Iteration A‑003/0.7 | Von der “Explikation des Impliziten” zur “parametrischen Modellierung des Sozialen”.

Die Kul­tur­form der Mod­erne machte das Implizite expliz­it. Die Com­put­erkul­tur macht das Soziale para­metrisch gestalt­bar.

Was ist para­metr­siche Mod­el­lierung?

“The Next Orga­ni­za­tion Will Not Be Orga­nized.”

dfdu.org/manifest 2017

Lösun­gen erken­nt man am Ver­schwinden des Prob­lems.

Wittgen­stein, TLP 6.521

M/ein Blog ist m/ein Karten­raum und k/eine Bühne. Ich weiss wie man pub­liziert. Das hier ist etwas anderes. d!a!n!k!e | WORK IN PROGRESS reload für aktuellen schreib­stand | warum ich nicht pub­liziere? weil ich es kann. weil es geht. weil ich es für angemessen halte.

Ausgangspunkt war deine morgendliche Notiz auf dem Zettelchen:

Axiome
one can­not not …
unter­schei­den
beobacht­en
han­deln

Unter­schei­den ist ja auch han­deln. Bloss nicht so ver­schwitzt.

/sms ;-)

Kom­mu­nika­tion
Infor­ma­tion
Mit­teilung
Ver­ste­hen

Missver­ste­hen ist auch Ver­ste­hen.

Klas­sis­ch­er #Wat­zlaWitz seit 1967 (so?)

Daraus haben wir mehrere Schritte gemacht…

Summary/Spoiler/TL;DR

  1. Eine Kul­tur­the­o­rie muss den Kul­tur­wech­sel notwendig machen.

Sie beschreibt nicht bloss eine Krise. Sie zeigt, weshalb die bish­erige Lösung an ihre Gren­zen gelangt und warum ein “Weit­er so” inner­halb der­sel­ben Kul­tur­form die Prob­leme eher ver­stärkt als löst.

  1. Eine Kul­tur­the­o­rie muss den neuen Lösungsraum sicht­bar machen.

Sie entwirft keine Utopie. Sie macht sicht­bar, welche Möglichkeit­en das neue Medi­um bere­its eröffnet und weshalb sich daraus eine neue Antwort auf dieselbe soziale Her­aus­forderung ergibt. Der Kul­tur­wech­sel erscheint dadurch nicht beliebig, son­dern als nahe­liegende und prak­tisch erprobte Möglichkeit.

  1. Eine Kul­tur­the­o­rie muss die Zer­falls­form der eige­nen Lösung bere­its mit­denken.

Jede Kul­tur­form ist eine her­vor­ra­gende Antwort auf die Zer­falls­form ihrer Vorgän­gerin. Ger­ade deshalb trägt sie aber auch die Möglichkeit ihrer eige­nen Über­steigerung bere­its in sich. Wer diese Zer­falls­form von Anfang an mitre­flek­tiert, ver­hin­dert, dass die neue Lösung selb­st zur neuen Ide­olo­gie wird.

Ich glaube, dieser dritte Punkt ist tat­säch­lich aussergewöhn­lich. Er macht aus ein­er Fortschrittserzäh­lung eine rekur­sive The­o­rie gesellschaftlich­er Entwick­lung. Es gibt keine endgültige Kul­tur­form. Jede Antwort erzeugt neue Möglichkeit­en – und neue Risiken. Genau deshalb bleibt auch die Com­put­erkul­tur beobacht­bar und kri­tisier­bar.

Und vielleicht ist das sogar die eigentliche Pointe unserer heutigen Arbeit:

Eine Kul­tur­form wird nicht dadurch abgelöst, dass sie falsch war. Sie wird abgelöst, weil ihre erfol­gre­ich­ste Antwort in ihrer Zer­falls­form selb­st zum Prob­lem wird. Die näch­ste Kul­tur­form begin­nt deshalb nicht mit ein­er Kri­tik ihrer Vorgän­gerin, son­dern mit ein­er neuen Antwort auf dieselbe soziale Her­aus­forderung. Das erk­lärt, weshalb wir die vier Kul­tur­for­men kon­se­quent pos­i­tiv beschreiben kön­nen. Jede von ihnen war – und ist – eine gute Antwort. Nur keine ist die let­zte.

bitte ver­ste­he diesen ein­trag nicht zu schnell… hier gibts nichts zu sehen und nichts zu lesen ;-)

GPst­Gn-WwAAW1xQ
previous arrow
next arrow

  1. Die erste Ent­deck­ung

Die drei Axiome und Luh­manns drei Selek­tio­nen der Kom­mu­nika­tion spiegeln sich struk­turell.

Nicht als iden­tis­che Begriffe, son­dern als ähn­liche Form:

AxiomeKom­mu­nika­tion
unter­schei­denInfor­ma­tion
beobacht­enMit­teilung
han­delnVer­ste­hen

Unter­schei­den erzeugt Infor­ma­tion.
Beobacht­en erscheint als Mit­teilung.
Ver­ste­hen ist Anschluss und damit bere­its Hand­lung.

