#Kulturerbe? | Regurdar — Commemorar — Renovar

M/ein Blog ist m/ein Karten­raum und k/eine Bühne. Ich weiss wie man pub­liziert. Das hier ist etwas anderes. d!a!n!k!e | WORK IN PROGRESS reload für aktuellen schreib­stand | warum ich nicht pub­liziere? weil ich es kann. weil es geht. weil ich es für angemessen halte.

  • wenn es mir ums SENDEN gehen würde, machte ich alles falsch.
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  • wenn es mir ums FINDEN gehen würde, würde ich suchen.
  • wenn es mir ums GEWINNEN gehen würde, hielte ich mich an exper­tisen.

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progress

Anlass zu diesem Eintrag:

  1. Die Ent­deck­ung im März von #Swis­s­Re­li­giousHer­itage
  2. Der Text von Chris­t­ian Cebulj / Anna-Lena Jahn an der TH Chur: “Kul­turerbe als Kom­mu­nika­tions-Raum: Reli­gion als Bil­dungs­domäne im Touris­mus” (pdf)
  3. Heute Mor­gen: David Schär­er macht eine Image-Kam­pa für das Bis­tum Chur.

Summary/Spoiler/TL;DR

(…)

bitte ver­ste­he diesen ein­trag nicht zu schnell… hier gibts nichts zu sehen und nichts zu lesen ;-)

#TheLuhmannMap
#TheStaubBernasconiMatrix
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1st Draft

4 Begehungen eines Ortes aus der Perspektive der 4 Kulturformen:

(-) rhaetisch

Willkom­men an einem Ort, der lange vor dieser Kapelle wichtig war. Entschei­dend ist nicht zuerst der Bau, son­dern was hier zusam­menkommt: Wass­er, Weg, Höhe, Exponierung, vielle­icht Schutz, vielle­icht Feier. Wer diesen Ort zuerst nutzte, suchte keine The­o­rie, son­dern einen Platz, an dem etwas trägt.

Diese Führung zeigt zuerst den Ort, nicht die Kapelle.
Wass­er, Zuflüsse, Weg, Lage, Energie.
Die Kapelle ist hier eine spätere Set­zung auf einem bere­its aus­geze­ich­neten Platz.
Die Frage lautet: Was wurde hier über­haupt zuerst wahrgenom­men und genutzt?

(+) alpinbarock

Willkom­men an einem Ort, auf den eine ganze Antwort gegeben wurde. Diese Kapelle ste­ht nicht ein­fach hier, sie ord­net: Blick, Bild, Licht, Geste, Wid­mung. Was hier vorher als Stein, Feuer oder Wass­er befragt wurde, wird nun in eine verbindliche Form über­führt.

Diese Führung zeigt die Antwort, die auf den Ort gegeben wurde.
Architek­tur, Bild, Ord­nung, Wid­mung, litur­gis­che Set­zung.
Nicht mehr: Was ist hier?
Son­dern: Wie wurde das, was hier ist, in eine ganze Antwort über­führt?

(≠) spätmoderne

Willkom­men bei einem Bau, der seine Selb­stver­ständlichkeit ver­loren hat. Die Kapelle ist jet­zt Denkmal, Objekt, Ressource, möglich­er Ver­anstal­tung­sort, touris­tis­ch­er Punkt. Die alte Bindung ist weg; geblieben sind Mate­r­i­al, Lage, Kosten und die Frage, was wir heute damit anfan­gen.

Diese Führung zeigt die Freis­tel­lung des Ortes.
Denkmal, Objekt, Unter­halt, Nutzung, Touris­mus, Ressource.
Die Kapelle hat keine selb­stver­ständliche Funk­tion mehr.
Die Frage lautet: Was machen wir heute damit?

(#) commoroque

Willkom­men in ein­er Kon­stel­la­tion, in der nichts gelöscht wird. Der Ort bleibt Ort, die Antwort bleibt Antwort, das Objekt bleibt Objekt. Aber jet­zt stellt sich die oper­a­tive Frage: Wie kann dieser Raum unter heuti­gen Bedin­gun­gen wieder gemein­sam in Gebrauch genom­men, legit­imiert, doku­men­tiert und getra­gen wer­den?

