ICH VERMISSE BRUDER MAGNUS



WIRZ erklärt @graubünden | heute: 110 Jahre #HugoBall, i miss harald szemann
WOZU MUSEEN? | Zur Überproduktion von professionellen Kreaktiven setzt #LuR von @RTRSRG in: Staffel1, Episode 3 (Min 23:10) die ätzenste Kritik (so?) | Die Berggebiete als Ressourcen: Wie Kolonialismus, bloss viel vertrauter. (so?)
La metafra encunter l’uiara totala
— dissent.is/███████ (@sms2sms) July 9, 2026
«L’incendi da 1799 era buc ina disgrazia. El era la consequenza d’ina uiara nunraschuneivla, stinada, caschunada dalla stuppadad e menada encunter las vuschs profiladas dalla claustra e dalla val. Ils uschenumnai Franzos – denter els era… pic.twitter.com/u7LnbARwy3
Alle Wanderwege für Mountainbikes platt zu walzen, wäre möglich. Aber übertrieben. @Graubunden
— dissent.is/███████ (@sms2sms) July 7, 2026
Der Markt sagt: Nachfrage bedienen. Der Staat sagt: Konflikte regulieren. Und am Ende wird aus jedem Bergweg eine optimierte Infrastruktur für die nächste Zielgruppe.
Genau dort liegt… pic.twitter.com/kzc6VM6350


Der Schnee hielt prekäre #BullshitJobs (#DavidGraeber) auf den Bergen. «Kultur ist das neue Schnee» @Graubünden Cultura ersetzt das prekäre Bergproletariat durch ein akademisiertes Kreativprekariat aus dem Unterland.
Weder Staat noch Markt
- #LavinaNera dusAuch nicht Staat UND Markt
#Neoliberalismus sucks, seit 1977 (so?)
- #LavinaNera treis

We-feed-the-world | M/ein Blog ist m/ein Kartenraum und k/eine Bühne. Ich weiss wie man publiziert. Das hier ist etwas anderes. d!a!n!k!e | WORK IN PROGRESS reload für aktuellen schreibstand | warum ich nicht publiziere? weil ich es kann. weil es geht. weil ich es für angemessen halte.
- wenn es mir ums SENDEN gehen würde, machte ich alles falsch.
- wenn es mir ums EMPFANGEN WERDEN gehen würde, machte ich alles anders.
- wenn es mir ums FINDEN gehen würde, würde ich suchen.
- wenn es mir ums GEWINNEN gehen würde, hielte ich mich an expertisen.

Wer’s nicht lustig findet, ist halt kein lustiger. (so?)

Ich habe den Witz verstanden. Gerade deshalb ist die Kampagne so aufschlussreich:
Unsere Dörfer liefern Landschaft, Sprache, Kultur und Menschen. Der Tourismus macht daraus konsumierbare Ruhe.
Früher war Schnee der Rohstoff. Jetzt ist Kultur der neue Schnee. graubünden Cultura
Das Bergdorf darf authentisch sein, rätoromanisch reden und Kultur haben – aber nur, solange Entspannung gekauft werden kann.
- Ohne Tourismus keine Berge.
- Ohne Konsumierbarkeit keine Berechtigung.
Und wer das aggressiv findet, hat angeblich keinen Humor. Voll #Dada. Superlustig. Supergeil. (so?)
Arbeitsstand: «Übertrieben leise»
1. Der konkrete Vorgang
Die Kampagne «Übertrieben leise» gehört zur Themenallianz «Mein Bergdorf». Beteiligt sind Graubünden Ferien, mehrere Destinationen und Wirz Group. Die Tourismusorganisationen verbreiten die Kampagne als lokale Selbstdarstellung: «Wir freuen uns, Teil der Kampagne zu sein.»
Das institutionelle Modell dahinter ist offiziell dokumentiert:
- Der Kanton besitzt die Markenrechte der Marke graubünden.
- Graubünden Ferien arbeitet mit einem kantonalen Leistungsauftrag.
- Der Kanton unterstützt Graubünden Ferien jährlich mit 7,5 Millionen Franken.
- Destinationen beteiligen sich an Partner- und Themenallianzen.
- «Enavant» erhöht Partnerbudgets um einen Drittel.
- Konzeption und Umsetzung erfolgen mit einer «führenden Schweizer Kreativagentur». Gegenwärtig ist dies Wirz. (Gr.ch)
Die 7,5 Millionen Franken sind nicht das Budget dieser einzelnen Kampagne. Der konkrete Betrag für «Übertrieben leise» ist bisher nicht öffentlich belegt.
