Was war Vernunft?

Textsorte: (1) Traum
Arbeitsform: Dokumentation, Listenbildung, Work in Progress
Anlass: (…)
TL;DR: (…)
Bildquelle: (…)
URL/Hashtag: Birgit Matter 6. März 2021

Memos & Links zum #SNAPeriment vom 09.03.2021
Die ganze Playliste: WikiDienstag.ch ProdUsing #DataLiteracy

Was Menschen für Wahr nehmen, ist menschliche Wahrnehmung. Oder: um im Anschluss an die ersten drei axiomatischen Formulierungen von #PaulWatzlawick zu argumentieren:

Du kannst nicht nicht:

  • unterscheiden,
  • beobachten,
  • handeln.

Spätestens mit Albert Einstein (1905), müssen auch die sogenannt «harten Wissenschaften» – die Naturwissenschaften – das Problem des Beobachtens in ihre Überlegungen integrieren, wenn sich diese nicht lächerlich machen wollen. (so?)

«Vernunft» war ein Titel gewesen, mit dem die Ahnungslosigkeit in bezug auf Widersprüche zwischen Zwecken und Mitteln ausgezeichnet wurde.

Niklas Luhmann, GdG, Seite 186 (1998)

«In diesem Sinne galt die Vernunft als unschuldig. Sie rühmt sich, «kritisch» zu sein. Mit dem Pathoswort «Kritik» wird jedoch eine Schwäche verdeckt, die man heute nicht länger ignorieren kann…»

Vernünftig zu sein, setzt voraus, dass dargelegt wird, was Sache ist. Im Workflow des akademischen Arbeitens meint das bis heute «Text»: Geschriebene, verschriftlichte Sprache. Auch dann, wenn es in der Form einer mathematischen Formel expliziert wird. (Und auch dann, wenn es in der Form eines Podcasts in Internetz übertragen wird: Eine Dissertation wird daraus erst, wenn diese Verschriftlicht sind. Fragt Prof. Dr. #Podcast Moritz Klenk ;-)

Daraus entstehen eine Reihe von Konsequenzen:

  1. Sobald gezeigt wird, «was Sache ist», wird Kritik möglich. Die Beobachtenden sehen prinzipiell anderes (und manchmal auch mehr), als die detailliert zugänglich gemachte Beschreibung eines Beobachtenden (#BlindSpot). Das «Spiel» um die Sache, was Sache ist, wird endlos. Das war ja der Clou: NIE WIEDER – GLAUBEN.
  2. Von der trefflichen Analyse einer Sache, führt kein Weg zu einer Anleitung für eine Änderung der Zustände. «Der Lösung ist es vollkommen egal, wie das Problem entstanden ist.» (Luhmann bemerkt dazu – Seite 187 – dass dies ein Grund sein mag, dass die Evolutionstheorien immer dann fasziniert hätten, wo Realitätsansprüche nicht durgehalten werden können ;-)

Neuzeit, Aufklärung, Humanismus – oder wie auch immer die Narrative der Modernen Gesellschaft genannt werden mögen, haben der «alteuropäischen Tradition» – wie Niklas Luhmann sagen würde, oder wie Dirk Baecker sagen würde – der «antiken Gesellschaft» den Workflow des Wissen schaffens von Menschen von «Glauben auf Wissen» umgestellt, von einem «Referenzialismus» auf eine «prozessuale Aushandlung».

«Vernunft» und «Kritik» wurden die «Pathosworte», wie vorher «Sünde» und «Gnade». Jede Gesellschaft bildet ihre Narrative aus, welche die Narren erfolgreich zu narren vermögen…

Die Kraft dieser #ReFormation, dieses #TheGreatReset vor 500 und 200 Jahren hat aber rasch ihr bitteres Ende gefunden. Seit 100 Jahren kann sich innerhalb der Universität ohne anrüchig zu werden darauf verständigt werden, dass das weltanschauliche, das Fundament für alles wissenschaftliche Wissen schaffen, hohl, leer und schaal geworden ist. Aber eben: Auch nicht von der zutreffensten Problemanylse, führt ein Weg zur Problemlösung. Aber immerhin, gut sich daran zu erinnern:

  1. Da ist nix, ohne eine Unterscheidung, einer Beobachtung dieser Unterscheidung, einer Reaktion auf diese Beobachtung.
  2. Was als Seiend beschrieben wird, ist nicht ohne dessen Gewordenheit erahnbar.
  3. Transparenz und Nachvollziehbarkeit in der Beschreibung ist praktische Folge der Erkenntnis, dass Transparenz und Nachvollziehbarkeit unmöglich ist. #agree2disagree
  4. Der Greuel des mechanistischen Tötens im Namen der Kultur, Wissenschaft und Technik entzieht jedwedem aufklärerischen Narrativ alle Glaubwürdigkeit.

