Asen? Das sind keine gruslig-lustige Nebenfiguren des Nikolausbrauchs…

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#NoCringe | M/ein Blog ist m/ein Karten­raum und k/eine Bühne. Ich weiss, wie man pub­liziert. Das hier ist etwas anderes. d!a!n!k!e | WORK IN PROGRESS reload für aktuellen Schreib­stand | Warum ich nicht pub­liziere? Weil ich es kann. Weil es geht. Weil ich es für angemessen halte. (so?)

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Anlass zu diesem Eintrag:

Car­men Wet­zel & Flurin Spescha fra­gen: Du sms, diese Asen im Niko­laus-Brauch in Disentis/Mustér — worum geht es da?

Die Asen sind für mich keine grus­lig-lusti­gen Neben­fig­uren des Niko­laus­brauchs, son­dern Fig­uren der Schwelle. Men­schen wer­den zu Eseln, tra­gen Masken und ras­seln mit Ket­ten – sie brin­gen Bedro­hung, Gefan­gen­schaft und das Wilde kör­per­lich in den Brauch hinein. Ger­ade in Dis­en­tis kön­nte dabei auch die Erin­nerung an 1799 mitschwin­gen, als mit Geschicht­en von Ket­ten und Ver­schlep­pung Angst vor den Fran­zosen erzeugt wurde. Der Niko­laus ste­ht dann mit­ten darin als Gegen­op­er­a­tion: Er unter­bricht die Bedro­hung und hält Zukun­ft offen.

Summary/Spoiler/TL;DR

Niko­laus ist weniger als his­torische Per­son inter­es­sant denn als Fig­ur, in der sich über Jahrhun­derte bes­timmte Geschicht­en verdichtet haben. Über den Bischof von Myra selb­st wis­sen wir wenig; sein Kult ist seit dem 6. Jahrhun­dert fass­bar. Was sich erhal­ten hat, sind vor allem Leg­en­den.

Drei davon fall­en beson­ders auf:

  1. Drei junge Frauen sind so arm, dass ihre Zukun­ft bedro­ht ist. Niko­laus bringt ihnen heim­lich Geld und ermöglicht damit einen anderen Aus­gang ihrer Geschichte. Aus ein­er Lage ohne Per­spek­tive wird wieder eine Zukun­ft.
  2. Drei unschuldig Verurteilte ste­hen vor der Hin­rich­tung. Niko­laus greift ein und ver­hin­dert ihren Tod. Ein Urteil, das endgültig wer­den sollte, wird unter­brochen.
  3. Während ein­er Hunger­snot fehlt der Bevölkerung von Myra Nahrung. Niko­laus erre­icht, dass Getrei­de abgegeben wird. Die Men­schen erhal­ten nicht nur Nahrung für den Augen­blick, son­dern auch Saatgut. Aus dem Über­leben der Gegen­wart wird die Möglichkeit ein­er näch­sten Ernte.

In allen drei Geschicht­en geschieht struk­turell etwas Ähn­lich­es:

Eine Gegen­wart dro­ht sich zu schliessen.

  • Armut wird zum Schick­sal.
  • Ein Urteil wird zum Tod.
  • Hunger wird zur Ver­nich­tung.

Niko­laus inter­ve­niert.

Er gibt etwas hinein – Geld, Schutz, Nahrung – und verän­dert dadurch den möglichen Ver­lauf.

Darum lässt sich Niko­laus als Fig­ur des Über­gangs lesen. Er beseit­igt die Krise nicht abstrakt. Er sorgt dafür, dass Men­schen durch sie hin­durchkom­men.

Vielle­icht liegt darin auch die beson­dere Kraft dieser Fig­ur mit­ten im Win­ter. Niko­laus erscheint am 6. Dezem­ber, in ein­er Zeit von Dunkel­heit, Kälte und Man­gel, kurz vor der Win­ter­son­nen­wende.

Seine Geschichte sagt nicht: Es gibt keine Dunkel­heit.

