#whats­next – art edu­ca­ti­on (text­sor­te: traum #dfdu) KUNST WAR BLOSS ERSATZ FüR HYPER­LINK

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(23.12.13)

zur 1. ver­si­on: http://dissent.is/2013/11/12/herrmeyer-jmhedinger-04–11-13-whats-next-art-education-textsorte-traum-dfdu/

ich gebe auf. ich brin­ge kei­nen gedan­ken zum ande­ren. und tina macht mir kei­ne mind­map. ich bin ver­lo­ren. habe am 18.12 ver­sucht, den alten text noch ein­mal zu lesen. habe leich­te anpas­sun­gen gemacht. am ende kom­me ich zum glei­chen ende:

die kunst – so wie ich sie mir erträumt habe – ist tot. und die päd­ago­gik ist unter den aktu­el­len media­len ver­än­de­run­gen – vom buch­druck zum com­pu­ter – nicht mehr zu hal­ten. kurz­um: kunst­päd­ago­gik – oder ing­lisch «art edu­ca­ti­on» – scheint mir ein fos­sil, wel­ches präch­tig in eine total­öko­no­mi­sier­te gesell­schaft passt. zu deren erhalt ich mit mei­ner erwerbs­ar­beit schon einen zu gros­sen bei­trag mache und die­sen kei­nes­falls irgend­wie-theo­re­tisch sup­por­ten mag.

bin ich depres­siv ver­stimmt? habe ich auf­ge­ge­ben? kei­ne ahnung. mir passt mei­ne pas­si­vi­tät. wel­che – so hof­fe ich doch – sub­ver­si­ver sein mag, als ich mich zu getrau­en den­ke. jene «suche nach einer bene­dik­ti­ni­schen päd­ago­gigk auf der höhe der zeit» will ich ver­ste­hen als eine suche bei jenen, wel­che den letz­ten medi­en­wech­sel (von der spra­che zu schrift und buch­druck) rea­li­siert haben. und hof­fend gucken, ich käme hier auf ide­en und zu inspi­ra­tio­nen, was ein aktu­el­ler wech­sel nötig machen könn­te.

so kopie­re ich mei­nen letz­ten ver­su­che ein­fach hier rein. als m/ein zeit­do­ku­ment der schrift­lo­sig­keit mei­nes den­kens :-/

 

What’s Next? Art Edu­ca­ti­on

(Tina Piaz­zi und) Ste­fan M. Sey­del

«What’s Next?» Das ist die Fra­ge. Die Fra­ge steht seit der Indu­stria­li­sie­rung sym­bo­lisch für die zuneh­mend domi­nant gewor­de­ne Per­spek­ti­ve. Das Neue. Das Bes­se­re. Das Stär­ke­re. Das Effek­ti­ve­re. Das Effi­zi­en­te­re. Das Gewinn­gei­le­re. Hat nicht die Kunst die Fra­ge über­haupt saug­lat­ti­stisch salon­fä­hig gemacht? Und ist nicht der «Nürn­ber­ger Trich­ter« ein prä­zi­ses Bild dafür, wie selbst die Päd­ago­gik die Fra­ge in der line­ar-kau­sa­len Tech­no­fan­ta­sie bereits in ihrem frü­hen pro­fes­sio­na­li­sie­rungschub kon­se­quent durch­exe­ku­tiert hat? Kurz­um: Die Fra­ge nervt. Schon lan­ge. Und das ist gut so. Die Fra­ge im Umfeld von «Art Edu­ca­ti­on» durch­zu­spie­len, ist ein nahe­zu idea­ler Kon­text. Nix wie los: Hier eini­ge Loops:

«What’s Next?» Das ist die Fra­ge. Ein­fa­cher zu beant­wor­ten ist, wer die Fra­ge erfun­den hat. Rich­ti­ge Ant­wort: «Ganz sicher nicht die Kunst.» Aber ganz sicher waren es die Künst­le­rin­nen und Künst­ler, wel­che allen ande­ren – auch den Erfin­dern der Fra­ge selbst – vor­ge­lebt haben, wie mit die­ser nagen­den, bedroh­li­chen, ver­stö­ren­den Fra­ge umge­gan­gen wer­den kann. Wir wis­sen auch, dass spä­ter ein gewis­ser Jospeh Beuys gesagt haben soll: «Jeder ist ein Künst­ler!» Es ging nicht lan­ge, da rie­fen ande­re, durch­aus logisch – wenn auch unter Juri­sten mit ver­bo­te­nem Umkehr­schluss – fol­gernd: «Alles ist Kunst!» Und gleich auch noch: @metamythos «Jeder ist ein Kura­tor.»

