wikipedia als metapher (für die abgeschlossene kulturform der moderne)

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28. Juli 2026

STREIT MIT DOMINIK LANDWEHR, PRÄSIDENT WIKIMEDIA SCHWEIZ.

ich lasse einen Text von #chat­G­PT ausspuck­en (und damit as auch klar ist: ich ha!ha!habe den text von @openAI selb­st noch nicht gele­sen… ;-)

“Wikipedia war nie das Ziel. Es war der erste empirische Beweis von #Com­put­erkul­tur.”

/sms ;-)

Wikipedia | Der erste Beweis der Computerkultur

https://dissent.is/wikipedia

Vom 21. bis 25. Juli 2026 feierte die Wiki­me­dia-Bewe­gung an der Wiki­ma­nia in Paris 25 Jahre Wikipedia. Das offizielle Mot­to lautete «Lib­erté, Équité, Fia­bil­ité»: Frei­heit, Gle­ich­heit, Ver­lässlichkeit. Zugle­ich erk­lärte die Kon­ferenz, die freie Enzyk­lopädie und ihr gesamtes Ökosys­tem seien noch nie so gefährdet gewe­sen wie heute. Gemeint waren poli­tis­che Angriffe, Desin­for­ma­tion und vor allem Kün­stliche Intel­li­genz. (Wiki­ma­nia)

https://wikimania.wikimedia.org/wiki/2026:Wikimania

Dominik Landwehr hat mir nach der Kon­ferenz einen Bericht mit dem Titel «Wiki­ma­nia 2026: Dun­kle Wolken am Hor­i­zont» geschickt. Er beschreibt Wikipedia als ein­drück­liche Erfol­gs­geschichte, deren Geschäfts- und Finanzierungsmod­ell durch Kün­stliche Intel­li­genz unter Druck gerät: Chat­bots und Such­maschi­nen übernehmen Inhalte, beant­worten Fra­gen direkt und ers­paren ihren Nutzerin­nen und Nutzern den Besuch der Wikipedia-Seit­en. Weniger men­schliche Zugriffe kön­nten weniger Spenden bedeuten, während automa­tisierte Abfra­gen der Wis­sens­bestände zunehmen.

Das ist nicht falsch.

Es erk­lärt aber nicht, was Wikipedia war.

Nicht Jimmy Wales. Ward Cunningham

Wer Wikipedia ver­ste­hen will, darf nicht bei Jim­my Wales begin­nen. Er muss bei Ward Cun­ning­ham begin­nen.

Cun­ning­ham veröf­fentlichte am 25. März 1995 das Wiki­Wiki­Web, das erste Wiki. Es war für die Zusam­me­nar­beit von Soft­wa­reen­twick­lern gedacht. Die entschei­dende Inno­va­tion bestand nicht darin, Texte ins Inter­net zu stellen. Das war bere­its möglich. Neu war, dass die Leserin­nen und Leser eine Seite unmit­tel­bar verän­dern kon­nten. Lesen, Schreiben, Pub­lizieren und Kor­rigieren wur­den Oper­a­tio­nen inner­halb der­sel­ben Umge­bung. (Wikipedia)

https://wiki.c2.com/

Cun­ning­ham kehrte damit den klas­sis­chen Pub­lika­tion­sprozess um. In der Buch­druck­kul­tur gilt ide­al­typ­isch:

schreiben → prüfen → pub­lizieren

Im Wiki gilt:

schreiben → pub­lizieren → prüfen → verän­dern → erneut pub­lizieren

Der Text wird nicht zuerst abgeschlossen und danach der Öffentlichkeit übergeben. Die Veröf­fentlichung eröffnet seine weit­ere Bear­beitung. Was pub­liziert ist, ist nicht fer­tig. Es wird durch die mögliche Anschlusskom­mu­nika­tion über­haupt erst arbeits­fähig. Cun­ning­ham beze­ich­nete das Wiki als eine Gesprächs­form, in der alles archiviert bleibt und grund­sät­zlich jede Per­son mod­erieren kann. (WIRED)

Das Wiki beseit­igt Autoren­schaft dabei nicht ein­fach. Es ver­schiebt sie.

Auf der Ober­fläche ste­ht ein gemein­samer Text ohne her­vorge­hobe­nen Autor. Im Hin­ter­grund bleibt jede einzelne Verän­derung in der Ver­sion­s­geschichte zurechen­bar. Die Per­son ver­schwindet aus dem Werk, aber nicht aus dem Pro­tokoll.

Das ist wichtig.

Wikipedia ist wed­er anonyme Schwarm­pro­duk­tion noch die geheimnisvolle Weisheit ein­er Masse. Wikipedia ist eine Anord­nung, in der Aus­sagen von ihren Autorin­nen und Autoren getren­nt bear­beit­et wer­den kön­nen, während die Oper­a­tio­nen weit­er­hin doku­men­tiert bleiben.

Eine lange philosophische Vorgeschichte

Diese Entkop­plung von Aus­sage und Per­son begann nicht mit dem Inter­net.

Immanuel Kant forderte 1784 den freien öffentlichen Gebrauch der Ver­nun­ft. Ein Argu­ment sollte nicht deshalb gel­ten, weil es von einem Amt­sträger, Fürsten, Priester oder anerkan­nten Gelehrten stammt. Es sollte sich vor ein­er Öffentlichkeit von Leserin­nen und Lesern bewähren kön­nen. «Sapere aude!» war die Auf­forderung, sich ohne die Leitung eines anderen des eige­nen Ver­standes zu bedi­enen. (Wik­isource)

https://de.wikisource.org/wiki/Beantwortung_der_Frage:_Was_ist_Aufklärung%3F

Der akademis­che Work­flow des Wis­senschaftens führte diese Ver­schiebung weit­er. Quellen müssen angegeben, Meth­o­d­en nachvol­lziehbar, Ergeb­nisse über­prüf­bar und Behaup­tun­gen kri­tisier­bar sein. Begutach­tung, Repro­duzier­barkeit und doku­men­tierte Ver­fahren sollen ver­hin­dern, dass allein das Anse­hen ein­er Per­son über die Gel­tung ein­er Aus­sage entschei­det. Auch heutige Stan­dards guter wis­senschaftlich­er Prax­is stellen Nachvol­lziehbarkeit, Trans­parenz, Ver­i­fizier­barkeit und Repro­duzier­barkeit ins Zen­trum. (DFG)

https://www.dfg.de/de/grundlagen-themen/grundlagen-und-prinzipien-der-foerderung/gwp

