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Anlass zu diesem Eintrag:
Summary/Spoiler/TL;DR
- «Was meinst du eigentlich, wenn du X sagst?» beobachtet, welche Unterscheidung gemacht wird.
- «Wozu X?» beobachtet, was diese Unterscheidung tut.
- «Was tun?» macht die nächste Unterscheidung.
Die Verbindung der Leitfragen «Wer? – Was? – Warum? – Wozu?», die Bestimmung des Abschlusses der Kulturform der Moderne über ((kompliziert)komplex), die drei Ebenen Axiome – #TheLuhmannMap – #TheStaubBernasconiMatrix sowie ihre Verbindung mit #NextSociety und #Commoroque gehören zur auf dissent.is entwickelten Modellierung.
bitte verstehe diesen eintrag nicht zu schnell… hier gibts nichts zu sehen und nichts zu lesen ;-)
Wozu wozu?
«Wozu?» bezeichnet innerhalb der auf dissent.is entwickelten Modellierung die Leitfrage einer möglichen #NextSociety – einer nächsten Kulturform, die #Commoroque genannt wird.
Ausgangspunkt sind drei miteinander verbundene Ebenen:
Axiome der Axiome
→ unterscheiden – beobachten – handeln
#TheLuhmannMap
→ Systemreferenzen und Kulturformen beobachten
#TheStaubBernasconiMatrix
→ soziale Verhältnisse parametrisieren
Gemeinsam bilden sie ein rekursives Muster: Unterscheidungen werden beobachtet, ihre Möglichkeiten parametrisiert und durch weitere Operationen verändert. «Wozu?» fragt innerhalb dieses Musters nicht primär nach Ursache oder Wahrheit, sondern danach, was eine Form ermöglicht und welche anderen Formen möglich wären.
Die Axiome der Axiome
Die grundlegenden Setzungen lauten:
- Man kann nicht nicht unterscheiden.
- Man kann nicht nicht beobachten.
- Man kann nicht nicht handeln.
Die drei Aussagen bezeichnen keine aufeinanderfolgenden Arbeitsschritte. Sie beschreiben miteinander verschränkte Operationen.
- Beobachten setzt Unterscheidungen voraus.
- Unterscheidungen werden durch Beobachtung aktualisiert.
- Und jede aktualisierte Unterscheidung verändert die Bedingungen weiterer Beobachtung und Kommunikation.
Unterscheiden ist damit bereits Handeln.
Die Axiome behaupten nicht, eine beobachterunabhängige Welt abzubilden. Sie explizieren die Setzungen, von denen jede weitere Beobachtung ausgeht.
#TheLuhmannMap
#TheLuhmannMap überträgt diese Axiome in einen Beobachtungsraum.
Ihre vertikale Achse unterscheidet vier Ebenen autopoietischer Systeme:
- #bio → Leben / Stoffwechsel
- #psy → Bewusstsein
- #soc → Kommunikation
- #cyb → Code
Die Systeme werden über ihre je eigenen Operationen unterschieden. Ein Gedanke ist keine Kommunikation; Kommunikation ist kein Stoffwechsel; Code ist kein Bewusstsein.
Für die Soziologie ist #soc die entscheidende Systemreferenz. Gesellschaft wird als Zusammenhang von Kommunikation beobachtet.
Die horizontale Achse unterscheidet Kulturformen über ihre Leitfragen:
− → Wer?
+ → Was?
≠ → Warum?
# → Wozu?
#TheLuhmannMap verbindet damit zwei Fragen:
- Wo wird beobachtet? (intentionale Frage)
- In welcher Kulturform wird beobachtet?
#TheStaubBernasconiMatrix
#TheStaubBernasconiMatrix parametrisiert innerhalb von #soc Formen sozialer Ordnung und Macht.
