ein Essay von Stefan M. Seydel/sms ;-)
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Falls du einzelne Sätze aus meinem Blog als «Zitat» von /sms ;-) behandelst, wird dadurch nicht meine Arbeit sichtbar, sondern dein anachronistisches Verständnis von Publikation. (so?)
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Anlass zu diesem Eintrag:
#PlanD continues with classical parametric modeling: local observations are translated into explicit, testable parameters for food, energy, health and infrastructure. In parallel, post-parametric and metabolic modeling explore the next step — not only which variables matter, but how flows, dependencies, feedback loops and even the parameters themselves change through use.
- dissent.is/poesierad & dissent.is/lapendenta
- Post-parametric modeling is when the parameters themselves become part of the process and you curate the emerging space of possibilities: dissent.is/caschlatsch
- Metabolic modeling is when parameters, machine, and model no longer appear as separate stages, but emerge within the same continuous process: dissent.is/cuflons
Summary/Spoiler/TL;DR
| Nr. | Setzung |
|---|---|
| 1 | Eine Architektur des Dazwischen gestaltet nicht länger Objekte, sondern Bedingungen. |
| 2 | Das Dazwischen ist kein leerer Raum, sondern eine Operation. |
| 3 | Elemente sind nicht zuerst fertig und danach verbunden; sie werden in ihren Relationen bestimmbar. |
| 4 | Kein Mensch, keine Maschine, keine Organisation und kein System steht notwendig im Zentrum. |
| 5 | Zentren sind vorübergehende Effekte konkreter Konstellationen. |
| 6 | Professionalität ist ein Beitrag; Professionalismus ist ein Ausschliessungsanspruch. |
| 7 | Alles, was eindeutig formuliert werden kann, kann in Infrastruktur übersetzt werden. |
| 8 | Offenheit braucht dokumentierte Regeln, Grenzen, Redundanzen und Forkbarkeit. |
| 9 | Ein Modell greift in die Konstellation ein, die es beobachtet, und wird durch sie verändert. |
| 10 | Eine Architektur des Dazwischen bewährt sich nicht an ihrer Endgültigkeit, sondern an den Fortsetzungen, die sie ermöglicht. |
bitte verstehe diesen eintrag nicht zu schnell… hier gibts nichts zu sehen und nichts zu lesen ;-)
Für eine Architektur des Dazwischen.
Ein Essay von Stefan M. Seydel/sms
Dieser Titel markiert zunächst eine Verschiebung. Er besteht aus vier Setzungen:
| Wort | Setzung |
|---|---|
| für | Der Titel formuliert eine Setzung und bezeichnet eine Richtung. |
| eine | Es gibt nicht die eine endgültige Architektur. |
| Architektur | Bedingungen können bewusst gestaltet werden. |
| des Dazwischen | Der Gegenstand ist nicht länger nur das Objekt, sondern seine Relationen, Übergänge und Anschlüsse. |
«Für eine Architektur des Dazwischen» klingt wie ein Manifest. Das ist beabsichtigt.
Der Titel erinnert an Le Corbusiers 1923 erschienenes Buch «Vers une architecture». Die genauere englische Übersetzung lautet «Toward an Architecture», nicht «Towards a New Architecture». Le Corbusier wollte die Architektur aus der Nachahmung historischer Stile lösen und für die Bedingungen des Maschinenzeitalters öffnen. Autos, Flugzeuge und Ozeandampfer traten neben Tempel und Kathedralen.
Unsere Titelform verschiebt diese Bewegung.
Le Corbusier fragte nach einer Architektur für eine neue Zeit. Wir fragen, was überhaupt noch Gegenstand von Architektur sein kann.
| 1923 | 2026 |
|---|---|
| Vers une architecture | Für eine Architektur des Dazwischen |
| Hin zu einer zeitgemässen Architektur | Hin zu einem anderen Gegenstand der Architektur |
| Maschine | Vernetzung |
| Funktion | Relation |
| Gebäude | Konstellation |
| Entwurf | Ermöglichung |
| neue Form | veränderbare Bedingungen |
Das «für» ist dabei eindeutiger als das französische «vers». Es bezeichnet nicht nur eine Richtung. Es markiert eine Position.
Wir argumentieren für diese Architektur.
Das unbestimmte «eine» schützt zugleich vor dem Totalitätsanspruch. Es soll nicht eine neue Lehre an die Stelle der alten gesetzt werden. Eine Architektur des Dazwischen bleibt selbst eine Möglichkeit unter anderen. Sie muss anschlussfähig, veränderbar und forkbar bleiben.
