*Venezia | Landingpage | Die Metapher vom #KulturWechsel: Eine Stadt ins Meer bauen…

“Ich liebe Tra­di­tio­nen so sehr, dass ich neue erfind­en will.” (so?)

sagte auch /sms ;-)
Bild / Prax­isWas sicht­bar wirdForm der VerbindungBedeu­tung für #PlanD
Kre­olis­ch­er GartenVer­schiedenes wird bewusst so ange­ord­net, dass es sich gegen­seit­ig trägt.Sym­biose durch Kom­po­si­tionWie müssen Ele­mente ange­ord­net sein, damit Ver­sorgung und Vielfalt gemein­sam möglich wer­den?
Man­gro­vis­ches DenkenSta­bil­ität entste­ht in beweglichen, wider­sprüch­lichen Über­gangsräu­men.Resilienz durch Ver­flech­tungWie bleibt eine Struk­tur hand­lungs­fähig, obwohl sich ihre Bedin­gun­gen fort­laufend verän­dern?
Myk­o­r­rhiza-Kom­mu­nika­tionUnsicht­bare Infra­struk­turen ermöglichen Aus­tausch zwis­chen eigen­ständi­gen Lebe­we­sen.Koor­di­na­tion durch dezen­trale Net­zeWie kön­nen Ressourcen und Sig­nale zirkulieren, ohne zen­trale Organ­i­sa­tion?
MYZELT EUCHDie myzelis­che Verbindung wird sozial vol­l­zo­gen.Verbinden, ver­sor­gen, weit­ergebenWie kann ich Beziehun­gen her­stellen, in denen etwas gemein­sam möglich wird, ohne daraus eine Organ­i­sa­tion zu machen?

Die Bewe­gung lautet:

Garten = anord­nen.
Man­grove = beste­hen.
Myk­o­r­rhiza = kom­mu­nizieren.
MYZELT EUCH = vol­lziehen.

Was wäre, wenn #PlanD als künstlerische Praxis beobachtet würde?

Dann wäre das zunächst eine Beobach­tung der Kun­st über #PlanD – nicht die Selb­st­beschrei­bung von #PlanD.

#PlanD würde im Kun­st­sys­tem als kün­st­lerische Prax­is les­bar, weil es mit Ver­such­sanord­nun­gen, Sym­bol­en, Inter­ven­tio­nen, Sit­u­a­tio­nen und offe­nen Prozessen arbeit­et. Dadurch kön­nte es Sicht­barkeit, Res­o­nanz und Anschluss gewin­nen.

Gle­ichzeit­ig entstünde das Risiko der Rück­über­set­zung in die Mod­erne: Aus Infra­struk­tur würde Instal­la­tion, aus Com­mons Par­tizipa­tion, aus Ver­sorgung ein kün­st­lerisches The­ma, aus sozialer Oper­a­tion ein Werk.

Die entschei­dende Unter­schei­dung lautet deshalb:

#PlanD kann als kün­st­lerische Prax­is beobachtet wer­den.
Aber #PlanD erschöpft sich nicht in dieser Beobach­tung.

Für #Com­moroque wäre genau das inter­es­sant: Kun­st nicht ablehnen, son­dern als eine mögliche Beobach­tungs­form unter anderen behan­deln – ohne ihr das let­zte Wort über die Form zu geben.

Mechanik → Kreis­lauf → Sys­tem → Net­zw­erk → Rhi­zom → Man­grove → Myk­o­r­rhiza → Myzel

