#accents005

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Nicht die Sprache wird digital. Die Sprache wird Infrastruktur.

worum es geht?
Die Lia Rumantscha will ihre dig­i­tale Strate­gie aus­bauen. Im Zen­trum ste­hen Sprach­dat­en, Wörter­büch­er, Kor­po­ra, Sprachauf­nah­men, KI-Mod­elle, Über­set­zungssys­teme und gemein­same Daten­plat­tfor­men. Dazu sollen Lia Rumantscha, RTR, FMR und DRG ihre Aktiv­itäten stärk­er koor­dinieren.

warum es wichtig ist?
Der eigentliche Wan­del bet­rifft nicht die Tech­nik, son­dern die Form der Sprach­poli­tik. Sprache wird zunehmend als Daten­raum organ­isiert. Wer die Dat­en, Stan­dards und Schnittstellen kon­trol­liert, bee­in­flusst kün­ftig auch die Entwick­lung dig­i­taler Werkzeuge, Über­set­zun­gen und KI-Sys­teme.

kon­tex­tu­al­isierung
Die öffentliche Diskus­sion spricht oft von Dig­i­tal­isierung. Tat­säch­lich geht es um Infra­struk­tur.

Früher standen Sprachkurse, Lehrmit­tel, Pub­lika­tio­nen und kul­turelle Förderung im Zen­trum. Neu rück­en Sprach­dat­en, Stan­dards, Daten­mod­elle, Schnittstellen und Plat­tfor­men in den Vorder­grund.

Damit ver­schiebt sich auch Macht.

Nicht nur die Frage «Wie sprechen wir Roman­isch?» wird wichtig.

Son­dern auch:

«Wer ver­wal­tet die Sprach­dat­en?»

«Wer definiert die Stan­dards?»

«Wer entschei­det über Pri­or­itäten?»

«Wer trainiert die KI-Sys­teme?»

Die Debat­te erin­nert damit an andere Infra­struk­turfra­gen. Wer Strassen baut, bee­in­flusst Verkehr. Wer Net­ze baut, bee­in­flusst Kom­mu­nika­tion. Wer Sprach­in­fra­struk­tur baut, bee­in­flusst die Zukun­ft ein­er Sprache.

Der mögliche Kon­flikt liegt deshalb weniger zwis­chen Tra­di­tion und Mod­erne als zwis­chen Kul­tur­förderung und Infra­struk­turs­teuerung.

links

Die eigentliche Pro­voka­tion ist nicht #Nip­ple­Je­sus. Die eigentliche Pro­voka­tion wäre die Frage: Was kommt nach dem Muse­um?

Worum es geht?
Die Klibüh­ni Chur zeigt #Nip­ple­Je­sus von Nick Horn­by, gespielt von René Schnoz. Das Stück stellt die Frage, was Kun­st sei. Es fragt, wer darüber entschei­den dürfe. Reli­gion, Pub­likum, Experten und Muse­um rin­gen um kul­turelle Legit­i­ma­tion.

Warum es wichtig ist?

Nip­ple­Je­sus ist ein Kind der Mod­erne. Der Text kri­tisiert Kun­st, Reli­gion und Pub­likum. Er hin­ter­fragt aber nicht die Kul­tur­form, inner­halb der­er diese Fra­gen über­haupt erst entste­hen.

Kon­tex­tu­al­isierung
Horn­by beobachtet Kun­st, Reli­gion, Pub­likum und Muse­um. Er beobachtet aber nicht die Kul­tur­form, inner­halb der­er diese Unter­schei­dun­gen über­haupt erst rel­e­vant wer­den.

Das Muse­um erscheint als selb­stver­ständlich.
Kun­st erscheint als selb­stver­ständlich.
Öffentlichkeit erscheint als selb­stver­ständlich.

Der eigentliche Kon­flikt des Stücks lautet deshalb nicht Kun­st gegen Reli­gion.

Der eigentliche Kon­flikt lautet:

Wer darf inner­halb der Kul­tur­form der Mod­erne legit­im urteilen?

Die Mod­erne hat einst den Total­i­taris­mus der Reli­gion über­wun­den, indem sie Reli­gion zu ein­er his­torischen Form machte.

Nip­ple­Je­sus zeigt, dass die Mod­erne densel­ben Schritt gegenüber sich selb­st noch nicht vol­l­zo­gen hat.

Sie kann Reli­gion beobacht­en.
Sie kann Kun­st beobacht­en.
Sie kann sich selb­st kri­tisieren.

Aber sie kann sich nicht als Kul­tur­form beobacht­en.

Deshalb erscheint das Muse­um nicht als eine mögliche Form unter anderen, son­dern als selb­stver­ständlich­er Ort kul­tureller Legit­i­ma­tion.

Die eigentliche Pro­voka­tion wäre heute nicht mehr ein Jesus­bild aus Brust­warzen.

Die eigentliche Pro­voka­tion wäre die Frage:

Was kommt nach dem Muse­um?

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