graubuenden.ch/bergdorf

ICH VERMISSE BRUDER MAGNUS

Was für ein Desaster: #Klosterbrand1799 (so?)

WIRZ erk­lärt @graubünden | heute: 110 Jahre #HugoB­all, i miss har­ald sze­mann

WOZU MUSEEN? | Zur Über­pro­duk­tion von pro­fes­sionellen Kreak­tiv­en set­zt #LuR von @RTRSRG in: Staffel1, Episode 3 (Min 23:10) die ätzen­ste Kri­tik (so?) | Die Bergge­bi­ete als Ressourcen: Wie Kolo­nial­is­mus, bloss viel ver­trauter. (so?)

Der Schnee hielt prekäre #Bull­shitJobs (#David­Grae­ber) auf den Bergen. «Kul­tur ist das neue Schnee» @Graubünden Cul­tura erset­zt das prekäre Berg­pro­le­tari­at durch ein akademisiertes Kreativprekari­at aus dem Unter­land.

Wed­er Staat noch Markt
- #Lav­inaN­era dus

Auch nicht Staat UND Markt
- #Lav­inaN­era treis

#Neolib­er­al­is­mus sucks, seit 1977 (so?)

We-feed-the-world | M/ein Blog ist m/ein Karten­raum und k/eine Bühne. Ich weiss wie man pub­liziert. Das hier ist etwas anderes. d!a!n!k!e | WORK IN PROGRESS reload für aktuellen schreib­stand | warum ich nicht pub­liziere? weil ich es kann. weil es geht. weil ich es für angemessen halte.

  • wenn es mir ums SENDEN gehen würde, machte ich alles falsch.
  • wenn es mir ums EMPFANGEN WERDEN gehen würde, machte ich alles anders.
  • wenn es mir ums FINDEN gehen würde, würde ich suchen.
  • wenn es mir ums GEWINNEN gehen würde, hielte ich mich an exper­tisen.

Wer’s nicht lustig findet, ist halt kein lustiger. (so?)

https://www.instagram.com/p/DaBldyQogFj

Ich habe den Witz ver­standen. Ger­ade deshalb ist die Kam­pagne so auf­schlussre­ich:

Unsere Dör­fer liefern Land­schaft, Sprache, Kul­tur und Men­schen. Der Touris­mus macht daraus kon­sum­ier­bare Ruhe.

Früher war Schnee der Rohstoff. Jet­zt ist Kul­tur der neue Schnee. graubün­den Cul­tura

Das Bergdorf darf authen­tisch sein, rätoro­man­isch reden und Kul­tur haben – aber nur, solange Entspan­nung gekauft wer­den kann.

- Ohne Touris­mus keine Berge.
- Ohne Kon­sum­ier­barkeit keine Berech­ti­gung.

Und wer das aggres­siv find­et, hat ange­blich keinen Humor. Voll #Dada. Super­lustig. Supergeil. (so?)

Arbeitsstand: «Übertrieben leise»

1. Der konkrete Vorgang

Die Kam­pagne «Über­trieben leise» gehört zur The­me­nal­lianz «Mein Bergdorf». Beteiligt sind Graubün­den Ferien, mehrere Des­ti­na­tio­nen und Wirz Group. Die Touris­mu­sor­gan­i­sa­tio­nen ver­bre­it­en die Kam­pagne als lokale Selb­st­darstel­lung: «Wir freuen uns, Teil der Kam­pagne zu sein.»

