Wozu #GerontokratWie?

Im April 2008 befeuerte Ex-Bun­de­spräsi­dentRoman Her­zog, damals selb­st 64 Jahre alt, die Debat­te in Deutsch­land, indem er in einem Inter­view vor ein­er „Rent­nerdemokratie“ warnte und Sor­gen äusserte, dass „die Älteren die Jün­geren aus­plün­dern“ kön­nten.[4]

  • wenn es mir ums SENDEN gehen würde, machte ich alles falsch.
  • wenn es mir ums EMPFANGEN WERDEN gehen würde, machte ich alles anders.
  • wenn es mir ums FINDEN gehen würde, würde ich suchen.
  • wenn es mir ums GEWINNEN gehen würde, hielte ich mich an exper­tisen.

Demokratie ist die schlecht­este alle Regierungs­for­men. Auss­er aller Anderen. Und Geron­tokratie ist freilich auch noch Demokratie. Solange Demokratie alter­na­tiv­los noch als alter­na­tiv­los durchge­ht, ist alles ok. (so?)

Gerontokratie ist nicht alternativlos. Darum:

Nicht das Alter entschei­det, son­dern die Form von Kom­mu­nika­tion.

Solange Legit­i­ma­tion an Dauer, Kar­riere und insti­tu­tionell gebun­denes Ver­trauen gekop­pelt ist, repro­duziert sich Macht im Modus der Zeitakku­mu­la­tion → sicht­bar als Geron­tokratie.

Wech­selt das dom­i­nante Kom­mu­nika­tion­s­medi­um – von Buchdruck/Institution/Vertrauen zu Netzwerk/Protokoll/Proof –, dann ver­schieben sich die vier Dimen­sio­nen von Macht:

  • Anord­nung wird ohne Zen­trum möglich.
  • Zugang wird als Com­mons organ­isier­bar.
  • Legit­i­ma­tion wird über­prüf­bar statt delegiert.
  • Durch­set­zung wird in Ver­fahren vorver­lagert statt nachträglich erzwun­gen.

Dann ver­liert Zeit ihre Funk­tion als Voraus­set­zung für Legit­i­ma­tion. Und genau dort kippt die Struk­tur:

Nicht weil Junge „bess­er“ sind, son­dern weil Sys­teme entste­hen, in denen Anschlussfähigkeit nicht mehr an Alter gebun­den ist.

Geron­tokratie ist kein Schick­sal, son­dern ein Effekt ein­er bes­timmten Kom­mu­nika­tions­form – und mit ihrem Wech­sel wird sie prinzip­iell über­wind­bar.

@sms2sms

bitte ver­ste­he diesen ein­trag nicht zu schnell… hier gibts nichts zu sehen und nichts zu lesen ;-)

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Was die BFS-Grafik zeigt:

  1. 2025 (schwarze Lin­ie)
    Der „Bauch“ liegt bei ca. 50–65.
    → Baby­boomer sind noch im Über­gang zur Rente.
  2. 2055 (vio­lett)
    Der Bauch liegt bei ca. 70–90.
    → dieselbe Kohorte ist jet­zt alt.
  3. Unter­bau (0–30)
    Bleibt schmal → zu wenig Nach­schub.

Die Dom­i­nanz der Älteren bleibt nicht gle­ich – sie ver­schiebt sich nach oben und verdichtet sich dort.

Stand 2026

  1. Kamerun — Paul Biya — 93
  2. Palästi­na — Mah­moud Abbas — 90
  3. Brasilien — Luiz Iná­cio Lula da Sil­va — 80
  4. USA — Don­ald Trump — 79
  5. Israel — Ben­jamin Netanyahu — 76
  6. Indi­en — Naren­dra Modi — 75
  7. Rus­s­land — Wladimir Putin — 73
  8. Chi­na — Xi Jin­ping — 72
  9. Deutsch­land — Friedrich Merz — 70
  10. Japan — Fumio Kishi­da — 68
  11. Vere­inigtes Kön­i­gre­ich — Keir Starmer — 63
  12. Argen­tinien — Javier Milei — 55
  13. Spanien — Pedro Sánchez — 54
  14. Kana­da — Justin Trudeau — 54
  15. Ital­ien — Gior­gia Mel­oni — 49
  16. Frankre­ich — Emmanuel Macron — 48
  17. Sau­di-Ara­bi­en — Mohammed bin Salman — 40

Pos­i­tiv for­muliert:

Ein solch­es Sys­tem lebt davon, dass viele Beteiligte darauf ver­trauen, mit wach­sender Erfahrung, Loy­al­ität und Dauer selb­st ein­mal in ver­ant­wortliche Posi­tio­nen aufzurück­en. Ger­ade deshalb schützt es sta­bile Lauf­bah­nen, vorherse­hbare Übergänge und die Erwartung, dass Ein­fluss nicht abrupt, son­dern schrit­tweise weit­ergegeben wird. Die Zurück­hal­tung gegenüber sehr schnellen Auf­stiegen Jün­ger­er erscheint dann nicht als Abwehr, son­dern als Ver­such, Kon­ti­nu­ität, insti­tu­tionelles Gedächt­nis und die Berechen­barkeit des eige­nen Weges zu sich­ern.