Diese Führung zeigt die Ver­spun­dung der Schicht­en.
Ort, Antwort und Freis­tel­lung bleiben alle sicht­bar.
Neu ist: Der Raum wird ent­lang von Anord­nung, Zugang, Legit­i­ma­tion und Durch­set­zung wieder gemein­sam in Gebrauch genom­men.
Die Frage lautet: Wie wird aus diesem Rest ein tragfähiger Kom­mu­nika­tion­sraum?

(-) ent­deckt den Ort
(+) beant­wortet den Ort
(≠) objek­tiviert den Ort
(#) repro­tokol­liert den Ort

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Nächster Titel

Man ver­langte Antwort vom Stein, man frug das Feuer, und man frug das Wass­er; erst das Chris­ten­tum gab die ganze Antwort.

Chris­t­ian Cam­i­na­da, 1962

(…)

(…)

(…)

UNHEILIGE ALLIANZEN

Unheilig ist die Allianz nicht, weil sie heim­lich wäre,
son­dern weil sie offen zugibt, eine Allianz einzuge­hen, obwohl die Ziele völ­lig ver­schieden sind.

Der Touris­mus will Fre­quenz, Attrak­tiv­ität, Inwert­set­zung, Wertschöp­fung.
Die The­olo­gie will Rel­e­vanz, Deu­tung, Rück­bindung, religiöse Anschlussfähigkeit.

Bei­de greifen auf densel­ben Raum zu.
Bei­de sagen offen, was sie wollen.
Und genau deshalb funk­tion­iert die Allianz.

Das Prob­lem ist nicht Täuschung.
Das Prob­lem ist die offene Koop­er­a­tion bei unter­schiedlichen Ziel­hor­i­zon­ten.

  1. wir sagen, was es ist.
    Keine neu­trale Zusam­me­nar­beit, kein Bil­dungsauf­trag.
    Son­dern die gle­ichzeit­ige Nutzung des­sel­ben Ortes für ver­schiedene Zwecke.
  2. wir ver­schleiern nichts.
    „Säku­lar religiös“ ist keine Beschrei­bung, son­dern eine Set­zung.
    Eine Unter­stel­lung von Reli­giosität, die den Zugriff der The­olo­gie absichert.
  3. wir behal­ten die hand am steuer.
    Der Raum wird nicht ver­mit­telt, son­dern unter­schieden.
    Es wird sicht­bar gemacht, wer hier was will.
  4. wir infil­tri­eren, nicht inte­gri­eren.
    Die Fre­quenz des Touris­mus und die Seman­tik der The­olo­gie wer­den genutzt –
    ohne sich ihrer Logik zu unter­w­er­fen.
  5. wir set­zen unsere sprache durch.
    Nicht „Kom­mu­nika­tion­sraum“, son­dern: ein Ort, auf den ver­schiedene Sys­teme gle­ichzeit­ig zugreifen.
  6. wir liefern sub­ver­sive mehrw­erte.
    Wir beschreiben die Allianz – und zeigen die Dif­ferenz, die sie sta­bil­isiert.
  7. wir sind nicht loy­al – wir sind klar.
    Keine Parteinahme, keine Har­mon­isierung, keine Entschuldigung.

Die Allianz ist unheilig, weil sie offen zusam­me­nar­beit­et, obwohl sie nicht das­selbe will.

Die grosse QUALIition des Libertären Katholizismus:

Was “Die Unheilige Allianz” von katholis­ch­er Macht- und #Staatskirche und dem nationalen #Lib­er­al­Pa­ter­nal­ism in der Schweiz so nachvol­lziehbar macht: Dem Lib­er­al­is­mus ist seine Let­zt­be­grün­dung abhan­dengekom­men. (so?)

