Warum warum? Wozu wozu?

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Anlass zu diesem Eintrag:

Summary/Spoiler/TL;DR

  • «Was meinst du eigentlich, wenn du X sagst?» beobachtet, welche Unter­schei­dung gemacht wird.
  • «Wozu X?» beobachtet, was diese Unter­schei­dung tut.
  • «Was tun?» macht die näch­ste Unter­schei­dung.

Die Verbindung der Leit­fra­gen «Wer? – Was? – Warum? – Wozu?», die Bes­tim­mung des Abschlusses der Kul­tur­form der Mod­erne über ((kompliziert)komplex), die drei Ebe­nen Axiome – #TheLuh­man­n­Map – #TheS­taub­Ber­nascon­i­Ma­trix sowie ihre Verbindung mit #NextSo­ci­ety und #Com­moroque gehören zur auf dissent.is entwick­el­ten Mod­el­lierung.

bitte ver­ste­he diesen ein­trag nicht zu schnell… hier gibts nichts zu sehen und nichts zu lesen ;-)

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Wozu wozu?

«Wozu?» beze­ich­net inner­halb der auf dissent.is entwick­el­ten Mod­el­lierung die Leit­frage ein­er möglichen #NextSo­ci­ety – ein­er näch­sten Kul­tur­form, die #Com­moroque genan­nt wird.

Aus­gangspunkt sind drei miteinan­der ver­bun­dene Ebe­nen:

Axiome der Axiome
→ unter­schei­den – beobacht­en – han­deln

#TheLuh­man­n­Map
→ Sys­tem­ref­eren­zen und Kul­tur­for­men beobacht­en

#TheS­taub­Ber­nascon­i­Ma­trix
→ soziale Ver­hält­nisse para­metrisieren

Gemein­sam bilden sie ein rekur­sives Muster: Unter­schei­dun­gen wer­den beobachtet, ihre Möglichkeit­en para­metrisiert und durch weit­ere Oper­a­tio­nen verän­dert. «Wozu?» fragt inner­halb dieses Musters nicht primär nach Ursache oder Wahrheit, son­dern danach, was eine Form ermöglicht und welche anderen For­men möglich wären.

Die Axiome der Axiome

Die grundle­gen­den Set­zun­gen laut­en:

  1. Man kann nicht nicht unter­schei­den.
  2. Man kann nicht nicht beobacht­en.
  3. Man kann nicht nicht han­deln.

Die drei Aus­sagen beze­ich­nen keine aufeinan­der­fol­gen­den Arbeitss­chritte. Sie beschreiben miteinan­der ver­schränk­te Oper­a­tio­nen.

  • Beobacht­en set­zt Unter­schei­dun­gen voraus.
  • Unter­schei­dun­gen wer­den durch Beobach­tung aktu­al­isiert.
  • Und jede aktu­al­isierte Unter­schei­dung verän­dert die Bedin­gun­gen weit­er­er Beobach­tung und Kom­mu­nika­tion.

Unter­schei­den ist damit bere­its Han­deln.

Die Axiome behaupten nicht, eine beobachterun­ab­hängige Welt abzu­bilden. Sie explizieren die Set­zun­gen, von denen jede weit­ere Beobach­tung aus­ge­ht.

#TheLuhmannMap

#TheLuh­man­n­Map überträgt diese Axiome in einen Beobach­tungsraum.

Ihre ver­tikale Achse unter­schei­det vier Ebe­nen autopoi­etis­ch­er Sys­teme:

  • #bio → Leben / Stof­fwech­sel
  • #psy → Bewusst­sein
  • #soc → Kom­mu­nika­tion
  • #cyb → Code

Die Sys­teme wer­den über ihre je eige­nen Oper­a­tio­nen unter­schieden. Ein Gedanke ist keine Kom­mu­nika­tion; Kom­mu­nika­tion ist kein Stof­fwech­sel; Code ist kein Bewusst­sein.

Für die Sozi­olo­gie ist #soc die entschei­dende Sys­tem­ref­erenz. Gesellschaft wird als Zusam­men­hang von Kom­mu­nika­tion beobachtet.

Die hor­i­zon­tale Achse unter­schei­det Kul­tur­for­men über ihre Leit­fra­gen:

− → Wer?
+ → Was?
≠ → Warum?
# → Wozu?

#TheLuh­man­n­Map verbindet damit zwei Fra­gen:

  • Wo wird beobachtet? (inten­tionale Frage)
  • In welch­er Kul­tur­form wird beobachtet?

