Axio­ma­ti­sches Den­ken – Ein­füh­rung & Kri­tik

[Text­sor­te: Bekennt­nis]
Arbeits­form: Work in Pro­gress
Anlass: Lehr­auf­trag FH St. Gal­len & Webi­nar mit FH St. Pöl­ten #Sozi­al­ar­beit (Früh­ling 2020)
TL;DR:
Bild­quel­le: Il fio­re del­le Mil­le e una not­te,  Pier Pao­lo Paso­li­ni, 1947

Alles oder Nichts

Die For­scher­grup­pe um Paul Watz­la­wick hat in ihrem 4. Axi­om 1967 gesagt, dass sich «Mensch­li­che Kom­mu­ni­ka­ti­on» digi­ta­ler und ana­lo­ger Moda­li­tät bedie­ne.

Entweder:Oder – ein biss­chen schwan­ger geht nicht.

Der «Radi­ka­le Kon­struk­ti­vis­mus» (von damals) sag­te nicht: «So und so ist es.» Genz im Gegen­teil. Gera­de weil der von Watz­la­wick mit­be­grün­de­te, soge­nann­te radi­ka­le Kon­struk­ti­vis­mus die­se Aus­sa­gen­for­men ablehn­te, muss­te umge­kehrt der Aus­gangs­punkt, die Annah­men, die Axio­me expli­ziert wer­den.

Nicht um «Wahr­heit» zu begrün­den, son­dern um Kri­tik «radi­kal» mög­lich zu machen. Das will ich nun kurz durch­spie­len mit der Umschrei­bung und einer Defi­ni­ti­on von Sozi­al­ar­beit:

Glo­bal Defi­ni­ti­on of the Soci­al Work Pro­fes­si­on

“Soci­al work is a prac­tice-based pro­fes­si­on and an aca­de­mic disci­pli­ne that pro­mo­tes soci­al chan­ge and deve­lop­ment, soci­al cohe­si­on, and the empower­ment and libe­ra­ti­on of peop­le. Princi­ples of soci­al justi­ce, human rights, collec­tive respon­si­bi­li­ty and respect for diver­si­ties are cen­tral to soci­al work.  Under­pin­ned by theo­ries of soci­al work, soci­al sci­en­ces, huma­nities and indi­ge­nous know­ledge, soci­al work­enga­ges peop­le and struc­tures to address life chal­len­ges and enhan­ce well­being. The above defi­ni­ti­on may be ampli­fied at natio­nal and/or regio­nal levels.” (IFSW)

Glo­ba­le Defi­ni­ti­on der Pro­fes­si­on Sozia­le Arbeit

„Sozia­le Arbeit ist eine pra­xis­ori­en­tier­te Beruf und eine aka­de­mi­sche Dis­zi­plin , die den sozia­len Wan­del und Ent­wick­lung, den sozia­len Zusam­men­halt und die Stär­kung und Befrei­ung der Men­schen för­dert. Prin­zi­pi­en der sozia­len Gerech­tig­keit, Men­schen­rech­te, gemein­sa­me Ver­ant­wor­tung und Respekt für Ver­schie­den­hei­ten sind von zen­tra­ler Bedeu­tung für Sozi­al­ar­beit. Unter­stützt durch Theo­ri­en der Sozi­al­ar­beit, Sozi­al­wis­sen­schaf­ten, Gei­stes­wis­sen­schaf­ten und indi­ge­nes Wis­sen, Sozi­al­ar­beit greift Men­schen und Struk­tu­ren Adres­se Her­aus­for­de­run­gen des Lebens und zur Ver­bes­se­rung des Wohl­be­fin­dens. Die obi­ge Defi­ni­ti­on kann auf natio­na­ler und / oder regio­na­ler Ebe­ne ver­stärkt wer­den.“ (IFSW)

Umschrei­bung, Beschrei­bung vs Defi­ni­ti­on

Sozia­le Arbeit ist Arbeit am Sozia­len

  • nicht an Kör­pern
  • nicht an Psy­chen

Die Bio-Psy­cho-Sozia­le Denk­fi­gur

Die Unter­schei­dung der für Men­schen für Wahr nehm­ba­ren Welt in drei auto­po­ie­ti­sche «Krei­se» ist jedem Kind erklär­bar:

  • Der Kör­per des Men­schen unter­schei­det sich nicht von der Erde, dem Baum, dem Tisch.
  • Die Gedan­ken des Men­schen kön­nen nicht durch ein Copy­/Pa­ste-Ver­fah­ren in die Gefühls­welt eines ande­ren Men­schen ver­scho­ben wer­den.
  • Sozia­le Wir­kung und Inter­ak­ti­on ist nicht von einem ein­zel­nen Men­schen bestimm­bar. (Wie ich zur Welt kom­me? Ohne dich nicht.)

