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wenn es mir ums SENDEN gehen würde, machte ich alles falsch.
wenn es mir ums EMPFANGEN WERDEN gehen würde, machte ich alles anders.
wenn es mir ums FINDEN gehen würde, würde ich suchen.
wenn es mir ums GEWINNEN gehen würde, hielte ich mich an expertisen.
Ist es unseriös, eine Recherche zu beginnen und die zu findenden Antworten schon zu kennen? - Es kommt drauf an ;-)
Demokratische Politik hat längst ihre Legitimation verloren. Es ist leicht zu zeigen, dass Entscheidungen im Lokalen, Kantonalen, auf Bundesebene in intransparenten Deals gemacht werden und diese danach direkt und mega demokratisch abgesegnet werden. Bilaterale III sind bloss ein besonders schönes Fallbeispiel. (so?)
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wenn es mir ums SENDEN gehen würde, machte ich alles falsch.
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wenn es mir ums FINDEN gehen würde, würde ich suchen.
wenn es mir ums GEWINNEN gehen würde, hielte ich mich an expertisen.
Dealokratie ist ein von Stefan M. Seydel (sms) geprägter sozialtheoretischer Begriff. Er bezeichnet eine Form gesellschaftlicher Steuerung, bei der politische Entscheidungen zunehmend durch organisierte Aushandlungsprozesse (“Deals”) zwischen staatlichen, wirtschaftlichen und zivilgesellschaftlichen Akteuren koordiniert werden. Nach Seydel handelt es sich dabei nicht lediglich um eine Regierungs- oder Verwaltungstechnik, sondern um eine eigenständige historische Kulturform, welche die klassische Gegenüberstellung von Staat und Markt ablöst.…
“Auf der Suche nach der verlorenen Frechheit” Titel von Kap. 5 in: Kritik der zynischen Vernunft. Peter Sloterdijk. Suhrkamp. 1983
Fotocredit: Stefan Schwenke, u.v.a. der aktuelle Fotograf für das Kloster Dissentis | M/ein Blog ist m/ein Kartenraum und k/eine Bühne. Ich weiss, wie man publiziert. Das hier ist etwas anderes. d!a!n!k!e | WORK IN PROGRESS reload für aktuellen Schreibstand | Warum ich nicht publiziere? Weil ich es kann. Weil es geht. Weil ich es für angemessen halte. (so?)
wenn es mir ums SENDEN gehen würde, machte ich alles falsch.
wenn es mir ums EMPFANGEN WERDEN gehen würde, machte ich alles anders.
wenn es mir ums FINDEN gehen würde, würde ich suchen.
wenn es mir ums GEWINNEN gehen würde, hielte ich mich an expertisen.
Die entscheidende Lektion des Vortrags lautet für mich:
Der Kyniker durchschaut die Macht nicht nur. Er entzieht sich ihrer Verführung. Der Zyniker durchschaut die Macht ebenfalls – macht aber trotzdem weiter.
Kynismus ist praktizierte Unverführbarkeit
Diogenes sagt Alexander nicht: «Du bist ein schlechter Herrscher.» Er sagt sinngemäss: «Ich brauche nichts von dir. Geh mir aus der Sonne.»
Sloterdijk beschreibt darin den Kampf zwischen dem Mächtigen, der Menschen an ihren Wünschen packt, und dem Gegenmächtigen, der sich durch demonstrative Wunschfreiheit entzieht.
Die kynische Frage lautet deshalb:
Wovon müsste ich unabhängig werden, damit Macht mich nicht mehr kaufen, belohnen oder bedrohen kann?
Zynismus ist aufgeklärte Unterwerfung
Der Zyniker weiss, dass das Spiel falsch ist. Er kennt die Lügen, Interessen und Manipulationen – und spielt dennoch mit.
Er sagt:
«Natürlich ist alles korrupt. Aber man muss eben schauen, wo man bleibt.»
Das ist keine Naivität, sondern resignierte Integration. Genau darin liegt das «aufgeklärte falsche Bewusstsein».
Misstrauen allein macht noch keinen Kyniker
René Scheu unterscheidet im Gespräch einen «Zynismus von oben» und einen «Zynismus von unten»:
Oben sagen Politiker Dinge, die sie selbst nicht glauben. Unten verachten Bürger die Institutionen und erklären alles für gelogen.
Der zweite Typ hält sich leicht für einen Kyniker. Tatsächlich kann er jedoch bloss ein enttäuschter Zyniker sein:
Er durchschaut alles, zieht sich zurück, wird politisch abstinent oder wählt aus Verachtung destruktiv.
Kynismus ist also nicht:
«Ich glaube niemandem mehr.»
Sondern:
«Ich lasse mich nicht verführen – und bleibe dennoch handlungsfähig.»
