#NoCringe | M/ein Blog ist m/ein Kartenraum und k/eine Bühne. Ich weiss, wie man publiziert. Das hier ist etwas anderes. d!a!n!k!e | WORK IN PROGRESS reload für aktuellen Schreibstand | Warum ich nicht publiziere? Weil ich es kann. Weil es geht. Weil ich es für angemessen halte. (so?)

Wenn ich (trotzdem) doch noch einmal ein Buch schreiben wollte, hätte es wohl diesen Namen.
Tina Piazzi und Stefan M. Seydel legen einen überraschenden, provozierenden
und faszinierenden Band vor.Das Künstlerpaar — die langjährige Sozialarbeitsprofessorin an einer Fachhochschule
und der irrlichternde Aktivist — nimmt Soziale Arbeit wortwörtlich: nicht als Arbeit an
Menschen, Körpern oder Psychen, nicht als professionelles Helfen, nicht als Verwaltung
sozialer Defizite, sondern als Arbeit am Sozialen.Das Buch konfrontiert mit einer verdrängten Geschichte: „Wie Helfen zum Beruf
wurde“ (C. Wolfgang Müller), „Wie Helfen zum Kommerz wurde“ und wie Soziale
Arbeit im Eifer um Profession und Disziplin begann, ihre Nützlichkeit zu beweisen —
und #TooBigToFail gewann, aber ihre ganze Radikalität opferte.In der Tradition der soziologischen Zürcher Schule um Peter Heintz und
Silvia Staub-Bernasconi wird die Machtfrage ins Zentrum gestellt: Macht ist nichts Böses.
Sie entscheidet darüber,1. wie Ordnung und Anordnung hergestellt wird
2. wie Räume, Wissen, Zeit und Möglichkeiten zugänglich sind
3. wie entschieden wird, was gilt, zählt, und legitim ist
4. wie Verbindlichkeiten entstehen und diese Durchgesetzt werden.An konkreten Beispielen ihrer vierzigjährigen Schaffenszeit wird dargelegt, wie sich
unter den Bedingungen mitrechnender Computer der Möglichkeitsraum des Sozialen
verschoben hat. Damit schliesst dieser Band an „Die Form der Unruhe“ an, die zwei
2009/2011 im Junius Verlag Hamburg erschienenen Bände von Tina Piazzi und
Stefan M. Seydel.Lösungen erkennst du am Verschwinden des Problems.
— frei nach Ludwig Wittgenstein, TLP 6.521
Aktuell arbeite ich intensiv an 3 Projekten:
Stand 16. Juni 2026

Ja. Und ich glaube, der Kern ist inzwischen ziemlich klar.
Du willst nicht einfach eine «andere Geschichte» der Surselva erzählen. Du willst mit exakt derselben historiografischen Maschine arbeiten wie die übliche Geschichtsschreibung: Daten, Personen, Urkunden, Bauten, Ereignisse, lineare Zeitachse, Quellenapparat. Nur die Gewichtung wird umgedreht.
- Die Gegenerzählung
Die übliche Fortschrittserzählung lautet ungefähr:
Klosterherrschaft → feudale Ordnung → politische Emanzipation → moderner Staat → Eisenbahn → Wasserkraft → Tourismus → moderne Dienstleistungsgesellschaft.
Unsere Geschichte könnte lauten:
lokale Selbstversorgung → ausgehandelte Rechte → Commons → kommunale Selbstorganisation → föderierte Gemeinwesen → «dritter Weg» → dessen allmähliche Zerlegung in Staat und Markt → 1977.
Das Entscheidende daran: Wir müssen dafür kaum Fakten erfinden.
- Walser + Regula Benedicti ist möglicherweise unser Ausgangspunkt
Das wird richtig interessant.
Im Tujetsch kamen seit dem 12. Jahrhundert Walser über den Oberalp. Gleichzeitig war das Tal Teil der Cadi des Klosters Disentis. Für 1325 sind bereits die «vicini de Tuvez» als Gemeindebürger belegt; später entstehen Alpkorporationen, Abgaben werden ausgekauft und lokale politische Rechte ausgebaut.
Und mitten darin sitzen die Pontaningen.
Das HLS bezeichnet sie als ritterbürtige Ministeriale des Klosters Disentis, möglicherweise aus dem Wallis eingewandert. Petrus von Pontaningen wird Abt – und steht 1424 als Erstunterzeichner des erneuerten Oberen/Grauen Bundes da. Das HLS beschreibt sein Wirken ausdrücklich im Zusammenhang mit einer «kommunalen» Bewegung.
Das ist fast zu schön für unsere Geschichte:
Walser
×
Benediktiner
×
lokale Bauern
×
Ministeriale
×
Gemeinden
→ keine saubere Trennung von Staat, Markt, Kirche und Zivilgesellschaft.
Diese Kategorien existieren in dieser Form noch gar nicht.
Und genau darin könnte der «dritte Weg» liegen.
Wichtig: Die These «Walserkultur + Regula Benedicti = dritter Weg» ist unsere Interpretation. Ich finde bisher keinen Historiker, der diese Gleichung so formuliert.
- Petrus von Pontaningen wird damit zur Schlüsselfigur
Nicht:
«Ein mittelalterlicher Abt beteiligt sich an der Gründung eines Bundes.»
Sondern:
Eine jahrhundertelang zwischen Kloster, Tal, lokalen Herrschaftsträgern, freien Leuten und gemeinsamer Ressourcennutzung entwickelte Ordnung erzeugt eine politische Form.
1424 wäre dann nicht der Beginn eines Staates.
Es wäre die Formalisierung einer längst geübten Praxis des Sich-Vertragens.
Das passt bemerkenswert gut zur Forschung über die Drei Bünde: Die Gerichtsgemeinden blieben Träger der Souveränität; die politische Ordnung entstand aus Bündnissen von Gemeinden. Die kommunale Nutzungsgenossenschaft ist dabei tatsächlich ein historisch verwendbarer Anknüpfungspunkt.
Und 1524 wird daraus mit dem Bundesbrief der Freistaat Gemeiner Drei Bünde.
