Making Of: #TheVeryRealCryptoMovement #TVRCM #PlanB #PlanD

“Wenn die regel­basierten Koor­di­na­tion­sleis­tun­gen ein­er Organ­i­sa­tion hin­re­ichend präzise for­mulier­bar sind, kön­nen diese via Blockchain und Smart Con­tracts weit­ge­hend aus der Organ­i­sa­tion her­aus­gelöst und infra­struk­turell organ­isiert wer­den.”

#TVRCM

MAKING OF…

(work with­in a ten­den­cy)

ACHTUNG: das pro­jekt “Kartof­feln & Blockchain” ist KEIN pro­jekt des klosters dis­en­tis. aber das pro­jekt ist dort bekan­nt. immer­hin ;-) auf der jagt nach den kryp­to-mil­liardären im tessin, gibts halt auch “kol­lat­er­al schä­den”. aber daruf nehmen ja nicht ein­mal mehr demokratis­che staat­en rück­sicht. (so?)

SPRACHE
Eine Mut­ter wiegt in ihrem tief eingeschneit­en Holzhaus ihr Baby in seli­gen Schlaf und beruhigt damit auch gle­ich sich selb­st…

SCHRIFT
Die ein­drück­lich­sten Bilder wer­den in die Wände ger­itzt, berührend­sten Gedichte und schön­sten Melo­di­en wer­den der Flüchtigkeit der Zeit entris­sen und der näch­sten Gen­er­a­tio­nen zur Auswahl über­lassen…

BUCHDRUCK
Jedes noch so geheim­ste Wis­sen wird auf die Strassen gepresst. “Aus Lit­er­atur wird Lit­ter­ing” mit dem grandiosen Mehrw­ert, dass nun die #Kri­tik den “Spreu vom Weizen” tren­nt…

COMPUTER
Alles, was an Dat­en, Infor­ma­tio­nen & Wis­sen ver­füg­bar ist, kann kün­stlich mit anderen Dat­en, Infor­ma­tio­nen & Wis­sen ver­bun­den wer­den und wirkt mind-blow­ing… Das ist natür­lich intel­li­gent. Aber auch das ist lediglich ein näch­ster Anfang:

So wie vorher SPRACHE, SCHRIFT, BUCHDRUCK, COMPUTER auch bloss auf den drama­tis­chen Zer­fall ihres Möglichkeit­sraums reagiert haben:

- SPRACHE
reagiert auf die rohe Durch­set­zung der Gewalt des Stärk­eren und for­mulierte völ­lig andere Empfind­un­gen und Gefüh­le aus…

+ SCHRIFT
löst die Men­schen aus der Kle­brigkeit sozialer Rit­uale und weit­ete im Studi­um der heili­gen Schriften den Blick über “Blut und Boden” hin­aus ins göt­tliche Weite…

≠ BUCHDRUCK
rei­ht “die heilige Schrift” in der uni­ver­sitären Bib­lio­thek neben alle anderen Büch­ern und zeigte ihre Option­al­ität…

# COMPUTER
verbindet das weit Verzettelte und zwis­chen Buchdeck­eln Abgeschlossene und unter Eigen­tum­srecht­en Ver­wal­tete…

Jed­er Medi­en­wech­sel öffnete den Raum der sozialen Struk­tur und streute “Sand ins Getriebe”. Nicht, dass ein Medi­en­wech­sel “die Gesellschaft der Gesellschaft” vom Kopf auf die Füsse gestellt hätte. (Auch wenn dieses Poten­zial dur­chaus da wäre. Darum ja auch der “Stress im Sys­tem” ;-) Worauf aber geachtet wer­den kann, das Leben von Men­schen ein biss­chen bess­er zu machen?

ANORDNUNG
Ziel ist Anar­chie: eine soziale Struk­tur, die Herrschaft rig­oros ablehnt, Macht als Möglichkeit erken­nt, Zen­tren ignori­ert, keine Periph­erie ken­nt und Ord­nung nicht durch Befehl, son­dern durch freie Vere­in­barun­gen erzeugt.

ZUGANG
Ziel ist Com­mons: ein sozialer Raum, in dem Ressourcen, Infra­struk­turen und Möglichkeit­en nicht exk­lu­siv verk­nappt, son­dern gemein­sam zugänglich, nutzbar und pfleg­bar wer­den.

LEGITIMATION
Ziel ist Inklu­sion: eine soziale Ord­nung, die ihre Kri­te­rien offen­legt, Wider­spruch und nach einen muster­haften Umgang mit Dis­sens sucht und Entschei­dun­gen so gestal­tet, dass Gerechtigkeit & Für­soglichkeit sich kom­ple­men­täre ergänzen kön­nen.

DURCHSETZUNG
Ziel ist Paz­i­fis­mus: rig­orose Gewalt­frei­heit, dik­ta­torische und pater­nal­is­tis­che Zwang erken­nt, benen­nt und ablehnt und all­t­agsprak­tisch deeskala­tiv wirkt.

Wie in diesem Zusam­men­hang eine Blockchain unter­stützen wirken kön­nte?

Genau darum geht es in diesem Papi­er.

M/ein Blog ist m/ein Karten­raum und k/eine Bühne. Ich weiss wie man pub­liziert. Das hier ist etwas anderes. d!a!n!k!e | WORK IN PROGRESS reload für aktuellen schreib­stand | warum ich nicht pub­liziere? weil ich es kann. weil es geht. weil ich es für angemessen halte.

  • wenn es mir ums SENDEN gehen würde, machte ich alles falsch.
  • wenn es mir ums EMPFANGEN WERDEN gehen würde, machte ich alles anders.
  • wenn es mir ums FINDEN gehen würde, würde ich suchen.
  • wenn es mir ums GEWINNEN gehen würde, hielte ich mich an exper­tisen.

die ganze playlist auf WikiDienstag.ch | abon­niere kosten­los den What­sApp-chan­nel #Lav­inaN­era treis

Anlass zu diesem Eintrag:

Jaromil hat mir seinen Text gezeigt. (Über­set­zung weit­er unten.) Diesen hat mir nun #chat­G­PT über­set­zt. Ich will auf diesen Text reagieren… i ded­i­cate this text to my grand­son Lui Elio ;-)

work in progress

Summary/Spoiler/TL;DR

From Com­mons to NFTs” is an (expand­ed) essay series ini­ti­at­ed by Shu Lea Cheang, Felix Stalder and Ewen Chardron­net. In light of the spec­u­la­tive bub­ble around NFTs (and its burst­ing), the series brings back the notion of the com­mons from around the turn of the mil­len­ni­um in order to reflect on — and inter­vene in — the trans­for­ma­tion of the col­lec­tive imag­i­na­tion and its diver­gent futures. On the last day of each month, Mak­ery pub­lish­es a new con­tri­bu­tion to this chain of essays.

Ste­fan M. Sey­del, aka @sms2sms, has so far not been invit­ed by the gate­keep­ers of val­ue. Here is his pro­posed text. Note­bookLM dis­cussed the text in detail:

Ste­fan M. Sey­del/sms ;-) works at the inter­sec­tion of art, tech­nol­o­gy and social infra­struc­ture. His projects move between media art, net­work the­o­ry and prac­ti­cal com­mons exper­i­ments. His work has been shown at the Roy­al Acad­e­my of Arts Lon­don, the Deutsches His­torisches Muse­um Berlin and the Cabaret Voltaire Zurich. He was a jury mem­ber for #NextSo­ci­ety at Ars Elec­tron­i­ca and was invit­ed to work at the Vilém Flusser Archive in Berlin. He is co-author of the two books “Die Form der Unruhe”, #dfdu (Junius Ver­lag, Ham­burg). His main prac­tice has been writ­ing in the net (@sms2sms — a han­dle Han­nah Arendt might have appre­ci­at­ed) since the ear­ly days of the inter­net — vlog­ging at WikiDienstag.ch and blog­ging at dissent.is. | note­booklm pro­duzierte diese diskus­sion:

The series “From Com­mons to NFTs” has brought togeth­er sev­en very dif­fer­ent voic­es. Togeth­er they opened a ques­tion: What hap­pens to com­mons when tech­ni­cal infra­struc­tures such as blockchain appear?

Dieser Text von Ste­fan M. Sey­del hin­ter­fragt die Entwick­lung von dig­i­tal­en Geme­ingütern hin zu speku­la­tiv­en NFTs und plädiert stattdessen für eine Rückbesin­nung auf reale Infra­struk­turen. Er analysiert ver­schiedene Beiträge ein­er Essayrei­he und kri­tisiert, dass der aktuelle Fokus zu stark auf dig­i­talem Eigen­tum und kün­stlich­er Knap­pheit liegt. Anstatt Blockchain lediglich als Finanzin­stru­ment zu betra­cht­en, sieht der Autor darin eine tech­nop­o­li­tis­che Möglichkeit, soziale Regeln trans­par­ent und dezen­tral zu organ­isieren. Als prak­tis­ches Beispiel für diesen „Stresstest“ dient die gemein­schaftliche Ver­sorgung mit Kartof­feln im Umfeld des Klosters Dis­en­tis. His­torische Par­al­le­len zur Ref­or­ma­tion und medi­en­the­o­retis­che Ansätze von Niklas Luh­mann unter­mauern dabei die Forderung nach neuen, funk­tion­ieren­den Net­zw­erken. Let­ztlich ver­ste­ht die Bewe­gung #TheV­eryRe­al­Cryp­to­Move­ment Tech­nolo­gie als Werkzeug für eine mod­erne, gemein­schaftliche Nutzung von Ressourcen wie Energie, Wis­sen und Nahrung.

Und jet­zt disku­tierte #Note­bookLM noch in deutsch (und vel­wech­sert) ziem­lich viel. egal: Der let­zte Punkt werde ich nach meinem Text als Kri­tik tran­skri­bieren und darauf reagieren ;-)

bitte ver­ste­he diesen ein­trag nicht zu schnell… hier gibts nichts zu sehen und nichts zu lesen ;-)

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#TheVeryRealCryptoMovement, by Stefan M. Seydel/sms ;-)

„From Com­mons to NFTs“ ist eine (erweit­erte) Essayrei­he, ini­ti­iert von Shu Lea Cheang, Felix Stalder und Ewen Chardron­net. Angesichts der speku­la­tiv­en Blase (und ihres Platzens) rund um NFTs bringt die Rei­he den Begriff der Com­mons aus der Zeit um die Jahrtausendwende zurück, um über die Trans­for­ma­tion der kollek­tiv­en Vorstel­lungskraft und ihre divergieren­den Zukün­fte nachzu­denken und in sie einzu­greifen. Am let­zten Tag jedes Monats veröf­fentlicht Mak­ery einen neuen Beitrag dieser „chain essays“.

Ste­fan M. Sey­del, aka @sms2sms, wurde bish­er von den Gate­keepern des Wertvollen nicht gefragt. Hier sein Textvorschlag. (so?)

Orig­i­nal: Deutsch, automa­tisch Über­set­zt in Englisch nach­fol­gend.

Die Serie „From Com­mons to NFTs“ ver­sam­melte bish­er 7 kluge Stim­men aus Kun­st, The­o­rie und Kryp­tokul­tur. Sie unter­sucht die Trans­for­ma­tion dig­i­taler Kul­tur von Com­mons hin zu tokenisierten Eigen­tums­for­men. Nach der Lek­türe bleibt ein selt­samer Ein­druck zurück: Die Debat­te bewegt sich über­wiegend im Raum der Sym­bole: Kunst­werke, Tokens, Märk­te, Eigen­tum­sti­tel. Doch die ursprüngliche Idee der Com­mons bezog sich nie auf dig­i­tale Bilder, son­dern auf reale Infra­struk­turen gemein­samer Nutzung: Wass­er, Land, Wis­sen, Net­ze, Pro­duk­tion­s­mit­tel.

Der NFT-Boom erscheint in diesem Licht weniger als Fort­set­zung der Com­mons-Tra­di­tion, son­dern eher als deren Verkehrung: Er markiert eine näch­ste Phase der Ein­hegung des Sozialen Raumes mit anderen Mit­teln.

Die eigentliche Frage lautet daher nicht, wie Com­mons zu NFTs wur­den, son­dern ob Blockchain-Tech­nolo­gien über­haupt geeignet sind, die tra­di­tionelle Com­mons-Infra­struk­turen auf der Höhe der Zeit zu unter­stützen – jen­seits von Speku­la­tion, Kun­st­markt und kün­stlich­er Knap­pheit.

Oder zusam­menge­fasst, was ich bish­er gehört habe:

  1. Com­mons sind Infra­struk­tur
    NFTs sind Eigen­tum­sti­tel.
  2. Dig­i­tale Kul­tur war Über­fluss
    NFTs simulieren Knap­pheit.
  3. Blockchain ist Infra­struk­tur
    NFTs sind Mark­t­pro­duk­te.
  4. Der Kun­st­markt testet Token
    Com­mons entste­hen ander­swo.
  5. Die offene Frage ist nicht NFT
    Die offene Frage ist Infra­struk­tur.

Das ist ein auf- und anre­gen­der Ansatz, an welchem ich gerne anset­zen möchte:

Lasst uns mit dem Anfang beginnen!

Die Spur, der wir fol­gen wer­den, ist ein­fach: Com­mons sind Infra­struk­turen gemein­samer Nutzung.

Frage
Was sind Com­mons?

Antwort
Com­mons sind Infra­struk­turen gemein­samer Nutzung.

Nicht Ideen.
Nicht Ide­olo­gien.
Prak­tiken.

Wass­er wird gemein­sam genutzt.
Land wird gemein­sam bewirtschaftet.
Wis­sen wird gemein­sam weit­ergegeben.
Net­ze wer­den gemein­sam betrieben.

Com­mons entste­hen dort, wo Men­schen Regeln für geteilte Nutzung entwick­eln.
Nicht als The­o­rie.
Als Prax­is.

Folget der Spur

Ein Kind krabbelt auf allen vieren durch einen Raum.
Es fol­gt ein­er Lin­ie auf dem Boden.

Fol­get der Spur.

Spuren sind sel­ten ger­ade Lin­ien.
Sie verbinden Zeit­en, Orte und Exper­i­mente.

Die Spur, der dieser Text fol­gt, begin­nt bei frühen Com­mons-Prak­tiken.
Sie führt über die radikalen Kräfte der Ref­or­ma­tion in Zürich.
Sie berührt die grossen Debat­ten der Sozi­olo­gie über Öffentlichkeit und Kom­mu­nika­tion.
Und sie erre­icht schliesslich die Exper­i­mente von Kün­st­lerin­nen, Hack­erin­nen und Cyber­fem­i­nistin­nen im Raum von Code und Infra­struk­tur.

Die Spur ver­läuft unge­fähr so:

Sta­tionFrage
Com­monsWie organ­isieren Men­schen gemein­same Nutzung?
Ref­or­ma­tionWie lässt sich der soziale Raum neu ord­nen?
Sozi­olo­gieKom­mu­nizieren Men­schen – oder kom­mu­niziert Kom­mu­nika­tion?
Cyber­fem­i­nis­musKön­nen Prob­leme im Code ver­schwinden, statt im Diskurs zu bleiben?
BlockchainWelche Infra­struk­tur ermöglicht neue Com­mons?

