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Wenn «Nachhaltigkeit» dazu dient, Menschen zu begrenzen, wird aus einem Zukunftswort ein Abwehrwort.

worum es geht?
Die SVP nen­nt ihre Ini­tia­tive zur Begren­zung der Zuwan­derung «Nach­haltigkeitsini­tia­tive». Offiziell geht es um Bevölkerung, Ressourcen und Belas­tungs­gren­zen. Poli­tisch aktiviert wird jedoch ein altes Muster: Erst wird eine Gruppe markiert, dann zum Prob­lem erk­lärt, dann wird der Staat auf Abwehr umgestellt.

warum es wichtig ist?
Die Ini­tia­tive zeigt, wie #Hochw­er­twörter in der poli­tis­chen Kom­mu­nika­tion ver­wen­det wer­den. «Nach­haltigkeit» klingt nach Ver­ant­wor­tung, Zukun­ft und ökol­o­gis­ch­er Ver­nun­ft. Im konkreten Fall wird der Begriff jedoch an Bevölkerungs­be­gren­zung und Migra­tion gekop­pelt.

Der poli­tis­che Kon­flikt dreht sich damit nicht nur um Migra­tion, son­dern auch um die Deu­tung­shoheit über den Begriff Nach­haltigkeit.

kon­tex­tu­al­isierung
Der inter­es­sante Punkt ist nicht die SVP. Der inter­es­sante Punkt ist die Parteien­poli­tik.

Parteien stre­it­en schein­bar über Prob­leme. Tat­säch­lich stre­it­en sie oft über die Beset­zung von #Hochw­er­twörtern.

Frei­heit.
Sicher­heit.
Demokratie.
Gerechtigkeit.
Sol­i­dar­ität.
Nach­haltigkeit.

Nie­mand tritt für das Gegen­teil an. Ger­ade deshalb eignen sich diese Begriffe her­vor­ra­gend zur poli­tis­chen Mobil­isierung.

Die Nach­haltigkeitsini­tia­tive macht dieses Muster beson­ders sicht­bar. Nicht weil sie migra­tionskri­tisch ist. Son­dern weil ein hochw­er­tig beset­zter Begriff für eine Abgren­zungsstrate­gie einge­set­zt wird.

Diese Poli­tik hat in der Schweiz eine lange Geschichte: die Reg­istrierung von Fahren­den, der Begriff «Über­frem­dung», die Abwehr jüdis­ch­er Flüchtlinge, das Aus­län­derge­setz von 1931, die «Boot ist voll»-Rhetorik, Schwarzen­bach, zahlre­iche SVP-Ini­tia­tiv­en und antimus­lim­is­che Kam­pag­nen.

Das Muster bleibt erstaunlich sta­bil.

Erst wird eine Gruppe markiert.
Dann wird sie zum Prob­lem erk­lärt.
Dann wird ein #Hochw­ert­wort zur Legit­i­ma­tion der Abwehr mobil­isiert.

Die poli­tis­che Form arbeit­et mit Unter­schei­dun­gen wie ((Wir)Sie), ((Freund)Feind), ((Einheimisch)Fremd) oder ((Dazugehörig)Nicht-Dazugehörig).

«Das Boot ist voll» per­son­al­isiert ein Struk­tur­prob­lem.

Eine andere poli­tis­che Form würde Struk­tur­prob­leme als Struk­tur­prob­leme behan­deln. Sie müsste deshalb wed­er für noch gegen Migra­tion sein. Sie würde die Frage anders stellen. Sie würde nicht beim Men­schen begin­nen, son­dern bei den Bedin­gun­gen des Zusam­men­lebens.

Dann ver­schiebt sich die Frage von:

«Sind zu viele Men­schen da?»

zu:

«Welche Struk­turen erzeu­gen die Prob­leme, die wir beobacht­en?»

Dann geht es nicht zuerst um Men­schen, son­dern um Wohn­raum, Arbeit, Löhne, Infra­struk­tur, Bil­dung, Rechte und Zugang.

Vielle­icht liegt der eigentliche blinde Fleck deshalb nicht bei der Migra­tion. Son­dern in ein­er Parteien­poli­tik, die sich durch Emo­tion­al­isierung, Per­son­al­isierung und Skan­dal­isierung immer wieder selb­st repro­duziert. Die Nach­haltigkeitsini­tia­tive wäre dann nicht die Aus­nahme, son­dern ein aktuelles Beispiel ein­er poli­tis­chen Form, die an ihre Gren­zen kommt.

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