Eine kleine Geschichte architektonischer Titelformen
Die Geschichte der Architektur lässt sich auch als Geschichte ihrer Buchtitel lesen. Titel zeigen, worauf Architektur ihren Blick richtet und was sie als gestaltbar behandelt.
| Jahr | Titel oder Bewegung | Verschiebung |
|---|---|---|
| 1923 | Le Corbusier: «Vers une architecture» | vom historischen Stil zur industriellen Gegenwart |
| 1960 | «Metabolism 1960» | vom statischen Gebäude zum veränderbaren Organismus |
| 1964 | Bernard Rudofsky: «Architecture Without Architects» | vom professionellen Autor zum gemeinschaftlichen Bauen |
| 1977 | Christopher Alexander u. a.: «A Pattern Language» | vom Einzelentwurf zu kombinierbaren Mustern |
| 1994 ff. | Bernard Tschumi: «Event-Cities» | vom Gebäude zu Ereignis, Programm und Kontext |
| 2026 | «Für eine Architektur des Dazwischen» | von Elementen und Formen zu Relationen und Konstellationen |
Bernard Rudofskys Ausstellung «Architecture Without Architects» zeigte 1964 eine gebaute Welt, die nicht von beruflichen Architekten hervorgebracht worden war. Architektur erschien als fortgesetzte gemeinschaftliche Praxis und nicht nur als Werk ausgewiesener Spezialisten.
Christopher Alexander und seine Mitautorinnen und Mitautoren beschrieben mit «A Pattern Language» eine Sprache kombinierbarer Muster. Menschen sollten ihre Häuser, Strassen und Nachbarschaften selbst mitgestalten können. Die Architektur wurde damit nicht abgeschafft. Ihre Regeln wurden lesbar und zugänglich gemacht.
Bernard Tschumi rückte später Ereignisse, Programme, Kontexte und ihre Konflikte in den Vordergrund. Architektur sollte nicht nur Formen hervorbringen, sondern untersuchen, was zwischen Konzept, Kontext und Inhalt geschieht.
Diese Bewegungen bereiten eine Architektur des Dazwischen vor. Sie vollziehen den letzten Schritt aber noch nicht.
| Verschiebung | Was weiterhin vorausgesetzt wird |
|---|---|
| Architektur ohne Architekten | Menschen bleiben die produzierenden Subjekte. |
| Mustersprache | Die Muster sind bereits formuliert. |
| Ereignisarchitektur | Das Ereignis findet noch in einer entworfenen Ordnung statt. |
| metabolistische Architektur | Der Organismus bleibt häufig Modell oder Metapher. |
| parametrische Architektur | Der Parameterraum ist bereits gegeben. |
Eine Architektur des Dazwischen fragt deshalb nicht nur, wer gestaltet, welche Muster gelten oder welche Ereignisse stattfinden.
Sie fragt, wie Elemente, Akteure, Muster, Parameter, Grenzen und Ereignisse überhaupt erst in einer Konstellation hervorgebracht werden.
Das Dazwischen ist kein Zwischenraum
Das Dazwischen darf nicht als leerer Raum zwischen bereits fertigen Dingen missverstanden werden.
Zuerst wären dann die Häuser, Menschen, Maschinen, Pflanzen, Institutionen und Daten vorhanden. Danach würden wir untersuchen, was zwischen ihnen geschieht.
Diese Reihenfolge ist zu einfach.
Ein Haus wird erst durch seine Beziehungen zum Boden, zu Materialien, Energie, Wetter, Eigentumsregeln, Arbeitsprozessen, Verkehrswegen und Nutzungen zu diesem Haus. Eine Institution besteht nicht unabhängig von den Kommunikationen, Dokumenten, Gebäuden, Konten, Erwartungen und technischen Infrastrukturen, welche sie fortlaufend reproduzieren.
Das Dazwischen kommt nicht nach den Dingen.
Die Dinge werden im Dazwischen bestimmbar.
| Begriff | Beobachtungsweise |
|---|---|
| Objekt | Was lässt sich abgrenzen? |
| Ereignis | Was geschieht zu einem bestimmten Zeitpunkt? |
| Struktur | Was wiederholt und stabilisiert sich? |
| Prozess | Was verändert sich über die Zeit? |
| Beziehung | Was hängt wie voneinander ab? |
| Konstellation | Was trifft unter konkreten Bedingungen aufeinander? |
| Dazwischen | Wie werden Elemente, Grenzen und Relationen überhaupt erzeugt und verändert? |
Das Dazwischen ist deshalb kein neuer Gegenstand neben anderen Gegenständen.