Der Ruf in diesen Tagen aus den Universitäten: «SHUT UP – IT’s SCIENCE» – ob es dabei um eine ökologische, ökonomische, soziale – oder eben auch eine biologische – Herausforderung geht, gleicht einem wilden Wedeln mit weissen Fahnen…

Es ist vorbei. GOTT SEI DANK. Es ist vorbei.

Und jetzt geht es anders weiter. (Nein. Anders.) Und anders als so.

WORK IN PROGRESS

Fundstücke

#gödelisieren

sich auf einen externen sinn stützen, um sich intern als geschlossen darstellen zu können. #GdG s181 #LoF #SpencerBrown: #PerfectContinence als perfekte inkontinenz (so?)

Unterscheidungen löschen

wow… Seite 185. Niklas Luhmann explizit… dachte, das hätten wir erfunden ;-))) Die Liste der gelöschten Unterscheidungen in Band 2 #dfdu

Die Entdeckung des re-entry

Der Unterschied im Workflow der alteuropäischen Tradition und der modernen Gesellschaft, könnte so erklärt werden (Seite 181, Fussnote 248):

«In der durch Spencer Brown vorgeschlagenen Version bewegt sich der Formenkalkül zwischen einem verdeckten re-entry am Anfang und einerm offenen re-entry am Ende, die sich beide, gleichsam als Randbedingungen, der Kalkülisierbarkeit entziehen.»

Die alteuropäische Tradition pflegte eine Parallelontologie: «Der Mensch denkt, Gott lenkt.» Im Grunde tut Gott das genau gleiche wie der Mensch.

Sammlung von Erinnerungen in einem Thread

#MedienTheater von heute morgen

Fortsetzung von:

Stefan M. Seydel, aka sms, aka sms2sms in «Zürcher Festspiel 1901″ (2019, Fotocredit: Charles Schnyder): TwitterWikipediaYoutube (aktuell), SoundcloudInstagramSnapchatTikTokTwitch

Stefan M. Seydel/sms ;-)

(*1965), M.A., Studium der Sozialen Arbeit in St. Gallen und Berlin. Unternehmer, Sozialarbeiter, Künstler.

Ausstellungen und Performances in der Royal Academy of Arts in London (Frieze/Swiss Cultural Fund UK), im Deutsches Historisches Museum Berlin (Kuration Bazon Brock), in der Crypta Cabaret Voltaire Zürich (Kuration Philipp Meier) uam. Gewinner Migros Jubilée Award, Kategorie Wissensvermittlung. Diverse Ehrungen mit rocketboom.com durch Webby Award (2006–2009). Jury-Mitglied “Next Idea” Prix Ars Electronica 2010. Pendelte bis 2010 als Macher von rebell.tv zwölf Jahre zwischen Bodensee und Berlin. Co-Autor von “Die Form der Unruhe“, Umgang mit Information auf der Höhe der Zeit, Band 1 und 2, Junius Verlag Hamburg. Ruhendes Mitglied im P.E.N.-Club Liechtenstein. Er war drei Jahre Mitglied der Schulleitung Gymnasium Kloster Disentis. Seit Ende 2018 entwickelte er in Zürich-Hottingen in vielen Live-Streams – u.a. in Zusammenarbeit mit Statistik Stadt Zürich und Wikimedia Schweiz – den Workflow WikiDienstag.ch, publizierte während der Corona-Krise in der NZZ einen Text über Wikipedia, initiierte das #PaulWatzlawick-Festival 2020 mit und schreibt aktuell an: #DataLiteracy – Elemente einer Kulturform der Digitalisierung im Carl Auer Verlag, Heidelberg. Im Juli 2020 kehrt er mit seinem 1997 gegründeten Unternehmen (Spin-Off mit Aufträgen der FH St. Gallen, Gesundheitsdirektion Kanton St. Gallen, Bundesamt für Gesundheit (BAG) und der EU aus einer Anstellung als Leiter Impuls- und Pilotinterventionen für die Aids-Hilfe St. Gallen/Appenzell) zurück nach Dissent.is/Muster, mitten in die Schweizer Alpen.


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