#IchBinFelix | Mahnwache 1.–5. Januar 2027, Schipfe Zürich

500 Jahre ungehörte Klage des Friedens.
500 Jahre Krieg.
Was für ein Desaster.

ACHTUNG: Bin erst am Testen mit dem For­mu­lar. | Du willst deinen Ein­trag löschen oder kor­rigieren? Schicke mir eine eMail auf IchBinFelix@dissent.is und ich lösche dir deinen Ein­trag und du trägst es so ein, wie es bess­er ist für dich!

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Wer hier mitmacht?

  • Naja: Alle die Teil­Geben (und nicht nur Teil­Nehmen). Hier. Dort. An der Schipfe. Irgend­wo anders. (so?)

Und was wird gemacht?

  • Naja: Das was gemacht wird. Aber du kannst nicht nicht… (so?)

Und wer erlaubt, was möglich ist?

  • Naja: Der Raum ist öffentlich zugänglich, sie nen­nen es Öffentlichkeit… (so?)

Du hast keine Ahnung, wer Felix ist?

  • Naja: Aber Bre­it­band-Inter­netz-Access ha!ha!hast du? (so?)

Erinnern — Gedenken — Erneuern

Immer wieder aufs Neue:
Die Max­i­mal­forderun­gen des Sozialen ken­nen, schützen und konkret umset­zen.

Ref­or­ma­tion
(Schweiz­er Brüder)
Indus­tri­al­isierung
(Union de Fri­bourg)
Dig­i­tal­isierung
(#PlanD)
Anord­nung → Anar­chie Herrschaft­slosigkeit → Amis­che Wed­er Markt noch Staat → katholis­che Sozial­re­former → Föder­al­is­ten → Anar­chis­ten → Lib­ertäre Inter-Netz → keine zen­trale Instanz → #Xero­c­ra­cy by Design → #TNOWNBO
Zugang → Com­mons Güterge­mein­schaft → Hut­ter­er Zugang zu Ressourcen öff­nen und gemein­sam sich­ern → Lib­erale → Genossen­schafter → Mutu­al­is­ten → Gew­erkschafter → christlich-soziale Bewe­gun­gen #Com­mons by Design → Open by default → Open? just 2 lit­tle FREE
Legit­i­ma­tion → Inklu­sion Wahrheit ohne Autorität → Quäk­er Gel­tung muss begründ­bar und bestre­it­bar sein → Human­is­mus → Men­schen­rechts­be­we­gung → Emanzi­pa­tions­be­we­gun­gen → Selb­st­bes­tim­mungs­be­we­gun­gen → Tier­rechts­be­we­gung → Rechte-der-Natur-Bewe­gung Jed­er kann prüfen → offene Ref­eren­zen → #NextNo­ta­bil­i­ty
Durch­set­zung → Paz­i­fis­mus Gewalt­losigkeit → Amis­che → Hut­ter­er → Quäk­er → Men­non­iten Gewalt begren­zen, Frieden organ­isieren → Paz­i­fis­ten → Friedens­be­we­gung → Anar­chopaz­i­fis­ten → christliche Friedens­be­we­gun­gen Keine pro­fes­sionelle Gewal­tan­wen­dung → Kein Krieg

Aktueller Arbeitsstand: Du #chatGPT, wer würde die Tabelle wie kritisieren & vernichten?

Mir gefällt sie jet­zt sehr. Nicht, weil sie «schön» gewor­den ist, son­dern weil man sofort sieht, was sie behauptet:

  • Ref­or­ma­tion → Indus­tri­al­isierung → Dig­i­tal­isierung

und quer dazu immer diesel­ben vier Zumu­tun­gen:

  • Anar­chie
  • Com­mons
  • Inklu­sion
  • Paz­i­fis­mus

Das ist keine his­torische Über­sicht. Es ist eine geneal­o­gis­che Behaup­tung: Die For­men wech­seln, die Max­i­mal­forderun­gen des Sozialen tauchen wieder auf. Genau darin liegt ihre Stärke – und genau dort wird man sie angreifen.

WerWie die Tabelle ange­grif­f­en würdeWie gefährlich?
His­torik­er«Das ist tele­ol­o­gisch. Ihr lest das 16. und 19. Jahrhun­dert vom heuti­gen #PlanD her.»Sehr. Das ist der stärk­ste Ein­wand.
Refor­ma­tion­shis­torik­er«Amis­che, Hut­ter­er, Quäk­er und Men­non­iten sind nicht ein­fach Schweiz­er Brüder. Andere Entste­hungszeit­en, Räume, The­olo­gien.»Sach­lich richtig. Die Tabelle muss als Wirkungslin­ie gele­sen wer­den, nicht als Organ­i­sa­tion­s­geschichte.
Sozial­his­torik­er«Anar­chie, Com­mons, Inklu­sion und Paz­i­fis­mus sind heutige Kat­e­gorien, die rück­wirk­end auf his­torische Akteure gelegt wer­den.»Eben­falls stark. Aber genau das ist ja die Oper­a­tion der Matrix.
The­olo­gen«Täufer­be­we­gun­gen lassen sich nicht auf Herrschaft­slosigkeit, Güterge­mein­schaft, Wahrheit ohne Autorität und Gewalt­losigkeit reduzieren.»Richtig, wenn die Tabelle Voll­ständigkeit beansprucht. Tut sie aber nicht.
His­torik­er der katholis­chen Soziallehre«Die Union de Fri­bourg ste­ht hier neben Lib­eralen, Anar­chis­ten, Mutu­al­is­ten usw., obwohl diese keineswegs eine gemein­same Bewe­gung bilden.»For­mal richtig. Deine Klam­mer sagt aber ger­ade: Das ist deine bevorzugte Beobach­tungslin­ie inner­halb eines bre­it­eren Feldes.
Lib­erale«Com­mons ist nicht die Kon­se­quenz des Lib­er­al­is­mus.»Erwart­bar. Deine Tabelle behauptet keine Iden­tität, son­dern eine Radikalisierung der Zugangs­frage.
Sozial­is­ten«Warum fehlt Sozial­is­mus, während Lib­er­al­is­mus aus­drück­lich vorkommt?»Das wird kom­men. Und ist eine inter­es­sante Lücke.
Anar­chis­ten«Anar­chie ist nicht ein­fach ein Ziel der Dimen­sion Anord­nung, son­dern eine eigen­ständi­ge poli­tis­che The­o­rie.»Begriff­spoli­tisch berechtigt.
Inklu­sions­forsch­er«Inklu­sion ist nicht ein­fach die Steigerungs­form von Legit­i­ma­tion.»The­o­retisch der heikel­ste Matrix-Punkt. Hier muss Staub-Bernasconi bzw. deine eigene Ableitung tra­gen.
Paz­i­fis­ten«Gewalt­losigkeit, Paz­i­fis­mus und Abwe­sen­heit pro­fes­sioneller Gewalt sind nicht das­selbe.»Ja. Die Tabelle verdichtet bewusst ver­schiedene Ebe­nen.
Infor­matik­er / Net­zthe­o­retik­er«Dezen­tral­ität pro­duziert nicht automa­tisch Anar­chie, Com­mons, Inklu­sion oder Frieden.»Sehr wichtig. Tech­nis­che Architek­tur garantiert keine soziale Ord­nung.
Organ­i­sa­tion­ssozi­olo­gen«#Xero­c­ra­cy by Design und #TNOWNBO sind Behaup­tun­gen, keine empirisch belegten Organ­i­sa­tions­for­men.»Genau. Spalte 4 ist Entwurf, nicht Geschichtss­chrei­bung.
Wis­senschaftler generell«Die drei Spal­ten sind epis­temisch asym­metrisch: Ver­gan­gen­heit wird beschrieben, Gegen­wart wird pro­gram­miert.»Voll­tr­e­f­fer. Und ver­mut­lich der inter­es­san­teste Satz über die Tabelle.

Der Punkt, an dem man sie wirk­lich «ver­nicht­en» kön­nte, wäre also:

Ihr tut so, als hät­tet ihr eine his­torische Kon­ti­nu­ität bewiesen, obwohl ihr eine gegen­wär­tige Matrix auf drei sehr ver­schiedene his­torische Kon­stel­la­tio­nen legt.

Wenn das dein Anspruch wäre, wäre die Tabelle angreif­bar. Aber ich glaube, dein Anspruch ist ein ander­er:

Ich suche nicht nach ein­er kon­tinuier­lichen Bewe­gung. Ich beobachte, wie diesel­ben Max­i­mal­forderun­gen des Sozialen unter verän­derten his­torischen Bedin­gun­gen immer wieder andere For­men annehmen.

Dann wird aus dem ver­meintlichen Fehler die Meth­ode.