Pay­Pal-Phase (ca. 1998–2002) – Alter beim „Durch­starten“

  1. Peter Thiel — ca. 31–34
  2. Elon Musk — ca. 27–31
  3. Max Levchin — ca. 23–27
  4. Reid Hoff­man — ca. 30–35
  5. David Sacks — ca. 26–30
  6. Jere­my Stop­pel­man — ca. 20–24
  7. Chad Hur­ley — ca. 23–26

Tech/­Fi­nanz-Macht 2026

  1. Ora­cle — Lar­ry Elli­son — 81
  2. Black­Rock — Lar­ry Fink — 73
  3. Microsoft — Bill Gates — 70
  4. NVIDIA — Jensen Huang — 63
  5. Ama­zon — Jeff Bezos — 62
  6. Microsoft — Satya Nadel­la — 59
  7. Palan­tir / Founders Fund — Peter Thiel — 58
  8. Palan­tir — Alex Karp — 58
  9. Tes­la / SpaceX — Elon Musk — 55
  10. Alpha­bet — Sun­dar Pichai — 53
  11. Meta — Mark Zucker­berg — 42

Welche Form ermöglicht andere Strukturen, damit Möglichkeiten nicht blockiert werden?

Genau dort wird es unan­genehm. Denn vieles, was heute Demokratie heisst, ist for­mal demokratisch, aber materiell durch Kap­i­tal, Alter, Organ­i­sa­tion, Medi­en­macht und pro­fes­sionelle Zugangs­bar­ri­eren vorstruk­turi­ert. Dann ist Demokratie nicht falsch, aber auch nicht genug.

Nicht Gen­er­a­tio­nen­wech­sel entschei­det, son­dern ob Kom­mu­nika­tion von Ver­trauen auf Proof umcodiert wird.

Ändert sich das dominante Kommunikationsmedium, dann werden die Möglichkeiten für Struktur prinzipiell andere.

Die his­torische Lin­ie, die du set­zt, ist als Markierung plau­si­bel: verteilte Net­zw­erke seit 1969, kollek­tives Schreiben und neue Kopier­logiken um 2001, Blockchain seit 2008, und mit Quan­tum Com­put­ing vielle­icht die näch­ste Eskala­tion der Rechen- und Ver­i­fika­tions­form. Die einzel­nen Sta­tio­nen sind his­torisch gut doku­men­tiert; ob Quan­tum Com­put­ing schon Leitmedi­um ist, ist offen. (internetsociety.org)

Dann gehen wir nicht bei „Demokratie oder nicht?“ weit­er, son­dern bei #TheS­taub­Ber­nascon­i­Ma­trix.

  1. Anord­nung → Anar­chie

Unter Buch­druck-Mod­erne war Anord­nung fast zwangsläu­fig an Zen­trum, Amt, Insti­tu­tion, Hier­ar­chie, Ter­ri­to­ri­um gebun­den. Akten, Archive, Unter­schriften, Behör­den und Parteien passten zu dieser Form.

Unter ver­net­zter, pro­tokol­liert­er, ver­i­fizier­bar­er Kom­mu­nika­tion wird prinzip­iell anderes möglich: Koor­di­na­tion ohne durchge­hen­des Zen­trum, Pro­tokolle statt Kom­man­doket­ten, Rollen statt Ämter, tem­poräre statt lebenslange Führung, mod­u­lare statt totale Organ­i­sa­tion.

Das Ziel Anar­chie wird hier nicht als Chaos sicht­bar, son­dern als reale Möglichkeit herrschaft­särmer­er Koor­di­na­tion.

Die Frage ver­schiebt sich von „Wer regiert?“ zu „Wie wird Anschluss ohne Zen­trum organ­isiert?“

  1. Zugang → Com­mons

Unter der Mod­erne ist Zugang meist eigen­tums­för­mig organ­isiert: exk­lu­sive Rechte, Lizen­zen, Schranken, Mit­glied­schaft, Gebühren, Gate­keep­er.

Seit #TheWiki­Way und Cre­ative Com­mons wurde sicht­bar, dass Wis­sen, Text, Soft­ware und kul­turelle Pro­duk­tion auch anders organ­isiert wer­den kön­nen: als Recht zu kopieren, zu bear­beit­en, zu verteilen. CC wurde 2001 gegrün­det; die ersten Lizen­zen erschienen 2002. (Cre­ative Com­mons)

Mit Blockchain kommt eine andere Stufe hinzu: nicht nur offenes Kopieren, son­dern verteilte Zus­tands­führung, also gemein­sames Reg­is­ter, nachvol­lziehbare Besitz- und Freiga­be­l­ogiken, tokenisierte Rechte, lokale Sou­veränität über Infra­struk­tur. Das ist noch nicht automa­tisch Com­mons, aber es macht Com­mons tech­nisch anders organ­isier­bar. Der Bit­coin-Whitepa­per-Ansatz for­muliert expliz­it Zahlun­gen „direct­ly from one par­ty to anoth­er with­out going through a finan­cial insti­tu­tion“. (Bit­coin)

Dein Punkt wäre hier: Com­mons müssen nicht mehr moralisch erbeten, son­dern kön­nen infra­struk­turell gebaut wer­den.