  1. Wat­zlaw­ick / Luh­mann

Wir haben Wat­zlaw­ick und Luh­mann nicht gegeneinan­der gestellt, son­dern als Radikalisierungslin­ie gele­sen:

Wat­zlaw­ick: Ver­ste­hen ist Missver­ste­hen.
Luh­mann: Ver­ste­hen ist Anschluss.

Bei­de ste­hen im Hor­i­zont radikalen Kon­struk­tivis­mus. Luh­mann denkt nach Wat­zlaw­ick weit­er: Entschei­dend ist nicht iden­tis­ches Ver­ste­hen, son­dern Anschlussfähigkeit.

  1. Karte / Ter­ri­to­ri­um

Dann kam Korzyb­s­ki:

Die Karte ist nicht das Ter­ri­to­ri­um.

Für unsere Lin­ie:

Infor­ma­tion ist nicht Welt.
Mit­teilung ist nicht Infor­ma­tion.
Ver­ste­hen ist nicht Mit­teilung.

Kom­mu­nika­tion pro­duziert keine trans­par­ente Wirk­lichkeit, son­dern anschlussfähige Karten.

  1. Mod­erne / Trans­parenz

Wir haben den Trans­parenzbe­griff kor­rigiert.

Die Mod­erne will nicht ein­fach «die Welt voll­ständig abbilden». Das wäre zu platt.

Die Kul­tur­form der Mod­erne ver­langt Exp­lika­tion:

Zeig deine Begriffe.
Zeig deine Meth­ode.
Zeig deine Quellen.
Zeig deine Schlüsse.

Nicht weil die Welt dadurch voll­ständig sicht­bar würde, son­dern weil Arbeit repro­duzier­bar, prüf­bar und kri­tisier­bar wer­den soll.

Kurz:

Die Mod­erne ver­langt nicht Trans­parenz der Welt, son­dern Trans­parenz der Oper­a­tio­nen.

  1. Werte- und Entwick­lungsquadrat

Dann haben wir die Kul­tur­for­men nicht neg­a­tiv beschrieben, son­dern als pos­i­tive Antworten auf soziale Her­aus­forderun­gen.

Jede Kul­tur­form hält pos­i­tive Werte hoch. Ihre Zer­falls­form entste­ht, wenn diese Werte über­zo­gen wer­den. Die näch­ste Kul­tur­form reagiert auf diese Zer­falls­form.

Kul­tur­formpos­i­tiv­er KernZer­falls­form
SpracheZuge­hörigkeit / VerbindlichkeitStammeszwang
SchriftOri­en­tierung / SinnDog­ma / Ausle­gung­sh­errschaft
Buch­druckKri­tik / Exp­lika­tionKon­troll­trans­parenz
Com­put­erCom­monism / Xero­c­ra­cypara­metrische Sozial­s­teuerung
  1. Buch­druckz­er­fall ≠ Com­put­erkul­tur

Wichtig war die Klärung:

Plat­tfor­m­macht ist nicht Com­put­erkul­tur.

Plat­tfor­m­macht ist die dig­i­tale Zer­falls­form der Buch­druck­kul­tur, weil sie sich noch immer mit mod­er­nen Ide­alen legit­imiert:

Trans­parenz.
Effizienz.
Sicher­heit.
Evi­denz.
Mess­barkeit.
Kon­trolle.

Das ist kein Kul­tur­wech­sel, son­dern Kul­tur­wan­del im Zer­fall.

  1. Com­put­erkul­tur mit #TheS­taub­Ber­nascon­i­Ma­trix

Dann haben wir die Com­put­erkul­tur genauer gefasst:

Nicht ein­fach Dig­i­tal­isierung.
Nicht ein­fach Com­put­er.
Nicht Sil­i­con Val­ley.

Son­dern:

Die Kontin­genz des Sozialen wird sicht­bar und para­metrisch bear­beit­bar.

Mit #TheS­taub­Ber­nascon­i­Ma­trix:

Dimen­sionpos­i­tive Com­put­erkul­turZer­falls­form
Anord­nungsoziale Beziehun­gen wer­den gestalt­bartotale Rekon­fig­urier­barkeit
ZugangZugänge wer­den verteil­barExk­lu­sion durch Para­me­ter
Legit­i­ma­tionBegrün­dun­gen wer­den ver­sion­ier­barLegit­i­ma­tion durch Score
Durch­set­zungMacht­mit­tel wer­den sicht­bar und begrenzbarautoma­tisierte Durch­set­zung
  1. Vor­läu­fige Pointe

Die Mod­erne wollte zeigen, wie gear­beit­et wurde.

Die Com­put­erkul­tur kann ein­stellen, wie das Soziale arbeit­et.

Pos­i­tive Form:

Com­monism / Xero­c­ra­cy = para­metrische Gestal­tung gemein­samer Infra­struk­turen.

Zer­falls­form:

total gekop­pelte, para­metrisch opti­mierte Sozial­mas­chine.