#WEF26 das @blackrock-festival (so?)
die ganze playlist auf WikiDienstag.ch | abonniere kostenlos den WhatsApp-channel #LavinaNera treis | AUF UND DAVOS
Dass Klaus Schwab ging, habe ich mitbekommen. Dass aber Peter Brabeck auch gerade wieder ausgewechselt wurde, verpasste ich. Erst wie es losging in Davos, habe ich André Hoffmann und Larry Fink in der neuen Position gesehen. Das veränderte freilich alles in meinen Beobachtungen und war Wasser auf meine Mühlen… So änderte ich schnell meinen vorschnellen Slogen:
#WEF26? @blackrock-Festival ist das neue Konzil des Libertären Katholizismus
Wozu sollte das @Blackrock-Festival von #TechnoFeudalism selbst bezahlt werden, wenn es doch weltweit genug Standortmarketing-Fans gibt, welche sofort 40 Millionen freistellen können?
Der Schweizer Staat — ob Kanton oder auf Bundesebene — im globalen Standortwettbewerb. Während der Mittelalterliche Feudalismus mit drei Ständen beschrieben worden ist, scheint dies heute ähnliche Übersichtlich zu sein. Ziemlich viele sitzen mit ziemlich vielen im gleichen Boot. Aber einige hoffen, dass es ihren Pensionskassengeldern besser geht, wenn sie zu #Aladdin beten. (so?)

| Verfassungsprinzip (1848) | Bedeutung | #WEF26 / Technofeudalismus |
|---|---|---|
| Rechtsstaat – „Die Stärke des Rechts vor die Rechte der Stärkeren“ | Macht wird durch Recht begrenzt | Stärke der Infrastruktur vor dem Recht |
| Demokratie – „Machtablösung ohne Blutvergiessen“ | Macht ist widerrufbar | Macht ist investiert und technisch verfestigt |
| Föderalismus – „Dort entscheiden, wo umgesetzt wird“ | Nähe von Entscheidung und Betroffenheit | Dort umsetzen, wo investiert wird |
| Sozialstaat – „Befähigung zur Teilhabe an sozialen Errungenschaften“ (aka Bildung) | Teilhabe als öffentliches Recht | Zugang als Plattformfunktion |
Warum Häfelin/Haller heute bloss noch zeigt, dass es nicht mehr so weiter gehen kann?
| Verfassungsprinzip (1848, Häfelin/Haller) | Historische Ermöglichung (Macht als Möglichkeit) | Warum diese Form heute Möglichkeiten begrenzt |
|---|---|---|
| Rechtsstaat – „Die Stärke des Rechts vor die Rechte der Stärkeren“ | Kommunikation wird von Gewalt auf Recht umgestellt. Möglichkeit: Konflikte anschlussfähig zu lösen. | Recht bleibt territorial, Kommunikation ist entterritorialisiert. Cloud‑, Plattform- und Infrastrukturoperationen entziehen sich rechtlicher Anschlussfähigkeit. Die Form begrenzt Anordnung und Durchsetzung. |
| Demokratie – „Machtablösung ohne Blutvergiessen“ | Kommunikation über Herrschaft wird in Wahl übersetzt. Möglichkeit: Machtwechsel ohne Zerstörung. | Entscheidungszentren sind nicht mehr personal gebunden. Infrastruktur ist nicht abwählbar. Die Form begrenzt Legitimation, weil Anschluss nicht mehr über Personen läuft. |
| Föderalismus – „Dort entscheiden, wo umgesetzt wird“ | Nähe von Entscheidung und Betroffenheit. Möglichkeit: lokale Anschlussfähigkeit. | Abhängigkeiten sind global und kapitalintensiv. Entscheidungen entstehen dort, wo investiert wird. Die Form begrenzt Zugang und Anordnung. |
| Sozialstaat – „Befähigung zur Teilhabe an sozialen Errungenschaften“ (aka Bildung) | Kommunikation wird von Herkunft auf Befähigung umgestellt. Möglichkeit: Teilhabe durch Lernen. | Wissen ist entgrenzt, Teilhabe läuft über Plattformen, Accounts, Lizenzen. Institutionelle Bildung erzeugt keinen Anschluss mehr. Die Form begrenzt Zugang. |
#NoKings

„No Kings“ ist ein schönes, sauberes Symbol – aber es adressiert eine Machtform, die bereits historisch erledigt ist. Es richtet sich gegen personale Herrschaft:
- Könige
- Tyrannen
- Autokraten.
#WEF26 zeigt jedoch eine andere Ordnung: Nicht mehr Macht als Person, sondern Möglichkeit als Infrastruktur.
- Es gibt dort keine Könige. Es gibt Architekturen.
- Nicht Befehle, sondern Designs.
- Nicht Herrscher, sondern Systeme, die festlegen, was möglich ist und was nicht.
„No Kings“ bleibt in der Semantik der Moderne: gegen oben, gegen Figuren, gegen Gesichter. Die neue Ordnung funktioniert gesichtslos. Sie braucht keine Krone. Sie braucht Rechenzentren, Kapitalflüsse, Plattformen, Energie.
Darum ist das Bild nicht falsch, sondern kulturformgebunden: Es versucht, die Kulturform der Moderne zu reparieren – mit ihren eigenen Symbolen, ihrem eigenen Freiheitsversprechen. (Genau das, was mit #TheGreatReset suggeriert wurde. ;-)
- 1848 – Die Idee (Häfelin/Haller)
Rechtsstaat – „Die Stärke des Rechts vor die Rechte der Stärkeren“
Demokratie – „Machtablösung ohne Blutvergiessen“
Föderalismus – „Dort entscheiden, wo umgesetzt wird“
Sozialstaat – „Befähigung zur Teilhabe an sozialen Errungenschaften“
→ Kommunikation wird anschlussfähig gemacht.
→ Macht als Möglichkeit im Sozialen. - 1989 – Implosion von ((links)rechts)
→ #Sozialismus war Solidarität aus Gründen des eigenen Vorteils.
→ #Liberalismus war Individualismus aus Gründen kollektiver Vorteile.
Beide lebten von derselben Verheissung: Der Mensch kann und will selbst stehen.
Der eine über das Kollektiv, der andere über das Individuum. Mit 1989 fällt diese Spannung weg, welche Liberalismus und Sozialismus gegenseitig begrenzte. Das Versprechen „Der Mensch wagt den aufrechten Gang” und findet einen Weg aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit (Immanuel Kant) verliert seine Gegenseite. Andere Notationen der gleichen Spaltung:
→ links: Staat | rechts: Markt
→ links: parlamentarisch gesicherte Begrenzungsmacht | rechts: Suche nach “Wahrheit”, Wissenschaft (weil Menschen Wissen schaffen und diese nicht “offenbart” wird.)
Der blinde Fleck der Kulturform der Moderne bleibt unsichtbar. - 1990er – #Neoliberalismus
Neu ist nicht „mehr Markt – weniger Staat“, sondern: die Totalbefreiung des Geldes. Nicht der Mensch wird befreit, sondern das Kapital. Vergl. dazu: Was War #NeoLiberalism?
– Kanton Graubünden: Der Staat privatisiert sich selbst unter dem Narrativ „Ohne Tourismus keine Daseinsberechtigung.“
– Deutschland: „Ich-AG“.
– Gleichzeitig: Wer legt sich tatsächlich in “Die Soziale Hängematte”? Swissair, Banken, Autobauer
→ „too big to fail“.
Die soziale Frage wird moralisiert. Systemträger werden sakralisiert. - 2001 – Patriot Act nach 9/11
Der Nationalstaat verschiebt seine Semantik: Es ist nicht mehr Konkurrenz zwischen Nationalstaaten und der Nationalstaat hat ein “Geschlechterproblem”, ein „Rassismusproblem“, ein “Ausländerproblem” etc. etc. sondern: Jeder Mensch, jeder Bürger! — ist potenzieller Feind.
→ Der Ausnahmezustand wird zum eigentlichen Betriebsmodus.
Sicherheit ersetzt Freiheit als Primärcode.
Und die Unterscheidung ((Theorie)Praxis) — das Elixier der Kulturform der Moderne — ist gelöscht worden. - 2018 – Schweiz als Labor
Öffentliche Kopplung von Staat · Infrastruktur · Plattform · Kapital · Narrativ.