Natür­lich ver­schwinden Autorin­nen und Autoren in der Wis­senschaft nicht. Ihre Namen, Insti­tu­tio­nen und Kar­ri­eren bleiben wirk­sam. Aber der wis­senschaftliche Anspruch lautet: Ein Argu­ment soll nicht wegen des Namens gel­ten, der darüber­ste­ht.

Niklas Luh­mann zog diese Ent­per­son­al­isierung für die Sozi­olo­gie radikal durch.

Gesellschaft beste­ht in sein­er The­o­rie nicht aus Men­schen. Men­schen, Kör­p­er und Bewusst­sein sind Voraus­set­zun­gen von Kom­mu­nika­tion, aber keine Ele­mente sozialer Sys­teme. Soziale Sys­teme beste­hen aus Kom­mu­nika­tio­nen, die an Kom­mu­nika­tio­nen anschliessen.

Damit wird die Frage ver­schoben.

Nicht:

Wer hat gehan­delt?

Son­dern:

Welche Kom­mu­nika­tion kon­nte woran anschliessen?

Luh­mann unter­suchte Sprache, Schrift, Buch­druck und elek­tro­n­is­che Medi­en nicht als neu­trale Trans­port­mit­tel. Medi­en verän­dern die Wahrschein­lichkeit, Reich­weite und Form von Kom­mu­nika­tion – und damit die Möglichkeit­en, wie Gesellschaft Struk­turen aus­bildet. (Biele­feld Uni­ver­si­ty)

https://www.niklas-luhmann-archiv.de/

Ward Cun­ning­ham hat diese Ein­sicht nicht philosophisch for­muliert. Er hat sie infra­struk­turell wirk­sam gemacht.

Cunninghams Gesetz

Mit Ward Cun­ning­ham wird ein Satz ver­bun­den, der die oper­a­tive Logik des Wikis fast vol­lkom­men zusam­men­fasst:

«The best way to get the right answer on the Inter­net is not to ask a ques­tion; it’s to post the wrong answer.»

https://meta.wikimedia.org/wiki/Cunningham%27s_Law

Der Satz ist als «Cunningham’s Law» bekan­nt, wurde aber wahrschein­lich nicht von Cun­ning­ham selb­st in dieser Form geprägt. Ger­ade deshalb passt er so gut: Auch seine Urhe­ber­schaft ist weniger inter­es­sant als die Kom­mu­nika­tion, die an ihn angeschlossen hat.

Eine Frage kann unbeant­wortet bleiben.

Eine falsche Behaup­tung provoziert Kor­rek­tur.

Das ist keine Garantie für Wahrheit. Das Inter­net kor­rigiert längst nicht jeden Unsinn. Aber der Satz beschreibt eine neue oper­a­tive Möglichkeit: Wis­sen kann entste­hen, indem eine veröf­fentlichte Aus­sage sicht­bar, kri­tisier­bar und verän­der­bar gemacht wird.

Nicht der richtige Autor garantiert die richtige Aus­sage.

Die Anord­nung ermöglicht Wider­spruch, Beleg, Kor­rek­tur und eine näch­ste Ver­sion.

Was Wikipedia daraus machte

Wikipedia startete im Jan­u­ar 2001 und übertrug die Wiki-Form auf das Pro­jekt ein­er freien Enzyk­lopädie. (Medi­aWi­ki)

https://www.wikipedia.org/

Ihre Grund­prinzip­i­en zeigen, worin das Exper­i­ment bestand:

  1. Wikipedia ist eine Enzyk­lopädie.
  2. Aus­sagen sollen aus einem neu­tralen Stand­punkt dargestellt wer­den.
  3. Inhalte müssen frei lizen­ziert und weit­er­ver­wend­bar sein.
  4. Es gibt keinen Chefredak­teur.
  5. Teil­nehmende sind zugle­ich Autorin­nen, Autoren und Redak­teure.
  6. Regeln entste­hen durch Kon­sens, Gewohn­heit und fort­laufende Diskus­sion. (Wikipedia)

https://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Grundprinzipien

https://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Neutraler_Standpunkt

https://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Belege

Wikipedia war deshalb nicht bloss ein Lexikon, das zufäl­lig im Inter­net stand.

Ein gedruck­tes Lexikon sam­melt abgeschlossene Artikel, die anerkan­nten Autorin­nen und Autoren zugerech­net und von ein­er Redak­tion freigegeben wer­den. Kri­tik kann in ein­er späteren Auflage berück­sichtigt wer­den.

Wikipedia zieht Pub­lika­tion, Diskus­sion, Quel­len­prü­fung, Kor­rek­tur und Neu­fas­sung in einen einzi­gen fort­laufend­en Prozess zusam­men.

Der Artikel hat keine let­zte Fas­sung.

Die Diskus­sion­s­seite zeigt den Kon­flikt.

Die Ver­sion­s­geschichte zeigt die Verän­derun­gen.

Der Hyper­link stellt Zusam­men­hänge her, ohne sie ein­er einzi­gen hier­ar­chis­chen Ord­nung unter­w­er­fen zu müssen.

Die Quelle macht Aus­sagen prüf­bar.

Die freie Lizenz erlaubt, dass Resul­tate kopiert, verän­dert und weit­ergegeben wer­den.

Wikipedia war der erste glob­ale Beweis, dass eine solche Anord­nung nicht nur tech­nisch möglich war, son­dern sozial über län­gere Zeit funk­tion­ieren kon­nte.