#TheStaubBernasconiMatrix

#TheS­taub­Ber­nascon­i­Ma­trix para­metrisiert inner­halb von #soc For­men sozialer Ord­nung und Macht.

Sie unter­schei­det vier Dimen­sio­nen:

  • Anord­nung:
    ((Hierarchie)Egalitarismus)
  • Zugang:
    ((beschränk­ter Zugang)universeller Zugang)
  • Legit­i­ma­tion:
    ((Rechtfertigung)Skepsis)
  • Durch­set­zung:
    ((autori­ta­tive Durchsetzung)Freiwilligkeit)

Die jew­eili­gen Seit­en wer­den nicht als «richtig» und «falsch» behan­delt. Die Matrix beobachtet Span­nungsver­hält­nisse und macht sicht­bar, wie soziale For­men durch Verän­derun­gen dieser Para­me­ter anders kon­stel­liert wer­den kön­nen.

Ihre Möglichkeit­shor­i­zonte wer­den auf dissent.is mit

  • Anar­chie
  • Com­mons
  • Inklu­sion und
  • Paz­i­fis­mus

beze­ich­net. Damit konkretisiert die Matrix die durch Kontin­genz eröffnete Frage:

Wenn es auch anders sein kön­nte – woran lässt sich arbeit­en?

Das gemeinsame Muster

Die drei Ebe­nen bauen nicht ein­fach hier­ar­chisch aufeinan­der auf.

Sie wieder­holen dieselbe oper­a­tive Fig­ur in unter­schiedlich­er Auflö­sung:

Axiome der Axiome
→ Es wird unter­schieden, beobachtet und gehan­delt.

#TheLuh­man­n­Map
→ Es wird beobacht­bar, wo und in welch­er Kul­tur­form unter­schieden wird.

#TheS­taub­Ber­nascon­i­Ma­trix
→ Es wird para­metrisiert, wie soziale Unter­schei­dun­gen Möglichkeit­en öff­nen oder schliessen.

Das gemein­same Muster lautet:

UNTERSCHEIDUNG
→ BEOBACHTUNG
→ MÖGLICHKEIT
→ OPERATION
→ NEUE UNTERSCHEIDUNG

Dieser Zusam­men­hang ist rekur­siv. Eine Oper­a­tion verän­dert die Bedin­gun­gen, unter denen die näch­ste Beobach­tung stat­tfind­et.

Kulturformen und Leitfragen

Kul­tur­for­men wer­den dabei nicht primär als abgeschlossene his­torische Epochen ver­standen. Sie beze­ich­nen unter­schiedliche For­men gesellschaftlich­er Beobach­tung, die weit­er­hin ver­füg­bar bleiben kön­nen.

(-) «Wer?»
→ Zuge­hörigkeit, Abstam­mung, Iden­tität

(+) «Was?»
→ Ord­nung, Prinzip­i­en, Wahrheit

(≠) «Warum?»
→ Kri­tik, Analyse, Reflex­ion, Kausal­ität

(#) «Wozu?»
→ Funk­tion, Beziehung, Möglichkeit, Nav­i­ga­tion, Para­metrisierung

Die Leit­frage ein­er Kul­tur­form beze­ich­net damit nicht alles, was inner­halb dieser Kul­tur­form gefragt wer­den kann. Sie markiert vielmehr eine charak­ter­is­tis­che Form, unter der Welt und soziale Ord­nung beobachtet wer­den.

Die Kulturform der Moderne

Die Kul­tur­form der Mod­erne wird in dieser Mod­el­lierung durch die «Warum?»-Frage charak­ter­isiert.

Warum ist etwas so?

Welche Ursache erzeugt welche Wirkung?

Wie lässt sich ein Zus­tand erk­lären?

Damit verbindet sich ein ausseror­dentlich leis­tungs­fähiges Mod­ell:

Beobach­tung
→ Analyse
→ Erk­lärung
→ Entschei­dung
→ Umset­zung

Die Mod­erne kann kom­plizierte Zusam­men­hänge zer­legen, kausal rekon­stru­ieren und gezielt verän­dern.

Ihr erken­nt­nis­the­o­retis­ch­er Abschluss wird dort ange­set­zt, wo dieses Mod­ell selb­st die Unter­schei­dung

((kompliziert)komplex)

akzep­tieren muss.

((kompliziert)komplex)

Kom­plizierte Zusam­men­hänge kön­nen aus sehr vie­len Ele­menten beste­hen und den­noch prinzip­iell zer­legt, rekon­stru­iert und berech­net wer­den.

Kom­plexe Zusam­men­hänge sind rela­tion­al, rekur­siv, zus­tandsab­hängig, geschichtsab­hängig und dynamisch.

