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«Verschwörungstheorie» ist oft kein Argument. Es ist ein Kommunikationsstopp.
Worum es geht?
Die Weltwoche berichtet über neue Vorwürfe gegen Anthony Fauci im Zusammenhang mit Gain-of-Function-Forschung und dem Ursprung von Covid-19. Unabhängig davon, wie die konkreten Vorwürfe bewertet werden, zeigt die Debatte ein bemerkenswertes Muster: Was lange als Verschwörungstheorie galt, basiert teilweise auf Forschungslinien, die seit Jahrzehnten öffentlich dokumentiert sind.
Warum es wichtig ist?
Der Begriff «Verschwörungstheorie» suggeriert häufig, dass eine Behauptung ausserhalb des legitimen Diskussionsraums steht. Dadurch verschiebt sich die Aufmerksamkeit von der Frage nach Belegen zur Frage nach der gesellschaftlichen Akzeptanz einer Position.

Kontextualisierung
Die historische Entwicklung ist erstaunlich unspektakulär.
1953:
DNA wird entschlüsselt.
1975:
Die Asilomar-Konferenz diskutiert Risiken rekombinanter DNA.
1980er–1990er:
Viren werden gezielt verändert, um Übertragbarkeit, Virulenz und Wirtsspektren zu untersuchen.
2011:
Die H5N1-Kontroverse macht Gain-of-Function weltweit zum politischen Thema.
2014:
Die USA verhängen ein Moratorium für bestimmte Hochrisiko-Experimente.
2017:
Die Forschung wird unter neuen Auflagen wieder zugelassen.
2020–2026:
Covid macht die Frage nach Laborrisiken zu einem globalen Konflikt.
Die eigentliche Geschichte lautet deshalb nicht:
«Verschwörung oder Wahrheit?»
Sondern:
«Welche Fragen dürfen gestellt werden?»
«Verschwörungstheorie» funktioniert oft als Schwurbelwort.
Es markiert eine Position als irrational, bevor ihre Belege geprüft werden.
Damit wird die Diskussion nicht entschieden.
Sie wird organisiert.
Interessant ist dabei, dass dieselbe Technik von sehr unterschiedlichen politischen Lagern verwendet wird.
Nicht die Antwort wird ausgeschlossen.
Die Frage wird ausgeschlossen.
Die eigentliche Herausforderung besteht deshalb nicht darin, jede Behauptung für wahr zu halten.
Sondern darin, zwischen belegten Fakten, plausiblen Hypothesen und unbelegten Behauptungen unterscheiden zu können, ohne die Diskussion bereits durch Etiketten zu beenden.
Links
- Anlass / Primärquelle: https://weltwoche.ch/daily/dr-faucis-luege-us-geheimdienst-entlarvt-corona-verschwoerung/
- DNA-Doppelhelix (1953): https://www.nature.com/articles/171737a0
- Asilomar-Konferenz (1975): https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC432675/
- Gain-of-Function-Risiken: https://nap.nationalacademies.org/catalog/21666
- H5N1-Kontroverse: https://www.science.org/doi/10.1126/science.1213362
- P3CO-Verfahren: https://www.phe.gov/s3/dualuse/pages/p3co.aspx
- WHO SAGO: https://www.who.int/groups/scientific-advisory-group-for-the-origins-of-novel-pathogens-sago
- Begriff: https://dissent.is/moralkommunikation