let’s call it: #LedgerPlay | ledgerplay bezeichnet eine Spielweise, in der alle Operationen in einem überprüfbaren Register geführt werden – so dass Behinderungsmacht jederzeit begrenzbar bleibt.

WORK IN PROGRESS
M/ein Blog ist m/ein Kartenraum und k/eine Bühne. Ich weiss wie man publiziert. Das hier ist etwas anderes. d!a!n!k!e | WORK IN PROGRESS reload für aktuellen schreibstand | warum ich nicht publiziere? weil ich es kann. weil es geht. weil ich es für angemessen halte.
- wenn es mir ums SENDEN gehen würde, machte ich alles falsch.
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- wenn es mir ums FINDEN gehen würde, würde ich suchen.
- wenn es mir ums GEWINNEN gehen würde, hielte ich mich an expertisen.
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Anlass zu diesem Eintrag:
Die westliche Tradition hat grosse emanzipative Versprechen formuliert: Freiheit, Gleichheit, Menschenwürde, Rechtsstaat, Aufklärung.
Aber operativ war sie faktisch ganz anders: kolonial, klassistisch, patriarchal, extraktiv, militärisch, missionarisch.
Wenn die invasiven (nicht nur informationellen) Kriege weit weg realisiert wurden, hat es die Menschen in Zentraleuropa und in Nordamerika nicht geplagt. Auch wenn das Leiden “mitten in der Gesellschaft” formuliert wurden: Black Community, Frauen, “Die Dritte Welt”, “Die Vierte Welt”, “Die Fünfte Welt”, etc.
Unter der Bedingung von “demokratisch legitimierten” Regierungen, welche hemmungslos ihre Nähe zu @blackrock zeigen könnnen, wird nachvollziehbar, warum diese “Kulturform der Moderne” doch so stabil gehalten werden konnte: Es profitieren zu viele, selbst die Ärmsten in Zentraleuropa — zB über die Organisation der Pensionskassengelder — von diesem Regime.
Es scheint der Vorteil zu sein von @potus Donald Trump I und II, dass an seiner Regierung die ganze Hässlichkeit der Kulturform offensichtlich wird. (“Der König ist nackt.”)
Die Frage des Sozialarbeiters — eines Arbeiters am Sozialen — ist aber nicht transparente Darstellung von
→Anamnese
→Diagnose
→Prognose
→Therapie.
Dafür hat es genügend Literatur in der universitären Bibliothek. Hier geht es darum, die Elemente einer möglichen Nächsten Kulturform zur Darstellung zu bringen. Wir nennen diese #NextSociety beim Namen #Commoroque und suchen, finden und erfinden ihre Elemente typischerweise und schon wieder in einem Alpental ;-)
Status des Eintrages: work in progress: was nach einer ersten Lesung mE noch eingearbeitet werden muss:
1. Definition (#ledgerplay)
#ledgerplay bezeichnet eine Spielweise, in der alle Operationen in einem überprüfbaren Register geführt werden – so dass Behinderungsmacht jederzeit begrenzbar bleibt.
2. Operative Kurzform (Anwendung)
Jede Situation lässt sich sofort prüfen: Wer ordnet, wer hat Zugang, wer legitimiert, wie wird durchgesetzt – und wo wird blockiert, wo wird begrenzt?
3. Radikale Zuspitzung (Infrastruktur)
Wo es kein Register gibt, gibt es keine Begrenzung. Wo es keine Begrenzung gibt, stabilisiert sich Behinderung.
4. Finaler Abschluss (Schlusssatz)
Nicht neue Akteure entscheiden über die nächste Kulturform, sondern ob das Spiel als #ledgerplay organisiert ist.
(Und was fehlt aus deiner sicht? danke für deine Feedbacks! sms@dissent.is oder auf social media unter @sms2sms)
Die #Spielregeln der nächsten Kulturform #Commoroque
1. Anlass: Erschöpfung einer Form
Die westliche Tradition formuliert ihre Versprechen klar: Freiheit, Gleichheit, Menschenwürde, Rechtsstaat, Aufklärung.
Operativ organisiert sie sich anders: kolonial, klassistisch, patriarchal, extraktiv, militärisch, missionarisch.
Diese Differenz ist kein Randphänomen, sondern stabilisierend:
Zu viele profitieren – direkt oder indirekt – von dieser Ordnung.
Die gegenwärtige Sichtbarkeit ihrer Widersprüche ist kein Bruch, sondern eine Entblössung.
2. Verschiebung der Fragestellung
Kein weiterer Beitrag zu Diagnose oder Kritik.
Keine moralische Bewertung.
Fokus:
Wie ist das Spiel organisiert?
Nicht Inhalte, sondern Struktur.
3. Das Spielfeld: vier Dimensionen
Jede soziale Ordnung lässt sich entlang von vier Dimensionen beschreiben:
- Anordnung → Wie ist das Feld organisiert?
- Zugang → Wer hat Zugriff?
- Legitimation → Wer bestimmt, was gilt?
- Durchsetzung → Wie wird Verbindlichkeit erzeugt?
Diese vier Dimensionen beschreiben die Architektur des Spiels.
Noch ohne Bewertung.
4. Die Spielregeln: zwei Machtformen
Innerhalb dieser Struktur wirken zwei Formen von Macht:
- Begrenzungsmacht
→ schützt Möglichkeiten - Behinderungsmacht
→ blockiert Möglichkeiten
Beide gehören zum Spiel.
Behinderung verschwindet nicht.
Die entscheidende Regel lautet:
Behinderungsmacht darf nicht stabil werden.
5. Die zentrale Setzung
Nicht die Abwesenheit von Behinderung ist entscheidend,
sondern die Fähigkeit, sie zu begrenzen.
Damit verschiebt sich alles:
- von Moral → zu Infrastruktur
- von Absicht → zu Operation
- von Akteuren → zu Protokollen
6. Infrastruktur der Begrenzung
Begrenzungsmacht muss operativ verfügbar sein:
- sichtbar
- adressierbar
- überprüfbar
- reversibel
Fehlt eine dieser Bedingungen, stabilisiert sich Behinderungsmacht.
7. Relektüre der Gegenwart
Viele aktuelle Entwicklungen verändern Machtverhältnisse,
aber nicht die Form von Macht.
- neue Plattformen
- neue geopolitische Zentren
- neue Finanzlogiken
→ Variantenwechsel, kein Formwechsel
Prüffrage:
Kann Behinderungsmacht begrenzt werden – oder nur neu organisiert?
8. Lokale Versuchsanordnung
Das Alpental als Labor.
Nicht als Rückzug, sondern als Reduktion von Komplexität:
- Versorgung
- Produktion
- Infrastruktur
Hier werden die vier Dimensionen sichtbar und veränderbar.
9. Schluss
Eine nächste Kulturform zeigt sich nicht in Idealen,
sondern in veränderten Spielregeln.