2. Das Betriebsmodell von @graubünden
Unsere Bezeichnung «neoliberaler think & do tank @graubünden» beschreibt keine einzelne Organisation, sondern ein PPP-artiges Geflecht aus:
- Kanton und Amt für Wirtschaft und Tourismus
- Marke graubünden
- Graubünden Ferien
- Destinationsorganisationen
- Forschung und Hochschulen
- Kulturorganisationen
- privaten Unternehmen
- Agenturen und Medien
Offiziell heisst dies Leistungsauftrag, Allianz, Partnernetzwerk, Shared Services, Standortförderung oder Kommunikationsoffensive. Politisch betrachtet werden damit öffentliche Aufgaben, private Interessen und professionelle Kommunikationsmacht miteinander verschaltet.
Der Staat zieht sich nicht einfach zurück. Er organisiert, finanziert und legitimiert einen Markt, in dem private und halböffentliche Akteure den Kanton als Produkt bearbeiten.
3. Die offizielle Sprache ist bereits das Programm
Die Markenstrategie beschreibt Graubünden als Verbindung von Natur, Kultur und Fortschritt. Gegensätze sollen zu Gemeinsamkeiten werden, der «Ursprung» soll zum «Vorsprung» kultiviert werden. Das Resultat heisst «NaturMetropole». (Marke graubünden)
Das ist die Grammatik des postmodernen Sauglattismus:
- Widersprüche werden zu spannenden Gegensätzen.
- Konflikte werden zu Vielfalt.
- Macht wird zu Partnerschaft.
- Verwertung wird zu Veredlung.
- Zentralisierung wird zu Vernetzung.
- Werbung wird zu gemeinsamer Erzählung.
- Abhängigkeit wird zu Standortchance.
Nichts muss mehr bestritten werden. Alles wird aufgenommen, kombiniert, positiv gewendet und in die Marke integriert.
4. «Echtes als Fundament, KI als Veredlung»
Diese Formulierung ist der ideologische Schlüssel der Kampagne.
«Das Echte» liefert Graubünden:
- Landschaft
- Dörfer
- Tiere
- Sprache
- Geschichte
- Kultur
- Menschen
Die «Veredlung» liefern:
- Agentur
- Markenführung
- KI
- Kampagnenlogik
- touristische Produktentwicklung
- mediale Aufmerksamkeit
«Echt» bedeutet damit nicht eigenständig oder unverfügbar. Es bedeutet: als Rohstoff bereits vorhanden.
«Veredlung» behauptet, dass Wert erst durch professionelle Bearbeitung entsteht. Das Dorf ist Fundament, aber nicht Autor. Es liefert Material für eine Deutung, die anderswo konzipiert und anschliessend von den lokalen Organisationen als eigene Stimme verbreitet wird.
Das ist nicht bloss Kommunikation über die Region. Es ist eine Ordnung der Sprecherpositionen.
5. Authentizität als kontrollierte Lebendigkeit
Die Tourismusorganisationen schreiben, lebendige Dörfer und echte Begegnungen könnten nicht künstlich erzeugt werden.
Die Bilder sagen gleichzeitig:
- Das Pferd bekommt Pantoffeln.
- Der Specht bekommt einen Korken.
- Die Kirchenglocke bekommt Kissen.
- Menschen werden zum Schweigen gebracht.
Das Bergdorf darf sich authentisch präsentieren. Am Stammtisch darf gerne rätoromanisch gesprochen werden. Aber immer so, dass touristische Entspannung möglich bleibt.
Die Einheimischen dürfen Kultur darstellen. Sie sollen aber nicht als unberechenbare, streitende und politisch sprechende Subjekte auftreten.
«Echte Begegnung» bedeutet in dieser Ordnung nicht offene Kommunikation. Sie bedeutet störungsfreien Konsum von Authentizität.
6. Hyperaffirmation
Bei Bazon Brock bedeutet Hyperaffirmation nicht einfach Ironie und auch nicht: «Ich sage Ja, meine aber Nein.»
Die Methode lautet «Widerstand durch Ja-Sagen»: Eine Behauptung wird so vollständig, ernsthaft und konsequent bejaht, dass ihre problematischen Konsequenzen sichtbar werden. Das Kritisierte wird nicht von aussen bestritten, sondern durch Steigerung zum spürbaren Problem gemacht. (Bazon Brock)
Die Kampagne vollzieht genau diese Bewegung:
Das Bergdorf ist ruhig.