Zusam­men­fas­sung Loop 1: «Und ist die Kunst mal rui­niert, so lebt’s sich wei­ter unge­niert.» Wir machen uns also kei­ne Sor­gen: Die Kunst lebt! Auch der Ort, wo Kunst gehan­delt wird. Auch der Markt, wo Künst­le­rin­nen und Künst­ler her­ge­stellt wer­den. Wie Pro­duk­te. Die kom­men und gehen und sind kon­se­quent jeder erdenk­li­chen Mode aus­ge­setzt sind. Mal top, mal flop: Who Cares? What’s Next?

Wir machen uns um die Kunst genau­so wenig Sor­gen wie um ihr Vor­gän­ger­mo­dell, das Kunst­hand­werk. Hier gilt das Glei­che, genau gleich: Es besteht ein Markt mit Pro­duk­ten und dem Spiel von Ange­bot und Nach­fra­ge. Der Hyper­ka­pi­ta­lis­mus wird die­ses Umfeld nicht zer­stö­ren. Ganz im Gegen­teil.

Und genau das ist ver­mut­lich der Punkt, wel­cher nervt und die Fra­ge in eine näch­ste selt­sa­me Schlei­fe schleift: «What’s Next?»

Die Prot­ago­ni­sten des Kunst­hand­werks, mutier­ten unter den Bedin­gun­gen der Moder­ne zu sub­ver­si­ven Haupt­ak­teu­ren. Es ist gelun­gen, die gän­geln­den Auf­trags­ar­bei­ten abzu­leh­nen und das täg­li­che Joch des Unter­las­sens abzu­wer­fen, und selbst eben­falls zu Unter­neh­mern zu wer­den.

Seit jeher waren es die Unter­neh­mer, wel­cher die Fra­ge «What’s Next?» zu beant­wor­ten hat­ten. Ohne die Kul­ti­vie­rung einer neu­ro­ti­schen Stö­rung, wel­che alle mög­li­chen Mög­lich­kei­ten eines not­wen­di­ger­wei­se ein­zu­ge­hen­den Risi­kos in ihren Fol­gen zu anti­zi­pie­ren ver­moch­te, hät­te kein Tee, kein Gewürz, kein Kaf­fee, kein Tep­pich und auch jed­we­de ande­re Idee von einem gänz­lich ande­ren Leben je den Weg zu den im Barock in «Muse und Ver­schwen­dung» schwel­gen­den Bau­ern in Euro­pa gefun­den.

Es scheint ja eine gewis­se Einig­keit dar­über zu bestehen, dass es in einer lan­gen Zeit vor unse­rer Zeit – nie­mand weiss, wann das war, aber immer­hin! – alles irgend­wie kla­rer gewe­sen sein soll: Gott mach­te im Him­mel was er woll­te. Die Men­schen mach­ten das glei­che auf der Erde. Der König war König. Der Bau­er blieb Bau­er. Das war – so die all­ge­mei­ne Mei­nung – gar nicht wirk­lich ärger­lich, als viel­mehr beru­hi­gend.

Wenn da nicht die Unter­neh­mer gewe­sen wären! Die fro­he Bot­schaft von einem ganz ande­ren Leben kam bekannt­lich aus dem Ori­ent. Von dort, wo die Son­ne auf­geht. Von dort, wohin sich die Chri­sten noch bevor sie katho­lisch waren ihre Kir­chen aus­ge­rich­tet hat­ten. Von dort, wohin sich jeder Unter­neh­mer ori­en­tiert. Von dort woll­te der Unter­neh­mer auch ori­en­tiert wer­den: Der näch­ste Tag, die näch­ste Gele­gen­heit, die näch­ste Waren­lie­fe­rung, der näch­ste Erfolg: «What’s next?»