Nicht entscheidend ist, wer spielt.
Sondern ob Behinderungsmacht begrenzbar bleibt.
Keine Quellen, konzeptionelle Struktur.
bitte verstehe diesen eintrag nicht zu schnell… hier gibts nichts zu sehen und nichts zu lesen ;-)
Erste Paraphrasierung:
Die westliche Tradition hat ihre grossen Versprechen klar formuliert: Freiheit, Gleichheit, Menschenwürde, Rechtsstaat, Aufklärung. Zugleich ist sie operativ oft ganz anders unterwegs gewesen: kolonial, klassistisch, patriarchal, extraktiv, militärisch, missionarisch. Diese Differenz ist kein Betriebsunfall. Sie gehört zur Stabilität dieser Kulturform. Zu viele profitieren von ihr, selbst dort, wo sie sich als demokratisch, sozial und aufgeklärt beschreibt. Auch in Zentraleuropa. Auch dort, wo die Menschen sich selbst für die Guten halten. Wenn Kriege, Ausbeutung und Unterwerfung weit weg organisiert werden, lässt sich der eigene Wohlstand leicht für normal halten. Und wenn die Profite sogar über Pensionskassen, Konsum, Lieferketten und vermeintlich neutrale Institutionen in den Alltag einsickern, wird verständlich, warum diese Ordnung so zäh ist.
Die gegenwärtige Hässlichkeit dieser Kulturform wird deshalb nicht erst jetzt produziert. Sie wird nur deutlicher sichtbar. Vielleicht ist genau das der besondere Effekt von Figuren wie Donald Trump: Nicht dass sie etwas völlig Neues bringen würden, sondern dass sie die alte Logik so unerquicklich offen zeigen, dass sich die Fassade kaum noch halten lässt. Der König ist nackt. Aber diese Nacktheit ist nicht neu. Neu ist nur, dass sie nicht mehr so leicht kaschiert werden kann.
An diesem Punkt beginnt die eigentliche Frage. Es geht nicht darum, noch einmal dieselbe Diagnose zu wiederholen. Es geht auch nicht darum, ein weiteres moralisches Urteil zu formulieren. Dafür gibt es genug Bücher, genug Seminare, genug Diskurse. Interessanter ist eine andere Frage: Wie ist das Spiel eigentlich aufgebaut? Und nach welchen Regeln wird es gespielt?
Jede soziale Ordnung lässt sich entlang von vier Dimensionen beschreiben. Erstens: Anordnung. Wie ist das Feld organisiert? Wer ordnet wen? Zweitens: Zugang. Wer kommt überhaupt hinein, wer hat Zugriff auf Ressourcen, Räume, Wissen, Infrastruktur? Drittens: Legitimation. Wer darf sagen, was gilt? Wessen Stimme zählt, wessen Begründung wird anerkannt, wessen Perspektive wird ausgeschlossen? Viertens: Durchsetzung. Wie wird Verbindlichkeit erzeugt? Durch Verfahren, durch Druck, durch Sanktionen, durch Gewalt?
Diese vier Dimensionen beschreiben das Spielfeld. Sie sagen noch nicht, ob ein System gut oder schlecht ist. Sie legen nur offen, wie es gebaut ist. Wer über gesellschaftliche Veränderung spricht, sollte deshalb nicht zuerst über Werte reden, sondern über diese vier Punkte. Denn an ihnen entscheidet sich, was in einer Gesellschaft überhaupt möglich ist.
Innerhalb dieses Spielfelds wirken zwei Formen von Macht. Die eine ist Behinderungsmacht. Sie blockiert Möglichkeiten. Sie drängt Menschen zurück, schliesst sie aus, erschwert Zugang, entwertet Stimmen, setzt sich gegen sie durch. Die andere ist Begrenzungsmacht. Sie schützt Möglichkeiten. Sie setzt Grenzen, damit Behinderung nicht alles besetzt. Sie greift ein, wo Ausschluss, Willkür oder Gewalt die Oberhand gewinnen. Beide Formen gehören zum Spiel. Das ist der entscheidende Punkt. Es wäre naiv zu glauben, Behinderungsmacht lasse sich einfach abschaffen. Menschen und Gruppen werden immer wieder versuchen, Vorteile zu sichern, andere zu behindern, Zugänge zu kontrollieren, Geltung zu monopolisieren oder Konflikte zu ihren Gunsten zu entscheiden. Thats life.
Entscheidend ist deshalb nicht die Illusion einer reinen, konfliktfreien Welt. Entscheidend ist, ob Begrenzungsmacht verfügbar ist. Nicht als moralischer Appell, sondern als Teil der Infrastruktur. Die eigentliche Spielregel einer nächsten Kulturform lautet also nicht: Es darf keine Behinderungsmacht geben. Sondern: Behinderungsmacht darf sich nicht ungehindert stabilisieren. Sie muss begrenzbar bleiben. Jeder Versuch, Möglichkeiten zu blockieren, muss sichtbar, adressierbar, überprüfbar und reversibel werden können. Wenn das nicht möglich ist, kippt das Spiel. Dann wird aus einer offenen Ordnung ein Regime.
Genau hier wird die Sache politisch und technisch zugleich. Denn Begrenzungsmacht ist nicht einfach eine gute Absicht. Sie muss organisiert werden. Sie braucht Verfahren, Protokolle, Einspruchsmöglichkeiten, verteilte Zuständigkeiten, überprüfbare Operationen. Sie braucht eine Infrastruktur, die nicht darauf angewiesen ist, dass die Richtigen an der Spitze sitzen. Es reicht nicht, auf gute Menschen zu hoffen. Die Architektur des Spiels muss so gebaut sein, dass Behinderung begrenzt werden kann.
Damit verschiebt sich auch der Blick auf Gegenwart und Zukunft. Viele aktuelle Entwicklungen sehen auf den ersten Blick nach Wandel aus: neue Plattformen, neue Machtzentren, neue Technologien, neue geopolitische Blöcke. Aber oft handelt es sich nur um Variantenwechsel. Die Macht wird neu verteilt, aber ihre Form bleibt dieselbe. Es gibt dann vielleicht andere Eliten, andere Firmen, andere Staaten, andere Narrative. Doch an der Anordnung ändert sich wenig, am Zugang wenig, an der Legitimation wenig, an der Durchsetzung oft gar nichts. Die Behinderungsmacht wird nur moderner, effizienter, freundlicher verpackt.
Gerade deshalb ist die Frage nach einer nächsten Kulturform so wichtig. Sie beginnt nicht bei grossen Worten, sondern bei den Spielregeln. Eine nächste Kulturform müsste sich daran erkennen lassen, dass Behinderungsmacht nicht einfach hingenommen oder nur moralisch beklagt wird, sondern strukturell begrenzbar bleibt. Und zwar in allen vier Dimensionen zugleich. Bei der Anordnung. Beim Zugang. Bei der Legitimation. Bei der Durchsetzung.
