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M/ein Blog ist m/ein Kartenraum und k/eine Bühne. Ich weiss, wie man publiziert. Das hier ist etwas anderes. d!a!n!k!e | WORK IN PROGRESS reload für aktuellen Schreibstand | Warum ich nicht publiziere? Weil ich es kann. Weil es geht. Weil ich es für angemessen halte. (so?)
- wenn es mir ums SENDEN gehen würde, machte ich alles falsch.
- wenn es mir ums EMPFANGEN WERDEN gehen würde, machte ich alles anders.
- wenn es mir ums FINDEN gehen würde, würde ich suchen.
- wenn es mir ums GEWINNEN gehen würde, hielte ich mich an expertisen.
Prof. Dr. Michael Butter, Uni Tübingen | Unser Begegnung am 6. August 2026 in Disentis/Mustér | Veröffentlichung seines neusten Buches war am 5. August 2026: Download des Buches | Die ganze Playlist auf WikiDienstag.ch | Abonniere kostenlos den WhatsApp-channel #LavinaNera treis

Uneditierte Transkription der Begegnung by #chatGPT
Wozu Verschwörungstheorie?
sms:
Herr Professor Butter, herzlich willkommen in Disentis.
Michael Butter:
Vielen Dank. Ich freue mich sehr.
sms:
Ihr Name begleitet mich inzwischen schon einige Jahre. Heute Morgen habe ich nachgesehen: Den ersten Eintrag zu Ihnen habe ich bereits 2018 in meinem Blog angelegt. Damals begann das Thema «Verschwörungstheorie» gerade seinen grossen Aufstieg.
Michael Butter:
Eigentlich verlief das in zwei Schritten. Zwischen 2014 und 2018 nahm das Interesse an Verschwörungstheorien in Deutschland, Österreich und der Schweiz deutlich zu. In diese Zeit fiel auch mein Buch, das 2018 erschien. Es war moderat erfolgreich.

Mit der Pandemie änderte sich dann alles. Das Thema ging förmlich durch die Decke. 2020 und 2021 war ich plötzlich sehr präsent. Im Mai 2020 hätte ich vermutlich zweihundert Interviews geben können, wenn ich das gewollt hätte. Ständig schrieb oder rief irgendjemand an. Das war schon eine aussergewöhnliche Zeit.
sms:
Ich habe mich in den vergangenen Tagen noch einmal intensiv mit Ihrer Arbeit beschäftigt und mir drei Themenstränge notiert. Ob wir alle schaffen, weiss ich gar nicht.
Der erste betrifft das Wort selbst.
Der zweite die Definition.
Und der dritte die gesellschaftliche Funktion.
Beginnen wir mit dem Wort.
Sie sind Amerikanist. Gleichzeitig arbeiten Sie kulturwissenschaftlich, historisch und politikwissenschaftlich. Wie würden Sie sich selbst wissenschaftlich verorten?
Michael Butter:
Ich bin tatsächlich nicht leicht einer Disziplin zuzuordnen.
Von meinem Fach her bin ich Amerikanist, also Spezialist für amerikanische Literatur und Kulturwissenschaft. Einerseits bin ich ganz klassischer Literaturwissenschaftler und unterrichte entsprechende Seminare. Andererseits arbeiten wir kulturwissenschaftlich und beschäftigen uns nicht nur mit literarischen Texten, sondern ebenso mit Filmen, Serien oder politischen Diskursen.
Gerade meine Arbeiten zu Verschwörungstheorien lassen sich deshalb nur schwer einer einzelnen Disziplin zuordnen.
Das Buch, an dem ich im Moment arbeite und das hoffentlich noch im Herbst erscheint, ist im Grunde eher ein politikwissenschaftliches Buch. Andere halten mich wegen meiner historischen Arbeiten fast für einen Historiker.
Ich bewege mich gern zwischen den Disziplinen. Wenn man eine Professur hat – und ich habe das Glück, eine zu haben –, kann man sich diese Freiheit erlauben. Ohne Professur muss man sich meist wesentlich stärker an disziplinäre Grenzen halten.
sms:
Das kenne ich gut.
Gerade weil ich ausserhalb akademischer Disziplinen arbeite, gehe ich zunächst auf das Wort.
Eines meiner Lieblingsbeispiele der vergangenen Jahrzehnte war «Social Media».
Als Sozialarbeiter stolpere ich sofort über das Wort «sozial».
Und bei «Verschwörungstheorie» ging es mir ähnlich.
«Verschwörung» ist zunächst einmal ein neutraler Begriff.
«Theorie» ist für mich dagegen ein zentraler wissenschaftlicher Begriff.
Wenn beide Wörter zusammenkommen, entsteht plötzlich ein Begriff, der im öffentlichen Sprachgebrauch beinahe automatisch «Unsinn» bedeutet.
Das finde ich bemerkenswert. Im Deutschen gibt es mehrere solcher Wortkombinationen, die bereits durch ihre Zusammensetzung eine starke Wertung transportieren.
Der zweite Themenstrang betrifft dann die Definition.
Mir ist früh aufgefallen, dass Sie mit Michael Barkun arbeiten.
Ich habe mich gefragt, ob seine berühmte Trias tatsächlich eine Definition ist.
Und schliesslich interessiert mich die gesellschaftliche Funktion.
Welche Rolle haben Sie in den vergangenen Jahren eigentlich übernommen? Sie wurden von den Medien in eine sehr sichtbare Position gebracht. Gleichzeitig hatte ich den Eindruck, dass Sie selbst immer wieder versucht haben, diese Rolle zu relativieren und zur Differenzierung aufzurufen.

Bevor wir dazu kommen, ist mir noch etwas aufgefallen.
Ihre erste Professur führte Sie nach Wuppertal.
Für mich ist Wuppertal ein wichtiger Ort. Bazon Brock hat dort gelehrt, Friedrich Engels stammt von dort, und ich habe mich dort immer ausgesprochen wohlgefühlt.
Fast könnte man daraus schon wieder eine Verschwörungstheorie machen.
Dann ist mir Ihre Habilitation aufgefallen. Sie beginnt bei den Puritanern.
Auch das hat mich sofort an Barkuns Definition erinnert.
Liege ich mit dieser Verbindung völlig falsch?
Michael Butter:
Nein, das ist durchaus eine berechtigte Frage.
Zunächst einmal müssen wir unterscheiden zwischen der Geschichte des Begriffs «Verschwörung» und der Geschichte des Begriffs «Verschwörungstheorie».
Was man im 17. Jahrhundert unter einer Verschwörung verstand, unterscheidet sich von unserem heutigen Verständnis.
Der Begriff «Verschwörungstheorie» in seiner modernen Bedeutung entsteht eigentlich erst nach dem Zweiten Weltkrieg. Karl Popper verwendet ihn in Die offene Gesellschaft und ihre Feinde, wenn er von der «Verschwörungstheorie der Gesellschaft» spricht.
Zwar taucht der Ausdruck bereits im 19. Jahrhundert auf, bedeutet dort jedoch etwas anderes.
Wie bei allen theoretischen Konzepten stellt sich deshalb die Frage, inwieweit wir moderne Begriffe auf frühere Epochen anwenden können.
Beim Begriff «Verschwörungstheorie» funktioniert das bis in die frühe Neuzeit hinein erstaunlich gut.