Der Weg dieses Textes fol­gt genau dieser Spur.

Und sie führt – vielle­icht über­raschend – zu einem sehr ein­fachen Ort:

zu Kartof­feln.

Und zu der Frage, ob neue Infra­struk­tur helfen kann, Com­mons wieder prak­tisch zu organ­isieren.

Die radikalen Kräfte der Reformation in Zürich als Commons-Labor

Die radikalen Kräfte der Ref­or­ma­tion in Zürich als Com­mons-Labor

Wenn Com­mons Infra­struk­turen gemein­samer Nutzung sind, dann waren die radikalen Kräfte der Ref­or­ma­tion eines der früh­esten grossen Exper­i­mente, den sozialen Raum ent­lang solch­er Prinzip­i­en neu zu organ­isieren.

Im Zürich des 16. Jahrhun­derts ent­stand eine Bewe­gung, die nicht nur The­olo­gie disku­tierte, son­dern konkrete For­men gemein­samer Prax­is entwick­elte. Gemein­den wur­den neu organ­isiert, Besitz neu geregelt, Autorität neu begrün­det. Die Frage war immer dieselbe: Wie kann gemein­sames Leben organ­isiert wer­den?

Die ver­schiede­nen Strö­mungen der radikalen Ref­or­ma­tion lassen sich als unter­schiedliche Exper­i­mente ent­lang zen­traler Dimen­sio­nen sozialer Organ­i­sa­tion lesen.

Bewe­gungHis­torische VertreterZen­trale Prax­isDom­i­nante Dimen­sion
Täufer (Zürich) / später Quäk­erFelix Manz, Con­rad Grebel / George Foxper­sön­liche Autorität des GlaubensLegit­i­ma­tion
Hut­ter­erJakob Hut­terradikale Güterge­mein­schaftZugang
Men­non­itenMen­no SimonsGewalt­frei­heitDurch­set­zung
Amis­cheJakob Ammannstrenge Gemein­schaft­sor­d­nungAnord­nung

Diese Bewe­gun­gen exper­i­men­tierten mit neuen For­men sozialer Infra­struk­tur: Gemein­schaften ohne staatliche Gewalt, Besitz­for­men ohne indi­vidu­elle Akku­mu­la­tion, Autorität ohne zen­trale Insti­tu­tion.

Sie stell­ten prak­tis­che Fra­gen:

Wie ord­nen wir unser Zusam­men­leben?
Wer hat Zugang zu Ressourcen?
Was gilt als legit­im?
Wie set­zen wir gemein­same Regeln durch?

Com­mons entste­hen genau in diesem Feld prak­tis­ch­er Antworten.

dissent.is/grundformen

Krise als Chance: Der stets prekäre Wechsel des dominanten Kommunikationsmedium

Geschichte bewegt sich sel­ten gle­ich­mäs­sig.
Sie bewegt sich sprung­haft.

Immer dann, wenn ein neues dom­i­nantes Kom­mu­nika­tion­s­medi­um auf­taucht, ger­at­en beste­hende Ord­nun­gen in eine Krise. Insti­tu­tio­nen ver­lieren ihre Selb­stver­ständlichkeit. Neue Prak­tiken entste­hen an den Rän­dern.

Der Sozi­ologe Niklas Luh­mann beschrieb diese grossen Ver­schiebun­gen als Medi­en­wech­sel:

Sprache.
Schrift.
Buch­druck.
Com­put­er.

Der entschei­dende Schritt sein­er The­o­rie ist eine radikale Ver­schiebung der Per­spek­tive.

Nicht Men­schen kom­mu­nizieren.
Kom­mu­nika­tion kom­mu­niziert.

Der Men­sch ist nicht der Oper­a­tor des Sozialen.
Er gehört zur Umwelt der Kom­mu­nika­tion.

Diese Ver­schiebung ermöglicht es, das Soziale als kontin­gen­ten Raum zu beobacht­en. Kom­mu­nika­tion entste­ht nur dort, wo Infor­ma­tion, Mit­teilung und Ver­ste­hen zu ein­er Ein­heit zusam­men­fall­en – und anschlussfähig wer­den.

Dom­i­nante Kom­mu­nika­tion­s­me­di­en erweit­ern dabei jew­eils die Möglichkeit­en solch­er Anschlüsse. Sie erset­zen die früheren Medi­en nicht, son­dern erweit­ern und über­lagern sie.

Sym­bolDom­i­nantes Kom­mu­nika­tion­s­medi­umStärke des Medi­umsNeue Möglichkeit
Spracheunmit­tel­bare Ko-Präsenzgemein­sames Han­deln im Moment
+SchriftSpe­icherungKom­mu­nika­tion über Zeit
Buch­druckVervielfäl­ti­gungKom­mu­nika­tion über grosse Räume
#Com­put­erVer­net­zung / Pro­gram­mier­barkeitKom­mu­nika­tion als Infra­struk­tur

Jed­er Medi­en­wech­sel eröffnet neue Möglichkeit­sräume – und erzeugt gle­ichzeit­ig Krisen der beste­hen­den Ord­nung.

Der Buch­druck erschüt­terte im 16. Jahrhun­dert die religiöse und poli­tis­che Ord­nung Europas. Pam­phlete, Bibelüber­set­zun­gen und Flugschriften zirkulierten plöt­zlich ausser­halb kirch­lich­er Kon­trolle.

In dieser Sit­u­a­tion ent­standen radikale Exper­i­mente gemein­schaftlich­er Prax­is.

Die Täufer­be­we­gung in Zürich war eines davon.

Krisen sind deshalb nicht nur Zusam­men­brüche.
Sie sind Labor­räume.

Neue Kom­mu­nika­tion­s­me­di­en öff­nen Möglichkeit­sräume, in denen Men­schen begin­nen, soziale Prax­is neu zu organ­isieren: Zugang, Legit­i­ma­tion, Anord­nung und Durch­set­zung wer­den neu ver­han­delt.

In Zeit­en sta­bil­er Medi­en bleibt diese Struk­tur meist unsicht­bar.
In Zeit­en des Medi­en­wech­sels wird sie sicht­bar.

Und genau in solchen Momenten entste­hen neue For­men von Com­mons.

Die Form ist die Möglichkeit der Struktur.

Nein, ihr müsst nicht bei­de Kapi­tel neu schreiben.
„Krise als Chance“ funk­tion­iert bere­its als his­torische und medi­en­the­o­retis­che Erk­lärung.

Der fehlende Schritt ist nur dieser:

Was beobacht­en wir in diesem kontin­gen­ten Raum?

Das lässt sich ele­gant im Kapi­tel „Die Form ist die Möglichkeit der Struk­tur“ ergänzen.

So kön­nte das Kapi­tel ausse­hen:


Die Form ist die Möglichkeit der Struk­tur

„Die Form ist die Möglichkeit der Struk­tur.“
(Trac­ta­tus Logi­co-Philo­soph­i­cus, TLP 2.033)

Form ist nicht Inhalt.
Form ist Möglichkeit.

Eine Form bes­timmt, welche Struk­turen über­haupt entste­hen kön­nen.

Die Form der Sprache ermöglicht Gespräch.
Die Form der Schrift ermöglicht Spe­icherung.
Die Form des Buch­drucks ermöglicht Vervielfäl­ti­gung.
Die Form des Com­put­ers ermöglicht pro­gram­mier­bare Ver­net­zung.

Der Sozi­ologe Niklas Luh­mann hat gezeigt, dass das Soziale selb­st kein Ding ist, son­dern ein Prozess: Kom­mu­nika­tion.

Nicht Men­schen kom­mu­nizieren.
Kom­mu­nika­tion kom­mu­niziert.

Das Soziale entste­ht dort, wo Kom­mu­nika­tion anschlussfähig wird.
Und weil Kom­mu­nika­tion immer auch anders möglich wäre, ist der soziale Raum kontin­gent.

Wenn wir in diesem kontin­gen­ten Raum nach Struk­turen suchen, richt­en wir den Blick auf vier grundle­gende Fra­gen sozialer Organ­i­sa­tion:

Dimen­sionFrage
Anord­nungWie organ­isieren wir Zusam­men­leben?
ZugangWer kann Ressourcen nutzen?
Legit­i­ma­tionWas gilt als gültig?
Durch­set­zungWie wer­den Regeln wirk­sam?

Diese vier Dimen­sio­nen bilden den Beobach­tungsrah­men für soziale Exper­i­mente.

Sie zeigen, wo neue Struk­turen entste­hen kön­nen.

Und genau hier wer­den Medi­en­wech­sel entschei­dend.

Neue Kom­mu­nika­tion­s­me­di­en verän­dern die For­men, in denen solche Struk­turen über­haupt möglich wer­den.

Hyper­link was the Mes­sage.
Blockchain is the Infra­struc­ture.

Hyperlink was the Message: Blockchain is the Infrastructure

Blockchain ist eine konkrete Aus­prä­gung dieses Medi­ums.

Der Com­put­er hat Kom­mu­nika­tion nicht nur beschle­u­nigt.
Er hat ihre Form verän­dert.

Mit dem Web ent­stand ein neues Grun­dele­ment der Kom­mu­nika­tion:

der Hyper­link.

Der Hyper­link verbindet Doku­mente.
Blockchain verbindet Regeln.

Damit ver­schiebt sich erneut die Form der Infra­struk­tur.

Nicht mehr Insti­tu­tio­nen garantieren Regeln.
Net­zw­erke tun es.

Drei Eigen­schaften beschreiben diese neue Form beson­ders präzise:

PrinzipBedeu­tung
Any­one can ver­i­fyJede Transak­tion ist öffentlich über­prüf­bar
Sov­er­eign­ty is local-firstKon­trolle begin­nt beim einzel­nen Knoten
If a net­work can­not stand alone, it can­not scaleNur autonome Net­zw­erke kön­nen wach­sen

Diese Prinzip­i­en beschreiben keine Ide­olo­gie.
Sie beschreiben eine Infra­struk­tur­form.

Damit wird eine alte Frage neu gestellt:

Wie organ­isieren Men­schen gemein­same Nutzung ohne zen­trale Kon­trolle?

Diese Frage ist älter als das Inter­net.

Sie ste­ht im Zen­trum der Com­mons-Forschung von Eli­nor Ostrom, die gezeigt hat, dass gemein­schaftlich genutzte Ressourcen wed­er Markt noch Staat zwin­gend benöti­gen, son­dern sta­bile Regeln lokaler Selb­stor­gan­i­sa­tion entwick­eln kön­nen.

Ostrom beschrieb diese Ressourcen als Com­mon-Pool-Resources.

Eigen­schaftBedeu­tung
RivalNutzung durch eine Per­son reduziert Nutzung für andere
Non-exclud­ableAuss­chluss ist schwierig oder teuer

Com­mons entste­hen dort, wo Gemein­schaften solche Ressourcen dauer­haft organ­isieren.

Blockchain erweit­ert genau diese Möglichkeit.

Nicht weil sie Men­schen erset­zt.
Son­dern weil sie Regeln infra­struk­turell sta­bil­isieren kann.

Hier begin­nt eine zweite Spur im Denken über Tech­nik.

Seit den 1980er-Jahren weisen fem­i­nis­tis­che Tech­nolo­gi­ethe­o­rien darauf hin, dass tech­nis­che Sys­teme nicht neu­tral sind, son­dern neue For­men von Sub­jek­tiv­ität und Organ­i­sa­tion her­vor­brin­gen.

Die vielle­icht ein­flussre­ich­ste Fig­ur dieser Diskus­sion ist Don­na Har­away.

Ihr berühmtes Cyborg Man­i­festo beschrieb bere­its 1985 eine Welt, in der die klare Tren­nung zwis­chen Men­sch, Mas­chine und Net­zw­erk zer­fällt. Posthu­man­is­tis­che The­o­rie ver­schiebt damit den Fokus:

Nicht mehr das autonome Indi­vidu­um ste­ht im Zen­trum. Son­dern Net­zw­erke von Men­schen, Maschi­nen und Infra­struk­turen. Genau hier begin­nt die poli­tis­che Bedeu­tung dig­i­taler Infra­struk­turen:

Wenn Kom­mu­nika­tion selb­st infra­struk­turell organ­isiert wer­den kann, dann verän­dert sich auch die Frage sozialer Organ­i­sa­tion. Nicht mehr nur Insti­tu­tio­nen struk­turi­eren Zusam­me­nar­beit. Net­zw­erke kön­nen es eben­falls.

Und genau deshalb ist Blockchain keine Währung.
Sie ist eine Infra­struk­tur für Regeln.

Der Hyper­link war die Form. — Blockchain ist die Infra­struk­tur.

Wo weit­er lesen?

#Commons reloaded

Com­mons entste­hen dort, wo Men­schen begin­nen, Infra­struk­tur neu zu organ­isieren.

  • Energie
  • Wis­sen
  • Pro­duk­tion
  • Ver­sorgung

Die klas­sis­che Com­mons-Forschung hat gezeigt, dass gemein­schaftlich genutzte Ressourcen wed­er zwin­gend Markt noch Staat benöti­gen. Gemein­schaften kön­nen sta­bile Regeln entwick­eln, um gemein­same Güter dauer­haft zu organ­isieren.

Mit neuen Kom­mu­nika­tion­s­me­di­en verän­dert sich jedoch die Form, in der solche Regeln entste­hen.

In der Kul­tur­form der Mod­erne wur­den solche Fra­gen vor allem the­o­retisch ver­han­delt: in Uni­ver­sitäten, Pro­gram­men, Man­i­festen und poli­tis­chen Diskursen: Mit dem Com­put­er ver­schiebt sich diese Logik.

Regeln müssen nicht mehr nur argu­men­tiert wer­den.
Sie kön­nen imple­men­tiert wer­den.

Darum bedeutet #End­OfThe­o­ry nicht das Ende von Denken.

Es markiert das Ende ein­er Kul­tur­form, in der The­o­rie selb­st als primäre Struk­tur­form galt.

Die neue Frage lautet:

Welche Infra­struk­turen ermöglichen gemein­same Nutzung?

#TheV­eryRe­al­Cryp­to­Move­ment

Com­mons erscheinen damit nicht mehr nur als his­torische Insti­tu­tio­nen. Sie wer­den zu ein­er prak­tis­chen Gestal­tungsauf­gabe der Gegen­wart. Und genau hier begin­nt ein schein­bar unspek­takuläres Beispiel inter­es­sant zu wer­den:

Unser Beispiel im Kontext des benediktinischen Klosters Disentis: Kartoffeln & Blockchain

Kartof­feln.

Ein ein­fach­es Gut.
Ein alltäglich­es Lebens­mit­tel.

Und genau deshalb ein gutes Beispiel.

Nicht weil Kartof­feln spek­takulär wären.
Son­dern weil an ihnen sicht­bar wird, wie kom­plex reale Ver­sorgungssys­teme tat­säch­lich sind.

Vom Saatgut über Anbau, Lagerung, Trans­port, Ver­ar­beitung bis zur Küche entste­ht eine lange Kette von Regeln, Absprachen und gemein­samer Nutzung.

