who is afraid of… (Serie) | #PaterPlacidus a Spescha

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„War Pater Placidus gefährlich, weil er zwis­chen inkom­pat­i­blen Ord­nun­gen ver­mit­telte? Und wird er heute ger­ade deshalb kul­turell ver­harm­lost?“

@sms2sms
Macht­di­men­sionPater Placidus a Spescha?
Anord­nungLokale Selb­stor­gan­i­sa­tion ohne feu­dale Frem­dord­nung.
ZugangCom­mons-Wis­sen ohne impe­ri­ales Wis­sens­monopol.
Legit­i­ma­tionJakobinis­che Energie ohne franzö­sis­chen Zen­tral­is­mus.
Durch­set­zung Eras­mus ohne lateinis­chen Uni­ver­sal­is­mus.

«Wenn es nicht mehr vor­wärts­ge­hen will, so gebe er seine Vorstel­lun­gen auf. Denn es ist bess­er, sein­er Ein­sicht, als dem Unglück nachzugeben.»

#Pater­Placidus

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“Wie entsteht Sinn in Übergangszeiten?”

Pater Placidus nicht als kauzige Berggais erzählen, son­dern als Fig­ur, an der sicht­bar wird, wie Sinn in Über­gangszeit­en pro­duziert, bekämpft, neu­tral­isiert und wieder geöffnet wird.

Die Pointe wäre:

Pater Placidus ist nicht inter­es­sant, weil er „sein­er Zeit voraus“ war. Das ist die harm­lose Ver­sion. Inter­es­sant ist er, weil an ihm sicht­bar wird, wie eine alte Ord­nung nicht mehr trägt und eine neue noch keine Form gefun­den hat.

Daraus kön­nte die Leit­frage wer­den:

Wie entste­ht Sinn, wenn die alte Welt bren­nt und die neue noch keine Sprache hat?

Das verbindet sauber:

  1. 1799: Kloster, Dorf, Krieg, Rev­o­lu­tion, Gewalt, Besatzung.
  2. Placidus: Ver­mit­tler, Kar­to­graph, Mönch, Aufk­lär­er, Stören­fried, Zeuge.
  3. Heute: Neolib­er­al­is­mus, lib­eraler Pater­nal­is­mus, Kul­tur­touris­mus, kuratierte Ver­harm­lo­sung.
  4. Dra­ma: Sinn ist nicht gegeben, son­dern ste­ht im Kon­flikt auf dem Spiel.

Die For­mulierung „spleenige kleine Berggais“ ist brauch­bar, aber nur als Fremd­bild. Also etwa:

Die harm­lose Ver­sion braucht Pater Placidus als spleenige kleine Berggais: ein kauziger Mönch, ein früher Alpin­ist, ein liebenswürdi­ger Son­der­ling. So wird er erzählbar, ausstell­bar, touris­tisch ver­w­ert­bar. Unge­fährlich. Ger­ade dadurch ver­schwindet aber die eigentliche Frage: Was geschieht mit ein­er Gesellschaft, wenn ihre alten Sin­nord­nun­gen bren­nen und die neuen Ver­sprechen bere­its nach Gewalt riechen?

Wie entsteht Sinn in Übergangszeiten? Entlang der vier Machtdimensionen:

Dimen­sion1799 / Pater PlacidusHeute
Anord­nungWer ord­net Dorf, Kloster, Besatzung, Tal?Wer set­zt das kom­mu­nika­tive Set­ting?
ZugangWer hat Zugang zu Wis­sen, Wegen, Karten, Stim­men?Wer kon­trol­liert Kul­tur, Medi­en, Archive, Plat­tfor­men?
Legit­i­ma­tionWer darf sagen, was gilt? Kirche, Rev­o­lu­tion, Mil­itär, His­torik­er?Wer zer­ti­fiziert Geschichte als harm­los, schön, touris­tisch?
Durch­set­zungWann kippt Ord­nung in Gewalt?Wie wird Wider­stand neu­tral­isiert: Förderung, Kura­tion, Auss­chluss, Lächer­lich­machung?