Wir finden dort Gedankengebäude, die genau jene Merkmale aufweisen, die Michael Barkun beschreibt.
Nichts ist, wie es scheint.
Das Entscheidende geschieht im Verborgenen.
Nichts geschieht zufällig, sondern alles ist geplant.
Und alles ist miteinander verbunden.
Michael Butter:
Natürlich ist damit nicht buchstäblich alles gemeint. Die Kaffeetasse auf dem Tisch ist nicht automatisch Teil des Ganzen.
Gemeint ist, dass sehr viel mehr geplant und miteinander verbunden ist, als andere Erklärungen der Wirklichkeit annehmen.
Verschwörungstheorien zeichnen sich durch eine Überbetonung des kollektiven und erfolgreichen Intentionalismus aus.
Eine Gruppe von Menschen plant im Geheimen etwas und ist dann auch noch in der Lage, diesen Plan in die Tat umzusetzen.
Wir alle planen ständig – allein oder gemeinsam mit anderen. Und sehr oft stellen wir fest, dass unsere Pläne scheitern.
Verschwörungstheorien gehen dagegen davon aus, dass bestimmte Gruppen ihre Pläne über Jahre, Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte erfolgreich umsetzen können.
sms:
Diese drei Sätze lassen sich aber auch auf andere Weltanschauungen anwenden.
Beim Neoliberalismus könnte man sagen:
Alles hat seinen Preis.
Alles folgt Anreizen.
Alles lässt sich über Märkte koordinieren.
Beim Marxismus, bei Religion oder bei der Psychoanalyse lassen sich ähnliche Dreistufigkeiten bilden.
Dann wäre die Frage, ob diese Grundannahmen tatsächlich eine Verschwörungstheorie definieren oder eher eine bestimmte Form von Weltanschauung.
Michael Butter:
Wenn wir streng vorgehen, sollten wir bei Marxismus oder Neoliberalismus zunächst gar nicht von Verschwörungstheorien sprechen.
Wir könnten stattdessen von «Konspirationismus» sprechen.
Damit meine ich eine Weltsicht, die grundsätzlich davon ausgeht, überall unterschiedliche Verschwörungen zu entdecken.
Dann hätten wir zunächst eine allgemeine Ebene der Weltanschauung. Diese manifestiert sich anschliessend im Glauben an und in der Artikulation von bestimmten Verschwörungstheorien.
Auf dieser Grundlage wird auch verständlich, weshalb der Begriff «Verschwörungstheorie» durchaus angemessen sein kann.
Man kann dem Marxismus oder dem Neoliberalismus sehr kritisch gegenüberstehen. Trotzdem würde man nicht behaupten, dass es keine Theorien sind.
Es sind Theorien in dem Sinne, dass sie versuchen, Wissen über die Welt zu gewinnen und die Welt durch miteinander verknüpfte Grundannahmen zu erklären.
Auf dieser Ebene sind auch Verschwörungstheorien tatsächlich Theorien, selbst wenn sie zunächst vollkommen unwissenschaftlich erscheinen.
sms:
Das liesse sich weit in das wissenschaftliche Feld hinein verlängern.
Kopernikus sagt beispielsweise: Ja, die Sonne scheint im Osten aufzugehen und im Westen unterzugehen. Aber das beschreibt zunächst unsere Perspektive und nicht die Bewegung der Himmelskörper.
Wie erzeugt Wissenschaft Wissen, wenn wir im Alltag ständig erleben, dass Dinge geschehen, deren Hintergründe wir nicht kennen?
Wir wissen vielleicht, dass am Vorabend die Mächtigen des Dorfes zusammengesessen haben. Am nächsten Tag geschieht etwas. Wir können aber nicht vollständig durchschauen, wie das eine mit dem anderen zusammenhängt.
Wir müssen uns einen Reim auf etwas machen, das wir nicht vollständig verstehen. Gleichzeitig wissen wir, dass wir nicht alles wissen.
Wie lässt sich dann eine weltanschauliche von einer wissenschaftlichen Erklärung unterscheiden?
Michael Butter:
Das ist viel schwieriger, als es zunächst erscheint.
Wissenschaftliche Theorien lassen sich ebenfalls als Weltanschauungen beschreiben. Marxismus und Neoliberalismus sind natürlich auch Weltanschauungen.
In den vergangenen Jahren sind verschiedene Arbeiten erschienen, die gerade die Parallelen zwischen Verschwörungstheorie und Sozialtheorie hervorheben. Sie zeigen, wie das eine in das andere kippen kann.
Beides lässt sich erstaunlich schwer trennscharf voneinander abgrenzen.
In der deutschen Debatte gibt es Stimmen, die sagen, man dürfe überhaupt nicht von Verschwörungstheorien sprechen, weil diese nicht falsifizierbar seien. Das ist das klassische poppersche Argument.
Dagegen lässt sich einwenden, dass Popper dieses Argument vor rund achtzig Jahren formuliert hat. Die Wissenschaftstheorie ist inzwischen weiter und weiss, dass es auch wissenschaftliche Theorien gibt, die sich nicht einfach falsifizieren lassen.
Wie sollte man beispielsweise Foucault falsifizieren?
Auch Anhänger von Foucault oder Marx würden vermutlich nicht akzeptieren, dass ihre Theorie abschliessend falsifiziert worden sei.
Auf dieser Ebene kommen wir deshalb nicht wirklich weiter.
Entscheidend ist weniger die Weltanschauung im Hintergrund als ihre konkrete Anwendung:
Wie erkläre ich mit ihr bestimmte Ereignisse?
Und wie gehe ich mit Beobachtungen um, die nicht in mein Raster passen?
Gute Wissenschaft verfügt über ein Korrektiv. Sie beginnt irgendwann, ihre eigenen Grundannahmen zu hinterfragen.
Wenn die Empirie sich den theoretischen Annahmen ständig widersetzt, müssen diese Annahmen möglicherweise verändert werden.
Dann muss man vielleicht anerkennen, dass nicht alles geplant war, dass der Zufall eine Rolle spielt und dass eine andere Erklärung notwendig ist.
Bei Verschwörungstheorien geschieht das in aller Regel nicht.
Der Unterschied liegt daher weniger in einer abstrakten Definition als in der Praxis.
Verschwörungstheorien liefern sehr schnell sehr starke Erklärungen. Gerade das macht sie für Menschen attraktiv, die schlecht mit Ambivalenz und Unsicherheit umgehen können.
Sie sagen:
Das geschieht gerade.
Diese Personen stecken dahinter.
Dorthin soll es führen.
Sie liefern eindeutige Antworten.
Gute Wissenschaft kann genau das häufig nicht leisten.
sms:
Das Angebot der Wissenschaft wäre dann das Ringen um Offenheit:
noch einmal nachfragen,
noch einmal öffnen,
die eigene Erklärung wieder infrage stellen.
Michael Butter:
Ja, das würde ich sehr ähnlich sehen.
sms:
Genau das hat mich während der Pandemie beschäftigt.
Ich hatte den Eindruck, dass plötzlich wissenschaftlich legitimiert wurde, bestimmte Fragen mit dem Begriff «Verschwörungstheorie» beiseitezuschieben.
Ich selbst habe den Begriff in dieser Schärfe eigentlich erst nach dem 11. September bewusst wahrgenommen.
