#JürgenHabermas: Mehr Diktatur wagen | #NiklasLuhmann: Der Körper der Körper

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Luh­mann in #Biele­feld beschrieb das Soziale als kontin­gent:

Soziale Ord­nung ist wed­er notwendig noch heilig, son­dern prinzip­iell stets auch anders möglich.

Die konkur­ri­erende Denkschule in #Frank­furt wider­sprach mit #Haber­mas, weil er darin die Gefahr sah, die Erfahrung des #Holo­caust nor­ma­tiv zu entleeren.

Unter dem Ein­druck von #Auschwitz war ihm die tech­nisch-nüchterne #Sys­temthe­o­rie zu schwach. Für ihn durfte #Gesellschaft nicht nur als #Sys­tem in ihrer Funk­tion­sweise beschrieben wer­den; sie musste auch an all­ge­mein begründ­baren Ansprüchen der #Kri­tik mess­bar bleiben.

Frank­furt bestärk­te den Men­schen und die #Men­schen­rechte im Zen­trum ein­er lan­gen Tra­di­tion christlich­er Anthro­polo­gie über #Natur­recht und #Aufk­lärung bis zur #Diskursethik.

Präzise dies sah #Biele­feld nicht als Teil von Lösung, son­dern als das Prob­lem selb­st.

Luh­mann hat­te in seinem Zettelka­s­ten eine lange Liste von Unter­schei­dun­gen ver­sam­melt, die für die europäis­che Denk­tra­di­tion grundle­gend waren und die er sys­tem­a­tisch entza­ubern wollte:

((Mensch)Natur)
((Subjekt)Objekt)
((Teil)Ganzes)
((Innen)Aussen)
((Bewusstsein)Welt)
((Vernunft)Glaube)
((Zweck)Mittel)

Was in dieser Tra­di­tion als Ursprung, Zen­trum, Wesen oder let­zter Grund erschien, behan­delte er nicht mehr als sicheren Aus­gangspunkt, son­dern als his­torisch gewor­dene Seman­tik. Ger­ade darin lag die Sprengkraft seines Pro­gramms. Denn mit Luh­mann ver­schiebt sich der Zugriff:

Nicht mehr der Men­sch erk­lärt das Soziale, son­dern Kom­mu­nika­tion erk­lärt Kom­mu­nika­tion.

Nicht mehr das Sub­jekt ste­ht im Zen­trum, son­dern die Oper­a­tion. Nicht mehr Ver­nun­ft, Natur oder Moral stiften die Ord­nung, son­dern das Sys­tem repro­duzieren ihre eige­nen Ele­mente unter kontin­gen­ten Bedin­gun­gen.

Die #Sys­temthe­o­rie nach Luh­mann markiert damit nicht bloss eine weit­ere The­o­rie inner­halb der Kul­tur­form der Mod­erne. Sie treibt vielmehr deren innere Logik an einen Punkt, an dem ihre tra­gen­den Unter­schei­dun­gen selb­st fraglich wer­den.

Präzis darin liegt ihr his­torisch­er Reiz: Sie ermöglicht den Abschied von ein­er Ord­nung, die den Men­schen, das Sub­jekt, die Wahrheit oder die Ver­nun­ft als let­zte Garan­ten ein­set­zen wollte.

Damit eröffnet sich eine weit­er­führende Frage: Wenn die grossen Unter­schei­dun­gen der Mod­erne nicht mehr tra­gen, welche Ele­mente ein­er näch­sten Kul­tur­form, ein­er #NextSo­ci­ety, wer­den dann sicht­bar?

Welche neuen For­men von Ord­nung, Zugang, Legit­i­ma­tion und Durch­set­zung entste­hen, wenn das Soziale nicht mehr von Wesen­heit­en, son­dern von Rela­tio­nen, Oper­a­tio­nen und Anschlussfähigkeit her gedacht wird? Und welche Unter­schei­dun­gen müssen wir heute neu bilden, wenn wed­er #Frank­furt noch #Biele­feld das let­zte Wort behal­ten sollen?