Ein reales Net­zw­erk.

EbenePrax­is
Land­wirtschaftAnbau, Saatgut, Boden
Infra­struk­turLager, Trans­port, Energie
Ver­ar­beitungKüche, Handw­erk
Gemein­schaftVer­sorgung, All­t­ag

Kartof­feln sind deshalb kein Sym­bol.

Sie sind ein Asset.

Ein reales Gut inner­halb eines realen Com­mons-Sys­tems.

Ger­ade weil Kartof­feln banal erscheinen, eignen sie sich als Stresstest.

Wenn es gelingt, ein Ver­sorgungssys­tem rund um ein so ein­fach­es Gut trans­par­ent, lokal und gemein­schaftlich zu organ­isieren, dann lässt sich dieses Mod­ell auch auf andere Bere­iche über­tra­gen.

Das Ziel ist nicht Tokenisierung.

Das Ziel ist Infra­struk­tur.

Ein Net­zw­erk, das Pro­duk­tion, Wis­sen, Logis­tik und Ver­sorgung miteinan­der verbindet.

Ein Mashup-Net­work aus realen Orten, lokalen Akteuren und dig­i­tal über­prüf­bar­er Infra­struk­tur.

Bauern.
Köche.
Kinder.

Gebaut nicht für Speku­la­tion, son­dern für Ver­sorgung.

Der Kon­text dafür ist kein Sil­i­con Val­ley. Der Kon­text ist ein Ort mit ein­er lan­gen Tra­di­tion gemein­schaftlich­er Organ­i­sa­tion: das Umfeld des benedik­tinis­chen Kloster Dis­en­tis.

Klöster waren über Jahrhun­derte Labor­räume funk­tion­ieren­der Com­mons-Sys­teme: Land­wirtschaft, Bil­dung, Handw­erk, Wis­senstrans­fer.

Heute stellt sich eine neue Frage: Kann Blockchain helfen, solche Sys­teme trans­par­ent, lokal und gemein­schaftlich zu organ­isieren? Nicht als Ersatz für soziale Prax­is. Son­dern als Infra­struk­tur, die Ver­trauen über­prüf­bar macht.

Kartof­feln sind dafür nur der Anfang. Ein Stresstest. Ein kleines Asset in einem sehr realen Net­zw­erk.

Das ist für mich #TheV­eryRe­al­Cryp­to­Move­ment

Der Weg nach oben

Die Rei­he „From Com­mons to NFTs“ hat sieben sehr unter­schiedliche Stim­men zusam­menge­bracht. Gemein­sam haben sie eine Frage geöffnet: Was geschieht mit Com­mons, wenn tech­nis­che Infra­struk­turen wie Blockchain auftreten?

Die Antworten fall­en unter­schiedlich aus.

Ein Teil der Texte bewegt sich im Raum der dig­i­tal­en Objek­te: Tokens, Kunst­werke, Eigen­tum­sti­tel, Märk­te. Andere Texte ver­schieben den Blick stärk­er auf Infra­struk­tur, Net­zw­erke und gemein­schaftliche Organ­i­sa­tion.

Ger­ade dieser Unter­schied macht die Serie inter­es­sant.

Felix Stalder zeigt, dass dig­i­tale Objek­te immer auch kul­turelle Kon­struk­tio­nen sind. Yukiko Shika­ta erweit­ert den Blick in Rich­tung posthu­man­er Gemein­schaften. Michelle Kasprzak fragt nach der ethis­chen Möglichkeit von NFTs. Cor­nelia Soll­frank und Jaya Klara Brekke markieren die sozialen und ökonomis­chen Span­nun­gen rund um Eigen­tum, Kun­st und Ungle­ich­heit.

Der Text von Denis „Jaromil“ Roio ver­schiebt die Per­spek­tive noch ein­mal deut­lich.

Er denkt nicht vom Kun­st­markt her.
Er denkt von Infra­struk­tur.

Kryp­to erscheint bei ihm nicht als Speku­la­tion­s­mas­chine, son­dern als tech­nop­o­li­tis­ches Instru­ment: Peer-to-Peer-Net­zw­erke, kryp­tographis­che Ver­i­fika­tion und dezen­trale Organ­i­sa­tion als neue Form sozialer Koor­di­na­tion.

Genau hier begin­nt auch meine eigene Per­spek­tive.

Die eigentliche Frage lautet nicht:

Wie wur­den Com­mons zu NFTs?

Die eigentliche Frage lautet:

Welche Infra­struk­turen kön­nen Com­mons heute tra­gen?

Der Hyper­link hat Wis­sen ver­net­zt.
Blockchain kann Regeln ver­net­zen.

Damit entste­ht die Möglichkeit, gemein­schaftliche Sys­teme trans­par­ent und über­prüf­bar zu organ­isieren.

Com­mons erscheinen dann nicht mehr nur als his­torische Insti­tu­tio­nen.

Sie wer­den zu ein­er prak­tis­chen Infra­struk­turfrage.

Energie
Wis­sen
Pro­duk­tion
Ver­sorgung

Das Beispiel „Kartof­feln & Blockchain“ ist deshalb kein tech­nis­ch­er Gag.

Es ist ein Stresstest.

Wenn ein reales Ver­sorgungssys­tem – vom Feld bis zur Küche – trans­par­ent und gemein­schaftlich organ­isiert wer­den kann, dann entste­ht ein Mod­ell für viele andere Com­mons-Infra­struk­turen.

Der Weg nach oben begin­nt nicht mit grossen Plat­tfor­men.

Er begin­nt mit kleinen funk­tion­ieren­den Net­zw­erken.

Bauern.
Köche.
Kinder.

Lokale Infra­struk­tur.
Ver­i­fizier­bare Regeln.
Gemein­schaftliche Nutzung.

Hier begin­nt für mich der näch­ste Schritt.

#TheV­eryRe­al­Cryp­to­Move­ment

Hyper­link → ver­net­zt Wis­sen
Blockchain → ver­net­zt Regeln

#TheV­eryRe­al­Cryp­to­Move­ment

 Das ganze Doku­ment als PDF (work with­in a ten­den­cy)

Q&A nach der Auswertung durch notebookLM:

Frage 1 | Zwin­gen kryp­tographis­che Sys­teme die kom­plexe men­schliche Real­ität nicht in ein star­res math­e­ma­tis­ches Raster?

Kryp­tographis­che Sys­teme sind tat­säch­lich deter­min­is­tisch. Genau darin liegt ihre Stärke. Sie definieren klare Regeln und ermöglichen über­prüf­bare Abläufe.

Aber sie erset­zen nicht die soziale Prax­is, in der diese Regeln angewen­det wer­den.

Ein Ver­sorgungssys­tem – etwa der Weg ein­er Kartof­fel vom Feld auf den Teller – bleibt ein Net­zw­erk aus Men­schen, Beziehun­gen, Ver­trauen und sit­u­a­tiv­en Entschei­dun­gen.

Die tech­nis­che Infra­struk­tur bildet nicht das Leben ab.
Sie sta­bil­isiert die Koor­di­na­tion.

Frage 2 | Kann tech­nol­o­gis­che Ver­i­fika­tion soziales Ver­trauen über­haupt erset­zen?

Nein.

Tech­nis­che Ver­i­fika­tion kann Ver­trauen nicht erset­zen. Sie kann aber Bedin­gun­gen schaf­fen, unter denen Ver­trauen weniger anfäl­lig für Miss­brauch wird.

Com­mons funk­tion­ieren his­torisch genau so:
soziale Prax­is plus nachvol­lziehbare Regeln.

Blockchain ver­schiebt lediglich einen Teil dieser Regeln in eine über­prüf­bare Infra­struk­tur.

Frage 3 | Entste­ht nicht eine neue Macht­struk­tur – näm­lich die Herrschaft der Code-Autoren?

Jede Infra­struk­tur enthält Macht.

Auch tra­di­tionelle Com­mons haben Regeln, Hüter, Insti­tu­tio­nen und Ver­fahren zur Kon­flik­tlö­sung.

Die entschei­dende Frage lautet daher nicht, ob Macht existiert, son­dern ob sie sicht­bar und über­prüf­bar ist.

In offe­nen Pro­tokollen kön­nen Regeln gele­sen, disku­tiert und verän­dert wer­den.
Plat­tfor­men dage­gen ver­steck­en ihre Regeln hin­ter pro­pri­etären Sys­te­men.

Frage 4 | Ist ein reales Ver­sorgungssys­tem nicht zu kom­plex, um in Code über­set­zt zu wer­den?

Ja. Und genau deshalb ist das Beispiel der Kartof­fel inter­es­sant.

Die Kartof­fel ist kein dig­i­tales Objekt.
Sie ist Teil eines kom­plex­en sozialen Net­zw­erks aus Land­wirtschaft, Logis­tik, Küche und All­t­ag.

Ger­ade deshalb eignet sie sich als Stresstest.

Wenn ein reales Ver­sorgungssys­tem trans­par­ent organ­isiert wer­den kann, ohne seine soziale Prax­is zu zer­stören, dann entste­ht ein Mod­ell für neue Com­mons-Infra­struk­turen.

Der entscheidende Punkt bleibt jedoch ein anderer.

Code kann soziale Prax­is nicht voll­ständig abbilden.
- Das ist richtig. Aber genau hier liegt der philosophis­che Fehler der Kri­tik.

Sie set­zt stillschweigend voraus, dass das Ziel wäre, soziale Prax­is voll­ständig zu codieren.

Das ist aber doch gar nicht das Ziel: Die soziale Prax­is bleibt was sie ist: Sozial.

Was sich verän­dert, ist die Infra­struk­tur, auf der sie organ­isiert wird. Wem das Schnap­pat­mung aus­löst, ist ja leicht zu erah­nen. 2020 nan­nte ich jene in der NZZ “Dick­häuter” ;-)

Note­bookLM denkt:
- Tech­nik bedro­ht soziale Prax­is.

Dein Text sagt:
- Tech­nik kann Infra­struk­tur für soziale Prax­is sein.

Das sind zwei völ­lig ver­schiedene Aus­gangspunk­te.

#TheV­eryRe­al­Cryp­to­Move­ment

Nächster Titel

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DER BLINDE FLECK

Die Serie ist poten­tiell inter­es­sant, ger­ade weil sie nicht ein­fach NFT-Hype repro­duziert, son­dern die Span­nung sauber aufzieht:

  1. Com­mons
  2. dig­i­tale Objek­te
  3. Eigen­tum
  4. Infra­struk­tur
  5. Gemein­schaft
  6. Kryp­to als soziale Form

Für mich sind darin min­destens drei Fäden span­nend:

  1. Felix Stalder:
    Wahrschein­lich der stärk­ste Ein­stieg, weil er die Frage nach dig­i­tal­en Objek­ten nicht nur tech­nisch, son­dern imag­i­na­tion­spoli­tisch aufzieht.
  2. Jaromil:
    Für dich ver­mut­lich der wichtig­ste Text, weil er von Infra­struk­tur her denkt und nicht bloss von Speku­la­tion, Kun­st­markt oder Besitzphan­tasien.
  3. Cor­nelia Soll­frank / Jaya Klara Brekke:
    Wichtig als Gegengewicht, damit das Ganze nicht in tech­nol­o­gis­ch­er Selb­stverza­uberung endet.

Mein knap­per Ver­dacht:
Die Serie wird dann gut, wenn sie nicht fragt, ob NFTs cool sind, son­dern was an ihnen als Symp­tom sicht­bar wird:

  • der Zer­fall klas­sis­ch­er Eigen­tum­sor­d­nun­gen
  • die Sim­u­la­tion von Knap­pheit
  • der Wun­sch nach neuen Zuge­hörigkeits­for­men
  • und die Ver­wech­slung von Com­mons mit tokenisiertem Zugriff

Ger­ade der Titel “From Com­mons to NFTs” ist stark und gefährlich zugle­ich:
Er kön­nte einen Entwick­lungsweg behaupten, wo vielle­icht eher ein Bruch, eine Per­ver­sion oder besten­falls ein miss­glück­ter Über­set­zungsver­such vor­liegt.

Wenn du willst, lese ich die Serie mit dir Text für Text und gebe dir jew­eils:

  1. die Haupt­these
  2. den blind­en Fleck
  3. den Ertrag für deine Arbeit an Ver­sorgungssys­te­men, Com­mons und Infra­struk­tur.

Die Essayrei­he „From Com­mons to NFTs“ ver­sam­melt sieben Stim­men aus Kun­st, The­o­rie und Kryp­to­prax­is, die unter­suchen, wie sich die dig­i­tale Kul­tur vom Ide­al gemein­samer Com­mons hin zu tokenisierten Eigen­tums­for­men ver­schiebt – und ob Blockchain zugle­ich neue For­men von Infra­struk­tur, Gemein­schaft und poli­tis­ch­er Imag­i­na­tion eröff­nen kann.