Palantir, Google, Roche, UBS, SBB, Swisscom, Bundesrat, Medien schliessen sich am #wef18 zusammen unter dem Titel #DigitalSwitzerland
→ Die Koppelung mit Palantir wird nicht thematisiert. - 2020 – #WEF20 / #TheGreatReset
Schwab versucht, die Moderne moralisch zu reparieren. Die Welt ist aus den Fugen, aber keine Sorge: Wir können es reparieren… - 2026 – #WEF26
Klaus Schwab tritt 2025 zurück. Nachfolger Peter Brabeck (ex Nestlé) verkörpert moralisch aufgeladene, paternalistische Moderation der globalen Eliten und wird sofort wieder abgelöst. André Hoffmann (Rocheerbe) + Larry Fink (Blackrock, Aladdin) machen sichtbar, was längst etabliert ist:
– Zukunft entsteht nicht mehr politisch, sondern technisch, finanziell, infrastrukturell.
– Kein Reset, sondern ein Greenfield wird bespielt.
– Keine Sinnsuche, sondern technokratische Umsetzung des Möglichen.
– Operative Zukunftsproduktion. - FAZIT: #WEF26 ist kein Bruch. Es ist die Offenlegung der etablierten nächsten Kulturform. Die kann dir gefallen oder nicht. Oder wie es Donald Trump am Beispiel Grönland gesagt hat: “Ich werde keine Gewalt anwenden. Ihr gebt mir das Stück Eis, oder ich werde es nie vergessen…”
→ “Die Blanke Waffe”, Dirk Baecker, NZZ 2016

Elon Musk kichert über FRIEDEN so lächerlich wie über #FreeSpeech
#BonusMaterial
Während dem #wef26 ha!ha!habe ich mir viele Kommentare reingezogen.
- Auswertung des Auftritts von Elon Musk
- Notizen: Wer ist Larry Fink?
- Notizen: André Hoffmann
- Ein Video von Sahra Wagenknecht. Ausser, dass ich keine “Solidarität” zur Idee #Nationalstaat und Parteinpolitik pflege, bin ich in sehr vielen Punkten mit ihr einverstanden… darum habe ich #chatGPT gebeten, mir den Vortrag abzutippen… das Originalscript bietet der Channel selbst an. Ich will am (sensationellen) Text weiter arbeiten…

(1) Auftritt von Elon Musk
Quelle | Wichtigste Punkte aus „Elon Musk at Davos 2026: why technology could shape a more abundant future“:
- Ziel seiner Unternehmen
Musk sieht alle seine Firmen als Teil eines gemeinsamen Ziels: die Wahrscheinlichkeit zu maximieren, dass die Zivilisation eine gute Zukunft hat. SpaceX soll das Fortbestehen von Bewusstsein sichern, Tesla die Energiewende tragen, KI und Robotik den Weg zu globaler Fülle eröffnen. - KI und Robotik als „Pfad zur Fülle“
Ubiquitäre, nahezu kostenlose KI und allgegenwärtige Robotik würden eine ökonomische Explosion auslösen, „jenseits aller historischen Vergleichswerte“. Humanoide Roboter könnten Produktivität neu definieren, Arbeitskräftemangel ausgleichen und Kosten massiv senken. - Abkehr von Knappheit
Musk argumentiert, dass eine Welt mit breiter technologischer Fülle nicht mit struktureller Knappheit vereinbar ist. Es könne nicht sein, dass wenige arbeiten müssen, während alle anderen in Überfluss leben. Inklusion setze Abundance voraus. - Energie als Engpass
Nicht Rechenleistung, sondern Strom wird zum limitierenden Faktor für KI. Es werde bald mehr Chips geben, als man überhaupt einschalten kann. Die Skalierung von KI, Robotik und Industrie scheitert ohne massive Elektrifizierung. - Solarenergie als Schlüssel
Musk betont, dass eine erstaunlich kleine Fläche ausreicht, um ganze Volkswirtschaften zu versorgen: etwa 100 Meilen mal 100 Meilen Solarfläche für die gesamten USA. Ähnliches gelte für Europa. - Raumfahrt und neue Energieformen
Durch vollständige Wiederverwendbarkeit von Raketen könne der Zugang zum All um den Faktor 100 billiger werden. Das eröffne Perspektiven für solare Rechenzentren im All, wo Sonnenenergie permanent verfügbar ist. - Exponentielle KI-Entwicklung
Musk hält es für möglich, dass KI noch dieses Jahr intelligenter wird als jeder einzelne Mensch und innerhalb von fünf Jahren die kollektive Intelligenz der Menschheit übertrifft. - Grundhaltung: radikaler Optimismus
Seine Schlussbotschaft: Es sei besser, optimistisch und falsch zu sein als pessimistisch und recht zu behalten. Fortschritt entstehe aus Neugier, nicht aus Angst.
(2) Wer ist Larry Fink?
Hier sind die wichtigsten Informationen zu Larry Fink, seiner KI-Software (bzw. Technologie), und seiner Beziehung zu Donald Trump – in Deutsch und präzise:
- Wer ist Larry Fink
Larry Fink ist der Gründer, Chairman und CEO der US-Investmentgesellschaft BlackRock, Inc., dem grössten Vermögensverwalter der Welt mit über 12 Billionen USD verwalteten Vermögenswerten. Sein Unternehmen beliefert institutionelle Kunden, Pensionskassen, Staaten, Versicherungen und Privatanleger. (Wikipedia) - Welche KI-Software oder Technologie steht mit ihm in Zusammenhang?
BlackRock betreibt ein internes Risiko- und Investment-System namens Aladdin (steht für Asset, Liability and Debt and Derivative Investment Network). Dieses System verwaltet Risiken, Daten und Finanzprozesse auf einer hochkomplexen Plattform und ist kein klassisches KI-Produkt im Sinne eines generativen KI-Modells, sondern eine finanztechnische Risikomanagement-Plattform. (Wikipedia) - Hat BlackRock eine eigene „KI-Software“ im Sinne von Sprach-KI oder Large Language Models?
BlackRock nutzt Daten- und Analysetechnologien, auch für AI-relevante Infrastruktur-Investitionen (z. B. Rechenzentren für Datenverarbeitung), aber es gibt keine bekannte öffentlich erklärte BlackRock-KI-Software mit Markenname oder Modellname ähnlich zu ChatGPT oder xAI (Stand: verfügbare Quellen). Wenn du eine andere Interpretation von „seine KI-Software“ meinst (z. B. Beteiligungen oder Partnerschaften im KI-Bereich), kann ich das gezielter recherchieren. - Beziehung zu Donald Trump – historisch und aktuell
a. Fink hat eine lange Verknüpfung mit US-Politikern, war jedoch traditionell Demokrat und hat frühere demokratische Präsidenten und Administratoren beraten oder unterstützt. (Wikipedia)
b. Durch strategische Investitionen (z. B. Übernahme von Häfen am Panamakanal) konnte BlackRock Trump-politische Ziele unterstützen, was Finks Verhältnis zur Trump-Administration verbessert hat und ihm Zugang zu Trump-Kreisen verschaffte. (climateandcapitalmedia.com)
c. Fink wird aktuell als jemand beschrieben, der seine Beziehungen zu Republikanern und zu Trump stärkt, obwohl er früher von einigen konservativen Gruppen kritisiert worden war. (Bilanz)
d. Fink hat für verschiedene wirtschaftspolitische Anliegen mit Trump-Regierungsvertretern verhandelt; sein Unternehmen war Teil wirtschaftlicher Delegationen zu offiziellen Trump-Terminen (z. B. bei Staatsbesuchen). (Reuters) - Wie war seine Haltung gegenüber Trump?