Das ist auch der Punkt, an dem Projekte rund um Versorgung, Commons, Protokolle und verteilte Infrastruktur interessant werden. Nicht weil sie schon die Lösung wären. Sondern weil sie einen anderen Zugriff testen. Nicht Vertrauen in Akteure, sondern Überprüfbarkeit von Operationen. Nicht gute Absichten, sondern belastbare Spielregeln. Nicht blosse Kritik an Macht, sondern Infrastrukturen, die Macht begrenzen können.
Darum ist das Alpental hier kein romantischer Rückzugsort und keine Folklore. Es ist eine Versuchsanordnung. In kleinerem Massstab lassen sich die vier Dimensionen sichtbarer machen. Wer ordnet? Wer hat Zugang? Wer legitimiert? Wie wird durchgesetzt? Und vor allem: Wo kann Begrenzung tatsächlich greifen? Genau dort beginnt das Interesse an Commons, an Versorgungskreisläufen, an Protokollen, an neuen Formen von Infrastruktur. Nicht als Idylle, sondern als Test.
Eine nächste Kulturform zeigt sich also nicht zuerst in schönen Idealen. Sie zeigt sich in anderen Spielregeln. Nicht entscheidend ist, wer spielt. Entscheidend ist, ob Behinderungsmacht begrenzbar bleibt. Wenn das gelingt, verändert sich das Spiel. Wenn das nicht gelingt, bleibt alles beim Alten, auch wenn die Oberfläche noch so neu aussieht.
2. Paraphrasierung
Die #Spielregeln der nächsten Kulturform #Commoroque
1. Anlass: Erschöpfung einer Form
Die westliche Moderne hat ihre normativen Leitbegriffe präzise formuliert: Freiheit, Gleichheit, Menschenwürde, Rechtsstaat, Aufklärung. Gleichzeitig operiert sie historisch und gegenwärtig entlang von Mustern, die diesen Ansprüchen systematisch widersprechen: Kolonialität, Klassismus, Patriarchat, Extraktion, militärische Durchsetzung, missionarische Expansion.
Diese Differenz ist kein Defekt, sondern funktional für ihre Stabilität. Die Moderne reproduziert sich über verteilte Vorteilslagen. Auch jene, die innerhalb dieser Ordnung als benachteiligt gelten, sind häufig in ihre materiellen und institutionellen Gewinne eingebunden. Die Struktur bleibt stabil, weil ihre Kosten externalisiert und ihre Erträge breit gestreut werden.
Die gegenwärtige Sichtbarkeit ihrer Widersprüche markiert daher keinen Bruch, sondern eine Verdichtung. Die Form zeigt sich offener, nicht weil sie sich verändert hätte, sondern weil ihre Selbstbeschreibungen an Überzeugungskraft verlieren.
2. Verschiebung der Fragestellung
Die vorliegende Perspektive setzt nicht bei Diagnose oder Kritik an. Sie verzichtet bewusst auf die klassischen Schemata von Anamnese, Diagnose, Prognose und Therapie.
Im Zentrum steht eine formanalytische Verschiebung:
Nicht gefragt wird, was eine Gesellschaft behauptet, sondern wie sie operiert.
Die Aufmerksamkeit richtet sich auf die strukturellen Bedingungen sozialer Ordnung. Es geht um die Frage, welche Operationen bestimmen, was möglich ist, was ausgeschlossen wird und wie Verbindlichkeit entsteht.
3. Das Spielfeld: vier Dimensionen
Jede soziale Ordnung lässt sich entlang von vier Dimensionen beschreiben:
- Anordnung: Strukturierung von Positionen und Relationen
- Zugang: Verteilung von Ressourcen und Teilhabemöglichkeiten
- Legitimation: Herstellung von Geltung und Anerkennung
- Durchsetzung: Sicherung von Verbindlichkeit
Diese Dimensionen beschreiben die Architektur des Sozialen. Sie sind analytisch, nicht normativ. Sie legen offen, wie ein System organisiert ist, ohne bereits zu bewerten.
4. Die Spielregeln: zwei Machtformen
Innerhalb dieser Struktur wirken zwei grundlegende Machtformen:
- Begrenzungsmacht: Einschränkungen, die Möglichkeiten sichern und erhalten
- Behinderungsmacht: Einschränkungen, die Möglichkeiten blockieren und reduzieren
Beide Formen sind konstitutiv. Eine soziale Ordnung ohne Behinderungsmacht ist nicht zu erwarten. Konflikt, Konkurrenz und asymmetrische Interessen gehören zum Spiel.
Die analytische Differenz liegt nicht in der Absicht, sondern in der Wirkung.
5. Die zentrale Setzung
Die entscheidende Verschiebung besteht darin, die normative Erwartung aufzugeben, Behinderungsmacht vollständig eliminieren zu können.
An ihre Stelle tritt eine strukturelle Forderung:
Behinderungsmacht darf sich nicht stabilisieren.
Eine Ordnung ist nicht dadurch bestimmt, dass sie frei von Behinderung ist, sondern dadurch, ob sie über Mechanismen verfügt, die Behinderung begrenzen können.
Damit verschiebt sich die Perspektive von moralischen Bewertungen hin zu infrastrukturellen Bedingungen.
6. Infrastruktur der Begrenzung
Begrenzungsmacht ist keine Haltung, sondern eine Leistung der Struktur.
Damit sie wirksam werden kann, müssen bestimmte Bedingungen erfüllt sein:
- Sichtbarkeit: Behinderung muss beobachtbar sein
- Adressierbarkeit: es muss möglich sein, sie zu benennen und zuzuordnen
- Überprüfbarkeit: Operationen müssen nachvollziehbar sein
- Reversibilität: Entscheidungen müssen korrigierbar bleiben
Fehlen diese Bedingungen, entsteht eine Tendenz zur Verfestigung von Behinderungsmacht. Sie entzieht sich dann der Korrektur und wird strukturell abgesichert.
7. Relektüre der Gegenwart
Viele gegenwärtige Transformationen verändern die Verteilung von Macht, nicht jedoch ihre Form.
Digitale Plattformen, globale Finanzstrukturen, geopolitische Verschiebungen oder neue technologische Infrastrukturen führen zu neuen Konfigurationen, ohne die grundlegenden Operationsweisen notwendig zu verändern.
Die zentrale Unterscheidung lautet daher:
Handelt es sich um einen Variantenwechsel oder um einen Formwechsel?
Ein Variantenwechsel reorganisiert bestehende Macht.
Ein Formwechsel verändert die Bedingungen, unter denen Macht begrenzt werden kann.