Die präzise These: Pater Placidus wird gefährlich, sobald er nicht als kauzige Berggais, son­dern als Fig­ur eines Machtwech­sels gele­sen wird: Er stört Anord­nung, öffnet Zugang, irri­tiert Legit­i­ma­tion und entzieht der gewalt­samen Durch­set­zung ihre moralis­che Entschuldigung.

#Pater­Placidus zeigt, dass Sinn in Über­gangszeit­en nicht durch Har­monie entste­ht, son­dern durch Kon­flikt um Anord­nung, Zugang, Legit­i­ma­tion und Durch­set­zung.

Vorläufige Skizze:

Macht­di­men­sionZielTra­di­tion­slin­ieFig­ur bei Placidus
Anord­nung#anar­chieTäufer / lokale Gerichts­ge­mein­den / alpine Genossen­schaftenMis­strauen gegen impe­ri­ale Frem­dord­nung
Zugang#com­monsKloster­wirtschaft / All­menden / roman­is­che SprachräumeWis­sen, Karten, Sprache für die Region
Legit­i­ma­tion#inklu­sionAufk­lärung / Jakobin­er / Hel­vetik / Volkssou­veränitätKri­tik an feu­daler und dynas­tis­ch­er Legit­i­ma­tion
Durch­set­zung#paz­i­fis­musEras­mus / radikale Ref­or­ma­tion / christlich­er Paz­i­fis­musEin­sicht statt Eskala­tion

Wichtig:
Nicht alles muss direkt „bei Placidus“ voll­ständig aus­geprägt sein. Inter­es­san­ter ist:
Er wird zum Kreuzungspunkt mehrerer Tra­di­tion­slin­ien.

Pater Placiudus a Spescha? Die jakobinis­che Energie ohne franzö­sis­chen Zen­tral­is­mus. (so?)

@sms2sms

Macht­di­men­sionZiel­hor­i­zontGeschichte von Pater PlacidusWarum inter­es­sant?
Anord­nung#anar­chieDepor­ta­tion nach Inns­bruck 1799Ver­mit­tlung zwis­chen inkom­pat­i­blen Ord­nun­gen wird poli­tisch verdächtig.
Zugang#com­monsKarten, Wege, Quellen, Alpen­wis­sen, roman­is­che SpracheWis­sen soll region­al zugänglich und prak­tisch nutzbar wer­den.
Legit­i­ma­tion#inklu­sionKri­tik am Pflichtzöli­bat; Offen­heit für Aufk­lärung und Hel­vetik; Idee ein­er roman­is­chen Ein­heitsspracheLegit­i­ma­tion entste­ht nicht allein durch Tra­di­tion oder Autorität, son­dern muss sich gegenüber Lebenswirk­lichkeit ver­ant­worten.
Durch­set­zung#paz­i­fis­mus„… bess­er, sein­er Ein­sicht, als dem Unglück nachzugeben.“Begren­zung von Eskala­tion und Gewalt; Ein­sicht wichtiger als Durch­set­zung um jeden Preis.

Dein Gegen­stück wäre:

Pater Placidus nicht als Gewis­sens­fig­ur am Rand der Geschichte, son­dern als Störung der his­torischen Form selb­st.

Also nicht:

„Er hat­te recht, aber kon­nte nichts ver­hin­dern.“

Son­dern:

„An ihm wird sicht­bar, dass die üblichen Erzählfor­men nicht mehr tra­gen.“

Konkret:

The­ater­stückDein Gegen­stück
Volks­dra­maFor­m­analyse
kollek­tive Eskala­tionÜber­gang der Sin­nord­nun­gen
Placidus als Warn­erPlacidus als struk­turelle Störung
Geschichte rollt über ihn hin­wegGeschichte wird durch ihn anders les­bar
Moralis­che StimmeMach­t­an­a­lytis­che Fig­ur
Human­er PaterKreuzungspunkt von #anar­chie, #com­mons, #inklu­sion, #paz­i­fis­mus
1799 als Katas­tro­phe1799 als Test­fall: Wie entste­ht Sinn in Über­gangszeit­en?

