#accents019

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Die Sprache wird freundlicher. Die Form bleibt: Aus politischen Fragen werden moralische Urteile über Menschen.

Worum es geht?
Die FDP wirbt 2026 mit dem Satz: «Für alle, die nicht warten, bis es jemand anderes tut.» Gemeint sind Men­schen, die den Weck­er stellen, auf­ste­hen, leis­ten und Ver­ant­wor­tung übernehmen.

Die per­son­elle Verbindung zu 2021 ist konkret: David Schär­er war als Mit­grün­der von Rod an der Entwick­lung des BAG-Konzepts «Sei kein Arsch!» beteiligt. Heute entwick­elt sein DS Stu­dio die FDP-Kam­pagne.

Warum es wichtig ist?
Es han­delt sich nicht bloss um densel­ben Kam­pag­nen­mach­er.

Es han­delt sich um dieselbe kom­mu­nika­tive Form.

2021:

((Solidarisch)Arsch)

2026:

((Macher)Wartende)
((Leistende)Anspruchsvolle)
((Wache)Schlafende)
((Verantwortliche)Abhängige)

Nicht poli­tis­che Lösun­gen wer­den unter­schieden, son­dern moralisch bessere und schlechtere Men­schen.

Kon­tex­tu­al­isierung
Beim BAG-Sujet von 2021 muss präzise for­muliert wer­den:

«Sei kein Arsch!» war keine offiziell aus­ge­spielte BAG-Kam­pagne.

Das Konzept wurde ver­wor­fen.

Über das Öffentlichkeits­ge­setz und die anschliessende Berichter­stat­tung wurde es den­noch öffentlich. Die Agen­tur kon­nte erk­lären, weshalb solche Alter­na­tiv­en entwick­elt, aber nicht umge­set­zt wor­den seien.

Die Nicht-Ausspielung wurde selb­st aus­ge­spielt.

Das war kom­mu­nika­tiv ide­al:

Die Botschaft erhielt Öffentlichkeit.

Der Staat kon­nte sich von ihr dis­tanzieren.

Die Agen­tur kon­nte ihre Kreativ­ität erk­lären.

Die Medi­en erhiel­ten ein Ereig­nis.

2026 ist die Moralkom­mu­nika­tion nicht mehr ver­wor­fen, son­dern offizielle lib­erale Selb­st­beschrei­bung.

Nicht mehr:

«Sei kein Arsch!»

Son­dern:

«Stell den Weck­er.»

Die Sprache wird fre­undlich­er.

Die Struk­tur bleibt pater­nal­is­tisch.

Der Lib­er­al­is­mus wollte Men­schen einst vom Pater­nal­is­mus befreien. Nach dem Zusam­men­bruch der Span­nung

((Liberalismus)Sozialismus)

ver­liert er jedoch zunehmend die Fähigkeit, Frei­heit pos­i­tiv zu begrün­den.

Die his­torische Lin­ie lautet:

((Liberalismus)Sozialismus)
→ #Neolib­er­al­is­mus
→ #Lib­er­al­Pa­ter­nal­ism
→ #Lib­ertär­erKatholizis­mus

Frei­heit bleibt die Rhetorik.

Oper­a­tiv kehren Führung, Erin­nerung, richtige Hal­tung und moralis­che Bew­er­tung zurück.

Die Partei gegen Bevor­mundung ernen­nt sich selb­st zum Weck­er der Gesellschaft.

Sie weiss, wer wach ist.

Wer Ver­ant­wor­tung übern­immt.

Wer leis­tet.

Und wer offen­bar noch schläft.

Nicht die Kirche kehrt zurück.

Die Struk­tur kehrt zurück.

Aus Frei­heit wird Hal­tung.

Aus Eigen­ver­ant­wor­tung wird Loy­al­ität­sprü­fung.

Wenn aus Poli­tik #Moralkom­mu­nika­tion wurde, wozu braucht es dann noch Poli­tik? (so?)

Links

  • Anlass / Primärquelle: https://x.com/i/status/2071927857949954547
  • FDP-Kam­pagne / David Schär­er: https://www.persoenlich.com/prcorporate-communication/die-fdp-stellt-den-wecker
  • BAG-Konzept «Sei kein Arsch!»: https://www.persoenlich.com/kategorie-werbung/diese-botschaft-sollte-die-jungen-zahmen
  • Doku­men­ta­tion 2021: https://dissent.is/2021/09/15/der-staat-verlangt-die-umsetzung-von-massnahmen-gegen-coronavirus-im-bereich-stationaerer-sozialarbeit-ein-argumentarium/
  • Begriff: https://dissent.is/moralkommunikation
  • Kon­text: https://dissent.is/2026/01/17/libertaererkatholizismus/

Sobald ich «Panik-Artikel» höre, über junge Men­schen lese und den Namen Salathé sehe, muss ich unweiger­lich an #Coro­n­aVirus denken.

Nicht wegen KI. Son­dern wegen des Stils.

Wieder spricht Mar­cel Salathé direkt zu den Jun­gen. Wieder erk­lärt Mar­cel Salathé, welche Medi­en sie kon­sum­ieren sollen. Wieder ord­net Mar­cel Salathé ihre Gefüh­le ein. Wieder sagt Mar­cel Salathé, wie sie die Zukun­ft sehen sollen. Und wieder beruft sich Mar­cel Salathé auf seine Autorität – dies­mal sog­ar mit dem Hin­weis auf die erste Seite seines Buch­es.

Genau das hätte Wis­senschaft­skom­mu­nika­tion nach Coro­na eigentlich aufar­beit­en müssen. Das soge­nan­nte «Panikpa­pi­er» emp­fahl aus­drück­lich, den «Worst Case» zu verdeut­lichen und «die gewün­schte Schock­wirkung zu erzie­len».

Mein Prob­lem ist deshalb nicht der Opti­mis­mus. Mein Prob­lem ist die Kom­mu­nika­tions­form. Aus­gerech­net der­selbe Wis­senschafts­be­trieb, der während Coro­na gesellschaftliche Kom­mu­nika­tion so stark mit­geprägt hat, scheint bis heute kaum über seine eigene Rolle zu reflek­tieren.

Links:

https://dissent.is/accents019/

https://dissent.is/liebe-macht-erkenntnis/

https://www.bmi.bund.de/SharedDocs/downloads/DE/veroeffentlichungen/2020/corona/szenarienpapier-covid19.html (Orig­i­nal­fas­sung des Szenar­ien­pa­piers)