“Identity is a political decision.

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Digital infrastructure makes it concrete.”

Iden­tität beze­ich­net die Vorstel­lung, dass etwas oder jemand mit sich selb­st übere­in­stimmt und als Ein­heit bes­timm­bar ist.

His­torisch war diese Vorstel­lung pro­duk­tiv. Begriffe wie Indi­vidu­um, Iden­tität, Orig­i­nal, Autor, Autonomie, Eigen­tum und Besitz gehören zu ein­er kul­turellen Bewe­gung, mit der sich die Mod­erne von älteren For­men gesellschaftlich­er Bindung abset­zte.

Men­schen waren zuvor in weit stärk­erem Mass über Herkun­ft, Stand, Fam­i­lie, Reli­gion, Kor­po­ra­tion, lokale Gemein­schaft und über­lieferte Rollen bes­timmt. Diese Ord­nun­gen kon­nten tra­gen, schützen und Zuge­hörigkeit ermöglichen. Sie kon­nten aber auch eng, bindend und kaum ver­lass­bar sein.

Die Kul­tur­form der Mod­erne set­zte dieser Bindung das Indi­vidu­um ent­ge­gen.

Der einzelne Men­sch kon­nte sich als eigen­ständig ver­ste­hen. Er kon­nte sich von zugeschriebe­nen Rollen dis­tanzieren, sich selb­st beschreiben, entschei­den, wider­sprechen und einen eige­nen Lebensen­twurf beanspruchen. Iden­tität wurde dabei zu ein­er Form, mit der diese Eigen­ständigkeit beschrieben und sta­bil­isiert wer­den kon­nte.

Auch das Orig­i­nal gehört in dieses Wort­feld. Etwas kon­nte einem bes­timmten Ursprung zugerech­net, einem Autor zuge­ord­net, als dessen Werk aus­geze­ich­net und schliesslich als Eigen­tum behan­delt wer­den.

Diese Begriffe waren keine Irrtümer.

Sie waren eine Abset­zbe­we­gung.

Sie eröffneten einen Raum, der zuvor wesentlich enger gewe­sen war.

Identität als Relikt

Was als Befreiungs­form ent­stand, kann jedoch selb­st zur dominieren­den Form wer­den.

Das Indi­vidu­um wird dann nicht mehr als his­torische Möglichkeit ver­standen, son­dern als selb­stver­ständliche Grun­dein­heit gesellschaftlich­er Ord­nung. Iden­tität erscheint nicht mehr als Ergeb­nis von Unter­schei­dun­gen und Zuschrei­bun­gen, son­dern als etwas, das jemand besitzt.

Man fragt:

  • Wer bist du?
  • Was ist deine Iden­tität?
  • Was gehört dir?
  • Was hast du geschaf­fen?
  • Was ist dein Orig­i­nal?

Damit ver­schwindet leicht die Oper­a­tion, durch die solche Ein­heit­en über­haupt entste­hen.

Aus sys­temthe­o­retis­ch­er Per­spek­tive ist Iden­tität kein Aus­gangspunkt von Kom­mu­nika­tion. Kom­mu­nika­tion benötigt keine voll­ständi­ge, sta­bile oder wahre Iden­tität eines Men­schen. Sie benötigt Adressen, an die angeschlossen wer­den kann.

Eine Adresse macht jeman­den oder etwas kom­mu­nika­tiv erre­ich­bar. Sie ermöglicht Wieder­erken­nung und Anschluss, ohne behaupten zu müssen, damit sei bes­timmt, was oder wer jemand «wirk­lich ist».

Iden­tität kann deshalb als Relikt ein­er frühen Phase der Mod­erne ver­standen wer­den.

Nicht weil sie falsch war.

Son­dern weil sie eine his­torische Lösung für ein his­torisches Prob­lem war.

Was einst öffnete, kann später schliessen.

Nach dem Individuum

Wenn die Dom­i­nanz dieser Kul­tur­form nach­lässt, wird nicht ein­fach eine ältere Ord­nung wieder­hergestellt.

Es gibt keine Rück­kehr vor die Erfahrung des Indi­vidu­ums.

Die Möglichkeit, sich von Herkun­ft, Rolle und Gemein­schaft zu lösen, bleibt eine Errun­gen­schaft.