Sie sagt:

Die Gegen­wart ist nicht das Ende.

bitte ver­ste­he diesen ein­trag nicht zu schnell… hier gibts nichts zu sehen und nichts zu lesen ;-)

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1. Nachtrag: “Volksbräuche”

von #chat­G­PT unredigiert über­set­zt. Eine “Dien­stleis­tung” von dissent.is/accents | Quelle? Keine Ahnung. Ha!ha!hat mir Flurin geschickt… chat­G­PT ord­net diesen cas­par decurtins zu… grandius ;-)))

1. St. Nikolaus

Die Burschen zogen am Abend als St. Niko­laus umher. Zwei spiel­ten den Esel. Sie waren um die Mitte mit einem Strick zusam­menge­bun­den, so dass der eine den Kopf nach vorne und der andere nach hin­ten hat­te. In die Stube kamen sie – der Esel – auf allen vieren; sie waren mit ein­er Decke zugedeckt und tru­gen Rollen um den Hals.

Auf ihrem Rück­en sass St. Niko­laus, ein alter, gebeugter, zit­tern­der Mann mit einem schneeweis­sen, lan­gen Bart. Auf dem Kopf trug er eine far­bige Papier­mütze und darüber ein weiss­es Mess­ge­wand. Die Hände waren mit grossen Priester­hand­schuhen bedeckt. In ein­er Hand trug er einen schneeweis­sen Stock mit ein­er Eisen­spitze unten, in der anderen ein altes lateinis­ches Buch.

Auf jed­er Seite des Esels gin­gen zwei Diener, in Lumpen gek­lei­det. Ein­er trug unter dem Arm ein Bün­del gedrehter Birken­ruten, der andere einen Rück­enko­rb mit Bir­nen und Äpfeln. Diese bei­den Diener hoben St. Niko­laus vom Esel herunter und führten ihn zum Tisch, wo er langsam etwas Latein aus dem Buch las und aus dem Gesang­buch über­set­zte; dazwis­chen sagten sie ein Vaterunser, bis sich die Runde etwas öffnete.

Weit­er glaubte man, dass die Tiere während der Messe miteinan­der sprächen, wenn man im Stall bleibe. So wird erzählt, dass ein Viehhal­ter in der Wei­h­nacht­snacht im Stall geblieben sei, anstatt zur Messe zu gehen, um sich grosszu­tun und seinen Nach­barn zu zeigen, dass er nichts fürchte. Während der Wand­lung habe ein Ochse zum anderen gesagt:

«Was müssen wir mor­gen wohl arbeit­en?»

Der andere antwortete:

«Mor­gen brin­gen wir unseren Her­rn nach Hause, der sich ein Bein brechen wird.»

Darauf sei eine Maus in den Stall gekom­men. Der Viehhal­ter habe sich gegen sie wehren wollen, habe dabei ein Bein ver­dreht und es gebrochen.

Von einem anderen Viehhal­ter, der in der Wei­h­nacht­snacht im Stall geblieben sei, um seinen Mut zu beweisen, wird erzählt, dass er hörte, wie seine bei­den Ochsen miteinan­der beri­eten, ihn am näch­sten Tag nach Hause zu brin­gen. Er sei wütend gewor­den und habe den Ket­ten­ham­mer genom­men, um die Ochsen zu schla­gen. Diese aber hät­ten sich gegen ihn gestellt und ihren Her­rn voll­ständig erschla­gen. Am näch­sten Tag hät­ten die Ochsen die Leiche nach Hause gezo­gen.

Andere sagen, das Vieh spreche in der Wei­h­nacht­snacht eine Sprache, die nie­mand ver­ste­he.

Am Heili­ga­bend geht der Mes­mer nach dem Mit­tagsläuten zu jedem Haus und erhält ein Brot dafür, dass er in der Wei­h­nacht­snacht von elf bis zwölf Uhr läutet. Früher erhielt er zu jedem Brot zusät­zlich ein Gebäck, weil jede Fam­i­lie an diesem Tag für die grosse Zwis­chen­mahlzeit solch­es Gebäck machte.