https://www.makery.info/en/category/from-commons-to-nfts/

Die Serie bei MAKERY media for labs

  1. Shu Lea Cheang (Ini­tia­torin?)
    Tai­wane­sisch-amerikanis­che Medi­enkün­st­lerin. Arbeit­et seit den 1990er-Jahren zu Net­zkun­st, Cyber­fem­i­nis­mus, queer­er Poli­tik und Blockchain-Kun­st. Bekan­nt für frühe inter­net­basierte Kun­st­pro­jek­te und für Filme wie „Fresh Kill“.
    Quellen
    https://en.wikipedia.org/wiki/Shu_Lea_Cheang
    https://shu-lea-cheang.com
  2. Felix Stalder
    Schweiz­er Medi­en- und Kul­tur­the­o­retik­er, Pro­fes­sor an der Zürcher Hochschule der Kün­ste (ZHdK). Arbeit­et zu dig­i­taler Kul­tur, Com­mons, Plat­tfor­mökonomie und „dig­i­tal con­di­tion“. Autor des Buchs „The Dig­i­tal Con­di­tion“.
    Quellen
    https://felix.openflows.com
    https://zhdk.ch/person/felix-stalder
    https://en.wikipedia.org/wiki/Felix_Stalder
  3. Ewen Chardron­net
    Franzö­sis­ch­er Jour­nal­ist, Kura­tor und Autor im Bere­ich Medi­enkun­st, Sci­ence-Fic­tion-Kul­tur und Net­zkun­st. War lange mit dem Medi­enkun­st-Mag­a­zin „Mak­ery“ ver­bun­den und arbeit­et an Schnittstellen von Kun­st, Tech­nolo­gie und Open Cul­ture.
    Quellen
    https://makery.info/en/author/ewen-chardronnet
    https://ewenchardronnet.com
  4. Yukiko Shika­ta
    Japanis­che Kura­torin und Medi­enkun­st-The­o­retik­erin. Arbeit­et zu dig­i­taler Kun­st, Net­zw­erken, KI und tech­nol­o­gis­ch­er Kul­tur in Japan. Kuratierte u. a. Ausstel­lun­gen am ICC Tokyo und anderen inter­na­tionalen Medi­enkun­st­plat­tfor­men.
    Quellen
    https://en.wikipedia.org/wiki/Yukiko_Shikata
    https://www.ntticc.or.jp/en/archive/curator/yukiko-shikata/
  5. Michelle Kasprzak
    Kura­torin und Kul­tur­man­agerin im Bere­ich dig­i­tale Kun­st und Blockchain-Kun­st. War u. a. Direk­torin der Kun­stin­sti­tu­tion „V2_ Lab for the Unsta­ble Media“ in Rot­ter­dam und arbeit­et zu NFT-Kun­st, dig­i­taler Kul­tur und Plat­tfor­mökonomie im Kun­st­feld.
    Quellen
    https://v2.nl/people/michelle-kasprzak
    https://www.linkedin.com/in/michelle-kasprzak
  6. Denis „Jaromil“ Roio
    Ital­ienis­ch­er Hack­er, Kün­stler und Aktivist. Grün­der des Dyne.org-Netzwerks. Bekan­nt für Arbeit­en zu freier Soft­ware, Kryp­togra­phie, Peer-to-Peer-Infra­struk­tur und dig­i­taler Autonomie. Entwick­elte u. a. Dyne:bolic und beteiligt sich an Pro­jek­ten rund um Kryp­to-Infra­struk­tur.
    Quellen
    https://jaromil.dyne.org
    https://dyne.org
    https://en.wikipedia.org/wiki/Jaromil
  7. Cor­nelia Soll­frank
    Deutsche Kün­st­lerin und Medi­en­ak­tivistin. Arbeit­et seit den 1990er-Jahren zu Net­zkun­st, Urhe­ber­recht, Hack­ing, Fem­i­nis­mus und dig­i­taler Kul­tur. Bekan­nt für Pro­jek­te wie „Female Exten­sion“ und für kri­tis­che Auseinan­der­set­zun­gen mit Kun­st­markt und dig­i­tal­en Eigen­tums­for­men.
    Quellen
    https://artwarez.org
    https://en.wikipedia.org/wiki/Cornelia_Sollfrank
  8. Jaya Klara Brekke
    Nor­wegis­che Forscherin und Autorin zu Blockchain-Poli­tik, Kryp­towährun­gen und dig­i­tal­en Infra­struk­turen. Arbeit­et an der Schnittstelle von poli­tis­ch­er The­o­rie, Tech­nolo­gie und Ökonomie. Autorin von „Dis­rupt­ing the Ledger“.
    Quellen
    https://jayabrekke.info
    https://www.coindesk.com/author/jaya-klara-brekke
    https://www.routledge.com/Disrupting-the-Ledger/Brekke/p/book/9781138619842
  9. Lee Tzu Tung Tai­wane­sis­che Kün­st­lerin und poli­tis­che Aktivistin. Arbeit­et zu Blockchain, Eigen­tum, Com­mons und Dekolonisierung. Ihre Pro­jek­te unter­suchen, wie dig­i­tale Tech­nolo­gien (z. B. Smart Con­tracts oder NFTs) beste­hende Eigen­tum­sor­d­nun­gen sicht­bar machen oder unter­laufen kön­nen. Beteiligt an dem Kun­st- und Forschung­spro­jekt „Forkon­o­my()“, das Fra­gen von Eigen­tum, Com­mons und dig­i­taler Gov­er­nance exper­i­mentell unter­sucht.
    Quellen
    https://www.makery.info/en/2022/07/31/english-sailing-in-the-pirate-sea-of-art/
    https://forkonomy.org
    https://www.makery.info/en/category/from-commons-to-nfts/

kurze Zusammenfassung der Serie

  1. Aus­gangspunkt
    Die Rei­he unter­sucht den kul­turellen Über­gang von dig­i­tal­en Com­mons (Shar­ing, Kopie, Über­fluss) zu NFT-Eigen­tum­slogiken (Knap­pheit, Tokenisierung, Markt).

Quelle
https://www.makery.info/en/2022/01/31/english-from-commons-to-nfts/


  1. His­torisch­er Hin­ter­grund
    Die Serie knüpft an die Net­zkul­tur-Debat­ten der frühen 2000er an, ins­beson­dere an das Kun­st- und Forschung­spro­jekt King­dom of Pira­cy.

Damals ging es um:

frühe Inter­netkul­turBedeu­tung
Pira­terieKopieren als kul­turelle Prax­is
Com­monsgemein­sames Wis­sen
freie Zirku­la­tionkeine kün­stliche Knap­pheit

Quelle
https://www.makery.info/en/2022/01/31/english-from-commons-to-nfts/


  1. Die neue Sit­u­a­tion
    Mit NFTs wird eine neue Logik einge­führt:
alte Logikneue Logik
KopieBesitz
Com­monsToken
Über­flusskün­stliche Knap­pheit

Das Inter­net wird damit teil­weise wieder in Eigen­tum­sräume über­set­zt.


  1. Per­spek­tiv­en der Autor:innen
AutorPer­spek­tive
Felix Stalderdig­i­tale Objek­te und Eigen­tums­for­men
Yukiko Shika­tamehr-als-men­schliche Com­mons
Michelle Kasprzakethis­che Fra­gen von NFTs
Denis „Jaromil“ RoioInfra­struk­tur der Cryp­to-Bewe­gung
Cor­nelia Soll­frankKun­st­markt und NFT-Hype
Jaya Klara Brekkepoli­tis­che Ökonomie von Cryp­to
Lee Tzu TungEigen­tum, Pira­terie und Dekolonisierung

Quelle
https://www.makery.info/en/category/from-commons-to-nfts/


  1. Der eigentliche Kon­flikt der Serie

Die Texte kreisen um eine zen­trale Frage:

Dig­i­tale Tech­nolo­gie kann zwei völ­lig unter­schiedliche Rich­tun­gen nehmen:

Rich­tungLogik
Com­monsgemein­schaftliche Infra­struk­tur
NFTsneue Eigen­tums- und Speku­la­tions­for­men

  1. Warum Jaromil in der Serie her­aussticht

Jaromil ver­schiebt die Diskus­sion:

typ­is­che NFT-Debat­teJaromil
Kun­st­marktInfra­struk­tur
TokenPro­tokolle
Eigen­tumVer­sorgungssys­teme

Darum passt sein Text struk­turell zu deinem Ansatz Kartof­feln & Blockchain:
Blockchain wird dort nicht als Geldsys­tem gedacht, son­dern als Infra­struk­tur für reale Com­mons.

Quelle
https://www.makery.info/en/2022/04/30/english-the-real-crypto-movement/

The Real Crypto Movement, Published 30 April 2022 by Denis “Jaromil” Roio (englisch | französisch) | deutsch: (unautorisiert, #chatGPT)

Anmerkung beim automa­tis­chen Über­set­zen:
*) Link defekt: sms hat einen anderen, hof­fentlich passenden Link gewählt

The Real Crypto Movement

Veröf­fentlicht am 30. April 2022 von Denis „Jaromil“ Roio

„From Com­mons to NFTs“ ist eine (erweit­erte) Essayrei­he, ini­ti­iert von Shu Lea Cheang, Felix Stalder und Ewen Chardron­net. Angesichts der speku­la­tiv­en Blase (und ihres Platzens) rund um NFTs bringt die Rei­he den Begriff der Com­mons aus der Zeit um die Jahrtausendwende zurück, um über die Trans­for­ma­tion der kollek­tiv­en Vorstel­lungskraft und ihre divergieren­den Zukün­fte nachzu­denken und in sie einzu­greifen. Am let­zten Tag jedes Monats veröf­fentlicht Mak­ery einen neuen Beitrag dieser „chain essays“. Viert­er Text von Denis „Jaromil“ Roio.

„Die mächtig­sten Kräfte, jene, die uns am meis­ten inter­essieren, ste­hen nicht in ein­er spiegel­nden und neg­a­tiv­en Beziehung zur Mod­erne; im Gegen­teil, sie bewe­gen sich auf trans­ver­salen Bah­nen. Daraus soll­ten wir nicht schliessen, dass sie sich allem Mod­er­nen und Ratio­nalen wider­set­zen, son­dern dass sie daran arbeit­en, neue For­men von Ratio­nal­ität und neue For­men von Befreiung zu schaf­fen.“

– Negri und Hardt, 2010, „Com­mon­wealth“

Seit Bit­coin vor etwa zehn Jahren das Tabu rund um Geld gebrochen hat, ist im Kryp­to-Raum sehr viel geschehen. In diesem kurzen Essay werde ich einige tech­no-poli­tis­che Instru­mente und Ver­sprechen unter­suchen, die heute insze­niert wer­den. Meine Ein­sicht­en und Intu­itio­nen stam­men aus ein­er frühen Beteili­gung an der cypher­punk-Unter­grund­sub­kul­tur. In diesem Zusam­men­hang habe ich Code für Bit­coin Core geschrieben und berat­en, ich habe beina­he zufäl­lig das geschrieben, was später als Bit­coin Man­i­festo bekan­nt wurde, und ich habe frühe Forks des Bit­coin-Codes veröf­fentlicht. Es war erst der Beginn des Erfol­gs von Bit­coin, als einige von uns vorher­sagten, dass bald „Alt-Coins“ erscheinen wür­den. Ich gehörte damals zu den ersten, die den Begriff „blockchain“ ver­wen­de­ten, um den tech­nis­chen Stack zu beze­ich­nen, der das Wach­s­tum von Bit­coin als dezen­tralem Net­zw­erk auf plan­e­tarisch­er Ebene ermöglichte, und ich stellte mir seine Weit­er­en­twick­lung in nicht-finanziellen Anwen­dungs­fällen vor, etwa in den Bere­ichen Energie, Kun­st und Notarisierung.

Statt ein­er his­torischen Darstel­lung ist es mein Anliegen, Ein­sicht­en in die Zukun­ft dessen zu teilen, was gemein­hin als „cryp­to“ beze­ich­net wird und dessen Hype 2022 mit dem Markt für Non-Fun­gi­ble Tokens (NFTs) dig­i­taler Samm­ler­stücke möglicher­weise seinen sur­realen Höhep­unkt erre­icht hat.

Ich werde auch einen Hoff­nungss­chim­mer in der Ethik ein­er glob­alen Bewe­gung aufzeigen, deren Ide­olo­gie grossen Ein­fluss auf die Zukun­ft der Tech­nolo­gie haben wird: In diesem Text möchte ich zeigen, dass die wirk­liche Kryp­to-Bewe­gung keine Messe von Soziopa­then in Las Vegas ist, son­dern eine zeit­genös­sis­che Fort­set­zung der Com­mons-Bewe­gung im Zeital­ter der Kryp­togra­phie.

Ich werde mich durch umkämpftes Gelände bewe­gen, um vorzuschla­gen, dass die Entste­hung dessen, was heute als hyper-finanzielle Aus­beu­tung des Tauschw­erts virtueller Ver­mö­genswerte ver­mark­tet wird, auf ein­er Tech­nolo­gie beruht, die weit­er­hin Gebrauch­swert für eine Wider­stands­be­we­gung gegen die glob­ale Kor­rup­tion von Regierun­gen und Mega-Konz­er­nen besitzt.

From under­ground rebel­lion to glob­al cur­ren­cy

Die Geburt der „cryp­to move­ment“ ist in ein ekla­tantes Ereig­nis finanzieller Ungerechtigkeit eingeschrieben: die Wik­ileaks-Block­ade. Hier ein Zitat aus der his­torischen Mit­teilung, die auf ihrer Web­site veröf­fentlicht wurde:

Seit dem 7. Dezem­ber 2010 wurde von Bank of Amer­i­ca, VISA, Mas­ter­Card, Pay­Pal und West­ern Union eine willkür­liche und rechtswidrige Finanzblock­ade ver­hängt. Der Angriff hat 95 % unser­er Ein­nah­men zer­stört. […] Die Block­ade find­et ausser­halb jedes rechen­schaft­spflichti­gen öffentlichen Ver­fahrens statt. Es gibt wed­er demokratis­che Kon­trolle noch Trans­parenz. Die US-Regierung selb­st stellte fest, dass es keine rechtlichen Gründe gab, Wik­iLeaks in eine US-Finanzblock­ade aufzunehmen. […] Der Hohe Kom­mis­sar der Vere­in­ten Natio­nen für Men­schen­rechte hat die Finanzblock­ade gegen Wik­iLeaks offen kri­tisiert. […] Die Block­ade errichtet eine Mauer zwis­chen uns und unseren Unter­stützern und hin­dert sie daran, sich mit der Sache ihrer Wahl zu verbinden und sie zu vertei­di­gen. Sie ver­let­zt die Wet­tbe­werbs- und Han­dels­ge­set­ze zahlre­ich­er Staat­en. Sie richtet sich willkür­lich gegen eine Organ­i­sa­tion, die in keinem Land eine ille­gale Hand­lung began­gen hat, und kappt ihre finanzielle Leben­sad­er in jedem Land. […] In den USA ist unsere Veröf­fentlichung durch den First Amend­ment geschützt, wie eine Vielzahl ange­se­hen­er Ver­fas­sung­sex­perten wieder­holt gezeigt hat. Im Jan­u­ar 2011 erk­lärte der US-Finanzmin­is­ter Tim­o­thy C. Gei­th­n­er, dass es keinen Grund gebe, Wik­iLeaks auf eine schwarze Liste zu set­zen. Gegen Wik­iLeaks oder seine Mitar­beit­er gibt es nir­gend­wo auf der Welt Urteile oder auch nur Ankla­gen.

Die Block­ade war eine unmit­tel­bare Reak­tion auf die Veröf­fentlichung der „Cablegate“-Dokumente, bei der eine enorme Menge klas­si­fiziert­er diplo­ma­tis­ch­er Doku­mente der USA durch Wik­iLeaks veröf­fentlicht wurde. Dieses Ereig­nis gefiel vie­len mächti­gen Per­so­n­en in den USA nicht (man kann argu­men­tieren, dass Wik­iLeaks den mil­itärisch-indus­triellen Kom­plex in viel­er­lei Hin­sicht getrof­fen hat). Gle­ichzeit­ig erhielt die Organ­i­sa­tion weltweit grosse Unter­stützung, auch in Form finanzieller Spenden. Während die medi­ale Welle von Cable­gate über die Bild­schirme der Welt lief, block­ierten inter­na­tionale Transak­tion­s­mono­pole wie Mae­stro und Visa ohne rechtliche Grund­lage oder gerichtliche Anord­nung den Emp­fang von Spenden für Wik­iLeaks. Auch die reg­istri­erten Inter­net-Domains von Wik­iLeaks wur­den ver­bor­gen – mit Aus­nahme der Domain, die in der Schweiz reg­istri­ert war.

Dieses Ereig­nis war ein dis­rup­tiv­er Moment (καιρός) für das Wach­s­tum von Bit­coin: Mehrere Hack­er began­nen ger­ade in diesen Tagen damit, Bit­coin zu nutzen. Das Wach­s­tum von Bit­coin begann, wie in der oben­ste­hen­den Grafik sicht­bar wird, nur fünf Monate bevor der erste Forbes-Artikel dieses Pro­jekt auf die Bühne der Main­stream-Finanzwelt brachte.