Es bezeichnet eine Operation.
Es entsteht, wo etwas:
- anschliesst,
- übersetzt,
- trennt,
- weitergibt,
- begrenzt,
- ermöglicht,
- verhindert,
- verändert.
Eine Tür verbindet nicht einfach zwei Räume. Sie unterscheidet innen und aussen, regelt Zugang, erlaubt Öffnung, ermöglicht Verschluss und verteilt Entscheidungsmacht.
Ein Interface zeigt nicht nur Daten. Es entscheidet mit, was sichtbar, auswählbar und ausführbar wird.
Ein Weg verbindet nicht nur zwei Orte. Er verändert die Orte, die Bewegungen, die Nutzung des Bodens und die Wahrnehmung einer Landschaft.
Eine Regel ordnet nicht nur vorhandene Handlungen. Sie erzeugt Rollen, Zuständigkeiten, Abweichungen und mögliche Konflikte.
Das sind Architekturen des Dazwischen.
Wider den Professionalismus
Der unmittelbare Ausgangspunkt dieses Essays ist der Text «Wider den Professionalismus»:
Die Kritik richtet sich nicht gegen Professionalität.
Wenn wir am offenen Herzen operiert werden müssten, wollten wir selbstverständlich, dass nach allen Regeln der Kunst gearbeitet würde. Aber könnten wir sicher sein, dass dies auch gelingt?
Wenn unser Dorf zerfallene Häuser ersetzt, wollten wir, dass die Umsichtigsten das Vergangene in etwas Gutes Nächstes umgestalten. Aber könnten wir sicher sein, dass allein die ausgewiesenen Professionellen dazu in der Lage sind?
Professionalität, Profession und Professionalismus sind nicht dasselbe.
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| Professionalität | verantwortliches, sorgfältiges und fachlich gekonntes Arbeiten nach nachvollziehbaren Standards |
| Profession | gesellschaftlich organisierter und anerkannter Tätigkeitsbereich |
| Expertentum | spezialisiertes Wissen und Können |
| Professionalismus | Anspruch einer Profession auf ausschliessliche Zuständigkeit und legitime Gestaltungsmacht |
| Dilettantismus | Tätigkeit ohne ausreichende Kenntnisse und Sorgfalt |
| Gestaltungsfähigkeit | Möglichkeit einer Konstellation, ihre eigenen Bedingungen zu beobachten und zu verändern |
Die relevante Unterscheidung lautet:
| Die Unterscheidung der Kulturform der Moderne |
|---|
| Professionalität oder Dilettantismus |
Die relevante Unterscheidung lautet:
| Die Unterscheidung einer nächsten Kulturform |
|---|
| Professionalismus oder Gestaltungsfähigkeit |
Professionalismus verwandelt Können in Zuständigkeit und Zuständigkeit in Ausschluss.
Eine Ärztin kann operieren. Daraus folgt nicht, dass nur medizinische Professionen bestimmen dürfen, was Gesundheit bedeutet.
Ein Architekt kann ein Gebäude planen. Daraus folgt nicht, dass nur Architekturbüros bestimmen dürfen, was ein Dorf braucht.
Eine Programmiererin kann ein System entwickeln. Daraus folgt nicht, dass dessen Regeln, Datenmodelle und Schnittstellen ihrer alleinigen Verfügung unterstehen sollten.
Professionalismus macht aus der Welt eine Ansammlung professionell bearbeitbarer Fälle.
| Professionalistische Ordnung | Architektur des Dazwischen |
|---|---|
| Fall | Konstellation |
| Auftrag | Anlass |
| Zuständigkeit | Beitrag |
| Expertin | unterschiedliche Kompetenzen |
| Klient | Beteiligung und Betroffenheit |
| Lösung | veränderbare Infrastruktur |
| Produkt | fortgesetzter Prozess |
| Abschluss | nächster Anschluss |
| geistiges Eigentum | dokumentierte und forkbare Regeln |
| Kontrolle | Ermöglichung |
Eine Architektur des Dazwischen schafft Professionalität nicht ab. Sie entzieht ihr den Alleinvertretungsanspruch.
Fachwissen bleibt wichtig. Es erscheint aber als Beitrag innerhalb einer Konstellation und nicht als Herrschaftstitel über diese Konstellation.
