Vals Walser Wallis | #SognPlaci 2026

M/ein Blog ist m/ein Karten­raum und k/eine Bühne. Ich weiss wie man pub­liziert. Das hier ist etwas anderes. d!a!n!k!e | WORK IN PROGRESS reload für aktuellen schreib­stand | warum ich nicht pub­liziere? weil ich es kann. weil es geht. weil ich es für angemessen halte.

  • wenn es mir ums SENDEN gehen würde, machte ich alles falsch.
  • wenn es mir ums EMPFANGEN WERDEN gehen würde, machte ich alles anders.
  • wenn es mir ums FINDEN gehen würde, würde ich suchen.
  • wenn es mir ums GEWINNEN gehen würde, hielte ich mich an exper­tisen.

Falls du einzelne Sätze aus meinem Blog als «Zitat» von /sms ;-) behan­delst, wird dadurch nicht meine Arbeit sicht­bar, son­dern dein anachro­nis­tis­ches Ver­ständ­nis von Pub­lika­tion. (so?)

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Anlass zu diesem Eintrag:

Summary/Spoiler/TL;DR

Es ist 2026 gewor­den. #Sogn­Placi, um genau zu sein. Und das The­ma bekommt weit­er viel Rück­en­wind… Albert Lutz eröffnet seinen zweit­en Stall in Pardé. Zum zweit­en Mal zeigt er Walserkul­tur, ohne es benen­nen zu kön­nen. Dafür kon­serviert er Töne

Meine These aktuell:

Die Benedik­tin­er liefer­ten die Soft­ware.
Die Walser liefer­ten die Hard­ware.
(so?)

bitte ver­ste­he diesen ein­trag nicht zu schnell… hier gibts nichts zu sehen und nichts zu lesen ;-)

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Nächster Titel

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QuelleTitelbild:

So wird Pater Bruno Rieder, aufgewach­sen in Vals und damit selb­st ein Walser, die Gruppe schon am Vortag emp­fan­gen und mit auf eine Kloster­führung nehmen. «Wir haben ja einige Verbindun­gen ins Wal­lis», so Pater Bruno. «So hat­ten wir zum Beispiel im Hochmit­te­lal­ter mehrere Äbte von dort. Aus etwas später­er Zeit stammt die schöne Theo­dul­stat­ue im Kloster­mu­se­um mit dem typ­is­chen Attrib­ut des glock­en­tra­gen­den Teufels. Theo­dul war im 4. Jahrhun­dert Bischof von Octo­du­rum (Mar­tigny) und ist der Patron des Wal­lis und der Walser.»

Weit­ere Verbindungslin­ien über Ober­alp und Fur­ka sind die 1710 von Johann Ritz gebaut­en Altäre in der Klosterkirche St. Mar­tin und natür­lich die Mit­bürg­er aus dem Saastal wie Pater Ste­fan Zur­briggen und aktuell Brud­er Josef Anden­mat­ten.

In ihrer fes­tlichen Tra­cht wer­den die Gäste auch die Prozes­sion begleit­en.

Zur Beziehung des Klosters Dis­en­tis zu den Walsern und Wal­lis­ern hat­te auch schon Iso Müller in der Geschichte der Abtei Dis­en­tis geschrieben:

«In den let­zten Jahrzehn­ten des 12. Jahrhun­derts zogen Walser ins dünn besiedelte Urs­erental, das unter der Herrschaft des Abtes von Dis­en­tis stand. 1203 waren bere­its zwei Wal­lis­er als Mönche in Dis­en­tis einge­treten. Einige der Ursner Walser stiessen in die Sur­sel­va vor und liessen sich dort nieder. Zu erwäh­nen sind als Sied­lun­gen Tschamutt (eigentlich Zmutt), Mutschnen­gia im Medelser­tal und Ober­sax­en.

Die Walser­wan­derung hat­te Auswirkun­gen auf die Zusam­menset­zung des Dis­en­tis­er Kon­vents. 1213 wer­den sechs Mönche aufge­führt, die aus dem Wal­lis stammten oder walserisch­er Herkun­ft waren. Auch die bei­den Äbte Bur­chard und Gual­fred gehörten zur Ein­wan­der­ergruppe aus dem Rhone­tal. Nur noch ein Mönch, ein Lom­barde, war nicht­walserisch­er Herkun­ft.»

