#anselmo | 21. April

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work in progress

Du #chatGPT… ich redete 10minuten lang… woran arbeite ich hier?

Du ver­suchst vier Gedanken zusam­men­zubrin­gen:

  1. Eras­mus hat­te die Argu­mente der radikalen Ref­or­ma­tion, aber er ging nicht mit den Täufern. Nicht, weil ihm der Mut fehlte, son­dern weil er ahnte, dass radikale Ein­sicht allein kul­turell nicht trägt. Genau so for­mulierst du es in deinem Täufer-Text bere­its als offene Frage nach Eras­mus und den „radikalen Kräften der Ref­or­ma­tion“.
  2. Anselm gibt dir dafür den Schlüs­sel. Nicht als Kirchen­poli­tik, son­dern als Form­prob­lem. Bei Sant’Anselmo wird das anselmi­an­is­che Pro­fil aus­drück­lich als Verbindung von Leben, Liturgie und Denken beschrieben, also ger­ade nicht als blosse Lehre, son­dern als gelebte Form von Erken­nt­nis.
  3. Dein eigentlich­er Gegen­satz ist daher nicht Kirche gegen Uni­ver­sität, son­dern Form gegen For­mver­lust. Die Uni­ver­sität kann Nichtwissen denken, Skep­sis method­isch organ­isieren und Wis­sen pro­duzieren. Aber sobald Wis­sen ökonomisch anschlussfähig wird, kippt Neugi­er in Ver­w­er­tung. Dann zer­fällt sie in Diszi­plinen, Pro­jek­te, Busi­ness­pläne. Die religiöse Form hält demge­genüber etwas fest, was die Uni­ver­sität nur denken, aber nicht verkör­pern kann: die rit­u­al­isierte Bindung an das Unver­füg­bare.
  4. Darum ist dein Haupt­satz eigentlich dieser: Das Nichtwissen braucht eine Form. Anselms Gottes­satz benen­nt genau das Unbe­nennbare nicht als Besitz, son­dern als bleibende Gren­z­fig­ur des Denkens. Und die katholis­che Rit­u­al­form hält diese Gren­ze kul­turell lebendig, zyk­lisch, kör­per­lich, wieder­hol­bar. Deshalb wird Eras­mus für dich plöt­zlich ver­ständlich: Er blieb nicht wegen der Machtkirche, son­dern wegen der Form, die das philosophis­che Leben tra­gen kon­nte.

Ganz kurz gesagt:

Du ver­suchst auszu­drück­en, dass Eras­mus den radikalen Inhalt der Ref­or­ma­tion teilen kon­nte, ohne ihre kul­turelle Form für tragfähig zu hal­ten. Anselm hil­ft dir, diesen Unter­schied zwis­chen Ein­sicht und Verkör­pe­rung zu fassen.

Als ein Satz für dich:

Nicht die besseren Argu­mente entschei­den, son­dern die stärkere Form, in der das Nichtwissen aus­ge­hal­ten wer­den kann.

Deine These ist stark, wenn sie nicht gegen Uni­ver­sität und Täufer argu­men­tiert, son­dern deren jew­eilige Form­leis­tung unter­schiedlich beschreibt.


Ein Satz, der dich unan­greif­bar­er macht:

Eras­mus entsch­ied sich nicht gegen die radikalen Inhalte, son­dern gegen eine Form, die diese Inhalte nicht dauer­haft tra­gen kon­nte.

Anlass zu diesem Eintrag:

  1. April
    Hl. Anselm
    Bischof, Kirchen­lehrer

Anselm von Can­ter­bury (+1109) | Aus dem „Proslo­gion“


Ich möchte dich erken­nen,
dich lieben und mich an dir freuen.

Hast du gefun­den, meine Seele, was du gesucht hast?
Du hast Gott gesucht und gefun­den, daß er das Höch­ste von allem ist, so hoch, daß wir nichts Höheres denken kön­nen als ihn. Du hast gefun­den, daß er Leben und Licht, Weisheit und Güte, ewige Seligkeit und seine Ewigkeit in Per­son ist, über­all und immer­dar. Herr, mein Gott, der mich geschaf­fen und neu geschaf­fen hat, sag mein­er ver­lan­gen­den Seele, was du über das hin­aus bist, was sie gese­hen hat, damit sie dich rein erken­nt. Meine Seele streckt sich aus, um noch mehr zu sehen. Aber jen­seits von dem, was sie gese­hen hat, erblickt sie nur Fin­ster­n­is, ja, sie sieht auch kein Fin­ster­n­is, da es die nicht in dir gibt. Aber sie merkt, daß sie wegen ihrer eige­nen Fin­ster­n­is mehr nicht sehen kann.