Aber es kann erneut sicht­bar wer­den, was durch die Dom­i­nanz von Indi­vidu­um, Eigen­tum, Besitz, Autor und Orig­i­nal in den Hin­ter­grund ger­at­en ist:

  • Dass Sprache nie­man­dem gehört.
  • Dass Wis­sen aus Wis­sen entste­ht.
  • Dass Kul­tur aus Wieder­hol­ung, Vari­a­tion, Über­nahme und Weit­er­gabe beste­ht.
  • Dass nie­mand allein her­vor­bringt, was er her­vor­bringt.
  • Dass gesellschaftliche Möglichkeit­en aus Beziehun­gen entste­hen.
  • Dass gemein­same Ressourcen wed­er her­ren­los noch notwendig Pri­vateigen­tum sein müssen.
  • Dass Zusam­men­leben nicht voraus­set­zt, zuerst voneinan­der getren­nte Ein­heit­en zu kon­stru­ieren und diese anschliessend wieder miteinan­der zu verbinden.

Diese ältere Erfahrung muss nicht restau­ri­ert wer­den.

Sie kann erin­nert, gewürdigt und unter neuen Bedin­gun­gen erneuert wer­den.

Regur­dar — Com­mem­o­rar — Ren­o­var.

Com­mons beze­ich­nen in diesem Sinn keine Rück­kehr zur Gemein­schaft der Kul­tur­form der Antike. Sie beze­ich­nen die Möglichkeit, gemein­same Her­vor­bringung nach der Erfahrung der Indi­vid­u­al­isierung neu zu denken.

  • Nicht gegen das Indi­vidu­um.
  • Nach dem Indi­vidu­um.
  • Nicht gegen Eigen­tum als Möglichkeit.

Gegen seine Dom­i­nanz als gesellschaftlich­es Grund­mod­ell.

Nicht zurück.

Erin­nern — Gedenken — Erneuern.

Privacy is normal? No. Privacy is a norm.

«Pri­va­cy is nor­mal» klingt wie eine Selb­stver­ständlichkeit. Genau darin liegt das Prob­lem. Pri­va­cy ist nicht nor­mal. Pri­va­cy ist eine Norm.

«Nor­mal» beschreibt, was als selb­stver­ständlich, erwart­bar oder gegeben erscheint. Eine Norm dage­gen set­zt eine Unter­schei­dung und bes­timmt, was gel­ten soll. Wer Pri­va­cy zur Nor­mal­ität erk­lärt, macht aus ein­er Entschei­dung eine schein­bare Eigen­schaft der Welt. Die Oper­a­tion, welche diese Nor­mal­ität her­vor­bringt, ver­schwindet.

Das ken­nen wir bere­its aus der Diskus­sion um Iden­tität. Auch dort wird etwas als gegeben behan­delt, das tech­nisch erst unter­schieden, adressiert, zugeschrieben und sta­bil­isiert wird.

Die Geschichte des Denkens lässt sich auch als wieder­holte Dezen­trierung lesen. Kopernikus ent­fer­nte die Erde aus ihrer priv­i­legierten Stel­lung in der Kos­molo­gie. Die Kyber­netik zeigte Sys­teme, die ohne sou­veränes Zen­trum operieren. Sys­temthe­o­rie ver­schob den Fokus vom Men­schen auf Kom­mu­nika­tion und Anschluss. Der Posthu­man­is­mus löste die Vorstel­lung eines autonomen, ein­heitlichen men­schlichen Sub­jek­ts weit­er auf.

Warum soll­ten aus­gerech­net Cypher­punks dieses Zen­trum wieder ein­set­zen?

Sobald Pri­va­cy als Eigen­schaft eines voraus­ge­set­zten Men­schen behan­delt wird, kehrt genau jene men­schen­zen­tri­erte Architek­tur zurück, die zuvor the­o­retisch und tech­nisch ent­behrlich gewor­den war. Dann lautet die Frage wieder: Wie schützen wir den Men­schen, seine Iden­tität, seine Dat­en?

Tech­nisch lässt sich früher anset­zen.

Pri­va­cy ist keine Eigen­schaft eines Men­schen. Pri­va­cy para­metrisiert Beobacht­barkeit.

Welche Adresse kann was beobacht­en? Welche Rela­tion kann hergestellt wer­den? Was kann verknüpft, gespe­ichert, rekon­stru­iert oder weit­ergegeben wer­den? Welche Oper­a­tion benötigt welche Infor­ma­tion?

Dafür muss kein Men­sch ins Zen­trum gestellt wer­den. Es genügt, die Bedin­gun­gen der Beobacht­barkeit zu para­metrisieren.

  • Pri­va­cy is not nor­mal.
  • Pri­va­cy is a norm.

And pri­va­cy can be designed as a para­me­ter of observ­abil­i­ty.

Quellen zum his­torischen Bezug:

Identity is a relic. Systems do not need identities. They need addresses.

Iden­ti­ty denotes the idea that some­thing or some­one coin­cides with itself and can be deter­mined as a uni­ty.