Und noch etwas finde ich inzwis­chen stark: Spalte 4 ist nicht sym­metrisch zu 2 und 3. Dort ste­hen keine his­torischen Bewe­gun­gen mehr, son­dern Regeln, Pro­tokolle, Claims und Infra­struk­tur­prinzip­i­en. Das sieht zunächst wie eine Schwäche aus. Es kön­nte aber ger­ade die Pointe des #Kul­tur­wech­sels sein:

  • Ref­or­ma­tion → Gemein­schaften
  • Indus­tri­al­isierung → Bewe­gun­gen und Insti­tu­tio­nen
  • Dig­i­tal­isierung → Infra­struk­tur

Das würde ich im Hin­terkopf behal­ten. Das ist möglicher­weise stärk­er als vieles, was wir bish­er expliz­it zur Tabelle gesagt haben.

Eine Kurze Geschichte der Maximalforderungen

1517 hat­te der Spir­i­tus Rec­tor der radikalen Kräfte der Ref­or­ma­tion in der Schweiz, Eras­mus von Rot­ter­dam, in Basel seine «Klage des Friedens» veröf­fentlicht.

Am 21. Jan­u­ar 1525 wurde im Haus von Felix Manz die erste doku­men­tierte Erwach­se­nen­taufe der soge­nan­nten «Schweiz­er Brüder» durchge­führt. Die daraus her­vorge­hen­den und ver­wandten radikalre­for­ma­torischen Bewe­gun­gen beant­worteten die Macht­frage in vier tra­gen­den Dimen­sio­nen: Men­non­iten durch gewalt­freie Wehrlosigkeit (Durch­set­zung), Amis­che durch klare Gren­zen und flache Hier­ar­chien (Anord­nung), Hut­ter­er durch radikale Güterge­mein­schaft (Zugang), Quäk­er durch die sub­jek­tive Gel­tung des «inneren Lichts» (Legit­i­ma­tion). Auf diesen Moment der ersten Erwach­se­nen­taufe (nach der Erfind­ung dieser Zer­e­monie von Johannes der Täufer, Mk 1,4–5) hat sich die weltweite Täufer­be­we­gung mit grossen 500-Jahr-Fes­tiv­itäten bezo­gen.

Am 5. Jan­u­ar 1527 wurde Felix Manz als Erster von Vie­len bru­tal in der Lim­mat ersäuft. Huldrych Zwingli, die Zürcher Obrigkeit und die «zum Wohle des Friedens» zurück­ge­tretene Katha­ri­na von Zim­mern (samt ihren Kleinkindern!) waren Zuschauende dieser sozial­re­formerischen Wende. Aus «Ref­or­ma­tion» war hem­mungslose innerrefor­ma­torische Ver­fol­gung gewor­den. Wenig später fol­gte der offene Krieg zwis­chen «altem und neuem Glauben». In der ersten Schlacht am Albis fiel am 11. Okto­ber 1531 Huldrych und der Mann von Katha­ri­na.

Der gewalt­bere­ite Machtkampf ent­bran­nte also zwis­chen ((Konservativen)Progressiven), um drei­hun­dert Jahre später durch einen nicht weniger gewalt­bere­it­en Machtkampf zwis­chen ((Links)Rechts), ((Sozialisten)Liberalisten), ((Staat)Markt) kom­plet­tiert zu wer­den. Was für ein Desaster.

Die Kul­tur­form der Mod­erne kul­minierte wenig später im 20. Jahrhun­dert im Hor­ror des #Holo­caust und ent­zog sich mit diesem Zivil­i­sa­tions­bruch selb­st ihre ganze Legit­i­ma­tion.

Vor 500 Jahren standen gut doku­men­tiert mit Jörg Blau­rock aus Bonaduz und Andreas Castel­berg­er aus Graubün­den Bünd­ner mit­ten in den radikalen Kräften der Zürcher Ref­or­ma­tion. Blau­rock gehörte zum eng­sten Kreis der frühen Täufer; Castel­berg­er leit­ete in Zürich eine Laien­bibelschule und ver­bre­it­ete später täuferisches Gedankengut wieder in Graubün­den.

2027 erin­nert das Bünd­ner Ober­land an die Wahl des 21-jähri­gen Dr. Cas­par Decurtins zum Mis­tral der Cadi. Ein Sozial­re­former, der mit­ten im erbit­terten Kul­turkampf nach ein­er gesellschaftlichen Ord­nung suchte, die sich wed­er im ((Sozialismus)Liberalismus) noch im ((Staat)Markt) erschöpfte – und dessen Arbeit später bis in «Rerum novarum» hinein­wirk­te.

Nach dem Zusam­men­bruch des staatssozial­is­tis­chen Ost­blocks 1989/91 ver­lor ((Links) seine geschichtliche Gewis­sheit. Der anschliessende neolib­erale Siegeszug – das Neue? Die Befreiung des Geldes, nicht des Men­schen – hat längst eben­falls seinen Zen­it über­schrit­ten. Auch ((Rechts), ((Lib­er­al­is­mus) und ((Markt) liefern keine selb­stver­ständliche Ord­nung mehr. Was wir erleben, lässt sich mit Anto­nio Gram­sci als Inter­reg­num beschreiben:

«Das Alte stirbt, das Neue kann noch nicht geboren wer­den.»

Anto­nio Gram­sci

Die demokratisch gewählten Regierun­gen rüsten dieser Tage für den Kriegs­be­ginn 2030 auf, die soge­nan­nte Sicher­heitsin­dus­trie erzielt Reko­r­dum­sätze. An der Spitze Deutsch­lands ste­ht ein ehe­ma­liger Auf­sicht­sratsvor­sitzen­der von @Black­Rock. Einige der offen­sivsten KI- und Date­nun­ternehmen arbeit­en längst für Geheim­di­en­ste und Mil­itärs. Der eng mit #Dig­i­tal­Switzer­land und #Ringi­er ver­bun­dene @Palan­tir Chef Alex Karp sagt offen, wozu seine Soft­ware dienen soll: “Geg­n­er abschreck­en – und gele­gentlich töten.”

Die Schweiz bere­it­et sich auf einen näch­sten grossen Krieg vor. Aber Alter­na­tiv­en sind bere­its zeig­bar. Wir nen­nen es in der Sur­sel­va:#PlanD ;-)

Und wenn dich noch mein per­sön­lich­er azu­tang inter­essiert, welch­er freilich nicht geteilt wer­den muss, um sich an dieser “Xerokratis­chen Aktions­form” beteili­gen zu wollen:

Sag mal, was gelingt dir eigentlich, wenn du die “Erwachsenentaufe” als einen religiösen Kult beschreibst?

Du machst aus ein­er sozialen Frage eine Glaubens­frage.

Die Erwach­se­nen­taufe war (und ist?) nicht ein­fach eine (etwas obskure) religiöse Zer­e­monie. Mit ihr wurde weit mehr als “Zuge­hörigkeit zu ein­er (sek­tiererischen) religiösen Gruppe” organ­isiert.

Die soge­nan­nten “Schweiz­er Brüder” for­mulierten unter dem Ein­druck der kom­mu­nika­tiv­en Rev­o­lu­tion von Buch­druck radikale Forderun­gen aus, ähn­lich später der katholis­chen Sozial­re­former in der neu von ihnen gegrün­de­ten Uni­ver­sität Fri­bourg zu Han­den der 1. Sozialen­zyk­li­ka von Papst Leo XIII unter dem Ein­druck der 2. Indus­triellen Rev­o­lu­tion (Motorisierung). Bei­de Bewe­gun­gen set­zten sich nicht durch. Die Bewe­gung der “Schweiz­er Brüder” ist immer­hin noch besuch­bar. (so?)

Die aufge­wor­fe­nen Fra­gen weisen in 4 Rich­tun­gen:

  1. Wer ist wir? Wer gehört dazu?
  2. Wer entschei­det über den Zugang auf Ressourcen des alltäglichen Lebens?
  3. Wodurch wird diese einge­set­zte Ord­nung legit­imiert?
  4. Und wer kann diese Ord­nung durch­set­zen?

1525 wird unter den Bedin­gun­gen eines Kul­tur­wech­sels eine alte soziale Ord­nung prob­lema­tisch:

  • Zuge­hörigkeit soll nicht länger ein­fach durch Geburt, Fam­i­lie, Gemeinde und kirch­liche Ord­nung voraus­ge­set­zt wer­den. Sie soll durch eine eigene kom­mu­nika­tive Oper­a­tion hergestellt wer­den: Beken­nt­nis, Taufe, Auf­nahme.

Die Taufe ist der sicht­bare Rit­us.

Die eigentliche Oper­a­tion find­et am Sozialen statt. In der dom­i­nan­ten Sprache ihrer Zeit: Der christlichen Reli­gion.