  1. Legit­i­ma­tion → Inklu­sion

Unter Buch­druck-Mod­erne wird Legit­i­ma­tion stark über Repräsen­ta­tion, Amt, Experten­sta­tus, Ver­fahren mit hohem Zugang­spreis und insti­tu­tionell kon­trol­lierte Öffentlichkeit erzeugt.

Unter ver­net­zter Kom­mu­nika­tion ver­schiebt sich Legit­i­ma­tion poten­ziell von Autorität zu Nachvol­lziehbarkeit, von Sprech­po­si­tion zu Prüf­barkeit, von Repräsen­ta­tion zu Beteili­gung, von Ver­trauen zu Proof.

Das heisst nicht, dass Wahrheit automa­tisch entste­ht. Aber es heisst: Der Auss­chlussgrund „du bist nicht in der Insti­tu­tion“ ver­liert an Macht, wenn Ver­fahren selb­st ver­i­fizier­bar wer­den.

Das Ziel Inklu­sion würde dann nicht mehr primär poli­tisch-moralisch ver­han­delt, son­dern oper­a­tiv: Wer kann teil­nehmen, lesen, prüfen, sig­nieren, fork-en, beitra­gen?

Hier liegt auch der härteste Bruch mit der alten Elite. Nicht weil Junge moralisch bess­er wären, son­dern weil neue For­men der Legit­i­ma­tion Senior­ität und Stel­lvertre­tung entwerten kön­nen.

  1. Durch­set­zung → Paz­i­fis­mus

Unter der Mod­erne wird Ord­nung im Ern­st­fall durch Gewalt­monopol, Sank­tion, Polizei, Gericht, Zwangsvoll­streck­ung abgesichert.

Unter pro­tokol­liert­er Kom­mu­nika­tion kann Durch­set­zung par­tiell in die Struk­tur vorver­lagert wer­den. Nicht alles braucht nachträgliche Gewalt, wenn Regeln ex ante im Ver­fahren selb­st liegen: Sig­natur oder keine Sig­natur, Berech­ti­gung oder keine Berech­ti­gung, Aus­führung oder Nicht-Aus­führung.

Das ist noch kein Paz­i­fis­mus. Aber es eröffnet die Möglichkeit, Durch­set­zung aus der physis­chen Kon­fronta­tion in die oper­a­tive Architek­tur zu ver­schieben.

Der entschei­dende Punkt wäre: Weniger Gewalt, weil weniger über Gewalt nachgeregelt wer­den muss.

Dann wird „Eine andere Welt ist möglich“ präzise les­bar:

Nicht weil bessere Men­schen kom­men.
Nicht weil ein­fach neue Parteien gewin­nen.
Nicht weil Kryp­to-Mil­liardäre die Helden wären.
Son­dern weil mit ein­er anderen Form von Kom­mu­nika­tion andere Struk­turen der Anord­nung, des Zugangs, der Legit­i­ma­tion und der Durch­set­zung möglich wer­den.

Der entschei­dende Vor­be­halt:

Die Möglichkeit ist da. Die Real­ität ist noch hybrid.

Die frühen Tech-Eliten und Kryp­to-Mil­liardäre sind selb­st noch Pro­duk­te der Buch­druck-Mod­erne: Eigen­tum, Fir­ma, Exit, Akku­mu­la­tion, Investor, Staat, Gericht, Nation, Uni­ver­sität, Markt. Sie benutzen neue Infra­struk­tur oft noch mit alten Struk­tur­reflex­en.

Darum ist der präzise Satz nicht:

Die neue Welt ist schon da.

Son­dern:

Die alte Welt ist struk­turell nicht mehr alter­na­tiv­los, weil das dom­i­nante Kom­mu­nika­tion­s­medi­um gewech­selt hat und damit andere Mach­tord­nun­gen prinzip­iell möglich gewor­den sind.

Ohne Quel­len­be­leg ist der fol­gende Satz eine the­o­retis­che Zus­pitzung aus deinem Axiom:

Nicht Blockchain an sich ist der Bruch. Der Bruch liegt darin, dass Kom­mu­nika­tion nicht mehr primär über insti­tu­tionell fix­ierte Autorität läuft, son­dern poten­ziell über verteilte Ver­i­fika­tion, kollek­tive Bear­beitung und pro­tokol­lierte Anschlussfähigkeit.

Der näch­ste scharfe Schritt wäre dann:

Die Mod­erne war die Kul­tur­form des Buch­drucks.
Die näch­ste Kul­tur­form wird daran zu messen sein, ob sie in den vier Dimen­sio­nen der #TheS­taub­Ber­nascon­i­Ma­trix tat­säch­lich mehr Anar­chie, mehr Com­mons, mehr Inklu­sion und mehr Paz­i­fis­mus ermöglicht.

witzig: hat­te ich nicht mit­bekom­men ;-)