Das #FragebogenInterview des @mattzehn beantwortet von @sms2sms am 21.07.2021: “Ich bin Newsdepriviert. Gott sei Dank.”

Alle Fra­gen­bo­gen-Inter­views unter: https://www.matthiaszehnder.ch/category/menschenmedien
let­ztes update von diesem Text hier: 23.07.21, 00:16h | 15.09.21, 16:27h im Inter­view mit Lad­i­na Heim­gart­ner eine zusät­zlich Frage gefun­den (Alexa/GoogleHome) und beantwortet ;-)

@mattzehn: Welch­es Medi­um darf bei Dir zum Früh­stück nie fehlen?

@sms2sms: Ein Espres­so und ein Birchermüesli.

Wie hältst Du es mit Face­book, Twit­ter und Instagram?

Twit­ter war sehr inter­es­sant vor der Erweiterung auf 280 Zeichen, weil es eine völ­lig andere Nota­tions­form mit sich brachte. Face­book erlebte ich als das, was lange als “Inter­ak­tives Fernse­hen” erwartet wurde. Insta­gram nutze ich nur für meine Pro­jek­t­doku­men­ta­tio­nen. Snapchat und Tik­Tok sind toll für schnelle Video-Noti­zen, welche ich für WikiDienstag.ch miss­brauchen kann. Ich arbeite stur von meinem eige­nen Blog aus.

Wie hat das Coro­na-Virus Deinen medi­alen All­t­ag verändert?

Gar nicht. Lächer­lich ist, dass der Zoom-Overkill vel­wech­sert wird mit dem, was “Dig­i­tal­isierung” erzwinge… Ich leiste mir den Luxus der Ein­samkeit schon viel länger als es die huch!bundesrätlichen Coro­na-Mass­nah­men erfun­den haben. 

Wenn Du an die Medi­en in der Schweiz denkst – war früher alles bess­er oder schlechter?

Inter­es­sant ist ja die Kom­bi­na­tion von deinem Wort “Medi­en” und “nationaler Grenzziehung”. Die total­itären Regierun­gen früher­er Zeit­en in unseren Gegen­den waren insofern ehrlich­er, aufrichtiger, trans­par­enter, als dass sie dazu ges­tanden sind, dass sie gle­ich selb­st die gültige Wahrheit­en, welche nicht mehr hin­ter­fragt wer­den, dis­tribuieren und diese nicht ver­steckt über soge­nan­nt “freie Medi­en” insze­nieren lassen. 

“Im Redak­tion­sstatur wer­den Wahrheit­en definiert, welche nicht mehr hin­ter­fragt wer­den.” #medi­entalk 26.06.2021 @srf

Haben geschriebene Worte noch Zukunft?

Für mich ganz sich­er. Ver­schriftliche Sprache ist ide­al “effek­tiv & effizient”. Nicht zulet­zt in der Rezep­tion, etwa in Zusam­me­nar­beit mit Bots von Marie Kilg. Aber auch diese Möglichkeit lässt sich verbessern. Etwa durch grafis­che Nota­tions­for­men

Was soll man heute unbe­d­ingt lesen?

Lesen ist nicht nur total über­schätzt, die Entkop­pelung “Lesen : Schreiben” ist umstand­los anti­aufk­lärerisch, anti­wis­senschaftlich. Es wird viel zu viel gele­sen, kon­sum­iert, bezo­gen und gehorcht. SAPERE AUDE war der Wahlspruch vor 200 Jahren. SEI MUTIG, ist der Wahlspruch von Wikipedia seit 20 Jahren.

Kannst Du schlechte Büch­er wegle­gen oder musst Du Büch­er zu Ende lesen?

Wenn ich Büch­er kaufe, sind diese nie schlecht. Ich weiss ja schon vorher, was drin ste­ht. Wüsste ich es nicht, hätte ich sie nicht gekauft. 

Wo erfährst Du Dinge, von denen Du nicht gewusst hast, dass sie Dich interessieren?

In dem ich in Social Media via Hash­tags arbeite und ich bei WikiDienstag.ch in einem strate­gisch entwick­el­ten Work­flow des Wis­sen-schaf­fens arbeite.

Wie lange gibt es noch gedruck­te Tageszeitungen?

Solange Simon­et­ta Som­maru­ga den super­re­ichen Unternehmer­fam­i­lien aus dem Selb­st­be­di­en­gungspar­la­ment Geld zu kom­men lässt. Aus ökonomis­chen Grün­den bräucht­en diese Konz­erne solche auf tote Bäume gedruck­ten Tageszeitun­gen schon lange nicht mehr. 

Sind Fake News eine Gefahr – oder eine Chance für die Medien?

Ja.

Wie hältst Du es mit lin­earem (live) Radio und Fernsehen?

