom Deterministischen zum Systemtischen, vom Beobachtbaren zum Vernetzen geht, oder wie auch immer es genannt werden will. Allgemeiner und spezifischer:

Es geht um den digitalen Unterschied von Kompliziertheit und Komplexität.

Sei mutig — Wikipedia

1738 zeichnete ein Spinner, Bastler und Tüftler das Bild einer mechanische Ente. Jedes Kind wusste damals — heute ist dass möglicherweise anders! — , dass eine Ente keine Bot, keine Maschine, ist.

Die Zeichnung aber wirkte als ganz konkretes Vor-Bild, wie gedacht, geplant, gehandelt werden muss. Und tatsächlich schaukelten schon bald motorisierte Geräte über die Strassen, tuckern bisheute eiserne Schiffe durch die Meere, grandiose Flugzeuge schweben durch die Lüfte. — Es hat funktioniert. Und wie!

Wenn wir heute — in der Vierten Industriellen Revolution — mit Softwareingenieuren reden und den Workflow — etwa jener der sozialräumlichen Intervention von #WikiDienstag — abgleichen, erzählen sie uns von ihrem Ententest. Und das tönt dann so, als würden Sozialarbeitende lösungsfokussierte Best-Practice austauschen:

  • Repariere nicht, was funktioniert.
  • Wenns funktioniert, mach mehr davon.
  • Wenns nicht repariert werden kann, probier etwas anderes.
  • Was hilft hilft.
  • Der Lösung ist es egal, wie das Problem entstanden ist.
  • Lösungen erkennst du am Verschwinden des Problems.

Und immer so weiter.

Wer heute Digitalisierung sagt, meint nur — und das ist nicht gerade wenig! — , dass der Ausgangspunkt von Unterscheiden, Beobachten und Handelnzwingend die Annahme von Komplexität ist. Und nicht Kompliziertheit.

Wenn letzte Woche die professionellen Informationsdistributöre berichteten, der amerikanische Präsident Trump hätte getwittert und jetzt drohe Krieg im Iran: Dann ärgern wir uns über dieses dramatische Komplexitätsdefizit und zappen weg.

“Unterkomplexität” ist zu einem breit akzeptiertes Schimpfwort geworden.

Kein Mensch, keine Organsiation, keine Institution kann diesen Vorwurf auf sich sitzen lassen.

So wie früher Technologiedefizit ein Schimpfwort war und uns Sozialarbeitende in schlaflose Nächte getrieben hat. Noch 2004 hat Hiltrud von Spiegel das Technologiedefizit Sozialer Arbeit beschrieben und im sensationellen Kapitel 1.2.3 auch gleich — 1, 2, 3 — erklärt, was der Unterschied ist, wenn Soziale Arbeit die eigenen Konstruktionen expliziert:

Soziale Arbeit beschreibt nicht was ist.
Bloss weil auch wir Soziale Verhältnisse beschreiben, beschreiben wir diese nicht wie die Ingenieure eine mechanische Dampfmaschine in ihrem Schnauben und Stampfen. Wenn wir Wirklichkeit, Realität, Wahrheitbeobachten, tun wir es, im Prozess der Explizierung des Impliziten. Damit stellen wir Transparenz her:

  • So wirkt dieses Wir in meinem Ich.
  • So beobachte ich, was Realisiert wird.
  • Das ist meine Für Wahr Nehmung.

Das ermöglicht Kritik, Feedbacks, methodische und berufsethische Reflexionen. Das erfüllt durchaus wissenschaftliche Ansprüche. Und das machen wir nicht erst seit diesem Weh!Weh!Weh! so. Sondern seit 500 und ganz locker zeigbar, seit 200 Jahren. Wir gestalten Prozesse:

“Social work is a practice-based profession and an academic discipline that promotes social change and development, social cohesion, and the empowerment and liberation of people”,

sagt die Internationale Definition von Sozialarbeit.

Der Charme dieser Erzählung liegt nun also darin, dass wir mit der Erzählung der “Vier industriellen Revolutionen” eine gegenläufige Position zeigen können:

  • Es waren Ingenieure — meist Männer! — welche sich die Welt als eine grosse Maschine vorgestellt haben.
  • Es waren Arbeitende am Sozialen — meist Frauen! — welche sich die Welt als eine prozessual-systemisches Geflecht in Austauschverhältnissen vorgestellt haben.

Nicht nur Silvia Staub-Bernasconi hat uns viele Biografien theoriemachender Frauen aufgearbeitet. Unter der Schirmfrauschaft von Ilse Arlt stehen wir ja auch gewissermassen in dieser Tagung. Jane Addams. Die Hervorragend von aktuellster Managementtheorie referenzierte Mary Parker Follett. Ich hätte auch noch gerne Ada Lovelance dazugenommen. Und immer so weiter.

Wir in Zürich wollen mindestens noch die viel frühre Katharina von Zimmernerwähnt haben. Sie darf als die Begründerin Professioneller Sozialer Arbeit in unserer Stadt gesehen werden. Am 8. Dezember 1524 — vor genau 495 Jahren — wohl nach einer Messe zu Mariä Empfängnis.

Die Bio-Psycho-Soziale Denkfigur

Wer Digitalisierung sagt, meint: Wir gehen ab jetzt von Komplexität aus.

Das tut Beruf, Profession, Disziplin Sozialer Arbeit, seit es Beruf, Profession, Disziplin Sozialer Arbeit gibt. Und es haben sich dazu auch Konzepte bewährt:

Es geht darum, Abschied von der Bescheidenheit zu nehmen.

Soziale Arbeit ist Arbeit am Sozialen.

– Und nicht an Körpern.
– Und nicht an Psychen.

Und was ist das Soziale, wenn also nicht Körper und nicht Psyche?
— Ja! Eben: Kommunikation. Genau das meinte Paul Watzlawick, wie er 1967 in seinem 1. Axiom verlangte:

“Du kannst nicht nicht kommunizieren.”

Zusammen mit Tina Piazzi haben wir im Sammelband von Alois Huber und Roland Fürst die drei ersten Axiome von Paul Watzlawick 50 Jahre später als seinen radikalen Ausgangspunkt von Komplexität mit den Axiomen der Bio-Psycho-Sozialen Denkfigur abgeglichen und reformuliert:

  1. Axiom: Du kannst nicht nicht unterscheiden.
  2. Axiom: Du kannst nicht nicht beobachten.
  3. Axiom: Du kannst nicht nicht handeln.

Jetzt kann auffallen, dass dieser Wandel des dominanten Weltzugangs von Kompliziertheit, zum dominanten Weltzugang von Komplexität mit einem Medienwechsel zusammenfällt:

Wir akzeptieren in dieser Vorstellung vier Medien: Sprache, Schrift, Buchdruck und Computer und identifizieren die “Vierte Industrielle Revolution” mit dem Abschluss des Medienwechsels “vom Buchdruck zum Computer”. Jetzt geht es anders weiter.