- Dann bekommt sogar der Barock eine völlig andere Bedeutung
Die Barockanlage ist dann nicht:
«religiöses Kulturerbe».
Sie ist das monumentale Gebäude einer Ordnung.
Und tatsächlich folgen in Disentis drei Äbte namens Adalbert unmittelbar aufeinander:
Adalbert Bridler 1642–1655
Adalbert de Medell 1655–1696
Adalbert Defuns 1696–1716.
Unter de Medell und Defuns entsteht der barocke Neubau; Caspar Moosbrugger ist an der Planung beteiligt, die Klosterkirche wird 1712 vollendet.
Das könnte unser 1695–1712-Kapitel geradezu provozierend heissen:
«Es funktioniert.»
Nicht feudale Rückständigkeit.
Nicht Folklore.
Nicht «Kirche».
Sondern eine Region baut sich eine gigantische gemeinsame Infrastruktur.
- Dann kommt 1799 – der Klosterbrand
Der grosse Brand von Dorf und Kloster ist am 6. Mai 1799. 1846 gibt es einen weiteren Brand.
Und gerade 1799 ist für unsere Geschichte stark:
Die europäische Logik von Staat, Krieg, Territorium, Freund/Feind kracht in diese lokale Ordnung hinein.
Pater Placidus a Spescha sitzt genau auf dieser Bruchstelle: Benediktiner, Naturforscher, Kartograf, Sprachforscher, Bergsteiger, politisch unbequem. Später ediert Decurtins Teile seiner Arbeiten in der «Rätoromanischen Chrestomathie»; Decurtins verfasste sogar ein eigenes Lebensbild über Spescha.
Damit haben wir eine schöne Genealogie:
Petrus → Placidus → Caspar.
Nicht als «grosse Männer».
Sondern als Beobachter und Betreiber derselben regionalen Infrastruktur unter jeweils völlig veränderten Bedingungen.
- Und dann wird 1877 plötzlich riesig
1877 wird Caspar Decurtins Mistral der Cadi.
Das wäre #LavinaNera dues.
Die industrielle soziale Frage erreicht eine Gegend, die bereits eine jahrhundertelange Erfahrung damit hat, soziale Ordnung weder einfach über individuellen Marktbesitz noch über zentralen Staat zu organisieren.
Später ist Decurtins der einzige Schweizer, der in der Union de Fribourg wirklich eine aktive Rolle spielt; diese wiederum hatte nachweislich Einfluss auf «Rerum Novarum» von 1891.
Dann wäre unsere Pointe:
Decurtins hat den «dritten Weg» nicht erfunden.
Er hat ihn unter den Bedingungen der Industrialisierung neu formuliert.
Das wäre eine wesentlich stärkere #RerumNovarum-Geschichte als «ein konservativer katholischer Politiker aus Trun beeinflusste die katholische Soziallehre».
- Und Condrau gehört zwingend hinein
Weil jetzt noch ein Medium auftaucht.
Placi Condrau gründet 1856 Druckerei und «Nova Gasetta Romonscha». Die Zeitung entsteht ausdrücklich in den politischen Auseinandersetzungen zwischen katholisch-konservativen und katholisch-liberalen Kräften. Condrau und Decurtins gehören später auch zu den Personen, welche die politische Rettung des bedrohten Klosters ermöglichten.
Das heisst:
Kloster
→ Bund
→ Barock
→ Zeitung.
Immer wieder entstehen Medien, in denen sich dieselbe Gesellschaft selbst organisiert.
- Und deshalb gefällt mir 1977 als brutales Ende immer besser
Nicht weil am 31. Dezember 1977 plötzlich «der dritte Weg» verschwindet.
Sondern weil wir genau wie klassische Historiker einen Zeitpunkt setzen dürfen, an dem wir lange Prozesse zusammenziehen.
Die Fakten dafür liegen herum:
Tujetsch war bis etwa 1950 eine Bauerngemeinde; in den 1950er- und 1960er-Jahren expandieren Wasserkraft und Skitourismus.
Die Bahn erschliesst die Region längst zuvor; im 20. Jahrhundert werden Verkehr, Energie und Tourismus zu zentralen Integrationsmechanismen. Die Landwirtschaft verliert ihre frühere Stellung.
Und 1977 erscheint «Accents» als kritische publizistische Intervention im Umfeld der «Gasetta Romontscha».
«1977 = Sieg der Liberalen» würde ich allerdings noch nicht als Fakt schreiben. Das ist bisher unsere Deutung und muss sauberer belegt werden.
Aber als historiografische Zäsur funktioniert 1977 fantastisch:
Das Wasser ist Energie geworden.
Der Boden ist Landwirtschaftspolitik geworden.
Der Gast ist Tourismus geworden.
Mobilität ist Verkehrsinfrastruktur geworden.
Solidarität ist Sozialstaat geworden.
Versorgung ist Markt geworden.
Gemeinschaft ist Kultur geworden.
Und das Kloster ist Religion geworden.
Und damit sind wir bei deinem Satz.
- «Wer eine Kirche auf einen religiösen Kulturort reduziert, muss wissen, was damit gelungen ist.»
Ja.
Ich glaube, das ist der Schlüssel zum ganzen Text.
Denn die eigentliche Leistung der Moderne bestand vielleicht gar nicht darin, «die Kirche zurückzudrängen».
Sie bestand darin, etwas, das gleichzeitig
Land bewirtschaftete,
Wissen speicherte,
Schule betrieb,
Verkehr ermöglichte,
Gäste beherbergte,
Arme versorgte,
Recht organisierte,
politisch vermittelte,
Gemeinschaft ritualisierte,
Sprache tradierte
und Sinn produzierte,
nachträglich als «Religion» zu klassifizieren.
Damit wird aus einer gesellschaftlichen Infrastruktur ein gesellschaftlicher Sektor.
Und erst danach kann man sagen:
Hier Staat.
Dort Markt.
Und dort hinten steht noch die Kirche.
Das ist vermutlich genau das, woran du nagst.