Dr. Max Waibel

pdf | walsermuseum.ch mit sen­sa­tionellen “virtuellen” Räu­men:

Die Walserfrage

Von Ernst Alcert

« Rhein­wald, Davos, Safien, Vals, Ober­sax­en, Tschap­pina, Lang­wies und Avers sind alt­deutsche Walser­sied­lun­gen, die vor über 600 Jahren zer­streut in den rätis­chen Bergen und unter Ver­drän­gung der roman­is­chen ange­sesse­nen Bevölkerung gegrün­det wor­den sind. Bis vor weni­gen Jahren waren nicht ein­mal die Gelehrten einig, woher diese Walser nach Graubün­den gekom­men sind. Man stritt darüber, ob die Walser aus dem Wal­lis stam­men oder ob es sich um Schwaben han­dle, die von deutschen Kaisern zum Zwecke der Marschsicherung für die ital­ienis­chen Kriegszüge an heikein Alpen­pässen ange­siedelt wur­den.

Mundart­forschung und recht­shis­torische Unter­suchun­gen haben heute die Wal­lis­er Abstam­mung der Walser in Graubün­den so ein­wand­frei nachgewiesen, dass ein­er viel Lanzen übrig haben müsste, wenn er sie noch in diesen Stre­it tra­gen und die The­o­rie mit den deutschen Kaisern und den Schwaben weit­er ver­fecht­en wollte. » So äusserte sich der über die Walser­frage vortr­e­f­flich ori­en­tierte Reis­eschrift­steller Hans Schmid, der vor eini­gen Jahren ver­stor­bene Redak­tor der « Thur­gauer Zeitung », in seinem 1923 erschiene­nen Buch « Bünd­ner­fahrten »; und kür­zlich schrieb Man­fred Szadrows­ki ( Nr. 1 der « Alpen » von 1941 ): « Durch die Ver­wandtschaft der Namen und der Mundarten und auch durch Urkun­den und geschichtliche Über­legun­gen, beson­ders durch Forschun­gen von Erhard Branger, Karl Mey­er und Iso Müller ist die Herkun­ft der Walser aus dem Wal­lis endgültig bewiesen und in ihrem Ver­lauf aufge­hellt wor­den. » Wenn auch der « Grosse Brock­haus » von 1934 unter dem Stich­wort « Walser­tal » schreibt: « Zwei nicht zusam­men­hän­gende Täler in Vorarl­berg, benan­nt nach den dort siedel­nden Wais­ern ( Wal­lis­ern ) », so muss wohl angenom­men wer­den, dass die Herkun­ft der Walser aus dem Wal­lis wirk­lich ein­wand­frei und endgültig bewiesen und dazu nichts mehr zu sagen sei.

Im his­torisch-biographis­chen Lexikon der Schweiz* ) sagt Domherr Dr. Imesch, ein Wal­lis­er, über die Walser­frage ( Bd. VII, S. 407 ) zwar: « Immer­hin har­ren noch manche Umstände, die mit der Walser­frage zusam­men­hän­gen, ein­er näh­ern Aufk­lärung. Schon die Zeit, wann diese Auswan­derun­gen ( der Wal­lis­er ) stattge­fun­den, ist ungewiss… Über die Ursachen, die diese Wan­derun­gen ver­an­lasst haben, sind eine Rei­he von Ver­mu­tun­gen aufgestellt wor­den… Über­haupt ist die poli­tis­che, kul­turelle und auch die wirtschaftliche Entwick­lung sowohl des Stamm­lan­des ( des Wal­lis ) als auch der von ihm abhängi­gen Sied­lun­gen noch zu wenig erforscht, um eine all­seit­ig erschöpfende Beant­wor­tung der Walser­frage geben zu kön­nen. » Und doch gibt Domherr Dr. Imesch die bes­timmte Mei­n­ung kund: « Die neuere Forschung weist die Herkun­ft all dieser deutschen Siedler mit Sicher­heit dem deutschen Ober­wal­lis zu. » Trotz­dem gibt es aber immer noch Skep­tik­er, die an der Richtigkeit der These von der Abstam­mung aller Walser aus dem Wal­lis Zweifel hegen. Der Ver­fass­er dieser Arbeit gehört zu ihnen. Er hält die his­torischen Beweise nicht für aus­re­ichend und hält mit Hans Schmid dafür, dass die Verpflanzung von deutschen Schutztrup­pen als Pass­wachen als Ursache der Besied­lung der roman­is­chen Talschaften mit deutschen Wais­ern nicht in Frage komme, nicht nur deshalb, weil keine geschichtlichen Beweise hiefür vor­liegen, son­dern beson­ders darum, weil Walserkolonien vorhan­den sind, wo keine Pässe zu bewachen waren, so bei den Vorarl­berg­er Walser­sied­lun­gen, den Walsertälern im Tirol, im liecht­en­steinis­chen Triesen­berg, in Tschap­pina, Avers, Lang­wies, in Vals, Safien, Davos etc. Es kamen damals nur die vier Bünd­ner­pässe über Juli­er, Sep­ti­mer, Bern­hardin und Splü­gen in Betra­cht, von denen nur die let­ztern zwei im Rhein­wald eine « Walser»-Kolonie aufweisen.