Sie unterscheidet vier Dimensionen:
- Anordnung:
((Hierarchie)Egalitarismus)
- Zugang:
((beschränkter Zugang)universeller Zugang)
- Legitimation:
((Rechtfertigung)Skepsis)
- Durchsetzung:
((autoritative Durchsetzung)Freiwilligkeit)
Die jeweiligen Seiten werden nicht als «richtig» und «falsch» behandelt. Die Matrix beobachtet Spannungsverhältnisse und macht sichtbar, wie soziale Formen durch Veränderungen dieser Parameter anders konstelliert werden können.
Ihre Möglichkeitshorizonte werden auf dissent.is mit
- Anarchie
- Commons
- Inklusion und
- Pazifismus
bezeichnet. Damit konkretisiert die Matrix die durch Kontingenz eröffnete Frage:
Wenn es auch anders sein könnte – woran lässt sich arbeiten?
Das gemeinsame Muster
Die drei Ebenen bauen nicht einfach hierarchisch aufeinander auf.
Sie wiederholen dieselbe operative Figur in unterschiedlicher Auflösung:
Axiome der Axiome
→ Es wird unterschieden, beobachtet und gehandelt.
#TheLuhmannMap
→ Es wird beobachtbar, wo und in welcher Kulturform unterschieden wird.
#TheStaubBernasconiMatrix
→ Es wird parametrisiert, wie soziale Unterscheidungen Möglichkeiten öffnen oder schliessen.
Das gemeinsame Muster lautet:
UNTERSCHEIDUNG
→ BEOBACHTUNG
→ MÖGLICHKEIT
→ OPERATION
→ NEUE UNTERSCHEIDUNG
Dieser Zusammenhang ist rekursiv. Eine Operation verändert die Bedingungen, unter denen die nächste Beobachtung stattfindet.
Kulturformen und Leitfragen
Kulturformen werden dabei nicht primär als abgeschlossene historische Epochen verstanden. Sie bezeichnen unterschiedliche Formen gesellschaftlicher Beobachtung, die weiterhin verfügbar bleiben können.
(-) «Wer?»
→ Zugehörigkeit, Abstammung, Identität
(+) «Was?»
→ Ordnung, Prinzipien, Wahrheit
(≠) «Warum?»
→ Kritik, Analyse, Reflexion, Kausalität
(#) «Wozu?»
→ Funktion, Beziehung, Möglichkeit, Navigation, Parametrisierung
Die Leitfrage einer Kulturform bezeichnet damit nicht alles, was innerhalb dieser Kulturform gefragt werden kann. Sie markiert vielmehr eine charakteristische Form, unter der Welt und soziale Ordnung beobachtet werden.
Die Kulturform der Moderne
Die Kulturform der Moderne wird in dieser Modellierung durch die «Warum?»-Frage charakterisiert.
Warum ist etwas so?
Welche Ursache erzeugt welche Wirkung?
Wie lässt sich ein Zustand erklären?
Damit verbindet sich ein ausserordentlich leistungsfähiges Modell:
Beobachtung
→ Analyse
→ Erklärung
→ Entscheidung
→ Umsetzung
Die Moderne kann komplizierte Zusammenhänge zerlegen, kausal rekonstruieren und gezielt verändern.
Ihr erkenntnistheoretischer Abschluss wird dort angesetzt, wo dieses Modell selbst die Unterscheidung
((kompliziert)komplex)
akzeptieren muss.
((kompliziert)komplex)
Komplizierte Zusammenhänge können aus sehr vielen Elementen bestehen und dennoch prinzipiell zerlegt, rekonstruiert und berechnet werden.
Komplexe Zusammenhänge sind relational, rekursiv, zustandsabhängig, geschichtsabhängig und dynamisch.
Heinz von Foersters Unterscheidung zwischen trivialen und nichttrivialen Maschinen bietet dafür ein Modell. Bei einer trivialen Maschine führt ein bestimmter Input nach einer stabilen Transformationsregel zu einem bestimmten Output. Bei einer nichttrivialen Maschine hängt der Output zusätzlich vom jeweils erreichten Zustand ab, der selbst durch frühere Operationen verändert worden ist.
Damit kann dieselbe Operation unter veränderten Bedingungen andere Folgen haben.