Ja.
Machen wir es noch ruhiger.
Noch ruhiger.
So ruhig, dass Tiere, Glocken und Menschen verstummen.
Damit wird das touristische Ruheversprechen bis zu seiner sozialen Wahrheit gesteigert: Das vollendete touristische Bergdorf wäre eine lautlose Kulisse.
7. Hyperaffirmation mit Airbag
Wirz lässt die hyperaffirmative Operation jedoch nicht offen stehen.
Unmittelbar folgt:
«Aber auch ziemlich übertrieben.»
Dieser Nachsatz nimmt die Bilder nicht zurück. Er baut lediglich einen Notausgang ein.
Die Kampagne kann jederzeit sagen:
- Wir wissen selbst, dass es übertrieben ist.
- Es war bloss lustig gemeint.
- Niemand klebt tatsächlich Menschen den Mund zu.
- Die Absurdität ist doch gerade die Pointe.
Damit wird die sichtbar gewordene Aggression sofort wieder in harmlose Markenkommunikation zurückgefaltet.
Das ist Hyperaffirmation mit Airbag:
Die Behauptung wird gegen die Wand gefahren, aber der Aufprall wird als sympathischer Werbegag verwertet.
8. Dada und seine kommerzielle Umkehrung
Dada entstand 1916 in Zürich als subversive Reaktion auf Krieg, bürgerliche Vernunft, etablierte Sprache und kulturelle Ordnung. Das Cabaret Voltaire bezeichnet Provokation, Sprechakte und politische Propaganda ausdrücklich als dadalogische Dimensionen. (cabaretvoltaire.ch)
Unsere Verbindung zu Dada ist eine Interpretation. Es gibt bisher keinen Beleg, dass Wirz diese Kampagne ausdrücklich als Dada-Referenz konzipiert hat.
Die entscheidende Umkehrung lautet:
Dada setzte Übertreibung ein, um die Ordnung zu stören.
Die Werbung setzt Übertreibung ein, um die Ordnung aufmerksamkeitsstärker zu verkaufen.
Die Subversion wird nicht unterdrückt. Sie wird als Stilmittel eingestellt.
9. Humor als Schutzschild
Wir dürfen den Humor deshalb nicht bestreiten.
Nicht:
«Das ist nicht lustig.»
Sondern:
«Ja. Das ist ausgesprochen lustig. Nur liegt die Pointe möglicherweise an einer anderen Stelle.»
Der Witz ist nicht das Gegenteil der Aggression. Er ist ihre zeitgemässe Form.
Er erlaubt, gleichzeitig zu sagen:
- Richtet euch für uns her.
- Bleibt ruhig und konsumierbar.
- Lasst euch von aussen erklären.
- Aber nehmt es nicht so ernst.
- Wer sich wehrt, hat keinen Humor.
«Bloss lustig gemeint» widerlegt die Kritik nicht. Es benennt die rhetorische Technik, durch welche die Kritik folgenlos gemacht werden soll.
10. Aufmerksamkeit als Immunisierung
Die nächste erwartbare Antwort lautet:
«Die Kampagne erzeugt Reaktionen. Also hat sie funktioniert.»
Damit wird jedes Ergebnis zum Erfolg:
- Zustimmung ist Erfolg.
- Kritik ist Erfolg.
- Empörung ist Erfolg.
- Spott ist Erfolg.
- Medienresonanz ist Erfolg.
Eine Kampagne, die definitionsgemäss nicht scheitern kann, beweist jedoch nur, dass sie Reaktionen erzeugt.
Aufmerksamkeit ist ein Leistungsindikator der Werbung. Sie ist keine politische, kulturelle oder demokratische Legitimation.
Wir sollten deshalb nicht behaupten, die Kampagne funktioniere nicht.
Sie funktioniert ausgezeichnet.
Die Frage lautet: für wen, zu welchem Zweck und auf wessen Kosten?
11. Gian und Giachen: Der Bock als Gärtner
Wirz setzt auch die Kommunikation mit Gian und Giachen um. Im offiziellen Jahresbericht von 2019 wird Wirz als Agentur von «Enavant 4.0» genannt. Livio Dainese, damals Co-CEO von Wirz, wird dort als einer der Väter der Steinböcke bezeichnet. (Marke graubünden)
Offiziell dienen Gian und Giachen als Werbebotschafter, welche die Themen der «NaturMetropole» ins Rampenlicht setzen. Destinationen können sie über den Enavant-«Kampagnen-Meccano» für eigene Kampagnen nutzen. (Marke graubünden)
Unsere frühere Formel bei dissent.is/digitalshapers passt exakt:
Der Bock wird zum Gärtner gemacht.
