Die Liste der gelöschten Unterscheidungen (nach #NiklasLuhmann)

2010 pub­lizierten wir inner­halb von #dfdu Band 2, Junius Ver­lag Ham­burg, “Die Liste der gelöscht­en Unter­schei­dun­gen”:

  • Objek­tiv : Subjektiv
  • Mündlich : Schritlich
  • Pri­vat : Öffentlich
  • Mein : Dein
  • Real : Virtuell
  • Entwed­er : Oder

Wir sam­melten danach munter weit­er. Erst in diesen Tagen ist mir aufge­fall­en, was mir nicht aufge­fall­en ist: Niklas Luh­mann arbeit­et präzis an dieser Her­au­sor­derun­gen. Bloss viel kon­se­quenter (so?)

Mem­os & Links WikiDienstag.ch vom 10. August 2021 mit Klaus Kusanowsky
Die ganze Playliste: WikiDienstag.ch Pro­dUs­ing #DataL­it­er­a­cy

WORK IN PROGRESS

Welche Unter­schei­dun­gen sam­melte Niklas Luh­mann?
Ich werte 2 Texte (Quel­lenangabe jew­eils Text : Seiten­zahl) aus:

  1. 1986: Was ist Kom­mu­nika­tion? (pdf)
  2. 1998: Gesellschaft als Soziales Sys­tem #GdG, Seite 16ff

Niklas Luh­mann nen­nt dabei die Unter­schei­dung Sub­jekt oder Indi­vidu­um eine “Leer­formel” (1 : 19), oder die Unter­schei­dung Subjekt:Objekt “Erken­nt­nis­block­ierung” (2 : 33). Welch­es sind also die Unter­schei­dun­gen, welche er in dieser offen­siv­en Abw­er­tung ablehnt?

  • Sub­jekt : Objekt (1 : 19, 2 : 18, 2 : 32, 2 : 33)
  • Indi­vidu­um : Gesellschaft (2 : 19)
  • struk­tu­ral­is­tisch : prozes­su­al­is­tisch (2 : 20)
  • Herrschaft : Kon­flikt (2 : 20)
  • affir­ma­tiv : kri­tisch (2 : 20)
  • kon­ser­v­a­tiv : pro­gres­siv (2 : 20)
  • “Dop­pel­got­theit” Ver­nun­ft : Kri­tik (2 : 22)
  • Denken : Sein (2 : 32)
  • Erken­nt­nis : Gegen­stand (2 : 32)

Um dann selb­st eine andere Unter­schei­dung vorzuschlagen:

System : Umwelt (2 : 29)

“Auch wo ihre Begriffe abstrakt for­muliert sind, ziehen sie ihre Plau­si­bil­ität aus der his­torischen Sit­u­a­tion.” (2 : 19)

Human­is­tis­che und region­al­is­tis­che (nationale) Gesellschafts­ber­iffe sind the­o­retisch nicht mehr sat­is­fak­tions­fähig; … (2 : 31)

Warum fällt es Sozi­olo­gie aber so schw­er, diese Wende mitzu­vol­lziehen? (2 : 32)

Enzens­berg­er löscht 1970 die Unter­schei­dun­gen:

  • Diszi­plin und Spontaneität
  • Zen­tral­is­mus und Dezentralisation
  • autoritär­er Führung und anti­au­toritär­er Desintegration

(…)

(…)

Arbeitshypothese

Der “junge” Niklas Luh­mann hat­te mit ein­er Idee zu viel Erfolg. Darum hat er daran nicht mehr weit­er gear­beit­et. Ganz ähn­lich wie Paul Wat­zlaw­ick, welch­er an seinen Axiomen auch nicht weit­er gear­beit­et hat ;-)

Die Aus­for­mulierung von gesellschaftlichen Funk­tion­ssys­te­men war ein Irrweg.

Was dabei gezeigt wer­den kon­nte ist ins­beson­dere, wie die fatale binäre, dig­i­tale, zwei-wer­tige Logik in der ganzen Anord­nung von Gesellschaft wieder­erkan­nt wer­den kon­nte. Der Clou der frühen Aus­sagen von Niklas Luh­mann wäre aber eben ger­ade: “Das ist Teil des Prob­lems. Nicht Teil von Lösung.”

Die erfol­gre­iche Suche nach gesellschaftlichen Funk­tion­ssys­teme war erfol­gre­ich: “Wer sucht, der find­et.” Und so suchte ein jed­er mit einem Sack voller neuer, auf- und anre­gen­der Wörtchen im Ruck­sack nach seinem eige­nen Funk­tion­ssys­tem. Und siehe da: Selb­st Sozialar­beit ist ein Funk­tion­ssys­tem. Und dies schien als bewiesen, wenn ein Code genan­nt wer­den kon­nte. Es war hier der Code nicht : Hilfe. 