Dann aber ist der Ver­fass­er dieser Arbeit ganz beson­ders deshalb Zwei­fler an der Wal­lis­er Abstam­mung aller Walser, weil es unan­fecht­bare Quellen, geschichtliche Tat­sachen gibt, die eine ungezwun­gene, aber zwin­gende Erk­lärung der Entste­hung der meis­ten und der grössten « Walser»-Siedlungen dar­bi­eten, die allerd­ings in Wider­spruch ste­hen mit den bish­eri­gen Darstel­lungsweisen. Sie führen in die Zeit­en der Zimbern‑, Teu­to­nen- und Ala­man­nen-ein­brüche in Hel­ve­tien, Rätien und Ital­ien zurück und haben nichts zu tun mit den mit Akten­staub bedeck­ten Doku­menten des 13. Jahrhun­derts, mit denen sich die Walser­forschung bish­er verge­blich plagte, eine glaub­würdi­ge Beant­wor­tung der Frage von der Herkun­ft aller Walser zu bieten.

Ein ander­er Zwei­flei, Hans Schmid, bewegt sich noch auf diesem Boden, wenn er schreibt, es sei auch heute eine Frage ( die Frage nach der Ursache der Auswan­derung der Wal­lis­er aus dem Wal­lis ) noch so unabgek­lärt und umstrit­ten wie zu Ägid­ius Tschud­is Zeit­en: « Welch­er Art war der Teufel, der gegen das Ende des 13. Jahrhun­derts in die Bewohn­er des obern Wal­lis gefahren ist, dass sie mit Weib und Kind und Habe ihre Heimat ver­lassen und nicht bloss über den Bergen im Pomat, in Macu­gagna und Gres­soney, son­dern sog­ar im fer­nen Rätien eine neue Heimat gesucht haben? Ob’s eine Pestilenz war, welche die Leute aus dem Land getrieben, ob Übervölkerung im Ober­wal­lis zur Auswan­derung zwang, ob poli­tis­che Umstände oder gewalt­same Wegführun­gen durch mächtige Grund­her­ren zu kolonisatorischen Zweck­en in Frage kom­men, es sind alles Hypothe­sen, die noch der Abklärung bedür­fen. In den bei­den tüchtig­sten recht­shis­torischen Arbeit­en über die Walser­frage, der .Rechts­geschichte der freien Walser in der Ostschweiz’von Dr. Erhard Branger und den .Unter­suchun­gen zur Walser­frage’von Dr. Robert Hop­pel­er find­en die Motive der Walsere­in­wan­derung in Graubün­den keine genü­gende Abklärung. Hop­pel­er beschränkt sich darauf, seine Mei­n­ung dahin zusam­men­z­u­fassen, dass die Gründe der Abwan­derung in innern, bis anhin nicht aufgek­lärten Ver­hält­nis­sen der obern Rhone­tal- land­schaft zu suchen seien. Branger kommt zu bes­timmteren Schlüssen, er stellt sich auf den Boden der Pass­the­o­rie und nimmt an, dass die Ansied­lung der Walser in Graubün­den tat­säch­lich zur Sicherung der Pass­routen stattge­fun­den habe, nur nicht durch Kaiser Bar­barossa, wie die pop­uläre Leg­ende meint, son­dern durch die kolonisatorisch ver­an­lagten Frei­her­ren von Vaz. Aber die Branger­schen Dar­legun­gen sind ger­ade in diesem Punk­te nicht überzeu­gend. Ja, wenn am Sep­ti­mer, dem wichtig­sten rätis­chen Alpen-über­gange im Mit­te­lal­ter, eine Walserkolonie nachgewiesen wer­den kön­nte, also im Ober­halb­stein, dann wäre gegen die Pass­the­o­rie kaum mehr gut aufzukom­men. Aber es sind am Sep­ti­mer keine Walser ange­siedelt wor­den, und die deutsche Sied­lung in Avers wird kaum als Pass­wache und Porten-genossen­schaft am Sep­ti­mer ange­sprochen wer­den wollen. » So urteilt Hans Schmid über die Frage der Herkun­ft der Walser.