Fink hat öffentlich ausgesagt, dass es für die Finanzmärkte irrelevant sein kann, wer die Wahl gewinnt, was als pragmatische, weniger parteipolitische Haltung interpretiert wird. (Wikipedia)
#CoronaVirus als Verstärker:
Hier ist die Ergänzung zur Rolle von BlackRock bei der Verwaltung staatlicher Gelder während der Coronavirus-Pandemie in verständlicher, kurzer deutscher Form:
- Vertrag mit der US-Notenbank (Federal Reserve)
Im März 2020 beauftragte die Federal Reserve Bank of New York BlackRock als externen Investment Manager, um mehrere Not-Kaufprogramme für Anleihen und andere Wertpapiere durchzuführen, die Teil der Pandemie-Konjunkturhilfen waren. BlackRock war damit verantwortlich, im Auftrag der Fed Unternehmensanleihen, ETFs und kommerzielle hypothekenbasierte Wertpapiere zu kaufen. (Wikipedia) - Zweck dieser Programme
Ziel war es, Liquidität in die Märkte zu bringen, Kreditkosten für Unternehmen zu senken und dadurch die wirtschaftliche Aktivität zu stabilisieren, nachdem sie durch Corona-Lockdowns stark eingebrochen war. Die Fed-Programme sollten damit die Kreditvergabe erleichtern und die gesamtwirtschaftliche Nachfrage stützen. (Federal Reserve Bank of New York) - Keine staatliche Kapitalbeteiligung von BlackRock
BlackRock verwaltete das Programm nicht mit eigenen staatlichen Geldern im Sinne eines Bailouts, sondern führte im Auftrag der Fed Käufe aus, gemäss strikten Richtlinien der Fed. Für diese Dienstleistung durfte BlackRock bestimmte Gebühren erheben, in vielen Fällen wurde aber verpflichtend auf Management-Gebühren verzichtet, die bei ETF-Käufen für das Programm hätten anfallen können. (Wikipedia) - Kontroversen und Kritikpunkte
a. Einige Stimmen kritisierten, dass eine private Firma sehr grosse Geldmengen und Marktzugänge für die öffentliche Finanzstabilisierung verwaltet, was Interessenkonflikte oder mangelnde Transparenz schaffen könnte. (Forbes)
b. Andere Kommentatoren sahen Risiken darin, dass BlackRock Informationen, Erfahrung und Marktkenntnisse aus dieser Rolle in andere Geschäftsbereiche tragen könnte, auch wenn vertraglich Sicherheits- und Compliance-Regeln vereinbart wurden. (Americans for Financial Reform) - Breiter Kontext
Das Engagement von BlackRock spiegelte die historisch gewachsene Verflechtung zwischen Grossinvestoren und staatlichen Institutionen im Krisenfall wider. BlackRock hatte bereits ähnliche Rollen bei früheren Interventionen, etwa nach der Finanzkrise 2008, übernommen. (Wikipedia)
Quellen: Wikipedia: BlackRock; Fed Vendor Agreements; ETF Report zur Secondary Market Corporate Credit Facility. (Wikipedia)
Aladdin
- Was ist Aladdin?
Aladdin steht für Asset, Liability, Debt and Derivative Investment Network und ist eine umfassende Finanz- und Investmentmanagement-Plattform, entwickelt von BlackRock Solutions. Ursprünglich ein internes Risikoanalyse-Tool, ist Aladdin heute ein zentrales Risiko- und Portfoliomanagement-System, das von BlackRock und über 200 externen Finanzinstitutionen genutzt wird. (Wikipedia) - Analytische Kernfunktion: Risikoanalyse und Simulation
Aladdin verarbeitet grosse Datenmengen und nutzt statistische Modelle, Simulationen und Risikoberechnungen, um zu bewerten, wie sich Anlagen in verschiedenen Szenarien entwickeln könnten. Dazu gehören Stress-Tests, Value-at-Risk-Berechnungen und mehrfache Marktszenarien. (Wikipedia) - Integration über den gesamten Investmentprozess
Die Plattform verbindet:- Risikoanalyse
- Portfoliomanagement und Asset-Zuteilung
- Handel und Orderausführung
- Compliance und Reporting
- Operative Abläufe wie Abwicklung und Rechnungslegung
All diese Prozesse nutzen eine einheitliche Datenbasis, was schnellere, konsistente Entscheidungen ermöglicht. (ReinsuranceNe.ws)
- Automatisierung vs. Entscheidungshilfe
Aladdin rechnet aus, wie Risiken und Chancen unter vielfältigen Bedingungen aussehen könnten und zeigt auf, welche Positionen wie beeinflusst werden könnten (auch mit historischen Daten und Simulationen).
• Aladdin gibt keine autonomen Entscheidungen oder Handlungen wie ein menschlicher Trader aus; vielmehr liefert es Analysen, Risiko-Scores, Simulationsergebnisse und Empfehlungen als Entscheidungshilfe. (Wikipedia)
• Die Tatsächlichen Investment-Entscheidungen und Trades erfolgen weiterhin durch Menschen oder institutionelle Regeln, nicht automatisch von Aladdin. (Wikipedia) - Einsatz grosser Datenmengen und KI-Elemente
Das System nutzt historische Daten, Marktdaten und zunehmend Machine-Learning-Verfahren, um Muster und Trends zu erkennen. So kann es Risiken und potenzielle Marktentwicklungen besser quantifizieren und in Analysen einbeziehen. (netfed.de) - Gemeinsame Datenbasis und Effizienz
Durch eine einheitliche Daten- und Analyseplattform wird vermieden, dass verschiedene Teams oder Systeme unterschiedlich abrechnen, was Konsistenz, Effizienz und Transparenz im Investmentprozess erhöht. (blackrock.com)
Zusammengefasst:
Aladdin ist kein autonom handelnder Super-Computer, der allein entscheidet und direkt umsetzt. Es ist vielmehr eine hochentwickelte Risiko- und Portfolio-Analyseplattform, die Daten zusammenführt, Risiken simuliert, Szenarien berechnet und damit Entscheidungshilfen und Werkzeuge für Investmentmanager bereitstellt, welche diese Ergebnisse nutzen, um Trades auszuführen oder Strategien anzupassen. (Wikipedia)
#NextSociety (so?)
Ja. Es ist eine strukturelle Verschiebung – nicht nur technisch, sondern kulturell.
- Vorher
Entscheidungen wurden mit Verweis auf
– „den Markt“
– „die Wissenschaft“
– „ökonomische Modelle“
– „Expertise“
legitimiert.
Auch das war intransparent. Aber es blieb narrativ vermittelbar: Menschen erklärten, warum etwas „notwendig“ sei. - Jetzt
Mit Systemen wie Aladdin wird diese Intransparenz operativ verdichtet:
– Modelle laufen permanent
– Risiken werden in Echtzeit simuliert
– Szenarien werden maschinell bewertet
– Empfehlungen entstehen aus Black-Box-BerechnungenDie Begründung verschiebt sich von:
„Ein Experte sagt …“
zu:
„Das System zeigt …“ - Der qualitative Sprung
Neu ist nicht Intransparenz an sich, sondern:- Die Geschwindigkeit (permanent, nicht episodisch)
- Die Skala (Billionenvermögen gleichzeitig)
- Die Autorität (Rechnung statt Argument)
- Die Entkopplung von Sprache (Output ohne Erzählung)
- Kulturbruch
Wo früher noch gestritten werden konnte –
„Ist dieses Modell sinnvoll?“
„Ist diese Prognose plausibel?“ –
heisst es nun:„Das System hat es so berechnet.“Das ist keine technische, sondern eine epistemische Machtverschiebung.
Für diese Deutung gibt es keine direkte Quelle. Sie ist eine analytische Ableitung aus:
– Funktionsbeschreibung von Aladdin (BlackRock)
https://www.blackrock.com/aladdin
– Kritiken zur „algorithmischen Governance“
https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0740624X20300687
– Shoshana Zuboff: The Age of Surveillance Capitalism
– Cathy O’Neil: Weapons of Math Destruction
Diese Quellen belegen die Struktur. Die Zuspitzung ist meine Formulierung.
Elon Musk + Larry Fink = ?
Genau hier liegt die innere Spannung seines Auftritts.
Musk spricht in Davos nicht als Marktanalytiker, sondern als Prophet technischer Möglichkeitsräume. Seine Aussagen zu KI und humanoiden Robotern sind keine Prognosen im statistischen Sinn, sondern Setzungen eines Möglichkeitsrahmens:
- KI wird „schlauer als jeder Mensch“ – sehr bald
– noch dieses Jahr intelligenter als jeder einzelne Mensch
– in wenigen Jahren intelligenter als die kollektive Menschheit - Humanoide Roboter als ökonomische Basiseinheit
– Produktivität = Durchschnittsleistung eines Roboters × Anzahl Roboter
– Roboter übernehmen Industrie, Pflege, Alltag
– Arbeitskräftemangel verschwindet strukturell - Ergebnis: Abundance
– Armut wird technisch überwindbar
– Knappheit ist kein Naturgesetz mehr
– Wirtschaft explodiert jenseits historischer Vergleichbarkeit
Das ist strukturell das Gegenbild zu Aladdin:
| BlackRock / Aladdin | Elon Musk |
|---|---|
| rechnet Knappheit | entwirft Überfluss |
| optimiert Risiken | entgrenzt Möglichkeiten |
| stabilisiert Märkte | destabilisiert Ordnungen |
| legitimiert durch Berechnung | legitimiert durch Vision |
Beide Seiten sind nicht gegensätzlich, sondern komplementär:
– Fink denkt in Steuerbarkeit komplexer Systeme.