Vom Parametrischen zum Metabolischen
Diese Verschiebung lässt sich an drei Formen der Modellierung zeigen:
| Modellierung | Grundoperation |
|---|---|
| parametrisch | Innerhalb eines gesetzten Rahmens werden Varianten berechnet. |
| postparametrisch | Die Setzung und Gewichtung der Parameter wird selbst variabel. |
| metabolisch | Parameter, Modell, technische Systeme und Konstellation verändern sich im selben Prozess. |
Parametrische Modellierung beginnt mit definierten Parametern. Höhe, Material, Belastung, Kosten, Energieverbrauch oder Lichteinfall werden als Variablen festgelegt. Ein System berechnet daraus mögliche Formen.
Die menschliche Instanz setzt den Rahmen. Die Maschine variiert innerhalb dieses Rahmens.
Postparametrische Modellierung macht den Rahmen selbst beweglich. Sensoren, Rückkopplungen und maschinelle Auswertungen verändern, welche Parameter relevant sind und wie sie gewichtet werden. Die menschliche Instanz führt nicht mehr jeden Schritt aus. Sie kuratiert einen entstehenden Möglichkeitsraum.
Metabolische Modellierung geht noch weiter.
Parameter, Maschine und Modell entstehen im selben Prozess.
Das Modell bildet nicht einfach eine äussere Wirklichkeit ab. Es wird Bestandteil jener Wirklichkeit, die es beobachtet und verändert. Seine Resultate greifen in die Konstellation ein. Diese Eingriffe verändern die Daten, die Bedingungen und schliesslich das Modell selbst.
| Parametrisch | Postparametrisch | Metabolisch |
|---|---|---|
| Parameter sind gesetzt. | Parameter werden neu bestimmt. | Parameter entstehen und verschwinden. |
| Das Modell berechnet Varianten. | Das Modell verändert seinen Suchraum. | Modell und Gegenstand verändern einander. |
| Optimierung | Rekonfiguration | Stoffwechsel |
| definierter Möglichkeitsraum | beweglicher Möglichkeitsraum | entstehender Möglichkeitsraum |
| Planung | Kuration | Ko-Evolution |
| Ergebnis | Auswahl | Fortsetzung |
Der Begriff «metabolisch» verweist auf den japanischen Metabolismus der 1960er-Jahre. Dessen Vertreter dachten Städte und Gebäude als dynamische Systeme, die wachsen, sich verändern und an wechselnde Bedingungen anpassen können. Kisho Kurokawas Nakagin Capsule Tower wurde zum bekanntesten gebauten Beispiel dieser Bewegung.
Unsere metabolische Modellierung übernimmt diesen Gedanken nicht unverändert.
Der japanische Metabolismus arbeitete mit biologischen Analogien, grossen Trägerstrukturen und austauschbaren Modulen. Häufig blieb eine stabile Gesamtstruktur bestehen, in welche variable Teile eingesetzt werden sollten.
Metabolische Modellierung stellt auch diese Trägerstruktur zur Disposition.
| architektonischer Metabolismus | metabolische Modellierung |
|---|---|
| biologische Metapher | operative Rückkopplung |
| anpassbares Gebäude | veränderbare Konstellation |
| stabile Megastruktur | mitveränderter Rahmen |
| austauschbare Module | neu entstehende Elemente |
| Wachstum nach einem Grundplan | Entwicklung ohne endgültigen Masterplan |
| menschliche Bedürfnisse als Massstab | mehrere eigenlogische Systeme ohne gemeinsames Zentrum |
Metabolische Modellierung bedeutet deshalb nicht, ein Gebäude wie einen Organismus aussehen zu lassen.
Sie bedeutet, Gestaltung selbst als Stoffwechsel zu organisieren.
Kein Mensch im Zentrum
Die Architektur des Dazwischen darf nicht zu einer weiteren Variante von «Der Mensch steht im Mittelpunkt» werden.
Der Satz setzt eine asymmetrische Beobachtungsordnung voraus: Eine Instanz bestimmt, wer der Mensch ist, was er benötigt und was für ihn gestaltet werden soll.
Wer den Menschen ins Zentrum setzt, muss entscheiden:
- welcher Mensch gemeint ist,
- wer seine Bedürfnisse feststellt,
- wer zwischen Bedürfnissen und Wünschen unterscheidet,
- wer die übrige Welt zur Umwelt dieses Menschen erklärt,
- wer im Namen des Menschen gestalten darf.
Human-Centered Design kann dadurch unbemerkt eine alte Ordnung reproduzieren: Professionelle beobachten Menschen, definieren ihre Probleme und gestalten für sie definierte Lösungen.
Die Architektur des Dazwischen setzt kein anderes Wesen ins Zentrum.
Sie verzichtet auf das Zentrum als Ausgangspunkt.