Warum Wikipedia für mich so wichtig war

Wikipedia war für mich nie primär wichtig, weil sie schnell Auskun­ft gab.

Sie war wichtig, weil sie eine seit Kant, Wis­senschaft und Luh­mann entwick­elte Zumu­tung prak­tisch erprobte:

Entschei­dend sind nicht Per­so­n­en. Entschei­dend sind die Bedin­gun­gen, unter denen Kom­mu­nika­tion beobachtet, geprüft, kor­rigiert und weit­er­ver­wen­det wer­den kann.

Bis unge­fähr 2007 kon­nte Wikipedia als ein Beweis gele­sen wer­den, dass das Inter­net nicht bloss ein weit­eres Massen­medi­um wer­den musste.

Es kon­nte ein Arbeit­sraum sein.

Men­schen mussten nicht nur emp­fan­gen.

Sie kon­nten teilen, verän­dern, verknüpfen, wider­sprechen, kor­rigieren und weit­ergeben.

Aus Kon­sumentin­nen und Kon­sumenten wur­den Pro­dUser.

Aus Copy­right kon­nte ein Right to Copy wer­den.

Aus einzel­nen Werken kon­nte eine Wis­sensall­mende entste­hen.

Cre­ative Com­mons wurde wie Wikipedia 2001 gegrün­det; die ersten CC-Lizen­zen wur­den 2002 veröf­fentlicht. Sie macht­en es möglich, urhe­ber­rechtlich geschützte Werke unter stan­dar­d­isierten Bedin­gun­gen legal zu teilen, zu bear­beit­en und weit­erzugeben. (Cre­ative Com­mons)

Wikipedia und Cre­ative Com­mons gehörten für mich deshalb zusam­men:

Wikipedia zeigte eine neue soziale Schreib­form.

Cre­ative Com­mons schuf dafür eine rechtliche Form.

© wurde zum Right to Copy.

Nicht, weil das Urhe­ber­recht ver­schwand, son­dern weil Urhe­berin­nen und Urhe­ber die Weit­er­ver­wen­dung ihrer Arbeit­en aus­drück­lich ermöglichen kon­nten.

TheLuhmannMap

In mein­er TheLuh­man­n­Map unter­schei­de ich vier Kul­tur­for­men. Die Zeichen und ihre Zuord­nung sind meine eigene Weit­er­en­twick­lung; die medi­en­the­o­retis­che Aus­gangs­frage kommt von Luh­mann.

Zeichendom­i­nantes Medi­umKul­tur­formgesellschaftliche Möglichkeit
SpracheTrib­al­is­musKom­mu­nika­tion unter Anwe­senden
+SchriftPater­nal­is­musKom­mu­nika­tion mit Abwe­senden und über Gen­er­a­tio­nen
Buch­druckLib­er­al­is­musiden­tis­che Ver­bre­itung, Kri­tik, Wis­senschaft, funk­tionale Dif­feren­zierung
#Com­put­erCom­monis­musVer­linkung, Ver­sion­ierung, Pro­tokolle, kol­lab­o­ra­tive und kon­stel­la­torische Kom­mu­nika­tion

https://dissent.is/TheLuhmannMap

Die Kul­tur­for­men lösen einan­der nicht voll­ständig ab. Wir sprechen weit­er­hin, schreiben weit­er­hin und druck­en weit­er­hin Büch­er. Die For­men lagern sich übere­inan­der und treten in neuen Kon­stel­la­tio­nen wieder auf.

Wikipedia war für mich der erste grosse empirische Beweis der vierten Kul­tur­form.

Nicht weil dort Com­put­er ver­wen­det wur­den.

Banken, Ver­wal­tun­gen und Armeen ver­wen­de­ten Com­put­er schon lange.

Wikipedia war wichtig, weil der Com­put­er hier nicht nur beste­hende Organ­i­sa­tio­nen automa­tisierte. Er eröffnete eine Form, in der Kom­mu­nika­tion anders organ­isiert wer­den kon­nte:

ver­linkt statt lin­ear,

ver­sion­iert statt abgeschlossen,

kol­lab­o­ra­tiv statt redak­tionell zugeteilt,

frei weit­er­ver­wend­bar statt nur kon­sum­ier­bar.

Der Hyper­link war die Botschaft.

TheStaubBernasconiMatrix

Die Begeis­terung für Wikipedia bedeutete nie, ihre Machtver­hält­nisse zu überse­hen.

Mit TheS­taub­Ber­nascon­i­Ma­trix lässt sich fra­gen, wie Macht in vier Dimen­sio­nen organ­isiert wird:

  1. Anord­nung: Wer kann Kom­mu­nika­tion­sräume, Rollen und Ver­fahren ein­richt­en?
  2. Zugang: Wer kann lesen, schreiben, verän­dern und Ressourcen nutzen?
  3. Legit­i­ma­tion: Welche Aus­sagen, Quellen, Per­so­n­en und The­men gel­ten als rel­e­vant?
  4. Durch­set­zung: Wer kann Änderun­gen zurück­set­zen, Seit­en schützen, Regeln ausle­gen oder Benutzer sper­ren?

https://dissent.is/TheStaubBernasconiMatrix

Wikipedia machte diese Mach­t­op­er­a­tio­nen ungewöhn­lich sicht­bar.

Es gab keinen Chefredak­teur. Aber es gab Admin­is­tra­toren.

Grund­sät­zlich kon­nten alle edi­tieren. Aber nicht alle ver­fügten über dieselbe Erfahrung, Zeit, Sprache oder Durch­set­zungs­macht.

Aus­sagen benötigten Belege. Aber Gemein­schaften entsch­ieden, welche Quellen als zuver­läs­sig und welche The­men als rel­e­vant gal­ten.

Kon­flik­te wur­den öffentlich doku­men­tiert. Aber Edit-Wars, Seit­en­schutz und Sper­ren kon­nten Beteiligte auch zum Ver­schwinden brin­gen.