((kompliziert)komplex) bezeichnet deshalb keinen Gegensatz zwischen einer falschen und einer richtigen Beschreibung.
Es ist eine komplementäre Unterscheidung.
Linear-kausal-deterministische Erklärungen bleiben möglich und leistungsfähig. Sie verlieren jedoch den Anspruch, komplexe Verhältnisse vollständig erklären und steuern zu können.
In der auf dissent.is entwickelten Kulturformentheorie markiert diese Einsicht den Abschluss der Kulturform der Moderne.
Die Moderne verschwindet nicht.
Aber sie kann ihre eigene Beobachtungsform als eine mögliche Form unter anderen beobachten.
«Was meinst du eigentlich, wenn du X sagst?»
Mit dieser Verschiebung verändert sich auch die Ausgangsfrage.
Nicht nur:
- Was ist X?
Oder:
- Warum ist X so?
Sondern:
- Was meinst du eigentlich, wenn du X sagst?
Die Frage richtet sich nicht unmittelbar auf einen Gegenstand, sondern auf die Unterscheidung, mit der ein Gegenstand kommunikativ hervorgebracht wird.
Welche Unterscheidung wird verwendet?
Welche Seite wird bezeichnet?
Welche andere Seite entsteht gleichzeitig?
Welche Anschlussmöglichkeiten werden dadurch eröffnet oder geschlossen?
«Was meinst du eigentlich, wenn du X sagst?» kann deshalb als Scharnier zwischen «Warum?» und «Wozu?» gelesen werden.
Die Frage beobachtet Beobachtung.
Von «Warum?» zu «Wozu?»
«Warum?» fragt nach Gründen, Ursachen und Erklärungen.
«Wozu?» fragt nach Funktion, Beziehungen und Möglichkeiten.
Niklas Luhmanns funktionale Methode bietet dafür einen theoretischen Bezugspunkt. Eine vorhandene Form wird nicht als notwendige Lösung behandelt, sondern unter einem Vergleichsgesichtspunkt beobachtet.
Die Frage lautet dann nicht nur:
Warum ist diese Form entstanden?
Sondern:
Was ermöglicht diese Form?
Welche Funktion erfüllt sie?
Welche anderen Formen könnten diese Funktion ebenfalls oder anders erfüllen?
«Wozu?» operationalisiert damit Kontingenz:
Es ist so.
Aber es könnte auch anders sein.
#NextSociety / #Commoroque
#Commoroque bezeichnet innerhalb dieser Modellierung eine mögliche nächste Kulturform.
Ihre Leitfrage lautet:
«Wozu?»
Sie setzt die Errungenschaften früherer Kulturformen nicht ausser Kraft. Auch «Wer?», «Was?» und «Warum?» bleiben verfügbar.
Die Verschiebung besteht darin, dass unter Bedingungen von Komplexität eine andere Frage leitend werden kann:
Nicht nur:
Warum ist diese Ordnung entstanden?
Sondern:
Was ermöglicht diese Ordnung?
Welche Möglichkeiten verhindert sie?
Welche Parameter könnten verändert werden?
Welche anderen Formen könnten entstehen?
(#) bezeichnet damit keine Antwort.
Es bezeichnet einen Möglichkeitsraum.
((Begrenzungsmacht)Behinderungsmacht)
Für die Beobachtung sozialer Verhältnisse wird damit auch die Unterscheidung
((Begrenzungsmacht)Behinderungsmacht)
relevant.
Macht ist nicht bereits dadurch problematisch, dass sie Möglichkeiten begrenzt. Jede soziale Ordnung erzeugt Grenzen, stabilisiert Erwartungen und organisiert Zugänge.
Begrenzungsmacht strukturiert Möglichkeiten so, dass weitere Möglichkeiten bestehen können.
Behinderungsmacht blockiert, monopolisiert oder verschliesst Möglichkeiten.
Die funktionale Frage lautet deshalb nicht:
Gibt es Macht?
Sondern:
Wozu wirkt eine konkrete Form von Macht?
