« 017 | alle #Accents im WhatsApp-Channel #LavinaNera treis | 019 »
#WalderGate: Palantir & der gestaltete Raum von Staat, Markt und Medien. (so?)
Worum es geht?
#Accents009 zeigte: Palantir steht in der Schweiz nicht vor der Tür. Palantir sitzt längst im Raum. #Accents018 fragt nun: Wer hat diesen Raum eingerichtet? Der Prozess Republik gegen Palantir ist dafür nicht der eigentliche Skandal, sondern der Anlass, an dem ein älteres Arrangement sichtbar wird: #WalderGate.
Warum es wichtig ist?
Die übliche Erzählung lautet: Palantir gegen Schweizer Journalismus. Diese Erzählung ist zu klein. Sie macht unsichtbar, dass Palantir schon 2018 in Davos als Partner der Schweizer Digitalisierung präsentiert wurde – in einem Raum mit Politik, Finanzwirtschaft, staatsnahen Betrieben, Industrie und Medien.

Kontextualisierung
1877 lautete die Bündner Gegenfigur:
2026 müsste sie heissen:
Genau diese dritte Formation wird in der üblichen Unterscheidung von ((Links)Rechts), ((Sozialismus)Liberalismus) oder ((Staat)Markt) kaum sichtbar.
#TheGreatReset ist dafür nicht als Verschwörung interessant, sondern als Programmform: Stakeholder Capitalism, stärkere Regierungen, privatwirtschaftliche Beteiligung und gemeinsame Steuerung durch Staat, Wirtschaft und Zivilgesellschaft.
Das Problem ist nicht der Ausgleich der Schwächen von Staat und Markt.
Das Problem ist die mögliche Kombination ihrer schlechtesten Eigenschaften:
- staatliche Legitimation.
- private Plattformmacht.
- mediale Rahmung.
- digitale Infrastruktur.
- Datenzugriff.
- institutionelle Nähe.
2018 lud Marc Walder als Initiant von digitalswitzerland am WEF in Davos in den Palantir-Raum. Alex Karp war Gastgeber. Im Raum waren Bundespräsident Alain Berset, UBS, SNB, Swisscom, SBB, Roche und weitere Spitzen von Staat und Wirtschaft. Noch im selben Jahr wurde Karp als Stargast des Schweizer Digitalgipfels präsentiert.
2021 vertiefte Ringier die Partnerschaft mit Palantir; Foundry wurde in Redaktion und Werbung eingesetzt.
2026 inszeniert Republik den Konflikt dann als Angriff einer fremden Techmacht auf Schweizer Journalismus.
Genau darin liegt die Pointe:
- Republik gegen Palantir ist nicht die Aufdeckung von Macht.
Es ist die kommunikative Form, in der Staat UND Markt ihre gemeinsame Vorgeschichte unsichtbar machen.
Die grosse QUALition: Die Inszenierung von Streit, damit das Desaster als quietschlebendige Demokratie erscheinen kann.
Links
- Anlass / Primärquelle: https://dissent.is/2026/06/26/accents009/
- Palantir / digitalswitzerland am WEF 2018: https://www.cash.ch/news/politik/schweizer-wirtschaftsprominenz-in-haus-eines-machtigen-startups-416467
- Karp am Schweizer Digitalgipfel 2018: https://www.blick.ch/wirtschaft/1‑schweizer-digitalgipfel-colognas-latten-fuer-den-datenzauberer-id9074342.html
- #TheGreatReset / WEF: https://www.weforum.org/stories/2020/06/now-is-the-time-for-a-great-reset/
- Ringier / Palantir: https://www.palantir.com/newsroom/press-releases/palantir-and-ringier-extend-digital-transformation-partnership/
- Republik / Palantir-Verfahren: https://www.republik.ch/2026/06/13/palantir-gegen-die-republik-das-urteil
- Kontrast: https://dissent.is/PlanD

Das ist für unsere These zentral. Schon die Parteivertretung widerlegt die Erzählung «fremder US-Konzern gegen unabhängiges Schweizer Medium».
