#NoCringe | M/ein Blog ist m/ein Kartenraum und k/eine Bühne. Ich weiss, wie man publiziert. Das hier ist etwas anderes. d!a!n!k!e | WORK IN PROGRESS reload für aktuellen Schreibstand | Warum ich nicht publiziere? Weil ich es kann. Weil es geht. Weil ich es für angemessen halte. (so?)
Privacy is normal? No. Privacy is a norm. https://t.co/3Eoz75d1u6
— dissent.is/███████ (@sms2sms) August 28, 2026
“Privacy is normal” sounds self-evident. That is precisely the problem. Privacy is not normal. Privacy is a norm.
“Normal” describes what appears self-evident, expected, or given. A norm, by contrast, sets a… pic.twitter.com/aJfAzYaeBe
Digital infrastructure makes it concrete.”
Identität bezeichnet die Vorstellung, dass etwas oder jemand mit sich selbst übereinstimmt und als Einheit bestimmbar ist.
Historisch war diese Vorstellung produktiv. Begriffe wie Individuum, Identität, Original, Autor, Autonomie, Eigentum und Besitz gehören zu einer kulturellen Bewegung, mit der sich die Moderne von älteren Formen gesellschaftlicher Bindung absetzte.
Menschen waren zuvor in weit stärkerem Mass über Herkunft, Stand, Familie, Religion, Korporation, lokale Gemeinschaft und überlieferte Rollen bestimmt. Diese Ordnungen konnten tragen, schützen und Zugehörigkeit ermöglichen. Sie konnten aber auch eng, bindend und kaum verlassbar sein.
Die Kulturform der Moderne setzte dieser Bindung das Individuum entgegen.
Der einzelne Mensch konnte sich als eigenständig verstehen. Er konnte sich von zugeschriebenen Rollen distanzieren, sich selbst beschreiben, entscheiden, widersprechen und einen eigenen Lebensentwurf beanspruchen. Identität wurde dabei zu einer Form, mit der diese Eigenständigkeit beschrieben und stabilisiert werden konnte.
Auch das Original gehört in dieses Wortfeld. Etwas konnte einem bestimmten Ursprung zugerechnet, einem Autor zugeordnet, als dessen Werk ausgezeichnet und schliesslich als Eigentum behandelt werden.
Diese Begriffe waren keine Irrtümer.
Sie waren eine Absetzbewegung.
Sie eröffneten einen Raum, der zuvor wesentlich enger gewesen war.
Identität als Relikt
Was als Befreiungsform entstand, kann jedoch selbst zur dominierenden Form werden.
Das Individuum wird dann nicht mehr als historische Möglichkeit verstanden, sondern als selbstverständliche Grundeinheit gesellschaftlicher Ordnung. Identität erscheint nicht mehr als Ergebnis von Unterscheidungen und Zuschreibungen, sondern als etwas, das jemand besitzt.
Man fragt:
- Wer bist du?
- Was ist deine Identität?
- Was gehört dir?
- Was hast du geschaffen?
- Was ist dein Original?
Damit verschwindet leicht die Operation, durch die solche Einheiten überhaupt entstehen.
Aus systemtheoretischer Perspektive ist Identität kein Ausgangspunkt von Kommunikation. Kommunikation benötigt keine vollständige, stabile oder wahre Identität eines Menschen. Sie benötigt Adressen, an die angeschlossen werden kann.
Eine Adresse macht jemanden oder etwas kommunikativ erreichbar. Sie ermöglicht Wiedererkennung und Anschluss, ohne behaupten zu müssen, damit sei bestimmt, was oder wer jemand «wirklich ist».
Identität kann deshalb als Relikt einer frühen Phase der Moderne verstanden werden.
Nicht weil sie falsch war.
Sondern weil sie eine historische Lösung für ein historisches Problem war.
Was einst öffnete, kann später schliessen.
Nach dem Individuum
Wenn die Dominanz dieser Kulturform nachlässt, wird nicht einfach eine ältere Ordnung wiederhergestellt.
Es gibt keine Rückkehr vor die Erfahrung des Individuums.
Die Möglichkeit, sich von Herkunft, Rolle und Gemeinschaft zu lösen, bleibt eine Errungenschaft.
Aber es kann erneut sichtbar werden, was durch die Dominanz von Individuum, Eigentum, Besitz, Autor und Original in den Hintergrund geraten ist:
- Dass Sprache niemandem gehört.
- Dass Wissen aus Wissen entsteht.
- Dass Kultur aus Wiederholung, Variation, Übernahme und Weitergabe besteht.
- Dass niemand allein hervorbringt, was er hervorbringt.
- Dass gesellschaftliche Möglichkeiten aus Beziehungen entstehen.
- Dass gemeinsame Ressourcen weder herrenlos noch notwendig Privateigentum sein müssen.
- Dass Zusammenleben nicht voraussetzt, zuerst voneinander getrennte Einheiten zu konstruieren und diese anschliessend wieder miteinander zu verbinden.
Diese ältere Erfahrung muss nicht restauriert werden.
Sie kann erinnert, gewürdigt und unter neuen Bedingungen erneuert werden.
Regurdar — Commemorar — Renovar.
Commons bezeichnen in diesem Sinn keine Rückkehr zur Gemeinschaft der Kulturform der Antike. Sie bezeichnen die Möglichkeit, gemeinsame Hervorbringung nach der Erfahrung der Individualisierung neu zu denken.
- Nicht gegen das Individuum.
- Nach dem Individuum.
- Nicht gegen Eigentum als Möglichkeit.
Gegen seine Dominanz als gesellschaftliches Grundmodell.
Nicht zurück.
Erinnern — Gedenken — Erneuern.

