wozu #venezia?
— dissent.is/███████ (@sms2sms) June 24, 2026
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“Ich liebe Traditionen so sehr, dass ich neue erfinden will.” (so?)
sagte auch /sms ;-)

| Bild / Praxis | Was sichtbar wird | Form der Verbindung | Bedeutung für #PlanD |
|---|---|---|---|
| Kreolischer Garten | Verschiedenes wird bewusst so angeordnet, dass es sich gegenseitig trägt. | Symbiose durch Komposition | Wie müssen Elemente angeordnet sein, damit Versorgung und Vielfalt gemeinsam möglich werden? |
| Mangrovisches Denken | Stabilität entsteht in beweglichen, widersprüchlichen Übergangsräumen. | Resilienz durch Verflechtung | Wie bleibt eine Struktur handlungsfähig, obwohl sich ihre Bedingungen fortlaufend verändern? |
| Mykorrhiza-Kommunikation | Unsichtbare Infrastrukturen ermöglichen Austausch zwischen eigenständigen Lebewesen. | Koordination durch dezentrale Netze | Wie können Ressourcen und Signale zirkulieren, ohne zentrale Organisation? |
| MYZELT EUCH | Die myzelische Verbindung wird sozial vollzogen. | Verbinden, versorgen, weitergeben | Wie kann ich Beziehungen herstellen, in denen etwas gemeinsam möglich wird, ohne daraus eine Organisation zu machen? |
Die Bewegung lautet:
Garten = anordnen.
Mangrove = bestehen.
Mykorrhiza = kommunizieren.
MYZELT EUCH = vollziehen.
Was wäre, wenn #PlanD als künstlerische Praxis beobachtet würde?
Dann wäre das zunächst eine Beobachtung der Kunst über #PlanD – nicht die Selbstbeschreibung von #PlanD.
#PlanD würde im Kunstsystem als künstlerische Praxis lesbar, weil es mit Versuchsanordnungen, Symbolen, Interventionen, Situationen und offenen Prozessen arbeitet. Dadurch könnte es Sichtbarkeit, Resonanz und Anschluss gewinnen.
Gleichzeitig entstünde das Risiko der Rückübersetzung in die Moderne: Aus Infrastruktur würde Installation, aus Commons Partizipation, aus Versorgung ein künstlerisches Thema, aus sozialer Operation ein Werk.
Die entscheidende Unterscheidung lautet deshalb:
#PlanD kann als künstlerische Praxis beobachtet werden.
Aber #PlanD erschöpft sich nicht in dieser Beobachtung.
Für #Commoroque wäre genau das interessant: Kunst nicht ablehnen, sondern als eine mögliche Beobachtungsform unter anderen behandeln – ohne ihr das letzte Wort über die Form zu geben.
Mechanik → Kreislauf → System → Netzwerk → Rhizom → Mangrove → Mykorrhiza → Myzel
| Denkfigur | Wie Entwicklung erscheint | Wie Ordnung entsteht | Was gegenüber der vorherigen Figur neu wird | Philosophische und theoretische Anschlüsse |
|---|---|---|---|---|
| mechanisch | Entwicklung ist Bewegung zusammengesetzter Teile nach bestimmbaren Gesetzen. | Durch Konstruktion, Zerlegung und lineare Ursache-Wirkungs-Beziehungen. | Die Welt wird als berechenbare und technisch herstellbare Maschine gedacht. | René Descartes, Isaac Newton, Julien Offray de La Mettrie. Descartes entwickelt eine Naturlehre körperlicher Bewegung; Newton mathematisiert die Naturphilosophie weiter. (Stanford Encyclopedia of Philosophy) |
| kreislaufförmig / kybernetisch | Entwicklung ist Rückkopplung: Wirkungen fliessen in den Prozess zurück. | Durch Information, Feedback, Steuerung und Korrektur. | Die Wirkung verändert nun ihre eigene Ursache; Entwicklung verläuft nicht mehr nur linear. | Norbert Wiener, Gregory Bateson, Heinz von Foerster. Wiener fasst Kybernetik als Steuerung und Kommunikation in Maschinen und Lebewesen. (MIT Press Direct) |