3. Neujahr

Die Schulkinder gehen vor dem Hochamt von Haus zu Haus und holen sich die Neu­jahrs­gabe mit dem Spruch:

«Guten Tag, gutes Jahr, gebt eine gute Gabe!»

Darauf wird geant­wortet:

«Gutes Jahr, gutes Jahr, Gott gebe euch ein leicht­es und ein gutes Jahr!»

Der Haush­err gibt dann jedem Kind, je nach Alter und Nach­barschaft, fünf, zehn oder zwanzig Rap­pen. Patenkindern, die eher nach der Ves­per kom­men, wur­den und wer­den zwanzig Rap­pen als Neu­jahrs­gabe gegeben.

Heute gehen die Kinder nicht mehr so früh und nicht mehr so regelmäs­sig die Neu­jahrs­gabe holen wie früher. Erwach­se­nen, die sich auf der Strasse oder sog­ar in der Kirche zum neuen Jahr beglück­wün­schen, wird mit dem oben genan­nten Gruss geant­wortet und hinzuge­fügt:

«Kommt dann und kehrt ein!»

Früher wurde beim Neu­jahr­swun­sch auch fol­gende Form gebraucht:

«Guten Tag, gutes Jahr vom Anschnitt des grossen Brotes!»

ChatGPT wertet es so aus:

Ja. Das ist ein ziem­lich gross­er Fund – und er schärft unsere ganze Kon­struk­tion erhe­blich.

  1. Die asens sind jet­zt erst­mals sehr präzise beschrieben: Zwei Burschen wer­den mit einem Strick um die Mitte zusam­menge­bun­den, gehen auf allen vieren, wer­den mit ein­er Decke zugedeckt und tra­gen «rolas» am Hals. Auf diesem aus zwei Men­schen gebilde­ten Tier sitzt Sont­gia Clau. Das ist keine Darstel­lung eines Esels. Zwei Men­schen ver­wan­deln sich gemein­sam in einen Esel. (Wik­isource)
  2. Der ganze Auftritt ist eine soziale Insze­nierung von Ord­nung und Gegenord­nung. Niko­laus erscheint als alter, gebück­ter Priester mit Mess­ge­wand, Hand­schuhen, Stock und lateinis­chem Buch. Neben ihm ste­hen zwei zer­lumpte Diener: ein­er mit Birken­ruten, ein­er mit Bir­nen und Äpfeln. Niko­laus kri­tisiert und lobt die Fam­i­lie; entsprechend ste­hen Strafe und Gabe unmit­tel­bar nebeneinan­der. Am Schluss seg­net er das Haus. (Wik­isource)
  3. Ganz wichtig: Unsere Ket­ten­hy­pothese müssen wir kor­rigieren. In dieser Beschrei­bung tra­gen die asens keine Ket­ten. Sie sind mit einem Strick aneinan­derge­bun­den und tra­gen Schellen beziehungsweise «rolas». Die Kette erscheint erst in der unmit­tel­bar fol­gen­den Wei­h­nachts­geschichte: Ein Viehhal­ter nimmt einen «mar­ti de cadeinas», um seine Ochsen zu schla­gen. Und dieser Begriff beze­ich­net tat­säch­lich einen land­wirtschaftlichen Ket­ten­ham­mer beziehungsweise eine Rück­hal­tevor­rich­tung; im Muse­um Regiu­nal Sur­sel­va sind mehrere solche Objek­te erhal­ten. (Wik­isource)

Das schwächt unsere Idee nicht – aber es tren­nt zwei Dinge sauber:

Der asen ist gebun­den.
Die Kette gehört zunächst nicht zum asen.