Ein Brot ist nicht ein Brot. Ein Kleid nicht ein Kleid. Ein Bett nicht ein Bett. Ein Haus nicht ein Haus. Alles ist auch anders mög­lich. Und Schwupps: Die stra­ti­fi­zier­te Gesell­schaft dif­fe­ren­zier­te sich nun plötz­lich funk­tio­nal aus. Das sich im Barock unend­lich Ver­zie­ren­de, wan­del­te sich kaum merk­lich und dra­ma­tisch spür­bar in der Moder­ne in unend­lich aus­dif­fe­ren­zie­ren­des. Bis heu­te hat nun wirk­lich ein­fach jede und jeder frei­wil­lig – teil­wei­se unter güti­ger Bei­hil­fe von «för­dern und for­dern» – begrif­fen, dass ein jeder Mensch sich als eine «Ich AG» ver­steht. Wir leben als Unter­neh­men unter Unter­neh­men und Fra­gen: «What’s next?»

Wer kei­ne Idee mehr hat, ist mehr als ver­lo­ren. Wird heis­ser gekocht, als im Fege­feu­er. Wer nur unter der fuch­teln­den Geis­sel eines Chef’s Anwei­sun­gen abar­bei­ten will, kann ver­duf­ten. Selbst im Call-Cen­ter, wo die Ant­wor­ten auf alle mög­li­chen Fra­gen vor­ge­ge­ben beant­wor­tet sind, wer­den von Mit­ar­bei­ten­den die krea­ti­ven Eigen­schaf­ten von Künst­le­rin­nen und Künst­lern erwar­tet. Wer nicht inno­va­tiv, krea­tiv, intrinsisch moti­viert ist, ist über­flüs­sig. Kann sich ver­flüs­si­gen. Wie süss­lich rie­chen­des Gas. «In einer Dienst­lei­stungs­ge­sell­schaft stellt sich jeder fröh­lich lächelnd zum Aus­schluss bereit.»

Zusam­men­fas­sung von Loop 2: Die sym­bio­ti­sche Bezie­hung von Unter­neh­mer­tum und Kunst ist evi­dent. Punkt. Und weil alle Unter­neh­mer sind, sind alle an der Pra­xis der Kunst inter­es­siert. Wie gesagt: Wir machen uns um die Kunst kei­ne Sor­gen. So eta­bliert war die Pra­xis der Kunst noch gar nie.

Und genau das ist ver­mut­lich der Punkt, wel­cher nervt und die Fra­ge in eine näch­ste Run­de treibt: «What’s Next?»

Die Unru­he aus­lö­sen­de Fra­ge nach dem Näch­sten, ent­wer­tet das Aktu­el­le. Das was ist – wie immer «soci­al» ange­sagt und am Markt nach­ge­fragt es auch sein mag – ist bereits «sozi­al» des­avou­iert. Was inter­es­siert, ist das Näch­ste. Das Ande­re. Das ganz Ande­re. Und das, was noch ganz anders sein könn­te, als so.

Wäh­rend noch eben die­se 5. Posi­ti­on im Tetra­lem­ma, die­ser unbän­di­ge Wunsch, das­je­ni­ge zu inklu­die­ren, was jetzt noch exklu­diert sein mag, die Idee einer Exi­stenz Got­tes, wel­che aber eben gera­de nie kör­per­lich Prä­senz zeigt, eine ethi­sche Dimen­si­on zu ent­wickeln ver­moch­te, ist in der unter­neh­me­ri­schen Pra­xis der Kunst zum prin­zi­pi­el­len Aus­gangs­punkt genom­men wor­den und dem Total­ka­pi­ta­lis­mus aus­ge­lie­fert: «Nix ist fix!» Alles ist so, wie es nicht mehr für auch noch ganz Anders für wahr genom­men wer­den mag. Aus Faul­heit. Aus hin­ter­trie­be­ner Stra­te­gie. Aus Gewinn­geil­heit. Egal. Sicher ist bloss: Nichts ist so, wie es ist. Gar nichts. Und auch das nicht. Und das ist die spru­deln­de Quel­le der unter­neh­me­ri­schen Pra­xis der Kunst, der künst­le­ri­schen Pra­xis des Unter­neh­mers. Nach dem näch­sten Pro­jekt und dem näch­sten Tag: «What’s Next?» Und genau das ist ver­mut­lich der Punkt, wel­cher nervt und die Fra­ge in einen näch­sten Loop treibt. Und uns zum zwei­ten Teil im Titel «Art Edu­ca­ti­on» führt. Der Päd­ago­gik:

