Wie mich #PaulWatzlawick gefunden hat. Und hocken liess (Festschrift 100 Jahre Paul Watzlawick, 2020)

[Textsorte: Tabu]
Arbeits­form: Doku­men­ta­tion
Anlass: Andrea Köh­ler-Lude­sch­er organ­isiert viele Blog-Ein­träge und hat auch mich um einen Beitrag angefragt.

  1. Lesung (Pod­cast)
  2. Tat­säch­lich abgegeben­er Text
  3. #PaulWat­zlaw­ick Fes­ti­val 2020
  4. Link zur Festschrift (2021)
  5. Paul Wat­zlaw­ick 4.0

1. Lesung

2. Tatsächlich abgegebener Text:

Wie mich #PaulWatzlawick gefunden hat. Und hocken liess

Ste­fan M. Seydel/sms ;-)

Die Türe war bere­its geschlossen. “Es hat keine Sitz­plätze mehr”, flüsterte der stäm­mige Mann in dun­klem Anzug. Samt Krawat­te und so. Er öffnete wider­willig einen schmalen Spalt und liess mich ein­schlüpfen. Paul Wat­zlaw­ick stand wie über­all auf der Welt, leicht gekrümmt über einem für ihn viel zu tiefen Pult und erzählte einem mit­kich­ern­den Pub­likum seine Geschicht­en. Wie er es halt eben so machte. YouTube weiss es.

Nach weni­gen Minuten ging ich wieder. “Sie stören”, kom­men­tierte der Mann. Draussen vor der Tür. — Ich weiss es.

For­men, Störun­gen, Para­dox­ien. — Lösungen.

Es sind die Lösun­gen, welche auch Paul Wat­zlaw­ick beschäftigt haben. Und wie leicht, ger­ade die erfol­gre­ichen Prob­lem­lö­sun­gen, zum Prob­lem selb­st wer­den. Diese Para­dox­ie störte nicht nur den jun­gen Paul. Auch er suchte nach ein­er näch­sten #Form: Es war sehr ein­fach für ihn, mich zu finden.

Diese erste und einzige Begeg­nung nach so vie­len Stun­den der Geis­terge­spräche mit Paul, machte mich wütend. Ich wusste nicht wohin mit mein­er Ent­täuschung. Ich war mit­ten im Studi­um zur Sozialen Arbeit. Vor über 30 Jahren also. Eben ger­ade ein­er wun­der­voll mys­tis­chen Welt ent­fall­en, krachte ich gegen den Staat. Dieser Leviathan steck­te mich in der allerersten mir bekan­nten Begeg­nung zuerst ein­mal ins Gefäng­nis. Weil ich aus ganzem Herzen ver­standen habe, warum ich meine Feinde nicht töten, son­dern lieben müssen wollen sollen kön­nen mögen lassen darf. Und so wollte ich jet­zt auch nicht mehr Architekt wer­den und Häuser bauen für diesen spe­ichel­leck­enden Mit­tel­stand. (so?) Ich wollte, was jene eben­falls eben ger­ade ent­deck­te geheimnisvolle — viel zu schöne Frau für mich — auch wollte: Soziale Arbeit studieren und eine andere Welt möglich machen.

Und eben zu dieser Zeit dort platzte dann auch noch dieser Paul Wat­zlaw­ick in mein Leben.

Seine Axiome. Seine Suche nach Sätzen, welche einen prak­tis­chen Unter­schied set­zen, auf welche sich sta­bil bauen lässt. Natür­lich wollte ich bauen. Räume ver­spun­den. Arbeit­en. Umstand­s­los am Sozialen, wie es diese prä­gen­den Frauen von meinen neuen Beruf, mein­er Pro­fes­sion, mein­er Diszi­plin seit 500 Jahren tun.

Aber mit dieser “ver­maledeit­en Sprache, an der Schmutz klebt wie von Mak­ler­hän­den, die die Münzen abge­grif­f­en haben”, ist ja bekan­ntlich mit allem zu rech­nen. Mit dem Schlimm­sten also.

Die axioma­tis­chen Set­zun­gen — so ver­langt es Wat­zlaw­ick — müssen so präzis, so ein­deutig, so dig­i­tal — es ärg­ert mich, dass ich im Jahr 2020 den Ein­druck habe, ich müsste dig­i­tal in Anführungsze­ichen set­zen! Ich ver­weigere es (wo war ich? Ah. ja:) — die Axiome müssen so for­muliert sein, als wären es in Stein gemeis­selte frei erfun­dene Fan­tasien, Zahlen, als wär’s Math­e­matik. Bloss: Wie dann nach­her mit anderen darüber reden, wenn es so scheint, als kön­nte ich bloss mit Sprache über Sprache mich mit anderen Men­schen verständigen?