In #TheLuhmannMap unterscheiden wir vier eigenlogische Systeme:
| System | Operation |
|---|---|
| #psy | Bewusstsein |
| #soc | Kommunikation |
| #cyb | Code und technische Operationen |
| #bio | Leben |
Keines dieser Systeme kann die Operationen der anderen übernehmen.
Kommunikation denkt nicht. Bewusstsein kommuniziert nicht. Code lebt nicht. Leben rechnet nicht.
Trotzdem irritieren, ermöglichen und begrenzen sich diese Systeme fortlaufend.
Genau dort beginnt das Dazwischen.
| anthropozentrische Frage | konstellatorische Frage |
|---|---|
| Was braucht der Mensch? | Welche Bedürfnisse, Abhängigkeiten und Begrenzungen werden in der Konstellation sichtbar? |
| Wie dient Technik dem Menschen? | Wie verändern technische und soziale Operationen einander? |
| Wie beherrschen wir Natur? | Welche Lebensprozesse werden ermöglicht, genutzt, gestört oder zerstört? |
| Wie gestalten wir Kommunikation? | Welche Kommunikation wird durch welche Infrastrukturen wahrscheinlich oder unwahrscheinlich? |
| Wer steht im Zentrum? | Wie entstehen vorübergehende Zentren, Ränder und Ausschlüsse? |
Menschen verschwinden damit nicht.
Sie verlieren nur ihr ontologisches Sonderrecht auf den Mittelpunkt.
Eine Person kann für eine Operation entscheidend sein. Ein Myzel, ein Bach, ein Server, ein Gesetz, eine Batterie oder ein Dateiformat kann es ebenfalls sein.
Das Zentrum ist keine feste Position.
Es ist ein vorübergehender Effekt einer konkreten Konstellation.
Venezia
Die Einträge rund um /venezia versammeln keine Naturbilder zur dekorativen Illustration eines sozialen Programms.
Sie beobachten Operationen.
| Figur | Operation |
|---|---|
| kreolischer Garten | Verschiedenes wird so zusammengesetzt, dass produktive Koexistenz möglich wird. |
| mangrovisches Denken | Stabilität entsteht in beweglichen und widersprüchlichen Übergangszonen. |
| Mykorrhiza-Kommunikation | Ressourcen und Signale werden über dezentrale Verbindungen weitergegeben. |
| MYZELT EUCH | Verbindungen bilden, Ressourcen teilen und Signale weitergeben – ohne Zentrum, Mitgliedschaft oder Organisation. |
Diese Figuren sollen nicht als moralische Vorbilder der Natur gelesen werden.
Myzelien sind nicht solidarisch. Mangroven sind nicht demokratisch. Gärten sind nicht gerecht.
Es geht nicht darum, menschliche Gesellschaften nach normativ aufgeladenen Naturbilder zu organisieren.
Die Bilder irritieren unsere gewohnten architektonischen Vorstellungen.
| gewohnte Vorstellung | Irritation |
|---|---|
| Stabilität braucht festen Boden. | Mangroven stabilisieren sich in beweglichen Übergängen. |
| Ordnung braucht Homogenität. | Kreolische Gärten werden durch Komposition verschiedenartiger Elemente produktiv. |
| Koordination braucht ein Zentrum. | Mykorrhizale Netze verteilen Austausch über viele lokale Verbindungen. |
| Zugehörigkeit braucht Mitgliedschaft. | Anschlüsse können ohne geschlossene Organisation entstehen. |
| Architektur braucht ein Objekt. | Architektur kann eine fortgesetzte Relation sein. |
Die Frage lautet deshalb nicht:
Wie können wir eine Gesellschaft bauen, die wie ein Myzel funktioniert?
Die Frage lautet:
Welche Selbstverständlichkeiten unseres Bauens, Organisierens und Modellierens werden durch diese Operationen fragwürdig?
Venezia wird damit zum Kartenraum für eine Architektur des Dazwischen.
Von der Organisation zur Infrastruktur
Organisationen entscheiden über Mitgliedschaft.
Sie bestimmen, wer dazugehört, wer entscheiden darf, welche Rollen gelten und welche Zwecke verfolgt werden.
Infrastrukturen funktionieren anders. Sie stellen Möglichkeiten bereit, die von unterschiedlichen Akteuren und Systemen genutzt werden können, ohne dass alle derselben Organisation angehören müssen.
| Organisation | Infrastruktur |
|---|---|
| Mitgliedschaft | Zugang |
| Rolle | Berechtigung |
| Weisung | Protokoll |
| Zweck | mögliche Verwendungen |
| Zentrale | verteilte Knoten |
| Gehorsam | Kompatibilität |
| Einheit | Interoperabilität |
| Identität | Anschlussfähigkeit |
| Fortbestand der Organisation | Fortsetzbarkeit der Operation |
Daraus folgt der Satz:
The Next Organization Will Not Be Organized.