– Musk denkt in Durchbrüchen jenseits bestehender Systeme.
Der entscheidende Punkt:
Musk ersetzt das ökonomische Narrativ der Knappheit durch ein technisches Narrativ der Fülle.
Aber: Diese Fülle entsteht nicht sozial, sondern infrastrukturell.
Er beantwortet nicht:
– Wer definiert Zugang?
– Wer besitzt die Roboter?
– Wer kontrolliert die Energie?
– Wer setzt die Regeln für KI?
Seine Vision ist technisch radikal – aber sozial unterbestimmt.
Damit steht Musk genau zwischen zwei Polen:
- Aladdin: „Das System hat es berechnet.“
- Musk: „Die Zukunft wird grenzenlos.“
Beide entziehen sich demokratischer Aushandlung –
der eine durch Rechenautorität,
der andere durch Zukunftsverheissung.
Zwischenfazit
Elon Musk + Larry Fink = Technische Verheissung + finanzielle Durchsetzung.
Oder präziser:
- Musk entwirft die Zukunft
– KI, humanoide Robotik, Solarenergie
– Abundance statt Knappheit
– „Es ist technisch möglich“ - Fink operationalisiert die Gegenwart
– Kapitalallokation
– Risikomodelle (Aladdin)
– „Es ist investierbar, steuerbar, skalierbar“
Gemeinsam bilden sie die vollständige Maschine der kommenden Ordnung:
| Musk | Fink |
|---|---|
| Vision | Implementation |
| Möglichkeitsraum | Kapitalfluss |
| Zukunftsversprechen | Gegenwartssteuerung |
| „Es geht“ | „Es lohnt sich“ |
Das Paar steht für eine neue Form von Macht:
Nicht mehr:
„Der Markt entscheidet.“
Sondern:
„Die Zukunft wird gebaut – und gerechnet.“
Das ist kein Zufallsgespräch in Davos.
Das ist die Kopplung von
technischer Utopie
mit
algorithmischer Finanzmacht.
(3) Notizen: André Hoffmann
(Past chat)(Past chat)(Past chat)(Past chat)(Past chat)
Ja. Wir haben dazu bereits gearbeitet, und ich habe Zugriff auf diese Zusammenhänge.
Konkret haben wir festgehalten:
- Wer André Hoffmann ist
– Vizepräsident von Roche
– Unternehmer aus Basel
– Autor von Die neue Natur des Wirtschaftens / The New Nature of Business (2024/25)
– Keine Verbindung zu Albert Hofmann (LSD) - Sein zentraler Dreiklang
Hoffmann formuliert Wirtschaft neu entlang von:- Menschlich – Würde, Sinn, Verantwortung, Mensch nicht als Ressource
- Sozial – Beziehungen, Institutionen, Gemeinwohl, Gerechtigkeit
- Natur – ökologische Grenzen, Mitwelt statt Rohstoff
- Unser damaliger Abgleich
– Hoffmann beantwortet: Was soll berücksichtigt werden?
– Deine Map & Matrix beantworten: Wie sind Bedingungen gemacht?
(Anordnung, Zugang, Legitimation, Durchsetzung)Der Dreiklang benennt Werte und Ebenen.
Map & Matrix machen sichtbar, wo diese Werte strukturell blockiert oder ermöglicht werden. - Politischer Kontext, den wir damals gesehen haben
– „Links“: moralische Kritik an Imperialismus und #TechnoFeudalismus
– „Rechts“: identitärer Rückzug, z. B. „libertärer Katholizismus“
– Dein Ansatz: ein dritter Raum, der nicht moralisiert und nicht identifiziert, sondern Bedingungen gestaltet
In dieser Linie steht auch die heutige Konstellation:
Musk + Fink = technische Vision + finanzielle Durchsetzung
Hoffmann = moralisch-ökologische Re-Orientierung des Wirtschaftens
Die offene Frage bleibt:
Ob Hoffmanns Dreiklang
menschlich – sozial – Natur
strukturell mit Musk/Fink kompatibel gemacht wird
oder ob er nur als humanistischer Kommentar am Rand einer technisch-finanziellen Machtmaschine verbleibt.
Mit Map und Matrix lässt sich Hoffmann nicht inhaltlich, sondern strukturell kritisieren.
Sein Dreiklang bleibt in der Logik der Moderne (≠):
Er benennt Werte, nicht Bedingungen.
- Mit #TheLuhmannMap
Hoffmann operiert vollständig im Modus ≠:
- Er spricht normativ: „Wirtschaft soll menschlich, sozial, naturverbunden sein.“
- Er bleibt im moralischen Diskurs.
- Er setzt auf Bewusstseinswandel, nicht auf Formwandel.
In der Map heisst das:
| Ebene | Hoffmann |
|---|---|
| psy | Appell an Haltung, Sinn, Verantwortung |
| #SOC | Reform bestehender Institutionen |
| bio | Natur als Grenze |
| cyb | praktisch unberührt |
Er verschiebt keine Kulturform.
Er humanisiert ≠, statt den Übergang zu # zu markieren.
Er bleibt im Paradigma:
„Wenn Menschen anders denken, wird Wirtschaft anders.“
Die Map fragt dagegen:
„Welche Formen von Kommunikation, Organisation und Macht machen anderes Handeln überhaupt möglich?“
- Mit #TheStaubBernasconiMatrix
Hoffmann benennt Ziele, aber keine Machtverhältnisse.
Sein Dreiklang sagt nichts dazu:
- Anordnung
Wer ordnet? Wer entscheidet?
– Unternehmen? Staaten? Investoren? - Zugang
Wer hat Zugang zu Ressourcen, Energie, Infrastruktur?
– Bleibt Eigentum privat?
– Werden Commons möglich? - Legitimation
Wer darf festlegen, was „menschlich“ oder „sozial“ ist?
– Ethikkommissionen? Eliten? CEOs? - Durchsetzung
Wie werden diese Werte real?
– Durch Marktanreize?
– Durch Staat?
– Durch freiwillige Einsicht?
Hoffmann ersetzt Machtfragen durch Moralbegriffe.
Die Matrix zeigt:
Ohne Eingriff in Anordnung, Zugang, Legitimation und Durchsetzung bleibt „menschlich – sozial – Natur“ ein ethischer Überbau über denselben Strukturen.
Kurzform der Kritik:
Hoffmann beschreibt, wie Wirtschaft sein soll.
Map & Matrix fragen, unter welchen Bedingungen sie anders werden kann.
Er moralisiert die Moderne.
Du analysierst ihren Formbruch.
(4) Sahra Wagenknecht Wochenschau: Trump, US-Aussenpolitik und die Konsequenzen fuer Europa
Spoiler:
- Trump unterscheidet sich nicht in den Zielen der US-Aussenpolitik, sondern in der Offenheit, mit der er Interessen benennt.
- US-Aussenpolitik war auch vor Trump macht- und interessengeleitet, nicht wertebasiert.
- Seit 1991 führten die USA über 250 militärische Interventionen – meist ohne UN-Mandat.
- Die NATO wurde nach 1990 nicht aufgelöst, sondern bewusst ausgedehnt, um US-Einfluss zu sichern.
- Die NATO-Osterweiterung war wesentlich ein Projekt der US-Rüstungsindustrie.
- Der Ukrainekrieg ist Resultat dieser Strategie und kein historischer Unfall.
- Trumps zentrales geopolitisches Ziel ist nicht Russland, sondern China.
- Der Ukrainekrieg hat für die USA seine strategische Funktion erfüllt und ist nun hinderlich.
- Die geplante Stationierung US-Mittelstreckenraketen in Deutschland dient US-Interessen, nicht europäischer Sicherheit.
- Diese Raketen machen Deutschland zum Primärziel und sind das reale Sicherheitsrisiko.
- Die moralische Empörung über Trump verdeckt die eigentlichen strukturellen Gefahren.