Paul und ich bear­beit­en diese zwei Her­aus­forderun­gen: Axioma­tis­che Set­zun­gen und Metakom­mu­nika­tion. Aber er hat halt dann irgend­wann aufge­hört damit. Er kan­nte so viele lustige, lehrre­iche, auf­schlussre­iche Geschicht­en und die Men­schen fan­den das alles so lustig und so lehrre­ich und so auf­schlussre­ich, dass er ein­fach aufge­hört hat damit. Er guck­te selb­st dort gelassen zu, wie Friede­mann Schulz von Thun — sich auf Paul beziehend — vier Ohren erfun­den hat, um damit für ein aller­let­ztes Mal diese Men­schliche Kom­mu­nika­tion als Ort zu insze­nieren, in welchem sich Men­schen ver­ste­hen — kön­nen. Wenn diese höl­lis­chen Men­schen doch bloss ein biss­chen sen­si­bler, ein biss­chen aufmerk­samer, ein biss­chen — neudeutsch — “acht­samer” einan­der zuhörten. — Und natür­lich Kom­mu­nika­tion­scoach­es buchen. Und natür­lich Ther­a­peuten auf­suchen. Und natür­lich Medi­a­tion kaufen. Und… Ach… Kurzum: 

Es war Paul Wat­zlaw­ick völ­lig egal, dass seine ins Gegen­teil ver­dreht­en Inhalte so rasch durchs pro­fes­sionell gestal­tete Set­ting gezo­gen wur­den, dass dabei wohlige Wärme entstand.

Nein. Das vergesse ich Paul Wat­zlaw­ick nicht. Dass er mich zuerst so müh­e­los gefun­den und dann so hart hat hock­en lassen. Aber wenn ich ihn grad so anschaue: Hat er mir nicht eben ger­ade so typ­isch char­mant zugelächelt?

Notiert am Geburt­stag von Paul Flo­ra, eben­falls Mit­glied im PEN-Club Liecht­en­stein und am Heili­gen­fest für Peter und Paul, am 29. Juni 2020 in: Dissent.is/Muster

sms2sms in #ZuercherFestspiel1901 (2019):
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Stefan M. Seydel/sms ;-)

(*1965), M.A., Studi­um der Sozialen Arbeit in St. Gallen und Berlin. Unternehmer, Sozialar­beit­er, Künstler.

Ausstel­lun­gen und Per­for­mances in der Roy­al Acad­e­my of Arts in Lon­don (Frieze/Swiss Cul­tur­al Fund UK), im Deutsches His­torisches Muse­um Berlin (Kura­tion Bazon Brock), in der Cryp­ta Cabaret Voltaire Zürich (Kura­tion Philipp Meier) uam. Gewin­ner Migros Jubilée Award, Kat­e­gorie Wis­sensver­mit­tlung. Diverse Ehrun­gen mit rocketboom.com durch Web­by Award (2006–2009). Jury-Mit­glied “Next Idea” Prix Ars Elec­tron­i­ca 2010. Pen­delte bis 2010 als Mach­er von rebell.tv zwölf Jahre zwis­chen Bodensee und Berlin. Co-Autor von “Die Form der Unruhe“, Umgang mit Infor­ma­tion auf der Höhe der Zeit, Band 1 und 2, Junius Ver­lag Ham­burg. Ruhen­des Mit­glied im P.E.N.-Club Liecht­en­stein. Er war drei Jahre Mit­glied der Schulleitung Gym­na­si­um Kloster Dis­en­tis. Seit Ende 2018 entwick­elte er in Zürich-Hot­tin­gen in vie­len Live-Streams – u.a. in Zusam­me­nar­beit mit Sta­tis­tik Stadt Zürich und Wiki­me­dia Schweiz – den Work­flow WikiDienstag.ch, pub­lizierte während der Coro­na-Krise in der NZZ einen Text über Wikipedia und schreibt aktuell an: #DataL­it­er­a­cy – Ele­mente ein­er Kul­tur­form der Dig­i­tal­isierung im Carl Auer Ver­lag, Hei­del­berg. Im Juli 2020 kehrt er mit seinem 1997 gegrün­de­ten Unternehmen (Spin-Off mit Aufträ­gen der FH St. Gallen, Gesund­heits­di­rek­tion Kan­ton St. Gallen, Bun­de­samt für Gesund­heit (BAG) und der EU aus ein­er Anstel­lung als Leit­er Impuls- und Pilot­in­ter­ven­tio­nen für die Aids-Hil­fe St. Gallen/Appenzell) zurück nach Dissent.is/Muster, mit­ten in die Schweiz­er Alpen.

das 6. axiom von #PaulWatzlawick 1974
das 6. axiom von #PaulWat­zlaw­ick 1974

Links:

3. #PaulWatzlawick Festival 2020

4. Link zur Festschrift 100 Jahre Paul Watzlawick

(Sobald ich einen offiziellen Link zur Festschrift habe, präzisiere ich diesen. Bis dahin: http://www.koehler-ludescher.at/ ;-)

5. Paul Watzlawick 4.0

Piazzi/Seydel mit einem Beitrag in: Paul Wat­zlaw­ick 4.0: RE:LOADED von Alois Huber https://www.amazon.de/dp/3708917464/ref=cm_sw_r_tw_dp_x_OzA-Eb19ECBB5 via @amazon | als pdf

/end


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