Oder noch kürz­er und noch schär­fer:

Nicht der Men­sch ver­schwindet.
Aber er ver­liert seinen Platz als Let­zt­be­grün­dung. Genau darin begin­nt die Frage nach der näch­sten Kul­tur­form.

#KdK ist das neue #GdG

Der Kör­p­er der Kör­p­er ist der Volk­skör­p­er.
Die Gesellschaft der Gesellschaft war noch ein Ver­weis auf #Welt­ge­sellschaft.

Die erste Denkblock­ade?
(1) Dass eine Gesellschaft aus konkreten Men­schen und aus Beziehun­gen zwis­chen Men­schen beste­he, … #GdG, Seite 24

Ste­fan M. Sey­del, aka sms, aka sms2sms in «Zürcher Fest­spiel 1901″ (2019, Foto­cre­d­it: Charles Schny­der):  Twit­terWikipediaYoutube (aktuell), Sound­cloudInsta­gramSnapchatTik­TokTwitch

Stefan M. Seydel/sms ;-)

(*1965), M.A., Studi­um der Sozialen Arbeit in St. Gallen und Berlin. Unternehmer, Sozialar­beit­er, Kün­stler.

Ausstel­lun­gen und Per­for­mances in der Roy­al Acad­e­my of Arts in Lon­don (Frieze/Swiss Cul­tur­al Fund UK), im Deutsches His­torisches Muse­um Berlin (Kura­tion Bazon Brock), in der Cryp­ta Cabaret Voltaire Zürich (Kura­tion Philipp Meier) uam. Gewin­ner Migros Jubilée Award, Kat­e­gorie Wis­sensver­mit­tlung. Diverse Ehrun­gen mit rocketboom.com durch Web­by Award (2006–2009). Jury-Mit­glied “Next Idea” Prix Ars Elec­tron­i­ca 2010. Pen­delte bis 2010 als Mach­er von rebell.tv zwölf Jahre zwis­chen Bodensee und Berlin. Co-Autor von “Die Form der Unruhe“, Umgang mit Infor­ma­tion auf der Höhe der Zeit, Band 1 und 2, Junius Ver­lag Ham­burg. Ruhen­des Mit­glied im P.E.N.-Club Liecht­en­stein. Er war drei Jahre Mit­glied der Schulleitung Gym­na­si­um Kloster Dis­en­tis. Seit Ende 2018 entwick­elte er in Zürich-Hot­tin­gen in vie­len Live-Streams – u.a. in Zusam­me­nar­beit mit Sta­tis­tik Stadt Zürich und Wiki­me­dia Schweiz – den Work­flow WikiDienstag.ch, pub­lizierte während der Coro­na-Krise in der NZZ einen Text über Wikipedia, ini­ti­ierte das #PaulWat­zlaw­ick-Fes­ti­val 2020 mit und sam­melt im Blog von Carl Auer Ver­lag, Hei­del­berg, «Ele­mente ein­er näch­sten Kul­tur­form». Im Juli 2020 kehrt er mit seinem 1997 gegrün­de­ten Unternehmen (Spin-Off mit Aufträ­gen der FH St. Gallen, Gesund­heits­di­rek­tion Kan­ton St. Gallen, Bun­de­samt für Gesund­heit (BAG) und der EU aus ein­er Anstel­lung als Leit­er Impuls- und Pilot­in­ter­ven­tio­nen für die Aids-Hil­fe St. Gallen/Appenzell) zurück nach Dissent.is/Muster, mit­ten in die Schweiz­er Alpen.

Textsorte: (1) Traum, (2) Blitz, (3) Beken­nt­nis, (4) Memo, (5) Märchen, (6) Dra­ma, (7) Tabu
Arbeits­form: Doku­men­ta­tion, Lis­ten­bil­dung, Work in Progress
Anlass: (…)
TL;DR: (…)
Bildquelle: (…)
URL/Hashtag: #GdG #KdK #Sozi­olog­Wie?