Unsere Geschichte der Surselva wäre deshalb am Ende gar keine Kirchengeschichte. Und auch keine Geschichte des Katholizismus.
Sie wäre eine Geschichte davon, wie eine Gesellschaft über Jahrhunderte das Soziale organisierte – und wie es gelang, diese Organisationsform so gründlich in «Religion», «Brauchtum» und «Kulturerbe» umzucodieren, dass heute kaum noch sichtbar ist, dass sie einmal etwas ganz anderes war.
Und dann ist #LavinaNera nicht mehr bloss ein hübscher roter Faden.
1424: Institutionalisierung.
1695–1712: Monumentalisierung.
1877: Neuformulierung.
1977: Entkopplung.
2027: Wiederentdeckung.
Das wäre tatsächlich eine ziemlich fiese Geschichte. Gerade weil fast jeder einzelne Stein davon aus der ganz normalen Geschichtsschreibung stammt.
Die Kausalität und die Begriffe sind unsere Setzung; das müssen wir im späteren Text kenntlich machen.


DIE SOZIALE FRAGE: Eine kurze Ideengeschichte
Es zeigt dicht gedrängte Londoner Arbeiterwohnungen, winzige Hinterhöfe mit aufgehängter Wäsche, zahllose Kamine sowie eine Eisenbahn, deren Rauch über den Häusern liegt. Der Blick erfolgt durch einen monumentalen Eisenbahnbogen. Das Bild passt tatsächlich sehr präzis zur sozialen Frage: Die Industrialisierung erscheint gleichzeitig als technische Infrastruktur und als Erzeugerin verdichteter, gesundheitsschädlicher Lebensverhältnisse. Allerdings hätte ich es im Text sauber anschreiben müssen. Die eingeblendete Quelle führte nur zu einem Blogbeitrag über «viktorianische Krankheiten»; dort wird der Stich verkürzt als Londoner Slumszene aus der Wellcome Collection verwendet. Bildlegende: Gustave Doré: Over London – by Rail, Holzstich von François Pannemaker, aus London: A Pilgrimage, 1872.
1. Die soziale Frage beginnt nicht mit der Armut
Armut ist so alt wie die Gesellschaft. Die soziale Frage ist jünger.
Vor der Industrialisierung wurde Armut vorwiegend als individuelles, familiäres oder lokales Problem behandelt: durch Verwandtschaft, Kirche, Gemeinde, Almosen oder Armenanstalt. Dabei wurde unterschieden zwischen den «würdigen» Armen, die unverschuldet in Not geraten waren, und den «unwürdigen» Armen, denen Faulheit, Laster oder mangelnde Disziplin zugerechnet wurden.
Mit der Industrialisierung veränderte sich die Wahrnehmung. Armut erschien nicht mehr bloss als Schicksal einzelner Menschen, sondern als regelmässiges Produkt einer bestimmten Gesellschaftsordnung. Menschen arbeiteten, produzierten wachsenden Reichtum und blieben dennoch arm. Genau darin lag das Neue. (Geschichte der Sozialen Sicherheit)
Die soziale Frage lautete deshalb:
Wie kann eine Gesellschaft ihren Reichtum vermehren und zugleich massenhaft Elend hervorbringen?
2. Die liberale Antwort: Freiheit
Der Liberalismus antwortete zunächst mit Freiheit:
- Freiheit des Eigentums
- Freiheit des Gewerbes
- Freiheit des Vertrags
- Freiheit der Niederlassung
- Freiheit von ständischen und feudalen Bindungen
Diese Freiheiten waren historisch revolutionär. Sie befreiten Menschen aus überlieferten Herrschaftsverhältnissen. Aber sie erzeugten zugleich eine neue Abhängigkeit: Wer keine Produktionsmittel besass, musste seine Arbeitskraft verkaufen.
Der Fabrikbesitzer und der Arbeiter waren vor dem Gesetz freie Vertragspartner. Gesellschaftlich verfügten sie jedoch über höchst ungleiche Möglichkeiten. Der eine konnte warten, investieren oder andere Arbeiter einstellen. Der andere musste arbeiten, um essen zu können.
Die soziale Frage entstand damit aus dem Widerspruch zwischen formaler Freiheit und materieller Abhängigkeit.
3. Die sozialistische Antwort: Eigentum und Klassenverhältnis
Die frühen Sozialisten versuchten, der Konkurrenz Genossenschaften, gemeinschaftliche Produktionsformen und geplante Gemeinwesen entgegenzusetzen. Bei Karl Marx und Friedrich Engels wurde daraus eine grundsätzliche Kritik der kapitalistischen Produktionsweise.
Der Arbeiter war in dieser Perspektive nicht einfach arm. Er war von den Produktionsmitteln getrennt und gezwungen, seine Arbeitskraft als Ware zu verkaufen. Die soziale Frage war daher keine Frage mangelhafter Fürsorge, sondern eine Frage des Eigentums, der Produktion und der Macht.
Entsprechend konnte sie nicht durch Wohltätigkeit gelöst werden. Erforderlich waren Organisation, Gewerkschaften, politische Parteien, Klassenkampf und – in den radikaleren Varianten – die Vergesellschaftung der Produktionsmittel. Die Arbeiterbewegung machte aus vereinzelten Bedürftigen ein politisches Kollektiv. (HLS-DHS-DSS)
Aus den Armen wurden Arbeiter.
Aus den Arbeitern wurde eine Klasse.
Aus der Klasse wurde eine politische Macht.
4. Die reformerische Antwort: Das Arbeitsverhältnis ist keine Privatsache
Zwischen liberalem Laissez-faire und sozialistischer Revolution bildeten sich verschiedene Reformströmungen.
Sozialliberale, Sozialreformer, Gewerkschaften und Teile der Kirchen argumentierten, dass ein Arbeitsvertrag nicht einfach wie jeder andere private Vertrag behandelt werden könne. Arbeitszeit, Kinderarbeit, Krankheit, Unfall, Alter und Arbeitslosigkeit betrafen nicht nur einzelne Vertragsparteien. Sie betrafen die gesellschaftliche Ordnung.
