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21. Juli 2026, zusammen mit #chatGPT entstand folgendes update:
END OF THEORY
Das «End of Theory» bestärkt das seit hundert Jahren gezeigte Ende der Kulturform der Moderne. Endlich.
Seit mehr als hundert Jahren arbeitet die Moderne an ihrem eigenen Ende.
Dada zerlegte 1916 in Zürich eine Vernunft, die sich im Ersten Weltkrieg als organisierter Wahnsinn vorgeführt hatte. Walter Serner schrieb nicht gegen die Moderne, als könnte man ihr von aussen eine bessere Ordnung entgegenhalten. Seine «Letzte Lockerung» vollzog ihre Auflösung bereits in Sprache, Geste und Haltung. Die Avantgarden verwarfen Werk, Autor, Schönheit, Fortschritt und bürgerliche Ernsthaftigkeit. Später beschrieben die Kritische Theorie, der Poststrukturalismus und die Postmoderne den Zusammenbruch des souveränen Subjekts, der grossen Erzählungen und der Vorstellung einer einzigen, verbindlichen Ordnung der Welt.
Spätestens Auschwitz entzog dem modernen Versprechen von Vernunft, Wissenschaft, Organisation und Fortschritt jede Unschuld.
Zygmunt Bauman zeigte, dass der Holocaust nicht als Rückfall der modernen Zivilisation in vormoderne Barbarei verstanden werden kann. Er wurde nicht bloss trotz Bürokratie, Arbeitsteilung, Wissenschaft, Technik und instrumenteller Rationalität möglich. Er wurde auch durch sie möglich.
Auschwitz bezeichnete damit nicht einfach das Scheitern der Moderne.
Es bezeichnete einen Zivilisationsbruch innerhalb ihrer erfolgreichsten Verfahren.
Und dennoch blieb das Ende der Moderne Theorie.
Es wurde in Manifesten verkündet, in Büchern begründet, in Universitäten diskutiert und in immer neuen Begriffen expliziert. Noch die radikalsten Kritiken erfüllten die zentrale Forderung jener Kulturform, deren Ende sie beschrieben: Sie mussten unterscheiden, beobachten, argumentieren, belegen und publizieren.
Das Ende der Moderne blieb eine Theorie der Moderne.
Erst der Computer verändert diese Lage.
Eine wissenschaftlich zweifelhafte, kulturtheoretisch treffende These
Im Juni 2008 veröffentlichte Chris Anderson, damals Chefredaktor des Magazins Wired, den Essay «The End of Theory».
Die wachsenden Datenmengen, so seine These, könnten den wissenschaftlichen Umweg über Hypothesen, Modelle und kausale Erklärungen überflüssig machen. Korrelationen würden genügen. Wissenschaft könne voranschreiten, ohne die beobachteten Zusammenhänge theoretisch erklären zu müssen.
Als wissenschaftstheoretische Behauptung war das leicht angreifbar.
Daten werden nicht ohne Voraussetzungen erhoben. Korrelationen werden nicht ohne Modelle erkannt. Schon die Entscheidung, was überhaupt als Daten gilt, setzt eine Unterscheidung voraus. Anderson hatte das Ende der Theorie verkündet und dafür eine Theorie formuliert.
Gerade diese Naivität könnte jedoch den Blick auf die kulturtheoretische Bedeutung seines Textes verstellt haben.
Anderson hatte nicht das Ende aller Theorien entdeckt.
Er hatte beobachtet, dass theoretische Erklärung keine notwendige Voraussetzung mehr dafür ist, dass Datenverarbeitung operativ wirksam wird.
Das ist etwas anderes.
Und es ist weit radikaler.
Theorie war nicht die natürliche Form des Wissens.
Theorie war eine historisch spezifische Form im Umgang mit Daten, Informationen und Wissen.
Die Kulturform der Explikation
Die Moderne lässt sich als Kulturform der Explikation beschreiben.
Nichts soll gelten, nur weil es überliefert wurde. Nichts soll wahr sein, weil eine Autorität es verkündet. Nichts soll sich der Beobachtung entziehen, indem es sich auf Geheimwissen, göttliche Offenbarung, gesellschaftlichen Rang oder persönliche Herkunft beruft.
Was gelten will, muss expliziert werden.