Leben – Bewusst­sein – Kom­mu­ni­ka­ti­on

Wäh­rend wir die Bio-Psy­cho-Sozia­le Denk­fi­gur auch bei Sil­via Staub-Ber­nas­co­ni nut­zen, ver­schärft Niklas Luh­mann in sei­nem Text «Was ist Kom­mu­ni­ka­ti­on?» 1968 (audio | pdf) das axio­ma­ti­sche Den­ken:

  • Nicht Men­schen kom­mu­ni­zie­ren, son­dern Kom­mu­ni­ka­ti­on.
  • Jed­we­de Bezug­nah­me zu «Leben» und «Bewusst­sein sei streng zu ver­mei­den.

Das radi­ka­le am (heu­ti­gen) «Radi­ka­le Kon­struk­ti­vis­mus» zeich­net die­se stren­ge Ver­mei­dung von Bezug­nah­me zu Leben und Bewusstein in der Kom­mu­ni­ka­ti­on aus.

Die Theori­trei­ben­den Frau­en aus 500 Jah­re Sozia­ler Arbeit hät­ten weder Paul Watz­la­wick noch Niklas Luh­mann gebraucht: Ihr Aus­gangs­punkt war von jeher die Kom­ple­xi­tät.

Wie Katha­ri­na von Zim­mern vor 500 Jah­ren ihre Herr­schaft über Zürich auf­gab, das Klo­ster schlies­sen liess, über­gab sie der neu­en Stadt­ver­wal­tung die Pflicht, sich um die Armen, Wai­sen, Kriegs- und ander­wei­tig ver­sehr­ten zu sor­gen. Die­se Re:Formation vom 8. Dezem­ber 1524 ist für uns Sozi­al­ar­bei­ten­den ein wich­ti­ges Datum in unse­rer Pro­fes­sio­na­li­sie­rungs­ge­schich­te: Wir sind – wie die Jung­frau zum Kin­de – in einem plötz­li­chen Moment zu einem Beruf gewor­den.

Digi­ta­li­sie­rung – als Name für die 4. indu­stri­el­le Revo­lu­ti­on

Die indu­stri­el­len Revo­lu­tio­nen bezeich­nen eine Wan­del des domi­nan­ten Welt­zu­gangs.

  1. Mecha­ni­sie­rung
  2. Moto­ri­sie­rung
  3. Auto­ma­ti­sie­rung
  4. Digi­ta­li­sie­rung

Von der Mecha­ni­schen Enten (1738) zum Enten­test (1950?) in 500 Jah­ren.

vergl. dazu: Vortrag/Text auf Medi­um | 24. Mai 2019

Spoi­ler — oder um es vor­weg zu neh­men:

Der Vor­schlag wird sein, die Zei­chen­ket­te Digi­ta­li­sie­rung ledig­lich als Titel für die aktu­el­le, vier­te Indu­stri­el­le Revo­lu­ti­on zu akzep­tie­ren.

Die Zei­chen­ket­te Digi­tal— unter­schie­den von der Zei­chen­ket­te Ana­log — haben wir von Paul Watz­la­wick defi­niert bekom­men — im 4. Axi­om. 1967. Digi­tal bezeich­net dabei die Unter­schei­dung Ent­we­der — Oder:

Ein biss­chen schwan­ger geht nicht.

Und Ana­log ist — naja! — eben alles ande­re.

Die­se Unter­schei­dung Digital:Analog hat in der Bio-Psy­cho-Sozia­len Denk­fi­gur — wie wir die­se auch bei Sil­via Staub-Ber­nas­co­ni nut­zen — einen festen Platz und macht dort einen prak­ti­schen Unter­schiedeinen Unter­schied, wel­cher einen Unter­schied machtDar­auf kann ich hier nicht ein­ge­hen. Aber — und dar­um geht es mir — ich brau­che die Zei­chen­ket­te Digi­tal. Aber eben: Für etwas ganz Ande­res.