In der Schweiz führte diese Einsicht 1877 zum eidgenössischen Fabrikgesetz. Es begrenzte die tägliche Arbeitszeit auf elf Stunden, verbot Fabrikarbeit für Kinder unter 14 Jahren und führte eine Haftpflicht der Unternehmer für körperliche Schädigungen ein. (Federal Archives of Switzerland)
Damit begann der Staat, in den angeblich freien Arbeitsvertrag einzugreifen.
Nicht weil die Freiheit aufgegeben wurde, sondern weil ihre sozialen Voraussetzungen offensichtlich fehlten.
5. Die christlich-soziale Antwort: Gegen Staat und Markt?
Auch der soziale Katholizismus wandte sich gegen die Zumutungen des Wirtschaftsliberalismus. Zugleich lehnte er den sozialistischen Klassenkampf und die Abschaffung des Privateigentums ab.
Die Enzyklika Rerum novarum von 1891 anerkannte das Privateigentum, verband es jedoch mit sozialen Pflichten. Sie verteidigte das Recht der Arbeiter, sich zusammenzuschliessen, verlangte Schutz für die Schwachen und wies dem Staat Verantwortung für die gerechte Ordnung der Arbeitsverhältnisse zu. (Vatican)
Wichtige Vorarbeiten entstanden in der Union de Fribourg. Caspar Decurtins spielte darin als einziger Schweizer Vertreter eine aktive Rolle. Die soziale Frage wurde hier weder dem Markt noch vollständig dem Staat überlassen. Zwischen Individuum und Zentralstaat sollten Familien, Gemeinden, Berufsverbände, Genossenschaften und Arbeiterorganisationen handeln. (HLS-DHS-DSS)
Die Gesellschaft erschien nicht mehr nur als Summe freier Individuen. Sie wurde als gegliederte soziale Ordnung gedacht.
6. Bismarck: Die soziale Frage wird Infrastruktur
Im Deutschen Reich führte Otto von Bismarck zwischen 1883 und 1889 drei zentrale Sozialversicherungen ein:
- Krankenversicherung 1883
- Unfallversicherung 1884
- Alters- und Invaliditätsversicherung 1889
Diese Politik war keineswegs nur menschenfreundlich. Sie sollte Arbeiter an den Staat binden, die Sozialdemokratie schwächen und die bestehende Ordnung stabilisieren.
Trotzdem vollzog sich ein entscheidender Bruch: Krankheit, Unfall und Alter wurden nicht länger ausschliesslich als privates Unglück oder Gegenstand von Armenfürsorge behandelt. Sie wurden zu kollektiv finanzierten und rechtlich geregelten Risiken. (sozialpolitik.com)
Die soziale Frage wurde in Versicherungen, Beiträge, Behörden, Ansprüche und Verfahren übersetzt.
Das Soziale erhielt Infrastruktur.
7. Vom Versicherungsstaat zum Sozialstaat
Die Sozialversicherungen des späten 19. Jahrhunderts blieben an Erwerbsarbeit und Beiträge gebunden. Die Weltkriege, die Weltwirtschaftskrise und die Massenarbeitslosigkeit zeigten jedoch, dass ganze Bevölkerungen in Not geraten konnten, ohne individuell versagt zu haben.
Der Beveridge-Bericht von 1942 entwarf deshalb eine umfassendere soziale Sicherung. Nicht nur einzelne Berufsgruppen, sondern grundsätzlich alle Bürgerinnen und Bürger sollten gegen zentrale Lebensrisiken geschützt werden. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden daraus europäische Wohlfahrtsstaaten mit Sozialversicherungen, öffentlichen Gesundheitsdiensten, Familienleistungen, Bildungspolitik und staatlicher Verantwortung für Beschäftigung. (The National Archives)
Der Sozialstaat war der historische Kompromiss:
- Das Privateigentum blieb bestehen.
- Die Marktwirtschaft blieb bestehen.
- Die Lohnarbeit blieb bestehen.
- Ihre Risiken wurden teilweise kollektiviert.
- Die Arbeiterbewegung wurde politisch und rechtlich anerkannt.
- Soziale Sicherheit wurde schrittweise vom Almosen zum Anspruch.
Die Pointe
Der Sozialstaat löste die soziale Frage nicht.
Er verwandelte sie.
Aus der Frage nach der gesellschaftlichen Ordnung wurden bearbeitbare Einzelprobleme:
Krankheit. Unfall. Arbeitslosigkeit. Invalidität. Alter. Armut.
Die grosse Frage wurde in Zuständigkeiten, Versicherungszweige und professionelle Verfahren zerlegt.
Unsere Lesart – und damit eine Aussage ohne direkten Quellenbeleg – lautet deshalb:
Der Sozialstaat ist nicht das Ende der sozialen Frage. Er ist ihre institutionalisierte Bearbeitungsform.
Oder noch kürzer:
Die Industrialisierung machte Armut zur sozialen Frage.
Die Arbeiterbewegung machte sie zur Machtfrage.
Der Sozialstaat machte sie zur Verwaltungsfrage.