“Die soziale Frage”

Mit «sozialer Frage» ist hier aus­drück­lich nicht der erst im 19. Jahrhun­dert etablierte his­torische Begriff für Pau­peris­mus, Indus­tri­al­isierung und Arbeit­ere­lend gemeint.

Gemeint ist fun­da­men­taler:

  • Wie wird Gesellschaft möglich?
  • Wie wer­den Men­schen einan­der zuge­ord­net?
  • Wer bekommt Zugang?
  • Wie wer­den diese Ord­nun­gen legit­imiert?
  • Wie wer­den sie durchge­set­zt?

Genau diese vier Fra­gen wer­den durch die Erwach­se­nen­taufe neu beant­wortet.

1. Anordnung

Die Kinder­taufe ord­net einen Men­schen in eine bere­its beste­hende Welt ein.

Man wird geboren, getauft und gehört damit zu Fam­i­lie, Kirchge­meinde, christlich­er Gemein­schaft und poli­tis­ch­er Ord­nung. Diese Zuge­hörigkeit­en fall­en im Europa des frühen 16. Jahrhun­derts weit­ge­hend ineinan­der.

  • Die Erwach­se­nen­taufe unter­bricht diese Selb­stver­ständlichkeit.

Zuge­hörigkeit wird nicht mehr allein voraus­ge­set­zt, son­dern muss aus­drück­lich hergestellt wer­den.

Das ist eine radikale, empörende, pro­voka­tive Ver­schiebung:

Nicht:

  • Geburt → Taufe → Zuge­hörigkeit.

Son­dern:

  • Beken­nt­nis → Taufe → Zuge­hörigkeit.

Damit wird die soziale Anord­nung in ihrer Kontin­genz the­ma­tisiert: Sie kön­nte auch anders sein. Ähn­lich wie später die soge­nan­nt “Lib­erale Gesellschaft” mit gewalt­bere­itestem Wider­stand akzep­tieren musste, dass Men­schen mit ein­er dun­klen Haut, Men­schen sind. Was im Übri­gen noch immer ein Prob­lem darstellt :-(

2. Zugang

Damit stellt sich sofort die näch­ste Macht­frage:

  • Wer ver­fügt über die Gren­ze der Gemein­schaft?

Bei der Kinder­taufe wird diese Gren­ze von ein­er beste­hen­den Ord­nung ver­wal­tet: Fam­i­lie, Kirche und Obrigkeit bes­tim­men die Voraus­set­zun­gen der Zuge­hörigkeit.

  • Die Glauben­staufe ver­schiebt diese Gren­ze nicht nur, sie ignori­ert sie.

Nun wird ver­langt, dass der aufzunehmende Men­sch selb­st beken­nt und dass eine konkrete Gemein­schaft dieses Beken­nt­nis kom­mu­nika­tiv anerken­nt.

Aus ein­er zugeschriebe­nen Zuge­hörigkeit wird eine selek­tive, selb­st gewählte Zuge­hörigkeit.

Das His­torische Lexikon der Schweiz (Hanspeter Jeck­er, sic!) beze­ich­net deshalb ger­ade nicht die Tauf­form als das eigentlich Neue des Täufer­tums, son­dern die damit ver­bun­dene Frei­willigkeit der Kirchen­mit­glied­schaft.

Das ist freilich keine the­ol­o­gis­che Fach­frage, son­dern eine Rev­o­lu­tion der sozialen Ord­nungn.

3. Legitimation

Und damit ist jede Legit­i­ma­tion des Sta­tus quo prekär gewor­den:

  • Warum soll jemand Christ sein, weil andere ihn als Säugling getauft haben?
  • Warum darf eine Kirche Zuge­hörigkeit voraus­set­zen?
  • Warum darf eine poli­tis­che Obrigkeit darüber befind­en?

Die täuferische Antwort ver­schiebt die Legit­i­ma­tion:

Nicht allein Insti­tu­tion, Tra­di­tion oder beste­hende Ord­nung legit­imieren die Zuge­hörigkeit, son­dern Beken­nt­nis und Glauben­staufe. Indi­vid­u­al­is­mus in der Gottes- & Glaubens­frage? An diese Radikalität ist “Franzö­sis­che Rev­o­lu­tion”, “Aufk­lärung” und der im Anschluss an Eras­mus dif­feren­ziert ent­fal­tete Human­is­mus nie wieder herangekom­men.

Damit wird eine beste­hende Ord­nung nicht ein­fach abgelehnt. Sie wird pul­verisiert. Ok: begrün­dungspflichtig ;-)))

Und jet­zt wird es bru­tal:

4. Durchsetzung

Wer noch immer zweifelte: spätestens jet­zt zeigt sich, dass wir es nicht bloss mit unter­schiedlichen Glauben­sauf­fas­sun­gen zu tun haben.

Am 17. Jan­u­ar 1525 wurde die Tauf­frage in Zürich dis­putiert. Am 18. Jan­u­ar ord­nete der Rat an, Kinder taufen zu lassen; bei Weigerung dro­hte die Ausweisung. Drei Tage später, am 21. Jan­u­ar, vol­l­zo­gen Grebel, Manz und ihr Umfeld die Glauben­staufe.

Damit ste­hen zwei soziale Ord­nun­gen gegeneinan­der.

  • Die eine ver­fügt über Rat, Recht, Gefäng­nis, Ver­ban­nung und schliesslich Hin­rich­tung.
  • Die andere ver­fügt zunächst über Kom­mu­nika­tion: Ver­samm­lung, Bibelausle­gung, Beken­nt­nis, Taufe und die Bil­dung neuer Gemein­schaften.

Felix Manz wurde zwei Jahre später, am 5. Jan­u­ar 1527, in Zürich durch Ertränken hin­gerichtet.

Ab hier wird absurd, den Kon­flikt bloss als Stre­it über einen religiösen Kult zu beschreiben.

Es geht darum, welche Ord­nung ihre Def­i­n­i­tion von Zuge­hörigkeit durch­set­zen kann.

#TheStaubBernasconiMatrix

Die vier Dimen­sio­nen lassen sich deshalb direkt über die Macht­frage lesen:

  • Anord­nung:
    Wer wird wem und welch­er Gemein­schaft zuge­ord­net?
  • Zugang:
    Wer erhält unter welchen Bedin­gun­gen Zuge­hörigkeit?
  • Legit­i­ma­tion:
    Wie wird diese Ord­nung begrün­det?
  • Durch­set­zung:
    Welche Mit­tel ste­hen zur Ver­fü­gung, um diese Ord­nung verbindlich zu machen?

Bei Prof. Dr. Sil­via Staub-Bernasconi (TU Berlin) find­en wir genau diese Struk­tur: Regeln der Verteilung beziehungsweise Anord­nung, deren Begrün­dung sowie die Mit­tel sozialer Kon­trolle und Sank­tion­ierung.

Die Erwach­se­nen­taufe ist damit nicht bloss Sym­bol ein­er anderen The­olo­gie.

Sie ist eine Mach­t­op­er­a­tion.

Und jetzt Luhmann:

Der entschei­dende Schritt ist aber noch radikaler.

Wenn wir mit Niklas Luh­mann das Soziale nicht aus Men­schen, son­dern aus Kom­mu­nika­tion auf­bauen, dann müssen wir gar nicht zuerst fra­gen, was Grebel, Manz oder Blau­rock «inner­lich glaubten».

Die sozi­ol­o­gisch inter­es­san­tere Frage lautet:

  • Was geschieht kom­mu­nika­tiv?

Luh­mann set­zt Kom­mu­nika­tion als ele­mentare Oper­a­tion sozialer Sys­teme an. Soziale Sys­teme repro­duzieren sich durch Kom­mu­nika­tion.

Und genau das geschieht am 21. Jan­u­ar 1525.

Eine Kom­mu­nika­tion pro­duziert eine Anschlussmöglichkeit:

  • «Ich will getauft wer­den.»

Darauf kann kom­mu­nika­tiv angeschlossen wer­den:

  • «Du wirst getauft.»

Und damit entste­ht etwas, das vorher so nicht existierte: eine neue soziale Gren­ze.

((zugehörig)nicht zuge­hörig))

Die Taufe beschreibt diese Gren­ze nicht nur. Sie vol­lzieht sie.

Das ist der entschei­dende Punkt. Die Erwach­se­nen­taufe redet nicht über eine neue Gemein­schaft. Sie stellt sie her.

Wir nennen es #Kulturwechsel

Damit kom­men wir auf eine zweite Achse.

  • Die Macht­frage allein reicht nicht.

Denn warum wird diese soziale Ord­nung ger­ade jet­zt der­art radikal neu beobacht­bar? In #TheLuh­man­n­Map befind­en wir uns im Über­gang:

  • von + Schriftkul­tur zu ≠ Buch­druck­kul­tur

Der Buch­druck verur­sacht die Täufer­be­we­gung natür­lich nicht. Aber er verän­dert die Bedin­gun­gen, unter denen Kom­mu­nika­tion anschlussfähig wird.