NEUE MEDIEN ermöglichten vor 500 Jahren der Gesellschaft der Gesellschaft eine nächste Antwort auf “Die Soziale Frage”.

#ZwingliFilm erzählt es aktuell in den Schweizer Kinos. Welche Antworten heute erfunden werden, das entscheidet sich in diesen Tagen.

Die Sozialarbeiterin Katharina von Zimmern spielte damals eine sehr entscheidende Rolle in der Stadt Zürich.

Und was hat Soziale Arbeit — verstanden als eine Gerechtigkeits- & Fürsorglichkeitspraxis — aus dem Fundes der theoriemachenden Frauen für die Bewältigung der aktuellen, globalen Krisen

  • der Ökologischen Krise
  • der Ökonomischen Krise
  • der Kommunikativen Krise

teilzugeben?

In der sozialräumlichen Intervention WikiDienstag.ch nutzen wir die Erfahrungen und Praxis von Wikipedia (2001–2008) und Wikidata (seit 2012) und beschreiben dort, wie Millionen von Menschen seit 18 Jahren — über 300 Sprachkulturen hinweg — für sich selbst eine gänzliche andere Art und Weise der Kollaboration und Kooperation in Anspruch nehmen.

Wir gehen dabei — das thematisiert der erste von vier Polsprüngen — gänzlich anders mit “Zeit&Raum” um:

Für Wikipedia ist das “Hier&Jetzt” nur eine Variante. Wichtig, zentral, dominant ist das “Immer&Überall”.

Die theoriemachenden Frauen haben für die dualen Ausbildungslehrgänge Sozialer Arbeit schon immer das volle Spektrum von “Hier&Irgendwo” und “Jetzt&Irgendwann” ausgenutzt haben. Vielleicht kann dazu später Tina Piazzi — mir ihr zusammen haben wir ja die zwei Bände “Die Form der Unruhe” 2009/2010 entwickelt— noch anderes teilgeben…

Alois, zurück nach Luzern: War es das, was ich habe erzählen sollen? Ist das ein Ansatz, an welchem angesetzt werden kann?

/sms ;-)
#dfdu AG — Konstellatorische Kommunikation| WikiDienstag.ch


stand: 23.05. – 17.30

Lieben Dank nach Luzern…

In 10 Minuten “Soziale Arbeit und Digitalisierung”: Es muss also nicht nur rasch gehen — ich bin sicher, Alois Huber wollte, dass ich meine Version der “Vier Industriellen Revolutionen” erzähle.

Das ist typisch für ein Lösungsfokussiertes Setting: Es geht zunächst darum, in einen Ressourcenzustand zu kommen. Es freut mich, wenn diese kurze Erzählung ein Beitrag werden darf, zwei ganz unbescheiden gute Arbeitstage zu gestalten.

Ich selbst werde meinen Körper nicht nur aus terminlichen Gründen die zwei Tage hier in Zürich belassen. Es geht ja genau um solche “neuen” Herausforderungen rund um “Computer vermittelte Kommunikation”. Das ist für Normaluser wie mich ja auch erst seit 30 Jahren möglich. Darum reden wir ja auch noch immer von “Neuen Medien”, was für unsere Studierenden, welche mit dem Daumen am Handy zur Welt gekommen sind, ziemlich komisch tönen muss. In der Intervention WikiDienstag.ch arbeiten wir mit der Definition #SmartSetting. Den hier vorgetragenen Text mit allen Links ist im Padlet von Florian Zahorka verlinkt und für Fragen rund um unsere beiden Bücher “Die Form der Unruhe” (2009/2010) ist Tina Piazzi — wenn auch unter einem anderen Hut — bei Euch vor Ort. — Es geht los:

DIE VIER INDUSTRIELLEN REVOLUTIONEN

Vor genau 500 Jahren — 1519 — wurde hier in Zürich ein junger Priester in die Stadt geholt, welcher fasziniert gewesen ist von den “Neuen Medien” jener Tage: Die Möglichkeit des anonymen Publizierens.

Bereits am 8. Dezember 1524 hat Katharina von Zimmern — wohl nach einer Messe zu Ehren von Mariä Empfängnis — ihr Kloster der Stadt Zürich mit der Auflage übergeben, dass von nun an die Stadt jene Soziale Arbeit zu leisten hat, welche ihre Schwestern bisher geleistet haben. Es ist für uns in Zürich die Geburtsstunde professioneller Sozialer Arbeit.

Eine technische Revolution fällt mit einer kommunikativen Subversion zusammen und ermöglicht der Gesellschaft der Gesellschaft eine nächste Antwort auf “Die Soziale Frage”. Und Soziale Arbeit mitten drin. Prall.

1527 konnten die progressiven Kräfte dieser Bewegung bereits ersäuft werden: Alle Ziele der Sozialen Revolution durch die Frühaufklärung waren erreicht. Es folgte die sogenannte Gegenaufklärung — der sogenannte Barock. Es folgte 300 Jahre später die Aufklärung: 1789 die französische Revolution. Genau 200 Jahre später — 1989 die deutsche Revolution. Dazwischen Tragödien der Menschlichkeit. Und Soziale Arbeit mitten drin. Prall.

Damit ist das Zeitfenster, in welchem die Erzählung der “Vier Industriellen Revolutionen” sich abspielen, geframed.

Die Möglichkeit des anonymen Publizierens — der Buchdruck — unterstützt die Re-Formation. Die Protestanten sind für den Test. Pro Test. Für den Test. Nicht der Körper, nicht die Position, nicht das Geld, nicht die Gewaltbereitheit soll entscheidend sein, sondern das transparente, objektiv überprüfbare, nachvollziehbare Argument.

Die zwei ersten industriellen Revolutionen wollen wir Mechanisierung und Maschinisierung nennen.

Es ist aber völlig egal, wie die Vier Industriellen Revolutionen phasiert, bezeichnet und terminiert werden. Interessant ist, dass das Narrativ der Industriellen Revolutionen (1.) besteht, dass es (2.) breitest akzeptiert ist und (3.) dass der Clou der Idee in allen erzählten Variationen darin besteht, dass der Ausgangspunkt das Lineare, das Kausale, das Deterministische, das Beobachtbare, das Nachprüfbare — und immer so weiter — ist.

Die zwei letzten industriellen Revolutionen wollen wir Automatisierung und Digitalisierung nennen. Der Ausgangspunkt bildet nun das prozedurale, iterative, prozessuelle, dynamische, systemische, vernetzte — vor wenigen Jahren hätten wir auch noch — “kybernetisch”, gesagt.

Im Zeitraum von 500 Jahren wandelt, besser springt, oder wechselt der dominante Ansatz “sich die Welt untertan zu machen” von Kompliziertheit zu Komplexität.