Ich bin News­de­priv­iert. Gott sei Dank.

Hörst Du Pod­casts? Hast Du einen Lieblingspodcast?

Ich bin ein Text-Men­sch. Aber wenn ich ange­fragt werde, mache ich auch Pod­casts. High­lights waren 1968kritik.de und noradioshow.noradio.eu mit Dr. Reg­u­la Stämpfli dem inzwis­chen als “Prof. Dr. Pod­cast” wwweltweit bekan­nten Moritz Klenk.

Sind dig­i­tale Assis­ten­ten wie Alexa oder Google Home eine neue Chance für das Radio – oder eine Gefahr für die Menschheit?

Die Men­schheit? Ähm. “Kom­mu­nika­tion kom­mun­ziert, nicht Men­schen.” #GAFAM alleine Zuhause zu lassen, das ist ein­fach bloss dumm. Aber “pro­fes­sioneller Infor­ma­tion­sjour­nal­is­mus” (fög) tut ja alles, um genau dies zu garantieren.

Was bedeutet es für die Medi­en (und die Gesellschaft), dass laut fög 55 % der 16- bis 29-Jähri­gen zu den News-Depriv­ierten gehört?

Gilles Marc­hand sagte 2016 in seinem “Die Drei Wellen”-Blog­post, dass es keinen Grund gibt, dass Jugendliche Zeit vergeu­den mit den Pro­duk­ten Massen lei­t­en­der Medi­en. Darum wurde er wohl zum Boss von SRGSSR hin­aufweg­be­fördert: Damit er nicht weit­ere solch gefährlichen Aus­sagen macht ;-)

Tame­dia-VR-Präsi­dent Pietro Supino geht davon aus, dass in zehn Jahren zwis­chen einem Vier­tel und einem Drit­tel der Artikel im «Tages-Anzeiger» von Robot­ern geschrieben wer­den. Lässt sich Jour­nal­is­mus automatisieren?

Selb­stver­ständlichst. Grösste Teile. Klar. Dazu brauchst du kein Prophet zu sein. Das ist längst bewiesen.

Führt die Dig­i­tal­isierung zum Tod der Medi­en oder im Gegen­teil zur Befreiung des Journalismus?

Es war ein früher Fehler von “Pro­fes­sionellem Infor­ma­tion­sjour­nal­is­mus” — noch ein­mal: das ist ein Aus­druck der uni­ver­sitären Kanonenseg­nerei @foegUZHBlogs, Vlogs, Pod­casts über Jahrzehnte hin­weg als ihre Feinde zu beschreiben. Wir nan­nten es 2010 #AIBS — Acquired Inter­net Bash­ing Syn­drom. Auf die schöpferische Zer­störung warte ich schon lange…

Siehst Du für pro­fes­sionellen Jour­nal­is­mus noch eine Zukunft?

An mein­er Ein­schätzung von 2008 für das MAZ muss ich nichts ändern. Konkret: Ja! Klar. Eine sehr grosse Zukun­ft sehe ich für Jour­nal­is­mus. Nicht für den aktuellen. Aber den Anderen. (so?)

Schreib­st Du manch­mal noch von Hand?

Täglich. Sehr viel. Klar. Was sonst?

Ist (oder war) Don­ald Trump gut oder schlecht für die Medien?

Er war und ist sen­sa­tionell. Aber in der Schweiz hat es unter den CR’s nur @dickmo zugegeben. Aber für die Zer­störung von Demokratie war der Frieden­sno­bel­preis­tra­gende Kriegs­fürst und Google-Fan Barack Oba­ma unendlich viel schädlich­er. Trump wirkt dagegeben ide­al aufk­lärerisch. Es zeigte “Die Kul­tur­form der Mod­erne” als das, was es ist: Zum davon laufen.

Wem glaub­st Du?

Glauben? Wenn es um Glauben geht, wäh­le ich: IHWH — Allah — Gott. Die Anrufung des prinzip­iell nie Anwe­senden war eine der grössten Zivil­isierungss­chübe in unser­er Kul­tur­tra­di­tion. Das was du Dig­i­tal­isierung nennst, kön­nte als eine Update auf diese Idee gezeigt wer­den: #prinzi­Ab­we

Dein let­ztes Wort?

Anfänge und Enden sind Inter­punk­tio­nen.”

Ste­fan M. Sey­del, aka sms, aka sms2sms in «Zürcher Fest­spiel 1901″ (2019, Foto­cre­d­it: Charles Schny­der): Twit­terWikipediaYoutube (aktuell), Sound­cloudInsta­gramSnapchatTik­TokTwitch

Stefan M. Seydel/sms ;-)

(*1965), M.A., Studi­um der Sozialen Arbeit in St. Gallen und Berlin. Unternehmer, Sozialar­beit­er, Künstler.