Und:
Welche anderen Konstellationen wären möglich?
Ein nächster Handlungsbegriff
Die Axiome der Axiome enthalten bereits einen Handlungsbegriff:
Man kann nicht nicht handeln.
Wenn Beobachtung nur durch Unterscheidung möglich ist und jede Unterscheidung die Bedingungen weiterer Beobachtung verändert, beginnt Handeln nicht erst bei sichtbarer Intervention, Herstellung oder Umsetzung.
Unterscheiden ist bereits Handeln.
Der für die Kulturform der Moderne charakteristische Handlungsbegriff bleibt stark an Herstellung gebunden:
erkennen
→ entscheiden
→ eingreifen
→ herstellen
→ umsetzen
Unter Bedingungen von Komplexität reicht diese Vorstellung nicht aus. Eine Intervention verändert selbst den Zusammenhang, innerhalb dessen ihre Folgen entstehen.
Ein nächster Handlungsbegriff kann deshalb auch Operationen wie diese erfassen:
unterscheiden
→ beobachten
→ verknüpfen
→ parametrisieren
→ Bedingungen verändern
→ Möglichkeiten eröffnen
Eine Infrastruktur bestimmt nicht, was in ihr geschehen wird. Sie verändert, was geschehen kann.
Ein Hyperlink stellt keinen Gegenstand her. Er verändert Anschlussmöglichkeiten.
Eine neue Unterscheidung legt Kommunikation nicht fest. Sie verändert jedoch, woran weitere Kommunikation anschliessen kann.
Der Eintrag «Bild + Sprache = Sprachbild» beschreibt diese Verschiebung als Bewegung vom Herstellen zum Ermöglichen.
«Was tun?»
Damit verändert sich auch die Frage «Was tun?».
Sie muss nicht unmittelbar in die Suche nach einer Massnahme, Lösung oder Umsetzung führen.
Innerhalb des hier beschriebenen Musters kann sie bedeuten:
Welche Unterscheidung machen wir?
Welche Möglichkeiten werden dadurch sichtbar?
Welche Parameter können verändert werden?
Welche nächste Operation wird dadurch möglich?
Der Zusammenhang lautet damit:
«Was meinst du eigentlich, wenn du X sagst?»
→ Welche Unterscheidung wird gemacht?
«Wozu X?»
→ Welche Möglichkeiten erzeugt diese Unterscheidung?
«Was tun?»
→ Welche nächste Operation verändert die Bedingungen weiterer Möglichkeiten?
Und damit beginnt die Beobachtung erneut.
Wozu also «Wozu?»
«Wozu wozu?» wendet die funktionale Frage auf sich selbst an.
Die Funktion von «Wozu?» wird dort sichtbar, wo mit
((kompliziert)komplex)
die Vorstellung aufgegeben wird, komplexe Verhältnisse liessen sich durch immer bessere Erklärungen schliesslich vollständig berechnen und steuern.
«Warum?» bleibt möglich.
«Wozu?» eröffnet einen zusätzlichen Beobachtungsmodus.
Nicht nur Ursachen rekonstruieren.
Sondern Unterscheidungen beobachten.
Nicht nur bestehende Formen erklären.
Sondern ihre Funktionen und Alternativen sichtbar machen.
Nicht nur einen gewünschten Zustand herstellen.
Sondern Bedingungen weiterer Möglichkeiten parametrisieren.
Die drei Ebenen verdichten diesen Zusammenhang:
Axiome der Axiome
→ unterscheiden – beobachten – handeln
#TheLuhmannMap
→ Systemreferenzen und Kulturformen beobachten
#TheStaubBernasconiMatrix
→ soziale Möglichkeiten parametrisieren
«Wozu?» ist damit die Leitfrage einer möglichen nächsten Kulturform, welche Komplexität weder als Defizit noch als zu beseitigendes Problem behandelt.
Sie operiert mit ihr.