Es muss bezeichnet, unterschieden, beschrieben, begründet, überprüft, kritisiert und revidiert werden können.
Die moderne Wissenschaft, der moderne Rechtsstaat, die moderne Universität und die modernen Professionen sind Institutionalisierungen dieser Forderung.
Daten, Informationen und Wissen werden dabei zunehmend von bestimmten Körpern und Personen abgelöst. Eine Aussage soll nicht wahr sein, weil Aristoteles, der Papst oder ein Professor sie ausgesprochen hat. Sie soll unabhängig von Rang und Namen nachvollzogen werden können.
Die Aufregung akademischer Institutionen über das Wiki war deshalb von Beginn weg unfreiwillig komisch.
Ward Cunningham hatte 1995 eine Infrastruktur geschaffen, in der Texte gemeinschaftlich geschrieben, verändert, verknüpft und korrigiert werden konnten. Autorschaft verlor an Bedeutung. Die Operationen am Text wurden sichtbar. Wissen wurde nicht mehr zwingend einer ausgezeichneten Person zugerechnet, sondern einem offenen Prozess.
Wer aber hatte die Ablösung des Wissens von Körper, Herkunft und Autorität verlangt?
Wer hatte Transparenz, Nachprüfbarkeit und Kritik zum Massstab erhoben?
Das Wiki griff die Universität nicht von aussen an.
Es führte ihre eigenen Forderungen konsequenter aus, als ihre Institutionen es ertrugen.
Mit dem Computer geschieht nun dasselbe auf der Ebene der Erkenntnis.
Drei Operationen
Die erkenntnistheoretischen Axiome der Moderne lassen sich auf drei elementare Operationen reduzieren:
- Menschen können nicht nicht unterscheiden.
- Menschen können nicht nicht beobachten.
- Menschen können nicht nicht handeln.
Unterscheiden ist bereits Handeln, bloss nicht so verschwitzt.
Eine Unterscheidung erzeugt eine Differenz. Eine Beobachtung bezeichnet eine Seite dieser Differenz. Eine Handlung setzt eine Auswahl fort und verändert damit die Bedingungen weiterer Operationen.
Diese Axiome beschreiben nicht die Welt.
Sie beschreiben, wie ein menschlicher Organismus für wahr nimmt.
Der Radikale Konstruktivismus erhebt damit nicht den Anspruch, die Wirklichkeit abzubilden. Er expliziert die Bedingungen, unter denen Menschen überhaupt etwas als Wirklichkeit hervorbringen können.
Auch Daten sind unter diesen Bedingungen nicht einfach vorhanden.
Etwas wird als Daten unterschieden. Eine intentionale Frage entscheidet, welche Unterschiede informativ werden. Ein Modell ordnet Informationen so, dass sie als Wissen verwendet werden können.
- Daten sprechen nicht.
- Zahlen fallen nicht vom Himmel.
- Modelle werden gemacht.
Die Logik der Disziplinen
Die verschiedenen Disziplinen organisieren ihren Umgang mit Daten, Informationen und Wissen anhand ihrer intentionalen Fragen.
Zur Medizin kommen Menschen mit Beschwerden. Die Medizin entwickelt Modelle, mit denen sie diese Beschwerden beobachten, diagnostizieren und behandeln kann.
An das Recht wenden sich Menschen, Gruppen und Institutionen, die wissen wollen, was gilt. Die Jurisprudenz übersetzt Konflikte in rechtlich entscheidbare Fragen.
Mathematik, Physik und Chemie erzeugen formale Modelle, Messverfahren und kontrollierte Versuchsanordnungen. Sie unterscheiden ihre Gegenstände so, dass bestimmte Relationen berechenbar und bestimmte Wirkungen reproduzierbar werden.
Keine dieser Disziplinen übernimmt einfach einen bereits fertig vorliegenden Ausschnitt der Welt.
Jede konstruiert ihren Problemgegenstand im Hinblick auf bestimmte Fragen und mögliche Operationen.
Auch die Soziologie tut dies.
Sie hat sich, wie bereits ihr Name zeigt, die Logik des Sozialen zum Gegenstand gemacht.
Niklas Luhmann fand dafür einen folgenreichen theoretischen Kniff. Er unterschied Maschinen, Organismen, psychische Systeme und soziale Systeme. Sie reproduzieren ihre eigenen Operationen und bleiben füreinander Umwelt.
