#accents014

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Jedes Mal, wenn das Subjekt sagt: «Meine Daten», hört die Datenbank: «Vater, werde ich erkannt?»

Worum es geht?
Der Hack­er, Kryp­to­graph und Philosoph Dr. Denis Roio (aka #Jaromil) for­muliert einen bemerkenswerten Satz:

«Every time the sub­ject says “I con­trol my data”, the data­base hears: “Father, am I rec­og­nized?”»

Der Satz richtet sich gegen eine ver­bre­it­ete Vorstel­lung dig­i­taler Selb­st­bes­tim­mung: die Idee, dass Men­schen ihre Dat­en kon­trol­lieren kön­nen, wenn sie nur genü­gend Rechte über sie erhal­ten.

Warum es wichtig ist?
Der Satz dreht die übliche Diskus­sion um.

Wer sagt: «Meine Dat­en» muss bere­its eine Instanz anerken­nen, die bestätigt, dass es tat­säch­lich seine Dat­en sind.

Die Forderung nach Kon­trolle set­zt Iden­ti­fika­tion voraus. Und Iden­ti­fika­tion set­zt eine Autorität voraus.

Kon­tex­tu­al­isierung
Die Debat­te über dig­i­tale Sou­veränität bewegt sich oft inner­halb der­sel­ben Unter­schei­dung:

((Kontrolle)Kontrollverlust)

Jaromils Satz ver­schiebt die Frage. Nicht: «Wie kon­trol­liere ich meine Dat­en?» Son­dern: «Warum muss über­haupt jemand bestäti­gen, dass diese Dat­en mir gehören?»

Dieses Prob­lem wurde lange vor Social Media beschrieben.

MichelFou­cault zeigte, wie mod­erne Gesellschaften Frei­heit über Iden­ti­fika­tion, Reg­istrierung und Beobach­tung organ­isieren.

Gilles­Deleuze beschrieb später die Kon­trollge­sellschaft, in der Men­schen nicht mehr eingeschlossen, son­dern per­ma­nent erkan­nt, bew­ertet und ges­teuert wer­den.

Mit #NiklasLuh­mann lässt sich die Frage noch ein­mal ver­schieben: Nicht Sub­jek­te kom­mu­nizieren, son­dern Kom­mu­nika­tion kom­mu­niziert. Iden­ti­fika­tion ist dann keine Voraus­set­zung des Sozialen, son­dern eine bes­timmte Form, Anschlussfähigkeit zu organ­isieren.

Die eigentliche Pointe lautet deshalb:

Wer um die Kon­trolle sein­er Dat­en kämpft, akzep­tiert oft bere­its die Architek­tur, die das Prob­lem erzeugt.

Inter­es­sant sind deshalb Antworten, die die Frage anders stellen.

Capa­bil­i­ty-Sys­teme fra­gen nicht:

  • «Wer bist du?»
    Son­dern:
  • «Was darf­st du tun?»

Com­mons fra­gen nicht:

  • «Wem gehört es?»
    Son­dern:
  • «Wie nutzen wir es gemein­sam?»

Die Auf­gabe ist nicht bessere Iden­ti­fika­tion. Die Auf­gabe ist der Auf­bau von Kom­mu­nika­tions­for­men, in denen Iden­ti­fika­tion nicht zur Voraus­set­zung von Anschlussfähigkeit wird.

Links

  • Anlass / Primärquelle: https://x.com/jaromil
  • Michel Fou­cault: https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%9Cberwachen_und_Strafen
  • Gilles Deleuze: https://www.nadir.org/nadir/archiv/netzkritik/postskriptum.html
  • Niklas Luh­mann: https://de.wikipedia.org/wiki/Soziale_Systeme
  • Capa­bil­i­ty Sys­tems: https://en.wikipedia.org/wiki/Capability-based_security
  • Eli­nor Ostrom: https://www.cambridge.org/core/books/governing-the-commons/7AB7AE11BADA84409C34815CC288CD79
  • Kon­trast: https://dissent.is/PlanD