Kynismus darf nicht mit Ressentiment verwechselt werden
Sloterdijk stellt bei Machiavelli einen entscheidenden Unterschied heraus:
Der Wunsch des Volkes, nicht unterdrückt zu werden, sei vornehmer als der Wunsch der Herrschenden, andere zu unterdrücken.
Der Kyniker will nicht selber Herrscher werden. Er will auch nicht aus Rache alles zerstören. Er verteidigt einen Raum, in dem Herrschaft nicht greifen kann.
Das unterscheidet:
Kynismus: Freiheit von Herrschaft
Zynismus: Mitmachen trotz besseren Wissens
Ressentiment: Umkehrung des Herrschaftswunsches
Der kynische Bürger darf nicht abdanken
Sloterdijks Provokation lautet: Der moderne Wähler trägt eine unsichtbare Krone – und der Wahlakt kann zur Abdankung werden. Man überträgt die eigene Souveränität an Repräsentanten und erklärt sich danach für machtlos.
Die kynische Konsequenz wäre aber nicht Wahlenthaltung. Sie wäre:
Die Krone nicht mit dem Stimmzettel abzugeben.
Das bedeutet, politische Verantwortung nicht auf Parteien, Regierungen, Experten oder Medien auszulagern.
Was du daraus lernen könntest
Deine kynische Position wäre nicht der Mann, der sagt:
«Ich habe euch alle durchschaut.»
Sondern derjenige, der sagt:
«Ihr könnt mich nicht über meine Wünsche steuern. Aber ich verlasse deshalb nicht das Soziale.»
Damit erhält der Kyniker eine positive Funktion:
Er entlarvt Herrschaft.
Er verweigert Verführung.
Er bewahrt seine Handlungsfähigkeit.
Er übernimmt keine Gegenherrschaft.
Er bleibt verantwortlich für das Gemeinsame.
Die knappste Unterscheidung wäre:
Kyniker: «Ich brauche deinen Fürsten nicht.»
Zyniker: «Ich weiss, dass der Fürst lügt, aber ich arrangiere mich.»
Ressentimentbürger: «Weil alle lügen, soll alles zusammenbrechen.»
Demokratischer Kyniker: «Ich entziehe mich der Verführung, nicht der Verantwortung.»
Sloterdijks letzter Satz bringt diese Haltung biografisch auf den Punkt: Er verlegt Diogenes’ Satz an den Anfang des Lebens:
«Da wirst du geboren, und niemand hat dich gefragt. (…) Und irgendetwas in dir ist immer noch anarchisch. Und ich sage immer noch zur Hebamme: Geh mir aus der Sonne.»
Damit ist der Kynismus keine später erlernte Haltung. Er ist der Rest ursprünglicher Unverfügbarkeit im Menschen:
Der Mensch kommt ungefragt zur Welt – und widersetzt sich bereits der ersten Instanz, die ihn empfängt, behandelt und in Ordnung bringt.
Die präziseste Verdichtung wäre:
Der Kyniker ist das Kind im Erwachsenen, das noch immer zur Hebamme sagt: Geh mir aus der Sonne.
Oder noch härter:
Kynismus ist die nicht vollständig gelungene Überredung zum Mitmachen.
1983 veröffentlichte Peter Sloterdijk seine Kritik der zynischen Vernunft. Er beschrieb darin eine Erfahrung, die uns heute ziemlich vertraut vorkommt:
Wir wissen, dass vieles nicht funktioniert.
Wir erkennen die Widersprüche.
Wir durchschauen die Phrasen.
Wir wissen, dass Sachzwänge oft gemachte Zwänge sind.
Und trotzdem machen wir weiter.
Sloterdijk nennt das Zynismus: «aufgeklärtes falsches Bewusstsein». Der moderne Zyniker ist nicht unwissend. Er weiss ziemlich genau, was geschieht. Aber dieses Wissen verändert nichts mehr. Es wird Teil des Funktionierens. Aufklärung ist erfolgt – und bleibt folgenlos.
Sloterdijk sucht deshalb nach einer anderen Form von Kritik.
Nicht nach noch besseren Argumenten.
Nicht nach moralischer Überlegenheit.
Nicht nach der richtigen Haltung.
Er erinnert an die antiken Kyniker – insbesondere an Diogenes. Der Kyniker widerspricht nicht nur mit Worten. Er widerspricht mit seinem Auftreten, seinem Körper, seinem Lachen, seiner Verweigerung. Er führt die herrschende Ordnung vor, indem er sich ihren Erwartungen entzieht.
Sloterdijk nennt diese Gegenbewegung:
«Auf der Suche nach der verlorenen Frechheit.»