Seine Theorie konzentrierte sich nicht auf den Menschen als Einheit aus Körper, Bewusstsein und Gesellschaft, sondern auf die Eigenlogik sozialer Kommunikation.
Diese vier Ebenen erscheinen bereits 1984 in «Soziale Systeme». Die vierte Ebene bezeichnete Luhmann zunächst als Maschinen, später als Computer. Er räumte dabei wiederholt ein, von Computern wenig zu verstehen.
Gerade diese vierte Ebene sollte sich als entscheidend erweisen.

#TheLuhmannMap
#TheLuhmannMap verdichtet die vier Realisationen autopoietischer Systeme:
- #bio
- #psy
- #soc
- #cyb
Die Map behauptet nicht, dass die Welt aus vier Abteilungen besteht.
Sie ermöglicht der Soziologie, ihren Problemgegenstand klar einzuhegen.
Sie fokussiert auf #soc.
Körper, Bewusstsein und Computer verschwinden dadurch nicht. Sie werden aus der Perspektive des Sozialen als Umwelt beobachtet.
Die Soziologie muss nicht erklären, wie ein Organismus Stoff wechselt, wie Bewusstsein Gedanken erzeugt oder wie ein Computer seine Operationen ausführt. Sie kann beobachten, wie soziale Kommunikation Körper, Personen, Institutionen, Maschinen und Ereignisse bezeichnet und an sie anschliesst.
Damit kann sie zugleich eine entscheidende Behauptung formulieren:
Das Soziale ist kontingent.
Es ist, wie es ist.
Aber es könnte auch anders sein.
Das letzte Selbstporträt der Moderne
#TheLuhmannMap ist nicht ewig wahr.
Sie ist die konsequenteste Explikation der Erkenntnisarchitektur der Buchdruckmoderne.
Gerade deshalb wird sie im Übergang zur Computerkultur wertvoll.
Sie unterscheidet nicht nur vier Realisationen autopoietischer Systeme. Sie konstelliert diese zugleich in vier Kulturformen:
- Sprachkultur.
- Schriftkultur.
- Buchdruckkultur.
- Computerkultur.
Jede dieser Kulturformen erzeugt andere Bedingungen dafür, wie unterschieden, beobachtet und gehandelt werden kann. Sie verändert, wie Daten erzeugt, Informationen verbreitet, Wissen legitimiert und Entscheidungen zugerechnet werden. #TheLuhmannMap beschreibt deshalb nicht bloss verschiedene Systeme. Sie konstelliert verschiedene Erkenntnisformen.
Was innerhalb der Buchdruckmoderne als universelle Bedingung vernünftiger Erkenntnis erscheint, kann aus der nächsten Kulturform als besondere Lösung eines vergangenen Medienproblems sichtbar werden.
Damit wird selbst Erkenntnistheorie historisch.
Die Maschinen der Moderne
Ein klassischer Computer operiert weiterhin binär. Er unterscheidet 0 und 1. Aber acht Bits können bereits 256 unterschiedliche Zustände codieren. 64 Bits ermöglichen 2⁶⁴ Konstellationen. Der kulturtheoretische Bruch besteht nicht darin, dass der Computer das Binäre verlassen hätte. Er besteht darin, dass die Herstellung, Kombination und Verarbeitung von Unterscheidungen nicht länger an die Wahrnehmungs- und Verarbeitungskapazität eines menschlichen Organismus gebunden ist.
- Computer können mehr Unterscheidungen schneller miteinander verschalten, als ein Mensch beobachten kann.
- Sie können Muster selektieren, Simulationen durchführen, Prognosen erzeugen und weitere Operationen auslösen, ohne dass ein menschliches Bewusstsein jeden einzelnen Schritt nachvollzieht.
- Sie müssen dafür nicht verstehen.
Gerade darin liegt der Punkt.
Die Moderne hatte vorausgesetzt, dass eine rationale Operation in eine für Menschen nachvollziehbare Form überführt werden müsse. Sie entwickelte dafür Theorie, Mathematik, Modelle, Beweise, Bücher, Disziplinen und Universitäten. Der Computer kann operativ wirksam werden, ohne seine Operationen zuvor als menschlich nachvollziehbares Wissen zu formulieren.