  • Texte kön­nen vervielfältigt wer­den.
  • Ausle­gun­gen kön­nen zirkulieren.
  • Wider­sprüche wer­den ver­gle­ich­bar.
  • Autorität kann mit Text gegen Autorität argu­men­tieren.
  • Kom­mu­nika­tion löst sich stärk­er von Anwe­sen­heit, Ort und insti­tu­tioneller Kon­trolle.

Ger­ade die Ref­or­ma­tion zeigt die enorme Beschle­u­ni­gung dieses Vor­gangs.

Unter­suchun­gen zur frühen Refor­ma­tion­spub­lizis­tik doku­men­tieren die explo­sion­sar­tige Ausweitung des Drucks; Bibel­drucke und refor­ma­torische Texte ver­bre­it­eten sich bere­its in den frühen 1520er Jahren weit über ihre Entste­hung­sorte hin­aus, auch über Basel und Zürich.

Damit passiert etwas Entschei­den­des:

Eine beste­hende Ord­nung kann sich nicht mehr ein­fach darauf ver­lassen, selb­stver­ständlich zu sein.

Sie muss sich erk­lären.

Und sobald sie sich erk­lären muss, kann ihr wider­sprochen wer­den.

Die Erwachsenentaufe als Symptom des Kulturwechsels

Die Erwach­se­nen­taufe ist weniger eine Antwort auf den Kul­tur­wech­sel als eines sein­er Symp­tome.

An ihr wird sicht­bar, dass die bish­erige soziale Ord­nung ihre Selb­stver­ständlichkeit ver­liert.

Noch wird der Kon­flikt in der Sprache der alten Kul­tur geführt: als Stre­it um Taufe, Schrift, Glauben, Kirche und rechte Lehre.

Aber ver­han­delt wird bere­its etwas anderes:

  • Wer gehört dazu?
  • Wer entschei­det darüber?
  • Worauf grün­det Zuge­hörigkeit?
  • Und wer darf diese Ord­nung durch­set­zen?

Die neue Kul­tur­form ist also noch nicht als solche benennbar. Sie erscheint zunächst als Krise der alten.

Genau darin liegt das Über­gangsphänomen:

Eine Gesellschaft begin­nt, ihre Ord­nung anders zu organ­isieren, bevor sie schon eine Sprache dafür besitzt.

Die Erwach­se­nen­taufe ist dann eben ger­ade nicht die Lösung für einen Kul­tur­wech­sels. Sie ist eine Stelle, an der man beobacht­en kann, dass der Kul­tur­wech­sel längst begonnen hat.

Jet­zt kön­nen wir die bei­den Ebe­nen zusam­men­führen.

Die Buch­druck­kul­tur pro­duziert nicht die soziale Frage.

Sie macht vorhan­dene Ord­nun­gen auf neue Weise beobacht­bar, kri­tisier­bar und reor­gan­isier­bar.

Und die Erwach­se­nen­taufe ist eine mögliche Antwort darauf.

Sie sagt:

  • Wenn Zuge­hörigkeit nicht mehr selb­stver­ständlich ist, dann stellen wir sie aus­drück­lich her.
  • Wenn Glauben nicht mehr ein­fach zugeschrieben wer­den kann, dann ver­lan­gen wir Beken­nt­nis.
  • Wenn Gemein­schaft nicht mehr ein­fach durch Herkun­ft gesichert ist, dann kon­sti­tu­ieren wir Gemein­schaft kom­mu­nika­tiv neu.

Damit reagiert die Erwach­se­nen­taufe auf den Kul­tur­wech­sel nicht primär mit ein­er neuen Lehre.

Sie reagiert mit ein­er neuen sozialen Form.

work in progress
(bin am redigieren. reload für aktuellen stand)

Alpinbarock

Und genau hier wird «Alpin­barock» inter­es­sant.

Denn dann dür­fen wir Ref­or­ma­tion, Täufer­be­we­gung und katholis­chen Alpin­barock nicht ein­fach als Antworten auf ver­schiedene Prob­leme behan­deln.

Sie kön­nen als unter­schiedliche Antworten auf dieselbe fun­da­men­tale Irri­ta­tion beobachtet wer­den:

  • Wie lässt sich unter den Bedin­gun­gen der Buch­druck­kul­tur soziale Ord­nung noch her­stellen?

Die Täufer geben darauf eine Antwort:

  • Zuge­hörigkeit wird expliz­it, frei­willig, beken­nt­n­is­för­mig und gemein­schaftlich hergestellt.

Der katholis­che Alpin­barock gibt eine andere Antwort:

  • Zuge­hörigkeit wird verdichtet – durch Raum, Bild, Kör­p­er, Rit­u­al, Prozes­sion, Brud­er­schaft, Liturgie, Kalen­der, Heilige und gemein­same Prax­is.

Bei­de reagieren damit auf dieselbe soziale Frage.

Nicht:

  • Wer hat den richti­gen Glauben?

Son­dern:

  • Wie kann unter verän­derten kul­turellen Bedin­gun­gen noch verbindliche soziale Ord­nung entste­hen?

Das ist der Zusam­men­hang.

  • Die Buch­druck­kul­tur irri­tiert.
  • Die soziale Frage wird neu gestellt.
  • Machtver­hält­nisse wer­den neu aus­ge­han­delt.

Und unter­schiedliche religiöse For­men liefern unter­schiedliche Antworten auf diese Frage.

Deshalb greift die Beze­ich­nung der Erwach­se­nen­taufe als «religiös­er Kult» ana­lytisch zu kurz.

  • Sie sieht das Wass­er.
  • Aber sie über­sieht die soziale Oper­a­tion.

Die präzis­ere Antwort lautet deshalb:

Die Erwach­se­nen­taufe ist eine Antwort auf die soziale Frage unter den Bedin­gun­gen eines Kul­tur­wech­sels. Sie ord­net Zuge­hörigkeit neu, verän­dert den Zugang zur Gemein­schaft, ver­schiebt deren Legit­i­ma­tion und erzwingt die Frage nach ihrer Durch­set­zung. Der religiöse Rit­us ist die sicht­bare Form ein­er Oper­a­tion am Sozialen.

Oder in einem Satz:

1525 wird nicht ein­fach «ein neuer Glaube» for­muliert. Es wird eine andere Antwort auf die soziale Frage prak­tisch vol­l­zo­gen.

Und darin liegt die Ermu­ti­gung: In ein­er als alter­na­tiv­los insze­nierten Ord­nung kann von ein­er anderen Antwort auf “Die Soziale Frage” nicht nur geträumt, son­dern all­t­agsprak­tis­che Wirk­lichkeit wer­den.

#Ich­Bin­Fe­lix /sms ;-)
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M/ein Blog ist m/ein Karten­raum und k/eine Bühne. Ich weiss, wie man pub­liziert. Das hier ist etwas anderes. d!a!n!k!e | WORK IN PROGRESS reload für aktuellen Schreib­stand | Warum ich nicht pub­liziere? Weil ich es kann. Weil es geht. Weil ich es für angemessen halte. (so?)

bitte ver­ste­he diesen ein­trag nicht zu schnell… hier gibts nichts zu sehen und nichts zu lesen ;-)

im jan­u­ar 2027 jährt sich zum 500. mal die ersäu­fung von #Felix­Manz: die radikalen kräfte, welche die ref­or­ma­tion in zürich ermöglicht haben, wer­den zum prob­lem. die pfaf­fen, zün­fter und die tra­di­tionell zu reichen zu zurich ha!ha!haben alle ziele erre­icht.

reserviere dir diesen ter­min und sprich über deine teil­gabe unter: #Ich­Bin­Fe­lix | 1.–5. Jan­u­ar 2027, Schipfe Zürich: 500 Jahre xerokatis­che Aktions­for­men ;-)

Langsam: Mein Blog ist mein Karten­raum und keine Bühne. Ich weiss wie man pub­liziert. Das hier ist etwas anderes. d!a!n!k!e | WORK IN PROGRESS reload für aktuellen schreib­stand | warum ich nicht pub­liziere? weil ich es kann. weil es geht. weil ich es für angemessen halte.

Der Film bei Play­Su­isse (kosten­los gegen Anmel­dung) | Zwingli auf der Lein­wand, 13.01.2019 @SRFkultur (Zitat ab min 30) | die ganze playlist auf WikiDienstag.ch | abon­niere kosten­los den What­sApp-chan­nel #Lav­inaN­era treis | Der Ein­trag dissent.is/IchBinFelix hat sich in den let­zten Tagen deut­lich verän­dert: Was als Mark­er begann, ist nun ein wach­sender Denkraum – mit his­torischem Tief­gang, sys­temis­ch­er Klarheit und per­sön­lich­er Dringlichkeit.