Diese Frage ist also immer noch nicht befriedi­gend gelöst; sagen wir richtiger, sie ist noch ungelöst. Die bish­eri­gen Lösungsver­suche gin­gen zum Teil auf falsch­er Fährte.

Hans Schmid meint in dem erwäh­n­ten Reise­buch weit­er: « Es ste­ht heute ziem­lich felsen­fest, dass die ersten Walserkolonien in Graubün­den Davos und Rhein­wald waren und dass die übri­gen Walserorte in Rätien und im Vorarl­berg von diesen zwei Mut­terkolonien aus besiedelt wor­den sind. » Aber auch diese Fest­stel­lung ist lei­der nicht felsen­fest. Hans Schmid muss sel­ber zugeben, die let­zte Nuss sei noch nicht gek­nackt.

Wenn Davos und Rhein­wald die ersten Walserkolonien in Graubün­den gewe­sen wären, wie « felsen­fest fest­ste­hen » soll, so wäre der Zeit­punkt dieser Besied­lung von Davos in die zweite Hälfte des 13. Jahrhun­derts zu ver­legen. Joseph Bergmann1 ), ein Geschichts­forsch­er, schliesst näm­lich aus ein­er Stelle in Josias Simm­lers Beschrei­bung des Wal­lis ( Valle­si­ae descrip­tio ), es sei auss­er allem Zweifel, dass Wal­lis­er auf das Ansuchen des Frei­her­rn von Vaz von ihren dama­li­gen Her­ren, denen von Raron, aus Ober­wal­lis nach Graubün­den gesandt wur­den, um das damals noch unbe­wohnte Tal von Davos zu kul­tivieren. Pfar­rer Julius Stud­er, sein­erzeit Mit­glied der Sek­tion Uto des S.A.C., sagt in sein­er zusam­men­fassenden Schrift « Wal­lis­er und Walser, eine deutsche Sprach Ver­schiebung in den Alpen»2 ): Zuerst wurde also diesen Wal­lis­ern oder Wais­ern das neuent­deck­te Davos zur Kul­tur angewiesen, und zwar von Walther IV. von Vaz ( 1237—1285 ). Let­zter­er sei mit den Her­ren von Raron blutsver­wandt gewe­sen und in einem Bünd­nis ges­tanden. Eine Auswan­derung von Wal­lis­ern nach Graubün­den « sei also wohl denkbar gewe­sen » und die Ein­wan­derung in Bün­den « sei wohl zahlre­ich gewe­sen », da hiefür eine jährliche Abgabe von 24 Pfund Sil­ber aus­bedun­gen wor­den sei. Wenn also im Jahre 1272 erst Davos besiedelt und später von hier aus und aus dem Rhein­wald, das 1278 mit Walsern besiedelt wor­den sein soll, alle übri­gen Walsertäler besiedelt wor­den wären, so müssten doch Urkun­den hierüber auf uns gekom­men sein; denn es han­delte sich bei diesen Walserkolonien um sehr zahlre­iche Talschaften: so um Tavetsch, Ober­sax­en, Vals, Safien, den Heinzen­berg, Schans, Ver­sam, Schan­figg, Alva­neu, Schmit­ten, Wiesen, Klosters, St. Antonien, das Cal­vaisen­tal, Chur­walden usw. in Graubün­den; Vasön, Pal­fries, Azmoos, Bol­fried und Mat­tug bei Sar­gans, Triesen­berg in Liecht­en­stein; Lat­er­ns, Damüls, Tannberg, das Grosse und Kleine Walser­tal und Monta­fon und das Sil­ber­tal im Vorarl­berg; und Galtür in Tirol.

