Wozu Intellektuelle?

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work in progress

Anlass zu diesem Eintrag:

«Wozu Intellek­tuelle?» ist ein Work-in-Progress-Ein­trag zur Fig­ur des Intellek­tuellen als charak­ter­is­tis­ch­er Form der Mod­erne. Aus­gangspunkt ist ein Gespräch von Richard David Precht und Juli Zeh über die Frage «Gesellschaft ohne Visio­nen – wer gibt uns Ori­en­tierung?». Der Ein­trag verbindet Jean-Paul Sartres Def­i­n­i­tion des Intellek­tuellen als jemand, «der sich in Dinge ein­mis­cht, die ihn nichts ange­hen», mit Bazon Brocks Unter­schei­dung ((kunst)wissenschaft), Peter Slo­ter­dijks ((kynik)zynik) und Zyg­munt Bau­mans Analyse der Mod­erne.

Intellek­tu­al­ität wird dabei nicht als Ausweg aus der Kul­tur­form der Mod­erne ver­standen, son­dern als eine ihrer zen­tralen Irri­ta­tions­for­men. Die Mod­erne erzeugt Dif­feren­zierung, Spezial­isierung, Pro­fes­sio­nen, Diszi­plinen und Zuständigkeit­en – und zugle­ich Kun­st, Intellek­tu­al­ität, Avant­garde, Dis­si­denz, Par­a­sitismus und Kynis­mus als For­men der Über­schre­itung ihrer eige­nen Gren­zen.

Der blinde Fleck liegt dem­nach nicht in einem Man­gel an Kri­tik. Kri­tik, Reflex­ion und Irri­ta­tion gehören vielmehr zum Kern­pro­gramm der Mod­erne. Unbeobachtet bleibt die Kul­tur­form, welche diese Kri­tik selb­st her­vor­bringt.

Summary/Spoiler/TL;DR

Precht und Zeh fra­gen, wo die Intellek­tuellen, Visio­nen und «klu­gen Köpfe» geblieben sind, welche gesellschaftliche Ori­en­tierung geben kön­nten.

Vielle­icht liegt genau darin das Prob­lem.

Die Mod­erne diag­nos­tiziert ihre Krise mit den Mit­teln, die zu ihrem eige­nen Kern­pro­gramm gehören: mehr Reflex­ion, mehr Kri­tik, mehr Öffentlichkeit, mehr Intellek­tu­al­ität.

Sartres Intellek­tueller über­schre­it­et Zuständigkeits­gren­zen. Brocks Kün­stler über­schre­it­et den «State of the Art». Slo­ter­dijks Kyniker irri­tiert die herrschende Ord­nung. Diese Fig­uren ste­hen nicht ausser­halb der Mod­erne. Sie gehören zu ihr.

Bau­man ver­schärft die Frage: Die Katas­tro­phe entste­ht nicht notwendig dort, wo Ratio­nal­ität, Dif­feren­zierung und Reflex­ion aus­fall­en. Sie kann ger­ade durch deren kon­se­quentes Funk­tion­ieren ermöglicht wer­den.

Der blinde Fleck der Mod­erne ist deshalb nicht, dass sie zu wenig reflek­tiert.

Sie reflek­tiert alles – auss­er die Form ihrer Reflex­ion.

Darum lautet die Frage aus ein­er näch­sten Kul­tur­form her­aus nicht:

Wer gibt uns Ori­en­tierung?

Son­dern:

Welche Kul­tur­form hat uns beige­bracht, diese Frage zu stellen?

bitte ver­ste­he diesen ein­trag nicht zu schnell… hier gibts nichts zu sehen und nichts zu lesen ;-)

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[h3]Die mod­erne Anordnung[/h3]

Ord­nungs­formWas wird geord­net?Leit­frage
JobAuf­gabeWas ist zu tun?
Beruffachgerechte TätigkeitWie wird es fachgerecht getan?
Pro­fes­sionZuständigkeitWer ist dafür zuständig?
Diszi­plinWis­senWas gilt darüber als Wis­sen?

Diese Ord­nung erzeugt zugle­ich ihre eige­nen quer­laufend­en Irri­ta­tions­for­men:

Fig­ur / FormWas wird unter­laufen?Oper­a­tion
Intellek­tu­al­itätZuständigkeitmis­cht sich ein
Kun­stbeste­hende Legit­i­ma­tion / State of the Artbehauptet Neues
Kri­tikGel­tungsanspruchstellt in Frage
Avant­gardeetablierte Formset­zt sich vor die beste­hende Ord­nung
Dilet­tan­tismuspro­fes­sionelle Kom­pe­ten­zord­nunghan­delt ohne anerkan­nte Zuständigkeit
Par­a­sitgeregelte Beziehung / Aus­tauschord­nungstört, nimmt teil, verän­dert die Rela­tion
Dis­si­denzKon­sens / insti­tu­tionelle Erwartungver­weigert Anschluss
IronieEin­deutigkeitkom­mu­niziert zugle­ich inner­halb und ausser­halb der geset­zten Bedeu­tung

Diese zweite Lin­ie liegt nicht ausser­halb der Kul­tur­form der Mod­erne.

Sie ist ihr Kern­stück.

Die Mod­erne erzeugt nicht nur Arbeit­steilung, Pro­fes­sion­al­is­mus, Zuständigkeit, Diszi­plin und Stan­dards. Sie erzeugt zugle­ich Intellek­tuelle, Kün­stler, Avant­gar­den, Dis­si­den­ten, Par­a­siten und Kyniker, welche ihre Gren­zen über­schre­it­en, kri­tisieren und irri­tieren.