Witziger­weise hat Jour­nal­ist und Sozialar­beit­er Reto Eug­ster — um gle­ich beim Beispiel aus meinem eige­nen Kon­text zu bleiben, das ganze Elend ide­al im Jahr 2000 in eine Schlagzeile gemeis­selt: DIE GENESE DES KLIENTEN.

Die Fokussierung von nicht / Zahlung hil­ft dem Akteur der ÖkonomWie? am Ast seines eige­nen Unter­gangs zu sägen: Aus allem Geld machen. Die Unter­schei­dung wahr : falsch machte Pro­fes­soren zu Hohe­p­riestern. Und Sozialar­beit hil­ft nun eben ger­ade nicht Men­schen in sozialer Not, son­dern gener­iert Sozialar­beit­ern­den — jet­zt waren es ja bere­its mehrheitlich Män­ner! — Erwerb­sar­beit. Und immer so weit­er… Kurzum: das ist Quatsch.

Attrak­tiv­er ist zu fra­gen, was der “junge Luh­mann” 1986 — er war damals 59 jährig — erah­nte. Sein Hauptwerk “Gesellschaft der Gesellschaft von 1998 — zeigte er dann mit 71. dort ist in der Ein­leitung und in Kapi­tel 2ff noch die alte Spur erkennbar. Aber die Arbeit ist längst zerfallen. 

Schluss für hier. Ich arbeite drüben weiter: 

Welches sind eigentlich die Elemente einer “Nächsten Kulturform”?

- Sprache + Schrift ≠ Buch­druck #Com­put­er ¯\_(ツ)_/¯ — + ≠ #kul­turlǝsɥɔǝʍ

https://www.carl-auer.de/magazin/kulturwechsel

Die Funk­tionale Dif­feren­zierung nach Niklas Luh­mann ist fal­si­fiziert. (Tweet)

STOCHERN IM TREIBSAND KANN JEDER (Git­ta Peyn)

Ste­fan M. Sey­del, aka sms, aka sms2sms in «Zürcher Fest­spiel 1901″ (2019, Foto­cre­d­it: Charles Schny­der): Twit­terWikipediaYoutube (aktuell), Sound­cloudInsta­gramSnapchatTik­TokTwitch

Stefan M. Seydel/sms ;-)

(*1965), M.A., Studi­um der Sozialen Arbeit in St. Gallen und Berlin. Unternehmer, Sozialar­beit­er, Künstler.

Ausstel­lun­gen und Per­for­mances in der Roy­al Acad­e­my of Arts in Lon­don (Frieze/Swiss Cul­tur­al Fund UK), im Deutsches His­torisches Muse­um Berlin (Kura­tion Bazon Brock), in der Cryp­ta Cabaret Voltaire Zürich (Kura­tion Philipp Meier) uam. Gewin­ner Migros Jubilée Award, Kat­e­gorie Wis­sensver­mit­tlung. Diverse Ehrun­gen mit rocketboom.com durch Web­by Award (2006–2009). Jury-Mit­glied “Next Idea” Prix Ars Elec­tron­i­ca 2010. Pen­delte bis 2010 als Mach­er von rebell.tv zwölf Jahre zwis­chen Bodensee und Berlin. Co-Autor von “Die Form der Unruhe“, Umgang mit Infor­ma­tion auf der Höhe der Zeit, Band 1 und 2, Junius Ver­lag Ham­burg. Ruhen­des Mit­glied im P.E.N.-Club Liecht­en­stein. Er war drei Jahre Mit­glied der Schulleitung Gym­na­si­um Kloster Dis­en­tis. Seit Ende 2018 entwick­elte er in Zürich-Hot­tin­gen in vie­len Live-Streams – u.a. in Zusam­me­nar­beit mit Sta­tis­tik Stadt Zürich und Wiki­me­dia Schweiz – den Work­flow WikiDienstag.ch, pub­lizierte während der Coro­na-Krise in der NZZ einen Text über Wikipedia, ini­ti­ierte das #PaulWat­zlaw­ick-Fes­ti­val 2020 mit und sam­melt im Blog von Carl Auer Ver­lag, Hei­del­berg, «Ele­mente ein­er näch­sten Kul­tur­form». Im Juli 2020 kehrt er mit seinem 1997 gegrün­de­ten Unternehmen (Spin-Off mit Aufträ­gen der FH St. Gallen, Gesund­heits­di­rek­tion Kan­ton St. Gallen, Bun­de­samt für Gesund­heit (BAG) und der EU aus ein­er Anstel­lung als Leit­er Impuls- und Pilot­in­ter­ven­tio­nen für die Aids-Hil­fe St. Gallen/Appenzell) zurück nach Dissent.is/Muster, mit­ten in die Schweiz­er Alpen.

Textsorte: (1) Traum
Arbeits­form: Doku­men­ta­tion, Lis­ten­bil­dung, Work in Progress
Anlass: (…)
TL;DR: (…)
Bildquelle: (…)
URL/Hashtag: (…)


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