Und dann erlebte ich, wie sich nahezu jede Frage mit einem einzigen Wort erledigen liess:
«Das ist doch eine Verschwörungstheorie.»
Das ist für mich noch einmal eine ganz andere Dimension dieses Begriffs.
Michael Butter:
Das ist tatsächlich ein wichtiger Punkt.
Der Begriff «Verschwörungstheorie» ist auch ein Mittel der Stigmatisierung.
Man kann bestimmte Positionen einfach beiseitewischen, indem man sagt: Das ist doch eine Verschwörungstheorie.
Das ist allerdings problematisch.
Zum einen gibt es reale Verschwörungen.
Sie werden normalerweise anders aufgedeckt, als Verschwörungstheoretiker argumentieren. Aber selbstverständlich existieren sie.
Zum anderen wird der Begriff häufig auf Positionen angewendet, die die Merkmale einer Verschwörungstheorie gar nicht erfüllen.
Jemand, der Impfungen kritisch gegenübersteht, ist deshalb noch kein Verschwörungstheoretiker.
Erst wenn behauptet wird, Impfungen würden trotz bekannter Gefahren aus geheimen Motiven bewusst durchgesetzt oder ihre Risiken absichtlich verschwiegen, bewegen wir uns im Bereich einer Verschwörungstheorie.
Der Begriff wird heute oft zu locker verwendet, um Gegenpositionen zu disqualifizieren.
Das heisst nicht, dass Verschwörungstheorien unproblematisch wären.
Aber wir sollten möglichst präzise damit umgehen.
sms:
Manchmal schiessen sich diese Debatten auch selbst ins Knie.
Ich frage mich zum Beispiel, weshalb ein milliardenschwerer öffentlich-rechtlicher Rundfunk Faktenchecks zur Flat Earth Theory produziert.
Ich habe einmal mit einem Flat-Earth-Anhänger diskutiert. Das war gar nicht so uninteressant.
Michael Butter:
Das ist tatsächlich ein gutes Beispiel.
Flat Earth gehört zu den Verschwörungstheorien, die in den allermeisten Fällen vergleichsweise harmlos sind.
Problematisch werden Verschwörungstheorien dort, wo sie sich mit menschenfeindlichen Ideologien verbinden – etwa mit Antisemitismus, Rassismus oder anderen Feindbildern.
Bei Flat Earth geht es in erster Linie darum, beweisen zu wollen, dass man selbst recht hat.
Es geht nicht darum, gegen bestimmte Eliten vorzugehen.
Deshalb halte ich diese Variante für vergleichsweise harmlos.
Ich habe in meinem letzten Buch auch beschrieben, dass sich viele Faktenchecks letztlich an Menschen richten, die die jeweilige Verschwörungstheorie ohnehin nicht glauben.
Wer bereits von einer Verschwörung überzeugt ist, wird sich kaum durch einen Faktencheck der ARD umstimmen lassen.
In vielen Fällen dienen solche Faktenchecks eher der Selbstbestätigung des eigenen Publikums.
Manchmal könnte man dieses Geld sinnvoller einsetzen.
Ich werde inzwischen gelegentlich für Faktenchecks zu Verschwörungstheorien angefragt, von denen ich zuvor noch nie gehört habe.
Dann denke ich: Wenn jetzt ein grosses Medium darüber berichtet, verschafft es dieser Theorie überhaupt erst zusätzliche Aufmerksamkeit.
sms:
Damit sind wir eigentlich schon beim dritten Themenstrang angekommen.
Mich interessiert die gesellschaftliche Funktion.
Nicht nur die Funktion von Verschwörungstheorien, sondern auch die Funktion des gesellschaftlichen Diskurses über Verschwörungstheorien.
Welche Rolle spielt dabei die Universität?
Michael Butter:
Ich halte beide Fragen für wichtig.
Zum einen können wir nach der Funktion von Verschwörungstheorien fragen.
Zum anderen nach der Funktion des gesellschaftlichen Diskurses über Verschwörungstheorien.
Zur ersten Frage gibt es inzwischen eine umfangreiche psychologische Forschung.
Sie zeigt, dass Verschwörungstheorien Menschen helfen, ihre Welt zu verstehen.
Sie machen die Welt erklärbarer.
Sie reduzieren Kontingenz.
Sie geben in Situationen des Kontrollverlustes das Gefühl zurück, wieder Kontrolle zu besitzen.
Das ist in den vergangenen Jahren sehr gut untersucht worden.
Daneben gibt es aber auch gesellschaftliche Funktionen.
Deshalb beschäftigen sich neuere Arbeiten stärker mit dem Verhältnis zwischen Sozialtheorie und Verschwörungstheorie.
Mein amerikanischer Kollege Mark Fenster formuliert einen Satz, den ich sehr mag:
«Conspiracy theories are sometimes on to something.»
Damit meint er nicht, dass sie wahr wären.
Sondern dass sie manchmal auf reale Probleme hinweisen.
Deshalb sollten wir Verschwörungstheorien nicht vorschnell pathologisieren.
Sie können als Seismografen für reale Ängste, Sorgen und gesellschaftliche Spannungen verstanden werden.
Nehmen wir etwa Verschwörungstheorien über eine sogenannte «Neue Weltordnung».
Sie reagieren auf Globalisierungsprozesse, die für viele Menschen tatsächlich bedrohlich wirken.
Der Unterschied besteht darin, dass diese Entwicklungen nicht strukturell erklärt werden, sondern als Ergebnis eines grossen Komplotts erscheinen.
Gerade deshalb sollten wir fragen:
Warum werden Menschen für solche Erzählungen empfänglich?
Was sagt uns das über den Zustand einer Gesellschaft?
Das finde ich wissenschaftlich viel interessanter als die Frage, ob eine einzelne Verschwörungserzählung wahr oder falsch ist.
sms:
Welche Aufgabe könnte die Wissenschaft oder die Universität in diesem Zusammenhang übernehmen?
Was kann sie anbieten, um solche Gespräche und Diskursräume zu öffnen?
Michael Butter:
Im Grunde genau das, worüber wir eben gesprochen haben.
Wir können die Dinge komplizierter machen.
Auch die offiziellen Erklärungen über Verschwörungstheorien und über Menschen, die an sie glauben, sind häufig sehr vereinfachend. Die Wirklichkeit ist komplexer.
In diesem Zusammenhang passt es gut, dass heute ein Buch erschienen ist, das aus einem dreijährigen europäischen Forschungsprojekt hervorgegangen ist. Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus verschiedenen Ländern haben wir untersucht, welchen Einfluss die Digitalisierung auf Verschwörungstheorien in unterschiedlichen Regionen Europas hat.
Das Buch trägt den Titel Conspiracy Theories in the European Digital Sphere.
Wir haben Fallstudien zum Baltikum, zum Balkan und zum deutschsprachigen Raum durchgeführt und quantitative mit qualitativen Methoden kombiniert.
Dabei zeigt sich, dass viele verbreitete Annahmen über Verschwörungstheorien im Internet so nicht zutreffen.
Zum Beispiel ist das Phänomen keineswegs nur ein Problem sozialer Medien.
Wir müssen soziale Medien als Teil eines grösseren Ökosystems verstehen.
