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«Völlig übertrieben.»
Worum es geht?
Die neue Tourismuskampagne «Übertrieben leise» zeigt Menschen mit zugebundenem Mund und wirbt gleichzeitig mit dem «ruhigsten Kanton der Welt». Der Humor ist offensichtlich. Gerade deshalb lohnt sich ein zweiter Blick.
Warum es wichtig ist?
Die Pointe lautet nicht einfach: «Das ist doch bloss lustig.»
Interessanter ist die Frage:
Warum wird ausgerechnet das Verstummen von Menschen zum Symbol touristischer Attraktivität?

Kontextualisierung
Die Kampagne übertreibt bewusst.
Menschen schweigen.
Kirchenglocken schweigen.
Tiere schweigen.
Dann folgt der Airbag:
«… aber auch ziemlich übertrieben.»
Genau dadurch wird Kritik entschärft.
Wer widerspricht, gilt schnell als humorlos.
Dabei zeigt die Übertreibung etwas Reales.
Tourismus lebt von Authentizität.
Aber nicht von jeder.
Lebendige Dörfer sind erwünscht.
Streitende Dörfer weniger.
Politische Dörfer noch weniger.
Die Kampagne bringt dieses Spannungsfeld unfreiwillig auf den Punkt.
Nicht weil sie Menschen tatsächlich zum Schweigen bringen will.
Sondern weil sie sichtbar macht, welche Form von Öffentlichkeit touristisch besonders gut funktioniert:
ruhig.
entspannt.
konsumierbar.
Gerade deshalb ist der Titel der Kampagne erstaunlich treffend.
«Völlig übertrieben.»
Ja.
Vielleicht.
Aber gute Übertreibungen machen oft sichtbar, was im Normalbetrieb verborgen bleibt.
Links
- Anlass: https://www.instagram.com/reel/DZhbHJOCgCL/
- Hintergrund: https://dissent.is/digitalshapers
- Begriff: https://dissent.is/moralkommunikation