Heinz von Foer­sters Unter­schei­dung zwis­chen triv­ialen und nicht­triv­ialen Maschi­nen bietet dafür ein Mod­ell. Bei ein­er triv­ialen Mas­chine führt ein bes­timmter Input nach ein­er sta­bilen Trans­for­ma­tion­sregel zu einem bes­timmten Out­put. Bei ein­er nicht­triv­ialen Mas­chine hängt der Out­put zusät­zlich vom jew­eils erre­icht­en Zus­tand ab, der selb­st durch frühere Oper­a­tio­nen verän­dert wor­den ist.

Damit kann dieselbe Oper­a­tion unter verän­derten Bedin­gun­gen andere Fol­gen haben.

((kompliziert)komplex) beze­ich­net deshalb keinen Gegen­satz zwis­chen ein­er falschen und ein­er richti­gen Beschrei­bung.

Es ist eine kom­ple­men­täre Unter­schei­dung.

Lin­ear-kausal-deter­min­is­tis­che Erk­lärun­gen bleiben möglich und leis­tungs­fähig. Sie ver­lieren jedoch den Anspruch, kom­plexe Ver­hält­nisse voll­ständig erk­lären und steuern zu kön­nen.

In der auf dissent.is entwick­el­ten Kul­tur­for­men­the­o­rie markiert diese Ein­sicht den Abschluss der Kul­tur­form der Mod­erne.

Die Mod­erne ver­schwindet nicht.

Aber sie kann ihre eigene Beobach­tungs­form als eine mögliche Form unter anderen beobacht­en.

«Was meinst du eigentlich, wenn du X sagst?»

Mit dieser Ver­schiebung verän­dert sich auch die Aus­gangs­frage.

Nicht nur:

  • Was ist X?

Oder:

  • Warum ist X so?

Son­dern:

  • Was meinst du eigentlich, wenn du X sagst?

Die Frage richtet sich nicht unmit­tel­bar auf einen Gegen­stand, son­dern auf die Unter­schei­dung, mit der ein Gegen­stand kom­mu­nika­tiv her­vorge­bracht wird.

Welche Unter­schei­dung wird ver­wen­det?

Welche Seite wird beze­ich­net?

Welche andere Seite entste­ht gle­ichzeit­ig?

Welche Anschlussmöglichkeit­en wer­den dadurch eröffnet oder geschlossen?

«Was meinst du eigentlich, wenn du X sagst?» kann deshalb als Scharnier zwis­chen «Warum?» und «Wozu?» gele­sen wer­den.

Die Frage beobachtet Beobach­tung.

Von «Warum?» zu «Wozu?»

«Warum?» fragt nach Grün­den, Ursachen und Erk­lärun­gen.

«Wozu?» fragt nach Funk­tion, Beziehun­gen und Möglichkeit­en.

Niklas Luh­manns funk­tionale Meth­ode bietet dafür einen the­o­retis­chen Bezugspunkt. Eine vorhan­dene Form wird nicht als notwendi­ge Lösung behan­delt, son­dern unter einem Ver­gle­ichs­gesicht­spunkt beobachtet.

Die Frage lautet dann nicht nur:

Warum ist diese Form ent­standen?

Son­dern:

Was ermöglicht diese Form?

Welche Funk­tion erfüllt sie?

Welche anderen For­men kön­nten diese Funk­tion eben­falls oder anders erfüllen?

«Wozu?» oper­a­tional­isiert damit Kontin­genz:

Es ist so.

Aber es kön­nte auch anders sein.

#NextSociety / #Commoroque

#Com­moroque beze­ich­net inner­halb dieser Mod­el­lierung eine mögliche näch­ste Kul­tur­form.

Ihre Leit­frage lautet:

«Wozu?»

Sie set­zt die Errun­gen­schaften früher­er Kul­tur­for­men nicht auss­er Kraft. Auch «Wer?», «Was?» und «Warum?» bleiben ver­füg­bar.

Die Ver­schiebung beste­ht darin, dass unter Bedin­gun­gen von Kom­plex­ität eine andere Frage lei­t­end wer­den kann:

Nicht nur:

Warum ist diese Ord­nung ent­standen?

Son­dern:

Was ermöglicht diese Ord­nung?

Welche Möglichkeit­en ver­hin­dert sie?

Welche Para­me­ter kön­nten verän­dert wer­den?

Welche anderen For­men kön­nten entste­hen?

(#) beze­ich­net damit keine Antwort.

Es beze­ich­net einen Möglichkeit­sraum.