Das insti­tu­tionelle Mod­ell dahin­ter ist offiziell doku­men­tiert:

  1. Der Kan­ton besitzt die Marken­rechte der Marke graubün­den.
  2. Graubün­den Ferien arbeit­et mit einem kan­tonalen Leis­tungsauf­trag.
  3. Der Kan­ton unter­stützt Graubün­den Ferien jährlich mit 7,5 Mil­lio­nen Franken.
  4. Des­ti­na­tio­nen beteili­gen sich an Part­ner- und The­me­nal­lianzen.
  5. «Ena­vant» erhöht Part­ner­bud­gets um einen Drit­tel.
  6. Konzep­tion und Umset­zung erfol­gen mit ein­er «führen­den Schweiz­er Kreati­vagen­tur». Gegen­wär­tig ist dies Wirz. (Gr.ch)

Die 7,5 Mil­lio­nen Franken sind nicht das Bud­get dieser einzel­nen Kam­pagne. Der konkrete Betrag für «Über­trieben leise» ist bish­er nicht öffentlich belegt.

2. Das Betriebsmodell von @graubünden

Unsere Beze­ich­nung «neolib­eraler think & do tank @graubünden» beschreibt keine einzelne Organ­i­sa­tion, son­dern ein PPP-artiges Geflecht aus:

  1. Kan­ton und Amt für Wirtschaft und Touris­mus
  2. Marke graubün­den
  3. Graubün­den Ferien
  4. Des­ti­na­tion­sor­gan­i­sa­tio­nen
  5. Forschung und Hochschulen
  6. Kul­tur­or­gan­i­sa­tio­nen
  7. pri­vat­en Unternehmen
  8. Agen­turen und Medi­en

Offiziell heisst dies Leis­tungsauf­trag, Allianz, Part­ner­net­zw­erk, Shared Ser­vices, Stan­dort­förderung oder Kom­mu­nika­tion­sof­fen­sive. Poli­tisch betra­chtet wer­den damit öffentliche Auf­gaben, pri­vate Inter­essen und pro­fes­sionelle Kom­mu­nika­tion­s­macht miteinan­der ver­schal­tet.

Der Staat zieht sich nicht ein­fach zurück. Er organ­isiert, finanziert und legit­imiert einen Markt, in dem pri­vate und hal­böf­fentliche Akteure den Kan­ton als Pro­dukt bear­beit­en.

3. Die offizielle Sprache ist bereits das Programm

Die Marken­strate­gie beschreibt Graubün­den als Verbindung von Natur, Kul­tur und Fortschritt. Gegen­sätze sollen zu Gemein­samkeit­en wer­den, der «Ursprung» soll zum «Vor­sprung» kul­tiviert wer­den. Das Resul­tat heisst «NaturMetro­pole». (Marke graubün­den)

Das ist die Gram­matik des post­mod­er­nen Sauglat­tismus:

  1. Wider­sprüche wer­den zu span­nen­den Gegen­sätzen.
  2. Kon­flik­te wer­den zu Vielfalt.
  3. Macht wird zu Part­ner­schaft.
  4. Ver­w­er­tung wird zu Vered­lung.
  5. Zen­tral­isierung wird zu Ver­net­zung.
  6. Wer­bung wird zu gemein­samer Erzäh­lung.
  7. Abhängigkeit wird zu Stan­dortchance.

Nichts muss mehr bestrit­ten wer­den. Alles wird aufgenom­men, kom­biniert, pos­i­tiv gewen­det und in die Marke inte­gri­ert.

4. «Echtes als Fundament, KI als Veredlung»

Diese For­mulierung ist der ide­ol­o­gis­che Schlüs­sel der Kam­pagne.

«Das Echte» liefert Graubün­den:

  1. Land­schaft
  2. Dör­fer
  3. Tiere
  4. Sprache
  5. Geschichte
  6. Kul­tur
  7. Men­schen

Die «Vered­lung» liefern:

  1. Agen­tur
  2. Marken­führung
  3. KI
  4. Kam­pag­nen­logik
  5. touris­tis­che Pro­duk­ten­twick­lung
  6. medi­ale Aufmerk­samkeit

«Echt» bedeutet damit nicht eigen­ständig oder unver­füg­bar. Es bedeutet: als Rohstoff bere­its vorhan­den.