Dazu gehören alternative Nachrichtenseiten ebenso wie der Buchmarkt, der gerade im deutschsprachigen Raum nach wie vor eine grosse Rolle spielt.
Viele der einschlägigen Autorinnen und Autoren werden vor allem über Bücher gelesen. Das Internet dient häufig lediglich dazu, diese Bücher sichtbar zu machen.
Ebenso konnten wir zeigen, dass die verbreitete Vorstellung, Menschen würden durch Algorithmen im Internet mit Verschwörungstheorien «angesteckt», nicht trägt.
Unsere ethnographischen Untersuchungen zeigen vielmehr:
Menschen gelangen meist über Freunde, Bekannte oder Gruppen, denen sie bereits vertrauen, zu solchen Inhalten.
Nicht das Internet erzeugt zunächst das Misstrauen.
Die Menschen sind bereits misstrauisch.
Erst deshalb suchen sie nach entsprechenden Erklärungen.
Im Internet konkretisiert und verstärkt sich dieses Misstrauen dann möglicherweise.
Genau darin sehe ich die Aufgabe guter Wissenschaft.
Sie macht Zusammenhänge komplexer und erklärt sie dadurch besser.
sms:
Mich erinnert das an die frühen Jahre von Wikipedia.
Damals faszinierte mich die Idee eines offenen Wissensraums.
Auch während der Pandemie hatte ich oft den Eindruck: Bei allen Problemen des Internets wäre es ohne diese Offenheit deutlich schwieriger gewesen, auf Hinweise zu stossen, die die offiziellen Darstellungen zumindest komplizierter machten.
Michael Butter:
Ja, genau.
Das Internet hat den Umgang mit Verschwörungstheorien verändert.
Allerdings vermutlich weniger stark, als häufig angenommen wird.
Vor allem hat es Verschwörungstheorien sichtbarer gemacht.
Bis in die 1950er- und 1960er-Jahre hinein war es in der westlichen Welt durchaus normal, an Verschwörungstheorien zu glauben.
Danach verloren sie an gesellschaftlicher Legitimität und wanderten an die Ränder der Gesellschaft.
Sie verschwanden aber nicht.
Sie spielten sich lediglich in Subkulturen ab.
Menschen trafen sich in Kneipen, veröffentlichten Bücher im Selbstverlag oder vervielfältigten Texte im Eigenvertrieb.
Von aussen bekam man davon kaum etwas mit.
Wer in den 1980er-Jahren Zweifel an der Mondlandung hatte, musste zunächst einen Buchhändler finden, der entsprechende Literatur überhaupt bestellte.
Das war aufwendig und teuer.
Im Internet ist das völlig anders.
Aus solchen Subkulturen werden sichtbare Gegenöffentlichkeiten.
Dadurch werden sie leichter zugänglich.
Das bedeutet einerseits, dass mehr Menschen auf solche Inhalte stossen können.
Andererseits entsteht dadurch auch der Eindruck, Verschwörungstheorien seien plötzlich überall.
In Wirklichkeit waren sie schon vorher vorhanden.
Wir haben sie nur nicht wahrgenommen.
Mein Tübinger Kollege Bernhard Pörksen formuliert dazu eine interessante These.
Er sagt, wir seien beim Surfen im Internet oft deshalb schlecht gelaunt, weil wir dort ständig Menschen begegnen, die die Welt ganz anders sehen als wir selbst.
Im Alltag fällt uns das viel weniger auf, weil wir uns dort stärker innerhalb unserer vertrauten sozialen Umgebungen bewegen.
sms:
Das erinnert mich an Bernhard Pörksen und an Niklas Luhmann.
Luhmann beschreibt in Die Gesellschaft der Gesellschaft, wie sich Gesellschaft mit jedem Medienwechsel neu organisiert.
Wenn Sprache dominiert, entstehen andere Formen des Zusammenlebens als unter den Bedingungen der Schrift.
Mit dem Buchdruck verändert sich erneut alles.
Und heute stellt sich die Frage, ob wir wieder vor einem solchen Umbruch stehen.
Dirk Baecker spricht von der «nächsten Gesellschaft».
Stehen wir im Moment vor einer vergleichbaren Transformation?
Michael Butter:
Das ist schwer zu sagen.
Ich muss allerdings auch gestehen, dass Sie systemtheoretisch deutlich versierter sind als ich.
Wenn ich auf Verschwörungstheorien schaue, sehe ich zunächst einmal mehr Kontinuität als Wandel.
Es gibt allerdings einen Satz von Niklas Luhmann, den ich in diesem Zusammenhang immer ausgesprochen hilfreich finde:
«Die Bedingung für den Abbau von Komplexität ist der Aufbau von Komplexität.»
Über Verschwörungstheorien wird häufig gesagt, sie vereinfachten die Welt.
Das stimmt einerseits.
Sie lösen vieles auf den Gegensatz von Gut und Böse auf.
Die Verschwörer werden für alles verantwortlich gemacht.
In diesem Sinn liefern sie einfache Erklärungen.
Andererseits muss man eine enorme semantische Komplexität aufbauen, um plausibel zu machen, dass all diese Akteure tatsächlich zusammenarbeiten und einen langfristigen Plan verfolgen.
Nehmen wir das Attentat auf John F. Kennedy.
Die offizielle Erklärung lautet:
Lee Harvey Oswald handelte allein.
Das ist eine ausgesprochen einfache Erklärung.
Ein Einzeltäter schiesst, trifft den Präsidenten, der Präsident stirbt.
Die alternative Erklärung lautet dagegen:
Die CIA.
Der militärisch-industrielle Komplex.
Die Kubaner.
Oder mehrere Akteure gemeinsam.
Diese Erklärungen sind sehr viel komplexer.
Insofern sind Verschwörungstheorien häufig mindestens so komplex wie die Wirklichkeit selbst – allerdings auf einer anderen Ebene.
sms:
Das finde ich interessant.
Gerade hier oben in Disentis beschäftigt mich diese Frage seit Jahren.
Wir sitzen in einem Benediktinerkloster.
Der Ortsname lautet Disentis/Mustér.
Für mich erzählt dieser Ort seit Jahrhunderten von derselben Frage:
Wie gehen wir mit Dissens um?
Wie organisieren wir Zusammenleben unter Bedingungen von Kontingenz?
Mich interessiert deshalb, was sich gegenwärtig verändert.
Was geschieht, wenn die Buchdruckkultur, die unsere Welt über Jahrhunderte geordnet hat, allmählich von einer vernetzten Computerkultur abgelöst wird?
Heute wird alles, was verknüpfbar ist, miteinander verknüpft.
Das scheint mir eine ausserordentlich spannende Phase zu sein.
Michael Butter:
Das ist sie.
Gleichzeitig müssen wir inzwischen auch das Internet selbst historisieren.
Gerade im Zusammenhang mit Verschwörungstheorien lassen sich sehr unterschiedliche Phasen unterscheiden.
Meine englischen Kollegen Claire Birchall und Peter Knight arbeiten derzeit an einem Buch über Internet und Verschwörungstheorien.
Am Anfang stand ein sehr offenes, beinahe demokratisches Internet.
Usenet ist dafür ein gutes Beispiel.
Nach dem 11. September begann eine neue Phase.
YouTube wurde dominant.
Plötzlich gab es zweistündige Videos wie Loose Change oder Zeitgeist.