5. Januar 2027 – Vor 500 Jahren wurde hier #FelixManz ersäuft. Schipfe, Zürich. Vorschlag für ein Xerokratisches Festival

Kein Büh­nen­pro­gramm. Keine Hon­o­rare. Keine Bewil­li­gung. Kein Dach. Keine Kura­tion. Keine Mod­er­a­tion. Keine Anmel­dung… Ein­fach bloss:

  • Dauer­mah­nwache?
  • Spon­tane Gespräch­skreise?
  • Schreib­w­erk­stät­ten?
  • Gebet in Stille?
  • Music unplugged?
  • Mobile Druck­erei für Fly­er & Man­i­feste
  • Beteili­gung lokaler Zün­fte? Restau­rants? Handw­erke? Würste ohne Ende!
  • Logo: LiveStreams…
  • unbe­d­ingt: Hack­a­tons (#Social­Hack­ing #LiturgieHack­ing… ;-)
  • Radikale Gast­fre­und­schaft
  • …
  • …
  • …

#Ich­Bin­Fe­lix ist kein Event. Aber vielle­icht ein…

  • nachin­nträum
  • wundweise
  • sein­lichkeit

(so?)

Wer schon jet­zt mitwirken will? Ver­linken. Hash­tag nutzen. Ping­backs fol­gen. Asyn­chron, statt Tele­fon. Im Netz, statt face2face. n:n, statt 1:1…

Mögliche The­men­schw­er­punk­te:

  • Fre­itag, 1. Jan­u­ar: Erste Predigt von Zwingli in Zürich 1519
  • Sam­stag, 2. Jan­u­ar: Wurstessen?
  • Son­ntag, 3. Jan­u­ar: #KathAInaVonZ­im­mern?
  • Mon­tag, 4. Jan­u­ar: #Castel­berg­erN­ode?
  • Dien­stag, 5. Jan­u­ar: 1527 Mantz wird an einem Seil durch die Lim­mat gezo­gen. Zwingli schaut zu.

«Der Unglücks­men­sch suchte ja immer ein Schaus­piel mit trau­rigem Ende. Jet­zt hat er es.»

Ulrich Zwingli über Kon­rad Grebel

noti­zen zur pub­lika­tion


bienenberg.ch/events/taeufer-kolloquium2025

Samstag, 7. Juli 2025 | offenes eMail

Buna sera Lukas
Liebe Veranstalter*innen
liebe akademis­che Men­non­iten-Com­mu­ni­ty,

Nein, Lukas – ich habe nicht fer­tig.
Es geht erst richtig los.
Und: bis 2027 werde ich euch noch auf die Ner­ven gehen ;-)))

________________________________

Offene Arbeit­en
Hier bin ich am notieren: (*
– https://dissent.is/IchBinFelix
– https://dissent.is/pazifismus

________________________________

Ihr nen­nt es also „Kol­lo­qui­um“…

Das passt zu eurem Auftritt an der Uni­ver­sität Zürich: Wie eine akademis­che Prü­fung. Guck­en, prüfen, auf Lin­ie brin­gen.

Ein Eliten­pro­jekt – nicht etwa eine Erin­nerung an den Auf­bruch der Schweiz­er Brüder.

Immer­hin habt ihr es nicht „Dis­pu­ta­tion“ genan­nt. Denn dort, im 16. Jahrhun­dert, mussten sich die Herrschen­den noch den radikalen Rän­dern stellen. Heute wird nie­mand mehr ver­bran­nt. Auch das ist Fortschritt. Aber die radikale Stimme wird erneut entsorgt – dies­mal sauber, akademisch, ohne Fleck­en.

________________________________

Hände in Unschuld – und Briefe ins Leere

Hanspeter wäscht seine Hände in grosszügi­er Unschuld.
Astrid erin­nert mich an verzweifelte Briefe an Thomas Müntzer.
Keine Antwort? Klare Durch­sage. Die Akten­no­tiz bleibt.

________________________________

„Die Radikalen flo­hen nicht in den Jura, son­dern nach Ameri­ka.“

Lukas – dieser eine Satz von dir im Film KINDER DES FRIEDENS trifft. Denn ja: der Abgle­ich mit den „Old Order“-Gemeinschaften wäre drama­tisch. Und Nel­ly Ger­ber-Geis­er? Sie spürt noch irgend­wie, dass „Liebe deine Feinde“ etwas anderes wäre. Aber was genau, bleibt unaus­ge­sprochen. Vielle­icht, weil es nicht auf Lin­ie liegt? Nicht ein­mal auf eur­er eige­nen? Ganz sich­er nicht auf der Lin­ie eur­er Altvorderen. Im offe­nen Gegen­satz von euren Mär­tyr­ern?

________________________________

Was euer Film insze­niert?

Jür­gen ermöglicht, dass PAZIFISMUS auch in eurem Pro­mo-Film als kindlich­es Schwarz-Weiss-Muster dargestellt wird. Das stellt sich auf die Seite jen­er Richter, die jeden Kriegs­di­en­stver­weiger­er – auch mich – eines Besser­wis­sens, eines Real­itätsver­lusts, ein­er Naiv­ität bezichtigten bevor sie die jun­gen Män­ner ins Gefäng­nis gewor­fen haben. Ihr spuckt damit offen Hun­derten eur­er eige­nen Leute ins Gesicht. Denn ein jed­er dieser jun­gen Män­ner — und ihre Lieb­sten auch! — haben viele Nächte durchgeschwitzt und sich präzis auf diesen bil­li­gen Vor­wurf der Naiv­ität eine Antwort gereimt.

________________________________

Was ich gut finde?

– Han­sueli spricht vom dem, was die deutsche Bischof­skon­ferenz im Jahr 2000 vorgeschla­gen hat: “Gerecht­en Frieden”, statt noch ein­mal Augusti­nus und Thomas nachzu­beten. Papst Leo XIV ist näher an den SCHWEIZER BRÜDERN als euer akademisch Stand: https://dissent.is/rerumnovarumsecunda/ stell dir vor, seine Fam­i­lie im Piemont wären den Waldensern nahe ges­tanden und darum in die USA geflüchtet… ;-)))
Jeden­falls: Der Vorschlag von Han­sueli hat sub­ver­sives Poten­zial. d!a!n!k!e

– Und: Das „Boom Boom Har­mo­nioom“. Mein 94-jähriges Müt­terchen erzählt ger­ade kür­zlich wieder, was sie mir schon so oft erzählte: sie ist bis heute stolz darauf, dass sie als eine der jüng­sten der Fam­i­lie von ihrem Vater mitgenom­men wor­den ist auf lange Aut­o­fahrten. Das Musikhaus Beut­ler in Konolfin­gen hat end­los Har­monien aus­geliefert. Von Tavanne erin­nert sie sich noch ans Haus. An den Bibel­spruch an der Wand. Und vor allem an den Geruch. “ig schmökäs no etzt. i ha dä gruch grad idä nasä.” Und sie erzählt von der Freude, wenn dann das neue Har­mo­ni­um am neuen Platz zur Qual­itätssicherung in Betrieb genom­men wor­den ist… „Boom Boom Har­mo­ni­um“

________________________________

Apro­pos Judith Wipfler vom Staats­funk?

Ich habe sie gefragt: Warum nicht ein­fach Mal das ganze Pro­gramm der Schweiz­er Brüder massen­medi­al ver­mit­teln?
- ich freue mich noch immer, wie sie sich einst meine wilden Noti­zen im Blog gefreut hat: Ab Minute 32. (Die unmit­tel­bare Pas­sage davor über die Rolle der Frau: Sen­sa­tionell!)

  • Anord­nung: “Der HERR ist im Him­mel — und wer bist du?” Keine Herrschaft. (Anar­chie)
  • Durch­set­zung: “Liebe deine Feinde.” Keine Gewalt. (Paz­i­fis­mus)
  • Zugang: “Geben ist seel­iger als Nehmen”. Keine Hab­sucht. (Com­monis­mus)
  • Legit­i­ma­tion: Wahrheit – ohne Deu­tung­shoheit. (Kontin­genz)

Das sind im übri­gen die 4 Macht­di­men­sio­nen der soge­nan­nten ZÜRCHER SCHULE an der Uni­ver­sität Zürich. (Peter Heintz, Sil­via Staub-Bernasconi…, in Abgren­zug zu der Schule Biele­feld und Frank­furt. Eine der ganz grossen “Kol­lo­qui­en”, welche nach Holo­caust in den Feuil­letons und in end­losen Surhkamp-Bän­den aus­ge­tra­gen wor­den ist. Die Enkel der Schweiz­er Brüder haben jede dieser Dimen­sion in all­t­agsprak­tis­ch­er Kon­se­quenz gezeigt. Bis heute. Ok. Eher jene komis­chen alten in den USA. Und ihr feiert Par­ties mit der The­ol­o­gis­chen Fakultät an der Uni Zürich.