Solange ((Liberalismus)Sozialismus) als inner­mod­erne Span­nung funk­tion­ierte, kon­nte die Kul­tur­form der Mod­erne ihre Leer­stelle verdeck­en. Bei­de Seit­en tru­gen dieselbe Grund­be­we­gung: Emanzi­pa­tion aus den alten Let­zt­bindun­gen, aber noch mit dem Anspruch, Frei­heit, Gle­ich­heit, Sol­i­dar­ität oder Fortschritt irgend­wie begrün­den zu kön­nen. In dieser Span­nung kon­nte die Leer­stelle verdeckt bleiben; mit dem Ende dieser Span­nung fiel auch das gemein­same Ver­sprechen, dass der Men­sch selb­st ste­hen könne.

Der Punkt ist dann nicht ein­fach, dass der Lib­er­al­is­mus „gewon­nen“ hat. Der Punkt ist, dass er nach dem Sieg seine Let­zt­be­grün­dung ver­liert. Die unheilige Allianz von Staatskirche und Lib­er­al Pater­nal­ism wird genau dadurch nachvol­lziehbar: Dem Lib­er­al­is­mus ist seine Let­zt­be­grün­dung abhan­dengekom­men. Er behält Instru­mente, Macht und Gewalt­mit­tel, ver­liert aber die Fähigkeit, Frei­heit aus sich selb­st zu begrün­den.

An dieser Stelle wird die Per­ver­sion sicht­bar: Der for­mal befre­ite Men­sch erscheint nun wieder als man­gel­haftes Wesen, das geführt, genudged, erin­nert, reg­uliert und seman­tisch einge­fasst wer­den muss. Defaults, Nudges, Reminder, CO₂-Bud­gets und Fact-Checks markieren diese Ver­schiebung präzise. Frei­heit wird zur Zumu­tung, Selb­st­bes­tim­mung zur Risiko­zone.

Und genau dort wird die grosse QUALi­tion plau­si­bel. Nicht weil Lib­er­al­is­mus und Kirche diesel­ben Ziele hät­ten, son­dern weil bei­de an der­sel­ben Leer­stelle andock­en. Der eine kann Frei­heit nicht mehr begrün­den und kippt in Pater­nal­is­mus. Die andere ken­nt seit Jahrhun­derten den Men­schen als sündig, fehlbar, schwach und ret­tungs­bedürftig. Genau darin liegt ihre struk­turelle Anschlussstelle.

Die Mod­erne hat die Antike nicht ein­fach erset­zt, son­dern über­lagert. Inner­halb dieser Über­lagerung kon­nten Lib­er­al­is­mus und Sozial­is­mus gemein­sam gegen die alte Let­zt­bindung operieren. Nach­dem der Lib­er­al­is­mus den Sozial­is­mus besiegt hat, bleibt er allein mit ein­er Frei­heit zurück, die er nicht mehr begrün­den kann. Genau deshalb kehrt die Frage nach Führung, Sinns­tiftung und Ret­tung in per­vertiert­er Form zurück. Darin liegt die grosse QUALi­tion des lib­ertären Katholizis­mus.

Nicht der Sozial­is­mus war die let­zte Schranke des Lib­er­al­is­mus. Er war die let­zte Mit­be­grün­dung sein­er eige­nen Mod­erne. In der grossen QUALi­tion wir des ganze Desaster offenkundig. Ein his­torisch­er Glücksmo­ment (so?)

Der Text von Cevulj/Jahn

Der Text ent­fal­tet das Ver­hält­nis von Reli­gion, Raum und Touris­mus am Beispiel des religiösen Kul­turerbes. Aus­gangspunkt ist die Beobach­tung, dass Kirchen, Klöster und andere Sakral­räume im europäis­chen Kul­tur­touris­mus stark präsent sind, aber oft vor allem his­torisch, architek­tonisch oder ästhetisch wahrgenom­men wer­den. Genau darin sehen Cebulj/Jahn die Span­nung: Sakral­räume sind touris­tis­che Attrak­tio­nen, zugle­ich aber Träger religiös­er Bedeu­tun­gen, die sich nicht von selb­st erschliessen.