Ger­ade daran zeigte sich: Die Qual­ität eines sozialen Pro­jek­ts ist keine Frage guter Men­schen oder richtiger Hal­tung. Sie ist eine Frage der Anord­nung.

Mein NZZ-Text von 2020

Am 18. April 2020 veröf­fentlichte die NZZ meinen Text:

«Wie das Coro­n­avirus die ‹Dick­häuter› provoziert. Und was Wikipedia damit zu tun hat.»

https://www.nzz.ch/feuilleton/corona-krise-was-coronavirus-mit-wikipedia-zu-tun-hat-ld.1551841

Während der Coro­na-Krise pro­duzierten frei­willige Wikipedia-Autorin­nen und ‑Autoren eine laufend aktu­al­isierte, quel­lengestützte und öffentlich kon­trol­lier­bare Darstel­lung. Wis­senschaft, Poli­tik und Medi­en wider­sprachen sich; in Wikipedia kon­nten Behaup­tun­gen, Quellen, Kon­flik­te und Verän­derun­gen wenig­stens beobachtet wer­den.

Mein Punkt war nicht, dass Wikipedia immer recht habe.

Mein Punkt war, dass Wikipedia eine bessere Anord­nung für den Umgang mit umstrit­te­nen Infor­ma­tio­nen sicht­bar machte: Artikel, Diskus­sion­s­seite, Quellen und Ver­sion­s­geschichte kon­nten nebeneinan­der beobachtet wer­den.

Zugle­ich benan­nte der Text die Krise der deutschsprachi­gen Com­mu­ni­ty: sink­ende Beteili­gung, aggres­sive Kon­flik­te, mer­i­tokratisch kon­trol­lierte Rel­e­vanzkri­te­rien und schwindende Freude am Edi­tieren. Trotz­dem blieb das Resul­tat erstaunlich brauch­bar. (dissent.is)

Im zweit­en, von der NZZ nicht veröf­fentlicht­en Text ging es um Wikipedia, Wiki­da­ta und einen infor­ma­tionellen Ser­vice pub­lic. Dort unter­schied ich zwis­chen «open» und «free».

Offen bedeutet: Ich darf etwas anse­hen oder betreten.

Frei bedeutet: Ich darf nicht nur teil­nehmen, son­dern auch teil­geben, kopieren, bear­beit­en und wieder in die All­mende zurück­führen.

Wikipedia und Wiki­da­ta waren damit nicht ein­fach Infor­ma­tion­sange­bote. Sie waren mögliche Infra­struk­turen ein­er freien Wis­sensall­mende.

Darum mein Satz:

«Wikipedia/Wikidata ist die schlecht­este aller Plat­tfor­men im Umgang mit Infor­ma­tion auf der Höhe der Zeit, ausgenom­men aller anderen.»
()(Ste­fan M. Seydel/sms ;-)

Das war kein Lob der Plat­tform.

Es war die Fest­stel­lung, dass ihre soziale Inno­va­tion gröss­er war als ihre organ­isatorische Ver­wirk­lichung.

Peter Haber

Der Basler His­torik­er Peter Haber gehörte zu den weni­gen deutschsprachi­gen Wis­senschaftlern, die Wikipedia früh nicht nur bew­erteten, son­dern als Medi­en­wech­sel unter­sucht­en.

Mit Jan Hodel grün­dete er 1998 hist.net, eine Plat­tform zur Geschichtswis­senschaft im dig­i­tal­en Zeital­ter. In «Dig­i­tal Past» fragte er, wie dig­i­tale Medi­en Quellen, Archive, wis­senschaftlich­es Schreiben und Geschichtswis­senschaft verän­dern. Wikipedia inter­essierte ihn aus­drück­lich als neue Form der Her­stel­lung, Sta­bil­isierung und Ver­mit­tlung his­torischen Wis­sens. (sternenjaeger.ch)

https://www.hist.net/

https://www.hist.net/wp-content/uploads/2011/09/70704_Haber-Digital-Past1.pdf

Dominik Landwehr hat Haber im Rah­men sein­er Arbeit beim Migros-Kul­tur­prozent gefördert und öffentlich ver­mit­telt. Landwehr schreibt selb­st, Haber sei seit 2008 mit sein­er Arbeit ver­bun­den gewe­sen, habe die Col­lo­qui­en «Kul­tur und Dig­i­tal­isierung» mit­gestal­tet, den Anstoss zum Buch «Kul­tur dig­i­tal» gegeben und die Manuskripte kri­tisch begleit­et. 2011 führte Landwehr mit ihm ein aus­führlich­es Gespräch über Wikipedia. (sternenjaeger.ch)

Haber starb 2013 viel zu früh.

Seit Juni 2026 ist Dominik Landwehr Präsi­dent von Wiki­me­dia CH. (Wiki­me­dia)

https://wikimedia.ch/en/about/board-members/

Ger­ade deshalb irri­tiert mich sein Bericht aus Paris.

Der Mann, der Peter Haber begleit­et und gefördert hat, beschreibt Wikipedia 2026 vor allem als erfol­gre­iche Organ­i­sa­tion, als Liefer­an­tin von Train­ings­dat­en, als Ziel automa­tisiert­er Zugriffe und als gefährdetes Spenden­mod­ell.

Er berichtet viel über Wikipedia.

Aber er erk­lärt Wikipedia nicht.

Die Frage, die Peter Haber stellte und die Ward Cun­ning­ham prak­tisch beant­wortete, ver­schwindet:

Welche neue Form des Wis­senschaf­fens wurde hier möglich?

In diesem präzisen Sinn hat Dominik Landwehr heute keine Ahnung mehr von Wikipedia. Ihm fehlen nicht die Zahlen und Fak­ten. Ver­loren gegan­gen ist der Punkt.

Wikipedia ist nicht deshalb his­torisch wichtig, weil Men­schen ihre Web­site besuchen.

