
CALL FOR PAPER
Luhmann in #Bielefeld beschrieb das Soziale als kontingent:
Soziale Ordnung ist weder notwendig noch heilig, sondern prinzipiell stets auch anders möglich.
Die konkurrierende Denkschule in #Frankfurt widersprach mit #Habermas, weil er darin die Gefahr sah, die Erfahrung des #Holocaust normativ zu entleeren.
Unter dem Eindruck von #Auschwitz war ihm die technisch-nüchterne #Systemtheorie zu schwach. Für ihn durfte #Gesellschaft nicht nur als #System in ihrer Funktionsweise beschrieben werden; sie musste auch an allgemein begründbaren Ansprüchen der #Kritik messbar bleiben.
Frankfurt bestärkte den Menschen und die #Menschenrechte im Zentrum einer langen Tradition christlicher Anthropologie über #Naturrecht und #Aufklärung bis zur #Diskursethik.
Präzise dies sah #Bielefeld nicht als Teil von Lösung, sondern als das Problem selbst.
Luhmann hatte in seinem Zettelkasten eine lange Liste von Unterscheidungen versammelt, die für die europäische Denktradition grundlegend waren und die er systematisch entzaubern wollte:
((Mensch)Natur)
((Subjekt)Objekt)
((Teil)Ganzes)
((Innen)Aussen)
((Bewusstsein)Welt)
((Vernunft)Glaube)
((Zweck)Mittel)
Was in dieser Tradition als Ursprung, Zentrum, Wesen oder letzter Grund erschien, behandelte er nicht mehr als sicheren Ausgangspunkt, sondern als historisch gewordene Semantik. Gerade darin lag die Sprengkraft seines Programms. Denn mit Luhmann verschiebt sich der Zugriff:
Nicht mehr der Mensch erklärt das Soziale, sondern Kommunikation erklärt Kommunikation.
Nicht mehr das Subjekt steht im Zentrum, sondern die Operation. Nicht mehr Vernunft, Natur oder Moral stiften die Ordnung, sondern das System reproduzieren ihre eigenen Elemente unter kontingenten Bedingungen.
Die #Systemtheorie nach Luhmann markiert damit nicht bloss eine weitere Theorie innerhalb der Kulturform der Moderne. Sie treibt vielmehr deren innere Logik an einen Punkt, an dem ihre tragenden Unterscheidungen selbst fraglich werden.
Präzis darin liegt ihr historischer Reiz: Sie ermöglicht den Abschied von einer Ordnung, die den Menschen, das Subjekt, die Wahrheit oder die Vernunft als letzte Garanten einsetzen wollte.
Damit eröffnet sich eine weiterführende Frage: Wenn die grossen Unterscheidungen der Moderne nicht mehr tragen, welche Elemente einer nächsten Kulturform, einer #NextSociety, werden dann sichtbar?
Welche neuen Formen von Ordnung, Zugang, Legitimation und Durchsetzung entstehen, wenn das Soziale nicht mehr von Wesenheiten, sondern von Relationen, Operationen und Anschlussfähigkeit her gedacht wird? Und welche Unterscheidungen müssen wir heute neu bilden, wenn weder #Frankfurt noch #Bielefeld das letzte Wort behalten sollen?
Oder noch kürzer und noch schärfer:
Nicht der Mensch verschwindet.
Aber er verliert seinen Platz als Letztbegründung. Genau darin beginnt die Frage nach der nächsten Kulturform.
#KdK ist das neue #GdG
Der Körper der Körper ist der Volkskörper.
Die Gesellschaft der Gesellschaft war noch ein Verweis auf #Weltgesellschaft.
Die erste Denkblockade?
(1) Dass eine Gesellschaft aus konkreten Menschen und aus Beziehungen zwischen Menschen bestehe, … #GdG, Seite 24



Stefan M. Seydel, aka sms, aka sms2sms in «Zürcher Festspiel 1901″ (2019, Fotocredit: Charles Schnyder): Twitter, Wikipedia, Youtube (aktuell), Soundcloud, Instagram, Snapchat, TikTok, Twitch
Stefan M. Seydel/sms ;-)
(*1965), M.A., Studium der Sozialen Arbeit in St. Gallen und Berlin. Unternehmer, Sozialarbeiter, Künstler.
Ausstellungen und Performances in der Royal Academy of Arts in London (Frieze/Swiss Cultural Fund UK), im Deutsches Historisches Museum Berlin (Kuration Bazon Brock), in der Crypta Cabaret Voltaire Zürich (Kuration Philipp Meier) uam. Gewinner Migros Jubilée Award, Kategorie Wissensvermittlung. Diverse Ehrungen mit rocketboom.com durch Webby Award (2006–2009). Jury-Mitglied “Next Idea” Prix Ars Electronica 2010. Pendelte bis 2010 als Macher von rebell.tv zwölf Jahre zwischen Bodensee und Berlin. Co-Autor von “Die Form der Unruhe“, Umgang mit Information auf der Höhe der Zeit, Band 1 und 2, Junius Verlag Hamburg. Ruhendes Mitglied im P.E.N.-Club Liechtenstein. Er war drei Jahre Mitglied der Schulleitung Gymnasium Kloster Disentis. Seit Ende 2018 entwickelte er in Zürich-Hottingen in vielen Live-Streams – u.a. in Zusammenarbeit mit Statistik Stadt Zürich und Wikimedia Schweiz – den Workflow WikiDienstag.ch, publizierte während der Corona-Krise in der NZZ einen Text über Wikipedia, initiierte das #PaulWatzlawick-Festival 2020 mit und sammelt im Blog von Carl Auer Verlag, Heidelberg, «Elemente einer nächsten Kulturform». Im Juli 2020 kehrt er mit seinem 1997 gegründeten Unternehmen (Spin-Off mit Aufträgen der FH St. Gallen, Gesundheitsdirektion Kanton St. Gallen, Bundesamt für Gesundheit (BAG) und der EU aus einer Anstellung als Leiter Impuls- und Pilotinterventionen für die Aids-Hilfe St. Gallen/Appenzell) zurück nach Dissent.is/Muster, mitten in die Schweizer Alpen.
Textsorte: (1) Traum, (2) Blitz, (3) Bekenntnis, (4) Memo, (5) Märchen, (6) Drama, (7) Tabu
Arbeitsform: Dokumentation, Listenbildung, Work in Progress
Anlass: (…)
TL;DR: (…)
Bildquelle: (…)
URL/Hashtag: #GdG #KdK #SoziologWie?