8. Lokale Versuchsanordnung
Reduzierte Kontexte erlauben eine präzisere Beobachtung der vier Dimensionen. In kleinräumigen, konkret organisierten Zusammenhängen werden Anordnung, Zugang, Legitimation und Durchsetzung sichtbar und verhandelbar.
Versorgungsprozesse, gemeinschaftliche Infrastrukturen oder lokal verankerte Produktionsformen fungieren dabei nicht als Gegenmodell, sondern als Experimentierfeld. Sie machen sichtbar, ob und wie Begrenzungsmacht tatsächlich operativ greift.
Die lokale Ebene ist kein Rückzug, sondern eine methodische Reduktion von Komplexität zur Analyse struktureller Bedingungen.
9. Schluss: Spielregeln statt Programme
Eine nächste Kulturform lässt sich nicht über Programme, Ideologien oder normative Entwürfe bestimmen.
Sie zeigt sich in veränderten Spielregeln.
Nicht entscheidend ist, welche Akteure dominieren oder welche Inhalte vertreten werden. Entscheidend ist, ob die Struktur so beschaffen ist, dass Behinderungsmacht begrenzbar bleibt.
Erst dort, wo diese Bedingung erfüllt ist, verändert sich die Form des Sozialen. Alles andere bleibt innerhalb der bekannten Variationen derselben Ordnung.
Präzisierung der vier Machtdimensionen, der Skalierung sowie von Begrenzungs- und Behinderungsmacht
1. Ausgangspunkt: Wovon hier überhaupt die Rede ist
Wenn von Macht gesprochen wird, ist hier nicht zuerst Herrschaft gemeint, sondern die Möglichkeit, soziale Bedingungen zu gestalten. Macht ist also nicht einfach Unterdrückung. Macht ist die Frage, was in einer sozialen Ordnung möglich wird, was verhindert wird, was gilt und wie Verbindlichkeit entsteht.
Die vier Machtdimensionen benennen deshalb nicht vier Meinungen über Gesellschaft, sondern vier Grundachsen jeder sozialen Ordnung:
- Anordnung
- Zugang
- Legitimation
- Durchsetzung
Diese vier Dimensionen beschreiben das Spielfeld. Sie zeigen, wie das Soziale gebaut ist.
Innerhalb dieses Spielfelds wirken dann zwei elementare Machtformen:
- Behinderungsmacht
- Begrenzungsmacht
Diese beiden benennen nicht das Feld, sondern die operative Wirkung innerhalb des Feldes. Sie sind also nicht weitere Dimensionen, sondern die Spielregeln des Spiels.
Damit ist die Grundstruktur gesetzt:
| Ebene | Frage | Begriffe |
|---|---|---|
| Struktur des Spiels | Wie ist das Soziale gebaut? | Anordnung, Zugang, Legitimation, Durchsetzung |
| Regel des Spiels | Wie wirken Eingriffe in dieser Struktur? | Behinderungsmacht, Begrenzungsmacht |
2. Die vier Machtdimensionen im Überblick
Die vier Dimensionen lassen sich in einer einfachen Formel fassen:
| Machtdimension | Leitfrage |
|---|---|
| Anordnung | Wer ordnet wen? |
| Zugang | Wer kommt woran? |
| Legitimation | Wer darf sagen, was gilt? |
| Durchsetzung | Wie wird Geltung verbindlich gemacht? |
Jede konkrete soziale Situation lässt sich entlang dieser vier Fragen zerlegen. Gerade darin liegt die Stärke des Modells: Es zwingt dazu, eine diffuse moralische Lage in präzise Strukturfragen zu übersetzen.
3. Anordnung
Anordnung betrifft die Weise, wie Positionen, Rollen, Zuständigkeiten und Entscheidungsmöglichkeiten verteilt sind. Hier geht es um die Architektur der Beziehungen.
Die Leitfrage lautet:
Wer ordnet wen?
Anordnung ist überall dort im Spiel, wo entschieden wird,
- wer oben und wer unten ist,
- wer befiehlt und wer ausführt,
- wer Zentrum und wer Peripherie ist,
- wer organisieren darf und wer organisiert wird.
Anordnung betrifft also Hierarchie, Zentralisierung, Delegation, Steuerung, Selbstorganisation, Koordination, Abhängigkeit und Unterordnung.
Das radikale Ziel dieser Dimension lautet:
Anarchie
Damit ist nicht Chaos gemeint, sondern die Abwesenheit dauerhafter Herrschaft. Die Frage ist also nicht, ob Ordnung existiert, sondern ob Ordnung herrschaftsförmig oder herrschaftsarm organisiert ist.
Die Skala dieser Dimension kann so beschrieben werden:
| Skalenwert | Beschreibung |
|---|---|
| 0 | totale Fremdordnung, vollständige Hierarchie, keine reale Selbstorganisation |
| 1–2 | stark zentralisierte Steuerung, kaum Mitsprache, klare Befehlsketten |
| 3–4 | begrenzte Mitwirkung innerhalb vorgegebener Strukturen |
| 5 | gemischte Form: teils Hierarchie, teils Selbstorganisation |
| 6–7 | deutliche Verlagerung hin zu verteilter Koordination |
| 8–9 | weitgehende Selbstorganisation ohne stabile Überordnung |
| 10 | herrschaftsfreie Ordnung, reine Koordination ohne dauerhafte Unterstellung |
Die Skala ist kein moralischer Kalender, sondern ein Beobachtungsinstrument. Sie zeigt den Abstand zwischen gegebener Form und radikalem Ziel.
Die analytische Frage lautet daher:
Wie weit ist eine konkrete Ordnung von herrschaftsfreier Koordination entfernt?
4. Zugang
Zugang betrifft die Verteilung von Ressourcen, Räumen, Wissen, Infrastruktur, Eigentum, Teilhabe und Chancen.
Die Leitfrage lautet:
Wer kommt woran?
Zugang ist überall dort im Spiel, wo entschieden wird,
- wer mitmachen darf,
- wer Ressourcen nutzen kann,
- wer draussen bleibt,
- wer zahlen muss,
- wer Eigentum kontrolliert,
- wer auf Versorgung, Information, Mobilität oder Bildung zugreifen kann.
Das radikale Ziel dieser Dimension lautet:
Commons
Gemeint ist damit nicht bloss ein freundliches Miteinander, sondern eine Ordnung, in der zentrale Ressourcen nicht primär durch exklusive Aneignung organisiert sind. Der Fokus liegt auf geteiltem Zugang, gemeinsamer Nutzung, gemeinsamer Pflege und gemeinsamer Reproduktionsfähigkeit.