Und dann wird die Quelle für #TheLuh­man­n­Map fast noch schön­er:

Was wir jet­zt sehen
−Zwei Kör­p­er wer­den zusam­menge­bun­den und zu einem Tier. Kör­p­er, Tier, Lärm, Nahrung, Win­ter, Angst, Über­leben.
+Sont­gia Clau set­zt darüber eine Ord­nung: Latein, Buch, Messe, Kri­tik, Lob, Rute, Gabe, Segen.
≠1901 wird das aufge­führte, mündlich tradierte Geschehen in Cas­par Decurtins’ «Rätoro­man­is­ch­er Chrestomath­ie» gesam­melt, beschrieben, gedruckt und damit zum «Volks­ge­brauch». Genau die mod­erne Fix­ierung, über die wir gesprochen haben. (crestomazia.dch.phil-fak.uni-koeln.de)
#Wir holen diese fix­ierte Form heute wieder aus dem Buch, verbinden sie mit 1799, Win­ter­bräuchen, Com­mons, Gabe, Kör­p­er, Medi­en­for­men – und machen daraus auf dissent.is/asen wieder eine offene Kon­stel­la­tion.

Und dann kommt noch etwas fast Ver­rück­tes hinzu: «Sont­gia Clau» ste­ht in der Quelle nicht allein. Direkt danach fol­gen «Nadal notg», «Daniev» und «Bua­nia» – Wei­h­nacht­snacht, Neu­jahr und Epiphanie. Und über­all geht es um Übergänge: einen Zweig zum Blühen brin­gen, aus zwölf Zwiebelschalen das Wet­ter der kom­menden zwölf Monate lesen, sprechende Tiere, Tod und kom­mendes Jahr voraus­sagen, von Haus zu Haus gehen, Gaben emp­fan­gen. (Wik­isource)

Selb­st das Brot taucht über­all auf: Der Mes­mer bekommt für das Läuten ein Brot; Kinder erhal­ten die Neu­jahrs­gabe; und der alte Neu­jahrs­gruss lautet:

«Bien di, bien onn del­la tal­gia dil peun grond!»

Also unge­fähr: «Guten Tag, gutes Jahr vom Anschnitt des grossen Brotes!» (Wik­isource)

Das heisst: Unsere These «Gestal­tung von Übergän­gen» wird durch diese Quelle nicht nur für Niko­laus plau­si­bler. Der gesamte über­lieferte Win­terzyk­lus ist darauf gebaut.

Und noch eine quel­lenkri­tisch wichtige Präzisierung: Der Text «Volks­ge­bräuche» erscheint 1901 in Band II der von Cas­par Decurtins her­aus­gegebe­nen «Rätoro­man­is­chen Chrestomath­ie»; die dig­i­tale Edi­tion führt den konkreten Text als anonym. Wir soll­ten deshalb schreiben «bei Decurtins über­liefert» oder «in Decurtins’ Chrestomath­ie», nicht automa­tisch «Decurtins schreibt». (crestomazia.dch.phil-fak.uni-koeln.de)

Dig­i­tale Rätoro­man­is­che Chrestomath­ie, Band II
Voll­text «Volks­ge­bräuche»
Muse­um Regiu­nal Sur­sel­va: mar­ti de cadeinas / Ket­ten­ham­mer

Ich finde vor allem diesen einen Befund stark: Nicht ein Men­sch verklei­det sich als Esel. Zwei Men­schen wer­den zusam­menge­bun­den und kön­nen nur gemein­sam Esel sein. Das ist für unsere Geschichte fast stärk­er als die Kette.