Die zen­trale These lautet, dass religiös­es Kul­turerbe nicht muse­al erstar­ren darf. Wo Sakral­räume nur noch als Sehenswürdigkeit­en kon­sum­iert wer­den, dro­hen Muse­al­isierung und im Extrem eine „Mumi­fizierung“ des religiösen Erbes. Dage­gen set­zen die Autor:innen die Idee des Kom­mu­nika­tions-Raums: Sakral­räume sollen Orte sein, an denen Architek­tur, Geschichte, Kun­st und Reli­gion ver­mit­telt, gedeutet und neu in Gebrauch genom­men wer­den kön­nen.

Touris­mus erscheint dabei nicht nur als Freizeit­prax­is, son­dern als Bil­dungszusam­men­hang. Reisen, Besichti­gen und Erleben kön­nen zu ein­er Form kul­tureller und reli­gions­be­zo­gen­er Bil­dung wer­den. Ger­ade religiöse Räume eröff­nen aus Sicht der Autor:innen beson­dere Lern­chan­cen, weil sie materielle und imma­terielle Dimen­sio­nen verbinden und Besucher:innen zu einem Per­spek­tiven­wech­sel zwis­chen Aussen- und Innen­sicht auf Reli­gion anre­gen kön­nen.

Am Ende plädieren Cebulj/Jahn deshalb dafür, Sakral­räume im Touris­mus wed­er bloss als Denkmal noch bloss als from­men Son­der­raum zu behan­deln, son­dern als Bil­dung­sorte, an denen das religiöse Kul­turerbe Europas lebendig erschlossen und kom­mu­nika­tiv aktu­al­isiert wer­den kann.

Dage­gen hätte ich ja gar nicht so viel einzuwen­den… Aber das dop­pelte Spiel ist freilich ein­fach zu zeigen:

„Sakral­räume üben ger­ade auf säku­lar religiöse Men­schen eine grosse Anziehungskraft aus.“

Cebulj/Jahn

Der Satz ver­sucht, ein empirisches Phänomen zu benen­nen: Men­schen ohne aktive religiöse Prax­is fühlen sich den­noch von religiösen Räu­men ange­zo­gen (Atmo­sphäre, Ästhetik, Stille, Bedeu­tungss­chwere).

Das Prob­lem liegt im Aus­druck „säku­lar religiös“:

  1. begrif­flich wider­sprüch­lich
    „säku­lar“ und „religiös“ ste­hen seman­tisch gegeneinan­der
  2. implizite Ver­schiebung
    Gemeint sind ver­mut­lich:
    – religiös dis­tanzierte
    – kul­turell religiös sozial­isierte
    – nicht prak­tizierende
  3. mögliche Lesarten
    – unsaubere All­t­agssprache
    – oder bewusst para­doxe Verdich­tung (Span­nung sicht­bar machen)
    – oder nor­ma­tiv: latent religiös trotz Abkehr

Kurz:
Der Satz trifft eine Beobach­tung, aber mit ein­er begrif­flichen Unschärfe, die mehr verdeckt als klärt.

Reli­gion und Touris­mus haben viele Schnittstellen: Gast­gewerbe, Kathe­dralen und Klöster zählen zu den Haup­tat­trak­tio­nen im Kul­tur­touris­mus, Citykirchen bieten Oasen der Ruhe in der Hek­tik der Städte. In touris­tisch bedeut­samen Sakral­baut­en der Schweiz ist die Zahl der Men­schen, die an Kirchen­führun­gen teil­nehmen, häu­fig höher als die Zahl der­er, die Gottes­di­en­ste besuchen. Sakral­räume üben ger­ade auf säku­lar religiöse Men­schen eine grosse Anziehungskraft aus.