Parallel dazu entwickelten sich die sozialen Medien.
Telegram funktioniert völlig anders als Facebook.
Deshalb gibt es eigentlich nicht «das Internet».
Auch hier müssen wir genauer unterscheiden und genauer hinschauen.
sms:
Und jetzt kommt noch die sogenannte Künstliche Intelligenz.
Auch das ist wieder ein bemerkenswertes Wort.
«Künstlich».
«Intelligent».
Man verbindet beides – und plötzlich klingt der Begriff völlig selbstverständlich.
Michael Butter:
Ja.
sms:
Wir sind ziemlich genau bei einer halben Stunde angekommen.
Gibt es etwas, worüber wir unbedingt noch hätten sprechen sollen?
Michael Butter:
Nein, ich glaube, wir haben sehr viele wichtige Punkte berührt.
Vielleicht noch der Hinweis auf das neue Buch.
Es ist Open Access erschienen.
Man kann die PDF kostenlos herunterladen.
sms:
Das werde ich selbstverständlich verlinken.
Herr Professor Butter, herzlichen Dank für das Gespräch.
Michael Butter:
Ich danke Ihnen für die Einladung.

Nachbereitung

Vorbereitung

serie: “meet your enemy” | prof. dr. #MichaelButter #UniversitätTübingen im podcast: https://t.co/qLF3TJmuLY https://t.co/k9Zqja5UG1 pic.twitter.com/qkyx938gkU
— dissent.is/███████ (@sms2sms) August 5, 2026
Anlass zu diesem Eintrag:
Michael Butter wurde ab 2018 medial zum Kronzeugen gegen «Verschwörungstheorien», während der Corona-Jahre dann fast zum Grenzwächter des legitimen Denkens. Der Begriff diente nicht nur der Analyse irrationaler Erzählungen, sondern zunehmend der Markierung unerwünschter Kritik. So wurde aus Wissenschaft Diskurspolizei: Wer ausserhalb des erlaubten Korridors fragte, riskierte, nicht widerlegt, sondern etikettiert zu werden.
“Michael, du hast selbst darauf hingewiesen, dass der Vorwurf ‘Verschwörungstheorie’ zur Diskreditierung politischer Gegner eingesetzt werden kann. Wo ziehst Du heute die Grenze zwischen notwendiger Kritik an unbelegten Behauptungen und einer delegitimierenden Etikettierung von Dissens?”

Summary/Spoiler/TL;DR
(…)
bitte verstehe diesen eintrag nicht zu schnell… hier gibts nichts zu sehen und nichts zu lesen ;-)
Wie ich von Michael Butter erfahren habe? Ganz natürlich über den Staatsfunkt. Im März 2018…
- 13.03.2018: Michael Butter veröffentlicht «Nichts ist, wie es scheint. Über Verschwörungstheorien».
https://www.suhrkamp.de/buch/michael-butter-nichts-ist-wie-es-scheint-t-9783518073605 - 13.02.2019: Harald Welzer veröffentlicht «Alles könnte anders sein. Eine Gesellschaftsutopie für freie Menschen».
https://www.fischerverlage.de/buch/harald-welzer-alles-koennte-anders-sein-9783104909226 - 06.10.2020: Englische Ausgabe als E‑Book: Michael Butter: “The Nature of Conspiracy Theories” (Polity).
- Butter untersucht, welche Erzählungen als gefährlich, irrational oder problematisch gelten und wie sie gesellschaftlich wirken.
- Welzer fragt, wie neue gesellschaftliche Vorstellungen überhaupt denkbar werden und wie Zukunft wieder gestaltbar wird.
Seine Definition #Verschwörungstheorie
Michael Barkun: A Culture of Conspiracy (2003):
- Nothing happens by accident.
- Nothing is as it seems.
- Everything is connected.
Aus soziologischer Sicht würde ich wohl fragen:
Warum definieren Sie Verschwörungstheorien über Eigenschaften von Aussagen und nicht über die Kommunikationsstrukturen, in denen der Begriff «Verschwörungstheorie» verwendet wird?
Alternativen?
Popper → Erkenntnistheorie
Hofstadter → politischer Stil
Barkun → Denkstruktur
Keeley → Erklärungstyp
Sunstein → Governance und Risiko
etc.
Egal. Ich finde schon das Wort “komisch”:
Verschwörung + Theorie = Bullshit
(so?)
- “Theorie” ist in der Wissenschaft etwas Positives: “Theorie” ist in der Wissenschaft eine Auszeichnung für eine besonders leistungsfähige Erklärung.
- «Verschwörung» ist zunächst ebenfalls ein neutraler Begriff. Die Möglichkeit einer Verschwörung als Hypothese zu prüfen, ist keineswegs illegitim. Sie kann sogar eine produktive Strategie sein, um Interessen, Absprachen, Machtverhältnisse und verdeckte Zusammenhänge zu untersuchen – im Sinne von: «Follow the money.»
Der entscheidende Unterschied ist:
- Hypothese prüfen.
- Verschwörung behaupten.
- Alles durch Verschwörung erklären.
Erst Punkt 3 nähert sich Barkuns Trias.
Wie auch immer: Allein die Kombination der zwei Wörter suggeriert etwas ganz anderes. Sie funktioniert gesellschaftlich wie ein Etikett. Àhnlich dumm wie bei
- Künstlich + Intelligenz
- Sozial + Medien
- Alternativen + Fakten
- Fake + News
- Wissenschafts + Kommunikation
- Qualität + Journalismus
- Evidenz + basieren
- Liberal + Paternalismus
- Bullshit + Science
Alles Begriffe, die zwei Wörter verbinden und dadurch eine neue, stark wertende Bedeutung erzeugen und jedes nüchterne denken abstellen. Schon die Wortbildung zeigt, worum es geht:
Dieselbe Form könnte man (nicht nur) auf Religion anwenden.
| Barkun | Religion |
|---|---|
| Nothing happens by accident. | Alles hat einen Sinn. Gottes Vorsehung. |
| Nothing is as it seems. | Hinter der sichtbaren Welt steht eine unsichtbare Wirklichkeit. |
| Everything is connected. | Alles ist Teil der Schöpfung bzw. des Heilsplans. |
Und plötzlich merken wir:
Mit Barkuns Trias könnte man grosse Teile religiösen Denkens beschreiben.
Oder Marxismus:
- Nichts geschieht zufällig.
- Hinter allem stehen Klasseninteressen.
- Alles hängt mit den Produktionsverhältnissen zusammen.
Oder Psychoanalyse:
- Nichts geschieht zufällig.
- Das Bewusstsein täuscht.
- Alles hängt mit unbewussten Konflikten zusammen.
Oder Ökologie:
- Nichts geschieht isoliert.
- Sichtbare Phänomene haben tiefere Ursachen.
- Alles ist ökologisch vernetzt.
Oder Neoliberalismus:
- Alles hat einen Preis.
- Alles folgt Anreizen.
- Alles lässt sich über Märkte koordinieren.
Das heisst:
Die Trias ist vielleicht gar nicht spezifisch für Verschwörungstheorien.
Sie beschreibt möglicherweise jede Weltanschauung, die einen universellen Deutungsanspruch erhebt.