Quellen und Verweise
- Niklas Luhmann: Soziologische Aufklärung 1. Aufsätze zur Theorie sozialer Systeme. Insbesondere «Funktion und Kausalität» und «Funktionale Methode und Systemtheorie».
- Niklas Luhmann: Soziale Systeme. Grundriss einer allgemeinen Theorie. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1984.
- Heinz von Foerster / Bernhard Pörksen: Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners. Gespräche für Skeptiker. Carl-Auer, Heidelberg 1998.
- George Spencer-Brown: Laws of Form. Allen & Unwin, London 1969.
- «Wozu #Axiome?»
https://dissent.is/2022/12/21/axiome/ - «#TheLuhmannMap»
https://dissent.is/2025/02/18/theluhmannmap/ - «#TheStaubBernasconiMatrix»
https://dissent.is/2025/02/18/thestaubbernasconimatrix/ - «Warum? Darum! | Zur Bestimmung des Endes der Kulturform der Moderne.»
https://dissent.is/2025/02/28/warum/ - «Serie: Was meinst du eigentlich, wenn du … sagst?»
https://dissent.is/2026/09/16/was-meinst-du-eigentlich-wenn-du-x-sagst/ - «Bild + Sprache = Sprachbild»
https://dissent.is/2026/07/19/sprachbild/
Die Verbindung der Leitfragen «Wer? – Was? – Warum? – Wozu?», die Bestimmung des Abschlusses der Kulturform der Moderne über ((kompliziert)komplex), die drei Ebenen Axiome – #TheLuhmannMap – #TheStaubBernasconiMatrix sowie ihre Verbindung mit #NextSociety und #Commoroque gehören zur auf dissent.is entwickelten Modellierung.
TheStaubBernasconiMatrix macht soziale Kontingenz parametrisierbar. #PlanD macht daraus lokale Versuchsanordnungen.

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Warum Warum?
Ja. Ich war im letzten Text an der falschen Stelle. Ich habe aus eurem Modell eine allgemeine systemtheoretische Methodologie gemacht. Damit verschwand ausgerechnet die tragende Konstruktion: die Kulturformen.
In deinem Modell ist die Linie deutlich präziser:
- (-) «Wer?»
Zugehörigkeit, Abstammung, Identität. - (+) «Was?»
Ordnung, Prinzipien, Wahrheit. - (≠) «Warum?»
Kritik, Analyse, Reflexion, Kausalität. - (#) «Wozu?»
Möglichkeiten, Funktionen, Navigation, parametrische Modellierung, emergente Gestaltung.
Das steht bereits ziemlich explizit in deinem Eintrag «Warum? Darum! | Zur Bestimmung des Endes der Kulturform der Moderne»:
Und ja: Der entscheidende Punkt ist dort genau der von dir angesprochene.
Die Kulturform der Moderne wird nicht einfach deshalb «abgeschlossen», weil nach ihr chronologisch etwas Neues beginnt. Sie wird erkenntnistheoretisch abgeschlossen, als sie selbst akzeptieren muss:
((kompliziert)komplex)
Bis dahin kann das moderne «Warum?» zumindest idealtypisch unterstellen:
Ursache → Wirkung
Analyse → Erklärung
Erklärung → richtige Antwort
richtige Antwort → Handlung
Mit Komplexität bricht diese Selbstverständlichkeit.
Denn nun gilt:
Dass etwas erklärbar ist, bedeutet nicht mehr, dass sein weiterer Verlauf berechenbar ist.
Dass eine Ursache identifiziert werden kann, bedeutet nicht, dass dieselbe Intervention unter veränderten Systemzuständen dieselbe Wirkung erzeugt.
Dass eine Beschreibung plausibel ist, bedeutet nicht, dass sie die einzig mögliche Beschreibung ist.
Damit muss die Moderne ihre eigene Leitunterscheidung relativieren. Das linear-kausal-deterministische Denken wird nicht falsch. Es wird zur einen Seite der komplementären Unterscheidung:
((kompliziert)komplex)
Das ist der Abschluss. Nicht die Abschaffung der Moderne.