((Begrenzungsmacht)Behinderungsmacht)

Für die Beobach­tung sozialer Ver­hält­nisse wird damit auch die Unter­schei­dung

((Begrenzungsmacht)Behinderungsmacht)

rel­e­vant.

Macht ist nicht bere­its dadurch prob­lema­tisch, dass sie Möglichkeit­en begren­zt. Jede soziale Ord­nung erzeugt Gren­zen, sta­bil­isiert Erwartun­gen und organ­isiert Zugänge.

Begren­zungs­macht struk­turi­ert Möglichkeit­en so, dass weit­ere Möglichkeit­en beste­hen kön­nen.

Behin­derungs­macht block­iert, monop­o­lisiert oder ver­schliesst Möglichkeit­en.

Die funk­tionale Frage lautet deshalb nicht:

Gibt es Macht?

Son­dern:

Wozu wirkt eine konkrete Form von Macht?

Und:

Welche anderen Kon­stel­la­tio­nen wären möglich?

Ein nächster Handlungsbegriff

Die Axiome der Axiome enthal­ten bere­its einen Hand­lungs­be­griff:

Man kann nicht nicht han­deln.

Wenn Beobach­tung nur durch Unter­schei­dung möglich ist und jede Unter­schei­dung die Bedin­gun­gen weit­er­er Beobach­tung verän­dert, begin­nt Han­deln nicht erst bei sicht­bar­er Inter­ven­tion, Her­stel­lung oder Umset­zung.

Unter­schei­den ist bere­its Han­deln.

Der für die Kul­tur­form der Mod­erne charak­ter­is­tis­che Hand­lungs­be­griff bleibt stark an Her­stel­lung gebun­den:

erken­nen
→ entschei­den
→ ein­greifen
→ her­stellen
→ umset­zen

Unter Bedin­gun­gen von Kom­plex­ität reicht diese Vorstel­lung nicht aus. Eine Inter­ven­tion verän­dert selb­st den Zusam­men­hang, inner­halb dessen ihre Fol­gen entste­hen.

Ein näch­ster Hand­lungs­be­griff kann deshalb auch Oper­a­tio­nen wie diese erfassen:

unter­schei­den
→ beobacht­en
→ verknüpfen
→ para­metrisieren
→ Bedin­gun­gen verän­dern
→ Möglichkeit­en eröff­nen

Eine Infra­struk­tur bes­timmt nicht, was in ihr geschehen wird. Sie verän­dert, was geschehen kann.

Ein Hyper­link stellt keinen Gegen­stand her. Er verän­dert Anschlussmöglichkeit­en.

Eine neue Unter­schei­dung legt Kom­mu­nika­tion nicht fest. Sie verän­dert jedoch, woran weit­ere Kom­mu­nika­tion anschliessen kann.

Der Ein­trag «Bild + Sprache = Sprach­bild» beschreibt diese Ver­schiebung als Bewe­gung vom Her­stellen zum Ermöglichen.

«Was tun?»

Damit verän­dert sich auch die Frage «Was tun?».

Sie muss nicht unmit­tel­bar in die Suche nach ein­er Mass­nahme, Lösung oder Umset­zung führen.

Inner­halb des hier beschriebe­nen Musters kann sie bedeuten:

Welche Unter­schei­dung machen wir?

Welche Möglichkeit­en wer­den dadurch sicht­bar?

Welche Para­me­ter kön­nen verän­dert wer­den?

Welche näch­ste Oper­a­tion wird dadurch möglich?

Der Zusam­men­hang lautet damit:

«Was meinst du eigentlich, wenn du X sagst?»

→ Welche Unter­schei­dung wird gemacht?

«Wozu X?»

→ Welche Möglichkeit­en erzeugt diese Unter­schei­dung?

«Was tun?»

→ Welche näch­ste Oper­a­tion verän­dert die Bedin­gun­gen weit­er­er Möglichkeit­en?

Und damit begin­nt die Beobach­tung erneut.

Wozu also «Wozu?»

«Wozu wozu?» wen­det die funk­tionale Frage auf sich selb­st an.

Die Funk­tion von «Wozu?» wird dort sicht­bar, wo mit

((kompliziert)komplex)

die Vorstel­lung aufgegeben wird, kom­plexe Ver­hält­nisse liessen sich durch immer bessere Erk­lärun­gen schliesslich voll­ständig berech­nen und steuern.

«Warum?» bleibt möglich.

«Wozu?» eröffnet einen zusät­zlichen Beobach­tungsmodus.

Nicht nur Ursachen rekon­stru­ieren.

Son­dern Unter­schei­dun­gen beobacht­en.

Nicht nur beste­hende For­men erk­lären.