Damit ist nicht gemeint, dass künftig nichts mehr organisiert werden müsse.
Im Gegenteil.
Es muss sehr genau organisiert werden. Aber möglichst viel davon kann in dokumentierte Regeln, offene Standards, Software, Schnittstellen, Verträge, Speicher, Werkzeuge und materielle Infrastrukturen übersetzt werden.
Alles, was eindeutig formuliert werden kann, kann in Infrastruktur übersetzt werden.
| organisatorische Anweisung | mögliche Infrastruktur |
|---|---|
| Wer darf eine Datei bearbeiten? | Rechteverwaltung |
| Wie werden Änderungen nachvollziehbar? | Versionskontrolle |
| Wie kann ein Projekt kopiert werden? | offene Lizenzen und Repositorien |
| Wie werden Daten ausgetauscht? | offene Standards und Schnittstellen |
| Wie bleibt ein System lokal verfügbar? | Local First und Offline First |
| Wie kann Abhängigkeit reduziert werden? | Self-Hosting und Replikation |
| Wie bleibt Wissen erhalten? | Dokumentation und Referenzmodelle |
| Wie kann eine andere Richtung eingeschlagen werden? | Forkbarkeit |
Infrastruktur beseitigt Macht nicht.
Auch Standards, Protokolle, Software und Gebäude ordnen Zugänge, Möglichkeiten und Ausschlüsse. Eine Architektur des Dazwischen muss diese Macht sichtbar und veränderbar machen.
Offenheit ist deshalb keine ästhetische Eigenschaft.
Sie muss technisch, rechtlich und materiell hergestellt werden.
#PlanD als Architektur des Dazwischen
#PlanD baut nicht die nächste Organisation.
#PlanD arbeitet an einer Infrastruktur, mit der alpine Täler ihre eigenen Bedingungen beobachten, beschreiben, verändern und erproben können.
Der Prozess besteht aus vier Operationen:
| Operation | architektonische Funktion |
|---|---|
| beobachten | Relationen, Abhängigkeiten und Unterschiede sichtbar machen |
| parametrisieren | Beobachtungen in veränderbare Beschreibungen übersetzen |
| ermöglichen | materielle, digitale und soziale Anschlüsse bereitstellen |
| erproben | Konstellationen in Betrieb setzen und ihre Wirkungen zurückführen |
Diese vier Operationen bilden keine lineare Projektplanung.
Sie bilden einen Stoffwechsel.
Beobachtungen verändern die Parameter. Parameter verändern die Infrastrukturen. Infrastrukturen ermöglichen Erprobungen. Erprobungen erzeugen neue Beobachtungen.
| lineares Projekt | metabolischer Prozess |
|---|---|
| Analyse | Beobachtung |
| Zieldefinition | Parametrisierung |
| Umsetzung | Ermöglichung |
| Abschluss | Erprobung |
| Evaluation im Nachhinein | laufende Rückkopplung |
| fertiges Ergebnis | veränderte Ausgangslage |
Der AutarkieIndex ist in dieser Architektur kein Zeugnis und kein Ranking.
Er ist ein Beobachtungsinstrument.
Er erstellt kein Leistungs- oder Defizitranking. Er macht Abhängigkeiten, Reserven, Fähigkeiten und mögliche Bruchstellen beschreibbar. Er macht Abhängigkeiten, Reserven, Fähigkeiten und mögliche Bruchstellen beschreibbar.
Autarkie bedeutet dabei nicht Abschottung.
Autarkie bedeutet Gestaltungsfähigkeit.
Eine Region ist nicht dann autark, wenn sie keine Beziehungen mehr nach aussen unterhält. Sie ist autarker, wenn sie ihre Beziehungen auswählen, verstehen, unterbrechen, ersetzen und neu verbinden kann.
| Abschottung | Autarkie als Gestaltungsfähigkeit |
|---|---|
| möglichst wenige Beziehungen | bewusst gewählte Beziehungen |
| Unabhängigkeit als Isolation | Abhängigkeiten kennen und verändern können |
| geschlossene Versorgung | mehrere anschlussfähige Möglichkeiten |
| Selbstgenügsamkeit | Handlungsfähigkeit |
| lokale Reinheit | lokale Verwurzelung und globale Vernetzung |
Die Architektur dafür besteht nicht nur aus Gebäuden.