Um es kurz durch­zu­spie­len — und damit vom Tisch zu haben:

  1. Sozia­le Arbeit kri­ti­siert an “Digi­ta­li­sie­rung” nicht, dass ganz vie­le Men­schen mit ganz vie­len Men­schen in Aus­tausch tre­ten kön­nen.
    Welt­ge­sell­schaft ist unser Aus­gangs­punkt.
  2. Sozia­le Arbeit kri­ti­siert an “Digi­ta­li­sie­rung” nicht, dass Men­schen und Grup­pen von Men­schen mit eigen­sin­ni­ger kör­per­li­cher und/oder psy­chi­scher und/oder sozia­ler Aus­stat­tung gesell­schaft­lich inklu­diert wer­den kön­nen. “Com­pu­ter­ver­mit­tel­te Kom­mu­ni­ka­ti­on” bedeu­tet für Mil­lio­nen von Men­schen zunächst vor allem und ins­be­son­de­re Inklu­si­onMen­schen mit Neu­ro­di­ver­si­tät bil­den dabei ja bloss das Aus­hän­ge­schild.
    Inklu­si­on ist zen­tral­stes Anlie­gen pro­fes­sio­nel­ler Sozia­ler Arbeit.
  3. Sozia­le Arbeit kri­ti­siert an “Digi­ta­li­sie­rung” nicht, dass Men­schen und Grup­pen von Men­schen nicht mehr abhän­gig von Mas­sen lei­ten­den Medi­en sind und ihre ganz ande­re Sicht auf ihre ganz ande­re Lebens­welt selbst­be­stimmt dar­stel­len kön­nen.
    Die Her­stel­lung von Gegen­öf­fent­lich­keit ist tra­di­tio­nel­le­ste Pra­xis sozi­al­räum­li­cher Inter­ven­tio­nen, fragt Mari­an­ne Mein­hold.

    Und schliess­lich:
  4. Sozia­le Arbeit kri­ti­siert an Digi­ta­li­sie­rung nicht, dass jetzt Töne, Bil­der, Datei­en digi­tal — und nicht mehr ana­log — durch Ber­ge, Mee­re und Lüf­te geweht wer­den. Das mag einen Unter­schied machen für den Haus­elek­tri­ker.
    Das Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mo­dell der Bio-Psy­cho-Sozia­len Denk­fi­gur unter­schei­det zunächst nicht, wer oder was kommun­ziert.

Sozia­le Arbeit beob­ach­tet Aus­tausch­pro­zes­se von Men­schen und Grup­pen von Men­schen und inter­ve­niert auf Grund bestimm­ter Kri­te­ri­en in der Leit­un­ter­schei­dung von Behin­de­rungs- und Begren­zung­macht.

Digi­ta­li­sie­rung

scheint aber ein durch­aus mög­li­cher Titel für die “Vier­te Indu­stri­el­le Revo­lu­ti­on” zu sein.

Die zwei ersten indu­stri­el­len Revo­lu­tio­nen wol­len wir Mecha­ni­sie­rung und Maschi­ni­sie­rung nen­nen.

Die zwei letz­ten indu­stri­el­len Revo­lu­tio­nen wol­len wir Auto­ma­ti­sie­rung und Digi­ta­li­sie­rung nen­nen.

Es ist aber völ­lig egal, wie die “Indu­stri­el­le Revo­lu­ti­on” pha­siert, bezeich­net und ter­mi­niert wird. Die Gemein­sam­keit aller wie auch immer model­lier­ter Model­le besteht dar­in, dass es sich um einen Wan­del han­delt, wel­che vom Ein­fa­chen zum Schwie­ri­gen, vom Mecha­ni­schen zum Dyna­mi­schen, vom Kau­sa­len zum Unpro­gno­sti­zier­ba­ren, vom Deter­mi­ni­sti­schen zum Syste­mi­schen, vom Beob­acht­ba­ren zum Ver­net­zen geht, oder wie auch immer es genannt wer­den will. All­ge­mei­ner und spe­zi­fi­scher:

Es geht um den digi­ta­len Unter­schied von Kom­pli­ziert­heit und Kom­ple­xi­tät.

Sei mutig — Wiki­pe­dia

1738 zeich­ne­te ein Spin­ner, Bast­ler und Tüft­ler das Bild einer mecha­ni­sche Ente. Jedes Kind wuss­te damals — heu­te ist dass mög­li­cher­wei­se anders! — , dass eine Ente kei­ne Bot, kei­ne Maschi­ne, ist.