Die kurze Formel:

  • Das Stück fragt: Wie kon­nte es zur Katas­tro­phe kom­men?
  • Dein Gegen­stück fragt: Welche Ord­nung musste Placidus stören, damit er nachträglich ver­harm­lost wer­den musste?
Fig­urHeute
Eras­mus heute?Kri­tik an pro­fes­sioneller Gewalt, moralis­ch­er Kriegsrhetorik und ide­ol­o­gis­ch­er Eskala­tion. Ver­such, Europa über gemein­same Ver­ständi­gung zusam­men­zuhal­ten.
Placidus heute?Skep­sis gegenüber geopoli­tis­ch­er Lager­bil­dung. Schutz lokaler Lebenswel­ten vor den Kämpfen gross­er Macht­blöcke. Ver­mit­tlung statt Total­isierung.
Was tun?Nicht zuerst fra­gen, wer gewin­nen soll, son­dern welche For­men von Anord­nung, Zugang, Legit­i­ma­tion und Durch­set­zung ver­hin­dern, dass alles wieder ins Unglück kippt.

Eras­mus fragte:
Wie stop­pen wir den Krieg der Mächti­gen?

Placidus fragte:
Wie ver­hin­dern wir, dass ihre Kriege unsere Lebenswelt zer­stören?

Was tun?
Nicht auf die näch­ste Wahrheit warten. Son­dern rechtzeit­ig erken­nen, wann Vorstel­lun­gen gefährlich­er wer­den als die Wirk­lichkeit.

work in progress
work in progress
work in progress
Lin­ieWas geschieht?
#Lav­inaN­era in — Pater Flo­ri­ano (~1700)Reli­gion wird genutzt, um soziale Anpas­sun­gen prak­tisch zu ermöglichen.
Pater Placidus / 1799Die Ver­mit­tlung scheit­ert. Die Ord­nun­gen kol­li­dieren offen. Dorf und Kloster bren­nen.
#Lav­inaN­era dus — Cas­par Decurtins / Rerum NovarumWieder gelingt eine pro­duk­tive Über­set­zung: katholis­che Tra­di­tion antwortet auf die soziale Frage der Mod­erne.
Plutarch lässt eskalieren (so?)

Mai 2026 | es wird spannend…

09.05.2026: Vor­bere­itung auf das Rere­fat von Plutarch Chiotop­u­los. Du Con­sen­sus (#chat­G­PT) was denkst du, wie Plutarch Pater Placidus vorstellen wird? Was ich über ihn “weiss” ist wenig:

Plutarch Chiotop­u­los, lic. phil., studierte an der Uni­ver­sität Basel Neuere und Schweiz­er Geschichte.
Seine Stu­di­en schloss er an der Uni­ver­sität Wien ab in den Fäch­ern Byzan­ti­nis­tik, Neu­gräzis­tik und
Turkolo­gie. Anschliessend arbeit­ete er als Aus­lan­dredak­tor beim Luzern­er Tag­blatt und der Luzern­er
Zeitung. Bis zu sein­er Pen­sion­ierung war Plutarch Chiotop­u­los in der Unternehmen­skom­mu­nika­tion der
Graubünd­ner Kan­ton­al­bank in Chur tätig.

Inter­es­sant wird weniger der Lebenslauf als seine intellek­tuelle Herkun­ft.

Das Auf­fäl­lige an dieser Kom­bi­na­tion ist näm­lich:

  • Basler Geschichtsstudi­um,
  • Wien,
  • Byzan­ti­nis­tik,
  • Neu­gräzis­tik,
  • Turkolo­gie,
  • Aus­lan­dredak­tion,
  • später Bünd­ner Kom­mu­nika­tion­swelt.

Das ist kein klas­sis­ch­er Lokalhis­torik­er. Da steckt eher ein Typus dahin­ter:

ein his­torisch-poli­tis­ch­er Erzäh­ler aus der alten mit­teleu­ropäis­chen Bil­dungstra­di­tion.