Damit wird nicht bloss die Theorie kontingent. Kontingent wird das Wissen als notwendige Zwischenstufe zwischen Daten und Wirkung.
Auch Mathematik war bloss eine Form
Das gilt ebenso für die Mathematik.
Mathematik ist selbstverständlich älter als die Moderne. Historisch spezifisch ist jedoch die moderne Erhebung der Mathematik zur privilegierten Sprache verlässlicher Welterkenntnis.
- Zahlen liegen nicht in der Natur herum.
- Formeln fallen nicht vom Himmel.
Mathematik ist ein erzeugtes Zeichensystem, mit dem Relationen formalisiert und Operationen reproduzierbar gemacht werden können. Ihre ausserordentliche Leistungsfähigkeit beweist nicht, dass die Welt mathematisch ist. Sie beweist, dass sich Welt mit mathematischen Zeichen ausserordentlich wirksam bearbeiten lässt.
Eine Brücke hält nicht, weil die Zahl der Wirklichkeit näher wäre als andere Zeichen.
Sie hält, weil Lasten, Materialien, Geometrien, Temperaturen und Bauverfahren in ein Modell überführt wurden, das bestimmte Operationen ermöglicht und andere ausschliesst. Die Moderne verwechselte die Wirksamkeit ihrer Verfahren zunehmend mit deren ontologischer Wahrheit.
Sie sagte nicht nur:
- Mit Mathematik können wir bestimmte Relationen erfolgreich bearbeiten. Sie war versucht zu sagen: Die Welt ist mathematisch.
Sie sagte nicht nur:
- Wissenschaft ist ein leistungsfähiges Verfahren zur Erzeugung überprüfbarer Aussagen. Sie war versucht zu sagen: Wissenschaft ist der privilegierte Zugang zur Wirklichkeit.
Sie sagte nicht nur:
- Theorie ist eine Form, Informationen zu ordnen. Sie war versucht zu sagen: Ohne Theorie gibt es kein vernünftiges Wissen.
Die Computerkultur macht diese Verwechslungen sichtbar.
Auschwitz und die Rationalität der Moderne
Der Holocaust hatte den Fortschrittsglauben der Moderne bereits moralisch und historisch zerstört. Zygmunts Baumans Analyse radikalisierte diesen Befund:
Die Vernichtung wurde nicht von einer vormodernen Horde gegen die Institutionen der Zivilisation vollzogen. Sie wurde bürokratisch organisiert, arbeitsteilig durchgeführt, technisch optimiert, wissenschaftlich legitimiert und administrativ verwaltet.
Die moderne Rationalität verhinderte das Verbrechen nicht. Sie stellte ihm Verfahren zur Verfügung. Damit konnte Auschwitz nicht länger als Ausnahme ausserhalb der Moderne behandelt werden. Es musste als eine ihrer Möglichkeiten begriffen werden.
Der von Dan Diner geprägte Begriff des #Zivilisationsbruchs bezeichnet genau diese Unmöglichkeit, nach Auschwitz die Voraussetzungen von Vernunft, Fortschritt, Wissenschaft und gesellschaftlicher Ordnung ungebrochen weiterzuführen.
Und doch blieb auch diese Diagnose an Theorie gebunden. Sie musste argumentiert, geschrieben, publiziert, diskutiert und tradiert werden. Die Moderne konnte noch ihren Zivilisationsbruch in ihre eigene Form zurückübersetzen.
Sie machte ihn zum Gegenstand einer Theorie.
Walter Serner und die letzte Lockerung
Walter Serner hatte die Lockerung dieser Kulturform bereits früher vollzogen.
Seine Texte lieferten keine systematische Theorie des Endes der Moderne. Gerade darin lag ihre Präzision. Sie lösten Haltung, Wahrheit, Autorschaft, Moral und bürgerliche Identität in Stil, Pose, Regel, Täuschung und Zirkulation auf. Serner erklärte nicht, warum die moderne Ordnung zerfiel. Er schrieb bereits aus ihrer Lockerung heraus. Dada war deshalb nicht bloss eine Kritik an der Moderne. Es war eine frühe Operation ihrer Auflösung. Doch auch Dada blieb auf Manifest, Druck, Öffentlichkeit, Autor und Skandal angewiesen. Es konnte die Buchdruckkultur verwerfen. Es konnte sie nicht verlassen.