Die Zeich­nung aber wirk­te als ganz kon­kre­tes Vor-Bild, wie gedacht, geplant, gehan­delt wer­den muss. Und tat­säch­lich schau­kel­ten schon bald moto­ri­sier­te Gerä­te über die Stras­sen, tuckern bis heu­te eiser­ne Schif­fe durch die Mee­re, gran­dio­se Flug­zeu­ge schwe­ben durch die Lüf­te. — Es hat funk­tio­niert. Und wie!

Wenn wir heu­te — in der Vier­ten Indu­stri­el­len Revo­lu­ti­on — mit Soft­ware­in­ge­nieu­ren reden und den Work­flow — etwa jener der sozi­al­räum­li­chen Inter­ven­ti­on von #WikiDiens­tag — abglei­chen, erzäh­len sie uns von ihrem Enten­test. Und das tönt dann so, als wür­den Sozi­al­ar­bei­ten­de lösungs­fo­kus­sier­te Best-Prac­tice aus­tau­schen:

  • Repa­rie­re nicht, was funk­tio­niert.
  • Wenns funk­tio­niert, mach mehr davon.
  • Wenns nicht repa­riert wer­den kann, pro­bier etwas ande­res.
  • Was hilft hilft.
  • Der Lösung ist es egal, wie das Pro­blem ent­stan­den ist.
  • Lösun­gen erkennst du am Ver­schwin­den des Pro­blems.

Und immer so wei­ter.

Wer heu­te Digi­ta­li­sie­rung sagt, meint nur — und das ist nicht gera­de wenig! — , dass der Aus­gangs­punkt von Unter­schei­den, Beob­ach­ten und Han­deln zwin­gend die Annah­me von Kom­ple­xi­tät ist. Und nicht Kom­pli­ziert­heit.

Wenn letz­te Woche die pro­fes­sio­nel­len Infor­ma­ti­ons­dis­tri­bu­tö­re berich­te­ten, der ame­ri­ka­ni­sche Prä­si­dent Trump hät­te get­wit­tert und jetzt dro­he Krieg im Iran: Dann ärgern wir uns über die­ses dra­ma­ti­sche Kom­ple­xi­täts­de­fi­zit und zap­pen weg.

“Unter­kom­ple­xi­tät” ist zu einem breit akzep­tier­tes Schimpf­wort gewor­den.

Kein Mensch, kei­ne Organsia­ti­on, kei­ne Insti­tu­ti­on kann die­sen Vor­wurf auf sich sit­zen las­sen.

So wie frü­her Tech­no­lo­gie­de­fi­zit ein Schimpf­wort war und uns Sozi­al­ar­bei­ten­de in schlaf­lo­se Näch­te getrie­ben hat. Noch 2004 hat Hil­trud von Spie­gel das Tech­no­lo­gie­de­fi­zit Sozia­ler Arbeit beschrie­ben und im sen­sa­tio­nel­len Kapi­tel 1.2.3 auch gleich — 1, 2, 3 — erklärt, was der Unter­schied ist, wenn Sozia­le Arbeit die eige­nen Kon­struk­tio­nen expli­ziert:

Sozia­le Arbeit beschreibt nicht was ist.
Bloss weil auch wir Sozia­le Ver­hält­nis­se beschrei­ben, beschrei­ben wir die­se nicht wie die Inge­nieu­re eine mecha­ni­sche Dampf­ma­schi­ne in ihrem Schnau­ben und Stamp­fen. Wenn wir Wirk­lich­keit, Rea­li­tät, Wahr­heit beob­ach­ten, tun wir es, im Pro­zess der Expli­zie­rung des Impli­zi­ten. Damit stel­len wir Trans­pa­renz her:

  • So wirkt die­ses Wir in mei­nem Ich.
  • So beob­ach­te ich, was Rea­li­siert wird.
  • Das ist mei­ne Für Wahr Neh­mung.

Das ermög­licht Kri­tik, Feed­backs, metho­di­sche und berufs­ethi­sche Refle­xio­nen. Das erfüllt durch­aus wis­sen­schaft­li­che Ansprü­che. Und das machen wir nicht erst seit die­sem Weh!Weh!Weh! so. Son­dern seit 500 und ganz locker zeig­bar, seit 200 Jah­ren. Wir gestal­ten Pro­zes­se:

“Soci­al work is a prac­tice-based pro­fes­si­on and an aca­de­mic disci­pli­ne that pro­mo­tes soci­al chan­ge and deve­lop­ment, soci­al cohe­si­on, and the empower­ment and libe­ra­ti­on of peop­le”,

sagt die Inter­na­tio­na­le Defi­ni­ti­on von Sozi­al­ar­beit.