Die Kulturform bleibt verfügbar. Wir können sie weiterhin benutzen – so wie Schriftkultur nicht verschwindet, weil Buchdruck entsteht. Aber sie verliert den Anspruch, die Welt vollständig in ihrem eigenen Modus erklären zu können.
Und genau jetzt wird «Was meinst du eigentlich, wenn du X sagst?» interessant.
Diese Frage ist meines Erachtens die Scharnieroperation zwischen (≠) und (#).
Sie fragt nicht mehr modern:
«Warum ist X so?»
Sie fragt aber auch noch nicht sofort:
«Wozu X?»
Sie unterbricht zunächst die vermeintliche Selbstverständlichkeit des Gegenstandes:
«Was meinst du eigentlich, wenn du X sagst?»
Das heisst:
Nicht X beobachten.
Sondern beobachten, wie X unterschieden wird.
Nicht Wirklichkeit erklären.
Sondern Kommunikation beobachten.
Nicht Wahrheit feststellen.
Sondern die verwendete Unterscheidung explizieren.
Und erst dann kommt die Leitfrage der nächsten Kulturform:
«Wozu?»
Jetzt wird es möglich, nicht mehr primär nach dem Grund einer gegebenen Form zu fragen, sondern danach:
Was ermöglicht diese Form?
Welche Anschlüsse erzeugt sie?
Welche anderen Formen könnten dieselbe Funktion übernehmen?
Welche Möglichkeiten bleiben bislang ausgeschlossen?
Das Muster wäre deshalb präziser:
(≠) WARUM?
→ erklären
→ begründen
→ kritisieren
→ analysieren
Dann die erkenntnistheoretische Zäsur:
((kompliziert)komplex)
→ keine vollständige Berechenbarkeit
→ keine privilegierte Beobachterposition
→ jede Beschreibung selektiert
→ andere Beschreibungen bleiben möglich
Daraus die Beobachtungsfrage:
WAS MEINST DU EIGENTLICH, WENN DU X SAGST?
→ Unterscheidungen explizieren
→ Kommunikation beobachten
Und daraus (#):
WOZU?
→ Möglichkeiten beobachten
→ funktionale Äquivalente suchen
→ parametrisieren
→ navigieren
→ ermöglichen
Und jetzt kommt tatsächlich dein nächster Handlungsbegriff zwingend hinein:
WAS TUN?
Nicht:
Erkennen → entscheiden → umsetzen.
Sondern:
Beobachten → unterscheiden → Möglichkeiten eröffnen → nächste Operation.
Damit bekommt auch der Satz aus «Sprachbild» seinen systematischen Ort:
«Verlinken ist auch handeln. Bloss nicht so verschwitzt.»
Das Entscheidende wäre dann:
Der nächste Handlungsbegriff folgt nicht einfach auf einen nächsten Erkenntnisbegriff.
Er wird nötig, weil mit ((kompliziert)komplex) auch die moderne Vorstellung zerbricht, man könne zuerst die Welt richtig erkennen und anschliessend aufgrund dieser Erkenntnis zielgerichtet auf sie einwirken.
Bei komplexen Verhältnissen ist die Intervention selbst Teil dessen, was sie verändert.
Darum:
«Was meinst du eigentlich …?»
→ Welche Unterscheidung machen wir?
«Wozu?»
→ Welche Möglichkeiten erzeugt sie?
«Was tun?»
→ Welche nächste Unterscheidung machen wir?
Das ist die Linie. Und genau so müsste «Wozu wozu?» neu geschrieben werden.