Und jetzt wird die Ressourcenposition von Sozialer Arbeit in der aktuellen vierten Phase der Industriellen Revolution deutlich:

Während vor 500 Jahren die Männer sich auf den Schlachtfeldern linear-kausal und ganz mechanisch die Köpfe eingeschlagen haben und so ganz reale, alltagspraktisch relevante, wirkungsmächtigst Probleme gelöst haben, mussten die Nonnen der letzten Äbtissin von Zürich mit den sozialen Kollateralschäden gänzlich andere Vorgehensweisen für ihre sozialräumlichen Interventionen wählen.

Wenn das, was ich bis jetzt gesagt habe, nicht von einem 12-jährigen Kind nachvollzogen werden kann, ist es ungültig. Und darum diese Repetition:

Sei mutig — Wikipedia

1738 zeichnete ein Spinner, Bastler und Tüftler das Bild einer mechanische Ente. Jedes Kind wusste damals, dass eine Ente keine Maschine ist. Aber die Idee gab ganz konkrete Anweisung, wie gedacht, geplant, gehandelt werden muss damit eiserne Schiffe durch die Meere tuckern und grandiose Flugzeuge durch die Lüfte schweben können. Es hat funktioniert. Und wie!

Wenn wir heute mit Softwareingenieuren reden und unsern Workflow mit ihnen abgleichen, erzählen sie uns von ihrem Ententest. Und das tönt dann so, als würden Sozialarbeitende lösungsfokussierte Best-Practice austauschen:

  • Repariere nicht, was funktioniert.
  • Wenns funktioniert, mach mehr davon.
  • Wenns nicht repariert werden kann, probier etwas anderes.
  • Was hilft hilft.
  • Der Lösung ist es egal, wie das Problem entstanden ist.
  • Lösungen erkennst du am Verschwinden des Problems.

Und immer so weiter.

Wer heute Digitalisierung sagt, meint nur — und das ist nicht gerade wenig! — , dass der dominante Ausgangspunkt von Unterscheiden, Beobachten und Handeln die Annahme von Komplexität ist. Und nicht Kompliziertheit.

Und wenn die Tagesschau berichtet, der amerikanische Präsident Trump hätte getwittert und jetzt drohe Krieg im Iran: Dann ärgern wir uns über dieses dramatische Komplexitätsdefizit von Professionellen.

Noch 2004 hat Hiltrud von Spiegel das Technologiedefizit von Sozialer Arbeit beschrieben und im sensationellen Kapitel 1.2.3 auch gleich — 1, 2, 3 — erklärt, was der Unterschied ist, wenn Soziale Arbeit die eigenen Konstruktionen expliziert: Wir tun es, damit Transparenz hergestellt wird, Feedbacks ermöglicht werden, methodische und berufsethische Reflexionen einsetzen können. Und das nicht erst seit dem aufkommen des Weh!Weh!Weh! Sondern seit 500 und ganz locker zeigbar seit 200 Jahren.

Unterkomplexität ist jetzt ein Schimpfwort

und setzt alle Ingenieure — auch Sozialingenieure aus Wissenschaft, Politik, Wirtschaft, Journalismus und so weiter — unter Druck. Silvia Staub-Bernasconi wurde geöhrt: Es ist zu einem Abschied von der Bescheidenheit gekommen. Auf jeden Fall fällt jetzt auf:

Die Bio-Psycho-Soziale Denkfigur — wie diese bereits lange vor dessen Ausformulierung durch Naturwissenschaften — im Namen von Beruf, Profession und Disziplin Sozialer Arbeit ableitbar ist, verlangt von Komplexität auszugehen:

Soziale Arbeit ist Arbeit am Sozialen.
Und nicht an Körpern.
Und nicht an Psychen.

Was das Soziale ist, wenn nicht Körper und nicht Psyche? Ja! Eben: Kommunikation. Das meinte Paul Watzlawick, wie er 1967 sagte:

“Du kannst nicht nicht kommunizieren.”

Die drei ersten Axiome können 50 Jahre später als Ausgangspunkt von Komplexität reformuliert werden:

  • Du kannst nicht nicht unterscheiden.
  • Du kannst nicht nicht beobachten.
  • Du kannst nicht nicht handeln.

Was vor 50 Jahren möglicherweise für einige ein Aufreger war, ist heute nicht mehr zu bestreiten. Und wer es bestreitet, kann mit einem Komplexitätsdefizit angelächelt werden. Interessant ist auch, dass der Satz, dass nicht Menschen kommunzieren, sondern Kommunikation, erfahrungsgemäss kein Aufreger mehr sein kann:

Computer vermittelte Kommunikation inkludiert nicht nur Menschen, sondern auch Maschinen. Wir haben uns längst daran gewöhnt. Und in unserem Kommunikationsmodell macht dies zunächst auch gar kein praktischer Unterschied. Diese kommunikative Inklusion bedeutet für viele Menschen, welche eben gerade noch stellvertretend durch Soziale Arbeit inkludiert werden mussten, ein sensationelles Empowerment. Ein Sozialer Wandel. Eine Ermöglichung von individueller Freiheit, wie es unsere internationale Anerkannte Definition von Sozialarbeit verlangt:

“Social work is a practice-based profession and an academic discipline that promotes social change and development, social cohesion, and the empowerment and liberation of people.”

Wikipedia bildet — bei allen beschriebenen Probleme — eine grandiose Beobachtungsfolie: Besonders eindrücklich kann dies bei Menschen mit Neurodiversität gezeigt werden. Das führte hier jetzt alles zu weit. Bloss noch dies: Bei Wikidata arbeiten übrigens sehr viele Frauen mit. Um auch noch diesen billigen Vorwurf gegen die vielen kollaborativen Schreibsysteme der letzten 3 Jahrzehnten durch massenleitende Medien und ihre Kanonensegner von der Universität pulverisiert zu haben.

Ich muss zum Schluss kommen:

  • Soziale Arbeit kritisiert an Digitalisierung nicht, dass ganz viele Menschen mit ganz vielen Menschen Austauschen können.
    Weltgesellschaft ist unser Ausgangspunkt.
  • Soziale Arbeit kritisiert an Digitalisierung nicht, dass Menschen und Gruppen von Menschen mit unterschiedlichesten Behinderung inkludiert werden können.
    Inklusion ist unser Anliegen.
  • Soziale Arbeit kritisiert an Digitalisierung nicht, dass Menschen und Gruppen von Menschen nicht mehr abhängig sind, von Massen leitenden Medien, ihre ganz andere Sicht auf ihre Lebenswelt dargestellen zu können.
    Die Herstellung von Gegenöffentlichkeit ist traditionelle Praxis sozialräumlicher Interventionen.
  • Sozialer Arbeit ist es zudem völlig egal, ob Töne, Bilder, Dateien digital oder analog durch Berge, Meere und Lüfte geweht werden. Das ist wichtig für den Hauselektriker.
    Für “Menschliche Kommunikation” macht das keinen praktischen Unterschied.
  • Die Unterscheidung Digital:Analog hat uns Paul Watzlawick definiert. Sie ist dort zu wertvoll, um sie in eine beliebige Verwendung verfallen zu lassen. Und eben: Digitalisierung meint bloss:
    Es ist von Komplexität auszugehen.