Heute kön­nen wir sehen, wie prof­i­to­ri­en­tierte Inter­essen diese Bewe­gung frag­men­tieren: Ein Teil wid­met sich Betrug und Speku­la­tion, ein Teil trans­for­ma­tiv­er Poli­tik, und ein weit­er­er Teil ver­fol­gt langfristige Ziele des Finanzkap­i­tals. Let­zter­er hat im ver­gan­genen Jahrzehnt erhe­blich an Dynamik gewon­nen, da immer mehr Investi­tio­nen des Finanzkap­i­tals über Kryp­towährun­gen als glob­ale kap­i­tal­is­tis­che Ver­mö­genswerte organ­isiert wer­den. In der Art und Weise, wie die Finanzwelt diese Tech­nolo­gie aus­nutzt, liegt nichts Rebel­lis­ches. Während­dessen wird die Geschichte sorgfältig neu geschrieben, in ein­er Weise, die keines der realen Ereignisse erin­nert, die zum Erfolg von Bit­coin geführt haben. Durch einen end­losen Strom von Messen simuliert die Finanzin­dus­trie die Präsenz ihrer syn­thetis­chen Führung, während sie die öffentliche Per­son von Julian Assange, der das Wik­iLeaks-Pro­jekt leit­ete, aus­gren­zt.

Das tech­nis­che Instru­ment der Cryp­to-Com­mons-Bewe­gung wird in den Dienst jen­er Kräfte gestellt, die sie eigentlich zer­stören wollte. Im von Mar­ket­ing getriebe­nen Main­stream-Raum kann man beispiel­sweise die „Tes­la Token“-Operation beobacht­en, die über Social-Media-Wer­bung ver­bre­it­et wird: ein bloss­es Ange­bot hochriskan­ter Kryp­to-Investi­tio­nen, das spiegel­bildlich zu dem ist, was bere­its an der Wall Street geschieht. Dies kön­nte nur die Spitze eines Eis­bergs sein, während immer mehr GAMAM-Megakonz­erne begin­nen, Reg­ulierun­gen her­auszu­fordern und Kryp­to-Invest­ment-Token zu schaf­fen, deren wichtig­ste Funk­tion möglicher­weise ein­fach darin beste­ht, den Ein­satz von Kap­i­tal für glob­ale Finanzspeku­la­tion zu erle­ichtern.

Was jedoch geschehen ist: Die Cryp­to-Com­mons-Bewe­gung wurde im Unter­grund geboren und kon­nte ihre ethis­chen Grund­la­gen mit ein­er grossen Zahl von Men­schen auf der ganzen Welt teilen: der Cryp­to Com­mons move­ment.

Disintermediation und P2P-Ideologie

„Ein Haupt­prob­lem des Anar­chis­mus als soziales Sys­tem sind die Transak­tion­skosten. Doch die dig­i­tale Rev­o­lu­tion verän­dert zwei Aspek­te der poli­tis­chen Ökonomie, die son­st über die gesamte Men­schheits­geschichte hin­weg invari­ant geblieben sind. Jede Soft­ware hat im Netz eine mar­ginale Kosten­rate von Null, während die Kosten sozialer Koor­di­na­tion inzwis­chen so weit gesunken sind, dass sich grosse und hoch diverse soziale Grup­pen rasch bilden und wieder auflösen kön­nen – völ­lig ohne geografis­che Begren­zung.“

– Eben Moglen, 1999

Bis vor etwa einem Jahrzehnt glaubte man, dass Dis­in­ter­me­di­a­tion durch die Ver­bre­itung des „World Wide Web“ und der Inter­net-Tech­nolo­gie vor­angetrieben würde. Heute wird eine aktu­al­isierte Strate­gie für diese Bewe­gung durch den Ein­satz von Kryp­togra­phie bere­it­gestellt.

Ein zen­trales Ziel viel­er Free-Soft­ware-Entwick­ler und Aktivis­ten, die sich an Peer-to-Peer-Ide­olo­gien ori­en­tieren, beste­ht darin, Inter­mediäre zu eli­m­inieren, indem sie Net­zw­erkar­chitek­turen nach Peer-to-Peer-Mustern auf­bauen. Dieses Phänomen wird in ver­schiede­nen ökonomis­chen und poli­tis­chen Erzäh­lun­gen als „Dis­in­ter­me­di­a­tion“ beze­ich­net, die eine solche Trans­for­ma­tion in ganzen Gesellschaften vorher­sagen. Die meis­ten Kom­mu­nika­tion­sprozesse find­en heute in dig­i­taler Form statt, während gle­ichzeit­ig die dafür benötigte Infra­struk­tur all­ge­gen­wär­tig und zunehmend gener­isch gewor­den ist, sodass sie Men­schen miteinan­der verbinden kann. Dass die meis­ten pri­vat­en Inter­ak­tio­nen von Plat­tfor­man­bi­etern ver­mit­telt wer­den, wird als unnötige Kosten­be­las­tung in Bezug auf Effizienz und Haf­tung betra­chtet. Zudem entste­ht eine unfaire Beziehung zwis­chen den Beteiligten und der Gov­er­nance, der sie sich unter­w­er­fen, wenn Inter­mediäre nach ver­bor­ge­nen Regeln (Algo­rith­men) operieren – wie in ein­er „Black-Box-Soci­ety“ –, oft ver­bor­gen hin­ter Geschäfts­ge­heimnis­sen und erzwun­genen „Nutzungs­be­din­gun­gen“.

Mit dem Fortschritt und der zunehmenden Kom­plex­ität der Tech­nolo­gie wurde jedoch die Prax­is der Inter­me­di­a­tion notwendig, um mit dieser Kom­plex­ität umge­hen zu kön­nen. Das Peer-to-Peer-Poten­zial, das durch die all­ge­gen­wär­tige Nutzung per­sön­lich­er Infor­ma­tion­s­geräte ent­standen ist, wird durch die wach­sende tech­nis­che Kom­plex­ität unter­graben, die Men­schen in Schwierigkeit­en bringt – es sei denn, die zunehmende Raf­fi­nesse ihrer Bedürfnisse wird durch ein glob­ales Oli­gop­ol von Plat­tfor­men bedi­ent. Auf diese Weise sind eine oder mehrere Anwen­dungss­chicht­en ent­standen, die dem Mod­ell ein­er „Start­up-Ökonomie“ fol­gen: Dien­stleis­tun­gen wer­den gegen Geld und pri­vate Infor­ma­tio­nen bere­it­gestellt.

In der heuti­gen Grössenord­nung kön­nte diese Sit­u­a­tion dur­chaus irre­versibel sein. Was die Cryp­to-Com­mons-Bewe­gung heute tun kann, ist Kryp­togra­phie einzuset­zen, um kom­mu­nizieren­den Peers eine autonome Daten­schicht auf den zen­tral­isierten Ebe­nen bere­itzustellen – möglicher­weise sog­ar unab­hängig von den Über­tra­gungsin­fra­struk­turen.

Die Anwen­dung von Ende-zu-Ende-Kryp­togra­phie wurde bere­its im grossen Massstab auf zen­tral­isierten Infra­struk­turen einge­set­zt, eben­so auf Plat­tfor­men, die nach dem Prinzip „Pri­va­cy by Design“ entwick­elt wur­den, um weit ver­bre­it­ete und sog­ar mis­sion-kri­tis­che Dien­ste wie What­sApp oder Sig­nal bere­itzustellen. Dabei wer­den Infor­ma­tio­nen so kodiert oder kap­suliert, dass die Über­mit­tler selb­st niemals Zugriff auf sie haben, son­dern sie lediglich weit­er­leit­en. Dadurch ver­ringert sich auch die Haf­tung der Über­mit­tler, weil ihre Rolle gegenüber dem über­mit­tel­ten Inhalt „neu­tral“ wird.

Der indus­trielle Drang, durch die Ver­mark­tung der Aufmerk­samkeit von Men­schen Prof­it zu erzie­len, führt jedoch meist zu ganz anderen Kon­fig­u­ra­tio­nen der Online-Kom­mu­nika­tion. Plat­tfor­man­bi­eter set­zen Werbe­strate­gien ein und nutzen „Content-Targeting“-Techniken, die auf der Ken­nt­nis pri­vater Infor­ma­tio­nen über die Nutzer beruhen. Reg­u­la­torische Ein­griffe haben Plat­tfor­man­bi­eter bish­er eher mit zusät­zlichen Haf­tun­gen belastet – etwa durch Verpflich­tun­gen zur Inhaltsmod­er­a­tion –, statt ihre Rolle zu dis­in­ter­medi­ieren und ihren Zugang zu Inhal­ten zu neu­tral­isieren.

Dis­in­ter­me­di­a­tion ist daher heute nur noch eine naive Her­aus­forderung für die Cryp­to-Com­mons-Bewe­gung: Ein solch ide­al­is­tis­ches Konzept muss sorgfältig angepasst wer­den, um Kom­mu­nika­tion­splat­tfor­men neu zu gestal­ten, indem unter­schiedliche Mod­elle von Eigen­tum und Haf­tung auf ver­schiede­nen Ebe­nen der Infra­struk­tur berück­sichtigt wer­den. Aus dieser Per­spek­tive ist eine „Blockchain-Plat­tform“, auch Dis­trib­uted Ledger Tech­nol­o­gy (DLT) genan­nt, eine Infra­struk­tur, die gegenüber ihren Inhal­ten neu­tral sein will und allen teil­nehmenden Peers unverän­der­liche Spe­icherung sowie über­prüf­bare verteilte Berech­nung bere­it­stellt.

Dis­trib­uted Autonomous Orga­ni­za­tion

„Token Engi­neer­ing und DAOs zertrüm­mern die grundle­gende Struk­tur der alten Welt. Die alte Welt ist kor­po­ra­tiv, hier­ar­chisch und starr. Diese neue Welt ist reich, inten­siv und kreativ.“
Dark Finance Man­i­festo

Die soge­nan­nte Dis­trib­uted Autonomous Orga­ni­za­tion (DAO) wurde in der frühen Phase der Cryp­to-Com­mons-Bewe­gung als ein Gov­er­nance-Instru­ment ent­wor­fen, das ein­er dezen­tralen und pseu­do­ny­men Gruppe von Anteil­seign­ern dienen sollte. Die Organ­i­sa­tion wird als autonom gedacht, weil sie voll­ständig unab­hängig von ein­er zen­tral­isierten Infra­struk­tur ist: Der Zugang zu Entschei­dung­sprozessen wird durch Kryp­togra­phie ver­siegelt und nur legit­i­men Teil­nehmern gewährt (nicht durch eine von Plat­tfor­men erzwun­gene Kon­ven­tion) und kann auf ein­er Blockchain-Plat­tform (DLT) gehostet wer­den.

In der Prax­is ist eine DAO wie eine Crowd­fund­ing-Plat­tform, die Inve­storen erlaubt, an der Gov­er­nance der Mit­tel teilzunehmen.

Das DAO-Konzept set­zt voraus, dass allen Anteil­seign­ern Zugang zu ein­er DLT zur Ver­fü­gung ste­ht, sodass Mit­glieder über kollek­tive Entschei­dun­gen und Transak­tio­nen in verteil­ter und asyn­chroner Weise abstim­men kön­nen. Abstim­mungen kön­nen in bes­timmten Zeit­fen­stern stat­tfind­en, und kom­plexere Gov­er­nance-Regeln kön­nen einge­führt wer­den – zum Beispiel, dass jed­er Wäh­ler ein Stim­mgewicht ausüben kann, das pro­por­tion­al zu sein­er Investi­tion oder seinem Engage­ment im Pro­jekt ist. Dieses Engage­ment kann auf unter­schiedliche Weise gemessen wer­den und nicht nur durch einen finanziellen Ein­satz: etwa durch eine ein­fache Zeit­bank, durch ver­schiedene Rep­u­ta­tions- und Del­e­ga­tion­ssys­teme oder durch kom­plexere Gov­er­nance-Mod­elle wie „Con­vic­tion Vot­ing“.

Betra­cht­en wir eine sicht­bare Spur des his­torischen Ethos der Cryp­to-Com­mons-Bewe­gung: Es ist kein Zufall, dass die bish­er reich­ste DAO die „Assange DAO“ ist, eine Ini­tia­tive, die in Koor­di­na­tion mit Julians Fam­i­lie und der Wau-Hol­land-Stiftung gefördert wurde, um Mit­tel für die rechtliche Vertei­di­gung von Julian Assange zu sam­meln.

Die Gov­er­nance-Dynamik dieser speziellen DAO zu beschreiben, würde den Rah­men dieses Essays spren­gen, und ihre FAQ sollte als let­zt­gültige Infor­ma­tion­squelle zu diesem The­ma gel­ten. Kurz gesagt bestand die Mis­sion der Assange DAO darin, Mit­tel für Assanges Recht­skosten zu sam­meln, und sie plante, dies zu tun, indem sie den Preis eines „ben­e­fit NFT sale“ durch Crowd­fund­ing des höch­sten Gebots der Auk­tion „hochtrieb“. Die DAO akzep­tierte ETH als Kryp­towährung über einen Treuhand­di­enst eines Drit­tan­bi­eters (Juice­box, aufge­baut auf Ethereum und von ein­er zen­tral­isierten Organ­i­sa­tion ver­wal­tet), der den Spendern eine Gewähr für gutes Funk­tion­ieren und tech­nis­che Zuver­läs­sigkeit der Smart Con­tracts der DAO gab. Als Zeichen des Dankes erhiel­ten die Spender eine frisch geschaf­fene Währung ($JUSTICE), die nur zu diesem Anlass und in einem fes­ten Betrag pro­por­tion­al zu den DAO-Mit­teln geschaf­fen wurde. Jene, die $JUSTICE hiel­ten, wur­den dann ein­ge­laden, über ein Online-Forum sowie über auf Dis­cord gehostete Text- und Sprachkanäle zu inter­agieren, um über die Gov­er­nance des Tokens und einiger verbleiben­der Mit­tel zu entschei­den, die es als Reserve deck­ten; diese Gov­er­nance wurde durch ein Gremi­um erle­ichtert, dem einige der Förder­er der DAO und neu gewählte Mit­glieder der Com­mu­ni­ty ange­hörten; es waren auch sehr stark besuchte Tre­f­fen, vielle­icht sog­ar über das hin­aus, was das Gremi­um oder das tech­nis­che Design der Plat­tform wirk­lich als inklu­sive Inter­ak­tion ermöglichen kon­nte.

Bemerkenswert als Ergeb­nis dieser und ander­er gross­er DAOs ist, dass die Tech­nolo­gie an sich (sei sie voll­ständig oder teil­weise dezen­tral­isiert) keine Lösung für die vie­len Her­aus­forderun­gen bere­it­gestellt hat, die grosse und verteilte Gov­er­nance-Mod­elle aufw­er­fen.

