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#NikolausVonKues und das fürstl. Closter Dissentis

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WER IST NIKOLAUS VON KUES?

Niko­laus Cryfftz | Cues | Cusa | …

Niko­laus von Kues (1401–1464), latin­isiert Nico­laus Cusanus, war Philosoph, The­ologe, Kirchen­rechtler, Math­e­matik­er, Kar­di­nal und seit 1450 Fürst­bischof von Brix­en. Er gilt als ein­er der bedeu­tend­sten Denker am Über­gang vom Spät­mit­te­lal­ter zur Renais­sance. Bekan­nt wurde er ins­beson­dere durch seine Idee der «belehrten Unwis­senheit» und durch den Gedanken, dass schein­bare Gegen­sätze in ein­er über­ge­ord­neten Ein­heit zusam­men­fall­en kön­nen. Zugle­ich war er ein ein­flussre­ich­er Kirchen­poli­tik­er und Reformer. Ger­ade deshalb ist der Dis­en­tis­er Vor­gang bemerkenswert: Aus­gerech­net dieser hochge­bildete Human­ist ver­suchte, einen längst über­holten mit­te­lal­ter­lichen Recht­sanspruch erneut durchzuset­zen.

bitte ver­ste­he diesen ein­trag nicht zu schnell… hier gibts nichts zu sehen und nichts zu lesen ;-)

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https://de.wikipedia.org/wiki/Nikolaus_von_Kues

https://de.wikipedia.org/wiki/De_docta_ignorantia

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Bisch%C3%B6fe_von_Bozen-Brixen

NIKOLAUS VON KUES & DAS FÜRSTL. KLOSTER DISENTIS

Als Niko­laus von Kues 1450 Fürst­bischof von Brix­en wurde, über­nahm er auch einen alten Recht­sanspruch seines Bis­tums auf das Kloster Dis­en­tis. Dieser ging auf eine Schenkung Kaiser Hein­richs II. aus dem Jahr 1020 zurück, war jedoch seit Jahrhun­derten nicht mehr wirk­sam und spätestens durch die Frei­heit­srechte des Klosters fak­tisch über­holt.

1453 ver­suchte Niko­laus von Kues den­noch, das alte Vogteirecht erneut gel­tend zu machen. Er übertrug die Vogtei über Dis­en­tis Ulrich von Matsch als Erble­hen. Damit beanspruchte er nicht den Besitz des Klosters, son­dern eine weltliche Schutz‑, Vertre­tungs- und Herrschafts­funk­tion über die Abtei.

Iso Müller beurteilt diesen Schritt ein­deutig:

«Der grosse Cusanus hat hier trotz sein­er glänzen­den juris­tis­chen Bil­dung eine Über­tra­gung erneuert, die schon längst nicht mehr zu Recht bestand. Allein der Schritt hat­te keine tat­säch­lichen Fol­gen.»

Pater Brunos Erin­nerung trifft damit den Kern: Niko­laus von Kues ver­suchte, das Kloster Dis­en­tis unter die Kon­trolle des Fürst­bis­tums Brix­en zu brin­gen. Präzis­er gesagt wollte er ein längst erlosch­enes Vogteirecht reak­tivieren. Der Ver­such blieb rechtlich umstrit­ten und prak­tisch fol­gen­los.

Quellen:

  1. Iso Müller: «Die Dis­en­tis­er Kloster­vogtei der Grafen von Wer­den­berg-Heili­gen­berg 13./14. Jh.» In: Bünd­ner­isches Monats­blatt, 1941, Heft 2, S. 39–56, hier S. 53–54.

https://www.e‑periodica.ch/digbib/view?pid=bmb-001%3A1941%3A0%3A%3A89

  1. Iso Müller: Dis­en­tis­er Klostergeschichte. Erster Band: 700‑1512. Einsiedeln/Köln: Ver­lagsanstalt Ben­ziger & Co. AG, 1942, S. 206.