Der Steinbock steht zunächst für:
- Wildheit
- Eigenständigkeit
- alpine Unverfügbarkeit
- Widerstandsfähigkeit
Als Markenfigur wird er zum Sprecher des Apparats, der Graubünden ordnet, vermarktet und verfügbar macht.
Das Symbol der Eigenständigkeit wirbt für die Organisation der Abhängigkeit.
Der Bock spricht bündnerisch, damit die zentral entwickelte Fremdbeschreibung wie regionale Selbstbeschreibung klingt.
12. Die KI wird ebenfalls zum Gärtner gemacht
Der gegenwärtige KI-Diskurs behandelt unter anderem:
- Macht- und Marktkonzentration
- Auswirkungen auf Arbeit und Berufe
- Urheberrecht und Trainingsdaten
- Manipulation und Desinformation
- Energie- und Infrastrukturverbrauch
- Transparenz und Kennzeichnung
Diese Konfliktfelder werden von EU, ILO, OECD und IEA ausdrücklich behandelt. (Digital Strategy EU)
In der Kampagne erscheint KI dagegen als:
- spannendes Werkzeug
- Unterstützung kreativer Ideen
- harmlose Bildmontage
- technische Veredlung des Echten
- effizientere Fortsetzung dessen, was früher mit Photoshop möglich war
Der politische KI-Konflikt wird auf eine Produktionsfrage reduziert:
Früher wäre es aufwendiger gewesen. Heute geht es schneller und realistischer.
Damit verschwinden Macht, Eigentum, Arbeit, Infrastruktur und Kontrolle hinter einem netten Augenzwinkern.
Das ist Sauglattismus in Reinform: Die umstrittenste Technologie der Gegenwart wird zur freundlichen Bastelhilfe für authentisches Tourismusmarketing.
13. Transparenz ohne Machtanalyse
Die Kampagne betont, dass die KI-Bearbeitung transparent gekennzeichnet werde.
Das ist technische Transparenz:
«Dieses Bild wurde mit KI verändert.»
Nicht transparent werden dadurch:
- Wer den Auftrag definiert hat
- wer an der Konzeption beteiligt war
- wie hoch das Budget war
- wie viel öffentliches Geld eingesetzt wurde
- wer über das Bild der Region entscheiden konnte
- welche lokalen Stimmen nicht beteiligt waren
- wem Bild‑, Daten- und Verwertungsrechte gehören
- wie der Erfolg politisch bewertet wird
Die Kennzeichnung der KI kann deshalb sogar als Ersatzhandlung dienen: Man zeigt Transparenz beim Werkzeug und vermeidet Transparenz bei der Macht.
14. «Kultur ist der neue Schnee»
Die Formel stammt nicht bloss aus unserer Zuspitzung. Graubünden Cultura und der InnoCircle haben ausdrücklich gefragt: «Ist Kultur der neue Schnee?» Kultur wird dort als Möglichkeit behandelt, Saisonalität aufzubrechen, neue Zielgruppen anzusprechen und touristische Erlebnisräume zu schaffen. Kaspar Howald formulierte: Kultur sei vielleicht nicht der neue Schnee, aber ein bunterer. (Graubünden Ferien)
Das bedeutet nicht einfach:
Kultur wird endlich ernst genommen.
Die funktionale Verschiebung lautet:
- Schnee erzeugte Reiseanlässe.
- Schnee füllte Betten.
- Schnee strukturierte Saison und Infrastruktur.
- Schnee wird klimatisch unsicher.
- Kultur soll zusätzliche Reiseanlässe erzeugen.
- Kultur soll Betten füllen und die Saison verlängern.
- Kultur wird zum neuen touristischen Rohstoff.
Sprache, Geschichte, Architektur, Religion, Bräuche und soziale Konflikte werden damit nicht primär als eigenständige Formen behandelt, sondern als Ressourcen der touristischen Differenzierung.
Kultur darf komplex sein – aber sie muss anschlussfähig werden.
Kultur darf widersprechen – aber sie muss paketierbar bleiben.
Kultur darf lebendig sein – aber sie muss Entspannung verkaufen.
15. «Ohne Tourismus keine Berge»
Unser Satz behauptet selbstverständlich nicht, dass ohne Tourismus die Geologie verschwindet.