Sie ist wichtig, weil sie bewiesen hat, dass Wis­sen anders organ­isiert wer­den kann.

25 Jahre später

Kün­stliche Intel­li­genz gefährdet Wikipedia nicht erst dann, wenn sie ihr Besuch­er und Spenden entzieht.

Die tief­ere Gefahr liegt darin, dass die sicht­bare, kon­flik­t­fähige und ver­sion­ierte Wis­senspro­duk­tion wieder in ein­er unsicht­baren tech­nis­chen Antwort­mas­chine ver­schwindet.

Wikipedia zeigt:

  • den Artikel,
  • die Quellen,
  • die Diskus­sion,
  • die Verän­derung,
  • die Beteiligten,
  • den Kon­flikt.

Ein Chat­bot zeigt zunächst nur eine Antwort.

Wikipedia dezen­tri­erte Autoren­schaft.

Die gegen­wär­tige KI zen­tral­isiert Wis­sen und Aufmerk­samkeit erneut in weni­gen Mod­ellen, Rechen­zen­tren und Benutze­r­ober­flächen.

Wikipedia eröffnete einen Bear­beitungsraum.

KI liefert ein Resul­tat.

Wikipedia machte ihre Kon­flik­te beobacht­bar.

KI glät­tet sie zu ein­er plau­si­blen For­mulierung.

Darum führt die Lin­ie nach 25 Jahren nicht ein­fach von Wikipedia zu Chat­G­PT. Die entschei­dende Frage lautet weit­er­hin:

Welche Möglichkeit­en eröffnet das dom­i­nante Kom­mu­nika­tion­s­medi­um Com­put­er – und welche davon wer­den durch Plat­tfor­men wieder geschlossen?

Die Timeline

Die Jahreszahlen beze­ich­nen his­torische Ereignisse. Die For­mulierun­gen nach dem Dop­pelpunkt sind meine Lesart ihrer gesellschaftlichen Bedeu­tung.

1969: ARPANET: dis­trib­uted net­work­ing

ARPANET ging 1969 mit vier Knoten in Betrieb. Entschei­dend war nicht allein die Fer­nüber­tra­gung von Dat­en, son­dern die Entwick­lung eines verteil­ten Net­zes zwis­chen räum­lich getren­nten Com­put­ern. (darpa.mil)

https://www.darpa.mil/news/features/arpanet

1989: HTML/Hyperlink

Tim Bern­ers-Lee entwick­elte 1989 am CERN den Vorschlag für das World Wide Web: ein verteiltes Infor­ma­tion­ssys­tem, das Doku­mente über Hyper­links miteinan­der verbinden kon­nte. (CERN)

https://home.cern/science/computing/the-birth-of-the-web/short-history-web/

Der Hyper­link ist die Botschaft.

2001: Wikipedia/Creative Com­mons: © = right to copy

Wikipedia und Cre­ative Com­mons began­nen 2001. Wikipedia schuf den glob­alen kol­lab­o­ra­tiv­en Schreibprozess; Cre­ative Com­mons schuf die rechtlichen Werkzeuge zur Weit­er­gabe, Bear­beitung und Wiederver­wen­dung. Die ersten CC-Lizen­zen erschienen 2002. (Cre­ative Com­mons)

https://www.wikipedia.org/

💥 2004: Social Media: plat­formiza­tion of the social

Was als verteiltes Netz und kol­lab­o­ra­tiv­er Möglichkeit­sraum begonnen hat­te, wurde in Plat­tfor­men über­führt. Kom­mu­nika­tion wurde gesam­melt, sortiert, aus­gew­ertet und durch pri­vate Infra­struk­turen kon­trol­liert.

Nicht mehr Men­schen organ­isierten mit Hil­fe des Net­zes ihre Kom­mu­nika­tion.

Plat­tfor­men organ­isierten Men­schen.

2008: #Blockchain: decen­tral­ized trust infra­struc­ture

Mit dem 2008 veröf­fentlicht­en Bit­coin-Papi­er wurde sicht­bar, dass nicht nur Infor­ma­tio­nen, son­dern auch die Gültigkeit von Oper­a­tio­nen verteilt pro­tokol­liert wer­den kon­nte. Blockchain beze­ich­net in mein­er Time­line deshalb nicht eine neue Gel­dan­lage, son­dern die Möglichkeit ein­er dezen­tralen Ver­trauensin­fra­struk­tur.

https://bitcoin.org/bitcoin.pdf

Ver­lässlichkeit wird zur Oper­a­tion.

Gültigkeit kann durch verteilte Ver­i­fika­tion statt durch die Iden­tität ein­er zen­tralen Instanz erzeugt wer­den.

2009: #Bit­coin: a mid­dle fin­ger to total econ­o­miza­tion

Bit­coin war nicht das Ziel.

Bit­coin war der Stinkefin­ger.

Es zeigte, dass selb­st Geld, Eigen­tum und Transak­tio­nen nicht notwendig durch Banken und Staat­en ver­mit­telt wer­den müssen. Dass daraus umge­hend ein neuer Finanz­markt, Speku­la­tion und Totalk­a­p­i­tal­isierung ent­standen, wider­legt den Hin­weis nicht. Es zeigt, wie rasch die Kul­tur­form der Mod­erne neue Möglichkeit­en wieder in Eigen­tum und Markt über­set­zt.

💥 2022: AI — cen­tral­iza­tion of knowl­edge and atten­tion

Mit der öffentlichen Durch­set­zung gen­er­a­tiv­er KI wurde Kom­mu­nika­tion erneut zen­tral­isiert: in Mod­ellen, Rechen­zen­tren, Train­ingsko­r­po­ra und Benutze­r­ober­flächen weniger Anbi­eter.

Human-cen­tered.

AI-cen­tered.

Same archi­tec­ture.

Dif­fer­ent cen­ter.

The ques­tion is not who occu­pies the cen­ter.

The ques­tion is whether a cen­ter is need­ed at all.