Der Charme die­ser Erzäh­lung liegt nun also dar­in, dass wir mit der Erzäh­lung der “Vier indu­stri­el­len Revo­lu­tio­nen” eine gegen­läu­fi­ge Posi­ti­on zei­gen kön­nen:

  • Es waren Inge­nieu­re — meist Män­ner! — wel­che sich die Welt als eine gros­se Maschi­ne vor­ge­stellt haben.
  • Es waren Arbei­ten­de am Sozia­len — meist Frau­en! — wel­che sich die Welt als eine pro­zes­su­al-syste­mi­sches Geflecht in Aus­tausch­ver­hält­nis­sen vor­ge­stellt haben.

Nicht nur Sil­via Staub-Ber­nas­co­ni hat uns vie­le Bio­gra­fi­en theo­rie­ma­chen­der Frau­en auf­ge­ar­bei­tet. Unter der Schirm­frau­schaft von Ilse Arlt ste­hen wir ja auch gewis­ser­mas­sen in die­ser Tagung. Jane Addams. Die Her­vor­ra­gend von aktu­ell­ster Manage­ment­theo­rie refe­ren­zier­te Mary Par­ker Fol­lett. Ich hät­te auch noch ger­ne Ada Love­lan­ce dazu­ge­nom­men. Und immer so wei­ter.

Wir in Zürich wol­len min­de­stens noch die viel früh­re Katha­ri­na von Zim­mern erwähnt haben. Sie darf als die Begrün­de­rin Pro­fes­sio­nel­ler Sozia­ler Arbeit in unse­rer Stadt gese­hen wer­den. Am 8. Dezem­ber 1524 — vor genau 495 Jah­ren — wohl nach einer Mes­se zu Mariä Emp­fäng­nis.

Die Bio-Psy­cho-Sozia­le Denk­fi­gur

Wer Digi­ta­li­sie­rung sagt, meint: Wir gehen ab jetzt von Kom­ple­xi­tät aus.

Das tut Beruf, Pro­fes­si­on, Dis­zi­plin Sozia­ler Arbeit, seit es Beruf, Pro­fes­si­on, Dis­zi­plin Sozia­ler Arbeit gibt. Und es haben sich dazu auch Kon­zep­te bewährt:

Es geht dar­um, Abschied von der Beschei­den­heit zu neh­men.

Sozia­le Arbeit ist Arbeit am Sozia­len.

- Und nicht an Kör­pern.
- Und nicht an Psy­chen.

Und was ist das Sozia­le, wenn also nicht Kör­per und nicht Psy­che?
— Ja! Eben: Kom­mu­ni­ka­ti­on. Genau das mein­te Paul Watz­la­wick, wie er 1967 in sei­nem 1. Axi­om ver­lang­te:

“Du kannst nicht nicht kom­mu­ni­zie­ren.”

Zusam­men mit Tina Piaz­zi haben wir im Sam­mel­band von Alois Huber und Roland Fürst die drei ersten Axio­me von Paul Watz­la­wick 50 Jah­re spä­ter als sei­nen radi­ka­len Aus­gangs­punkt von Kom­ple­xi­tät mit den Axio­men der Bio-Psy­cho-Sozia­len Denk­fi­gur abge­gli­chen und refor­mu­liert:

  1. Axi­om: Du kannst nicht nicht unter­schei­den.
  2. Axi­om: Du kannst nicht nicht beob­ach­ten.
  3. Axi­om: Du kannst nicht nicht han­deln.

Jetzt kann auf­fal­len, dass die­ser Wan­del des domi­nan­ten Welt­zu­gangs von Kom­pli­ziert­heit, zum domi­nan­ten Welt­zu­gang von Kom­ple­xi­tät mit einem Medi­en­wech­sel zusam­men­fällt:

Wir akzep­tie­ren in die­ser Vor­stel­lung vier Medi­en: Spra­che, Schrift, Buch­druck und Com­pu­ter und iden­ti­fi­zie­ren die “Vier­te Indu­stri­el­le Revo­lu­ti­on” mit dem Abschluss des Medi­en­wech­sels “vom Buch­druck zum Com­pu­ter”. Jetzt geht es anders wei­ter.

NEUE MEDI­EN ermög­lich­ten vor 500 Jah­ren der Gesell­schaft der Gesell­schaft eine näch­ste Ant­wort auf “Die Sozia­le Fra­ge”.