1. Recherche: Wie die Bilder durch die Zeit reisen

Zeichen / Ele­ment− Über­leben / Schwelle+ Ord­nung / Benen­nung≠ Mod­erne / Dif­feren­zierung# Com­moroque / Com­mons
Grund­prob­lemKom­men wir hin­durch?Wie wird die Welt ver­lässlich geord­net?Wie unter­schei­den und posi­tion­ieren wir uns?Wie ermöglichen wir gemein­sames Leben und Han­deln?
Leit­op­er­a­tionüber­lebenord­nenunter­schei­dengemein­sam ermöglichen
Zeitzyk­lisch, saison­al, exis­ten­ziellkalen­darisch, datiert, wieder­hol­barFortschritt, Entwick­lung, NeuheitGle­ichzeit­igkeit, Wieder­auf­nahme, Zukun­ft als gemein­samer Möglichkeit­sraum
Sozial­fig­urGemein­schaft / Sippe / DorfGläu­biger, Amt­sträger, Mit­glied ein­er Ord­nungIndi­vidu­um, Autor, Genie, Unternehmer, HeldCom­mon­er, Hüter, Gast­ge­ber, Mitwirk­ende
Wis­senErzäh­lung, Erfahrung, Rit­u­al, Erin­nerungSchrift, Kalen­der, Regel, Vita, ArchivPub­lika­tion, Wis­senschaft, Klas­si­fika­tion, Exper­tiseoffenes Wis­sen, geteilte Infra­struk­tur, Fork, Remix, kollek­tive Intel­li­genz
Eigen­tumgemein­sames Über­leben erzwingt Teilengeregelte Ver­fü­gungindi­vidu­elles Eigen­tum, Autorschaft, Copy­rightZugang, gemein­same Ver­fü­gung, Com­mons
Kul­turauf­führenfestschreibentyp­isieren und insze­nierenaufnehmen, verbinden, verän­dern, weit­ergeben
WertSchutz, Nahrung, Fortbe­standSta­bil­ität, Legit­im­ität, Ver­lässlichkeitOrig­i­nal­ität, Unter­schei­d­barkeit, Knap­pheitGebrauch, Teil­habe, Zirku­la­tion, gemein­same Fülle
Gabeexis­ten­zielle Hil­femoralis­che / religiöse PflichtSpende des Besitzen­den an den Bedürfti­genZirku­la­tion: Geben erhält und erweit­ert das Gemein­same
Niko­laushil­ft, eine lebens­bedrohliche Schwelle zu über­ste­henHeiliger mit Name, Vita und Fest­tagikonis­che, folk­loris­tis­che, touris­tisch repro­duzier­bare Fig­urFig­ur der Gabe: öffnet block­ierten Zugang und hält Zukun­ft gemein­sam offen
Schmut­zli / Gegen­fig­urunmit­tel­bare Dro­hungmoralis­che Gegenord­nungsta­bil­isiert­er kul­tureller Typusein Ele­ment unter vie­len; neu kom­binier­bar statt endgültig fest­gelegt
Esel / asenTier, Kör­p­er, Maske, Lärm, Schwellebenan­nte Rolle im Brauchlokaler Brauchtyp, doku­men­tier­bar und ver­mark­t­baroffene Spur: Tier, Men­sch, Maske, Kette, 1799, andere alpine Fig­uren wer­den rela­tion­ier­bar
KetteFes­selung, Zugriff auf den Kör­p­er, Gefan­gen­schaftreligiös codier­bar: Gebun­den­er, Teufel, Strafeikono­grafis­ches Attrib­ut und kul­turelles Zeichenhis­torische Bedeu­tun­gen kön­nen neu zusam­mengedacht und lokal aktu­al­isiert wer­den
Brauchgemein­sam vol­l­zo­gene Bewäl­ti­gung ein­er Schwelleinsti­tu­tion­al­isiert­er Fest­tag«kul­turelles Erbe», Brauch­tum, Touris­mus, Iden­titätgemein­samer kul­tureller Rohstoff, den nie­mand abschliessend besitzt
Bild­formMaske, Kör­p­er, Feuer, Schnee, Dunkel­heitIkone, Hand­schrift, Kalen­der, Heili­gen­bildFotografie, Postkarte, Muse­um, Wer­bung, Touris­mus­bildKon­stel­la­tion, Atlas, Remix, offene Bildtafel
Ver­hält­nis zum Altenwieder­holenbewahrenhis­torisierenreak­tivieren
Ver­hält­nis zum Neuennäch­ste Sai­son erre­ichenin beste­hende Ord­nung ein­passenInno­va­tion und Bruchaus vorhan­den­em Mate­r­i­al neue Com­mons erzeu­gen
Kurz­formdurchkom­menfes­thal­tensich unter­schei­denmiteinan­der mehr möglich machen

