Wozu ein Gipfelkreuz auf dem Muraun?
Auf dem Muraun stehen mehrere «Cairn» (Steinmännchen, Um da crap), aber kein Gipfelkreuz. Das überrascht, provoziert und fasziniert.
«Cairn» sind nützlich. Sie markieren Wege, Übergänge oder Gipfel. Ihr Arbeitsaufwand ist vergleichsweise gering: Wer vorbeikommt, kann einen Crap (Stein) dazulegen, etwas ausbessern, wieder aufrichten. So entstehen sie als Gemeinschaftswerk von vielen – und bleiben durch ständige Arbeit vieler erhalten.
Ein Gipfelkreuz entzieht sich dagegen fast vollständig solcher unmittelbaren Nützlichkeit. Sein Aufwand ist massiv. Es muss geplant, entschieden, gebaut, transportiert, hinaufgetragen, aufgerichtet, vielleicht eingesegnet und später gepflegt werden. Fast schon ein Denk!mal.
So interpretieren wir ein Gipfelkreuz zunächst als soziale Handlung: Jemand hat die Idee. Andere tragen sie mit. Andere tragen es hoch. Eine Gemeinschaft tut gemeinsam etwas, das niemand tun müsste und das sich ökonomisch kaum begründen lässt.
Und vielleicht ist es noch etwas anderes. Mit Pater Placidus a Spescha lässt sich das Gipfelkreuz auch als eine Verneigung lesen: vor dem Berg, vor der Landschaft, vor dem, was sich unserer Verfügung entzieht – vor dem, was grösser ist. Oder um es beim Namen zu nennen: vor Gott.
Wenn Jugendliche ihren brückenbauenden Vater bitten, ihnen dabei zu helfen, auf den Muraun ein Kreuz zu stellen, ist das deshalb weit mehr als Traditionspflege. Eine alte Form wird von einer neuen Generation aufgenommen – nicht weil sie muss, sondern weil sie ihr offenbar etwas bedeutet.
Beginnt dort die Frage:
Was ermöglicht einer Talgemeinschaft eine derart aufwändige Arbeit, die sich jeder unmittelbaren Nützlichkeit entzieht?
Damit verschiebt sich die Frage vom Gegenstand zur sozialen Form. Wie gelingt es einer Gemeinschaft, etwas hervorzubringen, das sich weder ökonomisch rechnet noch staatlich verordnet werden muss?
Was viele angeht, muss von vielen getragen, ausgehandelt, ermöglicht und gepflegt werden.
Damit sind wir direkt bei der Idee der Commons im Kontext des Alpinbarocks.
Wie könnte das Gipfelkreuz auf dem Muraun aussehen?
Vergl. dazu: parametrische modellierung — post-parametrische modellierung — metabolische modellierung
Mögliche Kriterien:

Gipfelkreuze rund um Disentis/Mustér.
Wir beginnen mit dreizehn Bergen. Eine wachsende Sammlung – Work in Progress.