So lautet das fünfte Kapitel seiner Kritik der zynischen Vernunft. Die Mittel des Kynismus sind für ihn ausdrücklich das Lachen, die Beschimpfung und der Angriff.
Aber was wäre eine solche Frechheit heute?
Vielleicht beginnt sie dort, wo jemand sich nicht «mitnehmen» lässt.
Wo nicht behauptet wird, bereits zu wissen, wohin alle gehen sollen.
Wo keine bessere Haltung vorgeführt wird, sondern eine Anordnung unterbrochen wird.
Wo sichtbar gemacht wird, dass etwas auch anders eingerichtet, erzählt, verteilt oder entschieden werden könnte.
Seit mehr als drei Jahrzehnten bewegt sich Stefan M. Seydel/sms ;-) zwischen Sozialer Arbeit, Kunst, Medien, Bildung, unternehmerischen Experimenten und öffentlichen Interventionen. rebell.tv, Die Form der Unruhe, Neugieronautik.ch und dissent.is ergeben dabei weniger eine geradlinige Karriere als eine fortgesetzte Arbeit an den Selbstverständlichkeiten sozialer Ordnungen.
Darum ist die Frage nicht völlig abwegig:
IST SMS EIN KYNIKER?
Vielleicht nicht. Vielleicht kann man sich selbst gar nicht zum Kyniker erklären. Sobald die Frechheit zur Identität, Marke oder Pose wird, ist sie womöglich bereits verloren. Aber die Frage öffnet einen brauchbaren Zugang:
Was geschieht, wenn einer lacht, wo Ernst erwartet wird?
Was geschieht, wenn einer nicht Menschen mitnehmen, sondern offene Zugänge pflegen will?
Was geschieht, wenn Kritik nicht die bessere Haltung beansprucht, sondern die bestehende Anordnung sichtbar macht?
Und was wäre heute eine Frechheit, die noch nicht auf die Seite der Macht gewechselt hat?
Hier entsteht ein Pladoyer für einen neuen Handlungsbegriff…
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wenn es mir ums SENDEN gehen würde, machte ich alles falsch.
wenn es mir ums EMPFANGEN WERDEN gehen würde, machte ich alles anders.
wenn es mir ums FINDEN gehen würde, würde ich suchen.
wenn es mir ums GEWINNEN gehen würde, hielte ich mich an expertisen.
Die Kulturformen sind keine Epochen. Sie sind mögliche Konstellationen im kontingenten Raum des Sozialen.
Was meinst du eigentlich, wenn du »Handeln« sagst?
»Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne.« Kaum ein Satz der Philosophiegeschichte ist berühmter als dieser von Immanuel Kant. Er gehört zu jenen Formeln, die selbst Menschen zitieren, welche die Kritik der praktischen Vernunft nie gelesen haben. Das überrascht nicht. Schliesslich scheint jeder zu wissen, was mit »Handeln« gemeint ist. Oder?
Fragt man nach, wird die Antwort selten lange auf sich warten lassen. Handeln heisst tun, machen, eingreifen, verändern, etwas in Bewegung setzen, vielleicht etwas Neues erfinden. Es fällt auf, wie selbstverständlich diese Antworten wirken. Sie benötigen keine Erklärung. Wer handelt, macht etwas. Wer nichts macht, handelt nicht. Der Satz scheint so evident wie die Behauptung, Wasser sei nass. Aber gerade solche Selbstverständlichkeiten verdienen Misstrauen. Denn Wörter altern. Nicht ihre Buchstaben. Ihre Bilder.
Maximalforderungen sind keine fertigen Programme für die sofortige Umgestaltung der Gesellschaft. Sie legen auch nicht fest, was alle Menschen wollen müssen.
Maximalforderungen formulieren einen ungekürzten Horizont.
Sie halten fest, woran bestehende Ordnungen, konkrete Reformen und politische Kompromisse gemessen werden können. Ohne diesen Horizont wird das gegenwärtig Durchsetzbare unbemerkt zur Grenze des Denkbaren.…
#LavinaNera #RerumNovarum | Decurtins kämpft um die gesellschaftliche Ordnung. Tuor arbeitet an der rechtlichen Ordnung. Beide denken nicht primär in Markt oder Staat, sondern in den Voraussetzungen einer tragfähigen Gesellschaft.
1876 – Pieder (Peter) Tuor wird geboren. Wenige Monate später beginnt mit Caspar Decurtins eine neue politische Generation in der Surselva heranzuwachsen.
Zum Markentag 2026 | M/ein Blog ist m/ein Kartenraum und k/eine Bühne. Ich weiss, wie man publiziert. Das hier ist etwas anderes. d!a!n!k!e | WORK IN PROGRESS reload für aktuellen Schreibstand | Warum ich nicht publiziere? Weil ich es kann.…