«Vered­lung» behauptet, dass Wert erst durch pro­fes­sionelle Bear­beitung entste­ht. Das Dorf ist Fun­da­ment, aber nicht Autor. Es liefert Mate­r­i­al für eine Deu­tung, die ander­swo konzip­iert und anschliessend von den lokalen Organ­i­sa­tio­nen als eigene Stimme ver­bre­it­et wird.

Das ist nicht bloss Kom­mu­nika­tion über die Region. Es ist eine Ord­nung der Sprecher­po­si­tio­nen.

5. Authentizität als kontrollierte Lebendigkeit

Die Touris­mu­sor­gan­i­sa­tio­nen schreiben, lebendi­ge Dör­fer und echte Begeg­nun­gen kön­nten nicht kün­stlich erzeugt wer­den.

Die Bilder sagen gle­ichzeit­ig:

  1. Das Pferd bekommt Pantof­feln.
  2. Der Specht bekommt einen Korken.
  3. Die Kirchen­glocke bekommt Kissen.
  4. Men­schen wer­den zum Schweigen gebracht.

Das Bergdorf darf sich authen­tisch präsen­tieren. Am Stammtisch darf gerne rätoro­man­isch gesprochen wer­den. Aber immer so, dass touris­tis­che Entspan­nung möglich bleibt.

Die Ein­heimis­chen dür­fen Kul­tur darstellen. Sie sollen aber nicht als unberechen­bare, stre­i­t­ende und poli­tisch sprechende Sub­jek­te auftreten.

«Echte Begeg­nung» bedeutet in dieser Ord­nung nicht offene Kom­mu­nika­tion. Sie bedeutet störungs­freien Kon­sum von Authen­tiz­ität.

6. Hyperaffirmation

Bei Bazon Brock bedeutet Hyper­af­fir­ma­tion nicht ein­fach Ironie und auch nicht: «Ich sage Ja, meine aber Nein.»

Die Meth­ode lautet «Wider­stand durch Ja-Sagen»: Eine Behaup­tung wird so voll­ständig, ern­sthaft und kon­se­quent bejaht, dass ihre prob­lema­tis­chen Kon­se­quen­zen sicht­bar wer­den. Das Kri­tisierte wird nicht von aussen bestrit­ten, son­dern durch Steigerung zum spür­baren Prob­lem gemacht. (Bazon Brock)

Die Kam­pagne vol­lzieht genau diese Bewe­gung:

Das Bergdorf ist ruhig.

Ja.

Machen wir es noch ruhiger.

Noch ruhiger.

So ruhig, dass Tiere, Glock­en und Men­schen ver­s­tum­men.

Damit wird das touris­tis­che Ruhev­er­sprechen bis zu sein­er sozialen Wahrheit gesteigert: Das vol­len­dete touris­tis­che Bergdorf wäre eine laut­lose Kulisse.

7. Hyperaffirmation mit Airbag

Wirz lässt die hyper­af­fir­ma­tive Oper­a­tion jedoch nicht offen ste­hen.

Unmit­tel­bar fol­gt:

«Aber auch ziem­lich über­trieben.»

Dieser Nach­satz nimmt die Bilder nicht zurück. Er baut lediglich einen Notaus­gang ein.

Die Kam­pagne kann jed­erzeit sagen:

  1. Wir wis­sen selb­st, dass es über­trieben ist.
  2. Es war bloss lustig gemeint.
  3. Nie­mand klebt tat­säch­lich Men­schen den Mund zu.
  4. Die Absur­dität ist doch ger­ade die Pointe.

Damit wird die sicht­bar gewor­dene Aggres­sion sofort wieder in harm­lose Markenkom­mu­nika­tion zurück­ge­fal­tet.

Das ist Hyper­af­fir­ma­tion mit Airbag:

Die Behaup­tung wird gegen die Wand gefahren, aber der Auf­prall wird als sym­pa­this­ch­er Wer­be­gag ver­w­ertet.