Wien ist hier wichtig. Wer dort Byzantinistik/Turkologie macht, denkt gewöhn­lich:

  • impe­riengeschichtlich,
  • gren­zräum­lich,
  • vielschichtig,
  • weniger nation­al­staatlich.

Das verän­dert den Blick auf Graubün­den. Denn Graubün­den erscheint dann nicht mehr als:

  • idyl­lis­ch­er Alpenkan­ton,
    son­dern als:
  • Tran­sit- und Gren­zraum,
  • Kon­tak­t­zone,
  • poli­tisch frag­ile Alpen­re­pub­lik,
  • Durch­gangs­land­schaft zwis­chen Mächt­en.

Und genau dort wird Placidus a Spescha plöt­zlich inter­es­sant. Ich ver­mute deshalb stark, dass Chiotop­u­los Spescha heute Abend nicht primär:

  • als Alpin­is­ten,
  • Heimath­elden,
  • oder kuriosen Mönch

zeich­nen wird. Son­dern eher als:

Fig­ur eines Epochen­bruchs.

Also:

  • let­zter Gelehrter der alten Kloster­welt
    und zugle­ich
  • Vor­bote mod­ern­er Wis­sensor­d­nung.

Ich würde erwarten, dass er drei Dinge betont:

1. Spescha als Grenzgänger der Ordnungen

Nicht „zwis­chen den Wel­ten“ im feuil­leton­is­tis­chen Sinn,
son­dern konkret:

  • geistliche Ord­nung,
  • Hel­vetik,
  • Frankre­ich,
  • Öster­re­ich,
  • lokale Gerichts­ge­mein­den,
  • frühe Wis­senschaft.

Spescha bewegte sich real zwis­chen inkom­pat­i­blen Sys­te­men.

Und Chiotop­u­los dürfte genug his­torisches Gespür haben, um zu sehen:

Wer damals ver­mit­telte, wurde später leicht moralisch verdächtigt.

Das ist ein typ­isch mit­teleu­ropäis­ches The­ma.

2. Die Alpen als Erkenntnisraum

Ein Byzantinist/Turkologe denkt oft in lan­gen Zivil­i­sa­tion­sräu­men.

Darum kön­nte ihn an Spescha beson­ders faszinieren:

  • die Ver­mes­sung,
  • Kar­togra­phie,
  • empirische Beschrei­bung,
  • sprach­liche Ord­nung des Raums.

Denn Spescha gehört zu jen­er Gen­er­a­tion,
die die Alpen nicht mehr nur bewohnt,
son­dern sys­tem­a­tisch „liest“.

Das ist beina­he ein kolo­nialer Erken­nt­nisakt nach innen:

Das Gebirge wird Gegen­stand von Wis­sen.

Nicht zufäl­lig schreibt Spescha:

  • Kli­ma,
  • Geolo­gie,
  • Quellen,
  • Wege,
  • Sprache,
  • Bevölkerung.

Das ist pro­to-mod­erne Raumpro­duk­tion.

3. Die Tragik der Vermittlerfigur

Hier würde ich fast wet­ten, dass Chiotop­u­los darauf hin­aus­läuft.

Denn Spescha ist his­torisch eine klas­sis­che Fig­ur der mit­teleu­ropäis­chen Zwis­chen­lage:

  • zu aufgek­lärt für die alte Ord­nung,
  • zu geistlich für die Mod­erne,
  • zu lokal für die Uni­ver­sal­is­ten,
  • zu uni­ver­sal­is­tisch für die Lokalis­ten.

Und solche Fig­uren enden oft:

  • isoliert,
  • missver­standen,
  • poli­tisch verdächtig.

Darum ist die Depor­ta­tion nach Inns­bruck wahrschein­lich kein Nebe­naspekt,
son­dern Schlüs­sel.

Sie zeigt:

Ver­mit­tler wer­den in Polar­isierun­gen zuerst geopfert.