Er beschreibt ein Beobachtungs- und Regierungsregime:
Was nicht touristisch erschlossen, erzählt, vermarktet, gemessen und finanziert wird, verliert politische Sichtbarkeit und institutionelle Berechtigung.
Der Berg wird als Berg anerkannt, wenn er Destination, Erlebnisraum, Angebot oder Standortfaktor ist.
«Kultur ist der neue Schnee» antwortet auf «Ohne Tourismus keine Berge»:
Wenn der Schnee verschwindet, muss nun die Kultur beweisen, dass die Berge weiterhin touristisch existieren dürfen.
16. Zentrum und Peripherie
Die Aggression liegt nicht darin, dass Zürcher keine Werbung für Graubünden machen dürften.
Sie liegt in der strukturellen Rollenverteilung:
- Die Peripherie liefert Landschaft, Sprache, Kultur und Menschen.
- Das Zentrum liefert Strategie, Gestaltung und professionelle Deutung.
- Die öffentliche Hand finanziert den Apparat.
- Die lokalen Organisationen verbreiten das Ergebnis als eigene Stimme.
- Die Bevölkerung soll darin ihre Authentizität wiedererkennen.
Die latente Botschaft lautet:
Richtet euch her.
Seid ursprünglich, aber zeitgemäss.
Seid eigenständig, aber markenkonform.
Sprecht rätoromanisch, aber stört die Gäste nicht.
Pflegt eure Kultur, aber macht daraus ein Angebot.
Und seid dankbar, dass eure Verwertbarkeit als Zukunftsperspektive anerkannt wird.
Nicht Zürich subventioniert unsere Bergdörfer.
Graubünden bezahlt eine Zürcher Agentur dafür, den Bergdörfern ihre organisierte Abhängigkeit als bündnerische Selbstironie zurückzuverkaufen.
Superlustig.
17. Die lokalen Tourismusorganisationen
Bei den Tourismusorganisationen ist der problematische Punkt nicht bloss, dass sie bei einer geschmacklosen Kampagne mitmachen.
Sie übernehmen die zentral produzierte Sprache:
«Wir freuen uns, Teil der Kampagne zu sein.»
Dadurch wird Fremdbeschreibung als Zustimmung der Region inszeniert.
Das ist kommunikativ entscheidend:
- Die Agentur spricht nicht direkt über die Dörfer.
- Die Tourismusorganisationen sprechen scheinbar selbst.
- Der zentral entwickelte Text erscheint als lokale Stimme.
- Die Beteiligung an der Allianz wird als Einverständnis der Region dargestellt.
Die Destination wird zum Distributionskanal ihrer eigenen Fremdbeschreibung.
18. Wie wir reagieren sollten
Wir sollten nicht:
- über Geschmack streiten
- Humorlosigkeit demonstrieren
- behaupten, die Kampagne habe nicht funktioniert
- nur die KI-Bilder kritisieren
- uns auf persönliche Kränkung reduzieren lassen
- eine reine Kostenfrage daraus machen
- den Beteiligten böse Absichten unterstellen
Wir sollten:
- den Humor ausdrücklich anerkennen
- die Kampagne als Selbstdarstellung des Systems lesen
- ihre eigenen Begriffe verwenden
- die Hyperaffirmation weiterführen
- Aufmerksamkeit von Legitimation unterscheiden
- die Rollenverteilung zwischen Region, Apparat und Agentur zeigen
- Kultur als neuen touristischen Rohstoff benennen
- die lokale Übernahme der zentralen Sprache problematisieren
Der entscheidende Beobachtungsort lautet:
Wir kritisieren die Kampagne nicht von aussen. Wir nehmen sie ernster, als ihre Produzenten sie genommen wissen wollen.
19. Zwei unterschiedliche Adressierungen
Bei Wirz:
Chapeau. Die Kampagne führt das touristische Ruheversprechen konsequent bis zur Stillstellung von Tieren, Glocken und Menschen. Und bevor die sichtbare Aggression politisch werden könnte, wird sie mit «aber auch ziemlich übertrieben» als Werbewitz zurückgenommen. Hyperaffirmation mit Airbag: Dada als risikofreie Aufmerksamkeitstechnologie.
Bei den Tourismusorganisationen:
Ihr zeigt nicht bloss lustige KI-Bilder. Ihr übernehmt eine zentral entwickelte Sprache, in der unsere Dörfer Landschaft, Sprache, Kultur und Menschen liefern und die touristische Kommunikation daraus konsumierbare Ruhe macht. Früher war Schnee der Rohstoff. Nun soll Kultur der neue Schnee werden. Das ist ausgesprochen aufschlussreich. Und ja: auch ziemlich lustig.