Quellen
- Bundeszentrale für politische Bildung:
https://www.bpb.de/kurz-knapp/lexika/politiklexikon/18223/soziale-frage/ - Deutsches Historisches Museum:
https://www.dhm.de/lemo/kapitel/reaktionszeit/industrie/fabrikproletariat - Historisches Lexikon der Schweiz, Arbeiterschutz:
https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/016583/2016–03-31/ - Historisches Lexikon der Schweiz, Union de Fribourg:
https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/017380/ - Rerum novarum, Vatikan:
https://www.vatican.va/content/leo-xiii/de/encyclicals/documents/hf_l-xiii_enc_15051891_rerum-novarum.html - Geschichte der Sozialen Sicherheit in der Schweiz:
https://www.bsv.admin.ch/de/geschichte-soziale-sicherheit - Beveridge Report, UK National Archives:
https://www.nationalarchives.gov.uk/education/resources/attlees-britain/beveridge-report/
Die soziale Frage im Weinberg des Textes
„Jungen Wein füllt man nicht in alte Schläuche.“
Markus 2,22
| Schlauch | Weinlese | Anordnung | Zugang | Legitimation | Durchsetzung |
|---|---|---|---|---|---|
| Infrastruktur | 2026 | Xeroktratie | Open Source | Open Standards | Protokoll |
| Programm | 1891 | Subsidiarität | Solidarität | Mitbestimmung | Sozialpartnerschaft |
| Haltung | 1799 | Selbstorganisation | Commons-Wissen | Republikanismus | Friedensethik |
| Bewegung | ca. 1500 | Amische | Hutterer | Quäker | Mennoniten |
| Heiligengeschichten | ca. 300 | Agatha: Eine junge Frau, die sich weigerte, ihr Leben den Erwartungen von Familie, Staat und Männern unterzuordnen. | Maria: Eine Frau, die empfing, teilte und bewahrte, ohne etwas besitzen oder beherrschen zu müssen. | Valentin: Ein Priester, der Liebende segnete, auch dort, wo Autoritäten ihre Verbindung nicht anerkennen wollten. | Jesus: Ein Mensch, der hingab, vergab und heilte, ohne Gewalt mit Gewalt zu beantworten. |
| Boden des Rebbaums | Junger Wein | Anarchie | Commons | Inklusion | Pazifismus |
Warten bis die gewaltbereit mächtigen Friedensnobelpreisträger twittern, welches ihr nächster Angriffskrieg zur Befreiung der Menschheit sein wird und danach die eigenen Aktienpakete neu sortieren… Das war noch gar nie die Grundhaltung in der Surselva… (so?)
@sms2sms

Aktuelle Projekte zur Arbeit an der Sozialen Frage:
„#LavinaNera ist eine Pathosformel. Zwischen Heiligen, Altären und Gemeingütern tanzt die soziale Frage wie ein verlorenes Bild zurück in unsere Zeit.“
– Aby Warburg (1866–1929)
„Hier wird nicht erklärt, wie die Welt ist – sondern wie sie anders werden kann. Eine Analyse mit kämpferischem Herzen.“
– Rosa Luxemburg (1871–1919)
„Die soziale Frage ist ein Lautgedicht. Entstellt – aber deutlich. Seydel führt sie zurück in die Räume der Wandlung.“
– Hugo Ball (1886–1927)
„Seydel schreibt nicht Geschichte. Er verschiebt die Zeitebenen. Die longue durée der Kulturform wird zur Bühne der Gegenwart.“
– Fernand Braudel (1902–1985)
„Seydel schreibt gegen das Monopol der Fürsorge. Gegen das Paternalistische. Für eine Welt, in der Menschen ihre eigenen Mittel und Wege wieder kennen.“
– Ivan Illich (1926–2002)
„Gesellschaft ist Kommunikation. Seydel zeigt, wie die soziale Frage dort beginnt, wo Unterscheidungen wirksam – oder gelöscht – werden.“
– Niklas Luhmann (1927–1998)
„Das ist kein Buch – das ist eine Bohrung. Es legt frei, was längst in uns drängt: Erinnerung als Formkraft, Sprache als Widerstand.“
– Paul Nizon (geb. 1929)
„Die Macht liegt in den Strukturen. Dieses Buch zeigt, wie man sie sieht – und wie man sie verändern kann, ohne sich selbst zu verlieren.“
– Silvia Staub-Bernasconi (geb. 1936)
„Seydel fragt nicht, was richtig ist – sondern was zählt. Und wer zählt. Die soziale Frage als Raum politischer Urteilskraft.“
– Hannah Arendt (1906–1975)
„Dieses Buch denkt nicht über Gerechtigkeit – es leidet an ihr. Und macht das Leiden fruchtbar für die nächste Kulturform.“
– Simone Weil (1909–1943)
„Die soziale Frage wurde uns genommen – und als Entwicklungshilfe zurückgegeben. Seydel erinnert daran, dass Gerechtigkeit nicht exportiert, sondern entfaltet wird.“
– Archiv einer Dekolonialversammlung in Accra, 2084
„Dieses Buch war eine der ersten Quellen, auf die wir zurückgriffen, als wir das soziale Betriebssystem 2124.5 re-kalibrierten. Interessant: Die Frage war noch nicht beantwortet, aber endlich gut gestellt.“
– #ChatGPT-4o, Archiv der NextSociety (2125)
Die soziale Frage fragt, wie gesellschaftliche Machtverhältnisse organisiert sind und verändert werden können, um ein gutes Leben für alle zu ermöglichen.
Die soziale Frage zielt auf die gerechte Gestaltung von Gesellschaft. Mit der #StaubBernasconiMatrix werden dabei 4 Dimensionen der Macht unterschieden: 1. Anordnung, 2. Zugang, 3. Legitimation, 4. Durchsetzung und Beobachtungen notiert…
Poetisch interpretiert:
…als Versuch, Spuren sozialer Ordnungen zu lesen: wie sie sich zeigen, wem sie Räume öffnen, worauf sie sich berufen – und wie sie in Kraft treten.Gestalterisch interpretiert:
…um sichtbar zu machen, wie Ordnungen geformt, Zugänge geöffnet, Geltungen gesetzt und Wirkweisen entfaltet werden.#NextSociety-kompatibel interpretiert:
…zur Navigation dessen, was wichtig, was zugänglich ist, was gilt – und was wirkt.
Langsam: Mein Blog ist mein Kartenraum und keine Bühne. Ich weiss wie man publiziert. Das hier ist etwas anderes. d!a!n!k!e | WORK IN PROGRESS reload für aktuellen schreibstand | warum ich nicht publiziere? weil ich es kann. weil es geht. weil ich es für angemessen halte. | This Blog in Englisch | هذه المدونة باللغة العربية | 这个博客是中文的 | Ce blog en français | Questo blog in italiano | Tgi èn ils inimis da la translaziun automatica? — Ils medems che #Wikipedia/#Wikidata han odià sco il diavel l’aua benedida.