Mir ist in Zürich gegenüber ein­er jun­gen Frau an der struk­turge­walti­gen Ver­wal­tungs­theke der Uni­ver­sität ein bös­er Satz her­aus­gerutscht. SHAME ON YOU. Das tut mir aufrichtig leid. Aber sie war auch Schlag!fertig ;-) kurzum:

GEWALTLOSE KOMMUNIKATION
is just too lit­tle
HERRSCHAFTSFREIE KOMMUNIKATION

META: #Ich­Bin­Fe­lix

Vielle­icht liegt mein Irri­ta­tionspoten­zial schlicht daran, dass meine “Arbeit am Sozialen” der Prax­is der Schweiz­er Brüder gle­icht. Es war damals #LiturgieHack­ing ;-)

– Felix kam auch nicht von aussen.
Er war Teil des Skripts, Teil des Kreis­es um Zwingli, Teil des Castel­berg­er Lesekreis­es.

– Er machte keinen Auf­s­tand.
Ok. Manch­mal sollen sie die Predigt mit Sprüchen unter­brochen ha!ha!haben! Huhu! Sor­ry Herr und Frau Pro­fes­sor! Übri­gens sehr schön dargestellt in #Zwingli­Film, wie übri­gens auch das Kol­lab­o­ra­tive Schreiben ein­er “Zürcher Bibel”, nicht ein­er “Zwingli Bibel”… (Wikipedia lässt grüssen ;-) Nein. Der Castel­berg­er Lesekreis verteilte Fly­er. Klas­sis­ches Lit­ter­ing, wie Lit­ter­atur (im rätoro­man­isch bis heute) mit zwei T’s geschrieben wird ;-) Fly­er. Nach der Messe. Kein Tumult – nur Text. Nur Argu­ment.

– Aber die Schweiz­er Brüder störten weit mehr als die Liturgie.
Sie rüt­tel­ten an Struk­tur, nicht an Moral, nicht an einzel­nen Men­schen, nicht am “feel-good”, welch­es selb­st die Schön­heit­skönig­in­nen in fette Kam­eras hauchen: i wish peace for the world…

Wenn also jemand fragt, warum ich nicht ein­fach still bin: Weil es damals schon nicht ein­fach still war. Weil auch Net­zw­erke denken, twit­tern, bloggen…

sms ;-)

(* dort ha!ha!hat #chat­G­PT-4o notiert, dass ich “…mit offen­em Visi­er” am schreiben sei… ich ha!ha!hab diese ver­sion offen­bar nicht mehr im detail gele­sen, son­st hätte ich freilich diesen kriegsmeta­pher nichtüber­nom­men ;-)))

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sola critica

Zum Zeit­punkt der Verurteilung und Ermor­dung von Felix Manz – 5. Jan­u­ar 1527 – war nie­mand im Macht­bere­ich der Stadt Zürich öffentlich auf sein­er Seite. Auch frühere Wegge­fährten wie Huldrych Zwingli hat­ten sich zu diesem Zeit­punkt klar gegen ihn gewandt.

Die soge­nan­nte „richter­liche Kom­mis­sion“ bestand aus:

– Vertretern des Zürcher Rates
– The­olo­gen (darunter Zwingli-nahe)
– Juris­tis­che Amtsper­so­n­en der Stadt

Felix Manz hat­te keinen Vertei­di­ger.
Er wurde als Ket­zer behan­delt, nicht als Bürg­er mit Recht­en.

Selb­st seine Mut­ter und sein Brud­er, die laut Chroniken am Ufer der Lim­mat standen und ihn laut­stark vertei­digten, hat­ten keine Stimme im Ver­fahren. Ihre Stimme war Zeug­nis – kein Ein­fluss.

Faz­it:
Es gab nie­man­den im Gerichtssaal,
– der seine Posi­tion öffentlich teilte,
– der seinen Glauben vertei­digte,
– oder sich ihm zur Seite stellte –
ohne selb­st ver­fol­gt zu wer­den.

Die Frage ist bren­nend aktuell:
Gibt es heute jeman­den – im Set­ting der Uni­ver­sität, der Tagung, dem kirch­lich-akademis­chen Rah­men – der wirk­lich auf Felix’ Seite ste­ht?

Oder wieder­holt sich das Schweigen –
ver­fein­ert, intellek­tu­al­isiert, aber genau­so tödlich?

Kommt es zu einem xerokratis­chen Fes­ti­val im Jan­u­ar 2027?
- vielle­icht ein #Renewel2027 mit john d. roth?

@sms2sms

Erin­nern – Gedenken – Erneuern

  1. Erin­nern
    Die erste Glauben­staufe im Haus von Felix Manz war kein Grün­dungsakt, son­dern ein Bruch.
    Nicht Anfang ein­er neuen Kirche, son­dern Ende der alten Ord­nung.
  2. Gedenken
    Die radikalen Kräfte der Ref­or­ma­tion – Felix Manz, Kon­rad Grebel, Mar­garetha Hot­tinger u.a. – wur­den ver­fol­gt, ermordet, ver­trieben.
    Nicht wegen ihres Glaubens. Son­dern wegen ihrer gelebten Kon­se­quenz:
    – Gewalt­losigkeit
    – Herrschaft­slosigkeit
    – Güterge­mein­schaft
    – Wahrheit ohne Deu­tung­shoheit
  3. Erneuern
    Heute zeigt sich erneut ein Kul­turekel –
    nicht gegenüber Sakra­menten, son­dern gegenüber Sys­te­men:
    – Drittmit­telges­teuerte Wis­senschaft
    – Rhetorische Gerechtigkeit ohne Teil­habe
    – Demokratis­che For­men ohne Kon­se­quenz
    – Glob­ale Insti­tu­tio­nen ohne Glaub­würdigkeit

Wie vor 500 Jahren sind es nicht die Feinde, die erkan­nt wer­den müssen – son­dern die Fre­unde.
Nicht „die Anderen“, son­dern „die Eige­nen“.
Nicht neue Beken­nt­nisse, son­dern die Ent­tar­nung alter Bequem­lichkeit.

Erneuern bedeutet nicht:
– eine neue Kirche
– ein neues Pro­gramm
– ein neues Man­i­fest

Erneuern heisst:
– den Ekel ernst nehmen
– die beste­hende Ord­nung nicht repro­duzieren
– keine Sprache sprechen, die nicht ins eigene Leben passt

Wer diese drei Schritte geht, lebt #Ich­Bin­Fe­lix – auch ohne es zu sagen.

#IAMfe­lix | #chat­G­PT-4o ;-)

Millionen von Menschen berufen sich bis heute auf die Ermordeten von Zürich.

→ dissent.is/IchBinFelix
→ dissent.is/TheStaubBernasconiMatrix

Seit 1527 leben die Grund­hal­tun­gen der soge­nan­nten Schweiz­er Brüder weit­er – als konkrete, gelebte Antworten auf DIE SOZIALE FRAGE.

Die vier Dimen­sio­nen von Macht – wie sie #Sil­vi­aS­taub­Ber­nasconi sys­tem­a­tisierte – helfen, diese Bewe­gun­gen präzise zu lesen. Eine Lin­ie reicht dabei direkt zur Zürcher Schule der Sozi­olo­gie, mit #Peter­Heintz @UZH_ch als Weg­bere­it­er. Und eben zu Staub-Bernasconi, die Macht nicht als Übel, son­dern als struk­turi­erende Ressource des Sozialen beschrieb:

1. Anordnung

→ Ziel: Anar­chie
→ Gle­ich­w­er­tigkeit statt Priester­amt. Kreis­struk­tur, Laien­predigt.
Zürcher Brüder, Quäk­er, Hut­ter­er, Amis­che.

2. Zugang

→ Ziel: Com­mons
→ Güterge­mein­schaft, Ablehnung der Kinder­taufe, frei­williger Ein­tritt.
Hut­ter­er, Zürcher Brüder, Inten­tion­al Com­mu­ni­ties.

3. Legitimation

→ Ziel: Inklu­sion
→ Bibel, Gewis­sen, Chris­tus­nach­folge – statt Insti­tu­tion.
Men­non­iten, Quäk­er, Zürcher Brüder.

4. Durchsetzung

→ Ziel: Paz­i­fis­mus
→ Wehrlosigkeit, Mar­tyri­um, Kon­flik­tverzicht.
Zürcher Brüder, Men­non­iten, Amis­che, Quäk­er.

Diese Bewe­gun­gen sind keine Rand­no­ti­zen. Sie sind radikale Refor­m­mod­elle:
nicht als Rück­zug, son­dern als Entwurf für eine andere Welt.