8. Dada und seine kommerzielle Umkehrung

Dada ent­stand 1916 in Zürich als sub­ver­sive Reak­tion auf Krieg, bürg­er­liche Ver­nun­ft, etablierte Sprache und kul­turelle Ord­nung. Das Cabaret Voltaire beze­ich­net Pro­voka­tion, Sprechak­te und poli­tis­che Pro­pa­gan­da aus­drück­lich als dadal­o­gis­che Dimen­sio­nen. (cabaretvoltaire.ch)

Unsere Verbindung zu Dada ist eine Inter­pre­ta­tion. Es gibt bish­er keinen Beleg, dass Wirz diese Kam­pagne aus­drück­lich als Dada-Ref­erenz konzip­iert hat.

Die entschei­dende Umkehrung lautet:

Dada set­zte Übertrei­bung ein, um die Ord­nung zu stören.

Die Wer­bung set­zt Übertrei­bung ein, um die Ord­nung aufmerk­samkeitsstärk­er zu verkaufen.

Die Sub­ver­sion wird nicht unter­drückt. Sie wird als Stilmit­tel eingestellt.

9. Humor als Schutzschild

Wir dür­fen den Humor deshalb nicht bestre­it­en.

Nicht:

«Das ist nicht lustig.»

Son­dern:

«Ja. Das ist aus­ge­sprochen lustig. Nur liegt die Pointe möglicher­weise an ein­er anderen Stelle.»

Der Witz ist nicht das Gegen­teil der Aggres­sion. Er ist ihre zeit­gemässe Form.

Er erlaubt, gle­ichzeit­ig zu sagen:

  1. Richtet euch für uns her.
  2. Bleibt ruhig und kon­sum­ier­bar.
  3. Lasst euch von aussen erk­lären.
  4. Aber nehmt es nicht so ernst.
  5. Wer sich wehrt, hat keinen Humor.

«Bloss lustig gemeint» wider­legt die Kri­tik nicht. Es benen­nt die rhetorische Tech­nik, durch welche die Kri­tik fol­gen­los gemacht wer­den soll.

10. Aufmerksamkeit als Immunisierung

Die näch­ste erwart­bare Antwort lautet:

«Die Kam­pagne erzeugt Reak­tio­nen. Also hat sie funk­tion­iert.»

Damit wird jedes Ergeb­nis zum Erfolg:

  1. Zus­tim­mung ist Erfolg.
  2. Kri­tik ist Erfolg.
  3. Empörung ist Erfolg.
  4. Spott ist Erfolg.
  5. Medi­en­res­o­nanz ist Erfolg.

Eine Kam­pagne, die def­i­n­i­tion­s­gemäss nicht scheit­ern kann, beweist jedoch nur, dass sie Reak­tio­nen erzeugt.

Aufmerk­samkeit ist ein Leis­tungsindika­tor der Wer­bung. Sie ist keine poli­tis­che, kul­turelle oder demokratis­che Legit­i­ma­tion.

Wir soll­ten deshalb nicht behaupten, die Kam­pagne funk­tion­iere nicht.

Sie funk­tion­iert aus­geze­ich­net.

Die Frage lautet: für wen, zu welchem Zweck und auf wessen Kosten?

11. Gian und Giachen: Der Bock als Gärtner

Wirz set­zt auch die Kom­mu­nika­tion mit Gian und Giachen um. Im offiziellen Jahres­bericht von 2019 wird Wirz als Agen­tur von «Ena­vant 4.0» genan­nt. Liv­io Dainese, damals Co-CEO von Wirz, wird dort als ein­er der Väter der Stein­böcke beze­ich­net. (Marke graubün­den)

Offiziell dienen Gian und Giachen als Wer­be­botschafter, welche die The­men der «NaturMetro­pole» ins Ram­p­en­licht set­zen. Des­ti­na­tio­nen kön­nen sie über den Enavant-«Kampagnen-Meccano» für eigene Kam­pag­nen nutzen. (Marke graubün­den)

Unsere frühere Formel bei dissent.is/digitalshapers passt exakt:

Der Bock wird zum Gärt­ner gemacht.