Wichtig als Quellenstatus: Die historische/systematische These vom «Abschluss der Kulturform der Moderne» durch die Integration von ((kompliziert)komplex) ist eure auf dissent.is entwickelte Theorie, nicht eine allgemein etablierte wissenschaftshistorische These. Genau diese Eigenständigkeit sollten wir im Wikipedia-ähnlichen Eintrag kenntlich machen, statt sie wegzuschleifen. Quelle für die explizite Formulierung: https://dissent.is/2025/02/28/warum/
(…)
(…)
Aktuelle Liste
Ja. Und deutlich länger, als ich eben im Kopf hatte. Auf dissent.is finde ich mindestens 20 veröffentlichte Titel, in denen «Wozu?» ausdrücklich die Leitfrage ist:
- Wozu Theorie? — 2016
https://dissent.is/2016/08/31/wozu-theorie-fallbeispiele-theater-zeitung-blog-massenmedien-seminar-%e2%86%92medienl%c7%9ds%c9%a5%c9%94%c7%9d%ca%8d/ - Wozu Wikipedia? — 2019
https://dissent.is/2019/07/05/sms2smsban/ - Wozu Sozialarbeit? — 2021
https://dissent.is/2021/02/11/wozu-sozialarbeit/ - Wozu Axiome? — 2022
https://dissent.is/2022/12/21/axiome/ - Wozu labern im Netz? — 2023
https://dissent.is/2023/04/03/betrunken/ - Wozu Paternalismus? — 2023
https://dissent.is/2023/08/06/paternalismus/ - Wozu autopoietische Systeme? — 2023
https://dissent.is/2023/10/25/wozuautopoietischesysteme/ - Wozu Identitätspolitik? — 2025
https://dissent.is/2025/01/27/identitaetspolitik/ - Wozu Religion? — 2025
https://dissent.is/2025/02/12/religion/ - Wozu Zeitung? — 2025
https://dissent.is/2025/08/03/qday/ - Wozu Sünde? Mehr noch: Wozu Erbsünde? — 2025
https://dissent.is/2025/08/30/wozusuende/ - Wozu Kultur? — 2025
https://dissent.is/2025/09/05/wozukultur/ - Wozu #GerontokratWie? — 2026
https://dissent.is/2026/04/14/gerontokratie/ - Wozu Museum? — 2026
https://dissent.is/2026/05/09/museum/ - Wozu #MoralKommunikation? — 2026
https://dissent.is/2026/05/15/moralkommunikation/ - Wozu denken im Modus #WorstCase? — 2026
https://dissent.is/2026/07/02/worstcase/ - Wozu Maximalforderungen? — 2026
https://dissent.is/2026/07/17/maximalforderungen/ - Wozu Wandermadonna? — 2026
https://dissent.is/2026/08/03/wandermadonna/ - Wozu Neutralität? — 2026
https://dissent.is/2026/08/13/neutralitaet/ - Wozu Intellektuelle? — 2026
https://dissent.is/2026/09/15/intellektuelle/
Dazu kommen in den Texten und unseren Gesprächen weitere Formen wie «Wozu sich erinnern?» sowie «Ist #Web3.0 die nächste Chance? Und falls ja: Wozu?».
Das verändert für mich die Sache ziemlich fundamental:
«Wozu?» ist nicht erst jetzt unsere theoretische Zuschreibung an #Commoroque.
Du benutzt diese Operation nachweislich seit mindestens 2016 – lange bevor wir sie jetzt als Gegenfrage zum modernen «Warum?» expliziert haben.
Fast noch schöner:
Warum? → Kulturform der Moderne
Was meinst du eigentlich, wenn du X sagst? → Beobachtung der Kommunikation
Wozu? → Öffnung von Möglichkeiten / #Commoroque
Das sind offenbar nicht bloss drei Fragen. Es sind drei verschiedene Beobachtungsweisen.
Und die «Wozu?»-Reihe ist inzwischen gross genug, dass wir sie tatsächlich als eigenes Corpus auf dissent.is behandeln könnten.
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Wie ich mit den Möglichkeiten von @openAI arbeite?