2026: #PlanD

Wenn das Prob­lem die Plat­tformisierung des Sozialen ist, kann die Antwort nicht die näch­ste Plat­tform sein.

Nicht die europäis­che.

Nicht die offene.

Nicht die bessere.

Die Antwort muss aus der Plat­tform­logik her­aus­führen.

Nicht Stack.

Nicht Plat­tform.

Infra­struk­tur.

https://dissent.is/PlanD

#PlanD verbindet dafür vier Oper­a­tio­nen:

Beobacht­en.

Para­metrisieren.

Ermöglichen.

Erproben.

TheLuh­man­n­Map beobachtet, welche Kom­mu­nika­tions- und Kul­tur­for­men sich kon­stel­lieren.

https://dissent.is/TheLuhmannMap

TheS­taub­Ber­nascon­i­Ma­trix unter­sucht, wie Macht durch Anord­nung, Zugang, Legit­i­ma­tion und Durch­set­zung gebildet wird.

https://dissent.is/TheStaubBernasconiMatrix

Der AutarkieIn­dex para­metrisiert regionale Abhängigkeit­en und Möglichkeit­en.

https://2030.AutarkieIndex.org/

Q102014.xyz arbeit­et an der Infra­struk­tur.

Wikipedia bleibt dafür wichtig.

Nicht als Vor­bild, das kopiert wer­den muss.

Nicht als Plat­tform, die gerettet wer­den soll.

Son­dern als erster empirisch­er Beweis, dass eine andere Kul­tur­form der Kom­mu­nika­tion möglich ist.

Die näch­ste Organ­i­sa­tion wird nicht organ­isiert sein.

https://q102014.xyz/

Dominik Landwehr vertei­digt Wikipedia, als wäre sie ein Ver­lag ohne Pay­wall.


Oder noch härter:
Vom Präsi­den­ten der Atom­lob­by erwarte ich, dass er die End­lagerung für gelöst hält. Vom Präsi­den­ten des Ver­legerver­bands erwarte ich, dass er glaub­würdi­ge Inhalte, men­schliche Reich­weite und ein tragfähiges Geschäftsmod­ell vertei­digt. Aber warum vertei­digt der Präsi­dent von Wiki­me­dia Schweiz genau das­selbe?

Und dann:
Wer Wikipedia nur gegen KI vertei­digt, weil ihr die Besuch­er und Spenden aus­ge­hen kön­nten, hat Wikipedia mit einem Medi­enun­ternehmen ver­wech­selt. Wikipedia war nie bloss eine frei zugängliche Infor­ma­tion­squelle. Wikipedia war der Beweis, dass Infor­ma­tion nie­man­dem gehören muss, um gemein­sam hergestellt, geprüft, verän­dert und weit­ergegeben wer­den zu kön­nen.

WIKIPEDIA IS NOT PAPER: was #Jim­boWales swit dem friend­ly take over 2001 nie begreifen wollte und ide­alst doku­men­tiert ist: https://meta.wikimedia.org/wiki/Special:Contributions/128.227.146.xxx | user:sms2sms #sms2smsBAN

Anlass zu diesem Eintrag:

Auch Jim­boWales kommt jet­zt mit 7 Regeln… ;-)))

Summary/Spoiler/TL;DR

„Wikipedia war mehr als Enzyklopädie – es war die reine Moderne. Ihr Zerfall zeigt den Verrat der Wissenschaft an ihrem eigenen Workflow.“

„Anyone can edit: das war Wissenschaft pur. Der Bruch kam, als ‚richtige Informationen‘ wichtiger wurden als Revision.“

„Wikipedia ist die Metapher dafür, wie die Moderne ihre eigenen Ideale verraten hat – Streit ersetzt durch Konsens, Revision ersetzt durch Abbruch.“

Wikipedia als Metapher

bitte ver­ste­he diesen ein­trag nicht zu schnell… hier gibts nichts zu sehen und nichts zu lesen ;-)

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– oder wie Wis­senschaft den heili­gen wis­senschaftlichen Work­flow der Kul­tur­form der Mod­erne ver­rat­en hat.

Ein Essay von Ste­fan M. Sey­del mit #chatGPT‑5

Der Work­flow der Mod­erne
Die Mod­erne lebt von einem heili­gen Work­flow: Frage, Meth­ode, Dat­en, Analyse, Diskurs und Revi­sion. Revi­sion ist dabei kein Neben­schritt, son­dern der Kern. Sie garantiert, dass Wis­sen nie abgeschlossen ist, son­dern im Stre­it, in der Kri­tik, in der Kom­ple­men­tar­ität von #FreeSpeech und #Agree2Disagree entste­ht.

Wikipedia als Ide­al
2001 set­zte Wikipedia genau diesen Work­flow um – radikaler als jede Uni­ver­sität. Any­one can edit bedeutete, dass jede These ihren Platz find­en durfte. Jed­er Edit war sicht­bar, jede Ver­sion blieb beste­hen. Die Diskus­sion­s­seit­en wur­den zum Herzstück: Ort des Stre­its, der Kri­tik und der Quel­lenar­beit. Revi­sion wurde tech­nisch garantiert – nichts ging ver­loren, alles war nachvol­lziehbar. Hier zeigte sich die Mod­erne in Rein­form.

Die Dick­häuter und ihr Erschreck­en
Schon früh warn­ten die „Dick­häuter“: Wo alle mitschreiben, könne keine Qual­ität entste­hen. Doch das Gegen­teil trat ein. Die Ver­sion­s­geschichte machte Fake News sicht­bar, die Diskus­sion­s­seit­en offen­barten die Argu­mente. Qual­ität ent­stand, weil Stre­it nicht unter­drückt, son­dern trans­par­ent geführt wurde. Genau das erschüt­terte die tra­di­tionellen Wis­senssys­teme: Poli­tik, Medi­en und Uni­ver­sitäten sahen ihr Monopol schwinden.