Der Stein­bock ste­ht zunächst für:

  1. Wild­heit
  2. Eigen­ständigkeit
  3. alpine Unver­füg­barkeit
  4. Wider­stands­fähigkeit

Als Marken­fig­ur wird er zum Sprech­er des Appa­rats, der Graubün­den ord­net, ver­mark­tet und ver­füg­bar macht.

Das Sym­bol der Eigen­ständigkeit wirbt für die Organ­i­sa­tion der Abhängigkeit.

Der Bock spricht bünd­ner­isch, damit die zen­tral entwick­elte Fremdbeschrei­bung wie regionale Selb­st­beschrei­bung klingt.

12. Die KI wird ebenfalls zum Gärtner gemacht

Der gegen­wär­tige KI-Diskurs behan­delt unter anderem:

  1. Macht- und Mark­tkonzen­tra­tion
  2. Auswirkun­gen auf Arbeit und Berufe
  3. Urhe­ber­recht und Train­ings­dat­en
  4. Manip­u­la­tion und Desin­for­ma­tion
  5. Energie- und Infra­struk­turver­brauch
  6. Trans­parenz und Kennze­ich­nung

Diese Kon­flik­t­felder wer­den von EU, ILO, OECD und IEA aus­drück­lich behan­delt. (Dig­i­tal Strat­e­gy EU)

In der Kam­pagne erscheint KI dage­gen als:

  1. span­nen­des Werkzeug
  2. Unter­stützung kreativ­er Ideen
  3. harm­lose Bild­mon­tage
  4. tech­nis­che Vered­lung des Echt­en
  5. effizien­tere Fort­set­zung dessen, was früher mit Pho­to­shop möglich war

Der poli­tis­che KI-Kon­flikt wird auf eine Pro­duk­tions­frage reduziert:

Früher wäre es aufwendi­ger gewe­sen. Heute geht es schneller und real­is­tis­ch­er.

Damit ver­schwinden Macht, Eigen­tum, Arbeit, Infra­struk­tur und Kon­trolle hin­ter einem net­ten Augen­zwinkern.

Das ist Sauglat­tismus in Rein­form: Die umstrit­ten­ste Tech­nolo­gie der Gegen­wart wird zur fre­undlichen Bastel­hil­fe für authen­tis­ches Touris­mus­mar­ket­ing.

13. Transparenz ohne Machtanalyse

Die Kam­pagne betont, dass die KI-Bear­beitung trans­par­ent gekennze­ich­net werde.

Das ist tech­nis­che Trans­parenz:

«Dieses Bild wurde mit KI verän­dert.»

Nicht trans­par­ent wer­den dadurch:

  1. Wer den Auf­trag definiert hat
  2. wer an der Konzep­tion beteiligt war
  3. wie hoch das Bud­get war
  4. wie viel öffentlich­es Geld einge­set­zt wurde
  5. wer über das Bild der Region entschei­den kon­nte
  6. welche lokalen Stim­men nicht beteiligt waren
  7. wem Bild‑, Dat­en- und Ver­w­er­tungsrechte gehören
  8. wie der Erfolg poli­tisch bew­ertet wird

Die Kennze­ich­nung der KI kann deshalb sog­ar als Ersatzhand­lung dienen: Man zeigt Trans­parenz beim Werkzeug und ver­mei­det Trans­parenz bei der Macht.

14. «Kultur ist der neue Schnee»

Die Formel stammt nicht bloss aus unser­er Zus­pitzung. Graubün­den Cul­tura und der Inno­Cir­cle haben aus­drück­lich gefragt: «Ist Kul­tur der neue Schnee?» Kul­tur wird dort als Möglichkeit behan­delt, Saison­al­ität aufzubrechen, neue Ziel­grup­pen anzus­prechen und touris­tis­che Erleb­nis­räume zu schaf­fen. Kas­par Howald for­mulierte: Kul­tur sei vielle­icht nicht der neue Schnee, aber ein bun­ter­er. (Graubün­den Ferien)

Das bedeutet nicht ein­fach:

Kul­tur wird endlich ernst genom­men.