Ger­ade dadurch kann sie sich selb­st als reflex­iv, offen und kri­tik­fähig beschreiben.

((kynik)zynik)

Der Kyniker irri­tiert die Ord­nung.

Der Zyniker ken­nt die Irri­ta­tion bere­its – und macht weit­er.

Der blinde Fleck liegt deshalb nicht darin, dass die Mod­erne zu wenig Kri­tik her­vorge­bracht hätte.

Kri­tik gehört zu ihrem Kern­pro­gramm.

Ihr blind­er Fleck ist ihre eigene Form.

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Wie ich mit den Möglichkeiten von @openAI arbeite?

Links, Threads, zu verarbeitende Hinweise…

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Textsorte: (1) Traum, (2) Blitz, (3) Beken­nt­nis, (4) Memo, (5) Märchen, (6) Dra­ma, (7) Tabu
Arbeits­form: Doku­men­ta­tion, Lis­ten­bil­dung, Work in Progress
Anlass: (…)
TL;DR: (…)
Bildquelle: (…)
URL/Hashtag: (…)

Ste­fan M. Sey­del, aka sms, aka sms2sms in «Zürcher Fest­spiel 1901″ (2019, Foto­cre­d­it: Charles Schny­der):  Twit­ter, Wikipedia (Lem­ma), Youtube (aktuell), Sound­cloud, Mastodon, Insta­gram (ges­per­rt), Snapchat, Tik­Tok, Twitch, t.me/WikiDienstag (Nicht in Betrieb) | Exk­lu­siv: speakerbooking.ch/sms2sms

About @sms2sms, aka Stefan M. Seydel/sms ;-)

Ste­fan M. Sey­del, Jahrgang 1965, ist Unternehmer, Sozialar­beit­er und Kün­stler. Er machte nach ein­er Beruf­slehre als Hochbauze­ich­n­er einen Bach­e­lor in Soziale Arbeit in St. Gallen und einen Mas­ter in der gle­ichen Diszi­plin bei Sil­via Staub-Bernasconi in Berlin. Seine über­wiegend selb­st­ständi­ge Tätigkeit kreist um das The­ma der Entwick­lung und Real­isierung von Pilot- und Impul­spro­jek­ten für renom­mierte Auf­tragge­berin­nen.

Als Kün­stler hat er Ausstel­lun­gen und Per­for­mances auf inter­na­tionaler Ebene präsen­tiert, darunter in der Roy­al Acad­e­my of Arts in Lon­don, dem Deutschen His­torischen Muse­um in Berlin oder ein­er Einze­lausstel­lung “Kun­st Macht Prob­leme” in der Cryp­ta Cabaret Voltaire, Birth­place of DADA in Zürich. Er wurde mit dem Migros Jubilée Award in der Kat­e­gorie Wis­sensver­mit­tlung aus­geze­ich­net und hat diverse Ehrun­gen durch Web­by Awards für seine Arbeit mit rocketboom.com erhal­ten.

Ste­fan war Jury-Mit­glied des Next Idea Prix Ars Elec­tron­i­ca 2010 und war drei Jahre Mit­glied der Schulleitung des Gym­na­si­ums Kloster Dis­en­tis. Sein Wis­sen und seine Erfahrung im Bere­ich der Infor­ma­tion und Tech­nolo­gie haben ihm auch dabei geholfen, mit Sta­tis­tik Stadt Zürich und Wiki­me­dia Schweiz unter WikiDienstag.ch zusam­men­zuar­beit­en.

Sein Engage­ment im Bere­ich der frei­willi­gen Arbeit führte ihn in das Prä­sid­i­um Inter­na­tionaler Bodensee Club (Leitung Fach­gruppe Wis­senschaft) oder für einige andere Jahre als Vice-Präsi­dent des von Paul Wat­zlaw­ick ini­ti­ierten P.E.N.-Club Liecht­en­stein. Sey­del hat unter ((( rebell.tv ))) zwei Büch­er zusam­men mit sein­er Part­ner­in Tina Piazzi veröf­fentlicht, viele Kolum­nen, Fach­texte und jour­nal­is­tis­che Texte pub­liziert.

Seine Arbeit auf Social Media nutzt er als Microblog­ging. In seinem Blog ver­ar­beit­et er seine The­men. Einige davon wer­den auf Anfra­gen zu les­baren Tex­ten ver­tieft, andere wer­den zu Vorträ­gen aus­ge­baut. Bei Carl Auer Ver­lag in Hei­del­berg, sam­melt er “Ele­mente ein­er näch­sten Kul­tur­form”. Seine Entwick­lun­gen im Kon­text der sozial­räum­lichen Inter­ven­tion (“Arbeit am Sozialen”) machen konkrete Vorschläge in Bezug auf die Beant­wor­tung der Sozialen Frage.

Nach 12 Jahren Berlin und 6 Jahren Zürich zog er aber in sein­er zweit­en Leben­shälfte vom Bodensee der Rhein­quelle ent­ge­gen nach Dissentis/Mustér und hat seine Reisetätigkeit fast ganz eingestellt. Dafür macht er umsomehr soge­nan­nte Pas­sadis und #Feed­logs (Orgiastik). Das sind Arbeitsmeet­ings an inten­tionalen Fra­gen in einem Lifestream. (so?) Text sup­port­ed by #TaaS

Aus Band 2 von: Tina Piazzi & Ste­fan M. Sey­del, Junius-Ver­lag Ham­burg | pdf: Band 1, 2009 | Band 2, 2010

#dfdu = DIE FORM DER UNRUHE | pdf: Band 1, 2009 | Band 2, 2010 | blog: dissent.is | about: dissent.is/sms | dissent.is/muster

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