- Europas eigentliche Aufgabe wäre Souveränität: militärisch, digital, energetisch, finanziell.
EINLEITUNG
Just die Politiker, Journalisten und vermeintlichen Experten, deren Verlautbarungen bisher immer so klangen, als funkten sie direkt aus dem Allerwertesten führender US-Politiker, prügeln nun besonders auf den US-Präsidenten ein.
Der Unterschied zwischen Trump und seinen Vorgängern besteht eher darin, dass vor Trump die wahren Beweggründe und Ziele der US-Aussenpolitik hinter einem Nebel aus scheinheiliger Moral und wertigem Säuseln versteckt wurden – während Trump sich diese Mühe weitgehend erspart.
Und wenn all die, die sich jetzt so wortreich über Trump empören, es auch nur ein ganz kleines bisschen ehrlich meinen würden, dann wäre doch das Erste, wogegen sie sich auflehnen und was sie um jeden Preis verhindern müssten, die Stationierung von Raketen auf deutschem Boden, über deren Einsatz ausschliesslich eben jener Donald Trump entscheiden wird.
Das und viel mehr in der heutigen Wochenschau.
EIN UNFRIEDLICHER ANFANG
Das Jahr 2026 hat denkbar unfriedlich begonnen.
Ein venezolanischer Staatschef und seine Frau werden vom amerikanischen Militär in Wildwestmanier gekidnappt, ausser Landes gebracht und ins Gefängnis gesteckt. Gleichzeitig droht der US-Präsident einem europäischen Land mit der Annexion eines Teils seines Territoriums, sollte sich der Anschluss nicht auf kommerziellem Wege regeln lassen.
Auch im Iran, wo sich Menschen mutig gegen das Mullah-Regime wehren und sich Freiheit und bessere Lebensverhältnisse wünschen – aber ganz sicher nicht Krieg und US-Bomben –, ist die Gefahr eines erneuten Militärschlags nicht gebannt.
Nicht zu vergessen: die US-Bomben auf Nigeria über Weihnachten. Trumps Weihnachtsgeschenk.
Ausserdem ein gross angelegter Luftangriff auf 35 Ziele in Syrien am 10. Januar und US-Militärschläge gegen Somalia am 12. des gleichen Monats.
Und während noch vor einem Jahr die meisten davon ausgingen, dass der Ukrainekrieg bald ein Ende finden würde, glauben das derzeit nur noch wenige.
Auch wenn es ein Zeichen der Hoffnung ist, dass Trump dem deutschen Kanzler bei ihrem letzten Telefonat offenbar erklären konnte, dass Russland zu Europa gehört.
Bleibt noch der von Trump vermittelte Waffenstillstand in Gaza. Aber auch der ist instabil, wird von Israel immer wieder gebrochen, und die dem Konflikt zugrunde liegenden Probleme sind vollständig ungelöst.
Dass Trump das US-Verteidigungsministerium vorsorglich wieder in Kriegsministerium umbenannt hat, ist im Lichte all dieser Ereignisse ein Akt politischer Ehrlichkeit.
Und nachdem der US-Präsident auch noch angekündigt hat, die schon heute irrsinnigen militärischen Ausgaben der USA im nächsten Jahr noch einmal um zwei Drittel auf schwindelerregende 1’500 Milliarden Dollar zu steigern, spricht wenig dafür, dass die nächsten Jahre friedlicher werden [1].
Zum Vergleich: Der chinesische Militärhaushalt liegt aktuell bei rund 300 Milliarden, der russische bei etwa 150 Milliarden Dollar.
Die 1’500 Milliarden seien nötig, um ein „Traummilitär“ aufzubauen, hat Trump die Welt wissen lassen. Nun ja: Schon die Kombination von Traum und Militär in einem Wort wäre den meisten Menschen wohl nie in den Sinn gekommen.
Und dabei war Donald Trump doch ursprünglich erklärtermassen angetreten, der Welt Frieden zu bringen und militärische Abenteuer im Ausland zu beenden. Also eine andere Aussenpolitik zu machen als Biden oder Obama. So jedenfalls das Credo der MAGA-Bewegung.
Und genau das will ich heute näher beleuchten:
- Wodurch unterscheidet sich Trumps Aussenpolitik von der seiner Vorgänger?
- Was sind Trumps Motive und Ziele?
- Und was folgt daraus für Deutschland und Europa?
DAS MEDIENMÄRCHEN
Das Märchen, das uns der aktuelle mediale und politische Mainstream in Deutschland zur Frage der Unterschiede zwischen Trump und Präsidenten wie Biden, Obama, Bush oder Clinton auftischt, ist schlicht. Es geht so:
Vor Trump stand die amerikanische Aussenpolitik auf der Seite des Guten, der Moral und der westlichen Werte und hat selbstlos, aufrecht und heldenhaft das Völkerrecht und die regelbasierte Ordnung gegen die Schurken und Autokraten dieser Welt verteidigt.
Mit dieser Eigenschaft standen die Vereinigten Staaten natürlich auch an der Seite Europas und haben mit all ihren Militärstützpunkten, Atomsprengköpfen und Soldaten für unseren Schutz gesorgt.
Seit Trump ist alles anders. Mit ihm hat die amerikanische Aussenpolitik die Seite gewechselt. Jetzt steht auch der amerikanische Präsident auf der dunklen Seite der Macht.
Statt hoher Werte verfolgt er egoistische Ziele und kummelt mit den Schurken. Ja, er sei selber einer von ihnen. Kaum besser als Putin.
So erschien der Spiegel schon im Dezember mit dem Cover „Zwei Schurken, ein Ziel“ und düsteren Porträts von Trump und Putin [3]. Im Januar legte das Magazin mit „Wie uns Trumps Imperialismus bedroht“ nach [1].
Also: Imperialismus und Völkerrechtsbruch – das ist jetzt nicht mehr nur Russland, sondern erst seit Trump auch Amerika.
Geradezu aktivistisch ruft die FAZ ihre Leser auf: „Trump und das Völkerrecht. Wer gegen selbstherrliche Gewalt ist, muss aufstehen“ [2].
Und es fällt auf: Just die Politiker, Journalisten und vermeintlichen Experten, deren Verlautbarungen bisher immer so klangen, als funkten sie direkt aus dem Allerwertesten führender US-Politiker, prügeln besonders auf den US-Präsidenten ein.
„Mit Trump zerbröselt die regelbasierte internationale Ordnung“, klagt der frühere Grünen-Chef Omid Nouripour.
„Die USA verlassen mit Präsident Trump endgültig die regelbasierte Ordnung, die uns seit 1945 geprägt hat“, empört sich Roderich Kiesewetter [5].
Und selbst Marie-Agnes Strack-Zimmermann vergleicht Trump mit Putin.
Friedrich Merz findet eine politische Bewertung der Entführung Maduros zwar zu komplex, belehrt uns aber: Statt sich am Völkerrecht zu orientieren, gehe die US-Politik nun hin zu einer reinen Macht- und interessengeleiteten Politik [5].
Klar. Macht und Interessen. Vor Trump wäre doch nie ein Politiker unseres Wertewestens auf die Idee gekommen, daran seine Politik auszurichten.
Der angebliche Militärexperte Carlo Masala versucht bei Illner sogar, das Publikum mit der These zu verblöden, es gehe Trump noch nicht einmal um wirtschaftliche oder sicherheitspolitische Interessen, sondern schlicht darum, das Territorium der USA zu erweitern [6].
Klar doch. Für Trumps Ego ist sein Land einfach zu klein.
DIE HISTORISCHE REALITÄT
Es ist eine unglaubliche Schmierengroteske.
Denn es stimmt zwar: Trumps Grössenwahn und imperiales Gehabe sind besonders dreist, seine Ansagen ungewöhnlich offen und brutal.
Einen unliebsamen ausländischen Staatschef mal eben zu kidnappen, gehörte bisher tatsächlich nicht zum üblichen Instrumentarium der US-Aussenpolitik. Früher hat man jene, die man loswerden wollte, im Zuge militärischer Eingriffe meist gleich umgebracht.
Aber das Märchen von der US-Aussenpolitik vor Trump als Verteidigerin von Völkerrecht und Werten im Rahmen einer regelbasierten Weltordnung – und dann kommt plötzlich ein Rüpel ins Weisse Haus, der das alles umwirft – dieses Märchen ist so verlogen, dass man sich ernsthaft fragt, ob es denen, die uns diesen Humbug jeden Tag erzählen, nicht wenigstens ein bisschen peinlich ist.