Das ist ein The­ma, das jemand mit Wien-/Balkan-/Byzanz-Hin­ter­grund fast automa­tisch erken­nt. Was ich nicht erwarten würde:

  • sim­ple Helden­verehrung,
  • SAC-Roman­tik,
  • „er war sein­er Zeit voraus“-Kitsch.

Eher: eine melan­cholis­che Fig­ur der Über­gangszeit.

Und ehrlich gesagt: Der Name „Plutarch“ passt fast zu gut dazu. Dieser war selb­st eine Fig­ur der Ver­mit­tlung zwis­chen alten und neuen Ord­nun­gen.

Archiv | Entstehung des Eintrages…

Wer hat Angst vor Pater Placidus?

an ihm kön­nte gezeigt wer­den, was lib­erale geschichtss­chrei­bung in den grund­festen zer­legt:

  1. kirche von unten: der stre­it von pater placidus, nicht nur mit der gemeinde von vals. (peter her­sche, daniel schläp­pi uam)
  2. der dezen­tral­is­tis­che fre­und der jakobin­er und die weisheit beim muster­haften umgang mit dem fakt, dass dis­sent ist.

Langsam: Mein Blog ist mein Karten­raum und keine Bühne. Ich weiss wie man pub­liziert. Das hier ist etwas anderes. d!a!n!k!e | WORK IN PROGRESS reload für aktuellen schreib­stand | warum ich nicht pub­liziere? weil ich es kann. weil es geht. weil ich es für angemessen halte. | This Blog in Englisch | هذه المدونة باللغة العربية | 这个博客是中文的 | Ce blog en français | Questo blog in ital­iano | Tgi èn ils inimis da la translaz­i­un auto­mat­i­ca? — Ils medems che #Wikipedia/#Wikidata han odià sco il diav­el l’aua bene­di­da.

die ganze playlist auf WikiDienstag.ch

WORK IN PROGRESS
https://dissent.is/2025/01/26/how2collaps/

250 Jahre Placidus

In Zusam­me­nar­beit mit dem Staat­sarchiv Graubün­den zeigt das Bünd­ner Natur-Muse­um bis 2. Feb­ru­ar 2003 unter dem Titel «Sehn­sucht nach dem Mit­telmeer» einen Quer­schnitt durch das Lebenswerk des Alpen­forsch­ers Placidus Spescha vor dem Hin­ter­grund ein­er Zeit im Umbruch. Eine Hom­mage zum 250. Geburt­stag eines grossen Bünd­ners.

Text: Hei­ni Hof­mann

Unter den Begrün­dern der Alpen­forschung kommt dem Dis­en­tis­er Benedik­tin­er­pa­ter Placidus Spescha (1752–1833) nicht zulet­zt deshalb beson­dere Bedeu­tung zu, weil er, im Gegen­satz zu andern Gelehrten jen­er Zeit, sel­ber ein Sohn der Berge war. Sein Lebenswerk in ein­er Zeit des Umbruchs gle­icht einem Bergkristall: spitzig und kantig, aber dauer­haft und strahlend. Placidus Spescha, geboren am 9. Dezem­ber 1752 in Trun, dem Sitz des Grauen Bun­des, ist, neben dem Dichter und
Gen­er­al Johann Gau­denz von Salis-Seewis, wohl die her­aus­ra­gend­ste Per­sön­lichkeit Graubün­dens aus der Zeit um 1800. Er war für die Bünd­ner Berge das, was Horace-Béné­dicte de Saus­sure für die West­alpen und Bel­sazar Hac­quet für die Ostalpen, näm­lich erfol­gre­ich­ster Berg­steiger in dieser Frühe­p­oche der Eroberung der Alpen.