Die meis­ten DAO-Plat­tfor­men greifen heute auf semi-zen­tral­isierte Plat­tfor­men und Treuhand­di­en­ste zurück, die Ver­wahrungs­di­en­ste für ihre Ver­mö­genswerte anbi­eten und helfen, die wach­sende Kom­plex­ität der benötigten kryp­tographis­chen Setups zu über­winden. Die Gov­er­nance-Funk­tio­nen von DAOs wer­den durch kom­plexe Samm­lun­gen von „smart-con­tracts“ definiert, die in Pro­gram­mier­sprachen geschrieben sind, die nur von ein­er tech­nis­chen Elite ver­standen wer­den. Der Kom­mu­nika­tion­skanal, der in DAOs am häu­fig­sten ver­wen­det wird, ist eine pro­pri­etäre und zen­tral­isierte Plat­tform namens „Dis­cord“, die ursprünglich in Gamer-Com­mu­ni­ties pop­ulär wurde, und sie beherbergt, zum Nachteil der Peer-to-Peer-Aspi­ra­tio­nen der Cryp­to-Com­mons-Bewe­gung, die meis­ten Debat­ten und men­schlichen Kom­mu­nika­tion­sprozesse, die für die For­mulierung abges­timmter Entschei­dun­gen grundle­gend sind.

Für die Cryp­to-Com­mons-Bewe­gung ist es wichtig, eine Phase der Ernüchterung zu durch­laufen und aus den gegen­wär­ti­gen Fehlern zu ler­nen. Das DAO-Mod­ell ver­langt nach mehr Forschung und Entwick­lung in Rich­tung Gov­ern­men­tal­i­ty für grosse und verteilte Net­zw­erke, die kul­turell gemis­cht und mehrsprachig sind, da die beste­hen­den Mod­elle sozialer Net­zw­erke schlecht darin sind, willige Teil­nehmer dabei zu unter­stützen, Entschei­dun­gen zu steuern, und weit davon ent­fer­nt sind, ein Instru­ment bere­itzustellen, das den Teil­nehmern hil­ft, diese Her­aus­forderung im grossen Massstab zu lösen.

Was hinter einem Smart Contract liegt

„Smart“ ist ein Euphemis­mus für Magie / verza­ubert / ver­flucht (lei­der bedeutet es meis­tens: ver­flucht)

– Caleb James DeLisle

Die Mehrdeutigkeit des Begriffs „smart“ entste­ht durch seinen seman­tis­chen Miss­brauch in ein­er end­losen Menge techno­logischer Hypes. Deshalb kommt es oft vor, dass jemand eine ein­fache logis­che Frage stellt: Was bedeutet „smart“ eigentlich?

Schauen wir uns die Def­i­n­i­tion von „smart con­tract“ an, wie sie von den gängi­gen Blockchain-Tech­nolo­gien ver­wen­det wird. Die „smart“-Eigenschaft hat wenig mit der ver­wen­de­ten Sprache zu tun: Es geht nicht um Intu­itiv­ität oder beson­dere Leis­tungs­fähigkeit in der Aus­führung. Man kön­nte ver­muten, dass „smart“ die Fähigkeit eines Ver­trags beze­ich­net, ver­schiedene Bedin­gun­gen zu berück­sichti­gen und sich an sie anzu­passen, oder vielle­icht die Nähe der Ver­tragssprache zur Syn­tax men­schlich­er Sprache. Stattdessen scheint der Euphemis­mus „smart“ hier unpassend ver­wen­det zu wer­den, da er wed­er Eigen­schaften wie Witz, Intu­itiv­ität, Anpas­sungs­fähigkeit noch leichte Zugänglichkeit beze­ich­net.

Um diese hin­re­ichend fort­geschrit­tene Tech­nolo­gie von Magie zu unter­schei­den, for­muliere ich hier eine Def­i­n­i­tion dessen, was meis­tens mit „smart con­tract“ gemeint ist: Es han­delt sich um Byte­code, der deter­min­is­tisch auf einem dezen­tralen Rechen­net­zw­erk aus­ge­führt wer­den kann, das gegenüber bösar­ti­gen Instruk­tio­nen resistent ist und dessen Aus­führungsergeb­nisse durch Repro­duzier­barkeit und Peer-to-Peer-Kon­sens über­prüf­bar sind.

Ich werde kurz erläutern, wie ich die Begriffe in diesem Satz ver­wende.

Deter­min­is­mus: Unbekan­nte Zufall­swerte wer­den während des Rechen­prozess­es niemals ein­be­zo­gen, sodass bei gle­ichen Eingabe­dat­en immer exakt diesel­ben Aus­gaben entste­hen – unab­hängig von den Aus­führungs­be­din­gun­gen oder der Maschi­ne­nar­chitek­tur. Das bedeutet auch, dass die Aus­führung ein „duplizier­bar­er“ Prozess ist (man kön­nte auch sagen: repro­duzier­bar oder reversibel) und daher über­prüft wer­den kann.

Dezen­tral­isiert: Es gibt keinen zen­tralen Aus­führungspunkt, sodass jede Mas­chine, die den Code aus­führt, die gle­iche Autorität besitzt wie jede andere, wenn es darum geht, das Ergeb­nis der Aus­führung festzustellen. Kon­sen­sal­go­rith­men gewicht­en Ergeb­nisse durch deter­min­is­tis­che Berech­nun­gen und über­winden schliesslich Abwe­ichun­gen und schliessen Aus­reiss­er aus.

Bösar­tiger Code: Dem Code wird keine erk­lärte Absicht für seine Aus­führung zugeschrieben; er kann sog­ar darauf abzie­len, die Ressourcen eines gesamten Net­zw­erks von Maschi­nen zu ver­brauchen. Jed­er Code muss aus­ge­führt wer­den: Es liegt an den Maschi­nen, sich gegen bösar­tige Absicht­en zu schützen, indem sie die Bedin­gun­gen der Codeaus­führung begren­zen, zum Beispiel durch eine Begren­zung der Rechen­zyklen.

Man kann dieses Design als eine kleine Rei­he von For­men und Funk­tio­nen darstellen.

Exe­cu­tion / Func­tionInfra­struc­ture / Form
Dezen­tral­isiert(Virtuelle) Mas­chine
Resistent gegen Bösar­tigkeitBegren­zte Aus­führung
Deter­min­is­tischRepro­duzier­bar

Diese Kon­fig­u­ra­tion hat wichtige wirtschaftliche und poli­tis­che Kon­se­quen­zen, vor allem die Tren­nung zwis­chen Infra­struk­tur (Pro­duk­tion­s­mit­tel) und Anwen­dung (aus­ge­führte Logik) durch Vir­tu­al­isierung und Porta­bil­ität. In marx­is­tis­chen Begrif­f­en ist das Eigen­tum an der Infra­struk­tur, die notwendig ist, um „Arbeit“ auszuführen, die Voraus­set­zung dafür, Mehrw­ert aus Arbeit­ern zu extrahieren. Diese Beziehung zwis­chen Eigen­tum und Macht wird nun – zumin­d­est the­o­retisch – dadurch verän­dert, dass die Aus­führung voll­ständig inter­op­er­abel über ver­schiedene Infra­struk­turen hin­weg möglich wird. Dies gilt jedoch nur dann, wenn die Anforderun­gen an die Rechen­in­fra­struk­tur ger­ing sind: Bit­coin-Min­ing ist ein gutes Beispiel dafür, wie steigende Infra­struk­tu­ran­forderun­gen zu Zen­tral­isierung führen und mit Eigen­tum an exter­nen Pro­duk­tions­ket­ten ver­bun­den sind, etwa der Her­stel­lung von Hard­ware.

Die Inno­va­tion hin­ter dem Begriff „smart con­tract“ konzen­tri­ert sich auf die Ver­tragssprache und die virtuelle Mas­chine als Bausteine, um Plat­tform-Infra­struk­turen auf grosse Grössenord­nun­gen zu skalieren und gle­ichzeit­ig Zugang zu fort­geschrit­te­nen kryp­tographis­chen Berech­nun­gen bere­itzustellen, die Inhalte auf pro­gram­mier­bare Weise ver­siegeln.

Vor diesem Hin­ter­grund wird deut­lich, wie langsam die bre­ite Öffentlichkeit die Möglichkeit­en der Kryp­totech­nolo­gie auf­greift. Non-Fun­gi­ble Tokens (NFTs) haben die Kunst­welt im Sturm erobert, indem sie eine kün­stliche Vorstel­lung von Eigen­tum imple­men­tieren, die aus ein­fachen kryp­tographis­chen Notarisierungsverträ­gen abgeleit­et ist.

Für die Cryp­to-Com­mons-Bewe­gung ist eine Debat­te über NFTs nicht wirk­lich inter­es­sant; vielle­icht führt eine solche Debat­te zu ein­er kri­tis­chen Reflex­ion über die Funk­tion­sweise der Main­stream-Kunst­welt als kom­merzial­isierten Markt für Geld­wäsche oder über die Macht der Unter­hal­tungsin­dus­trie, dig­i­tale Waren zu erzeu­gen, während ihre Gren­zkosten der Pro­duk­tion immer weit­er sinken. Ich glaube, es wird lange dauern, bis mehr der grundle­gen­den Kryp­to-Inno­va­tio­nen in Main­stream-Märk­te und indus­trielle Anwen­dungs­felder vor­drin­gen: Die kollek­tive Vorstel­lungskraft scheint durch die Road­shows der Finanzin­dus­trie betäubt zu sein, und das NFT-Phänomen hat seine soziopathis­che Logik in die Kunst­welt getra­gen – mit dem einzi­gen Ver­di­enst, eini­gen zuvor unbekan­nten Kün­stlern und Enter­tain­ern Zugang zu neuen Märk­ten eröffnet zu haben.

Web3 and the development challenge

„Zen­code ist ein Pro­jekt, das durch den Diskurs über Dat­en-Com­mons und tech­nol­o­gis­che Sou­veränität inspiri­ert wurde. Das erk­lärte Ziel beste­ht darin, das Bewusst­sein der Men­schen dafür zu stärken, wie ihre Dat­en von Algo­rith­men ver­ar­beit­et wer­den, und gle­ichzeit­ig die Arbeit von Entwick­lern zu erle­ichtern, Anwen­dun­gen zu schaf­fen, die den Prinzip­i­en von Pri­va­cy by Design fol­gen.“

Zen­code Whitepa­per (* pdf

Bish­er habe ich den sozialpoli­tis­chen Hin­ter­grund und einige zen­trale Her­aus­forderun­gen und Eigen­schaften beschrieben, die die Ziele der Cryp­to-Com­mons-Bewe­gung definieren. Nun werde ich eine Def­i­n­i­tion der soge­nan­nten „web3“-Plattform geben, indem ich die einzel­nen Teile des Puz­zles zusam­men­füge.

Ich lasse dabei aus­drück­lich eine Abschwei­fung über eine ety­mol­o­gis­che Def­i­n­i­tion des Begriffs „web3“ aus, wie sie aus Inter­pre­ta­tio­nen her­vorge­ht, die ver­schiedene Inter­net-Jahrzehnte mit unter­schiedlichen Ver­sio­nen des „Web“ verbinden.

Die eigentliche Bedeu­tung der Mar­ket­ing­beze­ich­nung „web3“ für Soft­warearchitek­tur wird für alle offen­sichtlich, die ver­ste­hen, wie DLTs funk­tion­ieren: Sie beze­ich­net eine dezen­trale Infra­struk­tur für verteilte Berech­nung, die voll­ständig von teil­nehmenden Peers betrieben wird und ohne Rei­bung skaliert.

Die Kernkom­po­nen­ten ein­er Blockchain beziehungsweise DLT im Sinne von „web3“ sind vier:

  1. Die Peer-to-Peer-Net­zw­erkschicht
  2. Der Kon­sen­sal­go­rith­mus
  3. Die virtuelle Mas­chine
  4. Das unverän­der­liche Ledger

Daneben gibt es zwei optionale Kom­po­nen­ten, die haupt­säch­lich mit der Per­sis­tenz von Zustän­den zusam­men­hän­gen:

  1. (option­al) ein Peer-to-Peer-verteiltes Dateisys­tem
  2. (option­al) Ora­cle-Notarisierung für beste­hende Daten­banken

Auf dieser Infra­struk­tur laufen dann „smart contracts“-Skripte, die rel­a­tiv ein­fache Funk­tio­nen aus­führen. Die am häu­fig­sten vork­om­menden grundle­gen­den Bausteine sind:

– Authen­tifizierung: Sig­nieren (ein­fach oder mehrfach) und Ver­i­fizieren
– Zugriff: Zugriff­skon­trol­l­lis­ten und Eigen­tum
– Gov­er­nance: Abstim­mungen und Time-Locks
– Cross-Chain: Atom­ic Swaps und Kom­mu­nika­tion zwis­chen mehreren Blockchains
– Finanz­funk­tio­nen: Token-Transak­tio­nen, Vest­ing, Split-Pay, Lend/Loan, Roy­al­ties usw.

Das soge­nan­nte „web3“ schafft eine neue Bedin­gung für die Erstel­lung und Aus­führung von Anwen­dun­gen: Es tren­nt die Haf­tung der Plat­tform von dem, was auf ihr aus­ge­führt wird, und ermöglicht es ihr dadurch, ihre Rechenka­paz­ität zu skalieren, indem unbekan­nte und nicht ver­trauenswürdi­ge Peers ein­ge­laden wer­den, ihre Aus­führun­gen zu betreiben. Im Ein­klang mit der finanzial­isierten Dimen­sion von Kryp­to-Plat­tfor­men wer­den diese Peers durch „Transak­tion­s­ge­bühren“ motiviert, die ihnen im Aus­tausch für ihre Rechen­zyklen gezahlt wer­den.

Doch all dies hat seinen Preis: eine sehr schwierige Entwick­lung, da eine zusät­zliche kryp­tographis­che Kom­plex­itätss­chicht zu nor­malen Skripten hinzuge­fügt wer­den muss. Für den durch­schnit­tlichen Entwick­ler mit grundle­gen­den Ken­nt­nis­sen der Kryp­togra­phie wird dies mit dem Aufkom­men fort­geschrit­ten­er kryp­tographis­ch­er Tech­niken wie Zero-Knowl­edge-Proofs und Mul­ti-Par­ty-Com­pu­ta­tion noch schwieriger. Der eigentliche Wet­t­lauf in der Entwick­lung von DLT kann nicht nur quan­ti­ta­tiv anhand der „Transak­tion­s­geschwindigkeit“ gemessen wer­den: Entwick­lererfahrung und Unter­stützung müssen berück­sichtigt wer­den, denn erneut bleibt die men­schliche Rolle entschei­dend. Der Auf­stieg von Web3-Anwen­dun­gen hebt die Rolle der virtuellen Mas­chine her­vor und zeigt die Kom­plex­ität der Sprachen, die verteilte Berech­nung ermöglichen.