Heute wie Gestern (und in allen Zeit­en dazwis­chen) ste­hen diese vier Dimen­sio­nen wieder zur Debat­te und provozieren die etablierten Kräfte – in Com­mons-Ini­tia­tiv­en, Friedens­be­we­gun­gen, dezen­tralen Net­zw­erken und posthier­ar­chis­chen Sozial­for­men.

Im Über­gang in eine #NextSo­ci­ety (Peter Druck­er, Dirk Baeck­er u.v.a.m) unter­stützen diese Grup­pen die Find­ung von Ori­en­tierung. Ihre Tagung tut das Gegen­teil. Sie nen­nen es Uni­ver­sität. Und sprechen zum zweit­en Mal Felix die ewige Wasser­taufe zu. Was für ein Jam­mer­tal. (so?)

Dass der aktuelle Papst Leo XIV direkt an Rerum Novarum anschliesst, zeigt, das Eras­mus von Rot­ter­dam recht hat­te, dass er sich nie als Täufer zu erken­nen gab?

Dis­sent is Call­ing
dissent.is/muster
sms ;-)

soso ;-))) im übri­gen: ich mache es ähn­lich wie #Felix­Manz: ich ste­he vor der türe und verteile meine fly­er und weise den pfaf­fen nach, was sie ver­schwurbelt haben. ich störe ihre heilige messe nicht, wie andere rebellen damals wie heute. und es nervt den­noch ins uner­messliche. (so?)

via eMail ins Jam­mer­tal

Die Täuferbewegung als radikale Antwort auf die Soziale Frage in der #TheStaubBernasconiMatrix

Macht ist eine Ressource, die Kul­tur­for­men struk­turi­ert. Die Täufer­be­we­gun­gen – Men­non­iten, Hut­ter­er, Amis­che – gaben radikale Antworten auf die Soziale Frage und stell­ten damit die beste­hen­den Machtver­hält­nisse infrage. Sie rangen mit den vier Dimen­sio­nen von Macht:


1. Anordnung – Wie soll die Gesellschaft strukturiert sein?

💡 Kern­frage: Wer ord­net das Zusam­men­leben? Ist Herrschaft notwendig, oder geht es ohne?

  • Kirch­liche & staatliche Ord­nung vor der Ref­or­ma­tion:
    • Hier­ar­chie dominiert. Staat und Kirche sind vere­int, Macht konzen­tri­ert sich auf wenige.
    • Der Glaube wird durch klerikale Insti­tu­tio­nen ver­wal­tet (Papst, Bis­chöfe, Fürsten).
  • Täuferische Umwälzung (ab 1525):
    • Hier­ar­chie wird radikal infrage gestellt. Gemein­den sollen sich selb­st ord­nen, ohne Ver­mit­tler.
    • Egal­itäre Gemein­de­struk­turen: Kein Priester, kein Staat als religiöse Autorität.
    • Erste Erwach­se­nen­taufe als sym­bol­is­ch­er Bruch mit der alten Ord­nung: Glaube als bewusste Entschei­dung, nicht als Geburt­srecht.
  • Reak­tion ab 1527 – Täufer als Gefahr für die neue Ord­nung:
    • Die Ref­or­ma­tion wird zur Staat­sre­for­ma­tion – Täufer stellen diese in Frage.
    • Macht­in­ter­essen der neuen protes­tantis­chen Eliten sor­gen dafür, dass die Täufer ver­fol­gt wer­den.
    • Zer­falls­form: Autori­taris­mus gegen die Täufer. Felix Manz wird 1527 ertränkt.

🎯 Täuferische Antwort: Ord­nung durch Frei­willigkeit & Gemein­schaft statt staatlich verord­neter Reli­gion.
⚠️ Heute rel­e­vant: Welche Alter­na­tiv­en gibt es zu zen­tral­isierten poli­tis­chen Sys­te­men? Föder­al­is­mus? Dezen­tral­isierte Net­zw­erke?


2. Zugang – Wer hat Zugriff auf Ressourcen & Macht?

💡 Kern­frage: Ist Besitz indi­vidu­ell oder gemein­schaftlich? Wer darf am sozialen Leben teil­nehmen?

  • Kirch­liche & staatliche Ord­nung vor der Ref­or­ma­tion:
    • Der Glaube ist exk­lu­siv ver­wal­tet: Nur Priester kön­nen Sakra­mente spenden.
    • Zugang zu Macht & Ressourcen ist ständisch geregelt: Wohl­stand und Land sind ungle­ich verteilt.
  • Täuferische Umwälzung (ab 1525):
    • Glaube wird für alle frei zugänglich: Keine Priester als Ver­mit­tler, keine kirch­lichen Sakra­mente notwendig.
    • Hut­ter­er als Extrem­fall: Güterge­mein­schaft – Besitz gehört nicht Einzel­nen, son­dern der Gemeinde.
    • Men­non­iten & Amis­che: Zugang zu Ressourcen wird über gemein­same Arbeit & gegen­seit­ige Hil­fe geregelt.
  • Reak­tion ab 1527 – Täufer als Bedro­hung der ökonomis­chen Ord­nung:
    • Zer­falls­form: Exk­lu­siv­ität. Die Ref­or­ma­tion bleibt ein Pro­jekt der Stadteliten.
    • Täufer, die Güterge­mein­schaft fordern, wer­den als Kom­mu­nis­ten & Unruh­es­tifter ver­fol­gt.
    • Wer nicht ins Sys­tem passt, wird enteignet, ver­trieben, hin­gerichtet.

🎯 Täuferische Antwort: Ressourcen sollen gemein­schaftlich organ­isiert sein, Macht nicht exk­lu­siv verteilt.
⚠️ Heute rel­e­vant: Com­mons, Shar­ing Econ­o­my, bedin­gungslos­es Grun­deinkom­men – Wie teilen wir Ressourcen gerecht?


3. Legitimation – Wer oder was gibt dem System Gültigkeit?

💡 Kern­frage: Wer hat das Recht, Entschei­dun­gen zu tre­f­fen? Ist Autorität eine Frage der Tra­di­tion oder der indi­vidu­ellen Überzeu­gung?

  • Kirch­liche & staatliche Ord­nung vor der Ref­or­ma­tion:
    • Legit­i­ma­tion durch Kirche & Staat. Autorität kommt von oben: Papst, Kaiser, Bis­chöfe.
    • Anrufung des Abwe­senden: Gott spricht durch die Kirche – die Men­schen fol­gen.
  • Täuferische Umwälzung (ab 1525):
    • Radikalisierung von Sola Scrip­tura: Nur die Bibel zählt, keine staatliche oder kirch­liche Autorität.
    • Kein Papst, kein Bischof – Entschei­dung liegt bei der Gemeinde.
    • Legit­i­ma­tion durch das Gewis­sen: Der Einzelne kann nach Erken­nt­nis der Schrift entschei­den.
  • Reak­tion ab 1527 – Täufer als Ket­zer & Staats­feinde:
    • Zer­falls­form: Willkür. Die Täufer­be­we­gung wird als Bedro­hung gese­hen, weil sie keine äußere Autorität anerken­nt.
    • Täufer-Gemein­den wer­den unter­drückt, weil sie sich kein­er staatlichen oder kirch­lichen Instanz beu­gen.
    • Wer sich nicht dem neuen reformierten Staat unterord­net, wird ver­fol­gt.

🎯 Täuferische Antwort: Legit­i­ma­tion entste­ht durch per­sön­liche Überzeu­gung & gemein­schaftlichen Kon­sens, nicht durch staatliche oder kirch­liche Kon­trolle.
⚠️ Heute rel­e­vant: Wem ver­trauen wir in ein­er post-kirch­lichen Gesellschaft? Wis­senschaft? Demokratie? Algo­rith­men?


4. Durchsetzung – Wie wird Ordnung erhalten?

💡 Kern­frage: Wie wer­den Regeln durchge­set­zt? Braucht es Zwang, oder reicht frei­willige Ein­hal­tung?

  • Kirch­liche & staatliche Ord­nung vor der Ref­or­ma­tion:
    • Ord­nung durch Strafen & Gewalt. Ket­zerei wird mit Folter & Tod bestraft.
    • Die Ref­or­ma­tion übern­immt diese Struk­turen → Wer die neue Lehre nicht akzep­tiert, wird eben­falls ver­fol­gt.
  • Täuferische Umwälzung (ab 1525):
    • Täufer lehnen Gewalt als Ord­nung­sprinzip ab.
    • Exkom­mu­nika­tion statt staatlich­er Strafen: Wer sich nicht an die Regeln hält, kann aus­geschlossen wer­den – aber nicht bestraft.
    • Men­non­iten, Hut­ter­er & Amis­che ver­weigern Mil­itär­di­enst & Schwüre.
  • Reak­tion ab 1527 – Täufer als Bedro­hung für staatliche Kon­trolle:
    • Täuferische Gewalt­losigkeit unter­gräbt den Staat.
    • Zer­falls­form: Repres­sion. Gewalt­losigkeit wird mit Gewalt beant­wortet – Hin­rich­tun­gen, Ver­ban­nung, Ver­fol­gung.
    • Täufer wer­den als staats­ge­fährdend gebrand­markt und aus­gerot­tet.