“Neue Medien” ermöglichen der Gesellschaft der Gesellschaft eine nächste Antwort auf “Die Soziale Frage”.

Offen bleibt, welchen Beitrag in der Entwicklung einer solchen nächsten Antwort einer Soziale Arbeit, welche sich als eine Gerechtigkeits- & Fürsorglichkeitspraxis versteht, leisten will.

Für den Moment möchte ich hier gerne abschliessen.

Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit.

/sms ;-)
#dfdu AG — Konstellatorische Kommunikation| WikiDienstag.ch

22.05.19

Als Antwort auf mögliche Fragen zur praktischen umsetzung:

Wir arbeiten mit WikiDienstag.ch in einem #SmartSetting, nutzen Wikipedia, wie es sich zwischen 2001–2008 aufgebaut hat und Wikidata, was seit 2012 läuft, als sozialräumliche Feldforschung und integrieren die Erfahrungen aus sozialarbeiterisches #CommunityCare. Dabei haben wir vier sogenannte Polsprünge entwickelt, welche bei Wikipedia/Wikidata umstandlos abzulesen sind.

Alle Grafiken von WikiDienstag.ch zum ausdrucken

Im ersten Polsprung geht um den Klassiker von Raum und Zeit. Millionen von Menschen in weit über 300 Sprachkulturen haben für sich akzeptiert, dass in diesem kollektiven Schreibsystem nicht mehr das “Hier&Jetzt” dominant ist, sondern das “Immer&Überall”.

Das wirkt weniger inspirierend auf ein Lernen und Lehren auf der Höhe der Zeit, sondern radikal herausfordernd. Unsere duale Ausbildungen haben ja gerade das “Hier&Dort” und das “Jetzt&Irgendwann” gesucht und erprobt und selbstverständlichst integriert: Die Schule und die Praxis. Der Präsenzunterricht und die individuellen Vertiefungen. Und immer so weiter.

stand 21.05.19, 20:24

Geschätzte Kolleg*Innen: Gemäss Programm, soll in 10 Minuten ein “Geschichtlicher Abriss Sozialer Arbeit und Digitalisierung” gemacht werden. Das mache ich sehr gerne.

Lassen Sie mich den Begriff “Digitalisierung” abreissen:

Was bezeichnet der Begriff Digitalisierung? — Vier Vorschläge:

Wenn Digitalisierung meinen würde, dass Menschen über irgenwelche elektrifizierten Gerätchen mit anderen Menschen verbunden sind — rund um die Welt — dann wäre Digitalisierung das, worauf Soziale Arbeit so lange gewartet hat:

  • Ganz Viele Menschen können mit ganz vielen, ganz unterschiedlichen Menschen austauschen.
  • Ganz direkt.
  • Ganz unvermittelt.
  • Über alle denkbaren — und noch nicht gedachten — Grenzen hinweg.

Soziale Arbeit hat zu allen Zeiten die universelle Verbundenheit betont, von #Weltgesellschaft geschrieben und sich selbst als eine “Gerechtigkeits- & Fürsorglichkeitspraxis” verstanden. Die letzte Metamorphose der Sozialen Frage, wurde als “Chronik der Lohnarbeit” gezeigt. Der Slogan mit welchem sich unser Beruf, unsere Profession, unsere Disziplin identifiziert hat, lautete:

Prolos aller Länder, vernetzt euch.”

Zweitens — Wenn Digitalisierung meinen würde, dass Menschen und Gruppen von Menschen nicht auf den “professionellen Informationsjournalismus” der Massen leitenden Medien warten müssen, ihre ganz andere Sicht auf Schichten der eigenen Geschichte zur Darstellung bringen zu können, dann ist Digitalisierung das, worauf Soziale Arbeit so lange gewartet hat. Die Herstellung von

Gegenöffentlichkeit

war eine der Hauptaufgabe Sozialer Arbeit, welche sich für Menschen eingesetzt hat, welche als “am Rande der Gesellschaft” beschrieben worden sind.

Wenn Digitalisierung — drittens — meinen würde, dass Menschen mit unterschiedlichsten Formen von Behinderungen inkludiert werden und offensiv an dem Mitarbeiten können, was alle angeht — Jürgen Habermas nannte es “Öffentlichkeit” — , dann ist Digitalisierung das, worauf Soziale Arbeit so lange hingearbeitet hat:

Die Hierarchie von Laien und Experten ist keine Leitunterscheidung mehr. Die Unterscheidung Zentrum-Periferie ist pulverisiert. Wir haben 2010 in unserem Band 2 von “Die Form der Unruhe” — dieser steht in Ihrer Hochschulbibliothek — eine “Liste der gelöschten Unterscheidungen” angefangen, welche viel zu defensiv formuliert war, im Vergleich zu dem, was wir heute tatsächlich erleben: Mit Wikidata inkludieren wir seit 2012 auch Maschinen in die Produktion von freiem Wissen. Daran arbeiten übrigens auch sehr viele Frauen mit. Von Menschen, welche vor wenigen Jahren Jahren in den Kunstateliers psychiatrischer Kliniken dauerbeschäftigt wurden — ich rede beispielsweise von Menschen mit Neurodiversität — ganz zu schweigen.

Viertens — zum schnellen Schluss dieser kurzen Liste: Wenn Digitalisierung meinen würde, dass die Töne und Bilder und Dateien nicht analog, sondern digital durch die Berge, Meere und Lüfte getrieben und geweh!weh!weht würden, dann machte dies dem Hauselektriker einen grossen, für die “Menschliche Kommunikation” aber zunächst grad gar keinen praktischen Unterschied.

Kurzum: Bei diesen ziemlich spontan und unsystematisch gesammelten Vorstellungen gängiger Verwendung von Digitalisierung, wäre jede Zurückhaltung bezüglich “Digitalisierung” seitens Sozialer Arbeit höchst suspekt:

Digitalisierung wäre dann ein grandioses Empowerment, ein erwünschter, sensationeller, Menschen befreiender Sozialer Wandel, wie die internationale Definition Sozialer Arbeit es anstrebt. Jede Zurückhaltung, stünde im Verdacht, dass es sich um die Sicherung von erreichter Hierarchie, Position und Macht gegenüber unserer Adressaten handeln müsste und inexistentes Engagement in der Realisierung von Digitalisierung wäre ein Zeichen von Besitzstandswahrung.

Es macht Sinn, das Wort Digitalisierung zu definieren:

Worum geht es bei dem Begriff der Digitalisierung?

Der Vorschlag steht im Raum, der Begriff der Digitalisierung sei als Titel für “Die 4. Industrielle Revolution” aufzufassen.