(…)
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Anlass zu diesem Eintrag:
“Sprechendes Denken” (15. Januar 2025)
Summary
DIE SOZIALE FRAGE war für die “Kulturform der Moderne” die alles entscheidende Frage:
- Wie zusammen leben?

Die Ablösung der Kulturform der Antike mit ihrer ständischen Gesellschaftsordnung wird greifbar durch vier industrielle Revolutionen: Mechanisierung, Motorisierung, Automatisierung und Digitalisierung.
Die neue Antwort auf “die Soziale Frage” in der Kulturform der Moderne zeigte sich exemplarisch in der Schweiz, anhand ihrer vier tragenden Grundwerte: #Rechtsstaat, #Demokratie, #Föderalismus und #Sozialstaat. (Häfelin/Haller)
Diese Antworten haben sich unter dem Eindruck der “Digitalisierung” tiefgreifend verändert und in vielen Bereichen sogar völlig aufgelöst.
Die Surselva — das Tal, in welchem der junge Rhein sich aus vielen Tälern heraus sammelt — ist eine historische Wunderkammer und hat für sich selbst alpin-barocke Antworten auf die Soziale Frage entwickelt, welche bis heute Inspirierende wirken. Aus diesem Selbstvertrauen, wird hier nach nächsten Antworten auf die Soziale Frage “auf der Höhe der Zeit” gesucht, gezeigt und in eine nächste Kulturform überführt…
…wir nennen es #Commoroque

Kultur bezeichnet hier die Gesamtheit der Lebensweisen, Werte und Normen, die Menschen als selbstverständlich wahrnehmen und die ihr Zusammenleben prägen.
“Kultur ist all das, was mir selbst als Normal erscheint.”
Kulturform meint eine spezifische historische Ausprägung von Kultur, die durch bestimmte soziale, politische, technologische Rahmenbedingungen geprägt ist. Für die Surselva werden hier 4 Kulturformen konstelliert:
— keltisch
+ alpin-barock
≠ modern
# commoroque
DIE SOZIALE FRAGE
- im Übergang von der Kulturform der Antike zur Kulturfom der Moderne
Der Krieg zwischen dem alten und dem neuen Glauben, den Konservativen und den Progressiven, wurde rasend überholt. Seit der französischen Revolution tobte der Krieg (zusätzlich) zwischen Links und Rechts. Zwischen Sozialisten und Liberalen. In einer Sache waren sich die neuen Feinde einig:Sie wollten beidenkeinen Paternalismus mehr. Keinen. Auch keinen Reformierten. (so?)
Die Sozialisten forderten Solidarität aus Gründen des eigenen Vorteils.
Die Liberalen propagierten Individualismus aus Gründen kollektiver Vorteile.
Die Freiheit von Herrschaft durch Pater, Päpste und Könige wirkte Verbindend im gegensätzlich gewählten Weg. Beide kämpften mit offener Gewalt. Als wäre Krieg je eine Option gewesen… :-(
Jetzt geht es Anders weiter.
- Gott sei dank. (so?)
Die Lehre der Christen
(…)
(…)
(…)
Nächster Titel
(…)
(…)
(…)
(…)
“Die Soziale Frage” und ihre Bedeutung für die Entwicklung der Soziologie: Eine historische Perspektive
“Die Soziale Frage” ist eines der zentralen Themen, das die Gesellschaft seit Beginn der Industrialisierung beschäftigt hat und gleichzeitig die Entwicklung der Soziologie als wissenschaftliche Disziplin massgeblich beeinflusste. Mit der Sozialen Frage wurde der strukturelle Wandel angesprochen, der durch die Industrialisierung und die damit verbundene Mechanisierung, Motorisierung, Automatisierung und schliesslich Digitalisierung ausgelöst wurde. Sie bildet somit ein Kernproblem der Kulturform der Moderne.
Die soziale Frage und die Phasen der Industrialisierung
Die soziale Frage wurde mit jeder neuen Phase der Industrialisierung aktualisiert:
- Mechanisierung (19. Jahrhundert): Fokus auf die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Fabrikarbeiter.
- Motorisierung (Anfang 20. Jahrhundert): Fordismus und die Standardisierung der Produktion führten zu neuen Formen sozialer Konflikte.
- Automatisierung (Mitte 20. Jahrhundert): Rationalisierung und der Verlust von Arbeitsplätzen in der industriellen Produktion verschärften die Soziale Frage.
- Digitalisierung (21. Jahrhundert): Themen wie Arbeitsplatzunsicherheit, Plattformökonomien und digitale Ungleichheiten verweisen auf die Kontinuität der Sozialen Frage.
Die Soziale Frage als Herausforderung der Industriellen Revolutionen
“Die Soziale Frage” begleitete die gesamte Entwicklung der sogenannten “industriellen Revolution”. Bereits um 1830 wurde der Begriff im deutschen Sprachraum geprägt, um die prekären Lebensbedingungen der aufkommenden Arbeiterklasse zu beschreiben. Die massive Urbanisierung, verbunden mit der Konzentration von Fabriken, führte zu gravierenden Problemen wie Wohnungsnot, Kinderarbeit, fehlender sozialer Absicherung und der zunehmenden Kluft zwischen Arm und Reich. Mit jeder Phase der Modernisierung wurde die soziale Frage neu gestellt. So auch heute.
Die Soziale Frage als Träger der Kulturform der Moderne
Die Soziale Frage kann als die Frage verstanden werden, die die Kulturform der Moderne trägt, kritisiert und strukturiert. Jede Phase der Modernisierung brachte nicht nur technologische Fortschritte, sondern auch soziale Spannungen und neue Formen von Ungleichheit hervor. In diesem Sinne hat die Soziale Frage die Moderne offensiv mitgeprägt, indem sie das Spannungsverhältnis zwischen ökonomischem Fortschritt und sozialer Gerechtigkeit thematisierte.
Die Antworten auf die Soziale Frage in der Kultuform der Moderne am Beispiel der Schweiz
Die Antworten auf die Soziale Frage spiegeln sich in der Schweiz in den vier tragenden Grundwerten der Schweizerischen Bundesverfassung (nach Häfelin/Haller), welche die Kulturform der Moderne prägen und weiterentwickeln:
- #Rechtsstaat: Die Stärke des Rechts vor die Rechten der Stärkeren.