Entwicklung einer Antwort auf die Frage, was der Nikolaus sei…

Niko­laus als Fig­ur des Über­gangs: In drei zen­tralen Leg­en­den ver­hin­dert er, dass eine bedrängte Gegen­wart zur endgülti­gen Zukun­ft wird. Drei junge Frauen sind so arm, dass ihre Zukun­ft ver­schlossen scheint. Niko­laus bringt ihnen heim­lich Geld. Drei unschuldig Verurteilte ste­hen vor dem Tod, Niko­laus ver­hin­dert die Hin­rich­tung. In ein­er Hunger­snot fehlt der Bevölkerung von Myra Nahrung, Niko­laus erre­icht die Abgabe von Getrei­de. In allen drei Geschicht­en greift er nicht am Rand ein, son­dern genau dort, wo ein Lebensweg abzubrechen dro­ht. Niko­laus beseit­igt die Krise nicht abstrakt, er sorgt dafür, dass Men­schen durch sie hin­durchkom­men. Vielle­icht erk­lärt genau das die Ausstrahlung dieser Fig­ur in der dunkel­sten Zeit des Jahres. Nicht die Ver­sicherung, dass es keine Dunkel­heit gibt, son­dern die leise Zusage: Die Gegen­wart ist noch nicht das Ende. In diesem Sinn ist Niko­laus weniger eine Per­son der Ver­gan­gen­heit als eine wiederkehrende Oper­a­tion: Gestal­tung von Übergän­gen, damit Zukun­ft möglich bleibt.

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Der 17-jährige Cas­par Decurtins erin­nerte an die Gerüchte und Ver­schwörungserzäh­lun­gen, die 1799 in Mustér kur­sierten: Die Fran­zosen wür­den über die Ober­alp kom­men, Fäss­er voller Ket­ten mit­führen und die jun­gen Leute ver­schlep­pen. Pater Placidus a Spescha beschrieb, wie solche Geschicht­en Angst, Feind­bilder und Gewalt anheizten – und ihn selb­st schliesslich zur Flucht zwan­gen. Die ras­sel­nden Ket­ten der asens bekom­men vor diesem Hin­ter­grund eine zweite, lokale Res­o­nanz: nicht als Beweis ein­er direk­ten Herkun­ft, son­dern als Erin­nerung daran, wie mächtig Bilder wer­den kön­nen, wenn eine Gemein­schaft an ein­er Schwelle ste­ht.

Die Bedeutung der Ketten

Die Kette

Ger­ade an der Kette lässt sich die Bewe­gung durch die vier Kul­tur­for­men fast exem­plar­isch zeigen.

  1. − Über­leben / rohe Gewalt

Zuerst ist die Kette keine Meta­pher. Sie greift auf den Kör­p­er zu. Wer geket­tet wird, kann fest­ge­hal­ten, gefan­gen, ver­schleppt wer­den. Kette bedeutet Ver­lust eigen­er Bewe­gung und damit unmit­tel­bare Macht über einen anderen Kör­p­er.

Genau deshalb ist das Gerücht von 1799 so wirk­sam: Die Fran­zosen kämen über den Pass und hät­ten Ket­ten dabei, um die Jun­gen fortzuführen. Die Bedro­hung muss nicht erk­lärt wer­den. Man kann sie hören und kör­per­lich ver­ste­hen.

Kette = Du kannst nicht mehr weg.

  • Ord­nung / Teufel

Das Chris­ten­tum schreibt dieses unmit­tel­bare Bild in eine religiöse Ord­nung ein. Die Kette wird zum ikono­grafis­chen Attrib­ut Luz­ifers: Der gefal­l­ene Engel ist gebun­den, das Böse ist gefes­selt. In Niko­lausspie­len wird Luz­ifer tat­säch­lich an der Kette geführt. Die volk­skundliche Forschung weist darauf hin, dass die Kette ursprünglich ger­ade diese Gefan­gen­schaft Luz­ifers beze­ich­nete und erst später ver­stärkt als Droh- und Strafin­stru­ment ver­standen wurde. (Brauch.at)

Kette = Das Böse ist gebun­den.

https://www.brauch.at/folge01/ch04s04.html
https://folklore-europaea.org/brauch/nikolospiel/
  1. ≠ Mod­erne / Typ­isierung

Dann wird daraus eine erkennbare kul­turelle Fig­ur: Kram­pus, Klaubauf, Teufel, Schmut­zli. Fell, Maske, Rute, Schellen – und Kette wer­den Attribute eines Typus.