Es ist ziemlich egal, wie die industriellen Revolutionen der letzten mindestens 500 Jahren phasiert und definiert werden. Wichtig an diesem breitest akzeptierten — ich sag jetzt mal — “Narrativ” ist, dass es einen Prozess beschreibt, welcher als ein Wandel des dominanten Weltzugangs beschrieben werden kann.

Es ist ein Wandel vom Ausgangspunkt der (linearen, kausalen, deterministischen) Kompliziertheit, hin zum Ausgangspunkt von (prozessualer, systemischer, prinzipiell unprognostizierbaren) Komplexität.

Es waren Ingenieure — meist Männer! — welche sich die Welt als eine grosse Maschine vorgestellt haben. Von 1738 ist das Bild einer mechanischen Entebekannt. Jedes Kind wusste, dass die Ente kein solches Konstrukt ist. Aber die Idee, sich die Ente als ein Röhrensystem mit Pumpen und Filtern und Zshnrädern vorzustellen, war ausserordentlich erfolgreich:

Immerhin sehen wir bis heute riesige eiserne Schiffe durch die Meere tuckern und grandiose Flugzeuge durch die Lüfte schweben.

Die über Jahrhunderte angewendete Mechanisierung — denken Sie nur an Räder, Mühlräder, Wasser- und Windmühlen — erhielt mit der Maschinisierung eine explosive Beschleunigung. Motoren ersetzten die Naturkräfte. Die dritte industrielle Revolution erlaubte den Motoren sich automatisch in Bewegung zu setzen. Etwa dann, wenn ein Termostat einen bestimmten Zustand erreichte und einem Ventil erlaubte, sich zu öffnen oder zu schliessen. Die Automatisierung soll nun von Digitalisierung — der aktuellen, vierten industriellen Revolution — unterschieden werden. Den Automaten wird nun ermöglicht, dass sie ihre Bedingungen ihre Motoren ein oder auszustellen, durch eigene Rechenleistung errechnen können.

Mit allem Rechnen. Das ist die Devise seit hunderten von Jahren. Und tatsächlich rechnen wir heute mit allem. So, dass mit allem zu rechnen ist.

Der Clou dieser Definition von Digitalisierung ist, dass jetzt gezeigt werden kann, dass in all dieser Zeit, in welcher das linear-kausale, deterministische denken, massive Kollateralschäden angerichtet hat, diese von Arbeitenden am Sozialen — meist Frauen! — aufgegangen wurde.

Interessant dabei ist, dass an der Literatur theoriemachender Frauen der Sozialen Arbeit über 500 — aber ganz ohne jede Umstände — seit 200 Jahren gezeigt werden kann, dass diese Frauen explizit von Komplexität gesprochen, bzw. prozessual-systemische Vorgehensweisen beschrieben haben. Silvia Staub-Bernasconi hat viele Frauenbiografien aufgearbeitet. Natürlich müsste in diesem Kontext jetzt insbesondere Ilse Arlt erwähnt werden. So weit ich sehe, ist aber am offensivsten Mary Parker Follet von aktuellster Organisations- und Managementheorie — etwa bei Peter Drucker — reverenziert worden.

Wie auch immer: Selbst wenn eine einzelne Sozialarbeiterin in einem Einzelgespräch sitzt, kann sie nicht vergessen, dass sowohl sie selbst, wie aber auch ihre Adressatin, in einem weiten Netz von Verbindungen, Bezügen und Konstellationen eingebunden ist. Und sie — die Arbeitende am Sozialen! — wird den Sozialen Raum so zu gestalten suchen, dass dieser mehr Möglichkeiten schafft, Sozialen Wandel ermöglicht und einen Beitrag zu mehr individueller Freiheit schafft.

Ich erinnere mich noch, wie wir als junge Studierende in hitzigen Diskussionen selbst den Begriff der “Planung” abgelehnt haben, weil er uns zu machig, zu könnig, zu heroisch erschien. Wir sprachen darum etwa von der Gestaltung eines Hilfsprozesses, von Gruppendynamik, von Moderation. Und immer so weiter.

Wer ab jetzt “Digitalisierung” sagt, meint also: Es muss von Komplexität ausgegangen werden. Nicht von Kompliziertheit.

Aus dem Vorwurf eines Technologiedefizits von anderen an Soziale Arbeit (Hiltrud von Spiegel, Niklas Luhmann zitierend), wird ein Vorwurf eines Komplexitätsdefizit von Sozialer Arbeit an andere.

Silvia Staub-Bernasconi wurde sehr ernst genommen: Es ist zu einem Abschied von der Bescheidenheit gekommen. Die Frage scheint mir bloss, ob Beruf, Profession und Disziplin Soziale Arbeit davon etwas mitbekommen hat.

Offensichtlich ist, dass die aktuellen globalen Krisen — die ökologische Krise, die ökonomische Krise, die kommunikative Krise in den Orientierungen der Industrialisierung von “Links-Rechts und Fortschrittlich-Konservativ” keine Orientierung mehr finde.

Offensichtlich ist auch, dass die Bio-Psycho-Soziale Denkfigur, welche Komplexität und prinzipielles Unwissen zum Ausgangspunkt jedweder Unterscheidung, Beobachtung und Handlung verlangt, Unterscheidungen generiert, welche einen praktischen Unterschied macht.

Offensichtlich ist auch, dass bereits der Name von Beruf, Profession und Disziplin, dieses Denkfigur anspricht:

Soziale Arbeit ist Arbeit am Sozialen
– nicht an Körpern.
– nicht an Psychen.

Die Beobachtung von Austausch, die Unterscheidung von Begrenzungs- und Behinderungsmacht, das Ringen um Durchsetzung von explizit gemachten Kriterien zur Beobachtung von Austauschprozessen auf der Ebene von Weltgesellschaft: Soziale Arbeit hat ein differenziertes Konzept anzubieten, sich mit aktuellen Herausforderungen auf der Höhe der Zeit in die Diskussion einzubringen. Die Herausforderungen sind enorm. Und sie besteht nicht darin zu entscheiden ob Padlet, oder Moodle oder Wikipedia.

Gilles Deleuze hat einmal vorgeschlagen, die unterscheidung von Links und Rechts an der postalischen Adresse abzulesen. Rechts wäre demnach, von oben nach unten zu denken: Vom Eigenen aus, zum dem der eigenen Umgebung, hin zur eigenen Stadt, Region, Land, Kontinent. Soziale Arbeit denkt traditionell von unten her. Also Links: Aus der Komplexität von Weltgesellschaft heraus.