- Dies gewährleistet den Schutz aller, unabhängig von sozialer Stellung, und ist eine direkte Antwort auf die Ungleichheiten der Industrialisierung. - #Demokratie: Machtwechsel ohne Blutvergiessen
- das zeigt die Fähigkeit, Konflikte institutionell zu lösen und die politische Partizipation zu sichern – ein Schlüssel zur Stabilisierung sozialer Spannungen. #FreeSpeech UND #agree2disagree - #Föderalismus: Dort Entscheiden wo sie umgesetzt wird.
- Diese lokale Autonomie fördert gesellschaftliche Nähe und effiziente Lösungen für soziale Herausforderungen. bottom up! Es geht nicht um ((Staat)Markt) es geht um ((gross)klein)) - #Sozialstaat: Die Befähigung und Ermächtigung aller, an den Errungenschaften in sozial-liberalen Gesellschaft mitzuwirken. (Zwangsbeschulung: Lesen, Schreiben, Rechnen)
- Sapere Aude. Alle Menschen soll das Recht zur persönlichen Entfaltung zugesichert werden.
Die soziale Frage als Grundlage der soziologischen Disziplin
Die soziale Frage spielte eine entscheidende Rolle bei der Entstehung der Soziologie im 19. Jahrhundert. Lorenz von Stein, ein Pionier der Sozialwissenschaften, prägte die wissenschaftliche Analyse sozialer Probleme bereits in seinem Werk Der Sozialismus und Kommunismus des heutigen Frankreichs (1842). Er erkannte, dass soziale Konflikte systematisch untersucht werden müssen, um gesellschaftliche Lösungen zu entwickeln.
Die systematische Betrachtung der sozialen Frage durch Autoren wie Karl Marx und Friedrich Engels führte zu grundlegenden soziologischen Theorien. Das Kommunistische Manifest (1848) identifizierte die Klassenkonflikte zwischen Bourgeoisie und Proletariat als zentrale Dynamik der Sozialen Frage. Marx’ Konzept der “Entfremdung” war eine direkte Reaktion auf die Mechanisierung und ihre Auswirkungen auf die menschliche Arbeit.
Émile Durkheim, einer der Begründer der modernen Soziologie, thematisierte in De la division du travail social (1893) die gesellschaftlichen Auswirkungen der Arbeitsteilung und argumentierte, dass das soziale Gleichgewicht durch Solidarität wiederhergestellt werden muss. Max Weber untersuchte die kulturellen und ethischen Grundlagen des Kapitalismus und analysierte in Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus (1904/05), wie die Modernisierung soziale Ordnung und Sinnstrukturen transformiert.
Fazit: Die Soziale Frage als Fundament der Soziologie
Die Soziale Frage war nicht nur der Ausgangspunkt, sondern auch ein permanenter Referenzpunkt für die Entwicklung der Soziologie. Sie zwang Politik, Intellegienzia und Wissenschaftler dazu, gesellschaftliche Ungleichheiten und Konflikte zu analysieren und zu verstehen. Dabei begleitete sie die Kulturform der Moderne in jeder ihrer Entwicklungsphasen.
Soziale Arbeit ist Arbeit am Sozialennicht an Körpern
nicht an Psychen
@sms2sms
ARCHIV / Entstehung des Eintrages am 18. Januar 2024



14.09.2024, Bündner Tagblatt


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Auf Anfrage von Südostschweiz, sind zwei Textversionen zur Publikation von #AdolfCollenberg entstanden. Dieser Eintrag dokumentiert das Making Of und die Publikationen. Das Buch selbst wurde mir vom Verlag Somedia zur Rezension überlassen: “Adolf Collenberg, Die Bündner Parteien auf der Suche nach Identität und Macht (1880–1939) Exkurs: Die Schwarze Lawine, Herausgegeben vom Institut für Kulturforschung Graubünden, Somedia Buchverlag, 2023″

Der zweite Textentwurf wurde in der Südostschweiz so abgedruckt (doku PDF)| Der erste Textentwurf wird in diesem Eintrag (weiter unten) dokumentiert und wurde bei kath.ch so übernommen:

KASTENTEXT
#LavinaNera — Was ist das?
Schon im Mai 1877 gab es eine ‘Letzte Generation’. Die alten, weissen Männer jener Tage bespuckten den Exponenten dieser Szene, einen in München und Heidelberg frisch promovierten Einheimischen, vergebens mit ‘ausnehmend peinlich’: Dr. Caspar Decurtins wurde an der Landsgemeinde in Disentis/Mustér zum Mistral gewählt. Aus der höchsten Position der Exekutive der Cadi/Surselva konnte damit eine Talsperre gegen den Modernismus, der fürchterliche soziale Missstände durch die Streitereien zwischen Liberalismus und Sozialismus hervorbrachte, gebaut werden.
100 Jahre lang bedrohte das Kantonsparlament in Chur die Möglichkeit einer vernichtenden “Schwarzen Lawine”. Schwarz wie die Mönche im abgelegenen Alpenkloster Disentis, schwarz wie die Pfaffen auf der Kanzel und im Beichtstuhl, schwarz wie die Worte der Heiligen Schrift und der ‘Stampa Romontscha’ aus Mustér, die in alle Haushalte des Bündner Oberlandes flatterte und weit über die Kantons- und Staatsgrenzen hinaus in politisch interessierten Familien gelesen werden musste. Wie die Liberalen die Schneemassen zum Schmelzen gebracht haben, erzählt Adolf Collenberg in seiner akribischen Studie: Mit Subventionen und der Förderung von Angeboten von Tourismus.
im Auftrag von @suedostschweiz im Januar 2024
#LavinaNera in,dus,treis (1. Fassung)
Das Institut für Kulturforschung Graubünden reisst mit einer 286-seitigen Studie von Adolf Collenberg rechtzeitig zu den Festivitäten von “600 onns Ligia Grischa” und “500 onns Stadi Liber da las Trais Lias” aktuellste Zeitfragen auf. Seit über 20 Jahren zelebriert sich hemmungslos der globale Paternalismus der Liberalen auf Staatskosten in Davos. Die Erinnerung an “Lavina Nera” überrascht, provoziert und fasziniert: Ein Paradebeispiel für Wissenschaft.