Quellen und ausgeschriebene Links
- Markenstrategie der Marke graubünden
https://www.marke.graubuenden.ch/de/regionenmarke/markenstrategie - Eigentum und Leistungsauftrag der Marke graubünden
https://www.gr.ch/DE/institutionen/verwaltung/dvs/awt/Tourismus/Seiten/Marke_graubuenden.aspx - Kantonale Unterstützung von Graubünden Ferien
https://www.gr.ch/DE/institutionen/verwaltung/dvs/awt/Tourismus/Seiten/Graubuenden_Ferien.aspx - Leistungsauftrag Graubünden Ferien 2023–2026
https://www.gr.ch/DE/institutionen/verwaltung/dvs/awt/Tourismus/Documents/DVS_GRF_Leistungsauftrag_2023_2026_29112022.pdf - Enavant-Factsheet: Kampagnen-Meccano, Budgetaufstockung, Agentur und Gian und Giachen
https://www.marke.graubuenden.ch/sites/marke_graubuenden/files/2025–01/250122_enavant_factsheet.pdf - Kreativ- und Themenallianzen von Graubünden Ferien
https://www.graubuenden.ch/de/shared-services/destinationen/kreativ-kampagne - Jahresbericht 2019: Wirz, Enavant 4.0 und Livio Dainese
https://www.marke.graubuenden.ch/sites/marke_graubuenden/files/2021–02/Geschaeftsstelle_Marke_graubuenden_Jahresbericht_2019.pdf - Jahresbericht 2023: Gian und Giachen als Werbebotschafter der NaturMetropole
https://www.marke.graubuenden.ch/sites/marke_graubuenden/files/2024–03/240319_Jahresbericht_Marke_2023_public_DS.pdf - Kampagnensujet «Übertrieben leise»
https://www.instagram.com/reel/DZhbHJOCgCL/ - Beispiel Kirchenglocken-Sujet
https://www.facebook.com/graubuenden/videos/1018882460714914/ - «Ist Kultur der neue Schnee?»
https://www.graubuenden.ch/sites/graubuenden/files/2025–05/innocircle-mai-2025-kultur.pdf - Bericht von graubünden Cultura zum InnoCircle
https://www.cultura.graubuenden.ch/de/news/gast-innocircle - Kultur als neuer Tourismusmotor
https://www.cultura.graubuenden.ch/de/news/kultur-neuer-tourismusmotor - Bazon Brock: Hyperaffirmation und «Widerstand durch Ja-Sagen»
https://bazonbrock.de/getmedia.php/_media/brock/202103/8266v0-orig.pdf - Cabaret Voltaire: Geburtsort von Dada
https://www.cabaretvoltaire.ch/blog/geburtsort-von-dada-in-zuerich - Dadalogische Dimensionen
https://www.cabaretvoltaire.ch/assets/downloads/cabaret-voltaire-themenpfad-die-dadalogischen-dimensionen.pdf - EU AI Act
https://digital-strategy.ec.europa.eu/en/policies/regulatory-framework-ai - ILO: Generative AI and Jobs 2025
https://www.ilo.org/publications/generative-ai-and-jobs-2025-update - OECD: Artificial Intelligence, Data and Competition
https://www.oecd.org/content/dam/oecd/en/publications/reports/2024/05/artificial-intelligence-data-and-competition_9d0ac766/e7e88884-en.pdf - IEA: Energy and AI
https://www.iea.org/reports/energy-and-ai/energy-demand-from-ai
Die institutionellen Verbindungen, Leistungsaufträge, Finanzierungsmodelle und Kampagnenrollen sind belegt. Die Begriffe «neoliberaler think & do tank», «Sauglattismus», «Hyperaffirmation mit Airbag», «Bock als Gärtner» und die dargestellte Zentrum-Peripherie-Aggression sind unsere analytische Interpretation dieses Materials.
Quellen:
- https://www.graubuenden.ch/de/shared-services/destinationen/kreativ-kampagne
- https://www.gr.ch/DE/institutionen/verwaltung/dvs/awt/Tourismus/Seiten/Graubuenden_Ferien.aspx
- https://www.gr.ch/DE/institutionen/verwaltung/dvs/awt/Tourismus/Seiten/Marke_graubuenden.aspx