Es ist nicht anzunehmen, dass alle diese Talschaften, die ganz ohne Zweifel und gegen die bish­erige Auf­fas­sung von Rätoro­ma­nen bewohnt waren, ein­fach auf friedliche Weise von den deutschen Wais­ern ( den soge­nan­nten Wal­lis­ern ) besiedelt wor­den seien unter allmäh­lich­er Ver­drän­gung und Assim­i­lierung der ein­heimis­chen Roma­nen. Es muss der Besitz des Bodens ganz sich­er durch Kampf in den Besitz der deutschen Walser gekom­men sein. Wir besitzen hierüber aber keine his­torischen Beweise; kein­er­lei Doku­mente bericht­en von solchen Kämpfen, denn diese dürften in ein­er frühen Zeit erfol­gt sein, über die wir über­haupt keine Doku­mente besitzen. Diese Zeit muss vor dem Beginn unser­er Zeitrech­nung liegen und in die ersten Jahrhun­derte nach dem­sel­ben zurück­re­ichen. Aus dieser Zeit aber beste­hen kein­er­lei Urkun­den und kön­nen keine Akten beste­hen.

Stellen wir also den bish­eri­gen mehr phan­tasievollen als his­torischen Darstel­lun­gen der Stud­er, Bergmann, Branger und Hop­pel­er und wie sie alle heis­sen, die sich bish­er um die Herkun­ft der Walser bemüht­en, die nack­ten, ver­bürgten Tat­sachen der Geschichte gegenüber.

I.

Schon vor dem Beginn unser­er Zeitrech­nung, in den Jahren 113—101 v. Chr., drangen die Zim­bern und Teu­to­nen, denen sich eine Rei­he ander­er ger­man­is­ch­er Volksstämme angeschlossen hat­ten, so die Ambro­nen und die zwei Teil­stämme der in Thürin­gen sesshaften Hel­veti­er, die Tig­uriner und die Tougen­er, in zwei grossen Heer­haufen mit ihren Weibern, Kindern, Greisen und ihrer Viehhabe in Gal­lien, dem heuti­gen Frankre­ich, ein. Nach­dem sie mehrere römis­che Heere geschla­gen hat­ten, wur­den sie bei Aquae sex­ti­ae, dem heuti­gen Aix-en-Provence bei Mar­seille, im Herb­st 102 v. Chr. ver­nich­t­end geschla­gen. Ein Teil dieses Ger­ma­nen­heeres war vorher über Süd­deutsch­land und Öster­re­ich ( Noricum ) in Ital­ien einge­brochen und bei Ver­cel­lae an der Sesia, dem heuti­gen Ver­cel­li bei Novara ( also direkt südlich von den Walserkolonien am Süd­fuss des Monte Rosa ), am 30. Juli 101 v. Chr. ver­nich­t­end geschla­gen und zer­sprengt wor­den 1 ). Grosse Reste des gewalti­gen Heerzuges flüchteten den nahen, nur 30—50 km ent­fer­n­ten Bergtälern zu. Sich durchkämpfend haben sie den Über­gang über die Berge gesucht und zum Teil gefun­den 2andere Teile sind, da sie mit Hab und Gut, mit Weibern, Kindern und Greisen und mit ihrem Vieh auf dem Kriegszuge waren, in den ober­sten Tal­stufen dieser Bergtäler steck­en geblieben. Hier haben sie sich kämpfend behauptet und niederge­lassen, haben ihre deutsche Eige­nart bewahrt, abgeschlossen von ein­er frem­dar­ti­gen, feindlich gesin­nten Nach­barschaft im Süden und den unwegsamen Bergen im Nor­den. So ent­standen die Walser­sied­lun­gen im Chal­lant­tal, im Lystal, im Sesia- und Ser­men­zatal, im Eschen­tal, im Tal des Sim­plon­pass­es, im Ober­wal­lis, im For­maz­zatal ( Pomat ), im ober­sten Teil des Mag­giatales ( Bosco-Gurin ), im Rhein­wald, im Valser- und Safien­tal, im Schams und am Heinzen­berg und wohl auch in Avers.

Wenn die Allagne­sen immer der Überzeu­gung waren, dass sie und ihre Vor­fahren Deutsche seien, so zeugt dies sicher­lich eben­falls für diese von mir vertretene Ansicht, dass Reste des Ger­ma­nen­heeres aus der Schlacht von Ver­cel­lae diese Walserkolonien gegrün­det haben müssen.

Schon in den ältesten lateinis­chen Urkun­den des Dor­fes Allagna set­zte der Notar bei Ort­sna­men immer die Formel voraus: « Ubi dic­i­tur theu­ton­i­cae » sagt Stud­er in sein­er bere­its erwäh­n­ten SchriftJ ).

Auch Ägid­ius Tschu­di glaubte um 1570, dass die von Mar­ius nicht aufgeriebe­nen Zim­bern die Alpen­täler besiedelt haben 2 ).