Denk­fig­urWie Entwick­lung erscheintWie Ord­nung entste­htWas gegenüber der vorheri­gen Fig­ur neu wirdPhilosophis­che und the­o­retis­che Anschlüsse
mech­a­nischEntwick­lung ist Bewe­gung zusam­menge­set­zter Teile nach bes­timm­baren Geset­zen.Durch Kon­struk­tion, Zer­legung und lin­eare Ursache-Wirkungs-Beziehun­gen.Die Welt wird als berechen­bare und tech­nisch her­stell­bare Mas­chine gedacht.René Descartes, Isaac New­ton, Julien Offray de La Met­trie. Descartes entwick­elt eine Naturlehre kör­per­lich­er Bewe­gung; New­ton math­e­ma­tisiert die Natur­philoso­phie weit­er. (Stan­ford Ency­clo­pe­dia of Phi­los­o­phy)
kreis­lauf­för­mig / kyber­netischEntwick­lung ist Rück­kop­plung: Wirkun­gen fliessen in den Prozess zurück.Durch Infor­ma­tion, Feed­back, Steuerung und Kor­rek­tur.Die Wirkung verän­dert nun ihre eigene Ursache; Entwick­lung ver­läuft nicht mehr nur lin­ear.Nor­bert Wiener, Gre­go­ry Bate­son, Heinz von Foer­ster. Wiener fasst Kyber­netik als Steuerung und Kom­mu­nika­tion in Maschi­nen und Lebe­we­sen. (MIT Press Direct)
sys­temischEntwick­lung ist die fort­laufende Repro­duk­tion ein­er Dif­ferenz von Sys­tem und Umwelt.Durch Selb­stor­gan­i­sa­tion, Grenz­bil­dung, Autopoiesis und struk­turelle Kop­plung.Nicht die Teile erzeu­gen die Ein­heit; die Ein­heit bes­timmt, welche Oper­a­tio­nen zu ihr gehören.Lud­wig von Berta­lanffy, Hum­ber­to Mat­u­rana, Fran­cis­co Varela, Niklas Luh­mann. Luh­mann überträgt Autopoiesis auf soziale Sys­teme, die sich durch Kom­mu­nika­tion repro­duzieren. (opo.iisj.net)
ver­net­ztEntwick­lung ist Verän­derung von Knoten, Verbindun­gen, Strö­men und Über­set­zun­gen.Durch rela­tionale Verknüp­fung men­schlich­er und nicht­men­schlich­er Beteiligter.Ord­nung braucht wed­er ein Zen­trum noch zwin­gend eine feste Sys­tem­gren­ze.Michel Ser­res, Bruno Latour, Michel Cal­lon, Manuel Castells. Latour unter­sucht het­ero­gene Akteur-Net­zw­erke; Castells beschreibt die Net­zw­erkge­sellschaft als neue gesellschaftliche Organ­i­sa­tions­form. (Bruno Latour)
rhi­zoma­tischEntwick­lung bre­it­et sich seitlich, sprung­haft und von unter­schiedlichen Aus­gangspunk­ten aus.Durch Viel­heit­en, Abzwei­gun­gen, Unter­brechun­gen und neue Verbindun­gen.Das Net­zw­erk wird aus­drück­lich ohne Stamm, Zen­trum, Ursprung und über­ge­ord­nete Hier­ar­chie gedacht.Gilles Deleuze und Félix Guat­tari. Das Rhi­zom beze­ich­net eine dezen­trale Viel­heit, in der unter­schiedliche Punk­te miteinan­der ver­bun­den wer­den kön­nen. (Open Ency­clo­pe­dia of Anthro­pol­o­gy)
man­gro­vischEntwick­lung geschieht im Über­gang zwis­chen unter­schiedlichen Milieus und Ord­nun­gen.Durch Ver­flech­tung, Anpas­sung, Sed­i­men­tierung und das Bewohnen insta­bil­er Schwellen.Dezen­tral­ität genügt nicht mehr: Es geht darum, unter wider­sprüch­lichen Bedin­gun­gen einen gemein­samen Leben­sraum her­vorzubrin­gen.Édouard Glis­sant, ergänzend Anna Lowen­haupt Tsing. Glis­sants Denken der Rela­tion, Kre­olisierung und des Archipels liefert einen Anschluss; die Man­grove als Entwick­lungs­fig­ur ist unsere eigene Set­zung. (Research­Gate)
myk­o­r­rhizischEntwick­lung entste­ht durch Beziehun­gen, über die unter­schiedliche Lebens­for­men Ressourcen aus­tauschen und einan­der Lebens­möglichkeit­en eröff­nen.Durch Kop­plung, Schnittstellen, Aus­tausch und wech­sel­seit­ige Abhängigkeit.Nicht mehr nur die Verbindung oder der gemein­same Leben­sraum ste­ht im Zen­trum, son­dern eine Infra­struk­tur gegen­seit­iger Ver­sorgung.Lynn Mar­gulis, Suzanne Simard, Toby Kiers, Don­na Har­away. Biol­o­gisch beze­ich­net Myk­o­r­rhiza die sym­bi­o­tis­che Beziehung zwis­chen Pflanzen­wurzeln und Pilzen, in der unter anderem Kohlen­stoff und Boden­nährstoffe aus­ge­tauscht wer­den. (Kew Gar­dens)
myzelischEntwick­lung ist aktives Suchen, Wach­sen, Durch­drin­gen, Zer­set­zen, Trans­portieren, Verteilen und Regener­ieren.Durch eine lebendi­ge Struk­tur, die sich fort­laufend aus­bre­it­et, umbaut und auf ihre Umge­bung reagiert.Die Infra­struk­tur wird selb­st aktiv: Sie verbindet nicht bloss Vorhan­denes, son­dern erschliesst Ressourcen, verän­dert Räume und erzeugt neue Bedin­gun­gen des Lebens.Anna Lowen­haupt Tsing, Don­na Har­away, Mer­lin Shel­drake; natur­wis­senschaftlich etwa Lynne Bod­dy und Yu Fuka­sawa. Myzeliale Net­zw­erke wach­sen auf Ressourcen zu, trans­portieren Stoffe und Sig­nale und verän­dern ihre Net­zw­erk­struk­tur. (Nature)

