“Der Mensch im Zentrum”. Eine Replik (so?)
„Der Mensch im Zentrum“ ist eine Setzung, die heute dem „Humanismus“ zugeschrieben wird. Das ist eine rückprojizierende Zuschreibung aus dem Gedankenraum der “Kulturform der Moderne”. Dass der Mensch als bildungsfähiges, urteilsfähiges und verantwortliches Wesen im Humanismus sichtbar gemacht wurde, ist unbestritten. Die Übersteigerung und der Zerfall dieser Idee liegen aber näher bei Immanuel Kant (1800) und der “Aufklärung” als auf der Spur von Erasmus von Rotterdam (1500): Beim christlichen Humanismus, bei der Rückkehr zu den Quellen, bei der Arbeit an Sprache, Text, Urteil und Gewissen war die Idee vom Menschen als individuellem Geschöpf Gottes noch völlig anders verwoben.
Leonardos Vitruvianischer Mensch, um 1490 entstanden, wurde später zum überidealisierten Bild gemacht. Der Mensch steht darin nicht einfach „im Zentrum“, sondern erscheint als Massfigur einer Ordnung: Körper, Kreis, Quadrat, Proportion, Kosmos. Gerade darum ist das Bild so stark – und so gefährlich, wenn man es vorschnell in heutige Parolen übersetzt. Die ganze Dramatik lässt sich mit Nikolaus Kopernikus entfalten…
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