IL Gehen wir über zu weit­ern fest­ste­hen­den geschichtlichen Tat­sachen.

Es ist bekan­nt, dass unser Land, Hel­ve­tien, ursprünglich, d.h. vor der Besied­lung durch die Hel­veti­er, die ein ger­man­is­ch­er Stamm waren, von Kel­ten bewohnt war. Sehr wahrschein­lich im Jahre 102 v. Chr. hat­ten die Hel­veti­er, deren Wohn­sitze vorher im heuti­gen Thürin­gen lagen, Hel­ve­tien erobert und in Besitz genom­men. Die Hel­veti­er ver­sucht­en im Jahre 58 v. Chr. unter irgen­deinem Drucke ihre Wohn­stät­ten in Hel­ve­tien zu ver­lassen, um aus dem rauhen hel­vetis­chen Kli­ma in wärmere, wohn­lichere Gegen­den nach Südgal­lien überzusiedeln. Sie steck­ten nach Cäsars Bericht ange­blich ihre Wohn­stät­ten in Brand, 12 Städte und 400 Dör­fer, und zogen aus. Aber bei Bibrak­te, unweit Augus­to­dunum, dem heuti­gen Autun, ca. 150 km nord­west­lich von Genf, stellte sich ihnen Cäsar in den Weg. Er besiegte sie und trieb sie. nach Hel­ve­tien zurück. Hel­ve­tien wurde damit eine römis­che Prov­inz. Gute Strassen, befes­tigte Städte und eine grosse Anzahl von römis­chen Sied­lun­gen ( Ortschaften und Villen ) ent­standen, und befes­tigte Gren­zlin­ien längs des Rheins und von Salo­du­rum ( Solothurn ) über Vin­donis­sa ( Windisch ) bis Vito­du­rum ( Win­terthur ) soll­ten das Land vor den Ein­brüchen ger­man­is­ch­er Volksstämme sich­ern. Aber schon im Jahre 162 3 ) erfol­gte ein erster gross­er Ein­fall in die damals roman­is­chen Gebi­ete der Ostschweiz und Rätiens. Weit­ere Ein­brüche erfol­gten in den Jahren 259 bis 280. Schon 259 wurde das ganze Land erobert und ver­wüstet; doch erholte es sich in der Folge wieder trotz den weit­eren Ein­fällen in den Jahren 260—280. Die Städte und Villen wur­den wieder hergestellt, die mil­itärischen Stützpunk­te und die Gren­zlin­ien ver­stärkt, die Stadt­be­fes­ti­gun­gen verbessert oder neu angelegt. Bei einem weit­eren grössern Ein­bruch, der ums Jahr 354 stattge­fun­den hat, soll beispiel­sweise Aven­ticum voll­ständig zer­stört wor­den sein l ). Was nicht wegge­tra­gen wer­den kon­nte, wurde damals ver­bran­nt oder zer­stört. Auch nach dieser Zer­störung erholte sich das Land ziem­lich rasch dank der klu­gen Poli­tik und Hil­fe seit­ens des Kaisers Julian ( unter Con­stan-tius 337—361 Mitre­gent als « Cäsar », seit 361—363 Augus­tus ). Auch Aven­ticum erstand wieder aus den Trüm­mern.

Bei dem grossen Ein­bruch vom Jahre 406 wurde die ganze Schweiz von den Ala­man­nen endgültig erobert und beset­zt. Bis Aven­ticum ( Avench­es ) und weit­er bis an den Gen­fersee ( Ala­man ), bis ins Hasli­tal, in die Inner­schweiz, bis ins Glarn­er- und Bünd­ner­land hin­auf drangen die ala­man­nis­chen Hor­den, alles ver­wüs­tend und von allem Besitz ergreifend, die ein­heimis­che Bevölkerung aus­rot­tend oder assim­i­lierend. Alle römis­chen Sied­lun­gen, Städte und Villen wur­den von Grund auf zer­stört, alles römis­che Wesen ver­nichtet. In der Ostschweiz und in Bün­den, die von Bätoro­ma­nen bewohnt waren, wurde das Roman­is­che ver­drängt und die ganze Ostschweiz bis in die Bünd­nertäler hin­auf germanisiert2 ). Die Ala­man­nen drangen auch im Vorarl­berg ein und im Tirol.