Die Muse­um­di­rek­to­ren und Kunst­händ­ler, die Stroh­män­ner der Mäze­ne und Inve­sto­ren, wer­den den «Next Shoo­ting­star» fin­den. Ganz ohne Päd­ago­gik. Mit oder ohne Zer­ti­fi­kat. Ganz egal. Das nervt jetzt bloss noch staat­lich ali­men­tier­te Kunst­pro­fes­so­ren. Aber das ist eigent­lich auch egal. Irgend­ei­ne Wer­be­agen­tur wird einem Troya­ni­schen Pferd gleich – wer hört, der klicke! – die Auf­zucht jener mild, höf­lich, wohl­erzo­gen mul­ti­me­di­al pro­vo­zie­ren­der Jugend­li­chen sor­gen und gute Geschäf­te ermög­li­chen. Und Pro­jek­te wie www.ballenberg.ch oder www.campus-galli.de wer­den weit qua­li­fi­zier­ter und ästhe­tisch wert­vol­ler nach Nach­wuchs tra­di­tio­nel­les Kunst­hand­werks sicher­stel­len, als jede Kunst­hoch­schu­le. Kurz­um: Päd­ago­gik gehört zur ste­tig län­ger wer­den­den «Liste der gelösch­ten Unter­schei­dun­gen» (vergl. Kapi­tel 3, «Die Form der Unru­he», Juni­us Ver­lag Ham­burg, 2010.) Das war die Zusam­men­fas­sung des 3. Loops.

Und was pas­siert, wenn eine Unter­schei­dung gelöscht wird? Dirk Baecker beant­wor­te­te die Fra­ge von rebell.tv so: «Dann ste­hen wir zunächst mit lee­ren Hän­den da.» Und das – so fin­den wir – ist eine ganz ange­mes­se­ne Beschrei­bung unse­rer Aus­gangs­la­ge. Und wenn es nun neu einen Ort gibt, wel­cher die­se Span­nung aus­zu­hal­ten ver­mag, ohne vor­schnell – und damit ganz sicher all­zu schnell – Ent­span­nung her­zu­stel­len, dann ist das eben gera­de nicht mehr die Kunst. Die­ser Ort scheint eher eher im für ande­re Weh!Weh!Weh! zu fin­den zu sein. Der «Hyper_link» steht sym­bo­lisch für das, was dazwi­schen ist. Zum Bei­spiel zwi­schen den Wör­tern, wel­che bekannt­lich unter den Bedin­gun­gen von Com­pu­ter ledig­lich eine Rei­he von Nul­len und Ein­sen sind. Und zwi­schen einer Null und einer Eins, sind bekannt­lich unend­lich vie­le Zah­len vor­stell­bar. So ver­ste­hen wir Vuc Cosic, wenn er sagt: «Kunst war bloss Ersatz für Inter­net.» Wie auch immer. Und das war die Zusam­men­fas­sung des 4. Loops. Und genau das ist ver­mut­lich der Punkt, wel­cher so nervt: Die Kunst und ihre Päd­ago­gik erschei­nen ver­ein­nahmt, funk­tio­na­li­siert, öko­no­mi­siert, gegän­gelt. Und damit ist sie uns so wert- wie nutz­los.

Die Kunst konn­te zwar die unter­neh­me­ri­sche Pra­xis des Umgangs mit «Unsi­cher­heit & Mög­lich­keit» kul­ti­vie­ren und all­ge­mein zugäng­lich machen. So lan­ge Kunst im Wider­stand zu domi­nant kon­ser­va­ti­ven, bewah­ren­den, sichern­den, sta­bi­li­sie­ren­den Kräf­ten stand, war Kunst das Feld von Hoff­nung, Auf­klä­rung, Frei­heit, Hand­lungs­spiel­raum. Unter den aktu­el­len Bedin­gun­gen, hat die Kunst die­se Rol­le voll­stän­dig und wohl unwie­der­bring­lich ver­lo­ren. Kunst – und ihre Päd­ago­gik – dient jetzt ande­ren. Das scheint ihr gut zu bekom­men. Wir haben ver­stan­den. Und tschüss.

18.12.2013/sms ;-)

@sms2sms

- unkor­ri­giert, nicht zweit­ge­le­sen, von /tp weder gele­sen noch zur zur über­nah­me in print-pro­duk­te auto­ri­siert.


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