Um beispiel­sweise die Pri­vat­sphäre von Teil­nehmern oder die Ver­traulichkeit ein­er Abstim­mung zu schützen, kann man nicht ein­fach einen Zäh­ler erhöhen oder Iden­ti­fika­toren in ein­er Daten­bank ver­gle­ichen, son­dern muss verteilte und voll­ständig deter­min­is­tis­che Berech­nun­gen in ein­er „kryp­tographis­chen Dimen­sion“ durch­führen und etwa fol­gen­des anwen­den:

– homo­mor­phe Ver­schlüs­selung, um den Sta­tus ein­er Abstim­mung bis zur Auszäh­lung zu ver­ber­gen
– Zero-Knowl­edge-Proofs, um die Iden­tität der Wäh­ler zu ver­ber­gen und sie gle­ichzeit­ig zu authen­tifizieren
– sim­pli­ciale Homolo­gie, um jedem Wäh­ler nur eine Stimme zu gewähren
– schnelles Rain­bow-Table-Hash­ing zur Auszäh­lung des Abstim­mungsergeb­niss­es

Jed­er Unternehmer im ICT-Sek­tor weiss heute, dass es schwieriger ist, erfahrene Entwick­ler zu find­en als Kun­den. Selb­st bei einem ständig wach­senden Ange­bot an tech­nis­ch­er Aus­bil­dung ist schw­er vorstell­bar, dass die Big-Tech-Indus­trie mit der steigen­den tech­nis­chen Kom­plex­ität Schritt hal­ten kann.

Die derzeit­ige Gren­ze von Web3 ist daher dop­pelt: die rel­a­tive Ein­fach­heit der Anwen­dun­gen, die entwick­elt wer­den kön­nen, und gle­ichzeit­ig die qual­i­ta­tiv höhere Kom­plex­ität ihrer Entwick­lung. Diese Gren­ze – zusam­men mit dem hypegetriebe­nen Markt für Rechen­to­ken – hält die Kosten zumin­d­est derzeit rel­a­tiv hoch.

Livin la vida crypto

Vorschläge (von #chat­G­PT, den spanis­chen Titel im englis­chen Orig­i­nal belassen, Anm.: sms ;-):

  1. Kryp­to als neues Ver­trauensmod­ell
  2. Ver­trauen durch Code
  3. Die neue Ver­trauen­sar­chitek­tur von Kryp­to
  4. Wenn Ver­trauen berechen­bar wird
  5. Kryp­to als Infra­struk­tur des Ver­trauens
  6. Anwen­dun­gen ohne Ver­trauen – Ver­trauen durch Berech­nung
  7. Das neue Ver­trauensmod­ell der Kryp­tosys­teme

Was ich bish­er geschrieben habe, sollte deut­lich machen, dass – auf­grund der Design­muster von Kryp­tosys­te­men – die Integrität ein­er Anwen­dung und ihrer Ergeb­nisse voll­ständig von der Blockchain/DLT-Infra­struk­tur getren­nt wer­den kann, auf der sie aus­ge­führt wird, während alle Teil­nehmer sich über die Kor­rek­theit der Eingaben, der Prozesse und der Ergeb­nisse vergewis­sern kön­nen.

Im Kryp­to-Bere­ich zu arbeit­en bedeutet jedoch nicht „Frei­heit“, verzei­he mir, wenn ich hier die Begeis­terung manch­er dämpfe, son­dern eine Ver­schiebung hin zu einem neuen Ver­trauensmod­ell der nach­weis­baren Berech­nung, das Infra­struk­tur in Code ent­ma­te­ri­al­isiert. Die Qual­ität des Codes wird wichtiger als die der Infra­struk­tur, und aus arbeit­sökonomis­ch­er Per­spek­tive gewin­nen Entwick­ler­rollen gegenüber den Rollen von Sys­temad­min­is­tra­toren an Bedeu­tung.

Alles in allem glaube ich, dass „Frei­heit“ für diese Tech­nolo­gie die Möglichkeit bedeutet, die virtuelle Mas­chine, auf der die Berech­nun­gen laufen, zu abstrahieren und sie leicht auf ver­schiedene DLT-Infra­struk­turen zu migri­eren, wodurch Silos aufge­brochen wer­den, die die Indus­trie bere­its aktiv aus ihren früheren Kon­fig­u­ra­tio­nen repro­duziert, während sie auf den Kryp­to-Zug auf­springt.

Der Vorteil von Kryp­to liegt nicht in Geschwindigkeit oder Effizienz, son­dern in ein­er neuen und im All­ge­meinen weniger riskan­ten sowie bess­er skalier­baren Form von Inter­de­pen­denz, Ver­trauen und Haf­tung zwis­chen Infra­struk­tur und Anwen­dun­gen. Ist dies die „Zukun­ft des Web“?

Ich würde das nicht sagen, aber es ist eine neue Möglichkeit, die sich anbi­etet und weit­er­en­twick­elt wer­den sollte für Anwen­dungs­fälle, in denen Ver­trauen zwis­chen Peers schw­er herzustellen ist, die den­noch zusam­me­nar­beit­en wollen, um eine skalier­bare Infra­struk­tur bere­itzustellen. Zum Beispiel in der Logis­tik beim Nachver­fol­gen von Waren durch Prozesse, die von ver­schiede­nen Unternehmen betrieben wer­den; bei dig­i­tal­en Pro­duk­t­pässen zur Rück­ver­fol­gung von Kom­po­nen­ten durch kom­plexe Net­zw­erke der Wiederver­wen­dung in Szenar­ien der Kreis­laufwirtschaft; oder bei der Unverän­der­lichkeit, Zeit­stem­pelung und Audi­tier­barkeit nuk­lear­er Sicher­heit­skon­trollen, wenn die Werte von Dosime­tern, die von Kraftwerksin­spek­toren getra­gen wer­den, von jenen abwe­ichen kön­nen, die von Arbeit­ern vor Ort getra­gen wer­den.

Das kollek­tive Eigen­tum an Basis­in­fra­struk­turen und die gerin­gere Haf­tung, die durch ihre Abstrak­tion von Anwen­dun­gen entste­ht, stellen eine poli­tis­che Chance für Plat­tform-Koop­er­a­tivis­mus dar. Allerd­ings sind die Funk­tio­nen, die eine solche Kon­fig­u­ra­tion bietet, noch weit davon ent­fer­nt, kom­plexe Anwen­dun­gen mit der Leis­tungs­fähigkeit heutiger Sys­teme wie Uber, Airbnb oder Deliv­eroo zu berech­nen.

Auf der anderen Seite macht eine solche Plat­tfor­mar­chitek­tur es schwierig, im Bedarfs­fall Ver­ant­wortlichkeit­en zuzuweisen, und auch ille­gale Dien­ste kön­nen möglicher­weise nicht daran gehin­dert wer­den, zu laufen: Der Anspruch der „Decen­tral­ized Finance“ (DeFi) beste­ht ger­ade darin, Finanz­transak­tio­nen voll­ständig dezen­tral zu betreiben, sodass ihre Oper­a­tio­nen nicht abgeschal­tet wer­den kön­nen.

In jedem Fall liegt die Zukun­ft der Cryp­to-Com­mons-Bewe­gung jen­seits finanzieller Anwen­dun­gen: Diese sind lediglich die ersten Anwen­dungs­fälle inner­halb eines bre­it­eren Spek­trums zukün­ftiger Möglichkeit­en für die Entwick­lung dezen­traler Dien­ste. Wie schon bei Bit­coin kom­men die ersten Inno­va­toren stets aus den Rän­dern beste­hen­der Recht­srah­men, und dies kön­nte Reg­ulierungs­be­hör­den bald zu einem gefährlichen Schritt ver­leit­en, von dem ich abrate: die Haf­tung bere­its im Akt der Soft­wa­reen­twick­lung zu verorten, statt in ihrer Aus­führung und ihrem Betrieb als Dienst.

Unchain my blocks (Löst meine Blöcke aus der Kette)

„Lunarpunk ist eher wie ein Wald. Ein dicht­es Dach aus Ver­schlüs­selung schützt Stämme und bietet den Ver­fol­gten Zuflucht. Bewaldete Lich­tun­gen bilden eine entschei­dende Vertei­di­gungslin­ie. Mond­land­schaften sind dunkel. Sie sind auch voller Leben.“

eGirl Cap­i­tal (*

In ein­er bes­timmten dystopis­chen Zukun­ft kön­nte der Begriff „Soft­warepi­ra­terie“ eine ganz neue Bedeu­tung erhal­ten, und es wird an der Cryp­to-Com­mons-Bewe­gung liegen, die Frei­heit dezen­traler Sys­te­men­twick­ler zu vertei­di­gen – so wie Satoshi Nakamo­to, der Schöpfer von Bit­coin, der sich entsch­ieden hat, seine reale Iden­tität zu ver­ber­gen, wie in seinem berühmten let­zten Satz:

„Wik­iLeaks hat in ein Wespennest gestochen, und der Schwarm ist auf dem Weg zu uns.“

– Satoshi Nakamo­to, 11. Dezem­ber 2010

Sollte jemals ein Zen­surkrieg gegen Entwick­ler begin­nen, dann kön­nten ganz neue Arten von „lunar“-Softwarelizenzen nötig wer­den, oder vielle­icht gar keine Lizen­zen mehr: ein­fach Pub­lic-Domain-Soft­ware, gepflegt von anony­men Entwick­lerkollek­tiv­en.

Doch dieses neg­a­tive Szenario ist nicht das einzige, das uns inter­essieren sollte. Der Begriff „infra­struc­ture as code“, der unter DevOps-Rollen der Tech-Indus­trie ver­bre­it­et ist, deutet auf die wach­sende Bedeu­tung sprach­lich­er Kreativ­ität hin, ver­glichen mit der klas­sis­chen Rolle der Sys­temad­min­is­tra­tion beim Betrieb von Plat­tformin­fra­struk­tur.

Ich glaube, die Cryp­to-Com­mons-Bewe­gung hat eine klare Mis­sion: die tech­no-poli­tis­che Entwick­lung von Infor­ma­tion­stech­nolo­gie-Plat­tfor­men ausser­halb der Logik des Eigen­tums zu gestal­ten und zu vertei­di­gen. Die neuen Bedin­gun­gen für anonymes kollek­tives Eigen­tum an dezen­tralen Infor­ma­tion­sar­chitek­turen ver­lan­gen von uns, einen neuen ethis­chen Sinn für com­pu­ta­tion­al democ­ra­cy zu ver­ste­hen.

Der uneingeschränk­te Zugang zu Pro­gram­mier­sprachen und ihre Gov­ern­men­tal­i­ty wer­den immer wichtiger wer­den, sog­ar noch mehr, als freie und offene Soft­wareprak­tiken es bere­its heute für die Cryp­to-Com­mons-Bewe­gung sind.

„[…] die beson­dere Her­aus­forderung, die die Vir­tu­al­isierung ein­er wach­senden Zahl wirtschaftlich­er Aktiv­itäten nicht nur für die beste­hen­den staatlichen Reg­ulierungsap­pa­rate darstellt, son­dern auch für pri­vatwirtschaftliche Insti­tu­tio­nen, die zunehmend von neuen Tech­nolo­gien abhängig sind. In ihrer extremen Form kön­nte dies auf eine entste­hende Kon­trol­lkrise hin­weisen, für die uns ein ana­lytis­ches Vok­ab­u­lar fehlt.“

– Sask­ia Sassen, 1996

Dieses „ana­lytis­che Vok­ab­u­lar“ sollte dazu dienen, Men­schen ver­ste­hen zu lassen, wie Maschi­nen in zunehmend kom­plex­en Kon­fig­u­ra­tio­nen funk­tion­ieren. Lei­der bewe­gen sich die meis­ten indus­triellen und öffentlichen Forschungsanstren­gun­gen in die ent­ge­genge­set­zte Rich­tung: Maschi­nen sollen Men­schen ver­ste­hen, in einem end­losen Strom soge­nan­nter „kün­stlich­er Intelligenz“-Technologien, deren Grund­lage häu­fig die Unterord­nung men­schlich­er Arbeit ist, um maschinelles Ler­nen zu füt­tern.

Als pos­i­tive Schlussfol­gerung möchte ich einige Wege aufzeigen, wie die Cryp­to-Com­mons-Bewe­gung über die blosse Anwen­dung von finanziellem Glücksspiel oder dig­i­taler Eigen­tum­szuweisung hin­aus­ge­hen kann.

Das Ide­al der Cryp­to-Com­mons-Bewe­gung wird darin beste­hen, dass Men­schen Maschi­nen ver­ste­hen: neue Ver­trauensmod­elle in der Kyber­netik zu entwer­fen und der Vorherrschaft zen­tral­isiert­er Black-Box-Gov­er­nance ent­ge­gen­zutreten. Die Her­aus­forderung der Cryp­to-Com­mons-Bewe­gung beste­ht darin, deter­min­is­tis­che Bedin­gun­gen für repro­duzier­bare Berech­nung zu schaf­fen, Algo­rith­men zu imple­men­tieren, deren Funk­tion­sweise wis­senschaftlich über­prüft wer­den kann, sie ein­fach zu erk­lären und demokratisch zu disku­tieren. Algo­rith­men des Dis­sens­es.

Nach mehr als einem Jahrzehnt Forschung in diesem Feld sind meine eige­nen Beiträge zu dieser Mis­sion und zur Welt der Kryp­to-Entwick­lung eng mit dieser Vision ein­er Cryp­to-Com­mons-Bewe­gung ver­bun­den.

Ein Beitrag ist die Arbeit der Dyne.org Foun­da­tion in Koor­di­na­tion mit DECIDIM und Pla­toniq, um kollek­tive Gov­er­nance-Meth­o­d­en zu verbessern, indem ein tech­no-poli­tis­ch­er Ansatz für Prak­tiken entwick­elt wird, die grosse Men­schen­men­gen ein­beziehen und ihnen helfen, eine Kon­stituenz zu bilden, die bewusste Entschei­dun­gen trifft, um ihre Lebens­be­din­gun­gen sowie Frei­heit, Gerechtigkeit und Frieden in der Gesellschaft zu verbessern. In diesem Rah­men haben wir uns der Her­aus­forderung gestellt, die lan­desweite Plat­tform „Agorà Demo­c­ra­tiche“(* für die ital­ienis­che Demokratis­che Partei zu betreiben, was uns umfan­gre­iche Online- und Vor-Ort-Erfahrung ver­schafft hat und eine Gele­gen­heit bot, unsere Ansätze zu ver­fein­ern und neue Her­aus­forderun­gen zuver­läs­sig zu begleit­en.

Ein weit­er­er Beitrag ist die Entwick­lung von Zenroom.org als freie und offene Soft­ware-virtuelle Mas­chine, die mit handw­erk­lich­er Lei­den­schaft für Details geschrieben wurde. Diese kleine VM kann sehr effizient auf jed­er Mas­chine, auf stroms­paren­den Chips oder im Brows­er laufen und wird mit ein­er men­schenähn­lichen Sprache namens Zen­code pro­gram­miert, die bish­er nur ins Englis­che über­set­zt wurde. Zen­code ist eine Smart-Con­tract-Sprache, die von Men­schen ver­standen wer­den soll und fort­geschrit­tene kryp­tographis­che Funk­tio­nen wie Zero-Knowl­edge-Proofs und Mul­ti-Par­ty-Com­pu­ta­tion berech­nen kann, kom­pat­i­bel mit Bit­coin und Ethereum 2.0.

Ein weit­er­er Beitrag ist die Entwick­lung eines dig­i­tal­en Pro­duk­t­pass­es, um Mate­ri­alflüsse und dig­i­tale Zwill­inge auf sichere, portable und dezen­trale Weise nachzu­ver­fol­gen. Die Bedeu­tung dieses Pro­jek­ts wird beson­ders durch seine Anwen­dungs­fälle deut­lich, die weit über ein­fache Finan­zan­wen­dun­gen hin­aus­ge­hen, etwa in der Kreis­laufwirtschaft oder im verteil­ten Design(*.