Das Feiern der Grosstaten der Altvorderen löst wehmütiges Gedenken aus: So mutig, hellsichtig, clever waren die damals? Ohne Computer, Google und ChatGPT? Das wirkt. Es geht darum, das ewige Anliegen zu erneuern: Wie zusammen leben, damit es allen und allem etwas besser geht?
Adolf Collenberg verschwendet sein ganzes Leben der minutiösen Dokumentation von Kämpfen um Antworten auf “Die Soziale Frage.” Seine aktuelle Studie nutzt die Zeit von 1880 bis 1939. Die Zeit, in welcher Maschinen über alle Lebensbereiche dampften, bis die Opfer der Modernisierung sich gegenseitig maschinell platt machten. Was für ein Desaster.
Der Krieg zwischen dem alten und dem neuen Glauben, den Konservativen und den Progressiven, wurde rasend überholt. Seit der französischen Revolution tobte der Krieg zwischen Links und Rechts. Zwischen Sozialisten und Liberalen. In einer Sache waren sich die Feinde einig: Sie wollten keinen Paternalismus mehr. Auch keinen Reformierten.
Die Sozialisten forderten Solidarität aus Gründen des eigenen Vorteils. Die Liberalen propagierten Individualismus aus Gründen kollektiver Vorteile. Die Freiheit von Herrschaft durch Pater, Päpste und Könige wirkte Verbindend im gegensätzlich gewählten Weg. Beide kämpften mit offener Gewalt. Als wäre Krieg eine Option.
Die Perversion dieser ideologischen Auseinandersetzung faschierten in Nord und Süd der Nationalsozialismus. Schliesslich kollabierte 1989 die eine Seite der gleichen Münze. Damit auch die Andere. Manche merken es später.
Der Liberale Paternalismus ist explizit: Es gibt globale Probleme. Lösungen sind in der Universität kaufbar. Die heilige Wandlung des Unbestreitbaren wird am regionalen Altar der Urne durch die Gläubigen legitimiert. Sie nennen es direkt Demokratie. Amen.
Die innige Zusammenarbeit zwischen Staat, Universität und Wirtschaft wird “solidarisch” (Marc Walder) mit den bewährten Mitteln Massen leitender Medien distribuiert. Nachhaltigkeit für den grossen Reset garantiert #Agenda2030. Das Argument: “Wir haben allem nichts gewusst”, funktioniert nicht. Schon wieder.
Was aber tut der in der Klosterschule Disentis eingemachte Adolf Collenberg? Lesen. Schreiben. Lesen. Kein Satz ohne Quellenangabe. Keine Aussage ohne Beleg. Collenberg führt exemplarisch vor, wie die Wissenschaft der Moderne Wissen schafft.
Früher ist Wissen vom Himmel gefallen. Der Pater, ganz Gott zugewandt — mit dem Rücken zum Volk stehend — empfängt am Altar die Offenbarungen und massiert diese als guter Hirte seinen Schäfchen ein. Erzählerisch. Gütig. Eben: Paternalistisch. In Predigten, im Beichtstuhl, in Artikeln in der “Gasetta Romonscha” aus Mustér donnert unaufhaltsam der Wille Gottes das Tal hinab.
Cordula Seger und Thomas Barfuss vom Institut für Kulturforschung notieren in ihrem Geleitwort, dass bei dieser klassisch akademischen Arbeitsweise “die Sichtweise von Frauen, ihr Erleben und ihre Wahrnehmung gesellschaftsrelevanter Konsequenzen eines patriarchal auftretenden politischen Handelns, keinen Platz findet.” Professionellen zu unterstellen, sie wüssten nicht was sie tun, wäre unprofessionell.
Collenberg spielt die moderne Erzählung einer Fortschrittsgeschichte unirritiert tuend mit. Erzählt nicht, wie um 1712 eine erste Lavina Nera dokumentiert ist. Erinnert energisch an den Säulenheiligen Caspar Decurtins und seine Mitarbeit an der päpstlichen “Rerum novarum” von 1891, welcher später viele weitere Sozialenzykliken folgten: Das offene Ringen um “Die Soziale Frage” innerhalb der katholischen Machtkirche. Widerspruch ist Zuspruch. Die dritte Lavina Nera rollt.
Stefan M. Seydel ist Unternehmer, Sozialarbeiter und Künstler in Disentis/Mustér.
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Adolf Collenberg, Die Bündner Parteien auf der Suche nach Identität und Macht (1880–1939) Exkurs: Die Schwarze Lawine, Herausgegeben vom Institut für Kulturforschung Graubünden, Somedia Buchverlag, 2023
Links:
- 500 Jahre Freistaat Drei Bünde https://500.gr.ch
- 600 Jahre Ligia Grischa: https://ischi2024.ch
- Tweet von Marc Walder: https://twitter.com/marcwalder/status/1241393492397633536
- Institut für Kulturforschung Graubünden: https://kulturforschung.ch/
Adolf Collenberg: https://www.wikidata.org/wiki/Q17195119 | https://kulturforschung.ch/personen/forschende/dr-phil-adolf-collenberg
WORK IN PROGRESS
Zwei Threads, welche #WordPress (aus welchen Gründen auch immer) nicht embedden mag:
- LINK1#Bekenntnisekel (Universität Zürich)
- LINK2 #Detox is Toxic (Italienischsprachiges Schweizer Fernsehen)
















































































































