Was ich hier Versuche? — Ein Plödoyer

Digitalisierung stellt Soziale Arbeit zunächst vor die Herausforderung, sich wiederum an ihre Wurzeln und ihre Anfänge zu erinnern. Es geht darum, die Arbeit mit Gruppen und Gemeinwesen in den Fokus zu nehmen. Soziale Arbeit als Grundlagenforschung, als Aktionsforschung, als eine Gerechtigkeits- & Fürsorglichkeitspraxis zu entdecken. Wir haben unsere Arbeitsweisen im Umgang mit Pestopfern, Weisen, Kriegsopfern, Massenarbeitlosigkeit, Alkoholismus entwickelt: Jetzt geht um Armut, Flüchtlinge, Grundeinkommen…

Ich habe schon überzogen.

Weil in der Schweiz gerade der Zwingli Film in den Kinos läuft. Dort könnte gelernt werden:

NEUE MEDIEN ermöglichen DER GESELLSCHAFT DER GESELLSCHAFT eine NÄCHSTE Antwort auf DIE SOZIALE FRAGE.

Ich wünsche uns zwei auf- und anregende Tage. Lieben dank für die Aufmerksamkeit.

/sms ;-)
#dfdu AG — Konstellatorische Kommunikation| WikiDienstag.ch

 

stand 13.05.19 bis 11:54

Der Begriff #Digitalisierung ist Quatsch.

Soziale Arbeit arbeitet am Sozialen.
Nicht an Körpern.
Nicht an Psychen.

Darum war für uns das Gespräch so wichtig.
Die Interaktion.
Die Co-Produktion.
Die Ko-Operation.
Der Austausch.
Die Supervision.

Der wichtigste Witz für Soziale Arbeit ist:
“… schön, konnten wir drüber reden.”

Das Publikum in Luzern lacht jetzt. Ich gehe jede Wette ein…

Das ist auch der Clou: Es ist ein Witz.
Wir meinen das nicht ernst.
Der Satz ist traditionell eine Verballhornung.

Das Gespräch ist uns ein Mittel.

Nicht das Ziel.

Sprache ist uns ein Mittel.

Nicht das Ziel.

Schriftlichkeit erlebten wir als Problem:

– Als Stigmatisierung
– Als Festschreibung von Fluidem
– Als Teil eines aggressiven Labeling-Prozesses was verhindert, verstellt, festzurrt, pervertiert.

Massenmedien erlebten wir als Problem:

Die Wirkung von Massen leitenden Medien hat C. Wolfgang Müller in seinem Klassiker “Wie Helfen zum Beruf wurde” erzählt. Er fand keine professionellen Sozialarbeitenden, welche sich gegen die Vernichtung von überflüssigen Menschen gewehrt haben. Nicht in Büchern. Nicht an Fachkonferenzen. Einfach keine. Er beendet das Kapitel 7 mit dem Worten:

… wir müssen uns zur Kenntnis stellen, dass unsere Berufsausbildungen ebenso wie die Berufsausbildung von Ärzten, Juristen und Verwaltungsbeamten uns nicht hinreichen widerständig gegen die Zumutuen gemacht hat, Beihilfe zur Vernichtung menschlichen Lebens zu leisten…

Darum hat sich politisch engagierte Soziale Arbeit bis — ich sage jetzt einfach mal 1997 — um die Herstellung von Gegenöffentlichkeit bemüht. Und seit dem es sehr, sehr, sehr einfach geworden ist, an eben diese versteckten, verborgenen, zurückgehaltenen Informationen zu kommen lehren Hochschule für Soziale Arbeit inbrünstig Medienkompetenz. Das ist ein Skandal. Insbesondere, weil die offizielle Definition von Sozial Arbeit besagt:

“Social work (…) promotes social change (…) and the empowerment and liberation of people.”

Dass wir dramatischste Probleme mit dem Pulverisierung von dem, was wir eben noch “Privatspähre” nennen konnten, ausgelöst durch einen — wir nennen es — Medienwechsel in Abgrenzung zu Medienwandel! — sei unbenommen. Aber die Vermittlung von Medienkompetenz durch angeblich professionelle Medien kompetente Fachpersonen, verhindert präzis die offensive Arbeit an den aktuellen Herausforderungen.

Die Kritik am Begriff Digitalisierung anzubinden, scheint mir sehr effizient.

stand 11.04.2019, 13:44h

Geschätzte Kolleg*Innen: Gemäss Programm, soll ich in 10 Minuten einen “Geschichtlichen Abriss Sozialer Arbeit und Digitalisierung” machen. Das mache ich sehr gerne. Als erstes möchte ich ein Begriff abreissen:

Der Begriff #Digitalisierung ist Quatsch.

1997 hat DIE ZEIT ein Schlusswort von Dirk Baecker zur damaligen Sokal-Affäre publiziert. Ein Sozialwissenschafliches Journal hat Texte von einem Naturwissenschafter — einem Herrn Sokal—publiziert. Dieser Physiker hat extra die hippsten Begriffe der Naturwissenschaften benutzt und Texte konstruierte, auf welchen die Sozialwissenschafter total abgefahren waren. Damals. So kybernetisches Zeugs, mit welchem sie Weltgesellschaft, Vernetzung, Komplexität, Dynamiken, Prozesse beschrieben haben. Der Clou war, dass Herr Sokal damit beweisen wollte, wie diese Sozialwissenschaften Begriffe nutzen, von welchem sie nun wirklich gar keine Ahnung haben. Die Sozialwissenschaften haben aber diese Texte gerade deshalb abgedruckt… Ach. Lassen wir das. Das war 1997. Es war Krieg. Der Krieg war. Ein #ScienceWar: Harte gegen weiche Wissenschaften. Richtige gegen Pseudowissenschaften. Empirische gegen qualitative Wisssenschaft.

Gibt es den noch? — Nein. Es geht nicht mehr um Argumente. Es geht heute um Hordenbildung. Es geht darum, exzellente Horden zu bilden um exzellte Drittmittel zu generieren. Siegen genügt.

Die Universität Zürich, war sich 2016 nicht zu schade, eine “Digital Society Initiative” #UZHdsi ins Leben zu rufen. Eine Horde von Geistewissschenafter, lässt sich herab, Ihre hippste Forschung mit dem Titel “Digitale Gesellschaft” zu bezeichnen.

Noch 1997 konnte Dirk Baecker die Sokal-Affäre mit 13’000 Zeichen beenden und brauchte kein einziges Mal die Zeichenkette “Digital”.

Ohne die Zeichenkette “Digital”, würde heute das Feuilleton keinen Text mehr von einem Wissenschaftern abdrucken. Ohne einen Text im Feuilleton, wäre es für eine Horde sehr schwer Drittmittel zu generieren. Es geht darum, mit diesem Quatsch aufzuhören.

Was meinen wir, wenn wir Digitalisierung sagen?

Wer ist Wir?

– Alle anderen nicht.

Digitalisierung ist eine Unterscheidung.

– Aber ganz sicher nicht von Analogisierung.