Jet­zt, da wir uns eine Form finanzieller Autonomie ver­schafft haben, brauchen wir eine Cryp­to-Com­mons-Bewe­gung, die weit über finanzielle Anwen­dun­gen hin­aus­ge­ht und sich auf Nach­haltigkeit und Gerechtigkeit konzen­tri­ert, neue Wege entwick­elt, um mit Ver­trauen und Kom­plex­ität in sozialen Organ­i­sa­tio­nen und Insti­tu­tio­nen umzuge­hen. Wie bere­its bei der Entste­hung des mod­er­nen lib­eralen Denkens erkan­nt wurde, müssen wir uns selb­st und kün­fti­gen Gen­er­a­tio­nen die Frei­heit sich­ern, Fortschritt zu machen, und jedem das Recht zugeste­hen, kreativ zu sein und Umge­bun­gen zu entwick­eln, die Men­schen nicht mit Dog­men und Lügen täuschen.

„Es kann keine Frei­heit für eine Gemein­schaft geben, der die Mit­tel fehlen, Lügen zu erken­nen.“

– Wal­ter Lipp­man

Zusammenfassung by #chatGPT

  1. Ein­leitung – Cryp­to als Com­mons-Bewe­gung
    Der gegen­wär­tige Cryp­to-Hype (NFTs, Speku­la­tion) verdeckt die eigentliche his­torische Bedeu­tung von Cryp­to. Die reale Bewe­gung stammt aus der Cypher­punk-Kul­tur und gehört in die Tra­di­tion der Com­mons-Bewe­gung.
  2. Ursprung der Cryp­to-Bewe­gung – Wik­ileaks-Block­ade
    Die Finanzblock­ade gegen Wik­ileaks (2010) zeigt die Macht zen­tral­isiert­er Zahlungsin­fra­struk­turen. Bit­coin wurde in diesem Moment zu einem prak­tis­chen Werkzeug gegen poli­tis­che Zen­sur im Finanzsys­tem.
  3. Frag­men­tierung der Bewe­gung
    Die Cryp­to-Bewe­gung zer­fällt in drei Stränge:
    – Betrug und Speku­la­tion
    – poli­tis­che Trans­for­ma­tion
    – Inte­gra­tion in das glob­ale Finanzkap­i­tal
  4. Vere­in­nah­mung durch Finanzin­dus­trie
    Finan­za­k­teure ver­suchen, die Geschichte von Bit­coin umzuschreiben und Cryp­to als Invest­mentin­stru­ment zu nor­mal­isieren. Der ursprüngliche poli­tis­che Kon­text wird ver­drängt.
  5. Dis­in­ter­me­di­a­tion als poli­tis­ches Ziel
    Die Cypher­punk- und Free-Soft­ware-Kul­tur wollte Inter­mediäre eli­m­inieren und Peer-to-Peer-Struk­turen schaf­fen. Die dig­i­tale Kom­mu­nika­tion ermöglicht erst­mals mas­sive Selb­stor­gan­i­sa­tion ohne zen­trale Insti­tu­tio­nen.
  6. Plat­tformkap­i­tal­is­mus als Gegen­be­we­gung
    Trotz Inter­net dominieren Plat­tfor­men (Big Tech) als neue Inter­mediäre. Sie kon­trol­lieren Kom­mu­nika­tion durch Infra­struk­tur, Algo­rith­men und Daten­mono­pole.
  7. Kryp­togra­phie als neue Strate­gie
    End-to-end-Ver­schlüs­selung und kryp­tographis­che Pro­tokolle schaf­fen eine autonome Ebene inner­halb zen­tral­isiert­er Sys­teme. Dadurch kön­nen Kom­mu­nika­tion und Koor­di­na­tion teil­weise von Plat­tfor­men entkop­pelt wer­den.
  8. Blockchain als Infra­struk­tur
    Blockchain/DLT stellt eine Infra­struk­tur bere­it, die gegenüber Inhal­ten neu­tral ist und verteilte, über­prüf­bare Berech­nun­gen ermöglicht.
  9. DAO – Gov­er­nance-Exper­i­ment
    Dis­trib­uted Autonomous Orga­ni­za­tions soll­ten kollek­tive Entschei­dung­sprozesse ohne zen­trale Insti­tu­tion ermöglichen. In der Prax­is entste­hen jedoch neue Abhängigkeit­en von Plat­tfor­men und tech­nis­ch­er Elite.
  10. Assange DAO als Beispiel
    Die größte DAO ent­stand zur Unter­stützung der juris­tis­chen Vertei­di­gung von Julian Assange. Sie zeigt das poli­tis­che Ethos der Cryp­to-Com­mons-Bewe­gung, aber auch ihre organ­isatorischen Gren­zen.
  11. Gren­zen der DAO-Tech­nolo­gie
    Gov­er­nance großer dezen­traler Grup­pen bleibt ungelöst. Kom­mu­nika­tion und Entschei­dung­sprozesse laufen weit­er­hin über zen­tral­isierte Plat­tfor­men wie Dis­cord.
  12. Smart Con­tracts – tech­nis­che Real­ität
    Ein Smart Con­tract ist deter­min­is­tis­ch­er Byte­code auf einem dezen­tralen Net­zw­erk. Die „Smart­ness“ liegt nicht in Intel­li­genz, son­dern in repro­duzier­bar­er, über­prüf­bar­er Berech­nung.
  13. Ökonomis­che Bedeu­tung
    Die Vir­tu­al­isierung von Infra­struk­tur tren­nt Pro­duk­tion­s­mit­tel von Anwen­dun­gen. The­o­retisch kann dadurch Macht über Infra­struk­tur reduziert wer­den, prak­tisch entste­hen jedoch neue Zen­tral­isierung­s­ten­den­zen.
  14. NFTs als Ablenkung
    Der NFT-Boom reduziert Kryp­totech­nolo­gie auf dig­i­tale Eigen­tum­sti­tel und Speku­la­tion. Die grundle­gen­den tech­nis­chen Inno­va­tio­nen bleiben dabei weit­ge­hend unbeachtet.
  15. Web3 als Infra­struk­tur­mod­ell
    Web3 beze­ich­net eine Architek­tur aus P2P-Net­zw­erk, Kon­sen­sal­go­rith­mus, virtueller Mas­chine und unverän­der­lichem Ledger, auf der Anwen­dun­gen unab­hängig von zen­tralen Plat­tfor­men laufen sollen.
  16. Entwick­lung­sprob­lem
    Die kryp­tographis­che Kom­plex­ität macht Web3-Sys­teme schw­er zu entwick­eln. Fortschritte hän­gen stärk­er von Entwick­ler­w­erkzeu­gen als von Transak­tion­s­geschwindigkeit ab.
  17. Cryp­to als neues Ver­trauensmod­ell
    Cryp­to erset­zt insti­tu­tionelles Ver­trauen durch nach­weis­bare Berech­nung. Ver­trauen wird in Code und math­e­ma­tis­che Ver­i­fika­tion ver­lagert.
  18. Prak­tis­che Anwen­dungs­felder
    Sin­nvolle Anwen­dun­gen liegen weniger im Finanzsek­tor als in Bere­ichen wie Liefer­ket­ten, Pro­duk­t­pässen, Audit-Sys­te­men oder kol­lab­o­ra­tiv­en Infra­struk­turen.
  19. Poli­tis­che Chance
    Dezen­trale Infra­struk­turen kön­nten Plat­tform-Koop­er­a­tivis­mus ermöglichen, also kollek­tive Eigen­tums­for­men dig­i­taler Infra­struk­tur.
  20. Risiko reg­u­la­torisch­er Reak­tion
    Staat­en kön­nten ver­suchen, Soft­wa­reen­twick­ler selb­st für Sys­teme haft­bar zu machen, statt nur deren Nutzung zu reg­ulieren.
  21. Lunarpunk-Vision
    Eine mögliche Zukun­ft ist eine ver­schlüs­selte, schw­er kon­trol­lier­bare dig­i­tale Infra­struk­tur, die Schutz für dis­si­dente Net­zw­erke bietet.
  22. Mis­sion der Cryp­to-Com­mons-Bewe­gung
    Die Bewe­gung soll tech­nol­o­gis­che Infra­struk­tur außer­halb der Logik von Eigen­tum entwick­eln und vertei­di­gen.
  23. Demokratisierung von Tech­nolo­gie
    Men­schen müssen ver­ste­hen kön­nen, wie Maschi­nen funk­tion­ieren. Algo­rith­men müssen über­prüf­bar, erk­lär­bar und demokratisch disku­tier­bar sein.
  24. Zen­trale Her­aus­forderung
    Nicht Maschi­nen sollen Men­schen ver­ste­hen (KI-Logik), son­dern Men­schen sollen die Funk­tion­sweise von Maschi­nen ver­ste­hen.
  25. Schlussgedanke
    Eine freie Gesellschaft braucht tech­nis­che Mit­tel, um Lügen zu erken­nen und Macht­struk­turen sicht­bar zu machen.

2. Zusammenfassung

Ebene 1 – His­torisch­er Kon­text
Die Cryp­to-Bewe­gung entste­ht aus der Cypher­punk-Kul­tur und aus Kon­flik­ten um Zen­sur dig­i­taler Infra­struk­tur (z. B. Wik­ileaks-Block­ade). Sie ver­ste­ht sich ursprünglich als Teil ein­er Com­mons-Tra­di­tion.

Ebene 2 – Tech­nis­che Infra­struk­tur
Die eigentliche Inno­va­tion liegt in kryp­tographis­ch­er Infra­struk­tur:
Peer-to-Peer-Net­zw­erke, Blockchain/DLT, deter­min­is­tis­che Berech­nung, Smart Con­tracts und DAO-Exper­i­mente als neue For­men koor­diniert­er Zusam­me­nar­beit.

Ebene 3 – Poli­tis­che Kon­se­quenz
Diese Tech­nolo­gien ver­schieben das Ver­trauensmod­ell von Insti­tu­tio­nen zu über­prüf­bar­er Berech­nung und eröff­nen die Möglichkeit neuer Com­mons-basiert­er dig­i­taler Infra­struk­turen.

Mehr Struk­tur hat der Text im Kern nicht:
Geschichte → Tech­nolo­gie → poli­tis­che Bedeu­tung.

Wie ich mit den Möglichkeiten von @openAI arbeite?

Links, Threads, zu verarbeitende Hinweise…

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Textsorte: (1) Traum, (2) Blitz, (3) Beken­nt­nis, (4) Memo, (5) Märchen, (6) Dra­ma, (7) Tabu
Arbeits­form: Doku­men­ta­tion, Lis­ten­bil­dung, Work in Progress
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Ste­fan M. Sey­del, aka sms, aka sms2sms in «Zürcher Fest­spiel 1901″ (2019, Foto­cre­d­it: Charles Schny­der):  Twit­ter, Wikipedia (Lem­ma), Youtube (aktuell), Sound­cloud, Mastodon, Insta­gram (ges­per­rt), Snapchat, Tik­Tok, Twitch, t.me/WikiDienstag (Nicht in Betrieb) | Exk­lu­siv: speakerbooking.ch/sms2sms

About @sms2sms, aka Stefan M. Seydel/sms ;-)

Ste­fan M. Sey­del, Jahrgang 1965, ist Unternehmer, Sozialar­beit­er und Kün­stler. Er machte nach ein­er Beruf­slehre als Hochbauze­ich­n­er einen Bach­e­lor in Soziale Arbeit in St. Gallen und einen Mas­ter in der gle­ichen Diszi­plin bei Sil­via Staub-Bernasconi in Berlin. Seine über­wiegend selb­st­ständi­ge Tätigkeit kreist um das The­ma der Entwick­lung und Real­isierung von Pilot- und Impul­spro­jek­ten für renom­mierte Auf­tragge­berin­nen.

Als Kün­stler hat er Ausstel­lun­gen und Per­for­mances auf inter­na­tionaler Ebene präsen­tiert, darunter in der Roy­al Acad­e­my of Arts in Lon­don, dem Deutschen His­torischen Muse­um in Berlin oder ein­er Einze­lausstel­lung “Kun­st Macht Prob­leme” in der Cryp­ta Cabaret Voltaire, Birth­place of DADA in Zürich. Er wurde mit dem Migros Jubilée Award in der Kat­e­gorie Wis­sensver­mit­tlung aus­geze­ich­net und hat diverse Ehrun­gen durch Web­by Awards für seine Arbeit mit rocketboom.com erhal­ten.

Ste­fan war Jury-Mit­glied des Next Idea Prix Ars Elec­tron­i­ca 2010 und war drei Jahre Mit­glied der Schulleitung des Gym­na­si­ums Kloster Dis­en­tis. Sein Wis­sen und seine Erfahrung im Bere­ich der Infor­ma­tion und Tech­nolo­gie haben ihm auch dabei geholfen, mit Sta­tis­tik Stadt Zürich und Wiki­me­dia Schweiz unter WikiDienstag.ch zusam­men­zuar­beit­en.

Sein Engage­ment im Bere­ich der frei­willi­gen Arbeit führte ihn in das Prä­sid­i­um Inter­na­tionaler Bodensee Club (Leitung Fach­gruppe Wis­senschaft) oder für einige andere Jahre als Vice-Präsi­dent des von Paul Wat­zlaw­ick ini­ti­ierten P.E.N.-Club Liecht­en­stein. Sey­del hat unter ((( rebell.tv ))) zwei Büch­er zusam­men mit sein­er Part­ner­in Tina Piazzi veröf­fentlicht, viele Kolum­nen, Fach­texte und jour­nal­is­tis­che Texte pub­liziert.

Seine Arbeit auf Social Media nutzt er als Microblog­ging. In seinem Blog ver­ar­beit­et er seine The­men. Einige davon wer­den auf Anfra­gen zu les­baren Tex­ten ver­tieft, andere wer­den zu Vorträ­gen aus­ge­baut. Bei Carl Auer Ver­lag in Hei­del­berg, sam­melt er “Ele­mente ein­er näch­sten Kul­tur­form”. Seine Entwick­lun­gen im Kon­text der sozial­räum­lichen Inter­ven­tion (“Arbeit am Sozialen”) machen konkrete Vorschläge in Bezug auf die Beant­wor­tung der Sozialen Frage.

Nach 12 Jahren Berlin und 6 Jahren Zürich zog er aber in sein­er zweit­en Leben­shälfte vom Bodensee der Rhein­quelle ent­ge­gen nach Dissentis/Mustér und hat seine Reisetätigkeit fast ganz eingestellt. Dafür macht er umsomehr soge­nan­nte Pas­sadis und #Feed­logs (Orgiastik). Das sind Arbeitsmeet­ings an inten­tionalen Fra­gen in einem Lifestream. (so?) Text sup­port­ed by #TaaS

Aus Band 2 von: Tina Piazzi & Ste­fan M. Sey­del, Junius-Ver­lag Ham­burg | pdf: Band 1, 2009 | Band 2, 2010

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