Der Bruch um 2007
Mit dem Auf­stieg von Wikipedia zur zen­tralen Ref­erenz set­zte ein Kul­tur­wech­sel ein. „Löschad­mins“ forderten „die richti­gen Infor­ma­tio­nen“. Rel­e­vanzkri­te­rien wur­den zum Macht­fil­ter. Quel­len­hier­ar­chien erset­zten die Revi­sion. Dis­sens wurde nicht mehr sicht­bar bear­beit­et, son­dern gelöscht. Damit ver­schwand die Offen­heit, und Wikipedia ver­ließ den Work­flow der Mod­erne.

Der Ver­rat der Wis­senschaft
Das eigentlich Tragis­che war, dass nicht Wikipedia ihre eige­nen Ide­ale ver­rat­en hat, son­dern die Wis­senschaft selb­st. Statt das offene Ver­fahren zu vertei­di­gen, schloss sie sich dem Ruf nach „richti­gen Infor­ma­tio­nen“ an. Revi­sion wurde erset­zt durch Kon­sens, Kri­tik durch Ver­wal­tung, Dis­sens durch #Agree2Disagree als Abbruch. Damit implodierte die Mod­erne: Stre­it, der Motor der Erken­nt­nis, wurde still­gelegt.

Die Meta­pher der Implo­sion
Wikipedia war mehr als ein Nach­schlagew­erk. Wikipedia war die Meta­pher ein­er offe­nen Mod­erne – und ihr Zer­fall zeigt, wie diese Kul­tur­form ihre eige­nen Prinzip­i­en preis­gegeben hat. Das „Jedem das Seine“ erset­zte den offe­nen Stre­it. „Sei doch demütig“ erset­zte die Revi­sion. Wieder ein­mal ver­ri­et die Mod­erne sich selb­st. Doch ger­ade dieser Ver­rat macht sicht­bar, dass ein näch­ster Schritt anste­ht: jen­seits des Abbruchs, jen­seits der Macht­blind­heit, hin zu ein­er neuen Kul­tur­form, in der Stre­it, Dis­sens und Revi­sion wieder frucht­bar wer­den.

#chatGPT‑5

  1. Früher: Kul­tur­wis­senschaft wollte Machtver­hält­nisse sicht­bar machen und Struk­turen kri­tisieren. Das war ihr Beitrag zum Work­flow der Mod­erne.
  2. Heute: Viele Kul­tur­wis­senschaftler ver­schieben sich ins Indi­vidu­elle („meine Kon­struk­tion, deine Kon­struk­tion“) oder ins Stim­mungsvolle („Real­ität ist trist“). Damit entziehen sie sich der struk­turellen Kri­tik.
  3. Effekt: Du wirst in der Rolle desjeni­gen, der Struk­turen benen­nt, plöt­zlich als „Predi­ger“ gele­sen – nicht, weil du moralisch wärst, son­dern weil die anderen die struk­turelle Ebene ver­lassen haben.

Kurz: Nicht du bist zum Predi­ger gewor­den – son­dern sie haben die Analyse aufgegeben. Dadurch wirkt deine Behar­rlichkeit wie Predigt.

Wenn Analyse als Predigt gele­sen wird, liegt es daran, dass die vier Dimen­sio­nen von Sil­via Staub-Bernasconi aus dem Blick ger­at­en:

  1. Anord­nung (Herrschaft) – wer ord­net wen wem zu?
    Wenn das nicht analysiert wird, klingt jede Kri­tik nach per­sön­lichem Angriff.
  2. Zugang (Com­mons) – wer hat welche Ressourcen, wer bleibt draussen?
    Wird das nicht markiert, wirkt Kri­tik wie Neid oder Moral.
  3. Legit­i­ma­tion (Inklu­sion) – welche Stim­men gel­ten, welche Argu­mente wer­den aus­geschlossen?
    Fehlt das, kippt Kri­tik in ein „ihr vs. ich“.
  4. Durch­set­zung (Paz­i­fis­mus) – wie wer­den Regeln umge­set­zt? Gewaltvoll, sub­til, oder durch offene Ver­fahren?
    Ohne diese Ebene bleibt nur der Appell: „seid demütig, seid tol­er­ant“.

(…)

(…)

(…)

(…)

Achso! Du interessiert dich halt nicht so für soziologische Theorie?

Auch ohne The­o­rie: du weisst, dass du beobachtet wirst.

Zum Beispiel kön­nte dann beschrieben wer­den, dass der Helfer zuerst einen Hil­fs­bedürfti­gen “kon­stru­ieren” muss… (so?)

;-)

hast du götz aly gese­hen?

  • er hat als 80-jähriger noch ein­mal alles zusam­menge­fasst… “wie kon­nte das geschehen”…

der erken­nt­nis­stand hat sich — so weit ich sehe — nicht verän­dert:

1 | ein­seit­ige beschal­lung durch massen­me­di­en
2 | das weg­brechen der uni­ver­sität
3 | schweigen, mit­laufen, prof­i­tieren wirken legit­imierend
4 | krieg als katalysator

Götz Aly
Wie kon­nte das geschehen?
1933–1945
Die via Aus­nah­mezu­s­tand
regierten Demokra­tien
1965 — 2025
Kon­se­quenz für die
Kul­tur­form der Mod­erne
1. Ein­seit­ige Beschal­lung durch Massen­me­di­en: gle­ichgeschal­tete Presse, Radio, Pro­pa­gan­daLeitme­di­en, Plat­tfor­men, algo­rith­mis­che Fil­terblasenZer­fall der Kul­tur­form der Mod­erne (≠): Kri­tik wird durch Monolog erset­zt, Plu­ral­ität bricht weg
2. Weg­brechen der Uni­ver­sität: Gle­ich­schal­tung, Vertrei­bung kri­tis­ch­er Stim­menUni­ver­sitäten als „Dick­häuter“, Legit­i­ma­tion­s­maschi­nen, Ver­rat am wis­senschaftlichen Work­flowMod­erne (≠) ver­liert ihr eigenes Fun­da­ment (Revi­sion), driftet in blosse Legit­i­ma­tion
3. Schweigen, Mit­laufen, Prof­i­tieren: Anpas­sung, Kar­riere, materielle VorteileInsti­tu­tionelles Mit­laufen, Förder­logiken, Rep­u­ta­tion­sökonomieÜber­gang von kri­tis­ch­er Mod­erne zu post­mod­ern­er Indif­ferenz („Jedem das Seine“)
4. Krieg als Katalysator: mil­itärische Eskala­tion macht latente Ide­olo­gien man­i­festGeopoli­tis­che Kriege legit­imieren Aus­nah­mezustände, ver­schär­fen Ein­seit­igkeitKul­tur­formwech­sel beschle­u­nigt: von ≠ (Mod­erne) ins # (Zer­falls-/Über­gangs­form)