Wirk­lich, Herr, das ist das unzugängliche Licht, in dem du wohnst; es gibt wirk­lich nichts anderes, was in dieses Licht ein­drin­gen und dich dort sehen kön­nte. Wahrhaftig, deswe­gen kann ich nicht sehen, weil es zu hell für mich ist. Und doch: was immer ich sehe, ich sehe es durch dieses Licht, wie ein krankes Auge alles, was es erblickt, durch das Son­nen­licht sieht, obwohl es nicht in die Sonne sehen kann.


Meine Ver­nun­ft ist ohn­mächtig gegenüber diesem Licht; es leuchtet zu stark; sie faßt es nicht, und das Auge mein­er Seele hält es nicht lange aus, hineinzuschauen. Das Auge schreckt vor dem Glanz zurück, wird von der Fülle besiegt, von der Uner­messlichkeit zu Boden gewor­fen und von der Kraft geblendet. Du höch­stes, unzugänglich­es Licht! Du volle und selige Wahrheit, wie fern bist du von mir, obwohl ich doch so nahe bei dir bin! Wie fern bist du meinen Blick­en, wo ich doch deinen Augen unmit­tel­bar gegen­wär­tig bin!

Du bist über­all, und doch sehe ich dich nicht. In dir bewege ich mich, und in dir bin ich, und doch kann ich nicht zu dir kom­men! Du bist in mir und um mich, und doch füh­le ich dich nicht! Mein Gott, ich bete: ich möchte dich erken­nen, dich lieben und an dir mich freuen. Wenn ich es in diesem Leben nicht ganz erre­ichen kann, so laß mich täglich fortschre­it­en, bis es jenes Ganze kommt; hier möge deine Erken­nt­nis in mir wach­sen und dort vol­len­det wer­den. Hier nehme meine Liebe zu dir zu, um dort vol­lkom­men zu wer­den. Hier sei meine Freude groß in der Hoff­nung, dort in der Wirk­lichkeit unbe­gren­zt.


Respon­so­ri­um
R Dies ist der erhabene Lehrer. * Uner­müdlich stritt er für die Frei­heit der Kirche. (O: Hal­lelu­ja.)
V Er war ein lebenswert­er Vater der Mönche und wurde zum Bischof­samt berufen. * Uner­müdlich stritt er für die Frei­heit der Kirche. (O: Hal­lelu­ja.)

Ora­tion
Gott, du bist uner­forschlich in deinem Wesen, und doch offen­barst du dich den Men­schen. Du hast den heili­gen Anselm gedrängt, die Tiefe dein­er Weisheit zu erforschen und zu verkün­den. Gib, daß der Glaube unserem Ver­stand zu Hil­fe komme, damit unser Herz liebgewin­nt, was du uns zu glauben befiehlst. Darum bit­ten wir durch Jesus Chris­tus.


Quelle:

Monas­tis­ches Lek­tionar. Pro­pri­um der Heili­gen, 21. April: Hl. Anselm von Can­ter­bury, Zweite Lesung aus dem „Proslo­gion“.
Typ­is­che Her­aus­ge­ber: Benedik­tinis­che Liturgieaus­gaben (z. B. Erz­abtei Beu­ron).
Tex­tur­sprung: Anselm von Can­ter­bury, Proslo­gion (lateinis­ches Orig­i­nal: „Proslo­gion“, ca. 1077–1078).

Hin­weis: Der Wort­laut entspricht ein­er litur­gis­chen deutschen Über­set­zung, nicht dem lateinis­chen Orig­i­nal.

Summary/Spoiler/TL;DR

(…)

bitte ver­ste­he diesen ein­trag nicht zu schnell… hier gibts nichts zu sehen und nichts zu lesen ;-)

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kurz, präzise:

  1. Per­son
    Geboren ca. 1033 in Aos­ta (heute Ital­ien), gestor­ben 1109 in Can­ter­bury. Benedik­tin­er­mönch, später Abt von Le Bec (Nor­mandie), dann Erzbischof von Can­ter­bury.
  2. Rolle
    Zen­trale Fig­ur der Früh­scholastik. Verbindet klöster­liche Fröm­migkeit mit sys­tem­a­tis­chem Denken.
  3. Schlüs­selidee
    „fides quaerens intel­lec­tum“
    Glaube sucht Ein­sicht, nicht erset­zt sie.
    Quelle: Proslo­gion, Proömi­um
    https://www.thelatinlibrary.com/anselm/proslogion.shtml
  4. Berühmt für
    Ontol­o­gis­ch­er Gottes­be­weis (Proslo­gion, Kap. 2–4)
    Argu­ment: Gott = „das, worüber hin­aus nichts Größeres gedacht wer­den kann“.
    → Exis­tenz fol­gt aus Begriff.
    Quelle (Über­sicht):
    https://plato.stanford.edu/entries/anselm/
  5. Kon­flikt
    Stre­it mit englis­chen Köni­gen (Wil­helm II., Hein­rich I.) um Investi­tur
    → Frage: Wer set­zt Bis­chöfe ein?
    → Exil­phasen
    Quelle:
    https://www.britannica.com/biography/Saint-Anselm-of-Canterbury
  6. Hauptwerke
    Proslo­gion
    Monolo­gion
    Cur Deus Homo (Warum Gott Men­sch wurde)
    → Sat­is­fak­tion­slehre (Erlö­sung als „Wiedergut­machung“)
    Quelle:
    https://sourcebooks.fordham.edu/basis/anselm-curdeus.asp
  7. Einord­nung
    Kein „mod­ern­er Ratio­nal­ist“.
    → Denken bleibt strikt in religiös­er Prax­is ver­ankert (Gebet als Denk­form, siehe dein Bild).
  8. Wirkung
    Begrün­der ein­er Denk­fig­ur, die später die Scholastik prägt (Thomas von Aquin etc.), aber auch Kri­tik aus­löst (Kant lehnt den Gottes­be­weis ab).