Die Skala dieser Dimension kann so beschrieben werden:
| Skalenwert | Beschreibung |
|---|---|
| 0 | totaler Ausschluss, monopolistische Verfügung, keine Teilhabe |
| 1–2 | sehr enger Zugang, stark privatisiert, hohe Hürden |
| 3–4 | eingeschränkter Zugang, Teilnahme nur unter starken Bedingungen |
| 5 | gemischte Form: teilweise offen, teilweise exklusiv |
| 6–7 | deutlich erweiterter Zugang, mehr geteilte Nutzung |
| 8–9 | weitgehend commons-orientierte Infrastruktur |
| 10 | freier, getragener, reproduktionsfähiger gemeinsamer Zugang |
Die analytische Frage lautet:
Wird Zugang geteilt oder bewirtschaftet? Wird er eröffnet oder kontrolliert?
5. Legitimation
Legitimation betrifft die Herstellung von Geltung. Hier geht es darum, wessen Stimme zählt, welche Begründungen anerkannt werden und welche Perspektiven überhaupt als relevant gelten dürfen.
Die Leitfrage lautet:
Wer darf sagen, was gilt?
Legitimation ist überall dort im Spiel, wo entschieden wird,
- welche Stimmen gehört werden,
- welche Gründe zählen,
- welche Erfahrung anerkannt wird,
- wer mitreden darf,
- wer als zuständig gilt,
- wer ausgeschlossen bleibt.
Diese Dimension betrifft also Repräsentation, Expertise, Autorität, Anerkennung, Öffentlichkeit, Verfahren und Ausschluss.
Das radikale Ziel dieser Dimension lautet:
Inklusion
Gemeint ist damit nicht höfliche Rücksichtnahme, sondern die systematische Einbeziehung aller relevanten Perspektiven. Inklusion heisst hier: Eine Ordnung gilt nur dann als angemessen, wenn jene, die von ihr betroffen sind, auch wirksam an ihrer Geltung mitwirken können.
Die Skala dieser Dimension kann so beschrieben werden:
| Skalenwert | Beschreibung |
|---|---|
| 0 | vollständiger Ausschluss relevanter Stimmen |
| 1–2 | sehr enge Legitimation durch wenige Instanzen |
| 3–4 | punktuelle Beteiligung ohne reale Geltungsmacht |
| 5 | gemischte Form: gewisse Beteiligung, aber begrenzte Wirksamkeit |
| 6–7 | deutlich erweiterte Geltungschancen |
| 8–9 | breit angelegte Einbeziehung relevanter Perspektiven |
| 10 | maximale Inklusion aller Betroffenen in Prozesse der Geltung |
Die analytische Frage lautet:
Wer darf nur sprechen, und wer kann tatsächlich Geltung erzeugen?
6. Durchsetzung
Durchsetzung betrifft die Weise, wie Entscheidungen, Regeln, Geltung und Ordnung verbindlich gemacht werden.
Die Leitfrage lautet:
Wie wird Verbindlichkeit erzeugt?
Durchsetzung ist überall dort im Spiel, wo entschieden wird,
- wie Konflikte entschieden werden,
- wie Regelverstösse beantwortet werden,
- wie Gehorsam produziert wird,
- wie Sanktionen funktionieren,
- wie Druck, Zwang oder Gewalt eingesetzt werden.
Diese Dimension betrifft also Polizei, Militär, Sanktionen, Disziplin, Strafe, Druck, Eskalation, aber auch alle subtileren Formen von Zwang und strukturellem Druck.
Das radikale Ziel dieser Dimension lautet:
Pazifismus
Hier muss scharf formuliert werden:
Gewaltanwendung gehört nicht zur Problemlösung. Null.
Pazifismus ist in dieser Logik keine weiche Friedenssehnsucht, sondern ein harter Zielwert. Gewalt soll nicht klüger, humaner oder verhältnismässiger werden. Sie soll nicht Teil der Lösung sein.
Die Skala dieser Dimension kann so beschrieben werden:
| Skalenwert | Beschreibung |
|---|---|
| 0 | Gewalt ist zentrales Mittel der Ordnungsbildung |
| 1–2 | Gewalt, Zwang und Drohung prägen die Verbindlichkeit stark |
| 3–4 | Gewalt bleibt strukturell verfügbar und häufig normalisiert |
| 5 | gemischte Form: Verfahren existieren, Gewalt bleibt Hintergrundoption |
| 6–7 | deutliche Reduktion direkter Gewalt, aber nicht aufgehoben |
| 8–9 | Gewalt wird systematisch minimiert und verdrängt |
| 10 | Gewalt ist kein Mittel der Problemlösung mehr |
Die analytische Frage lautet:
Wo wird noch mit Zwang, Drohung, Sanktion oder Gewalt Verbindlichkeit erzeugt?
7. Warum die Skala von 0 bis 10 sinnvoll ist
Die Skala hat eine operative Funktion. Sie erlaubt, eine konkrete Lage nicht nur begrifflich, sondern graduell zu beobachten.
Der Clou dabei ist:
Die Zielbegriffe bleiben absolut, die Realität wird relativ dazu beschrieben.
Also nicht:
Anarchie als nettes Ideal, ein bisschen mehr oder weniger.
Sondern:
Das Ziel heisst Anarchie. Die reale Ordnung steht derzeit vielleicht bei 2 oder 4 oder 6.
Dasselbe gilt für Commons, Inklusion und Pazifismus.
Die Skala dient also nicht der Verwässerung des Zieles, sondern der präzisen Beschreibung des Abstandes.
| Dimension | Zielwert 10 |
|---|---|
| Anordnung | Anarchie |
| Zugang | Commons |
| Legitimation | Inklusion |
| Durchsetzung | Pazifismus |
Der Vorteil dieser Form ist offenkundig:
Es wird möglich, konkrete Verhältnisse zu beschreiben, ohne das Ziel aufzugeben.
8. Behinderungsmacht
Behinderungsmacht bezeichnet jede Form von Machtwirkung, die Möglichkeiten blockiert, einschränkt oder verunmöglicht.
Wichtig ist:
Behinderungsmacht ist keine Frage der bösen Absicht. Sie ist eine Frage der Wirkung.
Behinderungsmacht liegt überall dort vor, wo innerhalb einer der vier Dimensionen Möglichkeiten verschlossen werden.
Beispiele:
- in der Anordnung: starre Hierarchie, Fremdbestimmung, Unterordnung
- im Zugang: Ausschluss, Privatisierung, Monopolisierung
- in der Legitimation: Entwertung von Stimmen, Ausschluss von Perspektiven
- in der Durchsetzung: Sanktion, Drohung, Zwang, Gewalt
Behinderungsmacht ist also kein Sonderfall, sondern eine Grundmöglichkeit sozialer Ordnung. Sie ist erwartbar. Sie wird immer wieder auftreten.
Deshalb lautet die Frage nicht:
Wie kann Behinderungsmacht vollständig verschwinden?
Sondern:
Wie kann verhindert werden, dass sie sich stabilisiert?
9. Begrenzungsmacht
Begrenzungsmacht bezeichnet jede Form von Machtwirkung, die Möglichkeiten schützt, erhält oder wiederherstellt.