Der Pfründejäger und das Kloster, das ihm nicht gehörte

Der Pfründejäger und das Kloster, das ihm nicht gehörte

Pater Bruno erzählte mir ein­mal, Niko­laus von Kues habe ver­sucht, das Kloster Dis­en­tis unter seine Kon­trolle zu brin­gen. Ganz abwegig erscheint die Erzäh­lung zunächst nicht. Niko­laus von Kues wird in der Forschung immer wieder als «Pfrün­de­jäger» beze­ich­net. Die oft genan­nte Zahl von rund 30 bezieht sich allerd­ings nicht auf Klöster, son­dern auf Pfrün­den, die er im Laufe seines Lebens besass oder zu erwer­ben ver­suchte: Pfarrstellen, Kanon­ikate, Dekaneien, Prop­steien und andere kirch­liche Ämter, die mit Einkün­ften und häu­fig auch mit poli­tis­chen Ein­flussmöglichkeit­en ver­bun­den waren. (Wikipedia)

Der Aus­druck «Pfrün­de­jäger» ist deshalb nicht falsch, aber verkürzend. Niko­laus bemühte sich dur­chaus eifrig um solche Ämter. Sie bilde­ten die wirtschaftliche Grund­lage sein­er Arbeit, denn er bezog wed­er ein mod­ernes Gehalt noch wurde er von ein­er Ordens­ge­mein­schaft unter­hal­ten. Zugle­ich unter­schied er sich offen­bar von blossen Pfrün­den­samm­lern: Er küm­merte sich inten­siv um die Ver­wal­tung, die wirtschaftlichen Ver­hält­nisse und die Organ­i­sa­tion der Seel­sorge in den ihm über­tra­ge­nen Ein­rich­tun­gen. (cusanus-portal.de)

Für das Kloster Dis­en­tis weist Iso Müller allerd­ings auf eine ganz andere Geschichte hin. Der Anspruch des Bis­tums Brix­en ging auf eine Schenkung von 1020 zurück:

«1020 gab Hein­rich II. das Kloster Dis­en­tis an das Bis­tum Brix­en. Darauf wurde es bald befre­it, bald wieder erneut unter Brix­en gestellt. Jeden­falls aber war dieser Schenkung seit c. 1150 nie wieder Erwäh­nung getan. Sich­er wurde sie noch zulet­zt durch den Frei­heits­brief des Königs Rup­precht von 1408 für Dis­en­tis voll­ständig annul­liert, von den früheren Kaiser- und König­surkun­den nicht zu reden. Rechtlich und tat­säch­lich hat­te diese erneute Bevog­tung gar keine Fol­gen. Es han­delte sich nur um ein plumpes Kampfmit­tel.»

Noch 1442 ver­lieh der dama­lige Bischof Georg von Brix­en dieses ange­bliche Vogteirecht über Dis­en­tis an Ulrich von Matsch. Müller hält dazu fest:

«Doch lassen sich kein­er­lei Anstren­gun­gen der­sel­ben nach­weisen, das ver­al­tete Recht in die Tat umzuset­zen.»

Niko­laus von Kues erscheint in dieser Darstel­lung nicht. Er wurde erst 1450 Bischof von Brix­en, also acht Jahre nach der von Müller erwäh­n­ten Ver­lei­hung. Die Quelle bestätigt deshalb nicht, dass Niko­laus per­sön­lich ver­sucht habe, das Kloster Dis­en­tis zu erwer­ben oder unter seine Kon­trolle zu brin­gen. Sie zeigt lediglich, dass er als später­er Bischof von Brix­en eine Insti­tu­tion über­nahm, die noch immer an einem längst antiquierten Anspruch auf die Vogtei über Dis­en­tis fes­thielt.

Pater Brunos Erzäh­lung ist damit nicht abschliessend wider­legt. Sie muss aber präzisiert wer­den: Niko­laus von Kues hat­te nicht «rund 30 Klöster», son­dern sam­melte zahlre­iche unter­schiedliche Pfrün­den. Und Iso Müllers Darstel­lung belegt keinen per­sön­lichen Zugriff des Pfrün­de­jägers auf Dis­en­tis. Sie doku­men­tiert vielmehr ein ver­al­tetes Brixn­er Recht, das nach Müllers Urteil wed­er rechtlich noch tat­säch­lich wirk­sam war. Ob Niko­laus von Kues später den­noch ver­suchte, diesen alten Anspruch wiederzubeleben, muss eine weit­ere Quelle zeigen.