Nicht das Ende des Denkens
«End of Theory» bedeutet nicht, dass keine Theorien mehr geschrieben werden. Auch Bücher, Universitäten, Mathematik und Wissenschaft werden nicht verschwinden. Kulturformen verschwinden nicht, wenn eine nächste Kulturform entsteht.
- Sprache verschwand nicht durch die Schrift.
- Schrift verschwand nicht durch den Buchdruck.
- Bücher verschwinden nicht durch Computer.
Aber die jeweils ältere Form verliert ihre gesellschaftliche Zentralstellung. Sie wird von der selbstverständlichen Voraussetzung zu einer Möglichkeit unter anderen. Theorie war eine spezifische Form der Buchdruckkultur, Daten, Informationen und Wissen in eine für Menschen nachvollziehbare Ordnung zu bringen.
- Mathematik war eine spezifische Form, Relationen mit erfundenen Zeichen operativ zu stabilisieren.
- Wissenschaft war eine spezifische institutionelle Form, Beobachtungen zu prüfen, zu legitimieren und zu publizieren.
- Disziplinen waren eine spezifische Form, intentionale Fragen, Methoden und Zuständigkeiten zu organisieren.
- Autorschaft war eine spezifische Form, Wissen einzelnen Personen zuzurechnen.
- Erklärung war eine spezifische Form, Wirksamkeit als rational auszuweisen.
Keine dieser Formen war beliebig. Keine war unnütz. Keine war ein Irrtum.
Aber keine war ewig.
Das Ende, endlich
Seit hundert Jahren zeigt die Moderne ihr Ende: Dada, Auschwitz, Kritische Theorie, Poststrukturalismus und Postmoderne haben ihre Widersprüche, Ausschlüsse und Selbsttäuschungen offengelegt.
Doch sie taten es in der Form der Kritik. Sie blieben damit Operationen jener Kulturform, deren Ende sie verkündeten. Sie lieferten der Moderne immer neue Möglichkeiten, sich selbst zu explizieren. Der Computer widerlegt die Moderne nicht.
- Er kritisiert sie nicht.
- Er verfasst kein Manifest gegen sie.
- Er operiert.
Darin liegt der Unterschied.
Die Kulturform der Moderne wird nicht durch ihre Gegner beendet. Sie wird von ihren eigenen Methoden und ihren eigenen Maschinen unterlaufen. Sie verlangte die Explikation des Impliziten. Sie machte Beobachtungen überprüfbar, Wissen übertragbar und Operationen reproduzierbar. Schliesslich entwickelte sie Maschinen, die diese Operationen ausführen können, ohne auf jene Erkenntnisformen angewiesen zu sein, mit denen Menschen sie bisher begründet haben.
Das «End of Theory» bestärkt deshalb das seit hundert Jahren gezeigte Ende der Kulturform der Moderne.
Endlich ist dieses Ende nicht mehr bloss eine weitere Theorie.
Die drei Ebenen der Axiome
Unsere drei Ebenen gehören noch vollständig zur Kulturform der Moderne.
Auf der ersten Ebene expliziert der Radikale Konstruktivismus, wie menschliche Organismen für wahr nehmen:
- Sie können nicht nicht unterscheiden, beobachten und handeln.
Auf der zweiten Ebene expliziert #TheLuhmannMap die Erkenntnisarchitektur, mit der die Soziologie ihren Gegenstand eingrenzt:
vier Realisationen autopoietischer Systeme und vier Kulturformen, die einander konstellieren.

Auf der dritten Ebene expliziert #TheStaubBernasconiMatrix, wie die Kontingenz des Sozialen bearbeitet werden kann:
- durch die Beobachtung von Anordnung, Zugang, Legitimation und Durchsetzung.
Diese Axiome begründen keine ewige Theorie der Welt. Sie führen die Forderung der Moderne nach Explikation so konsequent durch, dass deren eigene Voraussetzungen sichtbar werden. Darin liegt ihre Bedeutung für die nächste Kulturform:
- Theorie war nicht die natürliche Form der Wahrheit.
- Mathematik war nicht die Muttersprache der Welt.
- Wissenschaft war nicht die Vernunft selbst.
Sie waren grossartige Erfindungen einer Kulturform, die alles explizieren musste.
Die Computerkultur beginnt dort, wo Wirkung nicht mehr auf Explikation wartet.
#EndOfTheory
https://dissent.is/EndOfTheory
Quellen und Anschlussstellen
Chris Anderson: The End of Theory. Wired, 23. Juni 2008.
https://www.wired.com/2008/06/pb-theory/
Niklas Luhmann: Soziale Systeme. Grundriss einer allgemeinen Theorie. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1984.
https://www.suhrkamp.de/buch/niklas-luhmann-soziale-systeme-t-9783518282663
Niklas Luhmann: Die Gesellschaft der Gesellschaft. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1997.
https://www.suhrkamp.de/buch/niklas-luhmann-die-gesellschaft-der-gesellschaft-t-9783518289600
Dirk Baecker: Studien zur nächsten Gesellschaft. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2007.
https://www.suhrkamp.de/buch/dirk-baecker-studien-zur-naechsten-gesellschaft-t-9783518294567
Walter Serner: Letzte Lockerung. manifest dada. Hannover 1920.
https://sdrc.lib.uiowa.edu/dada/Letzte_Lockerung/index.htm
Walter Serner: Letzte Lockerung. Ein Handbrevier für Hochstapler und solche, die es werden wollen. Berlin 1927.
https://d‑nb.info/109646831X/34
Zygmunt Bauman: Modernity and the Holocaust. Polity Press, Cambridge 1989.
https://www.wiley.com/en-us/Modernity+and+the+Holocaust-p-9780745606859
Zygmunt Bauman: Dialektik der Ordnung. Die Moderne und der Holocaust. Europäische Verlagsanstalt, Hamburg 1992.
https://search.worldcat.org/title/75265298
Dan Diner (Hg.): Zivilisationsbruch. Denken nach Auschwitz. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1988.
https://search.worldcat.org/de/title/zivilisationsbruch-denken-nach-auschwitz/oclc/20168648
Ward Cunningham: WikiWikiWeb.


Thread über das neuste Buch von Dirk Baecker: Digitalisierung M/ein Blog ist m/ein Kartenraum und k/eine Bühne. Ich weiss wie man publiziert. Das hier ist etwas anderes. d!a!n!k!e | WORK IN PROGRESS reload für aktuellen schreibstand | warum ich nicht publiziere? weil ich es kann. weil es geht. weil ich es für angemessen halte.
- wenn es mir ums SENDEN gehen würde, machte ich alles falsch.
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- wenn es mir ums FINDEN gehen würde, würde ich suchen.
- wenn es mir ums GEWINNEN gehen würde, hielte ich mich an expertisen.
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reload für aktuellen arbeitsstand
Anlass zu diesem Eintrag:
dieser wunderschöne film (PlaySuisse) — ok. ich bin erst bei Minute 30 — hat mich dazu angeregt, einmal mehr meine verzettelten Zetteln zu sortieren… obwohl ich mir so fest vorgenommen habe, nichts mehr dazu zu machen und mich ganz auf konkrete umsetzungsprojekte zu fokussieren:

2030.AutarikieIndex.org | #TheJohannRitzCluster | #SognValentin | Kartoffeln & Blockhain | dissent.is/muster
2008 hat @chr1sa The End of Theory noch als chefredaktor von WIRED verfasst. nachher hat er drohnen gebaut. heute ist er ein nerd bezüglich autonom rasenden automaten… ich kann das mega gut nachvollziehen… aber als sozialarbeiter, ein arbeiter am sozialen, nicht an körpern, nicht an psychen und nicht an sachen, ha!ha!habe ich genug rasante hobbies, welche mein leben fröhlich an aktuellen herausforderungen arbeiten lassen. (so?)
Eine Theorie von Allem, fällt mit dem Ende der Theorie zusammen. Das ist für systemtheoretische Zugänge selbstredend.
Die Komplementarität von ((Kompliziert)Komplex)
- Kompliziert: linear-kausal-deterministisch (Naturwissenschaften)
- Komplex: prozessual-systemisch-dynamisch (Sozialwissenschaften)
Der Film — Eine Theorie von Allem — erzählt von der Zeit, wie die Physik (Naturwissenschaften) aus dem Traum der Kompliziertheit gepurzelt ist. Dirk Baecker (Sozialwissenschaften) schrieb 1997 in “die Zeit” ein “Ein Schlußwort zur Debatte um Alan Sokals Wissenschaftsschwindel”:
“Ironischerweise mußten wir jedoch abwarten, bis die Naturwissenschaften nachgezogen hatten, um auch in den Sozialwissenschaften von Komplexität und Chaos reden zu können.”