Auch hier geht es nicht um gute Absicht, sondern um Wirkung.
Begrenzungsmacht liegt überall dort vor, wo Behinderungsmacht eingehegt, korrigiert oder zurückgedrängt wird.
Beispiele:
- in der Anordnung: Begrenzung von Herrschaft, Verhinderung von Dauerüberordnung
- im Zugang: Sicherung von Mindestzugängen, Schutz geteilter Ressourcen
- in der Legitimation: Öffnung geschlossener Geltungskreise
- in der Durchsetzung: Unterbrechung von Gewaltlogiken, Ersetzung von Zwang durch Verfahren
Begrenzungsmacht ist also nicht Freiheit von Macht, sondern Macht im Dienst der Ermöglichung.
Darum ist sie unverzichtbar.
10. Verhältnis von Behinderungs- und Begrenzungsmacht
Der entscheidende Punkt lautet:
Beide gehören zum Spiel.
Es wäre naiv, ein soziales Feld so zu denken, als gäbe es dort nur Kooperation, Einsicht und Fairness. Konflikt, Dominanzversuche, Ausschluss und Aneignung verschwinden nicht.
Die eigentliche Spielregel einer tragfähigen Ordnung lautet daher:
Behinderungsmacht darf sich nicht ungehindert stabilisieren.
Begrenzungsmacht muss verfügbar bleiben.
Das ist die zentrale Verschiebung. Nicht das Auftreten von Behinderung ist das Problem, sondern ihre Verstetigung ohne Korrekturmöglichkeit.
Daraus folgt:
| Machtform | Wirkung | Rolle im Spiel |
|---|---|---|
| Behinderungsmacht | blockiert Möglichkeiten | ständig mögliche Tendenz |
| Begrenzungsmacht | schützt Möglichkeiten | notwendige Korrekturleistung |
11. Warum Begrenzungsmacht Infrastruktur sein muss
Wenn Begrenzungsmacht nur als guter Wille gedacht wird, ist sie unzuverlässig. Dann hängt alles davon ab, ob gerade die richtigen Personen am richtigen Ort sitzen.
Darum muss Begrenzungsmacht infrastrukturell eingebaut werden.
Das heisst:
Es braucht Bedingungen, unter denen Behinderungsmacht wirksam begrenzt werden kann.
Vier Bedingungen sind zentral:
| Bedingung | Bedeutung |
|---|---|
| Sichtbarkeit | Behinderung muss beobachtbar sein |
| Adressierbarkeit | sie muss benennbar und zurechenbar sein |
| Überprüfbarkeit | Eingriffe und Entscheidungen müssen nachvollziehbar sein |
| Reversibilität | Fehlentwicklungen müssen korrigierbar sein |
Fehlt eine dieser Bedingungen, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Behinderungsmacht sich festsetzt.
12. Kreuzung von Dimension und Machtwirkung
Analytisch wird es dann, wenn jede der vier Dimensionen mit den beiden Machtwirkungen gekreuzt wird.
Es entstehen acht Beobachtungsfelder:
| Dimension | Behinderungsmacht | Begrenzungsmacht |
|---|---|---|
| Anordnung | Herrschaft, Unterordnung, Zentralismus | Begrenzung von Überordnung, Selbstorganisation |
| Zugang | Ausschluss, Monopol, Privatisierung | Sicherung von Teilhabe, Öffnung, Commons |
| Legitimation | Entwertung, Exklusion, Expertokratie | Einbezug relevanter Stimmen, Öffnung der Geltung |
| Durchsetzung | Zwang, Drohung, Gewalt | Unterbrechung von Gewalt, Schutzverfahren |
Damit lässt sich jede konkrete Situation präzise lesen.
13. Beispielhafte Anwendung
Nehmen wir eine Schule, ein Krankenhaus, eine Plattform, ein Dorfprojekt oder eine politische Ordnung.
Dann lassen sich nacheinander vier Fragen stellen:
- Wie ist die Anordnung gebaut?
- Wie ist der Zugang organisiert?
- Wie entsteht Legitimation?
- Wie wird durchgesetzt?
Und zu jeder dieser vier Fragen kommt die Zusatzfrage:
- wirkt hier Behinderungsmacht?
- wirkt hier Begrenzungsmacht?
- auf welcher Skala zwischen 0 und 10 bewegt sich die konkrete Lage?
Dadurch wird Analyse konkret. Statt moralischer Pauschalurteile entsteht eine differenzierte Beobachtung.
14. Warum diese Architektur für eine nächste Kulturform entscheidend ist
Eine nächste Kulturform zeigt sich nicht zuerst in neuen Idealen, sondern in einer anderen operativen Grammatik.
Die vier Dimensionen benennen, wo sich diese Grammatik entscheidet.
Die beiden Machtformen benennen, wie sie konkret wirkt.
Die Skala macht sichtbar, wie weit eine Ordnung vom jeweiligen Ziel entfernt ist.
Die Frage lautet also nicht:
Ist eine Gesellschaft schon anarchisch, commons-basiert, inklusiv und pazifistisch?
Sondern:
Wie weit ist sie in jeder Dimension vom radikalen Ziel entfernt, und verfügt sie über eine Infrastruktur wirksamer Begrenzung?
15. Die knappste Formel
Die vier Machtdimensionen beschreiben das Spiel.
Behinderungs- und Begrenzungsmacht beschreiben die Regeln des Spiels.
Die Skala von 0 bis 10 beschreibt den Abstand zum radikalen Ziel.
Oder noch knapper:
| Ebene | Funktion |
|---|---|
| Anordnung, Zugang, Legitimation, Durchsetzung | Beschreibung des Spielfelds |
| Behinderungsmacht, Begrenzungsmacht | Beschreibung der Machtwirkung |
| Skala 0–10 | Beschreibung des Abstandes zum Ziel |
16. Schlusspunkt
Die Stärke dieses Zugriffs liegt darin, dass weder Utopie noch Zynismus nötig sind.
Es wird weder behauptet, Behinderung lasse sich ganz abschaffen, noch wird sie als normal akzeptiert.
Stattdessen wird die eigentliche Frage auf die Ebene der Struktur verschoben:
Wie muss ein Spiel gebaut sein, damit Behinderungsmacht nicht dauerhaft das letzte Wort behält?
Genau dort beginnt die Frage nach den Spielregeln der nächsten Kulturform.
Exkurs Blockchain & Stresstests
Ergänzung: Warum der Stresstest „Kartoffeln und Blockchain“ zentral ist
Der Stresstest ist kein Beispiel unter vielen. Er ist eine methodische Setzung.
Er nimmt die zuvor beschriebenen Elemente ernst und bringt sie in eine konkrete, überprüfbare Form:
Versorgung, Infrastruktur, Protokoll.