Die funk­tionale Ver­schiebung lautet:

  1. Schnee erzeugte Reisean­lässe.
  2. Schnee füllte Bet­ten.
  3. Schnee struk­turi­erte Sai­son und Infra­struk­tur.
  4. Schnee wird kli­ma­tisch unsich­er.
  5. Kul­tur soll zusät­zliche Reisean­lässe erzeu­gen.
  6. Kul­tur soll Bet­ten füllen und die Sai­son ver­längern.
  7. Kul­tur wird zum neuen touris­tis­chen Rohstoff.

Sprache, Geschichte, Architek­tur, Reli­gion, Bräuche und soziale Kon­flik­te wer­den damit nicht primär als eigen­ständi­ge For­men behan­delt, son­dern als Ressourcen der touris­tis­chen Dif­feren­zierung.

Kul­tur darf kom­plex sein – aber sie muss anschlussfähig wer­den.

Kul­tur darf wider­sprechen – aber sie muss paketier­bar bleiben.

Kul­tur darf lebendig sein – aber sie muss Entspan­nung verkaufen.

15. «Ohne Tourismus keine Berge»

Unser Satz behauptet selb­stver­ständlich nicht, dass ohne Touris­mus die Geolo­gie ver­schwindet.

Er beschreibt ein Beobach­tungs- und Regierungsregime:

Was nicht touris­tisch erschlossen, erzählt, ver­mark­tet, gemessen und finanziert wird, ver­liert poli­tis­che Sicht­barkeit und insti­tu­tionelle Berech­ti­gung.

Der Berg wird als Berg anerkan­nt, wenn er Des­ti­na­tion, Erleb­nis­raum, Ange­bot oder Stan­dort­fak­tor ist.

«Kul­tur ist der neue Schnee» antwortet auf «Ohne Touris­mus keine Berge»:

Wenn der Schnee ver­schwindet, muss nun die Kul­tur beweisen, dass die Berge weit­er­hin touris­tisch existieren dür­fen.

16. Zentrum und Peripherie

Die Aggres­sion liegt nicht darin, dass Zürcher keine Wer­bung für Graubün­den machen dürften.

Sie liegt in der struk­turellen Rol­len­verteilung:

  1. Die Periph­erie liefert Land­schaft, Sprache, Kul­tur und Men­schen.
  2. Das Zen­trum liefert Strate­gie, Gestal­tung und pro­fes­sionelle Deu­tung.
  3. Die öffentliche Hand finanziert den Appa­rat.
  4. Die lokalen Organ­i­sa­tio­nen ver­bre­it­en das Ergeb­nis als eigene Stimme.
  5. Die Bevölkerung soll darin ihre Authen­tiz­ität wieder­erken­nen.

Die latente Botschaft lautet:

Richtet euch her.

Seid ursprünglich, aber zeit­gemäss.

Seid eigen­ständig, aber markenkon­form.

Sprecht rätoro­man­isch, aber stört die Gäste nicht.

Pflegt eure Kul­tur, aber macht daraus ein Ange­bot.

Und seid dankbar, dass eure Ver­w­ert­barkeit als Zukun­ftsper­spek­tive anerkan­nt wird.

Nicht Zürich sub­ven­tion­iert unsere Bergdör­fer.

Graubün­den bezahlt eine Zürcher Agen­tur dafür, den Bergdör­fern ihre organ­isierte Abhängigkeit als bünd­ner­ische Selb­stironie zurück­zu­verkaufen.

Super­lustig.

17. Die lokalen Tourismusorganisationen

Bei den Touris­mu­sor­gan­i­sa­tio­nen ist der prob­lema­tis­che Punkt nicht bloss, dass sie bei ein­er geschmack­losen Kam­pagne mit­machen.