Cebulj/Jahn

Kom­men­tar:

Der Abschnitt ist sauber gebaut und argu­men­tiert in drei Schrit­ten:

  1. Set­zung
    Reli­gion und Touris­mus wer­den als struk­turell ver­bun­den beschrieben (nicht zufäl­lig, son­dern sys­tem­a­tisch gekop­pelt über Orte, Infra­struk­tur, Prax­is).
  2. Empirische Ver­schiebung
    Kirche als Prax­is­raum → Kirche als Besuch­sraum
    Der zen­trale Satz ist: mehr Führun­gen als Gottes­di­en­ste
    → klare Diag­nose eines Funk­tion­swech­sels
  3. Deu­tung
    Anziehungskraft bleibt beste­hen, obwohl religiöse Prax­is abn­immt
    → daher die prob­lema­tis­che Formel „säku­lar religiös“

Der entschei­dende Punkt:

Der Text beschreibt präzise eine Trans­for­ma­tion:
Sakral­räume ver­lieren nicht ihre Rel­e­vanz, son­dern wech­seln ihre Anschlus­slogik
von Liturgie → Wahrnehmung
von Teil­nahme → Betra­ch­tung
von Glaube → Inter­esse

Schwäche bleibt die Sprache:
„säku­lar religiös“ kaschiert genau diesen Wech­sel, statt ihn klar zu benen­nen.

Präzis­er wäre:

Nicht religiöse Men­schen nutzen religiöse Räume.

Oder noch schär­fer:

Die Prax­is ver­schwindet, die Attrak­tiv­ität bleibt.

((säkular)profan)

Ja. Die Kri­tik lässt sich genau dort anset­zen:

Cebulj/Jahn ver­wis­chen nicht nur Begriffe, son­dern eine wichtige Unter­schei­dung:

((säkular)profan)

„Säku­lar“ und „pro­fan“ sind nicht das­selbe.

  1. pro­fan
    beze­ich­net den Gegen­bere­ich zum Sakralen
    also: nicht-heilig, nicht-kul­tisch, nicht litur­gisch aufge­laden
  2. säku­lar
    beze­ich­net eine gesellschaftliche oder seman­tis­che Ord­nung, in der Reli­gion nicht mehr die alles struk­turi­erende Leit­d­if­ferenz ist
    also: weltlich im Sinn von entkirch­licht, nicht notwendig anti-religiös, aber insti­tu­tionell und kul­turell anders organ­isiert

Genau hier wird ihr Satz unsauber:

„Sakral­räume üben ger­ade auf säku­lar religiöse Men­schen eine grosse Anziehungskraft aus.“

Denn wenn sie eigentlich meinen:

Men­schen, die nicht im sakralen Vol­lzug ste­hen, aber sakrale Räume attrak­tiv find­en,

dann wäre „pro­fan“ der nähere Gegen­be­griff.

Wenn sie meinen:

Men­schen der säku­laren Mod­erne, die religiös nicht mehr stark gebun­den sind,

dann müssten sie „säku­lar“ sozial­diag­nos­tisch ver­wen­den und dürften es nicht ein­fach mit „religiös“ ver­schmelzen.

Unsere Kri­tik lautet also:

Sie schieben die Dif­ferenz zwis­chen
sakral / pro­fan
und
religiös / säku­lar

ineinan­der, als wäre das das­selbe.

Ist es aber nicht.

Der Effekt:
Die Trans­for­ma­tion wird sprach­lich vernebelt.

Präzis­er müsste man sagen:

Sakral­räume üben auf pro­fan lebende Men­schen Anziehungskraft aus.

Oder:

Sakral­räume üben auch in ein­er säku­laren Gesellschaft Anziehungskraft aus.

Das ist nicht das­selbe. Und genau diese Unter­schei­dung wäre ana­lytisch nötig.

Die begrif­fliche Unschärfe liegt in der Ver­mis­chung zweier unter­schiedlich­er Dif­feren­zen:

((säkular)profan)

„Säku­lar“ beze­ich­net eine gesellschaftliche Ord­nung, in der Reli­gion nicht mehr die struk­turi­erende Leit­d­if­ferenz ist.
„Pro­fan“ beze­ich­net den Gegen­bere­ich zum Sakralen, also das Nicht-Heilige im Ver­hält­nis zum kul­tisch Aus­geze­ich­neten.

Im zitierten Satz

„Sakral­räume üben ger­ade auf säku­lar religiöse Men­schen eine grosse Anziehungskraft aus.“

wer­den diese Ebe­nen ineinan­der geschoben. Dadurch entste­ht der Ein­druck, als han­dle es sich um eine ein­heitliche Kat­e­gorie („säku­lar religiös“), obwohl hier zwei ver­schiedene Unter­schei­dun­gen betrof­fen sind:

  1. sakral / pro­fan (raum­be­zo­gene Codierung)
  2. religiös / säku­lar (gesellschaftliche bzw. kul­turelle Ord­nung)

Die Folge dieser Ver­mis­chung ist eine seman­tis­che Ver­schiebung:
Die Dif­ferenz zwis­chen sakral und pro­fan ver­schwindet, während „säku­lar“ impliz­it psy­chol­o­gisiert wird – als eine Art verdeck­te oder latente Reli­giosität.

Präzise for­muliert wären zwei Vari­anten zu unter­schei­den:

– Sakral­räume üben auf pro­fan lebende Men­schen Anziehungskraft aus.
→ Fokus: Dif­ferenz sakral / pro­fan

– Sakral­räume üben auch in ein­er säku­laren Gesellschaft Anziehungskraft aus.
→ Fokus: Dif­ferenz religiös / säku­lar

Bei­des ist möglich, aber nicht iden­tisch.
Die Zusam­men­ziehung zu „säku­lar religiös“ verdeckt genau diesen Unter­schied.

Am schnell­sten nicht über „Kom­mu­nika­tion“, son­dern über saubere Leit­d­if­feren­zen. Der Knoten liegt dort, nicht im Begriff „Kom­mu­nika­tion“.

Min­i­maler Zugriff:

  1. Zwei Ebe­nen strikt tren­nen
    ((sakral)profan) = Raum­codierung
    ((religiös)säkular) = Gesellschafts-/Ord­nungslogik
  2. Dann den Satz neu lesen
    „säku­lar religiöse Men­schen“ kol­la­biert zwei Ebe­nen
    → Kat­e­goriefehler, kein Para­dox
  3. Auflösen durch Umschreiben (je nach gemein­ter Ebene)

Vari­ante A (Raum­codierung):
Sakral­räume üben auf pro­fan lebende Men­schen Anziehungskraft aus.

Vari­ante B (Gesellschafts­di­ag­nose):
Sakral­räume üben auch in ein­er säku­laren Gesellschaft Anziehungskraft aus.

  1. Erst danach Kom­mu­nika­tion klären (option­al)
    Bei Cebulj/Jahn: „Kom­mu­nika­tion“ = Vermittlung/Deutung
    → erk­lärt, warum die Ebe­nen ver­mis­cht wer­den: Anschlussfähigkeit im Touris­mus

Kurz:

Nicht über Kom­mu­nika­tion ein­steigen.
Über Dif­feren­zen klären.
Dann zeigt sich der Rest von selb­st.

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Nächster Titel

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Wie ich mit den Möglichkeiten von @openAI arbeite?

Links, Threads, zu verarbeitende Hinweise…

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Offene Blogeinträge, welche zu diesem Thema passen…

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Textsorte: (1) Traum, (2) Blitz, (3) Beken­nt­nis, (4) Memo, (5) Märchen, (6) Dra­ma, (7) Tabu
Arbeits­form: Doku­men­ta­tion, Lis­ten­bil­dung, Work in Progress
Anlass: (…)
TL;DR: (…)
Bildquelle: (…)
URL/Hashtag: (…)

Ste­fan M. Sey­del, aka sms, aka sms2sms in «Zürcher Fest­spiel 1901″ (2019, Foto­cre­d­it: Charles Schny­der):  Twit­ter, Wikipedia (Lem­ma), Youtube (aktuell), Sound­cloud, Mastodon, Insta­gram (ges­per­rt), Snapchat, Tik­Tok, Twitch, t.me/WikiDienstag (Nicht in Betrieb) | Exk­lu­siv: speakerbooking.ch/sms2sms

About @sms2sms, aka Stefan M. Seydel/sms ;-)