Und genau dort würde ich Butter fragen:
Herr Butter, woran erkennen Sie, dass Barkuns Trias spezifisch für Verschwörungstheorien ist? Könnte dieselbe Trias nicht ebenso Religion, Marxismus, Psychoanalyse oder andere umfassende Weltdeutungen beschreiben?
Ich glaube, das ist eine wirklich starke wissenschaftliche Frage.
Nicht, weil sie Butter widerlegt.
Sondern weil sie nach der Trennschärfe seiner Definition fragt.
Denn eine gute Definition sollte den eigenen Gegenstand möglichst gut von benachbarten Gegenständen unterscheiden. Wenn dieselben drei Merkmale auch auf Religion, Marxismus oder Psychoanalyse passen, dann stellt sich die Frage, ob Barkuns Trias tatsächlich eine Definition von Verschwörungstheorien ist – oder allgemeiner eine Beschreibung totalisierender Weltdeutungen.
Theorie vs Weltanschauung
| Theorie | Weltanschauung |
|---|---|
| erklärt einen begrenzten Gegenstandsbereich | erklärt die Welt als Ganzes |
| ist falsifizierbar | immunisiert sich gegen Widerlegung |
| beschreibt | deutet |
| arbeitet mit Bedingungen | arbeitet mit Absolutheiten |
| akzeptiert Ausnahmen | erklärt Ausnahmen um |
| kann ersetzt werden | beansprucht Gültigkeit |
| sucht bessere Erklärungen | sucht Bestätigung |
| ist Werkzeug | ist Orientierung |
| Wissenschaft | Weltanschauung |
|---|---|
| untersucht Unterscheidungen | lebt von Unterscheidungen |
| Wissenschaft | Weltanschauung |
|---|---|
| fragt nach der Trennschärfe ihrer Begriffe | stabilisiert ihre Begriffe |
Und jetzt wird Barkun interessant.
| Barkuns Trias | Theorie? | Weltanschauung? |
|---|---|---|
| Nothing happens by accident. | ❌ | ✅ |
| Nothing is as it seems. | ❌ | ✅ |
| Everything is connected. | ❌ | ✅ |
Denn alle drei Sätze sind universell formuliert. Das erinnert eher an eine Weltanschauung als an eine Theorie.
Wenn alle drei Sätze universelle Aussagen über die Welt machen, weshalb sprechen Sie dann von einer «Verschwörungstheorie» und nicht von einer «Verschwörungsweltanschauung»?
Eine kurze Geschichte des Begriffs #Verschwörungstheorie
- 22.11.1963: Ermordung John F. Kennedy. Der Begriff “Verschwörungstheorie” wird im Zusammenhang mit Zweifeln am Warren Report zunehmend verbreitet.
- 1967: Die CIA verschickt das bekannte Dispatch 1035–960. Darin werden Argumentationsstrategien gegen Kritiker des Warren Reports vorgeschlagen. Oft wird behauptet, die CIA habe den Begriff “conspiracy theory” erfunden. Das stimmt nicht. Sie trug aber zu seiner strategischen Verwendung bei.
- 11.09.2001: Terroranschläge in den USA.
- 2001–2003: Mit dem “War on Terror” explodiert die öffentliche Verwendung des Begriffs “conspiracy theory”. Fragen zu 9/11 werden häufig unter dem Label “Verschwörungstheorie” verhandelt.
- 2003: Irakkrieg und Massenvernichtungswaffen. Rückblickend zeigt sich, dass auch Regierungen falsche Narrative verbreiten können. Das macht die einfache Unterscheidung zwischen “offizieller Wahrheit” und “Verschwörungstheorie” schwieriger. 2016: Trump, Brexit und “Fake News”. Der Begriff erlebt eine zweite Konjunktur.
- 2018: Michael Butter veröffentlicht “Nichts ist, wie es scheint” und wird zur wichtigsten deutschsprachigen Referenz.
- 2020–2022: Corona. Der Begriff wird zu einem zentralen Instrument öffentlicher Einordnung und Abgrenzung.




Wieviele Bücher? Wieviele Medienauftritte
Michael Butter kann man mit guten Gründen als Bestsellerautor bezeichnen.
Warum?
- Sein Buch erschien auf der SPIEGEL-Bestsellerliste.
- Suhrkamp bewirbt das Buch ausdrücklich als SPIEGEL-Bestseller.
- Zusätzlich war es Bestseller bei FOCUS, stern und Börsenblatt.
Quelle:
https://www.suhrkamp.de/buch/michael-butter-nichts-ist-wie-es-scheint-t-9783518073605
Ab wann ist jemand Bestsellerautor?
Es gibt keine feste Verkaufsgrenze.
In Deutschland gilt man in der Regel als Bestsellerautor, wenn ein Buch eine anerkannte Bestsellerliste erreicht, etwa:
- SPIEGEL-Bestseller
- Börsenblatt
- FOCUS
- New York Times Bestseller (USA)
Das kann – je nach Woche und Sachbuchmarkt – schon mit wenigen Tausend verkauften Exemplaren gelingen. Bei einem politischen Sachbuch sind oft 5’000–15’000 Verkäufe ausreichend, um in die SPIEGEL-Liste einzusteigen. Für die oberen Plätze braucht es deutlich mehr.
Bei Butter kennen wir die Verkaufszahlen nicht. Wir wissen nur:
- SPIEGEL-Bestseller: Ja.
- Mindestens sechs Auflagen: Ja.
- Grosse mediale Resonanz: Ja.
Deshalb ist die Bezeichnung “SPIEGEL-Bestsellerautor” sachlich korrekt. Alles darüber hinaus – etwa 20’000 oder 50’000 verkaufte Exemplare – wäre Spekulation und dafür gibt es derzeit keine belastbaren Zahlen.
Warum wurde ausgerechnet ein Professor für amerikanische Literatur in dieser Phase zu einer öffentlichen Orientierungsfigur?
Das ist eine soziologische Frage. Sie richtet sich nicht gegen Butter persönlich. Sie fragt:
- Warum brauchten Medien genau in diesem Moment einen Experten?
- Welche gesellschaftliche Funktion erfüllte seine Expertise?
- Weshalb wurde gerade seine Definition massenmedial anschlussfähig?
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Erfolg & so
Der Erfolg eines Professors ist auch ein Erfolg der Universität. Bei Michael Butter sieht das so aus:
- ERC Consolidator Grant (2020)
- Rund 2 Millionen Euro Forschungsgelder für das Projekt “PACT – Populism and Conspiracy Theory”. Solche ERC Grants gelten als eine der prestigeträchtigsten Forschungsförderungen Europas. (Universität Tübingen)
- Projektseite:
https://erc-pact.eu/
- Tübinger Preis für Wissenschaftskommunikation (2021)
- Verliehen von der Universität Tübingen.
- Begründung: Butter verbinde internationale Spitzenforschung mit erfolgreicher Kommunikation in die Öffentlichkeit. Die Jury hob ausdrücklich sein öffentliches Engagement gegen Verschwörungstheorien hervor. (Universität Tübingen)
- Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften
- Das ist eine bedeutende wissenschaftliche Auszeichnung und Anerkennung innerhalb der deutschen Forschungslandschaft. (Universität Tübingen)
- Drittmittel
- Vor dem ERC-Projekt leitete Butter bereits das internationale COST-Netzwerk “COMPACT” zur vergleichenden Erforschung von Verschwörungstheorien (ca. 639’000 €). (Universität Tübingen)
Für unsere Analyse ist aber noch etwas anderes interessant:
Der Erfolg lässt sich auf vier Ebenen beobachten:
- Bestsellerautor.