Sie übernehmen die zen­tral pro­duzierte Sprache:

«Wir freuen uns, Teil der Kam­pagne zu sein.»

Dadurch wird Fremdbeschrei­bung als Zus­tim­mung der Region insze­niert.

Das ist kom­mu­nika­tiv entschei­dend:

  1. Die Agen­tur spricht nicht direkt über die Dör­fer.
  2. Die Touris­mu­sor­gan­i­sa­tio­nen sprechen schein­bar selb­st.
  3. Der zen­tral entwick­elte Text erscheint als lokale Stimme.
  4. Die Beteili­gung an der Allianz wird als Ein­ver­ständ­nis der Region dargestellt.

Die Des­ti­na­tion wird zum Dis­tri­b­u­tion­skanal ihrer eige­nen Fremdbeschrei­bung.

18. Wie wir reagieren sollten

Wir soll­ten nicht:

  1. über Geschmack stre­it­en
  2. Humor­losigkeit demon­stri­eren
  3. behaupten, die Kam­pagne habe nicht funk­tion­iert
  4. nur die KI-Bilder kri­tisieren
  5. uns auf per­sön­liche Kränkung reduzieren lassen
  6. eine reine Kosten­frage daraus machen
  7. den Beteiligten böse Absicht­en unter­stellen

Wir soll­ten:

  1. den Humor aus­drück­lich anerken­nen
  2. die Kam­pagne als Selb­st­darstel­lung des Sys­tems lesen
  3. ihre eige­nen Begriffe ver­wen­den
  4. die Hyper­af­fir­ma­tion weit­er­führen
  5. Aufmerk­samkeit von Legit­i­ma­tion unter­schei­den
  6. die Rol­len­verteilung zwis­chen Region, Appa­rat und Agen­tur zeigen
  7. Kul­tur als neuen touris­tis­chen Rohstoff benen­nen
  8. die lokale Über­nahme der zen­tralen Sprache prob­lema­tisieren

Der entschei­dende Beobach­tung­sort lautet:

Wir kri­tisieren die Kam­pagne nicht von aussen. Wir nehmen sie ern­ster, als ihre Pro­duzen­ten sie genom­men wis­sen wollen.

19. Zwei unterschiedliche Adressierungen

Bei Wirz:

Cha­peau. Die Kam­pagne führt das touris­tis­che Ruhev­er­sprechen kon­se­quent bis zur Still­stel­lung von Tieren, Glock­en und Men­schen. Und bevor die sicht­bare Aggres­sion poli­tisch wer­den kön­nte, wird sie mit «aber auch ziem­lich über­trieben» als Wer­be­witz zurückgenom­men. Hyper­af­fir­ma­tion mit Airbag: Dada als risikofreie Aufmerk­samkeit­stech­nolo­gie.

Bei den Touris­mu­sor­gan­i­sa­tio­nen:

Ihr zeigt nicht bloss lustige KI-Bilder. Ihr übernehmt eine zen­tral entwick­elte Sprache, in der unsere Dör­fer Land­schaft, Sprache, Kul­tur und Men­schen liefern und die touris­tis­che Kom­mu­nika­tion daraus kon­sum­ier­bare Ruhe macht. Früher war Schnee der Rohstoff. Nun soll Kul­tur der neue Schnee wer­den. Das ist aus­ge­sprochen auf­schlussre­ich. Und ja: auch ziem­lich lustig.