Dirk Baecker, 1997
Was damit angefangen hat? Eine dramatisch grosse QUALition der gewaltbereit Mächtigen in ihrer aggressiven Gegenwehr vom Machtverlust… Ich selbst nannte diese Gruppen in der NZZ vom April 2020: “Die Dickhäuter”
- Warum sollte Politik zugeben, dass es auch noch ganz andere Ideen gibt, wie “der Konsens zur Uneinigkeit” (Mani Matter) ausgetragen werden könnte?
- Warum sollte Wissenschaft zugeben, dass die Herstellung von Wissen, auch ausserhalb der Universität, möglich ist?
- Warum sollte Wirtschaft zugeben, dass ganz hervorragende Produkte, ganz ohne Geld, hergestellt werden können?
- Warum sollten Massenmedien zugeben, dass robuste, relevante, informative Informationen ganz ohne ihre Vermittlungstätigkeit zugänglich sind?
- Warum sollten die Künste zugeben, dass im Internetz überraschendere, provozierendere und faszinierende Kritik in den Diskurs getragen wird?
- Warum sollten Bildungsinstitutionen aller Stufen zugeben, dass Lernen und Lehren jenseits von Jahrgangsklassen möglich ist?

Summary/Spoiler/TL;DR
End of Theory.
Nicht das Ende von Denken.
Nicht das Ende von Theorie.
Sondern das Ende einer bestimmten Unterscheidung.
Die Kulturform der Moderne lebte von ((Theorie)Praxis).
Sie konnte analysieren, kritisieren, erklären – und danach handeln.
Theorie oben. Praxis unten.
Erkenntnis hier. Umsetzung dort.
Das funktionierte, solange die Welt als kompliziert galt.
Kompliziert heisst: zerlegbar, berechenbar, technisch beherrschbar.
Ingenieurslogik.
Dann kam die Komplexität.
Nicht als Modewort.
Sondern als Einsicht: Systeme operieren selbstreferentiell.
Kommunikation kommuniziert.
Handeln ist beobachtete Kommunikation.
Zurechnung ist eine Operation im Sozialen.
In diesem Moment kollabiert ((Theorie)Praxis).
Warum?
Weil Theorie selbst Praxis ist.
Weil Beobachtung Eingriff ist.
Weil jede Beschreibung Anschluss produziert.
Reentry.
((Unterscheiden)Beobachten)
wird zurückgeführt in sich selbst.
Handeln ist diese Rückführung.
Theorie ist nicht ausserhalb.
Sie ist Operation im System.
Wenn nun Baecker „Digitalisierung“ durchstreicht, dann ist das nicht nur feuilletonfähig.
Es markiert genau diese Bewegung:
Der Begriff bezeichnet nicht einen Gegenstand, sondern eine Operation.
Eine strukturelle Kopplung.
Ein Medienwechsel.
Aber:
Solange Macht nicht mitbeobachtet wird, bleibt es halbfertig.
Hier kommt die Matrix ins Spiel.
Nicht als Moral, sondern als Beobachtungsraster.
Anordnung.
Zugang.
Legitimation.
Durchsetzung.
Im kontingenten Feld des Sozialen.
End of Theory heisst dann:
Theorie kann sich nicht mehr als übergeordnetes Reflexionsmedium behaupten.
Sie wird zu einer Praxis unter anderen.
Eine Praxis der Konstellation.
Und genau hier beginnt #commoroque.
Nicht als Utopie.
Sondern als nächste Kulturform, die
Komplexität nicht nur akzeptiert,
sondern komplementär organisiert.
Nicht Untergang.
Transformation.
Nicht Theorie oder Praxis.
Sondern:
((Theorie)Praxis))
Reentry.


bitte verstehe diesen eintrag nicht zu schnell… hier gibts nichts zu sehen und nichts zu lesen ;-)
Wie hat es Wittgenstein versucht zu notieren?
so. das fand ich schon immer attraktiv…
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Wie ich mit den Möglichkeiten von @openAI arbeite?