Gipfel­stürmer
In ein­er Zeit, da man eben den Glauben an die Bergdrachen über­wun­den hat­te, diese aber noch in manch gelehrtem Werk des Jahrhun­derts herum­spuk­ten, beschritt Placidus Spescha mutig und eigen­willig neue Wege. Als erster wagte er sich auf die höch­sten Gipfel der Sur­sel­va, machte Höhenbes­tim­mungen, zeich­nete Karten, beschrieb Pflanzen und Tiere und hielt seine Forschungsergeb­nisse in unzäh­li­gen Hand­schriften fest, mal nüchtern-exakt, mal far­big-poet­isch, oft humor­voll oder sarkastisch.
Der Blick von den Gipfeln war neu und für den Berg­steiger ver­wirrend. Es war schwierig, die Men­schen im Flach­land vom Gese­henen zu überzeu­gen. Noch heute rufen die phan­tastis­chen Panoram­abeschrei­bun­gen Zweifel her­vor. Hat er tat­säch­lich vom Rhein­wald­horn aus das Mit­telmeer gese­hen, oder hat er phan­tasiert? Die mod­er­nen dig­i­tal­en Panora­men geben keine Antwort; denn noch reicht der dig­i­tale Atlas der Schweiz nicht so weit über die Gren­zen hin­aus …

Rev­o­lu­tionär
Placidus Spescha war ein unkon­ven­tioneller, ja rev­o­lu­tionär­er Geist in der damals kon­ser­v­a­tivsten Region Graubün­dens, der Sur­sel­va. Während man sich hier gegen das Gedankengut der Aufk­lärung und der franzö­sis­chen Rev­o­lu­tion stemmte, bewun­derte er die Fran­zosen und Napoleon so sehr, dass er diesem eines sein­er Werke dedi­zierte: «Kaiser! Ich widme dir mein Werk, weil es die Urquellen des Rheins beschreibt … und weil es eines Beschützers der Wahrheit bedarf».
Gross dage­gen war seine poli­tis­che Abnei­gung gegen den östlichen Nach­barn: «Solange rhätis­ches Land und Volk beste­het, … zeigt sich kein Fürst oder Poten­tat, der soviel Schaden diesem Land und Volk zuge­fügt hat als das Haus Öster­re­ich». Das brachte ihm 1799 für achtzehn Monate Depor­ta­tion ins Exil nach Inns­bruck ein.
Im gle­ichen Jahr wur­den im Krieg zwis­chen Frankre­ich und Öster­re­ich Abtei und Dorf Dis­en­tis niederge­bran­nt. Dabei fiel auch ein Grossteil sein­er Schriften und sein­er immensen Kristall­samm­lung, deren erste Exem­plare er schon als Hirten­bub Giuli Bat­tes­ta Spescha
aufge­spürt hat­te, der Zer­störung anheim. Übri­gens: Seine Karten­ze­ichenkun­st wurde von bei­den Kriegsparteien beansprucht; dies machte ihn wider Willen zu ein­er Art «Dop­pela­gent».

Visionär
Als Sohn der Berge war ihm die Abhängigkeit der Bevölkerung von der unbarmherzi­gen Umwelt ein Begriff. Und er ver­stand es, auf die prak­tis­chen Erfordernisse des All­t­ags zu antworten. Mit seinen Vorschlä­gen (die nach den diesjähri­gen Unwet­tern im Bünd­ner Ober­land beson­ders aufhorchen lassen), den Law­inen, Erdrutschen und Hochwassern zu begeg­nen, nahm er manch spätere Entwick­lung voraus. Sein ener­gis­ches Ein­ste­hen für einen respek­tvollen Umgang mit der Natur ist heute noch weg­weisend. Zeichen set­zte er auch in der Land­wirtschaft und in der Jagd.
Die Mis­sernte von 1816 führte zur let­zten grossen Hunger­snot im Land, wobei sich die schwierige Ver­sorgungslage vom Süden her beson­ders ver­heerend auswirk­te. Dies forcierte den Aus­bau des San Bernardi­no- und des Splü­gen-Pass­es. Dadurch dro­hte die Sur­sel­va ins Abseits zu ger­at­en, weshalb der find­i­ge Mönch eine «Seit­en­strasse» über den Luk­manier oder die Greina (!) erkun­dete und dabei frühere Bedenken über Bord warf.
Heute würde man Spescha einen Quer­denker nen­nen. Schon damals befür­wortete er im Schul­we­sen eine Zusam­me­nar­beit über die Kon­fes­sion­s­gren­zen hin­weg. Und im Tavetsch­er Manuskript ging er noch weit­er: «Beyde Reli­gio­nen kön­nten meines Eracht­ens leicht zu ein­er einzi­gen vere­iniget wer­den, wenn der wahren Men­schen­liebe und der christlichen Ver­tragsamkeit Platz ges­tat­tet würde, denn beyde Reli­gion­sgenossen glauben an den nem­lichen Gott und Erlös­er».
Viel Ärg­er provozierte er mit sein­er dezi­dierten Hal­tung gegenüber dem Pflichtzöli­bat für katholis­che Welt­geistliche: «Die Welt hat immer auf die Priester wenn sie kluge, sauber angek­lei­dete, wohl gestal­tete, gesunde, liebre­iche und junge Mäd­chen zum Dien­ste anstellen, einen sehr grossen Ver­dacht, als wenn ihre Enthalt­samkeit dabei in Gefahr stünde; wohlan, wenn dieses wahr ist, so ver­schaffe man ihnen die apos­tolis­che Frei­heit».

