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«Völlig übertrieben.»

Worum es geht?
Die neue Touris­muskam­pagne «Über­trieben leise» zeigt Men­schen mit zuge­bun­den­em Mund und wirbt gle­ichzeit­ig mit dem «ruhig­sten Kan­ton der Welt». Der Humor ist offen­sichtlich. Ger­ade deshalb lohnt sich ein zweit­er Blick.

Warum es wichtig ist?
Die Pointe lautet nicht ein­fach: «Das ist doch bloss lustig.»

Inter­es­san­ter ist die Frage:

Warum wird aus­gerech­net das Ver­s­tum­men von Men­schen zum Sym­bol touris­tis­ch­er Attrak­tiv­ität?

Kon­tex­tu­al­isierung
Die Kam­pagne übertreibt bewusst.

Men­schen schweigen.
Kirchen­glock­en schweigen.
Tiere schweigen.

Dann fol­gt der Airbag:

«… aber auch ziem­lich über­trieben.»

Genau dadurch wird Kri­tik entschärft.

Wer wider­spricht, gilt schnell als humor­los.

Dabei zeigt die Übertrei­bung etwas Reales.

Touris­mus lebt von Authen­tiz­ität.

Aber nicht von jed­er.

Lebendi­ge Dör­fer sind erwün­scht.

Stre­i­t­ende Dör­fer weniger.

Poli­tis­che Dör­fer noch weniger.

Die Kam­pagne bringt dieses Span­nungs­feld unfrei­willig auf den Punkt.

Nicht weil sie Men­schen tat­säch­lich zum Schweigen brin­gen will.

Son­dern weil sie sicht­bar macht, welche Form von Öffentlichkeit touris­tisch beson­ders gut funk­tion­iert:

ruhig.
entspan­nt.
kon­sum­ier­bar.

Ger­ade deshalb ist der Titel der Kam­pagne erstaunlich tre­f­fend.

«Völ­lig über­trieben.»

Ja.

Vielle­icht.

Aber gute Übertrei­bun­gen machen oft sicht­bar, was im Nor­mal­be­trieb ver­bor­gen bleibt.

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