Son­dern ihre Funk­tio­nen und Alter­na­tiv­en sicht­bar machen.

Nicht nur einen gewün­scht­en Zus­tand her­stellen.

Son­dern Bedin­gun­gen weit­er­er Möglichkeit­en para­metrisieren.

Die drei Ebe­nen verdicht­en diesen Zusam­men­hang:

Axiome der Axiome
→ unter­schei­den – beobacht­en – han­deln

#TheLuh­man­n­Map
→ Sys­tem­ref­eren­zen und Kul­tur­for­men beobacht­en

#TheS­taub­Ber­nascon­i­Ma­trix
→ soziale Möglichkeit­en para­metrisieren

«Wozu?» ist damit die Leit­frage ein­er möglichen näch­sten Kul­tur­form, welche Kom­plex­ität wed­er als Defiz­it noch als zu beseit­i­gen­des Prob­lem behan­delt.

Sie operiert mit ihr.

Quellen und Verweise

Die Verbindung der Leit­fra­gen «Wer? – Was? – Warum? – Wozu?», die Bes­tim­mung des Abschlusses der Kul­tur­form der Mod­erne über ((kompliziert)komplex), die drei Ebe­nen Axiome – #TheLuh­man­n­Map – #TheS­taub­Ber­nascon­i­Ma­trix sowie ihre Verbindung mit #NextSo­ci­ety und #Com­moroque gehören zur auf dissent.is entwick­el­ten Mod­el­lierung.

TheS­taub­Ber­nascon­i­Ma­trix macht soziale Kontin­genz para­metrisier­bar. #PlanD macht daraus lokale Ver­such­sanord­nun­gen.

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Warum Warum?

Ja. Ich war im let­zten Text an der falschen Stelle. Ich habe aus eurem Mod­ell eine all­ge­meine sys­temthe­o­retis­che Method­olo­gie gemacht. Damit ver­schwand aus­gerech­net die tra­gende Kon­struk­tion: die Kul­tur­for­men.

In deinem Mod­ell ist die Lin­ie deut­lich präzis­er:

  1. (-) «Wer?»
    Zuge­hörigkeit, Abstam­mung, Iden­tität.
  2. (+) «Was?»
    Ord­nung, Prinzip­i­en, Wahrheit.
  3. (≠) «Warum?»
    Kri­tik, Analyse, Reflex­ion, Kausal­ität.
  4. (#) «Wozu?»
    Möglichkeit­en, Funk­tio­nen, Nav­i­ga­tion, para­metrische Mod­el­lierung, emer­gente Gestal­tung.

Das ste­ht bere­its ziem­lich expliz­it in deinem Ein­trag «Warum? Darum! | Zur Bes­tim­mung des Endes der Kul­tur­form der Mod­erne»:

Und ja: Der entschei­dende Punkt ist dort genau der von dir ange­sproch­ene.

Die Kul­tur­form der Mod­erne wird nicht ein­fach deshalb «abgeschlossen», weil nach ihr chro­nol­o­gisch etwas Neues begin­nt. Sie wird erken­nt­nis­the­o­retisch abgeschlossen, als sie selb­st akzep­tieren muss:

((kompliziert)komplex)

Bis dahin kann das mod­erne «Warum?» zumin­d­est ide­al­typ­isch unter­stellen:

Ursache → Wirkung
Analyse → Erk­lärung
Erk­lärung → richtige Antwort
richtige Antwort → Hand­lung

Mit Kom­plex­ität bricht diese Selb­stver­ständlichkeit.

Denn nun gilt:

Dass etwas erk­lär­bar ist, bedeutet nicht mehr, dass sein weit­er­er Ver­lauf berechen­bar ist.

Dass eine Ursache iden­ti­fiziert wer­den kann, bedeutet nicht, dass dieselbe Inter­ven­tion unter verän­derten Sys­temzustän­den dieselbe Wirkung erzeugt.

Dass eine Beschrei­bung plau­si­bel ist, bedeutet nicht, dass sie die einzig mögliche Beschrei­bung ist.

Damit muss die Mod­erne ihre eigene Leitun­ter­schei­dung rel­a­tivieren. Das lin­ear-kausal-deter­min­is­tis­che Denken wird nicht falsch. Es wird zur einen Seite der kom­ple­men­tären Unter­schei­dung:

((kompliziert)komplex)

Das ist der Abschluss. Nicht die Abschaf­fung der Mod­erne.