Der amerikanische Kongress zählt allein für die Jahre 1991 bis 2022 weltweit 251 amerikanische Militärinterventionen [7].
Für die wenigsten davon gab es einen UN-Beschluss oder ein UN-Mandat. Und sie erfolgten auch nicht auf Wunsch der betreffenden Staaten. Das heisst: Sie waren klar völkerrechtswidrig.
Der erste Krieg in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg war übrigens nicht der Ukrainekrieg, sondern der völkerrechtswidrige Jugoslawien- oder Kosovokrieg, an dem damals sogar die Bundeswehr beteiligt war und der über 10’000 Menschen das Leben gekostet hat.
Noch unendlich viel blutiger und grauenvoller waren der Afghanistankrieg, der Irakkrieg, der Libyenkrieg und der Syrienkrieg. Also die sogenannten Antiterrorkriege, denen sehr wahrscheinlich über eine Million Menschen zum Opfer gefallen sind.
Keiner dieser Kriege war völkerrechtlich legitimiert. In keinem dieser Kriege ging es um Werte und Moral.
Stattdessen ging es um Geopolitik, um internationale Einflusssphären und meist auch um den Zugang zu wichtigen Rohstoffen und lukrativen Geschäftsmöglichkeiten.
Also um genau das, worum es Trump in Venezuela und Grönland auch geht.
Nicht zufällig waren viele der Machthaber, gegen die sich die US-geführten Kriege der letzten drei Jahrzehnte richteten, Verbündete Russlands. Das galt mindestens für Milosevic, Saddam, Gaddafi und Assad.
Ihr Sturz sollte nicht Demokratie schaffen, sondern Verbündete Washingtons an die Macht bringen und die betreffenden Länder unter amerikanischen Einfluss bringen.
Wirklich gelungen ist das oft nicht. Denn im Zuge des Regime Change verschwanden zwar die alten Machthaber, an ihre Stelle traten aber Chaos, Systemzerfall und Dauerbürgerkrieg – oder Islamisten wurden an die Macht gespült.
Aber unabhängig vom letztlichen Erfolg ging es, genau wie bei Trump, auch schon bei den Kriegen von Clinton, Bush, Obama und Biden um den Sturz unliebsamer Regime.
Das war naturgemäss nur unter Missachtung des UN-Sicherheitsrates möglich, denn Russland hätte dem nie zugestimmt.
Und wie bei Trump ging es meist auch um Rohstoffe: im Irak, in Syrien und in Libyen, so wie jetzt in Venezuela zum Beispiel ums Öl.
Seit einigen Jahren steht zusätzlich der Zugriff auf Kobalt, Lithium, Seltene Erden und strategische Mineralien ganz oben auf der Agenda.
Im Hinblick auf den Einsatz militärischer Mittel und die dahinter stehenden Ziele gibt es also überhaupt keinen Unterschied zwischen Trump und seinen Vorgängern.
Wenn US-Bomben fielen, ging es nie um Werte, sondern immer um Interessen.
Der Unterschied besteht darin, dass diese Interessen früher hinter Moralrhetorik versteckt wurden – und Trump sich diese Mühe erspart.
GRÖNLAND UND DIE „EHRLICHKEIT“
Nehmen wir Grönland.
Die Vorgänger Trumps hätten ganz sicher nicht gesagt: Wir wollen Grönland haben, weil dort wichtige Rohstoffe lagern.
Sie hätten stattdessen erklärt, man müsse die von den Dänen unterdrückten Inuit schützen, die sich schon lange eine Unabhängigkeit von Dänemark wünschten.
In seiner Brutalität und Rüpelhaftigkeit ist Trump insofern schlicht ehrlicher als seine Vorgänger.
Und genau das gefällt unseren Transatlantikern nicht. Denn Trumps Vorgehen macht es fast unmöglich, uns weiterhin das Märchen von der wertebasierten Ordnung und der selbstlosen Schutzmacht USA zu erzählen.
Wobei auch Trump von seinen Beratern offenbar immer wieder nahegelegt bekommt, auf die Lüge heroischer Ziele nicht ganz zu verzichten.
In Venezuela wurde zunächst behauptet, man habe lediglich ein Drogenkartell bekämpft, und Maduro sei als Boss eines Drogenschmugglerrings festgenommen worden [4].
Oder in Zentralafrika bombardiert Trump angeblich nur wegen der „fiesen Islamisten“, die es dort tatsächlich gibt.
Nur: Das ist nicht der Grund.
Denn fiese Islamisten gibt es auch in Katar und Saudi-Arabien. Dem saudischen König würde man trotzdem keine Rakete in den Palast schiessen, egal wie viele Menschen er köpfen lässt.
Konsequent ehrlich ist also auch Trump nicht.
Aber im Grossen und Ganzen spricht er klarer aus, was er will und worum es geht.
Und das ärgert die Transatlantiker, weil es die Forderung, Europa müsse sich endlich aus seiner hündischen Unterwürfigkeit unter die US-Politik lösen und auch digital und finanziell souverän werden, massiv verstärkt.
NATO, RUSSLAND UND DER WEG IN DEN UKRAINEKRIEG
Damit komme ich zur nächsten Frage, die in der Trump-Erzählung eine zentrale Rolle spielt:
Waren die USA vor Trump, zumindest gegenüber ihren europäischen Verbündeten, tatsächlich eine uneigennützige militärische Schutzmacht – während der böse Trump das aufgekündigt hat?
Und müssen wir deshalb so stark aufrüsten, weil wir plötzlich ganz alleine dastehen?
Um es kurz zu machen: Auch das ist Quatsch.
Ich lasse die Zeit der Systemkonfrontation und des Kalten Krieges beiseite, in der sich zwei hochgerüstete Blöcke gegenüberstanden. Ich schaue mir ausschliesslich die Situation ab Beginn der 1990er Jahre an.
Gorbatschow hatte den Kalten Krieg beendet, die russischen Truppen aus ganz Osteuropa zurückgezogen und den Weg für die deutsche Wiedervereinigung freigemacht. Den Warschauer Pakt gab es nicht mehr.
Nicht nur in Moskau, sondern auch in vielen europäischen Hauptstädten wurde daraus der Schluss gezogen, dass es an der Zeit sei, auch die NATO aufzulösen, die amerikanischen GIs nach Hause zu schicken und eine neue europäische Friedensordnung aufzubauen.
Ein gemeinsames Haus Europa, wie Gorbatschow das nannte – mit Russland als Teil.
Diese neue Ordnung sollte sich durch gemeinsame Sicherheit, intensive wirtschaftliche Zusammenarbeit – Stichwort russische Rohstoffe und europäische Technologie – und ein Ende militärischer Konfrontation auszeichnen.
Es war eine schöne und richtige Idee. Und man möchte gar nicht darüber nachdenken, wo wir heute stünden, wenn sich diese Idee durchgesetzt hätte und die Europäer den Mut gehabt hätten, diesen Weg zu gehen.
Woran scheiterte dieses Projekt?
Nicht am Kreml, sondern an den Vereinigten Staaten.
Washington hatte auffällig wenig Interesse daran, sich das Geld zu sparen und Europa nicht mehr „beschützen“ zu müssen. Im Gegenteil: Die USA taten alles, um genau diese Entwicklung zu verhindern.
Festgehalten ist das in den US-Verteidigungsrichtlinien von 1992 [8]. Dort heisst es sinngemäss, man müsse verhindern, dass sich auf Europa zentrierte Sicherheitsvereinbarungen entwickeln, die die NATO untergraben könnten.
Also: Kein Haus Europa. Keine neue europäische Sicherheitsarchitektur. Stattdessen Aufrechterhaltung der NATO und der amerikanischen Militärbasen in Europa.
Diese Strategie ist als Wolfowitz-Doktrin bekannt, benannt nach Paul Wolfowitz, einem neokonservativen US-Strategen, der sie mitformuliert hatte.
Die NATO wurde aufgrund dieser amerikanischen Bemühungen nicht nur in die neue Zeit hinübergerettet, sie wurde sogar Schritt für Schritt ausgedehnt – um die ehemaligen Mitglieder des Warschauer Paktes.
Und sie rückte damit immer näher an die russische Grenze heran.
Warum wollten die Amerikaner die NATO unbedingt erhalten, obwohl der Kalte Krieg beendet war?