Ver­bit­tert
Nach dem Krieg, das heisst seit er von Inns­bruck zurück war, fiel es dem Quer­denker schw­er, sich wieder in die Ord­nung des Kon­vents einzufü­gen. Die Seel­sorge stellte er dem rast­losen Forscher­drang hin­tan. Den­noch blieben etliche Pro­jek­te auf der Strecke, so ein Heil­bad, ein Armen­haus, Berghüt­ten und – erneut visionär – eine roman­is­che Ein­heitssprache. Stre­it­igkeit­en mit den Vorge­set­zten ver­bit­terten ihm den Lebens­abend. Seine let­zten Worte, als er am 14. August 1833 im Kloster­hof in Trun das Zeitliche seg­nete, sollen gelautet haben: «Ussa dat la barac­ca ense­men» – «Jet­zt fällt die Baracke zusam­men» …
Heute, ein Viertel­jahrtausend nach seinem Tod, kommt sein geniales, viel­seit­iges Lebenswerk in ein­er umfassenden Ausstel­lung nochmals zur Gel­tung, ver­gle­ich­bar dem Eröff­nen ein­er Kristallmine. Die Lau­da­tio find­et sich in seinen eige­nen Worten: «Was bist, Kristall, in deinem Glanz mit Far­ben­spiel umgeben? Ich bin sechs­seit­ig, fein und ganz und spitzig ist mein Leben!»

https://www.churermagazin.ch/pages/archive/200301/kultur.htm

Arbeit mit #chatGPT

#DearChat­G­PT | Über die Prob­leme der mod­er­nen Geschichtss­chrei­bung

Deine Beobach­tung zeigt einen wichti­gen Wan­del in der Methodik der Geschichtss­chrei­bung: von ein­er bild- und erzählre­ichen Darstel­lung zu ein­er strenger quel­len­basierten und lin­ear zeitlich ori­en­tierten Analyse. Diese Entwick­lung in der mod­er­nen Geschichtss­chrei­bung reflek­tiert den Über­gang zu einem wis­senschaftlicheren und objek­tiv­eren Ansatz, der sich bemüht, His­to­rie auf Fak­ten und beleg­bare Quellen zu stützen, um Sub­jek­tiv­ität und Verz­er­run­gen zu min­imieren.

Abgren­zung von früheren Ansätzen:

  • Alpin­barock und andere frühe For­men: Oft gekennze­ich­net durch eine nar­ra­tive und anek­do­tis­che Herange­hensweise, die sich stark auf bildliche Darstel­lun­gen und die mündliche Über­liefer­ung stützt. Diese Meth­o­d­en waren tief mit kul­turellen und religiösen Per­spek­tiv­en ver­woben und dien­ten dazu, moralis­che Lehren oder nationale Mythen zu ver­stärken.