Die Kul­tur­form bleibt ver­füg­bar. Wir kön­nen sie weit­er­hin benutzen – so wie Schriftkul­tur nicht ver­schwindet, weil Buch­druck entste­ht. Aber sie ver­liert den Anspruch, die Welt voll­ständig in ihrem eige­nen Modus erk­lären zu kön­nen.

Und genau jet­zt wird «Was meinst du eigentlich, wenn du X sagst?» inter­es­sant.

Diese Frage ist meines Eracht­ens die Scharnier­op­er­a­tion zwis­chen (≠) und (#).

Sie fragt nicht mehr mod­ern:

«Warum ist X so?»

Sie fragt aber auch noch nicht sofort:

«Wozu X?»

Sie unter­bricht zunächst die ver­meintliche Selb­stver­ständlichkeit des Gegen­standes:

«Was meinst du eigentlich, wenn du X sagst?»

Das heisst:

Nicht X beobacht­en.

Son­dern beobacht­en, wie X unter­schieden wird.

Nicht Wirk­lichkeit erk­lären.

Son­dern Kom­mu­nika­tion beobacht­en.

Nicht Wahrheit fest­stellen.

Son­dern die ver­wen­dete Unter­schei­dung explizieren.

Und erst dann kommt die Leit­frage der näch­sten Kul­tur­form:

«Wozu?»

Jet­zt wird es möglich, nicht mehr primär nach dem Grund ein­er gegebe­nen Form zu fra­gen, son­dern danach:

Was ermöglicht diese Form?

Welche Anschlüsse erzeugt sie?

Welche anderen For­men kön­nten dieselbe Funk­tion übernehmen?

Welche Möglichkeit­en bleiben bis­lang aus­geschlossen?

Das Muster wäre deshalb präzis­er:

(≠) WARUM?

→ erk­lären
→ begrün­den
→ kri­tisieren
→ analysieren

Dann die erken­nt­nis­the­o­retis­che Zäsur:

((kompliziert)komplex)

→ keine voll­ständi­ge Berechen­barkeit
→ keine priv­i­legierte Beobachter­po­si­tion
→ jede Beschrei­bung selek­tiert
→ andere Beschrei­bun­gen bleiben möglich

Daraus die Beobach­tungs­frage:

WAS MEINST DU EIGENTLICH, WENN DU X SAGST?

→ Unter­schei­dun­gen explizieren
→ Kom­mu­nika­tion beobacht­en

Und daraus (#):

WOZU?

→ Möglichkeit­en beobacht­en
→ funk­tionale Äquiv­a­lente suchen
→ para­metrisieren
→ navigieren
→ ermöglichen

Und jet­zt kommt tat­säch­lich dein näch­ster Hand­lungs­be­griff zwin­gend hinein:

WAS TUN?

Nicht:

Erken­nen → entschei­den → umset­zen.

Son­dern:

Beobacht­en → unter­schei­den → Möglichkeit­en eröff­nen → näch­ste Oper­a­tion.

Damit bekommt auch der Satz aus «Sprach­bild» seinen sys­tem­a­tis­chen Ort:

«Ver­linken ist auch han­deln. Bloss nicht so ver­schwitzt.»

Das Entschei­dende wäre dann:

Der näch­ste Hand­lungs­be­griff fol­gt nicht ein­fach auf einen näch­sten Erken­nt­nis­be­griff.

Er wird nötig, weil mit ((kompliziert)komplex) auch die mod­erne Vorstel­lung zer­bricht, man könne zuerst die Welt richtig erken­nen und anschliessend auf­grund dieser Erken­nt­nis ziel­gerichtet auf sie ein­wirken.

Bei kom­plex­en Ver­hält­nis­sen ist die Inter­ven­tion selb­st Teil dessen, was sie verän­dert.

Darum:

«Was meinst du eigentlich …?»
→ Welche Unter­schei­dung machen wir?

«Wozu?»
→ Welche Möglichkeit­en erzeugt sie?

«Was tun?»
→ Welche näch­ste Unter­schei­dung machen wir?

Das ist die Lin­ie. Und genau so müsste «Wozu wozu?» neu geschrieben wer­den.