| systemisch | Entwicklung ist die fortlaufende Reproduktion einer Differenz von System und Umwelt. | Durch Selbstorganisation, Grenzbildung, Autopoiesis und strukturelle Kopplung. | Nicht die Teile erzeugen die Einheit; die Einheit bestimmt, welche Operationen zu ihr gehören. | Ludwig von Bertalanffy, Humberto Maturana, Francisco Varela, Niklas Luhmann. Luhmann überträgt Autopoiesis auf soziale Systeme, die sich durch Kommunikation reproduzieren. (opo.iisj.net) |
| vernetzt | Entwicklung ist Veränderung von Knoten, Verbindungen, Strömen und Übersetzungen. | Durch relationale Verknüpfung menschlicher und nichtmenschlicher Beteiligter. | Ordnung braucht weder ein Zentrum noch zwingend eine feste Systemgrenze. | Michel Serres, Bruno Latour, Michel Callon, Manuel Castells. Latour untersucht heterogene Akteur-Netzwerke; Castells beschreibt die Netzwerkgesellschaft als neue gesellschaftliche Organisationsform. (Bruno Latour) |
| rhizomatisch | Entwicklung breitet sich seitlich, sprunghaft und von unterschiedlichen Ausgangspunkten aus. | Durch Vielheiten, Abzweigungen, Unterbrechungen und neue Verbindungen. | Das Netzwerk wird ausdrücklich ohne Stamm, Zentrum, Ursprung und übergeordnete Hierarchie gedacht. | Gilles Deleuze und Félix Guattari. Das Rhizom bezeichnet eine dezentrale Vielheit, in der unterschiedliche Punkte miteinander verbunden werden können. (Open Encyclopedia of Anthropology) |
| mangrovisch | Entwicklung geschieht im Übergang zwischen unterschiedlichen Milieus und Ordnungen. | Durch Verflechtung, Anpassung, Sedimentierung und das Bewohnen instabiler Schwellen. | Dezentralität genügt nicht mehr: Es geht darum, unter widersprüchlichen Bedingungen einen gemeinsamen Lebensraum hervorzubringen. | Édouard Glissant, ergänzend Anna Lowenhaupt Tsing. Glissants Denken der Relation, Kreolisierung und des Archipels liefert einen Anschluss; die Mangrove als Entwicklungsfigur ist unsere eigene Setzung. (ResearchGate) |
| mykorrhizisch | Entwicklung entsteht durch Beziehungen, über die unterschiedliche Lebensformen Ressourcen austauschen und einander Lebensmöglichkeiten eröffnen. | Durch Kopplung, Schnittstellen, Austausch und wechselseitige Abhängigkeit. | Nicht mehr nur die Verbindung oder der gemeinsame Lebensraum steht im Zentrum, sondern eine Infrastruktur gegenseitiger Versorgung. | Lynn Margulis, Suzanne Simard, Toby Kiers, Donna Haraway. Biologisch bezeichnet Mykorrhiza die symbiotische Beziehung zwischen Pflanzenwurzeln und Pilzen, in der unter anderem Kohlenstoff und Bodennährstoffe ausgetauscht werden. (Kew Gardens) |
| myzelisch | Entwicklung ist aktives Suchen, Wachsen, Durchdringen, Zersetzen, Transportieren, Verteilen und Regenerieren. | Durch eine lebendige Struktur, die sich fortlaufend ausbreitet, umbaut und auf ihre Umgebung reagiert. | Die Infrastruktur wird selbst aktiv: Sie verbindet nicht bloss Vorhandenes, sondern erschliesst Ressourcen, verändert Räume und erzeugt neue Bedingungen des Lebens. | Anna Lowenhaupt Tsing, Donna Haraway, Merlin Sheldrake; naturwissenschaftlich etwa Lynne Boddy und Yu Fukasawa. Myzeliale Netzwerke wachsen auf Ressourcen zu, transportieren Stoffe und Signale und verändern ihre Netzwerkstruktur. (Nature) |
Die Kurzform:
| Denkfigur | Operation |
|---|---|
| Mechanik | zerlegt und konstruiert |
| Kreislauf | führt zurück und reguliert |
| System | unterscheidet und reproduziert |
| Netzwerk | verbindet und verteilt |
| Rhizom | unterläuft und wuchert |
| Mangrove | bewohnt und stabilisiert Übergänge |
| Mykorrhiza | koppelt, tauscht aus und versorgt |
| Myzel | sucht, wächst, verwandelt und regeneriert |
Die Linie als Veränderung der Leitfrage:
- Wie funktionieren die Teile?