Auch dahinter standen geostrategische – und übrigens auch wirtschaftliche – Interessen.
Geostrategische, weil die Existenz von Militärbasen und militärischer Infrastruktur politischen Einfluss sichert. NATO-Gebiet ist US-Einflusszone. Und je grösser die NATO, desto mächtiger ihre Führungsmacht.
Genau deshalb musste Russland draussen bleiben. Denn die Integration einer zweiten grossen Militär- und Atommacht in das Bündnis hätte die Kräfteverhältnisse verändert und die amerikanische Führungsrolle zumindest relativiert.
Deshalb blieb auch der von Russland tatsächlich einmal ins Gespräch gebrachte Gedanke, selbst Mitglied der NATO zu werden, ohne Erfolg.
Die NATO war immer auch gegen Russland gerichtet. Und deshalb reagierte der Kreml mit wachsender Aversion, ab 2007 mit immer wütenderem Protest und mit Drohungen.
Am Ende dieser Entwicklung stand der Krieg in der Ukraine – eine Konfrontation, vor der viele kluge amerikanische Diplomaten eindringlich gewarnt hatten. Vom Strategen George Kennan bis zu William Burns, der bis vor Kurzem noch CIA-Chef war.
DIE RÜSTUNGSINDUSTRIE UND DIE NATO-OSTERWEITERUNG
Was wenige wissen: Die NATO-Osterweiterung war zunächst vor allem ein Projekt der amerikanischen Rüstungsindustrie.
Es war ihr gelungen, die zunächst kritische Stimmung in der amerikanischen Politik pro Erweiterung zu drehen – und zwar aus handfesten Geschäftsinteressen.
Mitte der 1990er Jahre waren die Rüstungsausgaben in den USA deutlich zurückgegangen. Die Waffenschmieden hatten Probleme, ihre Auftragsbücher zu füllen.
Um die Umsätze wieder auf Wachstumskurs zu bringen, mussten neue Kunden her. Und genau die sollte die Osterweiterung der NATO liefern.
Es war ein Rüstungslobbyist von Lockheed Martin, Bruce Jackson, der das „US Committee to Expand NATO“ gründete [9].
Jackson brüstete sich später, dass in der ersten Hälfte der 1990er Jahre in den USA rund 70 Prozent der Zeitungsherausgeber und 80 Prozent der Denkfabriken gegen eine NATO-Erweiterung gewesen seien – auch aus Sorge vor der Reaktion Moskaus. Und dass es ein erheblicher Arbeitsaufwand gewesen sei, diese Stimmung zu drehen.
„Wir organisierten über tausend Treffen mit Senatoren und Parlamentariern“, erzählte er freimütig.
Allein 1996 und 1997 gaben die sechs grössten Waffenhersteller der USA 51 Millionen Dollar aus, um die Politik in diesem Sinne zu beeinflussen [10].
Und 51 Millionen Dollar waren damals sehr viel mehr Geld als heute.
Aber es war eine lohnende Investition.
„Waffenhersteller sehen eine Goldgrube im Vorantreiben der NATO-Erweiterung“, titelte die New York Times im Sommer 1997 [11] – eine Woche bevor die NATO-Mitgliedstaaten der Erweiterung endgültig zustimmten.
Eine Goldgrube war das deshalb, weil jedes Neumitglied sich an die Regeln der NATO halten musste, die westliche Waffen und Ausrüstung vorschreiben. Die osteuropäischen Länder hatten diese Ausrüstung damals noch nicht.
Deshalb folgte jedem Erweiterungsschritt ein massiver Waffenkauf – vor allem in den Vereinigten Staaten.
Und damit diese Länder das überhaupt bezahlen konnten, wurden sie vom Pentagon mit Milliardenkrediten versorgt, die der amerikanische Steuerzahler absicherte.
So wuchsen im Gleichschritt mit der NATO auch die Umsätze der amerikanischen Rüstungskonzerne.
Und je angespannter dadurch das Verhältnis zu Russland wurde, desto stärker wurde das selbst zu einem eigenständigen Grund für weitere Aufrüstung.
Am Ende dieses Prozesses stehen wir heute:
Mit einem wahnwitzigen NATO-Rüstungsziel von fünf Prozent der Wirtschaftsleistung.
Mit einem seit fast vier Jahren tobenden blutigen Krieg in der Ukraine.
Und mit einer real wachsenden Kriegsgefahr für ganz Europa.
Also von wegen Schutzmacht.
Danke für nichts.
ZIEHT SICH TRUMP AUS EUROPA ZURÜCK?
Stimmt es also überhaupt, dass Trump sich nun auch noch aus Europa zurückziehen und uns mit dem grimmigen Russen und all seinen Atomraketen allein lassen will?
Tatsächlich beruft sich Trump zuweilen auf die sogenannte Monroe-Doktrin, die zwei Maximen hatte:
Die USA werden nicht dulden, dass Europa sich in die Angelegenheiten jenseits des Atlantiks einmischt.
Und die US-Politik wird sich zugleich aus allen europäischen Streitigkeiten heraushalten.
Aber ist das wirklich das Leitprinzip der neuen US-Sicherheitsstrategie?
Nicht wirklich.
Dort wird vielmehr als Ziel formuliert, die amerikanische Vorherrschaft in der westlichen Hemisphäre wiederherzustellen und das Heimatland sowie den Zugang zu Schlüsselregionen in der gesamten Welt zu schützen [12].
Und es gibt die Ansage: Man werde hemisphärischen Konkurrenten die Möglichkeit verweigern, Streitkräfte in der eigenen Hemisphäre zu stationieren.
Das heisst ganz klar: Finger weg von Mittel- und Lateinamerika.
Man kann diese Vehemenz als Rückgriff auf die Monroe-Doktrin deuten. Doch der Hinweis gilt nicht so sehr den EU-Europäern, sondern vor allem Russland und China.
Auch bei der Entführung Maduros ging es nicht nur ums Öl. Dringenden Handlungsbedarf sah Trump wohl vor allem deshalb, weil Russland im Mai 2025 eine strategische Partnerschaft mit Venezuela eingegangen war, die sich auch auf Sicherheitsfragen erstreckte.
Kurz vor seiner Festnahme hatte sich Maduro zudem mit einer chinesischen Delegation getroffen, um eine vertiefte Partnerschaft zu diskutieren.
Dass ein grosser Teil der venezolanischen Ölexporte nach China ging, mag Trump geärgert haben.
Dass sich dort eine militärische Zusammenarbeit anbahnte, war für ihn das eigentliche No-Go.
Aber besagt die neue Sicherheitsstrategie nun, dass die USA sich freiwillig aus Europa zurückziehen?
Nein, natürlich nicht.
Make America Great Again heisst, den amerikanischen Einfluss in der Welt wieder auszubauen – nicht, sich auf den eigenen Kontinent zu beschränken.
Das Einzige, was Trump beenden will, sind Kriege, die ihm nichts bringen, die nur Geld kosten und sich für die USA nicht mehr gewinnen lassen.
Deshalb hatte er in seiner ersten Amtszeit die Weichen für einen Abzug aus Afghanistan gestellt.
Für Trump war auch der Irakkrieg ein grosser Fehlschlag – nicht wegen der vielen Opfer, sondern weil die USA enorme Summen investiert und Soldaten geopfert haben, ohne ihre Ziele zu erreichen.
Heute steht mehr als die Hälfte der irakischen Ölproduktion direkt oder indirekt unter dem Einfluss chinesischer Ölfirmen.
Und genau diese Art Kriege will Trump nicht mehr führen.
Deshalb will er auch den Ukrainekrieg beenden.
Nicht aus Menschenliebe oder Empathie mit den täglich getöteten Soldaten und der geschundenen Zivilbevölkerung, sondern weil sich dieser Krieg für die USA nicht mehr gewinnen lässt.
Die Russen rücken vor, langsam, aber stetig.
Und das Einzige, was sie noch aufhalten könnte, wäre ein direktes Eingreifen der NATO.
Doch das würde die Gefahr eines verheerenden Weltbrands und eines atomaren Grosskonflikts heraufbeschwören – eines Konflikts, der auch die USA auslöschen könnte.
Und ganz davon abgesehen hat dieser Stellvertreterkrieg für die USA seinen Zweck längst erfüllt.
Russland ist geschwächt – wenn auch nicht so isoliert, wie man gehofft hatte.