Sie kann aus Bunkern, Kellern, Servern, Solaranlagen, Batterien, Werkstätten, Saatgutbanken und Mühlen bestehen.
Ebenso wichtig sind Linux, Wikis, Git, KI-Systeme, Datenbanken, offene Standards, Referenzmodelle, Dokumentationen und replizierbare Verfahren.
| materiell | digital | biologisch | sozial |
|---|---|---|---|
| Keller | Datenbank | Saatgut | Vereinbarung |
| Werkstatt | Git | Boden | Vertrauen |
| Batterie | Wiki | Myzel | Arbeitsteilung |
| Mühle | Schnittstelle | Getreide | Weitergabe |
| Leitung | lokaler Server | Wasser | Konfliktregel |
| Gebäude | offener Standard | Nahrung | Kommunikation |
Kein Feld bildet das Zentrum.
Entscheidend ist, was zwischen ihnen möglich wird.
Soziale Arbeit als Arbeit am Sozialen
Die Architektur des Dazwischen berührt unmittelbar die Bestimmung Sozialer Arbeit:
Soziale Arbeit ist Arbeit am Sozialen.
Nicht Arbeit am Menschen.
Nicht Verbesserung von Personen.
Nicht professionelle Bearbeitung defizitärer Fälle.
Das Soziale besteht aus Kommunikation. Wer am Sozialen arbeitet, arbeitet an Kommunikationsbedingungen, Zugängen, Ausschlüssen, Erwartungen, Machtverhältnissen und Anschlussmöglichkeiten.
| Arbeit am Menschen | Arbeit am Sozialen |
|---|---|
| Verhalten korrigieren | Kommunikationsbedingungen verändern |
| Defizite diagnostizieren | Ausschlüsse und Abhängigkeiten beobachten |
| Klientinnen und Klienten behandeln | Konstellationen bearbeiten |
| Anpassung ermöglichen | Gestaltungsfähigkeit ermöglichen |
| professionelle Lösung | veränderbare Infrastruktur |
| Hilfe | Anschluss |
Darin ähnelt Soziale Arbeit der Architektur des Dazwischen.
Beide setzen den Menschen nicht ins Zentrum. Beide bearbeiten nicht unmittelbar Personen oder Objekte, sondern Bedingungen, Relationen und Konstellationen.
| Soziale Arbeit als Arbeit am Sozialen | Architektur des Dazwischen |
|---|---|
| beobachtet Kommunikation | beobachtet Relationen |
| untersucht Machtverhältnisse | untersucht Anordnungen und Abhängigkeiten |
| verändert soziale Bedingungen | verändert Ermöglichungsbedingungen |
| arbeitet an Anschlussmöglichkeiten | gestaltet Anschlüsse und Übergänge |
| setzt den Menschen nicht ins Zentrum | setzt kein Element ins Zentrum |
Diese Arbeit lässt sich mit der #TheStaubBernasconiMatrix in vier Dimensionen beobachten:
| Dimension | Beobachtungsfrage |
|---|---|
| Anordnung | Wer oder was wird wie positioniert, zugeordnet und abhängig gemacht? |
| Zugang | Wer oder was erhält Zugang zu Ressourcen, Infrastrukturen und Möglichkeiten? |
| Legitimation | Welche Ordnungen gelten als begründet, normal oder alternativlos? |
| Durchsetzung | Wie werden Entscheidungen, Grenzen und Ausschlüsse wirksam gemacht? |
Ausgangspunkt ist die Beobachtung von Behinderungs- und Begrenzungsmacht.
«Gutes Leben» wird dabei nicht als professionell definiertes Ziel vorgegeben. Es lässt sich weder verordnen noch abschliessend modellieren. Beobachtet werden vielmehr jene Machtverhältnisse, welche seine Entfaltung begrenzen oder ermöglichen.
Der #AutarkieIndex misst deshalb nicht das gute Leben.
Er beobachtet und parametrisiert Behinderungs- und Begrenzungsmacht in den vier Dimensionen Anordnung, Zugang, Legitimation und Durchsetzung.
| Operation | Funktion |
|---|---|
| beobachten | Abhängigkeiten, Ausschlüsse und Begrenzungen sichtbar machen |
| parametrisieren | Machtverhältnisse in beschreibbare und veränderbare Relationen übersetzen |
| ermöglichen | alternative Anschlüsse und Konstellationen bereitstellen |
| erproben | beobachten, welche neuen Bedingungen und Begrenzungen entstehen |
Parametrische Modellierung erzeugt kein gutes Leben.
Sie macht Bedingungen beobachtbar und veränderbar, unter denen sich unterschiedliche Formen guten Lebens entfalten können.