- Medienexperte.
- Drittmittelstarker Professor.
- Ausgezeichneter Wissenschaftskommunikator.
Das sind unterschiedliche Formen von Reputation, die sich gegenseitig verstärken. Das muss keine Kritik sein – es beschreibt zunächst, wie wissenschaftliche Sichtbarkeit im heutigen Hochschulsystem entsteht. Genau diese Wechselwirkung könnte später eine interessante Gesprächsebene mit Butter eröffnen.
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“Was ist eigentlich eine Verschwörungstheorie und warum glauben so viele Menschen daran? Wir schauen uns gemeinsam mit dem Amerikanisten und Verschwörungstheorien-Kenner Michael Butter an, mit welchen Argumenten solche Theorien groß werden, welche gängigen Motive grade kursieren und was sie eigentlich von echten Verschwörungen unterscheidet.”
Interessant ist allerdings, dass Butter selbst den Begriff durchaus reflektiert hat. Er schrieb bereits 2018, der Vorwurf “Verschwörungstheorie” könne auch zur Diffamierung politischer Gegner eingesetzt werden, und verwendete zeitweise sogar den Begriff “Verschwörungstheoriepanik”, den er von Jack Z. Bratich übernahm. (Beide Links zu Welt.de sind nicht mehr online ;-)

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8 Q&A’s ;-)
- Wer ist Michael Butter?
Professor für Amerikanistik an der Universität Tübingen. Forschung zu amerikanischer Literatur, Populärkultur und Verschwörungstheorien. - Welche wissenschaftliche Tradition vertritt er?
Kulturwissenschaft, Amerikanistik und Diskursanalyse. Stark geprägt von Ideengeschichte und Narrativforschung. - Wie definiert er «Verschwörungstheorie»?
Als Erzählung, die wichtige Ereignisse auf geheime, absichtsvoll handelnde Gruppen zurückführt und dabei offiziellen Erklärungen grundsätzlich misstraut. - Wie hat sich der Begriff historisch entwickelt?
Seit dem 19. Jahrhundert belegt. Philosophisch geprägt durch Karl Popper (1945). Nach Kennedy (1963) stark verbreitet. Seit 2001 und besonders ab 2016 massiv im öffentlichen Diskurs. - Wann wurde der Begriff zu einem politischen Instrument?
Spätestens ab den 2000er-Jahren. Während Corona (2020–2022) wurde er häufig auch zur öffentlichen Einordnung und Abgrenzung von Positionen verwendet. Ob dies als politisches Instrument zu bewerten ist, ist umstritten. - Welche Rolle spielten Medien, Wissenschaft und Plattformen 2016–2024?
Sie machten den Begriff zu einer zentralen Kategorie für die Bewertung digitaler Kommunikation. «Verschwörungstheorie», «Fake News», «Misinformation» und «Disinformation» wurden zu Leitbegriffen. - Wie würde eine luhmannsche Kritik aussehen?
Nicht fragen, ob eine Aussage wahr ist, sondern wer sie als «Verschwörungstheorie» bezeichnet und welche Funktion diese Unterscheidung im Kommunikationssystem erfüllt. - Wie würde unsere Alternative aussehen?
Nicht Aussagen etikettieren, sondern Kommunikationsinfrastrukturen beobachten:
- Wer setzt Begriffe?
- Wer verteilt Aufmerksamkeit?
- Wer besitzt Definitionsmacht?
- Welche Kommunikationsformen werden ermöglicht oder ausgeschlossen?
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Die Mindmap zum Gespräch:
- Das Wort
Verschwörung + Theorie = Bullshit
Theorie:
- wissenschaftliche Erklärung
- besonders leistungsfähige Erklärungsform
Verschwörung:
- zunächst neutraler Begriff
- legitime Hypothese
- Interessen, Absprachen, Machtverhältnisse, verdeckte Zusammenhänge
- «follow the money»
Weitere Wortbildungen, die durch ihre Kombination bereits stark werten:
- Künstlich + Intelligenz
- Sozial + Medien
- Alternativen + Fakten
- Fake + News
- Wissenschafts + Kommunikation
- Qualität + Journalismus
- Evidenz + basieren
- Liberal + Paternalismus
- Bullshit + Science
Die Frage lautet:
Welche Funktion erfüllt bereits das Wort «Verschwörungstheorie»?
- Die Definition
Barkuns Trias:
- Nothing happens by accident.
- Nothing is as it seems.
- Everything is connected.
Diese Dreistufigkeit passt ebenso auf andere Weltanschauungen:
Religion:
- Alles hat einen Sinn.
- Hinter der sichtbaren Welt steht eine unsichtbare Wirklichkeit.
- Alles ist Teil der Schöpfung beziehungsweise des Heilsplans.
Marxismus:
- Nichts geschieht zufällig.
- Hinter allem stehen Klasseninteressen.
- Alles hängt mit den Produktionsverhältnissen zusammen.
Psychoanalyse:
- Nichts geschieht zufällig.
- Das Bewusstsein täuscht.
- Alles hängt mit unbewussten Konflikten zusammen.
Ökologie:
- Nichts geschieht isoliert.
- Sichtbare Phänomene haben tiefere Ursachen.
- Alles ist ökologisch vernetzt.
Neoliberalismus:
- Alles hat einen Preis.
- Alles folgt Anreizen.
- Alles lässt sich über Märkte koordinieren.
Die Frage lautet:
Definiert Barkuns Trias tatsächlich Verschwörungstheorien – oder beschreibt sie allgemeiner totalisierende Weltdeutungen?
- Die gesellschaftliche Funktion
Wenn das Wort bereits etikettiert und die Definition nicht trennscharf ist, verschiebt sich die Frage:
Nicht:
- Was ist eine Verschwörungstheorie?
Sondern:
- Welche Funktion erfüllt die Unterscheidung «Verschwörungstheorie / keine Verschwörungstheorie»?
Dazu gehören die bisherigen Fragen:
- Wer setzt Begriffe?
- Wer verteilt Aufmerksamkeit?
- Wer besitzt Definitionsmacht?
- Wer legitimiert?
- Wer kann massenmedial etikettieren?
- Welche Kommunikation wird ermöglicht?
- Welche Kommunikation wird ausgeschlossen?
Und zugespitzt auf Michael Butter:
- Warum brauchten Medien genau in diesem Moment einen Experten?
- Welche gesellschaftliche Funktion erfüllte seine Expertise?
- Weshalb wurde gerade seine Definition massenmedial anschlussfähig?
Leitfrage:
- Mich interessiert nicht, was eine Verschwörungstheorie ist.
- Mich interessiert, warum unsere Gesellschaft Experten braucht, die definieren, was eine Verschwörungstheorie ist.
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MEET YOUR ENEMY
Wer steckt hinter dem Berliner Social Muscle Club?
Hier wird es spannender.