Das Verhältnis zwischen EU-Europa und Russland ist zerrüttet und wird sich auf absehbare Zeit nicht reparieren lassen. Die Wirtschaftsbeziehungen sind weitgehend gekappt.
Die europäische Wirtschaft wurde von billiger Energie abgeschnitten.
Vor allem die deutsche Wirtschaft, die Trump in seiner ersten Amtszeit noch mit ihren Exportüberschüssen geärgert hatte, liegt am Boden.
Milliardenschwere Lieferverträge für sündhaft teures amerikanisches Fracking-Gas sind unter Dach und Fach.
Europa befindet sich in einem beispiellosen Aufrüstungsfieber, das die Auftragsbücher amerikanischer Rüstungsschmieden füllt – und das nicht enden wird, wenn am Dnipro die Waffen schweigen.
Also: Mission accomplished.
Jetzt bringt dieser Krieg nichts mehr.
Im Gegenteil: Er hat einen höchst unerwünschten Nebeneffekt.
Er stärkt China, indem er Russland wirtschaftlich und sicherheitspolitisch an dessen Seite zwingt.
Aber nicht Russland, sondern China ist heute der Hauptgegner der Vereinigten Staaten.
CHINA ALS HAUPTGEGNER
Im Unterschied zu seinen Vorgängern hat Trump aus dieser Situation alle Konsequenzen gezogen.
Make America Great Again heisst vor allem: den globalen Einfluss Chinas zurückdrängen.
In den Jahren nach dem Ende des Kalten Krieges war die US-Aussenpolitik primär gegen Russland gerichtet.
Die NATO-Osterweiterung und die Interventionskriege haben den globalen Einfluss Russlands immer weiter zurückgedrängt und den der Vereinigten Staaten im Gegenzug ausgeweitet.
Tatsächlich beschränkt sich Russland heute weitgehend darauf, seinen Einfluss an seiner unmittelbaren Peripherie zu verteidigen. Das tut es vehement und auch unter Einsatz militärischer Mittel – wie in der Ukraine.
Aber Russland konnte oder wollte weder Assad noch Maduro schützen. Jenseits angrenzender Länder hat es kaum noch internationale Einflusszonen oder Militärstützpunkte. Selbst der Fortbestand der syrischen Basen, der letzten grösseren, ist seit dem Sturz Assads ungewiss.
In der Auseinandersetzung mit Russland sind die USA faktisch als Sieger vom Platz gegangen.
Aber das war nicht das Ende der Geschichte.
Dann kam der wirtschaftliche Aufstieg Chinas zur neuen globalen Macht – in einer Form und Geschwindigkeit, die noch vor zwanzig Jahren kaum jemand für möglich gehalten hätte.
China hat seinen globalen Einfluss vor allem mit ökonomischen, nicht mit militärischen Mitteln ausgeweitet.
Und es war auch deshalb so ausserordentlich erfolgreich, weil die USA und der gesamte selbsternannte Wertewesten in vielen Teilen der Welt massiv Vertrauen verspielt hatten:
durch völkerrechtswidrige Interventionskriege,
durch Doppelmoral,
durch die Rücksichtslosigkeit ihrer auf kurzfristigen Gewinn getrimmten Konzerne,
und seit einiger Zeit auch durch immer weiter ausufernde Wirtschaftssanktionen.
Genau in diese Lücke ist China hineingestossen – und das mit grossem Erfolg.
Das Beispiel Irak zeigt es besonders deutlich:
Selbst dort, wo die USA ihren Einfluss explizit mittels militärischer Regime-Change-Operationen ausweiten wollten, sind am Ende die Chinesen präsent.
Die Vereinigten Staaten haben auch unter Trump nichts weniger im Sinn, als sich auf den amerikanischen Kontinent zurückzuziehen.
Sie unterhalten heute rund 750 Militärstützpunkte quer über den Globus.
Sie investieren Milliarden in gigantische Rechenzentren für militärische KI-Projekte und in ihre Infrastruktur im All.
Sie wollen ihren globalen Einfluss zurückholen und China zurückdrängen.
Das ist Trumps zentrales Ziel.
Und dieses Ziel – nicht Trumps mangelhafte Moral oder sein durchaus unterstützenswerter Versuch, den Ukrainekrieg zu beenden – ist das eigentlich Gefährliche.
Denn es geht nicht um Rückzug, sondern um eine neue Phase globaler Machtausdehnung.
RAKETEN IN DEUTSCHLAND
Trump hält deshalb auch an dem unter Biden begonnenen strategischen Grossprojekt fest, amerikanische Mittelstreckenraketen an fünf globalen Standorten zu stationieren [12].
Zwei in Ostasien mit Blick auf China.
Eine in der Arktis.
Eine in den USA.
Und eine – ausgerechnet – in Deutschland.
Diese Raketen sollen 2026 kommen.
Olaf Scholz hat damals seine Zustimmung gegeben.
Der Bundestag wurde nie gefragt.
Die deutsche Bevölkerung schon gar nicht.
Und diese Raketen werden nicht zu unserem Schutz stationiert, sondern erklärtermassen zur Verteidigung der Sicherheit der Vereinigten Staaten.
Und wenn all jene, die sich jetzt so wortreich über Trump empören, es auch nur ein ganz kleines bisschen ehrlich meinen würden, dann wäre doch das Erste, wogegen sie sich auflehnen und was sie um jeden Preis verhindern müssten, genau diese Stationierung von Raketen auf deutschem Boden.
Raketen, über deren Einsatz ausschliesslich eben jener Donald Trump entscheiden wird.
Raketen, die Deutschland zum bevorzugten Angriffsziel machen.
Raketen, deren Einsatz einen Gegenschlag auslösen würde – nach dem es möglicherweise kein Deutschland mehr gibt.
Und doch ist es bemerkenswert:
Keiner dieser transatlantischen Trump-Kritiker redet über diese Raketen.
Obwohl sie das Sicherheitsrisiko Nummer eins für dieses Land darstellen.
Und obwohl man sie – noch – verhindern könnte.
Also sollten wenigstens wir darüber reden.
Denn die Stationierung dieser Raketen zu verhindern, wäre ungleich wichtiger als jede wohlfeile moralische Empörung über Trumps Rüpeleien.
Sie wäre vielleicht überlebenswichtig für Deutschland.
Genauso notwendig wäre es,
an einer souveränen digitalen Infrastruktur Europas zu arbeiten,
ein eigenes europäisches Zahlungssystem aufzubauen,
und alles zu tun, um uns nicht noch tiefer in eine gnadenlose Energieabhängigkeit von den Vereinigten Staaten zu begeben.
Das wären die richtigen Schlussfolgerungen.
Die deutsche Politik hätte sie längst ziehen müssen.
Soweit für heute.
Ich bin gespannt, wie ihr das seht. Schreibt mir eure Meinung in die Kommentare.
QUELLEN
[1] Spiegel: „Trump will seine ‚Traum-Armee‘ – für 1,5 Billionen Dollar“
[2] FAZ: „Trump und das Völkerrecht: Wer gegen selbstherrliche Gewalt ist, muss aufstehen“
[3] Spiegel: „Von ‚Putsch‘ bis ‚Signal der Hoffnung‘“
[4] Focus: „Venezuela: Bundesregierung besorgt – Kritik aber auch Zuspruch für USA“
[5] WELT: „Merz kritisiert US-Kurs Richtung ‚reiner Macht- und interessengeleiteten Politik‘“
[6] ZDF heute: „Baerbock bei Illner: ‚Charta der UN ist kein Wunschkonzert‘“
[7] NachDenkSeiten: „Forschungsdienst des Kongresses: USA haben seit 1991 weltweit 251 militärische Interventionen durchgeführt …“
[8] United States Department of Defense: „Defense Planning: Guidance FY 1994–1999“
[9] Global Dashboard: „Bruce Jackson: the man who took NATO east“
[10] New York Times: „Arms Contractors Spend To Promote An Expanded NATO“
[11] New York Times: „Arms Makers See Bonanza In Selling NATO Expansion“
[12] NachDenkSeiten: „Wenn der Westen plötzlich von ‚Trump-Regime‘ spricht: Die neue Nationale Sicherheitsstrategie der USA“
Mir fehlt:
Aby Warburg revisited: Das Schlangenritual, ausformuliert am Bodensee bei Prof. Binswanger (so?)

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