Links, Threads, zu verarbeitende Hinweise…
(…)
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(…)
Offene Blogeinträge, welche zu diesem Thema passen…
(…)
(…)
(…)
Textsorte: (1) Traum, (2) Blitz, (3) Bekenntnis, (4) Memo, (5) Märchen, (6) Drama, (7) Tabu
Arbeitsform: Dokumentation, Listenbildung, Work in Progress
Anlass: (…)
TL;DR: (…)
Bildquelle: (…)
URL/Hashtag: (…)

Stefan M. Seydel, aka sms, aka sms2sms in «Zürcher Festspiel 1901″ (2019, Fotocredit: Charles Schnyder): Twitter, Wikipedia (Lemma), Youtube (aktuell), Soundcloud, Mastodon, Instagram (gesperrt), Snapchat, TikTok, Twitch, t.me/WikiDienstag (Nicht in Betrieb) | Exklusiv: speakerbooking.ch/sms2sms
About @sms2sms, aka Stefan M. Seydel/sms ;-)
Stefan M. Seydel, Jahrgang 1965, ist Unternehmer, Sozialarbeiter und Künstler. Er machte nach einer Berufslehre als Hochbauzeichner einen Bachelor in Soziale Arbeit in St. Gallen und einen Master in der gleichen Disziplin bei Silvia Staub-Bernasconi in Berlin. Seine überwiegend selbstständige Tätigkeit kreist um das Thema der Entwicklung und Realisierung von Pilot- und Impulsprojekten für renommierte Auftraggeberinnen.
Als Künstler hat er Ausstellungen und Performances auf internationaler Ebene präsentiert, darunter in der Royal Academy of Arts in London, dem Deutschen Historischen Museum in Berlin oder einer Einzelausstellung “Kunst Macht Probleme” in der Crypta Cabaret Voltaire, Birthplace of DADA in Zürich. Er wurde mit dem Migros Jubilée Award in der Kategorie Wissensvermittlung ausgezeichnet und hat diverse Ehrungen durch Webby Awards für seine Arbeit mit rocketboom.com erhalten.
Stefan war Jury-Mitglied des Next Idea Prix Ars Electronica 2010 und war drei Jahre Mitglied der Schulleitung des Gymnasiums Kloster Disentis. Sein Wissen und seine Erfahrung im Bereich der Information und Technologie haben ihm auch dabei geholfen, mit Statistik Stadt Zürich und Wikimedia Schweiz unter WikiDienstag.ch zusammenzuarbeiten.
Sein Engagement im Bereich der freiwilligen Arbeit führte ihn in das Präsidium Internationaler Bodensee Club (Leitung Fachgruppe Wissenschaft) oder für einige andere Jahre als Vice-Präsident des von Paul Watzlawick initiierten P.E.N.-Club Liechtenstein. Seydel hat unter ((( rebell.tv ))) zwei Bücher zusammen mit seiner Partnerin Tina Piazzi veröffentlicht, viele Kolumnen, Fachtexte und journalistische Texte publiziert.
Seine Arbeit auf Social Media nutzt er als Microblogging. In seinem Blog verarbeitet er seine Themen. Einige davon werden auf Anfragen zu lesbaren Texten vertieft, andere werden zu Vorträgen ausgebaut. Bei Carl Auer Verlag in Heidelberg, sammelt er “Elemente einer nächsten Kulturform”. Seine Entwicklungen im Kontext der sozialräumlichen Intervention (“Arbeit am Sozialen”) machen konkrete Vorschläge in Bezug auf die Beantwortung der Sozialen Frage.
Nach 12 Jahren Berlin und 6 Jahren Zürich zog er aber in seiner zweiten Lebenshälfte vom Bodensee der Rheinquelle entgegen nach Dissentis/Mustér und hat seine Reisetätigkeit fast ganz eingestellt. Dafür macht er umsomehr sogenannte Passadis und #Feedlogs (Orgiastik). Das sind Arbeitsmeetings an intentionalen Fragen in einem Lifestream. (so?) Text supported by #TaaS

Aus Band 2 von: Tina Piazzi & Stefan M. Seydel, Junius-Verlag Hamburg | pdf: Band 1, 2009 | Band 2, 2010

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