#Zwing­li­Film erzählt es aktu­ell in den Schwei­zer Kinos. Wel­che Ant­wor­ten heu­te erfun­den wer­den, das ent­schei­det sich in die­sen Tagen.

Die Sozi­al­ar­bei­te­rin Katha­ri­na von Zim­mern spiel­te damals eine sehr ent­schei­den­de Rol­le in der Stadt Zürich.

Und was hat Sozia­le Arbeit — ver­stan­den als eine Gerech­tig­keits- & Für­sorg­lich­keits­pra­xis — aus dem Fun­des der theo­rie­ma­chen­den Frau­en für die Bewäl­ti­gung der aktu­el­len, glo­ba­len Kri­sen

  • der Öko­lo­gi­schen Kri­se
  • der Öko­no­mi­schen Kri­se
  • der Kom­mu­ni­ka­ti­ven Kri­se

teil­zu­ge­ben?

In der sozi­al­räum­li­chen Inter­ven­ti­on WikiDienstag.ch nut­zen wir die Erfah­run­gen und Pra­xis von Wiki­pe­dia (2001–2008) und Wiki­da­ta (seit 2012) und beschrei­ben dort, wie Mil­lio­nen von Men­schen seit 18 Jah­ren — über 300 Sprach­kul­tu­ren hin­weg — für sich selbst eine gänz­li­che ande­re Art und Wei­se der Kol­la­bo­ra­ti­on und Koope­ra­ti­on in Anspruch neh­men.

Wir gehen dabei — das the­ma­ti­siert der erste von vier Pol­sprün­gen — gänz­lich anders mit “Zeit&Raum” um:

Für Wiki­pe­dia ist das “Hier&Jetzt” nur eine Vari­an­te. Wich­tig, zen­tral, domi­nant ist das “Immer&Überall”.

Die theo­rie­ma­chen­den Frau­en haben für die dua­len Aus­bil­dungs­lehr­gän­ge Sozia­ler Arbeit schon immer das vol­le Spek­trum von “Hier&Irgendwo” und “Jetzt&Irgendwann” aus­ge­nutzt haben. Viel­leicht kann dazu spä­ter Tina Piaz­zi — mir ihr zusam­men haben wir ja die zwei Bän­de “Die Form der Unru­he” 2009/2010 ent­wickelt— noch ande­res teil­ge­ben…

Alois, zurück nach Luzern: War es das, was ich habe erzäh­len sol­len? Ist das ein Ansatz, an wel­chem ange­setzt wer­den kann?

/sms ;-)
#dfdu AG — Kon­stel­la­to­ri­sche Kom­mu­ni­ka­ti­on| WikiDienstag.ch

user:sms2sms in #ZuercherFestspiel1901 (2019) sms2sms:
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Ste­fan M. Sey­del/sms ;-)

(*1965), M.A., Stu­di­um der Sozia­len Arbeit in St. Gal­len und Ber­lin. Unter­neh­mer, Sozi­al­ar­bei­ter, Künst­ler.

Aus­stel­lun­gen und Per­for­man­ces in der Roy­al Aca­de­my of Arts in Lon­don (Frieze/Swiss Cul­tu­ral Fund UK), im Deut­sches Histo­ri­sches Muse­um Ber­lin (Kura­ti­on Bazon Brock), in der Cryp­ta Caba­ret Vol­taire Zürich (Kura­ti­on Phil­ipp Mei­er) uam. Gewin­ner Migros Jubi­lée Award, Kate­go­rie Wis­sens­ver­mitt­lung. Diver­se Ehrun­gen mit rocketboom.com durch Web­by Award (2006–2009). Jury-Mit­glied “Next Idea” Prix Ars Elec­tro­ni­ca 2010. Bis 2010 Macher von rebell.tv. Co-Autor von “Die Form der Unru­he“, Umgang mit Infor­ma­ti­on auf der Höhe der Zeit, Band 1 und 2, Juni­us Ver­lag Ham­burg. Ruhen­des Mit­glied im P.E.N.-Club Liech­ten­stein. Er war drei Jah­re Mit­glied der Schul­lei­tung Gym­na­si­um Klo­ster Disen­tis. Seit Som­mer 2014 lebt und arbei­tet er in Zürich: #dfdu.org AG, Kon­stel­la­to­ri­sche Kom­mu­ni­ka­ti­on. (Ent­wick­lung von Pilot und Impuls­pro­jek­ten, gegrün­det 1997 mit Tina Piaz­zi.)


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