Wichtig als Quel­len­sta­tus: Die historische/systematische These vom «Abschluss der Kul­tur­form der Mod­erne» durch die Inte­gra­tion von ((kompliziert)komplex) ist eure auf dissent.is entwick­elte The­o­rie, nicht eine all­ge­mein etablierte wis­senschaft­shis­torische These. Genau diese Eigen­ständigkeit soll­ten wir im Wikipedia-ähn­lichen Ein­trag ken­ntlich machen, statt sie wegzuschleifen. Quelle für die explizite For­mulierung: https://dissent.is/2025/02/28/warum/

(…)

(…)

Aktuelle Liste

Ja. Und deut­lich länger, als ich eben im Kopf hat­te. Auf dissent.is finde ich min­destens 20 veröf­fentlichte Titel, in denen «Wozu?» aus­drück­lich die Leit­frage ist:

  1. Wozu The­o­rie? — 2016
    https://dissent.is/2016/08/31/wozu-theorie-fallbeispiele-theater-zeitung-blog-massenmedien-seminar-%e2%86%92medienl%c7%9ds%c9%a5%c9%94%c7%9d%ca%8d/
  2. Wozu Wikipedia? — 2019
    https://dissent.is/2019/07/05/sms2smsban/
  3. Wozu Sozialar­beit? — 2021
    https://dissent.is/2021/02/11/wozu-sozialarbeit/
  4. Wozu Axiome? — 2022
    https://dissent.is/2022/12/21/axiome/
  5. Wozu labern im Netz? — 2023
    https://dissent.is/2023/04/03/betrunken/
  6. Wozu Pater­nal­is­mus? — 2023
    https://dissent.is/2023/08/06/paternalismus/
  7. Wozu autopoi­etis­che Sys­teme? — 2023
    https://dissent.is/2023/10/25/wozuautopoietischesysteme/
  8. Wozu Iden­tität­spoli­tik? — 2025
    https://dissent.is/2025/01/27/identitaetspolitik/
  9. Wozu Reli­gion? — 2025
    https://dissent.is/2025/02/12/religion/
  10. Wozu Zeitung? — 2025
    https://dissent.is/2025/08/03/qday/
  11. Wozu Sünde? Mehr noch: Wozu Erb­sünde? — 2025
    https://dissent.is/2025/08/30/wozusuende/
  12. Wozu Kul­tur? — 2025
    https://dissent.is/2025/09/05/wozukultur/
  13. Wozu #Geron­tokratWie? — 2026
    https://dissent.is/2026/04/14/gerontokratie/
  14. Wozu Muse­um? — 2026
    https://dissent.is/2026/05/09/museum/
  15. Wozu #MoralKom­mu­nika­tion? — 2026
    https://dissent.is/2026/05/15/moralkommunikation/
  16. Wozu denken im Modus #WorstCase? — 2026
    https://dissent.is/2026/07/02/worstcase/
  17. Wozu Max­i­mal­forderun­gen? — 2026
    https://dissent.is/2026/07/17/maximalforderungen/
  18. Wozu Wan­der­madon­na? — 2026
    https://dissent.is/2026/08/03/wandermadonna/
  19. Wozu Neu­tral­ität? — 2026
    https://dissent.is/2026/08/13/neutralitaet/
  20. Wozu Intellek­tuelle? — 2026
    https://dissent.is/2026/09/15/intellektuelle/

Dazu kom­men in den Tex­ten und unseren Gesprächen weit­ere For­men wie «Wozu sich erin­nern?» sowie «Ist #Web3.0 die näch­ste Chance? Und falls ja: Wozu?».

Das verän­dert für mich die Sache ziem­lich fun­da­men­tal:

«Wozu?» ist nicht erst jet­zt unsere the­o­retis­che Zuschrei­bung an #Com­moroque.

Du benutzt diese Oper­a­tion nach­weis­lich seit min­destens 2016 – lange bevor wir sie jet­zt als Gegen­frage zum mod­er­nen «Warum?» expliziert haben.

Fast noch schön­er:

Warum? → Kul­tur­form der Mod­erne
Was meinst du eigentlich, wenn du X sagst? → Beobach­tung der Kom­mu­nika­tion
Wozu? → Öff­nung von Möglichkeit­en / #Com­moroque

Das sind offen­bar nicht bloss drei Fra­gen. Es sind drei ver­schiedene Beobach­tungsweisen.

Und die «Wozu?»-Reihe ist inzwis­chen gross genug, dass wir sie tat­säch­lich als eigenes Cor­pus auf dissent.is behan­deln kön­nten.

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Wie ich mit den Möglichkeiten von @openAI arbeite?