Quellen:

Müller, Iso: «Die Dis­en­tis­er Kloster­vogtei der Grafen von Wer­den­berg-Heili­gen­berg 13./14. Jh.» In: Bünd­ner­isches Monats­blatt. Zeitschrift für bünd­ner­ische Geschichte, Lan­des- und Volk­skunde, 1941, Heft 2, S. 39–56, hier S. 53–54.

https://www.e‑periodica.ch/digbib/view?pid=bmb-001%3A1941%3A0%3A%3A89

Wal­ter Andreas Euler: «Niko­laus von Kues: Leben, Per­sön­lichkeit und Werk».

https://cusanus-portal.de/content/lw.php

Erich Meuthen: «Die Pfrün­den des Cusanus». In: Mit­teilun­gen und Forschungs­beiträge der Cusanus-Gesellschaft, Band 2, 1962, S. 15–66.

https://www.uni-trier.de/fileadmin/forschung/CUSANUS/mfcg.htm

Vom alten Vogteirecht zum Grauen Bund

1020 | König Hein­rich II. schenkt das Kloster Dis­en­tis dem Bis­tum Brix­en.

1408 | König Ruprecht bestätigt die Frei­heit­en des Klosters Dis­en­tis. Nach Iso Müller war der alte Brixn­er Anspruch damit spätestens aufge­hoben.

1413 | Der Bischof von Brix­en überträgt das behauptete Vogteirecht über Dis­en­tis an Graf Friedrich VII. von Toggen­burg. Iso Müller beze­ich­net diesen Vor­gang als rechtlich und tat­säch­lich fol­gen­los.

1424 | Der Obere Bund wird am 16. März in Trun erneuert, ver­tieft und erweit­ert. Der Abt von Dis­en­tis gehört zu den drei Haupther­ren; zugle­ich wer­den Gemein­den und Freie stärk­er in den Bund ein­be­zo­gen. Der ehe­ma­lige Dis­en­tis­er Kloster­vogt Hugo V. von Wer­den­berg-Heili­gen­berg beteiligt sich eben­falls an der Erneuerung. (HLS-DHS-DSS)

1442 | Bischof Georg von Brix­en ver­lei­ht das ange­bliche Vogteirecht über Dis­en­tis an Ulrich von Matsch. Anstren­gun­gen, dieses «ver­al­tete Recht» tat­säch­lich durchzuset­zen, lassen sich laut Müller nicht nach­weisen.

1450 | Niko­laus von Kues wird zum Bischof von Brix­en ernan­nt. Er übern­immt damit ein Bis­tum, das weit­er­hin alte Ansprüche auf Dis­en­tis mit sich führte. Ein per­sön­lich­er Ver­such des Niko­laus, diesen Anspruch durchzuset­zen, ist damit noch nicht belegt. (Wikipedia)

1524 | Mit dem Bun­des­brief vom 23. Sep­tem­ber geben sich die Drei Bünde eine gemein­same Ver­fas­sung und begrün­den den repub­likanis­chen Freis­taat. (HLS-DHS-DSS)

Die Time­line macht die eigentliche Pointe sehr schön sicht­bar: Während Brix­en an einem alten herrschaftlichen Vogteirecht fes­thielt, entwick­elte sich in der Sur­sel­va eine bündis­che Ord­nung, welche Herrschaft durch Vere­in­barung, Recht­sprechung und die stärkere Beteili­gung der Gemein­den über­lagerte. Niko­laus von Kues tritt erst 1450 in diese bere­its laufende Geschichte ein.

Das erk­lärt möglicher­weise auch Pater Brunos Erzäh­lung: Ein tat­säch­lich vorhan­den­er insti­tu­tioneller Anspruch Brix­ens kön­nte später mit dem berühmtesten Brixn­er Bischof ver­bun­den wor­den sein. Das ist eine plau­si­ble Ver­mu­tung, aber noch kein Quel­len­be­leg.