Ausstel­lun­gen und Per­for­mances in der Roy­al Acad­e­my of Arts in Lon­don (Frieze/Swiss Cul­tur­al Fund UK), im Deutsches His­torisches Muse­um Berlin (Kura­tion Bazon Brock), in der Cryp­ta Cabaret Voltaire Zürich (Kura­tion Philipp Meier) uam. Gewin­ner Migros Jubilée Award, Kat­e­gorie Wis­sensver­mit­tlung. Diverse Ehrun­gen mit rocketboom.com durch Web­by Award (2006–2009). Jury-Mit­glied “Next Idea” Prix Ars Elec­tron­i­ca 2010. Pen­delte bis 2010 als Mach­er von rebell.tv zwölf Jahre zwis­chen Bodensee und Berlin. Co-Autor von “Die Form der Unruhe“, Umgang mit Infor­ma­tion auf der Höhe der Zeit, Band 1 und 2, Junius Ver­lag Ham­burg. Ruhen­des Mit­glied im P.E.N.-Club Liecht­en­stein. Er war drei Jahre Mit­glied der Schulleitung Gym­na­si­um Kloster Dis­en­tis. Seit Ende 2018 entwick­elte er in Zürich-Hot­tin­gen in vie­len Live-Streams – u.a. in Zusam­me­nar­beit mit Sta­tis­tik Stadt Zürich und Wiki­me­dia Schweiz – den Work­flow WikiDienstag.ch, pub­lizierte während der Coro­na-Krise in der NZZ einen Text über Wikipedia, ini­ti­ierte das #PaulWat­zlaw­ick-Fes­ti­val 2020 mit und sam­melt im Blog von Carl Auer Ver­lag, Hei­del­berg, «Ele­mente ein­er näch­sten Kul­tur­form». Im Juli 2020 kehrt er mit seinem 1997 gegrün­de­ten Unternehmen (Spin-Off mit Aufträ­gen der FH St. Gallen, Gesund­heits­di­rek­tion Kan­ton St. Gallen, Bun­de­samt für Gesund­heit (BAG) und der EU aus ein­er Anstel­lung als Leit­er Impuls- und Pilot­in­ter­ven­tio­nen für die Aids-Hil­fe St. Gallen/Appenzell) zurück nach Dissent.is/Muster, mit­ten in die Schweiz­er Alpen.

Textsorte:(6) Dra­ma
Arbeits­form: Doku­men­ta­tion, Lis­ten­bil­dung, Work in Progress
Anlass: (…)
TL;DR: (…)
Bildquelle: (…)
URL/Hashtag: (…)

@SRFkul­tur über den Medi­enkun­st­philosophen Ste­fan M. Sey­del aka @sms2sms /sms ;-)

Der Marcel Proust Fragebogen, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung Promis inszenierte:

Was ist für Sie das größte Unglück? 

Wo möcht­en Sie leben? 

Was ist für Sie das vol­lkommene irdis­che Glück? 

Welche Fehler entschuldigen Sie am ehesten? 

Ihre lieb­sten Romanhelden? 

Ihre Lieblings­gestalt in der Geschichte? 

Ihre Liebling­sheldin­nen in der Wirklichkeit? 

Ihre Liebling­sheldin­nen in der Dichtung? 

Ihre Lieblings­maler?

Ihr Lieblingskom­pon­ist?

Welche Eigen­schaft schätzen Sie bei einem Mann am meisten? 

Welche Eigen­schaft schätzen Sie bei ein­er Frau am meisten? 

Ihre Lieblingstu­gend?

Ihre Lieblings­beschäf­ti­gung?

Wer oder was hät­ten Sie sein mögen? 

Ihr Hauptcharak­terzug?

Was schätzen Sie bei Ihren Fre­un­den am meisten? 

Ihr größter Fehler? 

Ihr Traum vom Glück? 

Was wäre für Sie das größte Unglück? 

Was möcht­en Sie sein? 

Ihre Lieblings­farbe?

Ihre Lieblings­blume?

Ihr Lieblingsvo­gel?

Ihr Lieblingss­chrift­steller?

Ihr Lieblingslyrik­er?

Ihre Helden in der Wirklichkeit? 

Ihre Lieblingsna­men?

Was ver­ab­scheuen Sie am meisten? 

Welche geschichtlichen Gestal­ten ver­ab­scheuen Sie am meisten? 

Welche mil­itärischen Leis­tun­gen bewun­dern Sie am meisten? 

Welche Reform bewun­dern Sie am meisten? 

Welche natür­liche Gabe möcht­en Sie besitzen? 

Wie möcht­en Sie sterben? 

Ihre gegen­wär­tige Geistesverfassung? 

Ihr Mot­to?


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