Links, Threads, zu verarbeitende Hinweise…

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Offene Blogeinträge, welche zu diesem Thema passen…

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Textsorte: (1) Traum, (2) Blitz, (3) Beken­nt­nis, (4) Memo, (5) Märchen, (6) Dra­ma, (7) Tabu
Arbeits­form: Doku­men­ta­tion, Lis­ten­bil­dung, Work in Progress
Anlass: (…)
TL;DR: (…)
Bildquelle: (…)
URL/Hashtag: (…)

Ste­fan M. Sey­del, aka sms, aka sms2sms in «Zürcher Fest­spiel 1901″ (2019, Foto­cre­d­it: Charles Schny­der):  Twit­ter, Wikipedia (Lem­ma), Youtube (aktuell), Sound­cloud, Mastodon, Insta­gram (ges­per­rt), Snapchat, Tik­Tok, Twitch, t.me/WikiDienstag (Nicht in Betrieb) | Exk­lu­siv: speakerbooking.ch/sms2sms

About @sms2sms, aka Stefan M. Seydel/sms ;-)

Ste­fan M. Sey­del, Jahrgang 1965, ist Unternehmer, Sozialar­beit­er und Kün­stler. Er machte nach ein­er Beruf­slehre als Hochbauze­ich­n­er einen Bach­e­lor in Soziale Arbeit in St. Gallen und einen Mas­ter in der gle­ichen Diszi­plin bei Sil­via Staub-Bernasconi in Berlin. Seine über­wiegend selb­st­ständi­ge Tätigkeit kreist um das The­ma der Entwick­lung und Real­isierung von Pilot- und Impul­spro­jek­ten für renom­mierte Auf­tragge­berin­nen.

Als Kün­stler hat er Ausstel­lun­gen und Per­for­mances auf inter­na­tionaler Ebene präsen­tiert, darunter in der Roy­al Acad­e­my of Arts in Lon­don, dem Deutschen His­torischen Muse­um in Berlin oder ein­er Einze­lausstel­lung “Kun­st Macht Prob­leme” in der Cryp­ta Cabaret Voltaire, Birth­place of DADA in Zürich. Er wurde mit dem Migros Jubilée Award in der Kat­e­gorie Wis­sensver­mit­tlung aus­geze­ich­net und hat diverse Ehrun­gen durch Web­by Awards für seine Arbeit mit rocketboom.com erhal­ten.

Ste­fan war Jury-Mit­glied des Next Idea Prix Ars Elec­tron­i­ca 2010 und war drei Jahre Mit­glied der Schulleitung des Gym­na­si­ums Kloster Dis­en­tis. Sein Wis­sen und seine Erfahrung im Bere­ich der Infor­ma­tion und Tech­nolo­gie haben ihm auch dabei geholfen, mit Sta­tis­tik Stadt Zürich und Wiki­me­dia Schweiz unter WikiDienstag.ch zusam­men­zuar­beit­en.

Sein Engage­ment im Bere­ich der frei­willi­gen Arbeit führte ihn in das Prä­sid­i­um Inter­na­tionaler Bodensee Club (Leitung Fach­gruppe Wis­senschaft) oder für einige andere Jahre als Vice-Präsi­dent des von Paul Wat­zlaw­ick ini­ti­ierten P.E.N.-Club Liecht­en­stein. Sey­del hat unter ((( rebell.tv ))) zwei Büch­er zusam­men mit sein­er Part­ner­in Tina Piazzi veröf­fentlicht, viele Kolum­nen, Fach­texte und jour­nal­is­tis­che Texte pub­liziert.

Seine Arbeit auf Social Media nutzt er als Microblog­ging. In seinem Blog ver­ar­beit­et er seine The­men. Einige davon wer­den auf Anfra­gen zu les­baren Tex­ten ver­tieft, andere wer­den zu Vorträ­gen aus­ge­baut. Bei Carl Auer Ver­lag in Hei­del­berg, sam­melt er “Ele­mente ein­er näch­sten Kul­tur­form”. Seine Entwick­lun­gen im Kon­text der sozial­räum­lichen Inter­ven­tion (“Arbeit am Sozialen”) machen konkrete Vorschläge in Bezug auf die Beant­wor­tung der Sozialen Frage.

Nach 12 Jahren Berlin und 6 Jahren Zürich zog er aber in sein­er zweit­en Leben­shälfte vom Bodensee der Rhein­quelle ent­ge­gen nach Dissentis/Mustér und hat seine Reisetätigkeit fast ganz eingestellt. Dafür macht er umsomehr soge­nan­nte Pas­sadis und #Feed­logs (Orgiastik). Das sind Arbeitsmeet­ings an inten­tionalen Fra­gen in einem Lifestream. (so?) Text sup­port­ed by #TaaS

Aus Band 2 von: Tina Piazzi & Ste­fan M. Sey­del, Junius-Ver­lag Ham­burg | pdf: Band 1, 2009 | Band 2, 2010

#dfdu = DIE FORM DER UNRUHE | pdf: Band 1, 2009 | Band 2, 2010 | blog: dissent.is | about: dissent.is/sms | dissent.is/muster

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