Die Kurz­form:

Denk­fig­urOper­a­tion
Mechanikzer­legt und kon­stru­iert
Kreis­laufführt zurück und reg­uliert
Sys­temunter­schei­det und repro­duziert
Net­zw­erkverbindet und verteilt
Rhi­zomunter­läuft und wuchert
Man­grovebewohnt und sta­bil­isiert Übergänge
Myk­o­r­rhizakop­pelt, tauscht aus und ver­sorgt
Myzelsucht, wächst, ver­wan­delt und regener­iert

Die Lin­ie als Verän­derung der Leit­frage:

  1. Wie funk­tion­ieren die Teile?
  2. Wie reg­uliert sich der Prozess?
  3. Wie repro­duziert sich die Ein­heit?
  4. Wie verän­dern sich die Verbindun­gen?
  5. Wie entste­ht Ord­nung ohne Stamm und Zen­trum?
  6. Wie lässt sich ein insta­bil­er Über­gang bewohnen?
  7. Welche Beziehun­gen ermöglichen wech­sel­seit­ige Ver­sorgung?
  8. Wie wird diese Infra­struk­tur selb­st aktiv, suchend und gestal­tend?

Die entschei­dende Unter­schei­dung am Ende:

Myk­o­r­rhiza ist die Beziehung.
Myk­o­r­rhiza ist die Schnittstelle.
Myk­o­r­rhiza ist die Infra­struk­tur wech­sel­seit­i­gen Aus­tauschs.

Myzel ist die Aktiv­ität.
Myzel wächst, sucht und reagiert.
Myzel zer­set­zt Vorhan­denes und set­zt Stoffe neu zusam­men.
Myzel erschliesst Räume und erzeugt neue Lebens­be­din­gun­gen.

Darum ste­ht das Myzel am Ende:

Das Net­zw­erk verbindet.
Das Rhi­zom unter­läuft.
Die Man­grove bewohnt den Über­gang.
Die Myk­o­r­rhiza ermöglicht wech­sel­seit­ige Ver­sorgung.
Das Myzel wird tätig.

Biol­o­gisch ist diese Rei­hen­folge keine natür­liche Evo­lu­tions­folge: Myk­o­r­rhiza und Myzel sind nicht zwei voneinan­der getren­nte Stufen. Eine Myk­o­r­rhiza ist eine Pilz-Wurzel-Beziehung, die durch Hyphen und Myzel real­isiert wird. Die Tren­nung ist unsere kul­tur­the­o­retis­che Oper­a­tion:

Myk­o­r­rhiza = rela­tionale Infra­struk­tur
Myzel = aktive Organ­i­sa­tions­form

Damit endet unsere Lin­ie nicht beim Ver­net­zt­sein und auch nicht beim Ver­sorgtwer­den. Sie endet beim Tätig­w­er­den ein­er verteil­ten, lebendi­gen Struk­tur.

Quellen:

  1. René Descartes, mech­a­nis­che Natur­philoso­phie
    https://plato.stanford.edu/entries/descartes/
  2. Isaac New­ton, Natur­philoso­phie
    https://plato.stanford.edu/entries/newton-philosophy/
  3. Nor­bert Wiener, Cyber­net­ics
    https://direct.mit.edu/books/oa-monograph/4581/Cybernetics-or-Control-and-Communication-in-the
  4. Bruno Latour, Actor-Net­work The­o­ry
    http://www.bruno-latour.fr/sites/default/files/P‑67%20ACTOR-NETWORK.pdf
  5. Gilles Deleuze und Félix Guat­tari, Rhi­zom
    https://academic.oup.com/edited-volume/61883/chapter/547768292
  6. Don­na Har­away, Stay­ing with the Trou­ble
    https://www.dukeupress.edu/staying-with-the-trouble
  7. Anna Lowen­haupt Tsing, The Mush­room at the End of the World
    https://www.jstor.org/stable/j.ctvc77bcc
  8. Roy­al Botan­ic Gar­dens Kew, Myk­o­r­rhiza
    https://www.kew.org/science/our-science/departments/ecosystem-stewardship/mycorrhizal-ecology

Hin­weis zur Quel­len­lage: Die Stufen 1 bis 5 sind an etablierte The­o­riebe­griffe gebun­den. Man­grove → Myzel → Myk­o­r­rhiza ist unsere eigene Entwick­lungslin­ie; die genan­nten Per­so­n­en liefern Anschlüsse, aber keine iden­tis­che his­torische Stufen­lehre.