Quellen und ausgeschriebene Links

  1. Marken­strate­gie der Marke graubün­den
    https://www.marke.graubuenden.ch/de/regionenmarke/markenstrategie
  2. Eigen­tum und Leis­tungsauf­trag der Marke graubün­den
    https://www.gr.ch/DE/institutionen/verwaltung/dvs/awt/Tourismus/Seiten/Marke_graubuenden.aspx
  3. Kan­tonale Unter­stützung von Graubün­den Ferien
    https://www.gr.ch/DE/institutionen/verwaltung/dvs/awt/Tourismus/Seiten/Graubuenden_Ferien.aspx
  4. Leis­tungsauf­trag Graubün­den Ferien 2023–2026
    https://www.gr.ch/DE/institutionen/verwaltung/dvs/awt/Tourismus/Documents/DVS_GRF_Leistungsauftrag_2023_2026_29112022.pdf
  5. Ena­vant-Fact­sheet: Kam­pag­nen-Mec­ca­no, Bud­getauf­s­tock­ung, Agen­tur und Gian und Giachen
    https://www.marke.graubuenden.ch/sites/marke_graubuenden/files/2025–01/250122_enavant_factsheet.pdf
  6. Kreativ- und The­me­nal­lianzen von Graubün­den Ferien
    https://www.graubuenden.ch/de/shared-services/destinationen/kreativ-kampagne
  7. Jahres­bericht 2019: Wirz, Ena­vant 4.0 und Liv­io Dainese
    https://www.marke.graubuenden.ch/sites/marke_graubuenden/files/2021–02/Geschaeftsstelle_Marke_graubuenden_Jahresbericht_2019.pdf
  8. Jahres­bericht 2023: Gian und Giachen als Wer­be­botschafter der NaturMetro­pole
    https://www.marke.graubuenden.ch/sites/marke_graubuenden/files/2024–03/240319_Jahresbericht_Marke_2023_public_DS.pdf
  9. Kam­pag­nen­su­jet «Über­trieben leise»
    https://www.instagram.com/reel/DZhbHJOCgCL/
  10. Beispiel Kirchen­glock­en-Sujet
    https://www.facebook.com/graubuenden/videos/1018882460714914/
  11. «Ist Kul­tur der neue Schnee?»
    https://www.graubuenden.ch/sites/graubuenden/files/2025–05/innocircle-mai-2025-kultur.pdf
  12. Bericht von graubün­den Cul­tura zum Inno­Cir­cle
    https://www.cultura.graubuenden.ch/de/news/gast-innocircle
  13. Kul­tur als neuer Touris­mus­mo­tor
    https://www.cultura.graubuenden.ch/de/news/kultur-neuer-tourismusmotor
  14. Bazon Brock: Hyper­af­fir­ma­tion und «Wider­stand durch Ja-Sagen»
    https://bazonbrock.de/getmedia.php/_media/brock/202103/8266v0-orig.pdf
  15. Cabaret Voltaire: Geburt­sort von Dada
    https://www.cabaretvoltaire.ch/blog/geburtsort-von-dada-in-zuerich
  16. Dadal­o­gis­che Dimen­sio­nen
    https://www.cabaretvoltaire.ch/assets/downloads/cabaret-voltaire-themenpfad-die-dadalogischen-dimensionen.pdf
  17. EU AI Act
    https://digital-strategy.ec.europa.eu/en/policies/regulatory-framework-ai
  18. ILO: Gen­er­a­tive AI and Jobs 2025
    https://www.ilo.org/publications/generative-ai-and-jobs-2025-update
  19. OECD: Arti­fi­cial Intel­li­gence, Data and Com­pe­ti­tion
    https://www.oecd.org/content/dam/oecd/en/publications/reports/2024/05/artificial-intelligence-data-and-competition_9d0ac766/e7e88884-en.pdf
  20. IEA: Ener­gy and AI
    https://www.iea.org/reports/energy-and-ai/energy-demand-from-ai

Die insti­tu­tionellen Verbindun­gen, Leis­tungsaufträge, Finanzierungsmod­elle und Kam­pag­nen­rollen sind belegt. Die Begriffe «neolib­eraler think & do tank», «Sauglat­tismus», «Hyper­af­fir­ma­tion mit Airbag», «Bock als Gärt­ner» und die dargestellte Zen­trum-Periph­erie-Aggres­sion sind unsere ana­lytis­che Inter­pre­ta­tion dieses Mate­ri­als.

Quellen: