Bild + Sprache = Sprachbild

Sprache bildet. Das ist ja das Problem. (so?)

Hier entste­ht ein Pladoy­er für einen neuen Hand­lungs­be­griff…

M/ein Blog ist m/ein Karten­raum und k/eine Bühne. Ich weiss, wie man pub­liziert. Das hier ist etwas anderes. d!a!n!k!e | WORK IN PROGRESS reload für aktuellen Schreib­stand | Warum ich nicht pub­liziere? Weil ich es kann. Weil es geht. Weil ich es für angemessen halte. (so?)

  • wenn es mir ums SENDEN gehen würde, machte ich alles falsch.
  • wenn es mir ums EMPFANGEN WERDEN gehen würde, machte ich alles anders.
  • wenn es mir ums FINDEN gehen würde, würde ich suchen.
  • wenn es mir ums GEWINNEN gehen würde, hielte ich mich an exper­tisen.

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Anlass zu diesem Eintrag:

Die Kul­tur­for­men sind keine Epochen. Sie sind mögliche Kon­stel­la­tio­nen im kontin­gen­ten Raum des Sozialen.

Was meinst du eigentlich, wenn du »Handeln« sagst?

»Han­dle so, dass die Maxime deines Wil­lens jed­erzeit zugle­ich als Prinzip ein­er all­ge­meinen Geset­zge­bung gel­ten könne.« Kaum ein Satz der Philoso­phiegeschichte ist berühmter als dieser von Immanuel Kant. Er gehört zu jenen Formeln, die selb­st Men­schen zitieren, welche die Kri­tik der prak­tis­chen Ver­nun­ft nie gele­sen haben. Das über­rascht nicht. Schliesslich scheint jed­er zu wis­sen, was mit »Han­deln« gemeint ist. Oder?

Fragt man nach, wird die Antwort sel­ten lange auf sich warten lassen. Han­deln heisst tun, machen, ein­greifen, verän­dern, etwas in Bewe­gung set­zen, vielle­icht etwas Neues erfind­en. Es fällt auf, wie selb­stver­ständlich diese Antworten wirken. Sie benöti­gen keine Erk­lärung. Wer han­delt, macht etwas. Wer nichts macht, han­delt nicht. Der Satz scheint so evi­dent wie die Behaup­tung, Wass­er sei nass. Aber ger­ade solche Selb­stver­ständlichkeit­en ver­di­enen Mis­strauen. Denn Wörter altern. Nicht ihre Buch­staben. Ihre Bilder.

Schau! Bild!

Jedes bedeu­tende Wort trägt ein Sprach­bild in sich. Es eröffnet einen Raum dessen, was über­haupt vorstell­bar wird. Wer von einem »Wurzel­w­erk« spricht, sieht etwas anderes als jemand, der von einem »Net­zw­erk« spricht. Wer von ein­er »Mas­chine« spricht, denkt anders als jemand, der von einem »Organ­is­mus« spricht. Nicht weil die Dinge sich verän­dert hät­ten, son­dern weil ihre sprach­liche Form andere Möglichkeit­en eröffnet. Vielle­icht ver­hält es sich mit dem Wort »Han­deln« nicht anders. Vielle­icht sprechen wir alle das­selbe Wort aus, aber nicht mehr das­selbe Sprach­bild.

Die ältesten Erzäh­lun­gen Europas ken­nen einen Men­schen, der die Welt nicht her­stellt. Er empfängt, find­et, sam­melt, hofft. »Siehe, ich will euch Brot vom Him­mel reg­nen lassen.« (Ex 16,4) Das Man­na wird nicht pro­duziert. Es wird gefun­den. Wer ver­sucht, mehr zu sam­meln, als für den Tag genügt, wird erleben, dass es verdirbt. Han­deln beste­ht hier nicht im Beherrschen der Welt, son­dern darin, sich in eine Ord­nung einzufü­gen, die nie­mand gemacht hat. Es wäre vor­eilig, daraus eine his­torische Anthro­polo­gie abzuleit­en. Aber als Sprach­bild ist diese Szene bemerkenswert: Der Men­sch lebt nicht von sein­er Her­stel­lungskraft. Er lebt davon, dass ihm Welt begeg­net.

Bilder­sturm

Irgend­wann kippt dieses Bild. Der Men­sch begin­nt zu bauen, zu for­men, zu erfind­en, zu pro­duzieren. Aus dem Emp­fan­gen­den wird der Han­del­nde, aus der Frucht das Pro­dukt. Diese Ver­schiebung gehört zu den fol­gen­re­ich­sten Verän­derun­gen der europäis­chen Kul­turgeschichte. Sie set­zt Kräfte frei, deren Erfind­ungsre­ich­tum kaum über­schätzt wer­den kann. Aus ihr erwach­sen Wis­senschaft, Tech­nik, Indus­trie und Wohl­stand. Der Men­sch lernt nicht nur, die Welt zu ver­ste­hen. Er lernt, sie herzustellen. Das Verb »machen« gewin­nt eine unge­heure Würde.

Und mit jed­er Gen­er­a­tion radikalisiert sich dieses Sprach­bild weit­er: kon­stru­ieren, mech­a­nisieren, motorisieren, automa­tisieren, dig­i­tal­isieren. Jed­er Schritt erweit­ert die Möglichkeit­en des vorherge­hen­den. Jed­er Schritt bleibt dem­sel­ben Sprach­bild verpflichtet. Han­deln heisst machen.

Vielle­icht erk­lärt ger­ade das unseren eigen­tüm­lichen Kul­turekel. Nicht gegenüber Tech­nik. Nicht gegenüber Maschi­nen. Son­dern gegenüber einem Sprach­bild, das begin­nt, alles zu kolonisieren. Bil­dung wird pro­duziert. Gesund­heit wird pro­duziert. Inno­va­tion wird pro­duziert. Demokratie wird pro­duziert. Selb­st Beziehun­gen erscheinen als Pro­jek­te, die erfol­gre­ich gem­anagt wer­den müssen. Die Frage lautet längst nicht mehr, ob wir han­deln, son­dern nur noch, wie effizient.

Dabei geschieht etwas Merk­würdi­ges. Ger­ade in dem Moment, in dem das Sprach­bild des Her­stel­lens seine grösste Selb­stver­ständlichkeit erre­icht, begin­nt es seine Überzeu­gungskraft zu ver­lieren. Nicht weil es wider­legt wor­den wäre, son­dern weil neben ihm längst andere For­men des Han­delns entste­hen.

Ver­linken ist auch han­deln. Bloss nicht so ver­schwitzt.

Wer einen Hyper­link set­zt, stellt nichts her. Wer Freie Soft­ware veröf­fentlicht, besitzt nichts. Wer Wis­sen unter Cre­ative Com­mons teilt, ver­liert nichts. Wer eine Infra­struk­tur schafft, eröffnet Möglichkeit­en, die andere weit­er­führen, verän­dern oder ver­lassen kön­nen. Es wäre ein Missver­ständ­nis, darin bloss neue Tech­nolo­gien zu sehen. Vielle­icht entste­ht hier vielmehr ein anderes Sprach­bild des Han­delns. Eines, das nicht beim Pro­duzieren begin­nt, son­dern beim Ermöglichen.

Der Radikale Kon­struk­tivis­mus hat diesen Raum vor­bere­it­et. Er hat gezeigt, dass Beobacht­en nicht ausser­halb der Welt stat­tfind­et, dass Unter­schei­den bere­its Han­deln ist, dass Kom­mu­nika­tion nicht bloss beschreibt, son­dern Wirk­lichkeit kon­sti­tu­iert. Damit zer­bricht das alte Sprach­bild nicht. Es ver­liert lediglich sein Monopol.

Vielle­icht liegt genau darin die eigentliche kul­turelle Ver­schiebung unser­er Zeit. Nicht darin, dass eine Epoche endet und eine neue begin­nt, son­dern darin, dass im sel­ben sozialen Raum ver­schiedene Sprach­bilder des Han­delns gle­ichzeit­ig wirk­sam wer­den. Während das eine sich erschöpft, entste­hen andere. Nicht danach. Son­dern mit­ten darin.

Vielle­icht ist deshalb die entschei­dende Frage unser­er Zeit über­raschend ein­fach. Nicht: Was sollen wir tun? Son­dern:

Was meinst du eigentlich, wenn du »Han­deln« sagst?

bitte ver­ste­he diesen ein­trag nicht zu schnell… hier gibts nichts zu sehen und nichts zu lesen ;-)

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Über das Problem des Bilder machens:

Die klas­sis­che, jüdis­che For­mulierung lautet:

“Du sollst dir kein Bild­nis noch irgen­dein Gle­ich­nis machen …”

– 2. Mose (Exo­dus) 20,4

Im Zusam­men­hang:

“Du sollst dir kein Bild­nis noch irgen­dein Gle­ich­nis machen, wed­er von dem, was oben im Him­mel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was im Wass­er unter der Erde ist. Du sollst sie nicht anbeten noch ihnen dienen …”

– 2. Mose 20,4–5

Dies ist das zweite Gebot im Deka­log (Zehn Gebote). Die gle­iche For­mulierung find­et sich nochmals in: 5. Mose (Deuteronomi­um) 5,8–10.

Der his­torische Kon­text ist wichtig:

Das Gebot richtet sich nicht primär gegen Kun­st oder Bilder all­ge­mein. Im alto­ri­en­tal­is­chen Umfeld wur­den Göt­ter durch Stat­uen oder Kult­bilder repräsen­tiert. Das Bilderver­bot soll ver­hin­dern, dass Gott auf ein von Men­schen hergestelltes Objekt reduziert oder ver­füg­bar gemacht wird.

Inter­es­sant im Zusam­men­hang mit unser­er näch­sten Über­legun­gen ist der Kon­trast zur Über­liefer­ung von Jesus:

  • Im Alten Tes­ta­ment: “Du sollst dir kein Bild von Gott machen.”
  • Jesus spricht fast auss­chliesslich in Bildern, Gle­ich­nis­sen und Meta­phern – aber nie mit dem Anspruch: “So sieht Gott aus.” Seine Bilder (Sen­fko­rn, Sauerteig, Hirte usw.) sind Ver­gle­iche für das Reich Gottes oder für Gottes Han­deln, keine Abbilder Gottes selb­st.

Quellen:

https://www.systemagazin.de/buecher/neuvorstellungen/2011/11/vonfoerster_anfang_teil_der_welt.php

Sprache & Bild

Die Span­nung ist uralt:

  • Du sollst dir kein Bild machen. (Exo­dus)
  • Jesus macht sich laufend Bilder (Gle­ich­nisse).
  • Sprache bildet.
  • Bilder sprechen.
  • Jede Beschrei­bung erzeugt eine Form.

Damit ver­schiebt sich das Prob­lem: Nicht nur gemalte Bilder kön­nen zu Götzen wer­den. Auch Begriffe, Mod­elle und The­o­rien kön­nen Gott, die Welt oder den Men­schen fes­tle­gen.

Das passt erstaunlich gut zu Luh­mann: Beobach­tung ist immer Form­bil­dung. Wer unter­schei­det, erzeugt eine Form und damit ein “Bild” der Welt.

AutorKern­fragePointe
MosesWoran scheit­ert Erken­nt­nis?Gott entzieht sich jed­er endgülti­gen Darstel­lung.
JesusWoran erkenne ich gutes Han­deln?Nicht an Absicht­en oder Beken­nt­nis­sen, son­dern an den Frücht­en: Über Hand­lun­gen entschei­det nicht ihre Absicht, son­dern ihre Frucht.
Wat­zlaw­ickKann Kom­mu­nika­tion ver­mieden wer­den?Nein.
Luh­mannKann Beobach­tung ohne Unter­schei­dung stat­tfind­en?Nein.
Maren LehmannWas fol­gt daraus?Unter­schei­den ist bere­its Han­deln.
#TheLuh­man­n­MapWelche Axiome ergeben sich daraus?Du kannst nicht nicht unter­schei­den.
Du kannst nicht nicht beobacht­en.
Du kannst nicht nicht han­deln.

Ein Tech­nokrat fragt:

Habe ich das Ver­fahren richtig angewen­det?

Jesus fragt:

Welche Frucht ist ent­standen?

Das ist ein enormer Unter­schied.

Die Frucht kann wed­er geplant noch garantiert wer­den. Man kann säen, pfle­gen, beschnei­den, bewässern – aber ob die Frucht gut wird, zeigt sich erst später.

Das ist eigentlich eine Absage an jedes lin­eare Her­stel­lungs­denken.

Nicht:

richtige Meth­ode → richtiges Ergeb­nis.

Son­dern:

Han­deln → Zeit → Frucht → Urteil.

Sprachbilder, welche die christliche Kirche durch die Zeit getragen hat:

BildWofür ste­ht es?Zen­trale Bibel­stellen
Sen­fko­rnDas Reich Gottes begin­nt unschein­bar und wächst zu etwas Grossem.Matthäus 13,31–32; Markus 4,30–32; Lukas 13,18–19
SauerteigDie ver­bor­gene, durch­drin­gende Kraft des Reich­es Gottes, die alles verän­dert. (An anderen Stellen ste­ht Sauerteig neg­a­tiv für falsche Lehre.)Pos­i­tiv: Matthäus 13,33; Lukas 13,20–21. Neg­a­tiv: Matthäus 16,6–12; Markus 8,15
Wein­stockChris­tus als Leben­squelle; die Jünger bleiben mit ihm ver­bun­den und brin­gen Frucht.Johannes 15,1–17
HirteJesus als guter Hirte, der seine Schafe ken­nt und sein Leben für sie gibt.Johannes 10,1–18; Lukas 15,3–7; Matthäus 18,12–14
SchafeDie Men­schen, die Gottes Stimme hören und ihm fol­gen; zugle­ich die Ver­lore­nen, um die Gott sich küm­mert.Johannes 10,1–30; Matthäus 25,31–46; Lukas 15,3–7
Samen / SämannDas Wort Gottes bzw. die Botschaft Jesu; die unter­schiedlichen Böden ste­hen für unter­schiedliche For­men des Hörens.Matthäus 13,1–23; Markus 4,1–20; Lukas 8,4–15
Per­leDas Reich Gottes ist von uner­messlichem Wert und recht­fer­tigt den Ein­satz von allem.Matthäus 13,45–46
NetzDas Reich Gottes sam­melt alle Men­schen; am Ende erfol­gt die Unter­schei­dung bzw. das Gericht.Matthäus 13,47–50
LichtOri­en­tierung, Wahrheit, Gottes Gegen­wartMatthäus 5,14–16; Johannes 8,12
SalzErhalt, Würze, gesellschaftliche Ver­ant­wor­tungMatthäus 5,13; Markus 9,50
TürZugang zu GottJohannes 10,7–10
BrotLeben, Ver­sorgung, Chris­tus selb­stJohannes 6,32–58
Wass­erEwiges Leben, Heiliger GeistJohannes 4,10–14; Johannes 7,37–39
RebeDie Jünger in Verbindung mit Chris­tusJohannes 15,5
Wein­bergGottes Volk bzw. Gottes Wirkungs­feldMatthäus 20,1–16; 21,33–46

Das Problem mit dem Handlungsbegriff bei Jesus:

Aus der Berg­predigt:

“An ihren Frücht­en werdet ihr sie erken­nen.”

– Matthäus 7,16

Erk­lärung:

“So wird jed­er gute Baum gute Früchte brin­gen; aber ein fauler Baum bringt schlechte Früchte.”

– Matthäus 7,17

Als Zusam­men­fas­sung:

“Darum: An ihren Frücht­en werdet ihr sie erken­nen.”

– Matthäus 7,20

“Nicht jed­er, der zu mir sagt: Herr, Herr!, wird in das Him­mel­re­ich kom­men, son­dern wer den Willen meines Vaters im Him­mel tut.”

– Matthäus 7,21

Das ist keine Pro­duk­tion­san­weisung.

Jesus sagt ger­ade nicht:

Wenn du A tust, erhältst du B.

Son­dern:

  • säen
  • pfle­gen
  • warten
  • beobacht­en
  • kosten
  • erst dann urteilen.

Das ist fast eine Absage an Tech­nokratie.

Die Frucht ist nicht plan­bar.

Sie ist beobacht­bar.

Deshalb spricht Jesus fast nie über Kon­trolle, son­dern über Wach­s­tum.

  • Das Sen­fko­rn wächst “von selb­st”.
  • Der Samen geht auf, “er weiss selb­st nicht wie” (Markus 4,26–29).
  • Der Wein­stock bringt Frucht.
  • Der Baum wird an der Frucht erkan­nt.

Das ist eine völ­lig andere Logik als indus­trielle Pro­duk­tion.

Die Mod­erne fragt:

Wie garantiere ich das gewün­schte Resul­tat?

Jesus fragt:

Welche Früchte bringt dieses Leben tat­säch­lich her­vor?

Das ist fast eine empirische Hal­tung.

Nicht Absicht­en zählen.

Nicht Pro­gramme.

Nicht Ide­olo­gien.

Nicht Glaubens­beken­nt­nisse.

Son­dern das, was sich im Laufe der Zeit tat­säch­lich zeigt.

Ich würde deshalb den Jesus-Ein­trag sog­ar schär­fen:

Nicht die Absicht entschei­det. Die Zeit bringt die Frucht her­vor.

Oder noch näher am Text:

Der Baum wird erst durch seine Frucht erkennbar.

Das ist erstaunlich kom­pat­i­bel mit sys­temthe­o­retis­chem Denken: Sys­teme zeigen sich nicht in ihren Selb­st­beschrei­bun­gen, son­dern in ihren beobacht­baren Oper­a­tio­nen und ihren Wirkun­gen. Und genau deshalb ist Jesu Bild so stark: Es erset­zt die Frage nach dem Wesen durch die Frage nach den beobacht­baren Fol­gen.

Das Problem mit dem Handlungsbegriff #TheLuhmannMap:

Die Axiome 1–3: Du kannst nicht nicht…

  1. Unter­schei­den
  2. Beobacht­en
  3. Han­deln

The­o­rie ist auch Prax­is. Bloss nicht so ver­schwitzt.

Maren Lehmann

Unter­schei­den ist auch Han­deln. Bloss nicht so ver­schwitzt.

/sms ;-)
AutorEnt­deck­ung
MosesBilder begren­zen das Unbe­grenzbare.
JesusHand­lun­gen wer­den an ihren Fol­gen erkennbar.
Wat­zlaw­ickKom­mu­nika­tion ist unver­mei­dlich.
Luh­mannBeobach­tung ist ohne Unter­schei­dung unmöglich.
LehmannUnter­schei­dung ist bere­its Inter­ven­tion.
#TheLuh­man­n­MapDaraus fol­gt: Unter­schei­den, Beobacht­en und Han­deln sind nicht voneinan­der trennbar.

Über den Unterschied zwischen Sprache und Handeln

(…)

(…)

(…)

“Zeit” ist nur die phänomenologische Erscheinung. Theoretisch geht es um Kontingenz.

Die Entwick­lung kön­nte so ausse­hen:

AutorProb­lem
MosesDie Welt lässt sich nicht endgültig fes­tle­gen.
JesusHand­lun­gen zeigen ihre Qual­ität erst in ihren kontin­gen­ten Fol­gen.
Heinz von Foer­sterKom­pliziert ist berechen­bar. Kom­plex ist nicht berechen­bar.
Luh­mannSoziale Sys­teme operieren kontin­gent; Inter­ven­tio­nen kön­nen nur Bedin­gun­gen verän­dern.
Maren LehmannSchon das Unter­schei­den ist eine Inter­ven­tion.

Dann wird plöt­zlich ver­ständlich, weshalb Jesus ständig von Frücht­en spricht.

  • Eine Frucht ist kein Pro­dukt.
  • Ein Pro­dukt entste­ht nach Plan.
  • Eine Frucht entste­ht unter Bedin­gun­gen.

Das ist fast eine Def­i­n­i­tion.

Pro­duktFrucht
hergestelltgewach­sen
Spez­i­fika­tionKontin­genz
Kon­trollePflege
GarantieHoff­nung
Ursache → WirkungBedin­gun­gen → Emer­genz

Und plöt­zlich bekom­men die Gle­ich­nisse eine erstaunliche the­o­retis­che Tiefe:

  • Samen
  • Sen­fko­rn
  • Sauerteig
  • Wein­berg
  • Feigen­baum
  • Wein­stock

Keines dieser Bilder beschreibt Pro­duk­tion.

Alle beschreiben Emer­genz.

Man gestal­tet Bedin­gun­gen.

Die Form entste­ht selb­st.

Das passt gut zu Heinz von Foer­sters Unter­schei­dung von triv­ialen und nicht­triv­ialen Maschi­nen. Eine triv­iale Mas­chine liefert bei gle­ichem Input densel­ben Out­put. Eine nicht­triv­iale Mas­chine verän­dert sich durch ihre eigene Geschichte; ihr zukün­ftiges Ver­hal­ten ist deshalb nicht ein­fach aus dem Input ableit­bar.

Ich frage mich deshalb, ob der eigentliche Gegen­satz nicht weniger “kom­pliziert ver­sus kom­plex” ist als:

  • Her­stel­lungslogik
  • Ermöglichungslogik

Oder, in unseren Begrif­f­en:

  • “Infra­struk­tur statt Steuerung.”

Dann wäre Jesu Land­wirtschaft keine zufäl­lige Bild­welt, son­dern eine andere The­o­rie des Han­delns:

Han­deln heisst nicht, Ergeb­nisse zu pro­duzieren.

Han­deln heisst, Bedin­gun­gen zu schaf­fen, unter denen gute Früchte entste­hen kön­nen.

Das wäre eine mögliche Brücke zwis­chen Jesus, Heinz von Foer­ster, Luh­mann und #TheLuh­man­n­Map.

His­torisch wäre das natür­lich als Inter­pre­ta­tion zu kennze­ich­nen. Aber als the­o­retis­che Lesart finde ich sie aus­ge­sprochen tragfähig. Sie verbindet bib­lis­che Sprach­bilder mit ein­er sys­temthe­o­retis­chen The­o­rie der Kontin­genz, ohne zu behaupten, Jesus habe Sys­temthe­o­rie vor­weggenom­men. Das wäre ein unzuläs­siger Anachro­nis­mus.

Her­stellenErmöglichen
Pro­duktFrucht
Kon­trollePflege
PlanAufmerk­samkeit
SteuerungBedin­gun­gen
GarantieKontin­genz
Out­putEmer­genz

Für einen neuen Handlungsbegriff:

Das ist keine kleine Ver­schiebung. Es wäre eine andere Def­i­n­i­tion von Han­deln.

Nicht:

Han­deln = Wirkun­gen her­stellen.

Son­dern:

Han­deln = Bedin­gun­gen verän­dern, unter denen Wirkun­gen entste­hen kön­nen.

Das passt plöt­zlich zu ganz unter­schiedlichen Bere­ichen:

  • Gärt­nern.
  • Erziehen.
  • Soziale Arbeit.
  • Poli­tik.
  • Architek­tur.
  • Infra­struk­tur.
  • Com­mons.

Und genau deshalb passt auch der Satz:

The­o­rie ist auch Prax­is. Bloss nicht so ver­schwitzt.

Maren Lehmann

Denn wenn Han­deln bere­its darin beste­ht, Bedin­gun­gen zu verän­dern, dann verän­dert auch eine neue Unter­schei­dung Bedin­gun­gen. Eine The­o­rie ist dann nicht “vor” der Prax­is, son­dern selb­st eine Inter­ven­tion in die Bedin­gun­gen weit­eren Han­delns.

Im Anfang war die Form

Vielle­icht so:

1. Der Mensch lebt nicht zuerst in der Welt, sondern in Formen.

Ein Säugling begeg­net nicht “der Welt”.

Er begeg­net

  • ein­er Stimme,
  • einem Rhyth­mus,
  • einem Blick,
  • ein­er Berührung,
  • ein­er Melodie,
  • einem Gesicht.

Das alles sind bere­its For­men.

Noch bevor Sprache entste­ht.

2. Sprache und Bild entstehen deshalb vermutlich nicht nacheinander.

Son­dern als zwei Seit­en der­sel­ben kul­turellen Evo­lu­tion.

Die Stimme unter­schei­det.

Das Bild unter­schei­det.

Die Schrift verbindet später bei­de.

Darum wäre “Bild­sprache” gar keine Meta­pher, son­dern beina­he eine anthro­pol­o­gis­che Tat­sache.

3. Beides beschreibt weniger die Welt als unsere Möglichkeiten.

Das finde ich den entschei­den­den Gedanken.

Ein Bild sagt kaum etwas über die Welt.

Es sagt etwas darüber,

wie wir unter­schei­den.

Eine Sprache sagt kaum etwas über die Welt.

Sie sagt etwas darüber,

welche Unter­schiede für uns rel­e­vant sind.

Das erin­nert unmit­tel­bar an Spencer Brown:

Draw a dis­tinc­tion.

Nicht:

Describe the world.

4. Deshalb vielleicht das Bilderverbot.

Vielle­icht ist das Bilderver­bot gar keine Kun­stkri­tik.

Son­dern eine War­nung.

Ver­wech­sle niemals deine Form mit der Welt.

Oder noch radikaler:

Ver­wech­sle deine Unter­schei­dung niemals mit Gott.

Dann wäre Moses plöt­zlich erstaunlich mod­ern.

5. Jesus geht einen Schritt weiter.

Er sagt gar nicht mehr:

Ist dein Bild richtig?

Son­dern:

Was bringt dein Bild her­vor?

Welche Früchte trägt deine Unter­schei­dung?

Damit ver­schiebt sich die Aufmerk­samkeit

von der Repräsen­ta­tion

zur Oper­a­tion.

Nicht:

Ist die The­o­rie wahr?

Son­dern:

Welche Wirk­lichkeit­en erzeugt sie?

6. Und genau dort landet #TheLuhmannMap.

Nicht:

Welche Beschrei­bung stimmt?

Son­dern:

Welche Unter­schei­dung verän­dert welche Bedin­gun­gen?

Das wäre ein völ­lig ander­er Wis­senschafts­be­griff.


Ich glaube deshalb, dass wir gar nicht über Sprache reden.

Wir reden über For­men.

Und Sprache, Bild, Musik, Schrift, Gesten, Rit­uale, Architek­tur …

… sind alles kul­turelle For­men des­sel­ben Phänomens.

Sie bilden nicht primär Welt ab.

Sie ermöglichen Welt.

Oder noch vor­sichtiger for­muliert:

Sie ermöglichen bes­timmte Weisen, Welt her­vorzubrin­gen.

Das wäre für mich fast der näch­ste Schritt nach Luh­mann.

Nicht Kom­mu­nika­tion ste­ht im Zen­trum.

Nicht Sprache.

Son­dern Form­bil­dung.

Und Han­deln wäre dann nichts anderes als die Verän­derung von For­men, unter denen weit­ere For­men entste­hen kön­nen.

Deshalb finde ich auch deinen Satz von gestern immer stärk­er:

The­o­rie ist auch Prax­is. Bloss nicht so ver­schwitzt.

Denn eine The­o­rie ist dann selb­st eine Form. Und jede neue Form verän­dert die Bedin­gun­gen weit­er­er Unter­schei­dun­gen. Genau deshalb ist sie bere­its Hand­lung – nicht weil sie unmit­tel­bar etwas “bewirkt”, son­dern weil sie den Möglichkeit­sraum dessen verän­dert, was anschliessend beobachtet, gesagt und getan wer­den kann.

Draw a Distinction, and a Universe becoms into beeing…

Ver­gl. https://www.researchgate.net/publication/292670648_On_the_distinction_between_distinction_and_division

😍 Jet­zt wird es gefährlich. Aber pro­duk­tiv gefährlich.

Der Johannespro­log begin­nt:

“Im Anfang war das Wort (λόγος, logos).”

Johannes 1,1

Tra­di­tionell wurde λόγος über­set­zt mit:

  • Wort
  • Ver­nun­ft
  • Sinn
  • göt­tliche Ord­nung

Aber das griechis­che λόγος ist viel reich­er als unser “Wort”. Es meint nicht ein­fach Sprache.

Wenn wir dage­gen Spencer Brown, Luh­mann und die Sys­temthe­o­rie ernst nehmen, kön­nte man fast sagen:

Im Anfang war die Form.

Denn eine Form ist die erste Unter­schei­dung.

Spencer Brown begin­nt nicht zufäl­lig mit:

Draw a dis­tinc­tion.

Nicht:

Speak.

Nicht:

Think.

Nicht:

Act.

Son­dern:

Unter­schei­de.

Und eine Unter­schei­dung erzeugt eine Form.

Dann bekäme der Johannespro­log plöt­zlich eine ganz andere Lesart:

JohannesSys­temthe­o­retis­che Lesart
Im Anfang war der Logos.Im Anfang war die Form.
Alles ist durch ihn gewor­den.Alle weit­eren For­men entste­hen aus Unter­schei­dun­gen.
Ohne ihn wurde nichts.Ohne Form gibt es keine Beobach­tung.

Das ist natür­lich keine Über­set­zung des Johannespro­logs.

Es ist eine philosophis­che Neuin­ter­pre­ta­tion.

Aber sie ist erstaunlich kon­sis­tent.


Und jet­zt fällt mir noch etwas auf.

Unsere ganze Kul­turgeschichte kön­nte man vielle­icht so schreiben:

  • Der Mythos fragt nach dem Ursprung.
  • Die Philoso­phie fragt nach dem Logos.
  • Die Mod­erne fragt nach dem Sub­jekt.
  • Luh­mann fragt nach der Beobach­tung.
  • Spencer Brown fragt nach der Form.

Vielle­icht ist “Form” tat­säch­lich fun­da­men­taler als “Sprache”.

Denn Sprache ist bere­its eine Form.

Bilder sind For­men.

Musik sind For­men.

Schrift sind For­men.

Geset­ze sind For­men.

Organ­i­sa­tio­nen sind For­men.

The­o­rien sind For­men.

Und Kom­mu­nika­tion ist die Rekur­sion von For­men.

Dann wäre “Im Anfang war die Form.” nicht bloss ein schön­er Satz, son­dern ein möglich­er Aus­gangspunkt ein­er Kul­tur­the­o­rie.

Und vielle­icht würde ich sog­ar noch einen Schritt weit­er gehen.

Nicht:

Im Anfang war die Form.

Son­dern:

Im Anfang war das For­men.

Denn “Form” klingt wie ein fer­tiges Objekt.

Spencer Brown und Luh­mann inter­essieren sich aber nicht für For­men als Dinge, son­dern für den Vol­lzug des Form­bildens. Die erste Unter­schei­dung ist kein Gegen­stand, son­dern eine Oper­a­tion.

Das passt wiederum erstaunlich gut zu Jesus: Er inter­essiert sich eben­falls kaum für fer­tige Zustände. Seine Bilder han­deln fast immer von Prozessen – säen, wach­sen, gären, suchen, find­en, ver­lieren, tra­gen, beschnei­den, ern­ten.

Vielle­icht ist das die tief­ste Gemein­samkeit, die wir hier ger­ade frei­le­gen: Nicht Sein, son­dern Formw­er­den.

Die Vierte Generation

Ja. Ich glaube sog­ar, dass genau das ger­ade passiert.

Du dacht­est, das The­ma sei:

Sprache – Bild – Sprach­bild.

Aber jedes Mal, wenn wir einen Schritt weit­erge­hen, lan­den wir beim Han­deln.

Warum?

Weil Sprache und Bilder gar nicht das Zen­trum sind. Sie sind selb­st Hand­lun­gen.

Nicht im all­t­agssprach­lichen Sinn (“jemand tut etwas”), son­dern im sys­temthe­o­retis­chen Sinn:

  • unter­schei­den,
  • benen­nen,
  • zeich­nen,
  • erzählen,
  • beobacht­en,
  • beschreiben.

Das sind alles Oper­a­tio­nen.

Deshalb glaube ich, dass sich der rote Faden langsam zeigt.

Erste Generation

Was ist die Welt?

Antworten:

  • Mythos
  • Reli­gion
  • Philoso­phie

Zweite Generation

Wie kön­nen wir die Welt erken­nen?

Antworten:

  • Sprache
  • Begriffe
  • Bilder
  • Wis­senschaft

Dritte Generation

Was tun wir eigentlich, wenn wir erken­nen?

Und dort lan­den wir bei:

  • Spencer Brown
  • Heinz von Foer­ster
  • Luh­mann
  • Maren Lehmann

Die Antwort lautet:

Wir han­deln.

Nicht erst, wenn wir ein­greifen.

Son­dern bere­its, wenn wir unter­schei­den.

Deshalb ist der eigentliche Geg­n­er vielle­icht gar nicht das Sprach­bild.

Son­dern ein zu enger Hand­lungs­be­griff.

Denn solange Han­deln heisst:

physisch etwas verän­dern,

bleiben Sprache, The­o­rie, Architek­tur, Kun­st, Recht, Wis­senschaft usw. “keine Prax­is”.

Erst mit einem anderen Hand­lungs­be­griff wer­den sie als das sicht­bar, was sie sind:

Inter­ven­tio­nen in Möglichkeit­sräume.

Ich würde deshalb fast sagen:

Der eigentliche Geg­n­er ist der Her­stel­lungs­be­griff des Han­delns.

Han­deln wird dort ver­standen als:

A verur­sacht B.

Wir suchen aber nach einem Hand­lungs­be­griff, der lautet:

Han­deln verän­dert Bedin­gun­gen.

Das ist etwas völ­lig anderes.

Dann wer­den plöt­zlich ganz ver­schiedene Dinge ver­gle­ich­bar:

  • Ein Wort.
  • Ein Bild.
  • Ein Gesetz.
  • Eine Architek­tur.
  • Ein Algo­rith­mus.
  • Eine Erzäh­lung.
  • Eine Organ­i­sa­tion.

Sie alle stellen keine Pro­duk­te her.

Sie verän­dern Bedin­gun­gen, unter denen weit­eres Han­deln möglich wird.

Ich glaube deshalb, dass der Titel sog­ar laut­en kön­nte:

Für einen neuen Hand­lungs­be­griff

Und der erste Satz wäre vielle­icht über­raschend ein­fach:

Solange Han­deln als Her­stel­lung von Wirkun­gen ver­standen wird, bleiben Sprache, Bilder, Begriffe und The­o­rien merk­würdig hand­lungs­los. Tat­säch­lich aber verän­dern sie fort­laufend die Bedin­gun­gen weit­eren Han­delns.

Das wäre für mich die eigentliche Pointe.

Nicht “The­o­rie ist auch Prax­is.”

Son­dern:

The­o­rie ist eine Form des Han­delns.

Und nicht deshalb, weil sie später prak­tisch angewen­det wird, son­dern weil jede Unter­schei­dung bere­its den Möglichkeit­sraum verän­dert, in dem weit­ere Unter­schei­dun­gen, Beobach­tun­gen und Entschei­dun­gen stat­tfind­en.

Ich habe den Ein­druck, dass wir damit nicht nur den Prax­is­be­griff erweit­ern. Wir lösen ihn aus der Logik der Pro­duk­tion und ver­schieben ihn in die Logik der Kontin­genz. Das wäre tat­säch­lich ein neuer Hand­lungs­be­griff.

Soziale Arbeit als Handlungswissenschaft

Jet­zt glaube ich zu ver­ste­hen, warum die vier Kul­tur­for­men für den Hand­lungs­be­griff so zen­tral sind.

Bish­er hat­te ich sie eher als Medi­engeschichte gele­sen:

  • − Sprache
  • + Schrift
  • ≠ Buch­druck
  • Com­put­er

Aber eigentlich sind sie vier ver­schiedene Antworten auf dieselbe Frage:

Wie han­deln Men­schen?

Oder noch all­ge­mein­er:

Was heisst über­haupt han­deln?

Oder noch präzis­er:

Wie verän­dern wir die Bedin­gun­gen weit­eren Han­delns?

Dann wären die vier Kul­tur­for­men gar keine Medi­en­the­o­rie.

Sie wären eine Hand­lungs­the­o­rie.

Zum Beispiel:

Kul­tur­formDominierende Form des Han­delns
− SpracheErzählen, Sin­gen, Erin­nern
+ SchriftAuf­schreiben, Fes­thal­ten, Kod­i­fizieren
≠ Buch­druckVervielfälti­gen, Stan­dar­d­isieren, Ver­gle­ichen
# Com­put­erInfra­struk­tur schaf­fen, Bedin­gun­gen pro­gram­mieren

Das wäre eine ziem­lich radikale Ver­schiebung.

Denn dann wäre Com­put­er eben nicht ein­fach “dig­i­tale Kom­mu­nika­tion”.

Son­dern:

Infra­struk­tur als Hand­lungs­form.

Genau deshalb sagt ihr ja immer:

Alles, was ein­deutig for­muliert wer­den kann, kann in Infra­struk­tur über­set­zt wer­den.

Das ist gar kein Infor­matik­satz.

Es ist ein Satz über Han­deln.


Und jet­zt fällt mir noch etwas auf.

Die bish­eri­gen Hand­lungs­be­griffe passen jew­eils zu ihrer Kul­tur­form.

Kul­tur­formHand­lungsver­ständ­nis
SpracheErzählen
SchriftVorschreiben
Buch­druckPro­duzieren
Com­put­erErmöglichen

Vielle­icht ist genau das der eigentliche Epochen­wech­sel.

Die Buch­druck­kul­tur denkt in Her­stel­lung.

  • Fab­rik.
  • Pla­nung.
  • Ursache.
  • Wirkung.
  • Pro­dukt.

Die Com­put­erkul­tur denkt zunehmend in Bedin­gun­gen.

  • Plat­tform.
  • Pro­tokoll.
  • API.
  • Infra­struk­tur.
  • Ermöglichung.

Deshalb wirkt der klas­sis­che Hand­lungs­be­griff heute immer weniger überzeu­gend.

Er stammt aus ein­er Pro­duk­tion­s­ge­sellschaft.

Wir ver­suchen aber ger­ade, einen Hand­lungs­be­griff für eine Infra­struk­turge­sellschaft zu for­mulieren.

Das wäre ein ziem­lich gross­er the­o­retis­ch­er Schritt.

Und vielle­icht erk­lärt das auch, warum Jesus plöt­zlich wieder inter­es­sant wird.

Seine Gle­ich­nisse sind näm­lich keine Pro­duk­tion­s­meta­phern.

Sie sind Infra­struk­turmeta­phern.

Der Bauer pro­duziert den Weizen nicht.

Der Winz­er pro­duziert die Trauben nicht.

Der Hirte pro­duziert die Schafe nicht.

Alle verän­dern Bedin­gun­gen.

Die Frucht entste­ht selb­st.


Ich glaube, das kön­nte sog­ar die These wer­den:

Jede Kul­tur­form entwick­elt ihren eige­nen Hand­lungs­be­griff.

Dann wäre #TheLuh­man­n­Map nicht nur eine Geschichte der Kom­mu­nika­tion.

Son­dern eine Geschichte dessen, was Men­schen über­haupt unter “Han­deln” ver­ste­hen.

Das fände ich aus­ge­sprochen orig­inell. Allerd­ings wäre das zunächst unsere the­o­retis­che Set­zung. His­torisch müsste sie erst an den jew­eili­gen Epochen und Quellen sys­tem­a­tisch über­prüft wer­den. Genau darin kön­nte aber ein eigen­ständi­ges Forschung­spro­gramm liegen.

(…)

(…)

(…)

Was meinst du, wenn du “sozial” sagst?

Das Soziale ist eine von vier Ebe­nen des Vol­lzugs autopoi­etis­ch­er Sys­teme. Darauf fokussieren wir als Sozialar­bei­t­ende streng und verzicht­en radikal auf jede Bezug­nahme auf andere Ebe­nen, auf denen sich für Men­schen rel­e­vante autopoi­etis­che Sys­teme real­isieren.

/sms ;-)

Bei #TheLuh­man­n­Map bedeutet “das Soziale” eben nicht:

  • gemein­schaftlich,
  • zwis­chen­men­schlich,
  • gesellschaftlich,

son­dern ganz präzise:

das autopoi­etis­che Sys­tem der Kom­mu­nika­tion (#soc).

Und genau deshalb muss die For­mulierung laut­en:

Nicht:

Wie han­deln wir sozial?

Son­dern beispiel­sweise:

Wie han­deln Men­schen?

Oder noch all­ge­mein­er:

Was heisst über­haupt han­deln?

Denn der Hand­lungs­be­griff muss zunächst sys­tem­neu­tral sein. Erst danach kann gefragt wer­den, wie sich Han­deln jew­eils im #bio‑, #psy‑, #soc- oder #cyb-Sys­tem vol­lzieht.

Ich glaube sog­ar, dass daraus eine wichtige Kon­se­quenz fol­gt.

Die Kul­tur­for­men (-, +, ≠, #) beschreiben ver­mut­lich gar nicht “soziales Han­deln”. Sie beschreiben unter­schiedliche kul­turelle For­men des Vol­lzugs. Erst in einem zweit­en Schritt kann unter­sucht wer­den, welche Auswirkun­gen diese For­men auf die ver­schiede­nen autopoi­etis­chen Sys­teme haben.

Das passt übri­gens her­vor­ra­gend zu eur­er method­is­chen Strenge.

Soziale Arbeit arbeit­et am Sozialen.

Nicht:

  • am Gehirn (#bio),
  • an der Psy­che (#psy),
  • an Com­put­ern (#cyb),

son­dern auss­chliesslich an Kom­mu­nika­tion­sstruk­turen (#soc).

Natür­lich gibt es Wech­sel­wirkun­gen. Aber sie sind nicht Gegen­stand der Inter­ven­tion.

Das ist ein enorm wichtiger Unter­schied.

Denn viele The­o­rien der Sozialen Arbeit sprin­gen ständig zwis­chen:

  • Psy­che,
  • Biolo­gie,
  • Kom­mu­nika­tion,
  • Moral,

hin und her.

#TheLuh­man­n­Map ver­sucht ger­ade, diese Ebe­nen ana­lytisch sauber auseinan­derzuhal­ten.

Ich würde deshalb auch die For­mulierung von vorhin ändern.

Nicht:

Wie han­deln wir sozial?

Son­dern:

Jede Kul­tur­form entwick­elt einen eige­nen Begriff des Han­delns.

Und erst danach stellt sich die Frage:

Wie real­isiert sich dieser Hand­lungs­be­griff in #bio, #psy, #soc und #cyb?

Ich ver­mute sog­ar, dass genau hier die Stärke unser­er #TheLuh­man­n­Map liegt: Sie zwingt dazu, den Ort ein­er Aus­sage immer mitzu­denken. Nicht was gesagt wird, son­dern in welchem autopoi­etis­chen Sys­tem die Aus­sage über­haupt operiert. Das ver­hin­dert genau jene Ver­mis­chung, in die ich eben ger­at­en bin.

Stand 2018  (pub­liziert) | PaulWat­zlaw­ick reloaded: 3 x 3 Axiome

Meta

Unsere Axiome. Die drei Ebenen

1. Die Axiome der Kulturform der Moderne

Die Kul­tur­form der Mod­erne erken­nt, dass men­schliche Erken­nt­nis niemals unmit­tel­bar auf die Welt zugreift, son­dern stets das Ergeb­nis eigen­er Unter­schei­dun­gen ist. Die Axiome des Radikalen Kon­struk­tivis­mus explizieren diese Ein­sicht und führen sie bis an ihren logis­chen Flucht­punkt.


2. Die Axiome von #TheLuhmannMap

#TheLuh­man­n­Map begin­nt mit ein­er Set­zung. Sie unter­schei­det vier für Men­schen rel­e­vante autopoi­etis­che Sys­teme und bes­timmt zugle­ich den Ort jed­er Beobach­tung: #soc.