1. Warum gerade ein Versorgungskreislauf
Ein Versorgungskreislauf zwingt zur Vollständigkeit.
Es reicht nicht, einzelne Aspekte zu optimieren. Alles muss funktionieren:
- Anbau
- Lagerung
- Verarbeitung
- Transport
- Verteilung
- Nutzung
- Dokumentation
Damit werden alle vier Machtdimensionen gleichzeitig sichtbar:
- Anordnung: Wer organisiert den Kreislauf?
- Zugang: Wer erhält Zugang zu Ressourcen und Produkten?
- Legitimation: Wer entscheidet über Regeln und Prioritäten?
- Durchsetzung: Wie werden Entscheidungen verbindlich?
Ein abstraktes Modell kann diese Verschränkung ausblenden. Ein realer Kreislauf nicht.
2. Warum „Kartoffeln“
Kartoffeln sind kein Symbol, sondern ein Prüfmedium.
- basal: Teil grundlegender Versorgung
- konkret: physisch, messbar, verderblich
- lokal anschlussfähig
- nicht spekulativ
Kartoffeln entziehen sich der Abstraktion. Sie zwingen zur operativen Umsetzung.
Ein Fehler im System wird nicht theoretisch sichtbar, sondern praktisch: Ertrag fehlt, Lager kippt, Verteilung bricht.
Damit wird jede Form von Behinderungsmacht sofort wirksam spürbar.
3. Warum „Blockchain“ bzw. Protokoll-Infrastruktur
Die zweite Komponente ist entscheidend: Protokollierung.
Nicht im Sinne von Finanzspekulation, sondern als Infrastruktur für:
- Nachvollziehbarkeit
- Verifizierbarkeit
- gemeinsame Referenz
- dezentrale Dokumentation
Das zentrale Prinzip lautet:
Nicht Vertrauen in Akteure,
sondern Überprüfbarkeit von Operationen.
Damit wird Begrenzungsmacht technisch und organisatorisch absicherbar.
4. Verbindung zu den Spielregeln
Der Stresstest operationalisiert die zentrale Regel:
Behinderungsmacht darf sich nicht stabilisieren.
Das wird konkret:
- Sichtbarkeit: Jeder Schritt im Kreislauf ist dokumentiert
- Adressierbarkeit: Eingriffe sind zuordenbar
- Überprüfbarkeit: Abläufe sind nachvollziehbar
- Reversibilität: Fehler können korrigiert werden
Ohne diese Infrastruktur bleibt Begrenzungsmacht ein Appell.
Mit dieser Infrastruktur wird sie Teil des Spiels.
5. Skalierbarkeit
Der entscheidende Punkt liegt nicht im Produkt, sondern in der Struktur.
Wenn ein Versorgungskreislauf unter diesen Bedingungen funktioniert, dann gilt:
- Die Spielregeln sind getestet
- Die Infrastruktur ist belastbar
- die vier Dimensionen sind operativ adressiert
Darauf lässt sich aufbauen:
- weitere Produkte
- weitere Regionen
- weitere Netzwerke
- weitere Infrastrukturen
Nicht durch Expansion im klassischen Sinn, sondern durch Reproduktion der Struktur.
6. Unterschied zu klassischen Modellen
Klassische Modelle setzen an:
- Effizienz
- Wachstum
- Kontrolle
- Optimierung
Der Stresstest setzt an:
- Begrenzbarkeit von Behinderungsmacht
- Transparenz von Operation
- Verteilte Verantwortung
- infrastrukturelle Absicherung
Damit verschiebt sich die Logik:
Nicht maximale Leistung,
sondern stabile Spielregeln.
7. Konsequenz
Der Stresstest ist deshalb zentral, weil er die Theorie zwingt, sich zu bewähren.
- Die vier Dimensionen werden konkret
- Begrenzungs- und Behinderungsmacht werden beobachtbar
- die Skala wird anwendbar
Es entsteht kein Modell, sondern eine prüfbare Praxis.
8. Kurzformel
Kartoffeln liefern die Realität.
Blockchain liefert die Überprüfbarkeit.
Zusammen entsteht eine Infrastruktur,
in der sich zeigt, ob Behinderungsmacht begrenzbar bleibt.
Keine Quellen, da es sich um eine konzeptionelle Ableitung und Projektbeschreibung handelt.
Das Spiel mit dem Spiel
Das Spiel
Das Spiel ist das Soziale selbst.
Nicht als Gemeinschaft, nicht als Gesellschaft, sondern als laufende Operation: Entscheidungen, Abstimmungen, Konflikte, Koordination.
Es wird nicht gestartet und nicht beendet. Es läuft.
Die Spielfläche
Die Spielfläche ist die materielle und technische Welt:
- Erde, Ressourcen, Ökosysteme
- Infrastrukturen, Netze, Maschinen
- Ausdehnung: vom lokalen Raum bis zu Mond und Mars
Die Spielfläche ist nicht neutral. Sie setzt Bedingungen:
- Endlichkeit
- Widerstand
- Abhängigkeiten
- Zeitlichkeit
Die Mitspielenden
Die Mitspielenden sind alle, die innerhalb der bestehenden Kulturform operieren:
- Individuen
- Organisationen
- Staaten
- Plattformen
- Maschinen
„Erschöpft“ heisst hier nicht moralisch erschöpft, sondern:
Sie operieren innerhalb einer Form, deren Möglichkeiten sichtbar an Grenzen stossen.
Die Spielstruktur (nicht: Spielregeln)
Die vier Dimensionen sind nicht Regeln, sondern die Struktur des Spiels:
- Anordnung → Aufbau des Feldes
- Zugang → Verteilung der Spielmöglichkeiten
- Legitimation → Definition gültiger Züge
- Durchsetzung → Herstellung von Verbindlichkeit
Ohne diese vier Dimensionen gäbe es kein Spiel, sondern nur Ereignisse ohne Zusammenhang.
Die Spielregeln
Die eigentlichen Spielregeln sind die beiden Machtformen:
- Behinderungsmacht
- Begrenzungsmacht
Sie bestimmen, wie innerhalb der Struktur operiert wird.
Die zentrale Regel lautet:
Behinderung ist möglich.
Aber sie darf sich nicht stabilisieren.
Die Akteure
Die Akteure sind nicht „die Guten“ und „die Bösen“.
Jeder Akteur kann beides:
- behindern
- begrenzen
Das ist entscheidend.
Ein Staat, eine Firma, eine Gruppe, ein Projekt, ein Individuum – alle können in einem Moment Möglichkeiten blockieren und im nächsten Moment Möglichkeiten schützen.
Die Unterscheidung läuft nicht entlang von Identitäten, sondern entlang von Wirkungen.