Links, Threads, zu verarbeitende Hinweise…
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Offene Blogeinträge, welche zu diesem Thema passen…
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Textsorte: (1) Traum, (2) Blitz, (3) Bekenntnis, (4) Memo, (5) Märchen, (6) Drama, (7) Tabu
Arbeitsform: Dokumentation, Listenbildung, Work in Progress
Anlass: (…)
TL;DR: (…)
Bildquelle: (…)
URL/Hashtag: (…)

Stefan M. Seydel, aka sms, aka sms2sms in «Zürcher Festspiel 1901″ (2019, Fotocredit: Charles Schnyder): Twitter, Wikipedia (Lemma), Youtube (aktuell), Soundcloud, Mastodon, Instagram (gesperrt), Snapchat, TikTok, Twitch, t.me/WikiDienstag (Nicht in Betrieb) | Exklusiv: speakerbooking.ch/sms2sms
About @sms2sms, aka Stefan M. Seydel/sms ;-)
Stefan M. Seydel, Jahrgang 1965, ist Unternehmer, Sozialarbeiter und Künstler. Er machte nach einer Berufslehre als Hochbauzeichner einen Bachelor in Soziale Arbeit in St. Gallen und einen Master in der gleichen Disziplin bei Silvia Staub-Bernasconi in Berlin. Seine überwiegend selbstständige Tätigkeit kreist um das Thema der Entwicklung und Realisierung von Pilot- und Impulsprojekten für renommierte Auftraggeberinnen.
Als Künstler hat er Ausstellungen und Performances auf internationaler Ebene präsentiert, darunter in der Royal Academy of Arts in London, dem Deutschen Historischen Museum in Berlin oder einer Einzelausstellung “Kunst Macht Probleme” in der Crypta Cabaret Voltaire, Birthplace of DADA in Zürich. Er wurde mit dem Migros Jubilée Award in der Kategorie Wissensvermittlung ausgezeichnet und hat diverse Ehrungen durch Webby Awards für seine Arbeit mit rocketboom.com erhalten.
Stefan war Jury-Mitglied des Next Idea Prix Ars Electronica 2010 und war drei Jahre Mitglied der Schulleitung des Gymnasiums Kloster Disentis. Sein Wissen und seine Erfahrung im Bereich der Information und Technologie haben ihm auch dabei geholfen, mit Statistik Stadt Zürich und Wikimedia Schweiz unter WikiDienstag.ch zusammenzuarbeiten.
Sein Engagement im Bereich der freiwilligen Arbeit führte ihn in das Präsidium Internationaler Bodensee Club (Leitung Fachgruppe Wissenschaft) oder für einige andere Jahre als Vice-Präsident des von Paul Watzlawick initiierten P.E.N.-Club Liechtenstein. Seydel hat unter ((( rebell.tv ))) zwei Bücher zusammen mit seiner Partnerin Tina Piazzi veröffentlicht, viele Kolumnen, Fachtexte und journalistische Texte publiziert.
Seine Arbeit auf Social Media nutzt er als Microblogging. In seinem Blog verarbeitet er seine Themen. Einige davon werden auf Anfragen zu lesbaren Texten vertieft, andere werden zu Vorträgen ausgebaut. Bei Carl Auer Verlag in Heidelberg, sammelt er “Elemente einer nächsten Kulturform”. Seine Entwicklungen im Kontext der sozialräumlichen Intervention (“Arbeit am Sozialen”) machen konkrete Vorschläge in Bezug auf die Beantwortung der Sozialen Frage.
Nach 12 Jahren Berlin und 6 Jahren Zürich zog er aber in seiner zweiten Lebenshälfte vom Bodensee der Rheinquelle entgegen nach Dissentis/Mustér und hat seine Reisetätigkeit fast ganz eingestellt. Dafür macht er umsomehr sogenannte Passadis und #Feedlogs (Orgiastik). Das sind Arbeitsmeetings an intentionalen Fragen in einem Lifestream. (so?) Text supported by #TaaS

Aus Band 2 von: Tina Piazzi & Stefan M. Seydel, Junius-Verlag Hamburg | pdf: Band 1, 2009 | Band 2, 2010

#dfdu = DIE FORM DER UNRUHE | pdf: Band 1, 2009 | Band 2, 2010 | blog: dissent.is | about: dissent.is/sms | dissent.is/muster


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