wenn du es zus­pitzt:

Anselm ist der Moment, in dem Gebet zur Meth­ode wird – und Denken zur inneren Fort­set­zung von

21. April ;-)))

Wie würde mein Gedankengang kritisiert werden, #chatGPT?

deine Gedanken sind intern kon­sis­tent, wenn du drei Ebe­nen sauber trennst:

  1. Erken­nt­nis
    → „ich weiss, dass ich nicht weiss“ / Anselm: Gren­ze des Denkens
  2. Form
    → Rit­u­al, Liturgie, Verkör­pe­rung
  3. Oper­a­tion
    → Uni­ver­sität (Denken) vs. Kirche (Vol­lzug)

solange diese Ebe­nen nicht ver­mis­cht wer­den, ist das sta­bil.


wo Kri­tik anset­zt:

  1. his­torisch (klas­sis­che His­torik­er)
    Ein­wand: Eras­mus hat­te konkrete poli­tis­che, per­sön­liche und strate­gis­che Gründe.
    → dein Zugriff sei zu „sys­temisch“, zu wenig quel­len­nah.

Tre­f­fer: hoch
Prob­lem: du abstrahierst stark.


  1. refor­ma­tion­s­geschichtlich (The­olo­gie)
    Ein­wand: Die Täufer hat­ten sehr wohl For­men (Gemeinde, Prax­is, Rit­u­al).
    → sie sind nicht „form­los­er Radikalis­mus“.

Tre­f­fer: sehr hoch
Kon­se­quenz: dein Gegen­satz „Form vs. Radikalität“ ist zu grob.


  1. reli­gion­ssozi­ol­o­gisch (z. B. Luh­mann-nah)
    Ein­wand: Die Uni­ver­sität ist selb­st eine hochen­twick­elte Form.
    → Diszi­plinen sind nicht For­mver­lust, son­dern For­md­if­feren­zierung.

Tre­f­fer: sehr hoch
Kon­se­quenz: dein Satz „Uni­ver­sität ver­liert die Form“ ist angreif­bar.


  1. wis­senschaft­s­the­o­retisch
    Ein­wand: Neugi­er wird nicht nur ökonomisiert, son­dern auch method­isch sta­bil­isiert.
    → Wis­senschaft pro­duziert eigene Rit­uale (Peer Review, Zita­tion etc.).

Tre­f­fer: mit­tel
Kon­se­quenz: dein Busi­ness­plan-Argu­ment greift zu kurz.


  1. philosophisch (Kant etc.)
    Ein­wand: Anselms „Bindung von Ein­sicht an Glauben“ ist genau das Prob­lem.
    → Gren­ze des Denkens darf nicht religiös fix­iert wer­den.

Tre­f­fer: erwart­bar
Kon­se­quenz: hier liegt dein bewusst geset­zter Bruch.


  1. interne Span­nung (wichtig­ster Punkt)
    du sagst:

→ Kirche bewahrt Form
→ willst aber nicht „zurück“

das erzeugt Span­nung:

Ist die Form über­trag­bar oder nicht?

hier entschei­det sich die Stärke dein­er These.


präzis­es­te Selb­stko­r­rek­tur:

nicht:

Die Uni­ver­sität ver­liert die Form

son­dern:

Die Uni­ver­sität pro­duziert For­men,
die das Nichtwissen nicht verkör­pern.

und:

nicht:

Die Täufer sind radikal ohne Form

son­dern:

Die Täufer radikalisieren Inhalte stärk­er als ihre For­men tra­gen kön­nen.


zuge­spitzt:

deine These ist stark,
wenn sie nicht gegen Uni­ver­sität und Täufer argu­men­tiert,
son­dern deren jew­eilige Form­leis­tung unter­schiedlich beschreibt.


ein Satz, der dich unan­greif­bar­er macht:

Eras­mus entsch­ied sich nicht gegen die radikalen Inhalte, son­dern gegen eine Form, die diese Inhalte nicht dauer­haft tra­gen kon­nte.