In Stil­fs ist diese Ver­schiebung fast kör­per­lich zu beobacht­en: Die Klaubauf ras­seln nicht nur mit ihren schw­eren Ket­ten, son­dern fan­gen Men­schen damit ein, wick­eln sie ein und wirbeln sie herum. Die Kette ist jet­zt zugle­ich Zeichen, Insze­nierung und Spek­takel. (Vinschgau.net)

Kette = So sieht Bedro­hung aus.

https://www.vinschgau.net/de/ortlergebiet/kultur-kunst/tradition-und-brauchtum/klosn.html
https://www.vinschgerwind.it/index.php/archiv-2016/ausgaben-2016/ausgabe-25–2016/die-scheanen-und-die-schiachn-va-stilz
  1. Com­moroque / Verbindung

Und jet­zt kön­nen wir die Kette noch ein­mal radikal anders lesen.

Eine Kette beste­ht aus Links.

Der Com­put­er macht aus dem «link» ger­ade nicht die Fes­sel, son­dern die Verbindung. Ein Ele­ment ver­weist auf ein anderes. Wis­sen, Men­schen, Dinge und Ressourcen kön­nen miteinan­der ver­bun­den wer­den, ohne in ein­er einzi­gen Ord­nung aufzuge­hen.

Damit wäre die Bewe­gung beina­he verblüf­fend:

− Kette als Fes­sel.
+ Kette als gebändigtes Böse.
≠ Kette als kul­turelles Zeichen.
# Frei­willige Verbindung.

Für Com­moroque wäre das aber nicht ein­fach Ver­net­zung. Die entschei­dende Frage der #Staub­Ber­nascon­i­Ma­trix bleibt: Wer ord­net diese Verbindun­gen an? Wer erhält Zugang? Wer legit­imiert sie? Und wer kann sie durch­set­zen?

Die Kette wird also nicht roman­tisiert. Im Gegen­teil: Wir unter­schei­den Fes­sel und Verbindung.

Nicht aneinan­der­ket­ten.
Miteinan­der ver­linken.

Dieser let­zte Schritt ist unsere Inter­pre­ta­tion, nicht eine his­torische Quel­len­be­haup­tung. Aber für dissent.is/asen kön­nte genau darin der Sprung in die vierte Tafel liegen.

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Wie ich mit den Möglichkeiten von @openAI arbeite?

Links, Threads, zu verarbeitende Hinweise…

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Offene Blogeinträge, welche zu diesem Thema passen…

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Textsorte: (1) Traum, (2) Blitz, (3) Beken­nt­nis, (4) Memo, (5) Märchen, (6) Dra­ma, (7) Tabu
Arbeits­form: Doku­men­ta­tion, Lis­ten­bil­dung, Work in Progress
Anlass: (…)
TL;DR: (…)
Bildquelle: (…)
URL/Hashtag: (…)

Ste­fan M. Sey­del, aka sms, aka sms2sms in «Zürcher Fest­spiel 1901″ (2019, Foto­cre­d­it: Charles Schny­der):  Twit­ter, Wikipedia (Lem­ma), Youtube (aktuell), Sound­cloud, Mastodon, Insta­gram (ges­per­rt), Snapchat, Tik­Tok, Twitch, t.me/WikiDienstag (Nicht in Betrieb) | Exk­lu­siv: speakerbooking.ch/sms2sms

About @sms2sms, aka Stefan M. Seydel/sms ;-)

Ste­fan M. Sey­del, Jahrgang 1965, ist Unternehmer, Sozialar­beit­er und Kün­stler. Er machte nach ein­er Beruf­slehre als Hochbauze­ich­n­er einen Bach­e­lor in Soziale Arbeit in St. Gallen und einen Mas­ter in der gle­ichen Diszi­plin bei Sil­via Staub-Bernasconi in Berlin. Seine über­wiegend selb­st­ständi­ge Tätigkeit kreist um das The­ma der Entwick­lung und Real­isierung von Pilot- und Impul­spro­jek­ten für renom­mierte Auf­tragge­berin­nen.