Digitalisierung ist eine Unterscheidung von Automatisierung.
Automatisierung war eine Unterscheidung von Maschinisierung.
Maschinisierung war eine Unterscheidung von Mechanisierung.
Mechanisierung war eine Unterscheidung Gott gegebener Schöpfung, welche so unantastbar hyperventiliert worden war, wie heute die Würde des Menschen.

Das Spiel läuft seit 500 Jahren.

Wir nennen es Reformation.

Re-Formation wollte die gesellschftliche Formation in eine andere Form zu bringen. Das sagt ja schon das Wort.

Die lateinische Vorsilbe Re will zurück.
Nicht vorwärts.
Nicht Fortschritt.
Nicht Entwicklung.

Die Reformation hat sich bloss über diese elende Vermittlungstätigkeit von gescheit daherschwätzenden Gelehrten gewehrt:

SOLA SCRIPTURA.

Wenn mich dieser Gott mich blutig und verschissen durch das Loch einer Frau auf die Welt hat pressen lassen, so will ich als Mensch diesem Gott nackt und unverhüllt und wie er mich halt eben nach seinem Ebenbild geschaffen hat — in all meiner Unzulänglichkeit — gegenüber treten dürfen.

Ende der Durchsage.

300 Jahre später, hat diese Re:Formation das ganze Bild der Stadt Zürich in eine neue Form gebracht: Hinter den Stadtmauern, oben am Berg, überragt nun die Universität die Gesellschaft der Gesellschaft zu Zürich.

Diese Protestanten haben ihrer ReFormation ein Denk!mal gesetzt.

Die Protestanten waren für den Test. Das sagt ja schon das Wort. Pro Test. Das geht selten ohne Protest. Weil jene, welche sich so prächtig eingerichtet haben, lassen sehr ungern hinterfragen, was ihnen fraglos ist.

Heute sagen die Professoren der Universität Zürich das genau gleiche, wie 500 Jahre früher der Bischof zu Konstanz:

DIESE KOMMUNIKATION LEHNEN WIR AB.

Aber es sind eben diese NEUEN MEDIEN, welche der GESELLSCHAFT DER GESELLSCHAFT eine nächste Antwort auf DIE SOZIALE FRAGE ermöglichen.

Das Schweizer Fernsehen hat einen Film produziert, welcher diese Geschichte erzählt. Dabei wird in der ersten Szene Huldrych Zwingli in diese Neuen Medien glotzen auf einem Wagen in die Stadt gezogen. Und in der zweiten Szene bedrängt der liebevoll Ueli genannte den Chorherren Hofmann und will von ihm Wissen, ob er die neueste Schrift von Erasmus von Rotterdam schon gelesen hätte. Ueli wird als Nervensäge gezeigt. Und die Täufer als die progressiven Kräfte in dieser Entwicklung.

Zwingli wurde1519 an die Macht gelassen. Vor genau 500 Jahren.

Am 8. Dezember 1524 — wohl nach einer Messe zu Mariä Empfängnis — machte Katharina von Zimmern die Stadtverwaltung von Zürich so mächtig, dass der Bischof zu Konstanz ohnmächtig wurde. Die Aufhebung des Frauenklosters darf als Geburtsdatum professioneller Sozialer Arbeit in Zürich gelten. Allerdings auch als Abschluss einer Zeit, in welcher Frauen ein eigenes, intellektuelles Leben gestalten konnten. Mehr noch: Es war eine Frau, welche den Frauen die Möglichkeit genommen hatte, sich der Möglichkeit zu gebären entziehen zu können. Aber das wäre ein anderes Thema. Ich schweife ab. Vielleicht noch:

1527 konnten dann die Täufer dort hin gebracht werden, wo sie hin wollten: Unters Wasser.

In bloss sieben Jahren hat Zürich die Gesellschaft der Gesellschaft von Zürich in eine nächste Form gebracht.

Die heutigen Bischöfe sind cleverer, hartnäckiger, sturer.

Und ihre Tätigkeit als KANONENSEGNER sind ähnlich ungehemmt, unverklemmt, selbstbewusst…

WO WAR ICH? — ahja…

Digitalisierung ist eine Unterscheidung von Automatisierung. Digitalisierung ist eine Bezeichnung der 4. industrielle Revolution.

Die Mechanisierung stellte sich die Ente als eine Maschine vor.

Das war natürlich Quatsch. Jedes Kind wusste das. Die Franzosen sagen darum bis heute “donner des canards”, wenn sie die Zeichenkette Lüge umgehen wollten. Bis zum aufkommen des Internets haben auch wir in deutsch von Zeitungsenten gesprochen.

Die offenkundige Lüge der mechanische Ente, hat jedes Kind verstanden. Und wenig später sind metallene Kisten durchs Wasser nach Amerika getuckert. Und durch die Luft geflogen. Ein wahres Wunder. Das war die 1. Industrielle Revolution. Mechanisierung.

Die linearen, kausalen, deterministischen Konstruktionen waren so erfolgreich, dass die Ingenieure die Ente noch einmal untersucht haben. Und sie haben den Hals, den Darm, das Herz als pumpende, saugende, pressende Maschinen erkannt und haben Motoren gebaut. Die Mechanik der Mühle, die Mühle der Sägerei brauchten jetzt weder Wind noch Wasser, noch im Kreis laufende Esel. Die 2. Industrielle Revolution.

Die 3. Indusstrielle ermöglichte den Motoren, selbst zu entscheiden, wann sie sich ein- und ausstellten. Ab jetzt wurde es so kompliziert, dass es komplex wurde. Ob die Klimaanlage eines grossen Hauses funktionierte, wie sie sollte, konnte nicht mehr genau vorausgesagt werden. Der Test musste es beweisen.

Aber wenn die Klimaanlage machte, was eine Klimaanlage machen sollte, war es eine Klimaanlage. Und wenn nicht, dann war es einen Haufen Schrott mit Kanälen, Kabeln und vielen Propellern.

Die Ingenieure nenne das heute den Ententest: Wenn der Vogel quackt wie eine Ente, watschelt wie eine Ente, schwimmt wie eine Ente, dann nennen sie den Vogel eine Ente.

Der Unterschied von Automatisierung zu Digitalisierung besteht darin, dass die Motoren der Maschinisierung, sich die Information, welche sie sich zum Entscheid über ihre Aktivität (on:off) in eigenen Prozeduren selber organisieren vermögen.

Digitalisierung meint: Das was damit bezeichnet wird, verhält sich komplex.

Wenn es nicht komplex ist, könnte es sein, dass wir es Automatisierung nennen. nennen wir es Maschinisierung oder Mechanisierung.