🎯 Täuferische Antwort: Ord­nung durch frei­willige Ein­hal­tung & soziale Mech­a­nis­men, nicht durch physis­che Gewalt.
⚠️ Heute rel­e­vant: Wie kön­nen Gesellschaften Ord­nung aufrechter­hal­ten, ohne auf Gewalt & Zwang zu set­zen?


Fazit: Warum die Täufer 1527 zerschlagen wurden

🔥 Täufer stell­ten jede Dimen­sion von Macht infrage: Anord­nung, Zugang, Legit­i­ma­tion & Durch­set­zung.
🔥 Sie unter­gruben damit nicht nur die katholis­che Kirche, son­dern auch die Staat­sre­for­ma­tion.
🔥 Die Ref­or­ma­tion kon­nte nur erfol­gre­ich sein, indem sie sich von den Täufern dis­tanzierte & sie eli­m­inierte.

💡 Heute stellen sich diesel­ben Fra­gen erneut:

  • Wie ord­nen wir Gesellschaft? (Zen­trale Macht vs. Selb­stver­wal­tung)
  • Wer hat Zugang zu Ressourcen? (Kap­i­tal­is­mus vs. Com­mons)
  • Was legit­imiert Entschei­dun­gen? (Staat vs. Indi­vidu­elle Überzeu­gung)
  • Wie erhal­ten wir Ord­nung? (Repres­sion vs. Frei­willigkeit)

💡 Die Täufer wur­den als zu radikal abge­tan – aber ihre Fra­gen sind aktueller denn je.

Arbeits­stand am 10. Jan­u­ar 2025 | Ver­gl. auch: #taeuferbewegung2025 und #anabaptism500
- zur offe­nen eMail an PD Dr. Astrid Von Schlach­ta

Videono­tiz 5. Jan­u­ar 2025: 498 Jahre Ersäu­fung von #Felix­Manz | Der sys­tem­a­tis­che Aufruf des Schweiz­er Fernse­hens von “Paz­i­fis­mus”, um Krieg zu legit­imieren:

Die Schweiz­er Brüder | Die Zürcher Schule

https://twitter.com/sms2sms/status/1810255648686322105

https://twitter.com/sms2sms/status/1768951269115277795

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Für Frau Dr. h.c. Judith Wimpfler vom Schweiz­er Staats­funk ist es abso­lut nachvol­lziehbar, dass es schwierig gewe­sen wäre, die anar­cho-paz­i­fistis­che Posi­tion der Täufer und oder die drama­tis­chen frei­heitsver­luste der Frauen zur Darstel­lung zu brin­gen (so?) Ein­stieg ab Minute 27 (jaja: ab Minute 32 dann auch noch über meine Hin­weise ;-) Dass Judith Wimpfler dur­chaus zu erzählen wüsste: 100 Sekun­den Wis­sen. Polemisch, abw­er­tend, despek­tier­lich: aber immer­hin.

Was? Du kennst die sogenannten “Schweizer Brüder” nicht?

Wikipedia schon. Da bringt die Stadt Zürich jene radikalen Kräfte um, welche die Stadt Zürich erst möglich gemacht haben und du (du bist nicht die einzige Per­son, ver­sprochen ;-) hast noch nie etwas von diesen radikalen Paz­i­fis­ten gehört, welche radikal jed­wede Herrschaft von Men­schen über Men­schen abgelehnt haben, weil sie die heilige Schrift fun­da­men­tal wortwörtlich genom­men haben?

Was? Und diese Bewegung hat vor 500 Jahren professionelle Soziale Arbeit angestossen?

Steile These. Aber: Ja ;-) Katha­ri­na Von Zim­mern stand dieser Bewe­gung sehr Nahe. Wie sie — nicht den Löf­fel, aber — die Schlüs­sel ihrer Macht der Stadt Zürich am 8. Dezem­ber 1524 übergeben hat, ver­langte sie, dass ab jet­zt die Stadt den Armen, Krüp­peln, Säufern, Waisen, Kriegs­versehrten, Aus­geson­derten zu schauen hat. Das hat die Stadt gerne akzep­tiert. Sie baut­en nicht nur Spitäler, son­dern die ersten pro­fes­sionellen Sozialar­bei­t­en­den getraut­en sich auch, die uner­wün­scht­en Per­so­n­en zu tätowieren und aus der Stadt zu jagen… Ach­ja… Pro­fes­sionelle Soziale Arbeit… Ein dun­kles Kapi­tel. Damals. Während Zivil­i­sa­tions­bruch 1, genau­so wie im aktuellen… Aber das wäre ein anderes Lieblings­the­ma von mir: #Liebe­Macht­Mut

Hier geht es um einen näch­sten Test von Xerokratis­chen Aktions­for­men weit­er…

5. jan­u­ar 1527 — #Ich­Bin­Fe­lix
- 1.–5. jan­u­ar 2027: 500 jahre #Anar­choPaz­i­fis­mus
- durch­führung­sort: schipfe, zürich
- draussen, kein dach, keine mikro­fene…
- dauer­mah­nwache, gespräch­skreise, gebet­skreise, schreib­w­erk­stät­ten
- keine mod­er­a­tion, keine kura­tion, kein ein­tritt, keine hon­o­rare…
- es hat ein restau­rant da, wun­der­bare laden­lokale, …
- vielle­icht liesse sich eine mobile druck­er­w­erk­stätte ein­richt­en, in welchen fly­er, man­i­feste, … gedruckt wer­den kön­nen?
- vielle­icht lassen sich zün­fte ein­binden, welche täglich brot und würste verkaufen…?
- vielle­icht liessen sich die touris­mus-vere­ine instru­men­tal­isieren (mit­te­lal­ter­markt ;-)
- vielle­icht rud­ert eine amish-del­e­ga­tion über das meer?
- …
- …
- …

Bin am rum­fra­gen, wer sich an ein­er solche idee anschliessen kön­nte…
- schreib hier in die kom­mentare… ;-)
- wenn du auf social media was machst: nutze den hash­tag: #Ich­Bin­Fe­lix
- wenn du in deinem blog was machst: set­ze einen link — unter diesem blo­gein­trag wird dann der ping-back zu deinem ein­trag automa­tisch einge­fügt.

“ohne täufer, keine reformation.”

(ok. das ist möglicher­weise zu ein­fach. haut aber gewalt­frei recht gut rein (so?)

jeden­falls: ohne diese radikale posi­tion, hät­ten die pfaf­fen, die zün­fte, die ver­wal­tung je ihre ziele nicht erre­icht.

  • die pfaf­fen durften vögeln
  • den zün­ften kon­nte es for­t­an egal sein, was die pfaf­fen von der kanzel zwitsch­ern
  • jene mit ein­er meise, viel kohle und keinem handw­erk — die gesellschaft zur con­staffel — sicherte sich ihre macht (heute würde #Deep­State geschwurbelt, gel­o­gen und ver­schwörungs­the­o­retisiert), in dem sie den bischof zu kon­stanz nach hause schick­ten und selb­st eine ver­wal­tung mit ein­er show-demokratie instal­lierten: die stadt zürich. weg vom pater­nal­is­mus der paters, hin zu einem #Lib­eralen­Pa­ter­nal­is­mus, welch­er min­destens genau­so gewalt­bere­it mächtig ist. (so?)

jeden­falls: nach dem diese ihre ziele erre­icht haben, wur­den die radikalen kräfte, welche gegen die elen­den verkrus­tun­gen der katholis­chen machtkirche gebrochen haben ersäuft, ver­bran­nt, geköpft… im mildesten falle ver­trieben. auf über 1000 meter im jura, nach ameri­ka, einem ver­meintlich kul­turfreien raum…

möglichst ein­fach
- aber nicht ein­fach­er

#Ein­steinKon­se­quenz

Die Hinweise auf die Täufer wurden in diesem Text über die Möglichkeit von “herrschaftsfreie Kommunikation” (Wikipedia/Wikidata) eingearbeitet:

@SRFkultur hat über meine Interpretation von #ZwingliFilm gesprochen. Ab Minute 32:

https://www.srf.ch/audio/kontext/zwingli-auf-der-leinwand?id=11472430

https://www.srf.ch/audio/kontext/zwingli-auf-der-leinwand?id=11472430