Als Kün­stler hat er Ausstel­lun­gen und Per­for­mances auf inter­na­tionaler Ebene präsen­tiert, darunter in der Roy­al Acad­e­my of Arts in Lon­don, dem Deutschen His­torischen Muse­um in Berlin oder ein­er Einze­lausstel­lung “Kun­st Macht Prob­leme” in der Cryp­ta Cabaret Voltaire, Birth­place of DADA in Zürich. Er wurde mit dem Migros Jubilée Award in der Kat­e­gorie Wis­sensver­mit­tlung aus­geze­ich­net und hat diverse Ehrun­gen durch Web­by Awards für seine Arbeit mit rocketboom.com erhal­ten.

Ste­fan war Jury-Mit­glied des Next Idea Prix Ars Elec­tron­i­ca 2010 und war drei Jahre Mit­glied der Schulleitung des Gym­na­si­ums Kloster Dis­en­tis. Sein Wis­sen und seine Erfahrung im Bere­ich der Infor­ma­tion und Tech­nolo­gie haben ihm auch dabei geholfen, mit Sta­tis­tik Stadt Zürich und Wiki­me­dia Schweiz unter WikiDienstag.ch zusam­men­zuar­beit­en.

Sein Engage­ment im Bere­ich der frei­willi­gen Arbeit führte ihn in das Prä­sid­i­um Inter­na­tionaler Bodensee Club (Leitung Fach­gruppe Wis­senschaft) oder für einige andere Jahre als Vice-Präsi­dent des von Paul Wat­zlaw­ick ini­ti­ierten P.E.N.-Club Liecht­en­stein. Sey­del hat unter ((( rebell.tv ))) zwei Büch­er zusam­men mit sein­er Part­ner­in Tina Piazzi veröf­fentlicht, viele Kolum­nen, Fach­texte und jour­nal­is­tis­che Texte pub­liziert.

Seine Arbeit auf Social Media nutzt er als Microblog­ging. In seinem Blog ver­ar­beit­et er seine The­men. Einige davon wer­den auf Anfra­gen zu les­baren Tex­ten ver­tieft, andere wer­den zu Vorträ­gen aus­ge­baut. Bei Carl Auer Ver­lag in Hei­del­berg, sam­melt er “Ele­mente ein­er näch­sten Kul­tur­form”. Seine Entwick­lun­gen im Kon­text der sozial­räum­lichen Inter­ven­tion (“Arbeit am Sozialen”) machen konkrete Vorschläge in Bezug auf die Beant­wor­tung der Sozialen Frage.

Nach 12 Jahren Berlin und 6 Jahren Zürich zog er aber in sein­er zweit­en Leben­shälfte vom Bodensee der Rhein­quelle ent­ge­gen nach Dissentis/Mustér und hat seine Reisetätigkeit fast ganz eingestellt. Dafür macht er umsomehr soge­nan­nte Pas­sadis und #Feed­logs (Orgiastik). Das sind Arbeitsmeet­ings an inten­tionalen Fra­gen in einem Lifestream. (so?) Text sup­port­ed by #TaaS

Aus Band 2 von: Tina Piazzi & Ste­fan M. Sey­del, Junius-Ver­lag Ham­burg | pdf: Band 1, 2009 | Band 2, 2010

#dfdu = DIE FORM DER UNRUHE | pdf: Band 1, 2009 | Band 2, 2010 | blog: dissent.is | about: dissent.is/sms | dissent.is/muster

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