Privacy is normal? No. Privacy is a norm.
«Privacy is normal» klingt wie eine Selbstverständlichkeit. Genau darin liegt das Problem. Privacy ist nicht normal. Privacy ist eine Norm.
«Normal» beschreibt, was als selbstverständlich, erwartbar oder gegeben erscheint. Eine Norm dagegen setzt eine Unterscheidung und bestimmt, was gelten soll. Wer Privacy zur Normalität erklärt, macht aus einer Entscheidung eine scheinbare Eigenschaft der Welt. Die Operation, welche diese Normalität hervorbringt, verschwindet.
Das kennen wir bereits aus der Diskussion um Identität. Auch dort wird etwas als gegeben behandelt, das technisch erst unterschieden, adressiert, zugeschrieben und stabilisiert wird.
Die Geschichte des Denkens lässt sich auch als wiederholte Dezentrierung lesen. Kopernikus entfernte die Erde aus ihrer privilegierten Stellung in der Kosmologie. Die Kybernetik zeigte Systeme, die ohne souveränes Zentrum operieren. Systemtheorie verschob den Fokus vom Menschen auf Kommunikation und Anschluss. Der Posthumanismus löste die Vorstellung eines autonomen, einheitlichen menschlichen Subjekts weiter auf.
Warum sollten ausgerechnet Cypherpunks dieses Zentrum wieder einsetzen?
Sobald Privacy als Eigenschaft eines vorausgesetzten Menschen behandelt wird, kehrt genau jene menschenzentrierte Architektur zurück, die zuvor theoretisch und technisch entbehrlich geworden war. Dann lautet die Frage wieder: Wie schützen wir den Menschen, seine Identität, seine Daten?
Technisch lässt sich früher ansetzen.
Privacy ist keine Eigenschaft eines Menschen. Privacy parametrisiert Beobachtbarkeit.
Welche Adresse kann was beobachten? Welche Relation kann hergestellt werden? Was kann verknüpft, gespeichert, rekonstruiert oder weitergegeben werden? Welche Operation benötigt welche Information?
Dafür muss kein Mensch ins Zentrum gestellt werden. Es genügt, die Bedingungen der Beobachtbarkeit zu parametrisieren.
- Privacy is not normal.
- Privacy is a norm.
And privacy can be designed as a parameter of observability.
Quellen zum historischen Bezug:
- Nikolaus Kopernikus und die kopernikanische Dezentrierung: https://en.wikipedia.org/wiki/Nicolaus_Copernicus ;
- Donna Haraway, «A Cyborg Manifesto»: https://en.wikipedia.org/wiki/A_Cyborg_Manifesto ;
- Niklas Luhmann/Systemtheorie: https://en.wikipedia.org/wiki/Niklas_Luhmann .
Identity is a relic. Systems do not need identities. They need addresses.
Identity denotes the idea that something or someone coincides with itself and can be determined as a unity.
Historically, this idea was productive. Concepts such as the individual, identity, the original, the author, autonomy, property, and possession belong to a cultural movement through which modernity distinguished itself from older forms of social attachment.
People had previously been defined to a much greater extent by origin, status, family, religion, corporations, local communities, and inherited roles. These orders could provide support, protection, and belonging. But they could also be constraining, binding, and difficult to leave.
Modernity opposed this binding order with the individual.
The individual person could understand themselves as autonomous. They could distance themselves from attributed roles, describe themselves, decide, dissent, and claim a life of their own. Identity became a form through which this autonomy could be described and stabilised.
The original belongs to the same semantic field. Something could be attributed to a particular origin, assigned to an author, distinguished as that author’s work, and eventually treated as property.
These concepts were not mistakes.
They were a movement of separation.
They opened a space that had previously been considerably narrower.
Identity as a relic
What emerged as a form of liberation can itself become the dominant form.
The individual is then no longer understood as a historical possibility, but as the self-evident basic unit of social order. Identity no longer appears as the result of distinctions and attributions, but as something a person possesses.
We ask:
Who are you?
What is your identity?
What belongs to you?
What did you create?
What is your original?
In doing so, the operation through which such unities are produced can easily disappear from view.
From a systems-theoretical perspective, identity is not the starting point of communication. Communication does not require the complete, stable, or true identity of a human being. It requires addresses to which further communication can connect.
An address makes someone or something communicatively reachable. It enables recognition and continuation without claiming that this determines what or who someone “really is”.
Identity can therefore be understood as a relic of an early phase of modernity.
Not because it was wrong.
But because it was a historical solution to a historical problem.
What once opened can later close.
After the individual
When the dominance of this cultural form recedes, an older order is not simply restored.
There is no return to a time before the experience of the individual.
The possibility of breaking free from origin, role, and community remains an achievement.
But what was pushed into the background by the dominance of the individual, property, possession, authorship, and originality can become visible again:
Language belongs to no one.
Knowledge emerges from knowledge.
Culture consists of repetition, variation, appropriation, and transmission.
No one produces alone what they produce.
Social possibilities emerge from relations.
Shared resources need be neither ownerless nor necessarily private property.
Living together does not require us first to construct separate units and then reconnect them afterwards.
This older experience does not need to be restored.
It can be remembered, commemorated, and renewed under changed conditions.
Regurdar — Commemorar — Renovar.
In this sense, commons do not describe a return to community before modernity. They describe the possibility of rethinking common production after the experience of individualisation.
Not against the individual.
After the individual.
Not against property as a possibility.
Against its dominance as the basic model of social order.
Not back.
Remember — Commemorate — Renew.
Identität ist ein Relikt. Systeme brauchen keine Identitäten. Sie brauchen Adressen.