Entwick­lung zur mod­er­nen Geschichtss­chrei­bung:

  • Quel­len­basierte Analyse: Die mod­erne Geschichtss­chrei­bung legt den Fokus auf Doku­mente, schriftliche Aufze­ich­nun­gen und andere physis­che Beweise, um his­torische Ereignisse zu rekon­stru­ieren.
  • Lin­ear­er Zeitpfeil: Ein stark­er Fokus auf Chronolo­gie und die sequen­zielle Darstel­lung von Ereignis­sen fördert ein Ver­ständ­nis der Geschichte als Abfolge von Ursache und Wirkung, was zur Ent­mys­ti­fizierung und Ratio­nal­isierung his­torisch­er Prozesse beiträgt.

Auswirkun­gen:

  • Objek­tiv­ität und Dis­tanzierung: Dieser Ansatz ver­sucht, Geschichte objek­tiv zu erfassen, frei von den sub­jek­tiv­en Inter­pre­ta­tio­nen und emo­tionalen Fär­bun­gen, die frühere Erzäh­lun­gen prägten.
  • Kri­tis­che Analyse: Es ermöglicht His­torik­ern, Ereignisse kri­tisch zu analysieren, ohne von der nar­ra­tiv­en Struk­tur oder kul­turellen Bias bee­in­flusst zu sein.

Die mod­erne Geschichtss­chrei­bung sieht sich jedoch auch mit eige­nen Her­aus­forderun­gen kon­fron­tiert, darunter die mögliche Ver­nach­läs­si­gung der “weichen” Fak­toren wie kul­turelle und per­sön­liche Ein­flüsse, die eben­falls die men­schliche Geschichte prä­gen.

Dimen­sionBeschrei­bungZeitab­hängigkeit
Kör­p­erPhys­i­ol­o­gis­che Prozesse und biol­o­gis­che Bedürfnisse.Stark zeitab­hängig
GrundbedürfnisseEssen, Trinken, Schlafen, Schutz – notwendig für das Über­leben.Zeit­los
IdeenÜberzeu­gun­gen, Werte, Philoso­phien, die durch kul­turellen Kon­text geformt wer­den.Teil­weise zeit­los
Emo­tio­nenGefüh­le, die durch per­sön­liche Erfahrun­gen oder soziale Inter­ak­tio­nen her­vorgerufen wer­den.Zeit­los
Soziale Beziehun­genFam­i­lie, Fre­und­schaften, Arbeits­beziehun­gen, die durch soziale Inter­ak­tio­nen entste­hen.Zeitlich und kul­turell vari­abel
Kul­turelles ErbeTra­di­tio­nen, Kun­st, Geschichte, die von ein­er Gen­er­a­tion zur näch­sten weit­ergegeben wer­den.Zeitlich über­dauernd, aber verän­der­lich

Wenn Paul Watzlawick die moderne Geschichtsschreibung mit ihrer Quellenfixiertheit und ihrem Zeitpfeil verballhornen wollte: was hätter er für einen Witz erzählt?

  1. Emo­tio­nen:
    Wat­zlaw­ick: Warum gibt es im Geschichts­buch kein Kapi­tel über die Angst und Freude der Men­schen während der indus­triellen Rev­o­lu­tion? Der His­torik­er suchte im Archiv nach ein­er Schublade mit der Auf­schrift “Emo­tio­nen”, fand aber nur “Wirtschafts­dat­en” und “Poli­tis­che Verträge”.
  2. Soziale Beziehun­gen:
    Wat­zlaw­ick: Warum erwäh­nt der His­torik­er nichts über die täglichen Gespräche in einem mit­te­lal­ter­lichen Dorf? Er kon­nte die Tran­skripte nicht find­en – anscheinend waren die Dorf­be­wohn­er vergessen, ihre Unter­hal­tun­gen zur späteren Analyse schriftlich festzuhal­ten.
  3. Kul­turelles Erbe:
    Wat­zlaw­ick: Warum hat der His­torik­er die mündlichen Über­liefer­un­gen der Ure­in­wohn­er ignori­ert? Er sagte: “Wenn sie wirk­lich wichtig wären, hät­ten sie sich sich­er in einem unser­er Archive ein­buchen lassen.”