Sie sprachen alle dieselbe Sprache, die deutsche, die Ala­man­nen ( Sueben ), die Zim­bern und Teu­to­nen, die nordis­chen Völk­er der Friesen und Schwe­den, die mit den Ala­man­nen, vielle­icht schon mit den Hel­vetiern, als die sie drän­gende und stossende Kraft mit in die Schweiz ein­drangen. Daher die Abstam­mungssagen der Hasli­taler und der Sim­men­taler, die von den Friesen, der Schwyz­er, die von den Schwe­den ( Swit­to ) abstam­men sollen. Diese Abstam­mungssagen leben als lebendi­ge Über­liefer­un­gen im Volke weit­er und haben einen realen Hin­ter­grund.

Von 406 n. Chr. an erfol­gten fortwährend solche Ein­brüche der Ala­man­nen, der let­zte grosse ums Jahr 610. Sie gaben allen ihren Sied­lun­gen ihre Namen. Berg‑, Sied­lungs- und Flur­na­men wur­den deutsch.

Schon beim ersten Ein­bruch in Hel­ve­tien, 259 und 260 v. Chr., waren grosse Heer­haufen der Ala­man­nen über die Alpen­pässe nach Ober­i­tal­ien einge­drun­gen, auch dort fürchter­liche Ver­heerun­gen anrich­t­end, bis ein in aller Eile zusam­menger­afftes römis­ches Heer unter Kaiser Galienus die Ala­man­nen bei Raven­na zu über­wälti­gen und wieder nach Nor­den zurück­zuw­er­fen ver­mochte. Und da behauptet Pfar­rer Stud­er, die Ala­man­nen seien nie über die Alpen gekom­men! Kaiser Claudius II. 3 ) besiegte 269 am Gar­dasee die von Galienus zwar geschla­ge­nen, aber nicht aus Ital­ien ver­triebe­nen Ala­man­nen. Erst Claudius’­Nach­fol­ger, Kaiser Aure­lianus, ver­mochte die Ala­man­nen nach wieder­holten Siegen aus Ital­ien zu vertreiben. Wohin wohl? Sind nicht auch hier Reste über die Alpen getrieben wor­den, die dann vielle­icht Täler im Bünd­ner­land besiedel­ten?

III.

Dass auch Wal­lis­er Kriegsleute in Graubün­den ange­siedelt wor­den sind, ist wohl möglich, ja sog­ar soviel wie sich­er.

Im Jahre 1282 schloss der Bischof von Chur mit dem­jeni­gen von Sit­ten ein Bünd­nis, und im Jahre 1288 erfol­gte ein Bünd­nis zwis­chen dem Bischof von Chur, dem Abt von Dis­en­tis und dem Her­rn von Frauen­berg mit fünf Edelleuten aus dem Wal­lis, den Edlen von Morel, Visp und Brig, auf fünf Jahre, in der Erwartung kriegerisch­er Auseinan­der­set­zun­gen mit König Rudolf von Hab­s­burg. Die Bünd­ner kehrten 1289 von einem Streifzug nach Feld­kirch zurück und wur­den bei Balz­ers von den mit Rudolf ver­bün­de­ten wer­den­ber­gis­chen Trup­pen geschla­gen. Im Heere der Bünd­ner müssen auch Wal­lis­er Hil­f­strup­pen gewe­sen sein. Die fliehen­den Wal­lis­er kehrten durchs Rhein­tal zurück ins Wal­lis. Aber es ist sehr wahrschein­lich, dass eine gewisse Anzahl in Davos ange­siedelt wor­den sind, andere sich selb­st ange­siedelt haben, so in Monta­fun, in Triesen­berg im Vorarl­ber­gis­chen, in den St. Galler Ober­län­der Walser­sied­lun­gen und im Vorder­rhein­tal ( Ver­sam, Fidaz, Ober­sax­en, Tavetsch etc. ). Die Ansied­lung in Davos dürfte im gle­ichen Jahre der Nieder­lage bei Balz­ers ( 1289 ), dem Jahre der Ver­lei­hung des Gutes zu Tafans durch den Lehens­brief, erfol­gt sein. Weit­ere Zuzü­gler aus dem Wal­lis ins Bünd­ner­land ( Fam­i­lien­ange­hörige jen­er Wal­lis­er in Davos dürften sehr wahrschein­lich nachge­zo­gen wor­den sein ) sind urkundlich nachgewiesen. So wur­den zwei Män­nern mit der Beze­ich­nung « de Wal­lis » durch eine Urkunde von 1300 seit­ens des Klosters St. Luzi bei Chur Güter bei Chur­walden zu Lehen gegeben, von denen sie « nach der Gewohn­heit der Wal­lis­er uf Tafas » zin­sen soll­ten.