Der Spielverlauf
Das Spiel verläuft als permanente Verschiebung:
- zwischen Öffnung und Schliessung
- zwischen Zugang und Ausschluss
- zwischen Geltung und Entwertung
- zwischen Gewalt und Begrenzung von Gewalt
Stabil wird ein Zustand dann, wenn Behinderungsmacht nicht mehr begrenzbar ist.
Der Fehler klassischer Spielbilder
Klassische Metaphern suggerieren:
- klare Regeln
- faire Bedingungen
- gleiche Startpunkte
- neutrales Feld
All das ist hier nicht gegeben.
Das Spiel ist asymmetrisch, historisch belastet, infrastrukturell vorgeprägt.
Darum ist die Frage nicht:
Ist das Spiel fair?
Sondern:
Ist Behinderung begrenzbar?
Die Rolle der Infrastruktur
Infrastruktur entscheidet, ob die Spielregel überhaupt gilt.
Wenn
- Operationen unsichtbar sind
- Entscheidungen nicht adressierbar sind
- Abläufe nicht überprüfbar sind
- Eingriffe irreversibel sind
dann kippt das Spiel.
Dann wird aus Spiel eine Ordnung ohne Korrektur.
Die Pointe der Metapher
Die Metapher funktioniert genau dann, wenn sie nicht verharmlost.
Es geht nicht um ein Spiel im Sinne von Freizeit.
Es geht um eine strukturierte, konfliktive, materielle und operative Ordnung.
Die Stärke der Metapher liegt in der Trennung:
| Ebene | Funktion |
|---|---|
| Spielfläche | materielle Bedingungen |
| Mitspielende | operative Einheiten |
| Spielstruktur | vier Dimensionen |
| Spielregeln | Behinderungs- / Begrenzungsmacht |
Kurzformel
Das Spiel läuft.
Die Struktur ist gegeben.
Behinderung passiert.
Die einzige entscheidende Frage lautet:
Kann sie begrenzt werden?
Keine Quellen, konzeptionelle Verdichtung.
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Nächster Titel
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Bedingungen der 4 Machtdimensionen:
Plausibel sind die vier Dimensionen, wenn:
- Erstens:
Sie dürfen nicht als Tugendkatalog missverstanden werden. - Zweitens:
Sie müssen als Operationsachsen sozialer Ordnung gelesen werden. - Drittens:
Die Zielwörter Anarchie, Commons, Inklusion, Pazifismus müssen streng radikal verstanden werden, nicht als Wohlfühlvokabular.
Die vier Dimensionen sehr plausibel. Aber nicht, weil der Westen moralisch reif wäre.
Sondern weil seine alte Form an genau diesen vier Stellen sichtbar erschöpft ist.
- Hierarchie wird dysfunktional
- Eigentumslogik wird infrastrukturell zu eng
- exklusive Legitimation verliert Glaubwürdigkeit
- gewaltförmige Durchsetzung wird immer teurer und instabiler
Darum sind die vier Dimensionen stark: Sie benennen nicht einfach das Gute, sondern die Stellen, an denen eine kommende Form einen wirklichen Unterschied machen müsste.
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Arbeitsform: Dokumentation, Listenbildung, Work in Progress
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Stefan M. Seydel, aka sms, aka sms2sms in «Zürcher Festspiel 1901″ (2019, Fotocredit: Charles Schnyder): Twitter, Wikipedia (Lemma), Youtube (aktuell), Soundcloud, Mastodon, Instagram (gesperrt), Snapchat, TikTok, Twitch, t.me/WikiDienstag (Nicht in Betrieb) | Exklusiv: speakerbooking.ch/sms2sms
About @sms2sms, aka Stefan M. Seydel/sms ;-)
Stefan M. Seydel, Jahrgang 1965, ist Unternehmer, Sozialarbeiter und Künstler. Er machte nach einer Berufslehre als Hochbauzeichner einen Bachelor in Soziale Arbeit in St. Gallen und einen Master in der gleichen Disziplin bei Silvia Staub-Bernasconi in Berlin. Seine überwiegend selbstständige Tätigkeit kreist um das Thema der Entwicklung und Realisierung von Pilot- und Impulsprojekten für renommierte Auftraggeberinnen.
Als Künstler hat er Ausstellungen und Performances auf internationaler Ebene präsentiert, darunter in der Royal Academy of Arts in London, dem Deutschen Historischen Museum in Berlin oder einer Einzelausstellung “Kunst Macht Probleme” in der Crypta Cabaret Voltaire, Birthplace of DADA in Zürich. Er wurde mit dem Migros Jubilée Award in der Kategorie Wissensvermittlung ausgezeichnet und hat diverse Ehrungen durch Webby Awards für seine Arbeit mit rocketboom.com erhalten.
Stefan war Jury-Mitglied des Next Idea Prix Ars Electronica 2010 und war drei Jahre Mitglied der Schulleitung des Gymnasiums Kloster Disentis. Sein Wissen und seine Erfahrung im Bereich der Information und Technologie haben ihm auch dabei geholfen, mit Statistik Stadt Zürich und Wikimedia Schweiz unter WikiDienstag.ch zusammenzuarbeiten.
Sein Engagement im Bereich der freiwilligen Arbeit führte ihn in das Präsidium Internationaler Bodensee Club (Leitung Fachgruppe Wissenschaft) oder für einige andere Jahre als Vice-Präsident des von Paul Watzlawick initiierten P.E.N.-Club Liechtenstein. Seydel hat unter ((( rebell.tv ))) zwei Bücher zusammen mit seiner Partnerin Tina Piazzi veröffentlicht, viele Kolumnen, Fachtexte und journalistische Texte publiziert.
Seine Arbeit auf Social Media nutzt er als Microblogging. In seinem Blog verarbeitet er seine Themen. Einige davon werden auf Anfragen zu lesbaren Texten vertieft, andere werden zu Vorträgen ausgebaut. Bei Carl Auer Verlag in Heidelberg, sammelt er “Elemente einer nächsten Kulturform”. Seine Entwicklungen im Kontext der sozialräumlichen Intervention (“Arbeit am Sozialen”) machen konkrete Vorschläge in Bezug auf die Beantwortung der Sozialen Frage.
Nach 12 Jahren Berlin und 6 Jahren Zürich zog er aber in seiner zweiten Lebenshälfte vom Bodensee der Rheinquelle entgegen nach Dissentis/Mustér und hat seine Reisetätigkeit fast ganz eingestellt. Dafür macht er umsomehr sogenannte Passadis und #Feedlogs (Orgiastik). Das sind Arbeitsmeetings an intentionalen Fragen in einem Lifestream. (so?) Text supported by #TaaS

Aus Band 2 von: Tina Piazzi & Stefan M. Seydel, Junius-Verlag Hamburg | pdf: Band 1, 2009 | Band 2, 2010

#dfdu = DIE FORM DER UNRUHE | blog: dissent.is | about: dissent.is/sms | dissent.is/muster


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