Niko­laus von Kues (1401–1464) war sein­er Zeit weit voraus: Er lehnte die zwangsweise Mis­sion von Juden und Mus­li­men ab und gilt als Vor­re­it­er des inter­re­ligiösen Gesprächs.

https://www.evangelisch.de/inhalte/108639/11–08-2014

Cusanus entwick­elt eine Erken­nt­nis­the­o­rie, die das mit­te­lal­ter­liche Denken hin­ter sich läßt und die Tür zur Renais­sance und zur Neuzeit weit auf­stößt. Nicht mehr die Ord­nung und Kat­a­l­o­gisierung der Dinge ist ihm wichtig, son­dern die Beziehun­gen der Dinge untere­inan­der.

https://www.nikolaus-von-kues.de/film/

His phi­los­o­phy cen­ters on the Coin­ci­den­tia Oppos­i­to­rum—the Coin­ci­dence of Oppo­sites. This is the rad­i­cal idea that at the lev­el of the Infi­nite, all con­tra­dic­tions (light and dark, finite and infi­nite, move­ment and rest) are resolved into uni­ty. For the depth psy­chol­o­gist, this is not mere­ly the­ol­o­gy; it is a blue­print for the Self. It pre­fig­ures the Jun­gian under­stand­ing that psy­cho­log­i­cal health is not the tri­umph of “good” over “bad,” but the alchem­i­cal mar­riage of oppos­ing forces with­in the psy­che.

https://gettherapybirmingham.com/blog/the-visionary-thought-of-nicholas-of-cusa/

Das Zen­trum ist über­all. Die Periph­erie nir­gends.

(Quelle?)

Ja. Der Satz passt sehr genau zu Niko­laus von Kues – deine For­mulierung ist allerd­ings eine freie Verdich­tung, kein wörtlich­es Zitat.

Niko­laus schreibt 1440 in De doc­ta igno­ran­tia:

«Unde erit machi­na mun­di qua­si habens undique cen­trum et nulli­bi cir­cum­fer­en­ti­am, quo­ni­am eius cir­cum­fer­en­tia et cen­trum est Deus, qui est undique et nulli­bi.»

Sin­ngemäss:

«Daher wird die Welt­mas­chine gle­ich­sam ihr Zen­trum über­all und ihren Umfang nir­gends haben, weil Gott, der über­all und nir­gends ist, ihr Umfang und Zen­trum ist.» (Wik­isource)

Die voll­ständi­ge Quel­lenangabe:

Niko­laus von Kues: De doc­ta igno­ran­tia. Buch II, Kapi­tel 12, Nr. 162. In: Nico­lai de Cusa Opera omnia, Band I. Her­aus­gegeben von Ernst Hoff­mann und Ray­mond Kliban­sky. Leipzig: Felix Mein­er, 1932.

https://la.wikisource.org/wiki/De_docta_ignorantia/2

https://cusanus-portal.de/content/lexi.artikel.php?arid=297

https://cusanus-portal.de/content/b_list.php

Für unseren Text würde ich schreiben:

Niko­laus von Kues hat­te bere­its 1440 eine Welt beschrieben, deren Zen­trum über­all und deren Umfang nir­gends liegt.

Oder, näher an deinem mit­ge­tra­ge­nen Satz:

«Das Zen­trum ist über­all. Die Periph­erie nir­gends.»
– frei nach Niko­laus von Kues, De doc­ta igno­ran­tia II, 12.

«Periph­erie» ist dabei unsere Über­set­zung und Zus­pitzung von cir­cum­fer­en­tia: wörtlich eher «Umfang», «Umkreis» oder «Kreis­lin­ie». Zudem hat Cusanus die Formel nicht erfun­den; er übern­immt ein älteres the­ol­o­gis­ches Bild und wen­det es radikal auf die «Welt­mas­chine» an. Genau darin liegt die cusanis­che Pointe: Nicht nur Gott, son­dern die Welt selb­st lässt sich nicht mehr von einem einzi­gen aus­geze­ich­neten Mit­telpunkt aus ord­nen. (brill.com)