Aus dem Namen Wal­lis­er entstund die Beze­ich­nung « Walser », die ursprünglich nur den Nachkom­men dieser Wal­lis­er gegeben wurde.

Aber diese Wal­lis­er waren nicht die ersten deutschen Siedler der ursprünglich roman­isch besiedel­ten Talschaft Davos. Nach Staat­sarchivar Jeck­lin soll das « Gut zer Böi­gen » in Davos schon vor dem Ende des 12. Jahrhun­derts erwäh­nt wor­den sein 1 ), nach Hop­pel­er waren die Prä­mon­stratenser-mönche im 12. Jahrhun­dert in Davos begütert2 ) und am Ende des 12. Jahrhun­derts soll Davos zu Greifen­stein gehört haben, war also kein unbekan­ntes und unbe­wohntes Tal. Es kam durch Heirat mit Adel­heid von Rap­per­swil 1213 in den Besitz der Fam­i­lie von Vaz. Daraus geht her­vor, dass Davos lange von Wal­ter IV. von Vaz ( f 1285 ) bewohnt war, und zwar von Deutschen. Diese waren Ala­man­nen aus den Ein­brüchen von 162, 259—280 und eventuell später bis 610.

Ähn­lich ver­hält sich die Sache bei Rhein­wald. Zwis­chen den Kaiser­lichen und den Päp­stlichen, den Ghi­belli­nen und den Gwelfen, fan­den in Ober­i­tal­ien von 1272—1277 heftige Kämpfe statt, an denen der Frei­herr Wal­ter IV. von Vaz leb­haft inter­essiert war, wurde ihm doch später ( 1283 ) vom Erzbischof von Mai­land die Regierung über den Stadt­staat Comò über­tra­gen. Es liegt nahe, anzunehmen, dass Wal­ter von Vaz nach der Schlacht bei Desio 1277 « Wal­lis­er­söld­ner », die nachgewiesen­er­massen im Dien­ste Mai­lands stun­den, nach jen­em Feldzuge im Rhein­wald ange­siedelt habe, denn auch hier datiert der Frei­heits­brief der Rhein­walder von 1277, und es ist nachgewiesen, dass zahlre­iche Rhein­walder von damals aus dem Wal­lis und den deutschen Tälern südlich des Wal­lis ( For­maz­zatal ) stammten.

So wäre die Herkun­ft der Bewohn­er all jen­er Gegen­den, die von « Wais­ern » bewohnt sind, von Val­lorcine bei Cha­monixx ) bis Galtür im Tirol auf eine natür­liche, zwan­glose Weise erk­lärt, als eine Besied­lung mit Ange­höri­gen deutsch­er Volksstämme im Zuge der gewalti­gen geschichtlichen Ereignisse in der Zeit von 101 v. Chr. bis 610 n. Chr. Dazu kommt eine zusät­zliche Ansied­lung von Wal­lis­er Kriegsleuten 1277 in Rhein­wald und 1289 in Davos und ein­er Anzahl weit­ern Walser­sied­lun­gen her­rührend von dem Rück­zuge der Wal­lis­er von 1289. Der Name « Walser » ist von Wal­lis­er abgeleit­et wor­den. Die Wal­lis­er aber waren Teu­to­nen wie die Siedler südlich des Monte Rosa in Alagna, Gres­soney, Rima, Rimel­la, im For­maz­zatal und Rhein­wald etc. Die meis­ten « Walser»-Siedlungen sind also nicht Sied­lun­gen von Wal­lis­ern aus dem 13. Jahrhun­dert, son­dern solche von Teu­to­nen, Zim­bern und andern deutschen Stäm­men aus der Zeit vor dem Beginn unser­er Zeitrech­nung.

1 ) His­torisch-biographis­ches Lexikon der Schweiz, Bd. VII, S. 407.

Berg­steigen.

Es ist mit den Hochge­birgs­fahrten wie mit dem Lesen klas­sis­ch­er Werke: je öfter man ihnen nahetritt, desto mehr fes­seln sie; denn jedes­mal treten neue Momente, neue For­men und Sit­u­a­tio­nen her­vor, bieten Reize, die dem ersten Blick sich ent­zo­gen.

Andreas Fis­ch­er ( Hochge­birgswan­derun­gen, Neue Folge, 2. Abschnitt: « Vom Leben der Bergführer », Seite 108 ).