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Wie ich mit den Möglichkeiten von @openAI arbeite?

Links, Threads, zu verarbeitende Hinweise…

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Offene Blogeinträge, welche zu diesem Thema passen…

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Textsorte: (1) Traum, (2) Blitz, (3) Beken­nt­nis, (4) Memo, (5) Märchen, (6) Dra­ma, (7) Tabu
Arbeits­form: Doku­men­ta­tion, Lis­ten­bil­dung, Work in Progress
Anlass: (…)
TL;DR: (…)
Bildquelle: (…)
URL/Hashtag: (…)

Ste­fan M. Sey­del, aka sms, aka sms2sms in «Zürcher Fest­spiel 1901″ (2019, Foto­cre­d­it: Charles Schny­der):  Twit­ter, Wikipedia (Lem­ma), Youtube (aktuell), Sound­cloud, Mastodon, Insta­gram (ges­per­rt), Snapchat, Tik­Tok, Twitch, t.me/WikiDienstag (Nicht in Betrieb) | Exk­lu­siv: speakerbooking.ch/sms2sms

About @sms2sms, aka Stefan M. Seydel/sms ;-)

Ste­fan M. Sey­del, Jahrgang 1965, ist Unternehmer, Sozialar­beit­er und Kün­stler. Er machte nach ein­er Beruf­slehre als Hochbauze­ich­n­er einen Bach­e­lor in Soziale Arbeit in St. Gallen und einen Mas­ter in der gle­ichen Diszi­plin bei Sil­via Staub-Bernasconi in Berlin. Seine über­wiegend selb­st­ständi­ge Tätigkeit kreist um das The­ma der Entwick­lung und Real­isierung von Pilot- und Impul­spro­jek­ten für renom­mierte Auf­tragge­berin­nen.

Als Kün­stler hat er Ausstel­lun­gen und Per­for­mances auf inter­na­tionaler Ebene präsen­tiert, darunter in der Roy­al Acad­e­my of Arts in Lon­don, dem Deutschen His­torischen Muse­um in Berlin oder ein­er Einze­lausstel­lung “Kun­st Macht Prob­leme” in der Cryp­ta Cabaret Voltaire, Birth­place of DADA in Zürich. Er wurde mit dem Migros Jubilée Award in der Kat­e­gorie Wis­sensver­mit­tlung aus­geze­ich­net und hat diverse Ehrun­gen durch Web­by Awards für seine Arbeit mit rocketboom.com erhal­ten.

Ste­fan war Jury-Mit­glied des Next Idea Prix Ars Elec­tron­i­ca 2010 und war drei Jahre Mit­glied der Schulleitung des Gym­na­si­ums Kloster Dis­en­tis. Sein Wis­sen und seine Erfahrung im Bere­ich der Infor­ma­tion und Tech­nolo­gie haben ihm auch dabei geholfen, mit Sta­tis­tik Stadt Zürich und Wiki­me­dia Schweiz unter WikiDienstag.ch zusam­men­zuar­beit­en.

Sein Engage­ment im Bere­ich der frei­willi­gen Arbeit führte ihn in das Prä­sid­i­um Inter­na­tionaler Bodensee Club (Leitung Fach­gruppe Wis­senschaft) oder für einige andere Jahre als Vice-Präsi­dent des von Paul Wat­zlaw­ick ini­ti­ierten P.E.N.-Club Liecht­en­stein. Sey­del hat unter ((( rebell.tv ))) zwei Büch­er zusam­men mit sein­er Part­ner­in Tina Piazzi veröf­fentlicht, viele Kolum­nen, Fach­texte und jour­nal­is­tis­che Texte pub­liziert.

Seine Arbeit auf Social Media nutzt er als Microblog­ging. In seinem Blog ver­ar­beit­et er seine The­men. Einige davon wer­den auf Anfra­gen zu les­baren Tex­ten ver­tieft, andere wer­den zu Vorträ­gen aus­ge­baut. Bei Carl Auer Ver­lag in Hei­del­berg, sam­melt er “Ele­mente ein­er näch­sten Kul­tur­form”. Seine Entwick­lun­gen im Kon­text der sozial­räum­lichen Inter­ven­tion (“Arbeit am Sozialen”) machen konkrete Vorschläge in Bezug auf die Beant­wor­tung der Sozialen Frage.

Nach 12 Jahren Berlin und 6 Jahren Zürich zog er aber in sein­er zweit­en Leben­shälfte vom Bodensee der Rhein­quelle ent­ge­gen nach Dissentis/Mustér und hat seine Reisetätigkeit fast ganz eingestellt. Dafür macht er umsomehr soge­nan­nte Pas­sadis und #Feed­logs (Orgiastik). Das sind Arbeitsmeet­ings an inten­tionalen Fra­gen in einem Lifestream. (so?) Text sup­port­ed by #TaaS

Aus Band 2 von: Tina Piazzi & Ste­fan M. Sey­del, Junius-Ver­lag Ham­burg | pdf: Band 1, 2009 | Band 2, 2010

#dfdu = DIE FORM DER UNRUHE | blog: dissent.is | about: dissent.is/sms | dissent.is/muster

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