Ste­fan M. Sey­del, Jahrgang 1965, ist Unternehmer, Sozialar­beit­er und Kün­stler. Er machte nach ein­er Beruf­slehre als Hochbauze­ich­n­er einen Bach­e­lor in Soziale Arbeit in St. Gallen und einen Mas­ter in der gle­ichen Diszi­plin bei Sil­via Staub-Bernasconi in Berlin. Seine über­wiegend selb­st­ständi­ge Tätigkeit kreist um das The­ma der Entwick­lung und Real­isierung von Pilot- und Impul­spro­jek­ten für renom­mierte Auf­tragge­berin­nen.

Als Kün­stler hat er Ausstel­lun­gen und Per­for­mances auf inter­na­tionaler Ebene präsen­tiert, darunter in der Roy­al Acad­e­my of Arts in Lon­don, dem Deutschen His­torischen Muse­um in Berlin oder ein­er Einze­lausstel­lung “Kun­st Macht Prob­leme” in der Cryp­ta Cabaret Voltaire, Birth­place of DADA in Zürich. Er wurde mit dem Migros Jubilée Award in der Kat­e­gorie Wis­sensver­mit­tlung aus­geze­ich­net und hat diverse Ehrun­gen durch Web­by Awards für seine Arbeit mit rocketboom.com erhal­ten.

Ste­fan war Jury-Mit­glied des Next Idea Prix Ars Elec­tron­i­ca 2010 und war drei Jahre Mit­glied der Schulleitung des Gym­na­si­ums Kloster Dis­en­tis. Sein Wis­sen und seine Erfahrung im Bere­ich der Infor­ma­tion und Tech­nolo­gie haben ihm auch dabei geholfen, mit Sta­tis­tik Stadt Zürich und Wiki­me­dia Schweiz unter WikiDienstag.ch zusam­men­zuar­beit­en.

Sein Engage­ment im Bere­ich der frei­willi­gen Arbeit führte ihn in das Prä­sid­i­um Inter­na­tionaler Bodensee Club (Leitung Fach­gruppe Wis­senschaft) oder für einige andere Jahre als Vice-Präsi­dent des von Paul Wat­zlaw­ick ini­ti­ierten P.E.N.-Club Liecht­en­stein. Sey­del hat unter ((( rebell.tv ))) zwei Büch­er zusam­men mit sein­er Part­ner­in Tina Piazzi veröf­fentlicht, viele Kolum­nen, Fach­texte und jour­nal­is­tis­che Texte pub­liziert.

Seine Arbeit auf Social Media nutzt er als Microblog­ging. In seinem Blog ver­ar­beit­et er seine The­men. Einige davon wer­den auf Anfra­gen zu les­baren Tex­ten ver­tieft, andere wer­den zu Vorträ­gen aus­ge­baut. Bei Carl Auer Ver­lag in Hei­del­berg, sam­melt er “Ele­mente ein­er näch­sten Kul­tur­form”. Seine Entwick­lun­gen im Kon­text der sozial­räum­lichen Inter­ven­tion (“Arbeit am Sozialen”) machen konkrete Vorschläge in Bezug auf die Beant­wor­tung der Sozialen Frage.

Nach 12 Jahren Berlin und 6 Jahren Zürich zog er aber in sein­er zweit­en Leben­shälfte vom Bodensee der Rhein­quelle ent­ge­gen nach Dissentis/Mustér und hat seine Reisetätigkeit fast ganz eingestellt. Dafür macht er umsomehr soge­nan­nte Pas­sadis und #Feed­logs (Orgiastik). Das sind Arbeitsmeet­ings an inten­tionalen Fra­gen in einem Lifestream. (so?) Text sup­port­ed by #TaaS

Aus Band 2 von: Tina Piazzi & Ste­fan M. Sey­del, Junius-Ver­lag Ham­burg | pdf: Band 1, 2009 | Band 2, 2010

#dfdu = DIE FORM DER UNRUHE | blog: dissent.is | about: dissent.is/sms | dissent.is/muster

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