- Palantir: zwei Schweizer Spezialkanzleien
Palantir wird nicht von einer amerikanischen Grosskanzlei vertreten, sondern von zwei Schweizer Büros:
- Wagner Prazeller Hug AG in Basel
- 15, Cours des Bastions Avocats Sàrl in Genf
David Hug nennt Medien- und Kommunikationsrecht, Datenschutz, Urheberrecht und Prozessführung als eigene Fachgebiete. Die Kanzlei ist tief im schweizerischen Medienrecht verankert; ihr Mitgründer Markus Prazeller ist zudem Rechtsberater des Verbands Schweizer Medien. (Wagner Prazeller Hug Anwälte)
Nicolas Capt ist noch eindeutiger positioniert: Medienrecht, Reputationsrecht, fortgeschrittene Technologien und KI sowie Krisenkommunikation. Seine Kanzlei vertritt ausdrücklich besonders exponierte Unternehmen, Institutionen, Politiker und öffentliche Personen. (cdb.law)
Das Verfahren war für Palantir deshalb nicht bloss Rechtsdurchsetzung. Es war von Beginn weg auch Reputation Management und Krisenkommunikation mit juristischen Mitteln.
Die Doppelvertretung lässt sich – als begründete Vermutung – funktional lesen:
- Basel: Prozessführung und deutschschweizerisches Medienrecht
- Genf: internationale Reputation, Technologie und Krisenkommunikation
- Republik: ebenfalls ein Insider des Mediensystems
Die Republik wird von Andreas Meili vertreten. Auch das ist keine beliebige Prozesskanzlei.
Meili leitete von 1996 bis 2002 den Rechtsdienst von Tamedia und war danach bis 2007 Leiter Elektronische Medien sowie Mitglied der Tamedia-Unternehmensleitung. Heute ist er auf Medien‑, Kommunikations‑, Telekommunikations- und IT-Recht spezialisiert und lehrt Medienrecht an HSG, MAZ und ZHdK. (mplaw.ch)
Seine Kanzlei beschreibt ihre Arbeit ausdrücklich als Verbindung von Recht, Managementberatung und Kommunikation. Sie vertritt Klienten in Rechtsstreitigkeiten und «Kommunikationskrisen» und arbeitet mit Fachleuten aus Kommunikation und Strategieberatung zusammen. (mplaw.ch)
- Was dadurch sichtbar wird
Wir haben es nicht mit einem einfachen Gegensatz zu tun:
Palantir
gegen
Journalismus
Sondern mit einem Konflikt innerhalb einer hochprofessionalisierten Infrastruktur aus:
- Medienrecht
- Unternehmenskommunikation
- Reputation Management
- Krisenkommunikation
- Medienunternehmen
- Plattformtechnologie
Beide Seiten lassen nicht einfach «die Wahrheit» vor Gericht klären. Beide übersetzen ihre Position durch spezialisierte juristisch-kommunikative Apparate in eine öffentlich verwertbare Geschichte.
Das bedeutet keine Gleichheit der Macht. Palantir und Republik verfügen offensichtlich über völlig unterschiedliche ökonomische Ressourcen. Aber operativ arbeiten beide im selben Kommunikationssystem und mit denselben professionellen Formen.
- Die Verbindung zu #WalderGate
Gerade die Kanzleien zeigen, wie irreführend die Inszenierung eines äusseren Angriffs ist.
Palantir wird vor dem Zürcher Handelsgericht durch Schweizer Spezialisten für Medienrecht, Reputation und Kommunikation vertreten. Der Konzern ist auch juristisch längst lokalisiert und in die schweizerische Medien- und Kommunikationslandschaft übersetzt.
Das Verfahren vollzieht deshalb eine paradoxe Bewegung:
Palantir wird institutionell immer stärker in den schweizerischen Raum integriert – und kommunikativ gleichzeitig wieder zum fremden Angreifer gemacht.
Der Gerichtsprozess vernebelt damit nicht nur die ältere Zusammenarbeit von Walder, digitalswitzerland, Ringier und Palantir. Er produziert jene Aussengrenze überhaupt erst wieder, die #WalderGate längst aufgehoben hatte.
Die schärfste Formulierung wäre:
Das Rubrum erzählt bereits die eigentliche Geschichte: Auf beiden Seiten stehen keine Wahrheitssucher, sondern hoch spezialisierte Schweizer Büros für Medienrecht, Reputation und Kommunikationskrisen. Das Verfahren «Republik gegen Palantir» macht aus einem Konflikt innerhalb derselben Infrastruktur nachträglich einen Kampf zwischen innen und aussen.