#NeueDringlichkeit

«Neue Dringlichkeit» ste­ht in der Tra­di­tion der pro­gram­ma­tis­chen Selb­st­be­nen­nun­gen der Mod­erne und Avant­garde:

  1. Neue Sach­lichkeit
  2. Neues Bauen
  3. Neue Typogra­phie
  4. Neue Musik
  5. Neue Sub­jek­tiv­ität
  6. Neue Wilde
  7. Neue Ein­fach­heit

Die Formel «Neue + abstrak­ter Begriff» beze­ich­net nicht bloss etwas Aktuelles. Sie behauptet einen his­torischen Ein­schnitt:

Das bish­erige Ver­ständ­nis von Sach­lichkeit, Bauen, Musik – oder eben Dringlichkeit – genügt unter den verän­derten Bedin­gun­gen nicht mehr.

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«Neue Sach­lichkeit» ent­stand als Abkehr vom expres­sion­is­tis­chen Pathos und als Hin­wen­dung zur sicht­baren sozialen und ökonomis­chen Wirk­lichkeit. Der Begriff wurde ins­beson­dere durch Hart­laubs Mannheimer Ausstel­lung von 1925 etabliert. (Deutsches His­torisches Muse­um (DHM)) «Neue Typogra­phie» beze­ich­nete eben­falls nicht bloss eine neue Gestal­tungsmode, son­dern ein avant­gardis­tis­ches Pro­gramm für eine verän­derte Medi­enge­sellschaft; Jan Tschi­chold kod­i­fizierte es 1928. (The Muse­um of Mod­ern Art)

«Neue Dringlichkeit» ver­schiebt diese Tra­di­tion von der Form auf die Zeit.

Neue Sach­lichkeit fragte:

  • Wie müssen wir die Wirk­lichkeit jet­zt darstellen?

Neue Dringlichkeit fragt:

  • Was duldet keinen weit­eren Auf­schub?

Der Titel ist deshalb weniger eine Stil­beze­ich­nung als eine Inter­ven­tion. Er

  1. diag­nos­tiziert eine verän­derte Lage,
  2. erk­lärt die bish­eri­gen Rou­ti­nen für unzure­ichend,
  3. erzeugt einen Hand­lungsim­per­a­tiv,
  4. behauptet den Beginn ein­er anderen Gegen­wart.

Die stärk­ste For­mulierung wäre:

Neue Dringlichkeit ist die avant­gardis­tis­che Benen­nung ein­er Gegen­wart, in der Beobach­tung nicht mehr genügt.

Oder noch zuge­spitzter:

Neue Dringlichkeit ist die Neue Sach­lichkeit nach Ablauf der Bedenkzeit.

Ein erhe­blich­es Prob­lem gibt es allerd­ings: «Neue Dringlichkeit» ist bere­its der Name eines 2010 in Zürich gegrün­de­ten Kollek­tivs an der Gren­ze von Kun­st, The­ater und Aktivis­mus. (what-can-art-do.ch) Der Titel ste­ht also nicht nur in dieser Tra­di­tion – er ist bere­its konkret beset­zt.

damals:

Pro­jek­tlei­t­erin

  • Rachel Mad­er

Pro­jek­t­mi­tar­bei­t­erin­nen

  • Nina Ban­di
  • Mari­na Belo­brova­ja
  • Siri Pey­er
  • Bernadett Set­tele

2018 erfun­den und sofort wieder schlafen gelegt. aus grün­den ;-)

und dann war da noch um 2010: https://nd-blog.org/about/

Das waren keine anony­men «Dringlichen». Der engere Kreis von Neue Dringlichkeit bestand ins­beson­dere aus:

  1. Miri­am Walther Kohn
  2. Christo­pher Kriese
  3. Maja Leo
  4. Lil­iane Koch
  5. Stephan Stock

Diese fünf führten 2014 und 2018 das aus­führliche Gespräch über die Entwick­lung und Insti­tu­tion­al­isierung des Kollek­tivs.

Früher gehörte auch Mar­cel Griss­mer zu den Grün­dungsmit­gliedern. ((nD))

Beim Pro­jekt Zurück in die Zukun­ft / Labor der Zukün­fte 2017 waren zusät­zlich unter anderem dabei:

  1. Nele Solf
  2. There­sa Behling
  3. Johan­na Egger
  4. Patrizia Fedi­er
  5. Tali Fur­rer
  6. Yan­nick Geske
  7. Ben­ny Hauser
  8. Pauli­na Kind
  9. Dag­mar Kest­ner
  10. Fabi­an Ris­tau
  11. Lisa Schröter
  12. Michel Weber (Zurück in die Zukun­ft)

Ich ver­mute, dass vor allem Miri­am Walther Kohn, Christo­pher Kriese, Maja Leo und Nele Solf bei uns klin­geln.