His­tor­i­cal­ly, this idea was pro­duc­tive. Con­cepts such as the indi­vid­ual, iden­ti­ty, the orig­i­nal, the author, auton­o­my, prop­er­ty, and pos­ses­sion belong to a cul­tur­al move­ment through which moder­ni­ty dis­tin­guished itself from old­er forms of social attach­ment.

Peo­ple had pre­vi­ous­ly been defined to a much greater extent by ori­gin, sta­tus, fam­i­ly, reli­gion, cor­po­ra­tions, local com­mu­ni­ties, and inher­it­ed roles. These orders could pro­vide sup­port, pro­tec­tion, and belong­ing. But they could also be con­strain­ing, bind­ing, and dif­fi­cult to leave.

Moder­ni­ty opposed this bind­ing order with the indi­vid­ual.

The indi­vid­ual per­son could under­stand them­selves as autonomous. They could dis­tance them­selves from attrib­uted roles, describe them­selves, decide, dis­sent, and claim a life of their own. Iden­ti­ty became a form through which this auton­o­my could be described and sta­bilised.

The orig­i­nal belongs to the same seman­tic field. Some­thing could be attrib­uted to a par­tic­u­lar ori­gin, assigned to an author, dis­tin­guished as that author’s work, and even­tu­al­ly treat­ed as prop­er­ty.

These con­cepts were not mis­takes.

They were a move­ment of sep­a­ra­tion.

They opened a space that had pre­vi­ous­ly been con­sid­er­ably nar­row­er.

Identity as a relic

What emerged as a form of lib­er­a­tion can itself become the dom­i­nant form.

The indi­vid­ual is then no longer under­stood as a his­tor­i­cal pos­si­bil­i­ty, but as the self-evi­dent basic unit of social order. Iden­ti­ty no longer appears as the result of dis­tinc­tions and attri­bu­tions, but as some­thing a per­son pos­sess­es.

We ask:

Who are you?

What is your iden­ti­ty?

What belongs to you?

What did you cre­ate?

What is your orig­i­nal?

In doing so, the oper­a­tion through which such uni­ties are pro­duced can eas­i­ly dis­ap­pear from view.

From a sys­tems-the­o­ret­i­cal per­spec­tive, iden­ti­ty is not the start­ing point of com­mu­ni­ca­tion. Com­mu­ni­ca­tion does not require the com­plete, sta­ble, or true iden­ti­ty of a human being. It requires address­es to which fur­ther com­mu­ni­ca­tion can con­nect.

An address makes some­one or some­thing com­mu­nica­tive­ly reach­able. It enables recog­ni­tion and con­tin­u­a­tion with­out claim­ing that this deter­mines what or who some­one “real­ly is”.

Iden­ti­ty can there­fore be under­stood as a rel­ic of an ear­ly phase of moder­ni­ty.

Not because it was wrong.

But because it was a his­tor­i­cal solu­tion to a his­tor­i­cal prob­lem.

What once opened can lat­er close.

After the individual

When the dom­i­nance of this cul­tur­al form recedes, an old­er order is not sim­ply restored.

There is no return to a time before the expe­ri­ence of the indi­vid­ual.

The pos­si­bil­i­ty of break­ing free from ori­gin, role, and com­mu­ni­ty remains an achieve­ment.

But what was pushed into the back­ground by the dom­i­nance of the indi­vid­ual, prop­er­ty, pos­ses­sion, author­ship, and orig­i­nal­i­ty can become vis­i­ble again:

Lan­guage belongs to no one.

Knowl­edge emerges from knowl­edge.

Cul­ture con­sists of rep­e­ti­tion, vari­a­tion, appro­pri­a­tion, and trans­mis­sion.

No one pro­duces alone what they pro­duce.

Social pos­si­bil­i­ties emerge from rela­tions.

Shared resources need be nei­ther own­er­less nor nec­es­sar­i­ly pri­vate prop­er­ty.

Liv­ing togeth­er does not require us first to con­struct sep­a­rate units and then recon­nect them after­wards.

This old­er expe­ri­ence does not need to be restored.

It can be remem­bered, com­mem­o­rat­ed, and renewed under changed con­di­tions.

Regur­dar — Com­mem­o­rar — Ren­o­var.

In this sense, com­mons do not describe a return to com­mu­ni­ty before moder­ni­ty. They describe the pos­si­bil­i­ty of rethink­ing com­mon pro­duc­tion after the expe­ri­ence of indi­vid­u­al­i­sa­tion.

Not against the indi­vid­ual.

After the indi­vid­ual.

Not against prop­er­ty as a pos­si­bil­i­ty.

Against its dom­i­nance as the basic mod­el of social order.

Not back.

Remem­ber — Com­mem­o­rate — Renew.

Identität ist ein Relikt. Systeme brauchen keine Identitäten. Sie brauchen Adressen.