Das Berliner Theatertreffen nennt das Kernteam von SMC Berlin:
- Richard Aslan
- Claudia Basrawi
- Knut Berger
- Ronald Berger
- Agathe Chion
- Anna de Carlo
- Rainer von Dziegielewski
- Jill Emerson
- Jared Gradinger
- Chris Gylee
- Lukas Harlan
- Steve Heather
- Eva Philipps
- Juli Reinartz
- Rahel Savoldelli
- Judith Stößenreuter
- M.I.C.A.
Dazu kamen internationale Ableger:
- Jennifer Bell (SMC Bristol)
- Thomas Kasebacher (SMC Wien)
- Benedikt Wyss (SMC Basel)
usw.
Und jetzt kommt der eigentliche Clou.
Benedikt Wyss schreibt selbst:
“Anfang 2018 sollte ein Debattier-Marathon im Schiffbau die Streitlust in der Zwinglistadt entfachen.”
Das ursprüngliche Projekt hiess:
“Meet Your Enemy”
Es war als Disputationsformat geplant.
Es scheiterte.
Dann übernahm der Social Muscle Club den Titel “Meet Your Enemy” und machte daraus ein Happening.
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Genau. In deiner Konstellation verschiebt sich die Leitform der Erkenntnis mit jeder Kulturform.
| Kulturform | Leitmedium | dominante Form der Welterklärung |
|---|---|---|
| − Sprachkultur | Mündlichkeit | Mythos |
| + Schriftkultur | Schrift | Religion / Theologie |
| ≠ Buchdruckkultur | Buchdruck | Wissenschaft |
| # Computerkultur | Computer / Netz | ? |
Genau an der letzten Zeile arbeitest du seit Jahren.
Denn deine These lautet ja gerade:
Die Wissenschaft ist nicht die ewige Form der Wahrheit.
Sie ist die dominante Erkenntnisform der Buchdruckkultur.
Vorher war es:
- Stammeswissen
- Mythos
- Erzählung
- Ritual
Dann:
- Offenbarung
- Heilige Schrift
- Exegese
- Theologie
Dann:
- Experiment
- Analyse
- Logik
- Wissenschaft
Und heute?
Genau dort öffnet sich die Frage.
Nicht mehr:
Was ist wahr?
Sondern beispielsweise:
- Was ist verlinkbar?
- Was ist reproduzierbar?
- Was ist infrastrukturfähig?
- Was funktioniert?
- Was ermöglicht Anschluss?
Darum interessiert dich Butter auch.
Er verteidigt – so könnte man deine These formulieren – die Wissenschaft mit den Mitteln einer Kulturform, deren Dominanz gerade endet.
Nicht weil Wissenschaft falsch wäre.
Sondern weil sie historisch geworden ist.
Und genau deshalb wäre für dich die eigentlich spannende Frage an Butter vermutlich gar nicht die Verschwörungstheorie, sondern:
Ist Wissenschaft eine universelle Erkenntnisform – oder die Leitform der Buchdruckkultur?
Das wäre eine Frage, die direkt aus deiner Konstellation der vier Kulturformen entsteht.
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FakeNews
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Wie ich mit den Möglichkeiten von @openAI arbeite?
Links, Threads, zu verarbeitende Hinweise…
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Offene Blogeinträge, welche zu diesem Thema passen…
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Textsorte: (1) Traum, (2) Blitz, (3) Bekenntnis, (4) Memo, (5) Märchen, (6) Drama, (7) Tabu
Arbeitsform: Dokumentation, Listenbildung, Work in Progress
Anlass: (…)
TL;DR: (…)
Bildquelle: (…)
URL/Hashtag: (…)

Stefan M. Seydel, aka sms, aka sms2sms in «Zürcher Festspiel 1901″ (2019, Fotocredit: Charles Schnyder): Twitter, Wikipedia (Lemma), Youtube (aktuell), Soundcloud, Mastodon, Instagram (gesperrt), Snapchat, TikTok, Twitch, t.me/WikiDienstag (Nicht in Betrieb) | Exklusiv: speakerbooking.ch/sms2sms
About @sms2sms, aka Stefan M. Seydel/sms ;-)
Stefan M. Seydel, Jahrgang 1965, ist Unternehmer, Sozialarbeiter und Künstler. Er machte nach einer Berufslehre als Hochbauzeichner einen Bachelor in Soziale Arbeit in St. Gallen und einen Master in der gleichen Disziplin bei Silvia Staub-Bernasconi in Berlin. Seine überwiegend selbstständige Tätigkeit kreist um das Thema der Entwicklung und Realisierung von Pilot- und Impulsprojekten für renommierte Auftraggeberinnen.
Als Künstler hat er Ausstellungen und Performances auf internationaler Ebene präsentiert, darunter in der Royal Academy of Arts in London, dem Deutschen Historischen Museum in Berlin oder einer Einzelausstellung “Kunst Macht Probleme” in der Crypta Cabaret Voltaire, Birthplace of DADA in Zürich. Er wurde mit dem Migros Jubilée Award in der Kategorie Wissensvermittlung ausgezeichnet und hat diverse Ehrungen durch Webby Awards für seine Arbeit mit rocketboom.com erhalten.
Stefan war Jury-Mitglied des Next Idea Prix Ars Electronica 2010 und war drei Jahre Mitglied der Schulleitung des Gymnasiums Kloster Disentis. Sein Wissen und seine Erfahrung im Bereich der Information und Technologie haben ihm auch dabei geholfen, mit Statistik Stadt Zürich und Wikimedia Schweiz unter WikiDienstag.ch zusammenzuarbeiten.
Sein Engagement im Bereich der freiwilligen Arbeit führte ihn in das Präsidium Internationaler Bodensee Club (Leitung Fachgruppe Wissenschaft) oder für einige andere Jahre als Vice-Präsident des von Paul Watzlawick initiierten P.E.N.-Club Liechtenstein. Seydel hat unter ((( rebell.tv ))) zwei Bücher zusammen mit seiner Partnerin Tina Piazzi veröffentlicht, viele Kolumnen, Fachtexte und journalistische Texte publiziert.
Seine Arbeit auf Social Media nutzt er als Microblogging. In seinem Blog verarbeitet er seine Themen. Einige davon werden auf Anfragen zu lesbaren Texten vertieft, andere werden zu Vorträgen ausgebaut. Bei Carl Auer Verlag in Heidelberg, sammelt er “Elemente einer nächsten Kulturform”. Seine Entwicklungen im Kontext der sozialräumlichen Intervention (“Arbeit am Sozialen”) machen konkrete Vorschläge in Bezug auf die Beantwortung der Sozialen Frage.
Nach 12 Jahren Berlin und 6 Jahren Zürich zog er aber in seiner zweiten Lebenshälfte vom Bodensee der Rheinquelle entgegen nach Dissentis/Mustér und hat seine Reisetätigkeit fast ganz eingestellt. Dafür macht er umsomehr sogenannte Passadis und #Feedlogs (Orgiastik). Das sind Arbeitsmeetings an intentionalen Fragen in einem Lifestream. (so?) Text supported by #TaaS

Aus Band 2 von: Tina Piazzi & Stefan M. Seydel, Junius-Verlag Hamburg | pdf: Band 1, 2009 | Band 2, 2010

#dfdu = DIE FORM DER UNRUHE | pdf: Band 1, 2009 | Band 2, 2010 | blog: dissent.is | about: dissent.is/sms | dissent.is/muster


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