(…)

ui… muss los…

(…)

(…)

(…)

(…)

(…)

(…)

(…)


(bin noch immer am basteln und umstellen und… ufff… aber ich habe ja noch zeit bis zum 24. mai ;-)))


  1. Der Begriff Digitalisierung ist Quatsch.
  2. Paul Watzlawick hat 1967 in seinem 4. Axiom, die UnterscheidungDigital:Analog definiert. Da wir keine elektrisierenden Sozialarbeitenden ausbilden, sondern Arbeitende am Sozialen, ist der Begriff einfach bloss Quatsch.
  3. Soziale Arbeit ist Arbeit am Sozialen. 
    Und nicht an Körpern.
    Und nicht an Psychen.
    Das zeigt ja schon die Bezeichung von Job, Beruf, Profession und Disziplin von #Sozialarbeit an.
  4. Dem Bio-Psycho-Sozialen Menschenbild macht es traditionell keinen praktischen Unterschied, wer kommunziert. Was kommuniziert kommuniziert. Was nicht kommuniziert wird, beschäftigt.
  5. Soziale Arbeit hat keine elektrifizierten Gerätchen gebraucht und auch keinen Paul Watzlawick, um ihrem Handeln ein prozessual-systemisches Setting zu gestalten. Das war schon immer so. Mit “immer”, meine ich die 200-jährige Berufstradition wie wir sie etwa in den Beschreibungen der Arbeitsweisen des Rauhen Hauses kennen (Gisela Hauss). Mit “immer” meine ich aber auch die Frühaufklärung vor 500 Jahren. Auf die Begründerin der professionellen Sozialen Arbeit in Zürich, Katharina von Zimmern, komme ich wenig später. In der Schweiz zeigt aktuell #ZwingliFilm, wie
  6. Neue Medien — Sprache, Schrift, Buchdruck, Computer — der Gesellschaft der Gesellschaft eine nächste Antwort auf Die Soziale Frageermöglichen.
  7. Die letzte Metamorphose der Sozialen Frage — die Umstellung auf das Kommunikationsmedium Buchdruck — kam einer Chronik der Lohnarbeit gleich und mündete unirritiert in die Transformation von Bürgerinnen und Bürgern in ICH AG’s: Wer nicht mehr verschuldungsfähig ist, hat zu liquidieren. (Jetzt geht es anders weiter. Gott sei Dank.)
  8. Helfen wurde dabei zu einem Beruf, welcher umstandlos zu Kommerz werden konnte. Das Ideal, dass gute Soziale Arbeit einen Sozialen Wandel ermöglicht, welche professionelle Hilfe überflüssig macht, ist unter totalökonomisierten Bedingungen aufgegeben worden. “Die Genese des Klientels” wurde zu einem Teil der handwerklichen Grundausbildung Sozialer Arbeit. Ein Worst Case Szenario.
  9. Das was heute irreführend “Digitalisierung” genannt wird, ist für Soziale Arbeit selbstverständliche Grundannahme seit 500 und 200 Jahren: Der technokratische Weltzugang wurde durch theoriemachende Frauen zu allen Zeiten kritisiert und alltagspraktisch gänzlich anders gelebt. Diese Digitalisierung fordert von Sozialer Arbeit (fast) nur ein “Erinnern — Gedenken — Erneuern”.
  10. So wie die letzten Neuen Medien in der Favorisierung des anonymen Publizierens, den Körper des Menschen in die Unsichtbarkeit gedrängt haben — und gerade damit den Körper des Menschen aus der Klebrigkeit der Sozialen Massen zu lösen ermöglichte — so ermöglicht der “Medienwechsel von Buchdruck auf Computer” die Inklusion von Menschen mit unterschiedlichsten Behinderungen und unterschiedlichsten Alter. Der Wechsel der professionellen Sozialen Arbeit von Begriffen wie “Gegenöffentlichkeit” auf “Medienkompetenz”, fällt mit dem Aufkommen von Weh!Weh!Weh! zusammen. Und sagt viel über die Etablierungsversuche von professioneller Sozialer Arbeit aus. Und verdeckt dabei insbesondere, dass die aktuellen “Neuen Medien”, die Integration von vielen neuen Adressaten (Adressen!) zu inkludieren vermag, welche atemberaubende Herausforderungen generieren.
  11. Die Arbeit in einem #SmartSetting — einer computer-vermittelten Kommunikation mit all ihren Implikationen— wurde in den letzten 20 Jahren von Millionen von Menschen intuitiv verstanden. In über 300 Sprachen und Sprachkulturen, in weitesten Teilen der “Weltgesellschaft”. Die Erfahrungen aus Gemeinwesen- und Sozialraumorientierter Sozialer Arbeit wurden als Best Practice in #CommunityCare integriert.
  12. Die Unterscheidungen, Beobachtungen und Handlungsansätze Sozialer Arbeit werden wie selbst verständlichst genutzt. Aus einem Technologiedefizit Sozialer Arbeit (Hiltrud von Spiegel) wurde ein Komplexitätdefizit der Technokraten. Ein guter Moment “Abschied von der Bescheidenheit” (Silvia Staub-Bernasconi) zu nehmen.

Irgendwie (so?)

Am 8. Dezember 1524 — vor genau 495 Jahren also — hat die Äbtissin Katharina von Zimmern — wohl nach einer heiligen Messe zum Hochfest Mariä Empfängnis — ihr Kloster in Mitten der Stadt Zürich der Stadtverwaltung übergeben und damit auch professionelle Soziale Arbeit begründet.

Andere mögen Luther oder Zwingli oder Calvin als Frühaufklärer feiern. Soziale Arbeit orientiert sich traditionell an handlungswissenschaftlich engagierten Frauen:

Neben der Shortlist von Silvia Staub-Bernasconi würde ich gerne die Gottesmutter MariaKatharina von Zimmern und Ada Lovelance (Sadie Plant) mit aufstellen. Aber dann kommt der Vorschlag von Silvia: Jane AddamsMary Parker FolletIlse Arlt.

Es wäre unschwer zu erzählen, wie sich unterschiedliche alltagspraktische Lebenserfahrung von Frauen und Männern in tausenden von Jahren verkrustet haben. Männer neigen eher zu rationalen, linear-kausalen, deterministischen und Frauen eher zu emotionalen, systemisch-prozessualen, komplexen “denken, fühlen und handeln”. Das ist keine biologische Gegebenheit. Das sind kein Mysterien. Das ist zunächst lediglich praktische Folge aus alltagspraktischer Lebenserfahrung.

Unschwer wäre in diesem Sinne auch zu zeigen, dass das Primat der primären Geschlechtsorgane in der aktuellen Zeit, insbesondere folkloristische Legitimierungen in Anspruch nehmen kann. Es liegen genügend Spermien in Kühlhäusern. Was aber Aufmerksamkeit generiert, braucht bekanntlich kein Argumente. Es muss Aufgabe (deutschsprachiger sic!) Sozialer Arbeit sein, laut und deutlich auszusprechen:

NIE WIEDER

Die Herausforderungen sind andere.

Nein. Andere. Nein. Ganz andere. Anders und anders als so.

(…)

(…)

(…)

WORK IN PROGRESS — live blogging — reload für aktuellen Stand

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