- Wie reguliert sich der Prozess?
- Wie reproduziert sich die Einheit?
- Wie verändern sich die Verbindungen?
- Wie entsteht Ordnung ohne Stamm und Zentrum?
- Wie lässt sich ein instabiler Übergang bewohnen?
- Welche Beziehungen ermöglichen wechselseitige Versorgung?
- Wie wird diese Infrastruktur selbst aktiv, suchend und gestaltend?
Die entscheidende Unterscheidung am Ende:
Mykorrhiza ist die Beziehung.
Mykorrhiza ist die Schnittstelle.
Mykorrhiza ist die Infrastruktur wechselseitigen Austauschs.
Myzel ist die Aktivität.
Myzel wächst, sucht und reagiert.
Myzel zersetzt Vorhandenes und setzt Stoffe neu zusammen.
Myzel erschliesst Räume und erzeugt neue Lebensbedingungen.
Darum steht das Myzel am Ende:
Das Netzwerk verbindet.
Das Rhizom unterläuft.
Die Mangrove bewohnt den Übergang.
Die Mykorrhiza ermöglicht wechselseitige Versorgung.
Das Myzel wird tätig.
Biologisch ist diese Reihenfolge keine natürliche Evolutionsfolge: Mykorrhiza und Myzel sind nicht zwei voneinander getrennte Stufen. Eine Mykorrhiza ist eine Pilz-Wurzel-Beziehung, die durch Hyphen und Myzel realisiert wird. Die Trennung ist unsere kulturtheoretische Operation:
Mykorrhiza = relationale Infrastruktur
Myzel = aktive Organisationsform
Damit endet unsere Linie nicht beim Vernetztsein und auch nicht beim Versorgtwerden. Sie endet beim Tätigwerden einer verteilten, lebendigen Struktur.
Quellen:
- René Descartes, mechanische Naturphilosophie
https://plato.stanford.edu/entries/descartes/ - Isaac Newton, Naturphilosophie
https://plato.stanford.edu/entries/newton-philosophy/ - Norbert Wiener, Cybernetics
https://direct.mit.edu/books/oa-monograph/4581/Cybernetics-or-Control-and-Communication-in-the - Bruno Latour, Actor-Network Theory
http://www.bruno-latour.fr/sites/default/files/P‑67%20ACTOR-NETWORK.pdf - Gilles Deleuze und Félix Guattari, Rhizom
https://academic.oup.com/edited-volume/61883/chapter/547768292 - Donna Haraway, Staying with the Trouble
https://www.dukeupress.edu/staying-with-the-trouble - Anna Lowenhaupt Tsing, The Mushroom at the End of the World
https://www.jstor.org/stable/j.ctvc77bcc - Royal Botanic Gardens Kew, Mykorrhiza
https://www.kew.org/science/our-science/departments/ecosystem-stewardship/mycorrhizal-ecology
Hinweis zur Quellenlage: Die Stufen 1 bis 5 sind an etablierte Theoriebegriffe gebunden. Mangrove → Myzel → Mykorrhiza ist unsere eigene Entwicklungslinie; die genannten Personen liefern Anschlüsse, aber keine identische historische Stufenlehre.