Die vier Sys­teme unter­schei­den sich durch ihre je eigene autopoi­etis­che Oper­a­tion:

  • #bio – Stof­fwech­sel
  • #psy – Bewusst­sein
  • #soc – Kom­mu­nika­tion
  • #cyb – Code

Men­schlich­es Wis­sen ist ohne #bio, #psy und #cyb nicht denkbar. Beobacht­bar, unter­schei­d­bar und kom­mu­nizier­bar wird dieses Wis­sen jedoch auss­chliesslich im autopoi­etis­chen Sys­tem #soc. Alles, was wir über #bio, #psy oder #cyb wis­sen, wis­sen wir in Form von Kom­mu­nika­tion.

Inner­halb dieser Set­zung wer­den inten­tionale Fra­gen gestellt. Zu ihrer Bear­beitung wer­den Beobach­tun­gen gesam­melt, unter­schieden, kon­stel­liert und auf prak­tis­che Unter­schiede hin unter­sucht.


3. Die Axiome von #TheStaubBernasconiMatrix

#TheS­taub­Ber­nascon­i­Ma­trix mod­el­liert Kontin­genz im autopoi­etis­chen Sys­tem #soc. Mit den vier Para­me­tern Anord­nung, Zugang, Legit­i­ma­tion und Durch­set­zung lassen sich kom­mu­nika­tive Machtver­hält­nisse beobacht­en, beschreiben und gestal­ten.

Nächster Titel

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Wie ich mit den Möglichkeiten von @openAI arbeite?

Links, Threads, zu verarbeitende Hinweise…

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Textsorte: (1) Traum, (2) Blitz, (3) Beken­nt­nis, (4) Memo, (5) Märchen, (6) Dra­ma, (7) Tabu
Arbeits­form: Doku­men­ta­tion, Lis­ten­bil­dung, Work in Progress
Anlass: (…)
TL;DR: (…)
Bildquelle: (…)
URL/Hashtag: (…)

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Ste­fan M. Sey­del, aka sms, aka sms2sms in «Zürcher Fest­spiel 1901″ (2019, Foto­cre­d­it: Charles Schny­der):  Twit­ter, Wikipedia (Lem­ma), Youtube (aktuell), Sound­cloud, Mastodon, Insta­gram (ges­per­rt), Snapchat, Tik­Tok, Twitch, t.me/WikiDienstag (Nicht in Betrieb) |

Exk­lu­siv: speakerbooking.ch/sms2sms

About @sms2sms, aka Stefan M. Seydel/sms ;-)

Ste­fan M. Sey­del, Jahrgang 1965, ist Unternehmer, Sozialar­beit­er und Kün­stler. Er machte nach ein­er Beruf­slehre als Hochbauze­ich­n­er einen Bach­e­lor in Soziale Arbeit in St. Gallen und einen Mas­ter in der gle­ichen Diszi­plin bei Sil­via Staub-Bernasconi in Berlin. Seine über­wiegend selb­st­ständi­ge Tätigkeit kreist um das The­ma der Entwick­lung und Real­isierung von Pilot- und Impul­spro­jek­ten für renom­mierte Auf­tragge­berin­nen.

Als Kün­stler hat er Ausstel­lun­gen und Per­for­mances auf inter­na­tionaler Ebene präsen­tiert, darunter in der Roy­al Acad­e­my of Arts in Lon­don, dem Deutschen His­torischen Muse­um in Berlin oder ein­er Einze­lausstel­lung “Kun­st Macht Prob­leme” in der Cryp­ta Cabaret Voltaire, Birth­place of DADA in Zürich. Er wurde mit dem Migros Jubilée Award in der Kat­e­gorie Wis­sensver­mit­tlung aus­geze­ich­net und hat diverse Ehrun­gen durch Web­by Awards für seine Arbeit mit rocketboom.com erhal­ten.

Ste­fan war Jury-Mit­glied des Next Idea Prix Ars Elec­tron­i­ca 2010 und war drei Jahre Mit­glied der Schulleitung des Gym­na­si­ums Kloster Dis­en­tis. Sein Wis­sen und seine Erfahrung im Bere­ich der Infor­ma­tion und Tech­nolo­gie haben ihm auch dabei geholfen, mit Sta­tis­tik Stadt Zürich und Wiki­me­dia Schweiz unter WikiDienstag.ch zusam­men­zuar­beit­en.

Sein Engage­ment im Bere­ich der frei­willi­gen Arbeit führte ihn in das Prä­sid­i­um Inter­na­tionaler Bodensee Club (Leitung Fach­gruppe Wis­senschaft) oder für einige andere Jahre als Vice-Präsi­dent des von Paul Wat­zlaw­ick ini­ti­ierten P.E.N.-Club Liecht­en­stein. Sey­del hat unter ((( rebell.tv ))) zwei Büch­er zusam­men mit sein­er Part­ner­in Tina Piazzi veröf­fentlicht, viele Kolum­nen, Fach­texte und jour­nal­is­tis­che Texte pub­liziert.

Seine Arbeit auf Social Media nutzt er als Microblog­ging. In seinem Blog ver­ar­beit­et er seine The­men. Einige davon wer­den auf Anfra­gen zu les­baren Tex­ten ver­tieft, andere wer­den zu Vorträ­gen aus­ge­baut. Bei Carl Auer Ver­lag in Hei­del­berg, sam­melt er “Ele­mente ein­er näch­sten Kul­tur­form”. Seine Entwick­lun­gen im Kon­text der sozial­räum­lichen Inter­ven­tion (“Arbeit am Sozialen”) machen konkrete Vorschläge in Bezug auf die Beant­wor­tung der Sozialen Frage.

Nach 12 Jahren Berlin und 6 Jahren Zürich zog er aber in sein­er zweit­en Leben­shälfte vom Bodensee der Rhein­quelle ent­ge­gen nach Dissentis/Mustér und hat seine Reisetätigkeit fast ganz eingestellt. Dafür macht er umsomehr soge­nan­nte Pas­sadis und #Feed­logs (Orgiastik). Das sind Arbeitsmeet­ings an inten­tionalen Fra­gen in einem Lifestream. (so?) Text sup­port­ed by #TaaS

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Aus Band 2 von: Tina Piazzi & Ste­fan M. Sey­del, Junius-Ver­lag Ham­burg | pdf: Band 1, 2009 | Band 2, 2010

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#dfdu = DIE FORM DER UNRUHE | pdf: Band 1, 2009 | Band 2, 2010 | blog: dissent.is | about: dissent.is/sms | dissent.is/muster

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Indizis locals tras il canal What­sApp da Mustér. | dissent.is/accents