Damit treffen sich «Wider den Professionalismus» und «Für eine Architektur des Dazwischen».
Professionalismus beansprucht, soziale Probleme durch ausgewiesene Professionen zu bearbeiten. Arbeit am Sozialen untersucht dagegen, welche Kommunikationsstrukturen und Machtverhältnisse ein Problem fortlaufend reproduzieren.
Eine Architektur des Dazwischen fragt, wie diese Bedingungen verändert werden können, ohne Menschen zum Gegenstand eines professionellen Entwurfs zu machen.
Keine reibungslose Welt
Das Dazwischen erzeugt aus sich selbst keine bestimmten gesellschaftlichen Folgen.
Beziehungen können ausbeuten. Netzwerke können kontrollieren. Infrastrukturen können ausschliessen. Schnittstellen können manipulieren. Standards können Monopole erzeugen. Dezentralisierung kann Verantwortung unsichtbar machen.
Eine Architektur des Dazwischen benötigt deshalb eine Machtanalyse ihrer Netzwerke, Infrastrukturen und Zugangsordnungen.
| dominante Beschreibung | mögliche strukturelle Folge |
|---|---|
| Vernetzung | Überwachung und Abhängigkeit |
| Offenheit | Überforderung und Ausbeutung |
| Partizipation | unbezahlte Mitarbeit |
| Dezentralisierung | verschwundene Verantwortung |
| Flexibilität | dauernde Unsicherheit |
| Personalisierung | paternalistische Steuerung |
| Automatisierung | unsichtbare Vorentscheidungen |
| Gemeinschaft | sozialer Zwang |
| Commons | Zugriff ohne Sorge und Pflege |
Architektur bedeutet auch Trennung.
Eine Tür reguliert Zugang, indem sie sich öffnen und schliessen lässt.
Ein Netzwerk erhält lokale Gestaltungsfähigkeit, wenn nicht alles dauerhaft mit allem verbunden sein muss, aber verbunden werden kann.
Ein offenes Projekt verlangt nicht, dass jede Person jederzeit teilnehmen muss.
Eine belastbare Infrastruktur kennt Unterbrechungen, Redundanzen, Rückzüge und Grenzen.
| entgrenzte Offenheit | reversible Offenheit |
|---|---|
| alles ist jederzeit zugänglich | Zugänge sind nachvollziehbar geregelt |
| alle müssen teilnehmen | Beteiligung bleibt unterbrechbar |
| alles wird zentral synchronisiert | lokale Kopien bleiben funktionsfähig |
“No Paternalism” bedeutet in dieser Architektur nicht Regellosigkeit.
Es bedeutet, dass Bedingungen nicht implizit so gestaltet werden, dass Menschen zu einem professionell definierten Zielverhalten gelenkt werden.
Ermöglichung ist nicht Verhaltenssteuerung.
Die neue architektonische Frage
Die klassische architektonische Frage lautet:
Was soll gebaut werden?
Die Frage einer Architektur des Dazwischen lautet:
Was soll möglich werden?
| bisherige Frage | Frage des Dazwischen |
|---|---|
| Welche Form soll entstehen? | Welche Relationen sollen möglich werden? |
| Wer ist der Autor? | Welche Beiträge können anschliessen? |
| Wer besitzt das Werk? | Wer kann zugreifen, verändern und forken? |
| Welche Funktion erfüllt es? | Welche unterschiedlichen Verwendungen bleiben möglich? |
| Wie wird es fertiggestellt? | Wie kann es weiterentwickelt werden? |
| Wie wird es kontrolliert? | Wie bleiben Entscheidungen sichtbar und revidierbar? |
| Wie wird Stabilität erzeugt? | Welche Veränderungen kann die Konstellation aufnehmen? |
| Wie werden Störungen verhindert? | Wie kann unter Störungen weitergearbeitet werden? |
| Wer steht im Zentrum? | Wie werden Zentren erzeugt und wieder aufgelöst? |
| Was ist die Lösung? | Was ist der nächste mögliche Anschluss? |
Diese Architektur produziert keine fertige Zukunft.
Sie baut Bedingungen, unter denen unterschiedliche Zukünfte entstehen können.
Sie schreibt nicht vor, welche Lebensformen als vorzugswürdig gelten sollen.
Sie erweitert die Möglichkeit, die Bedingungen des eigenen Lebens gemeinsam zu beobachten und zu verändern.
Sie ersetzt Planung nicht durch Zufall.
Sie ersetzt den Masterplan durch eine dokumentierte, überprüfbare und fortsetzbare Gestaltungspraxis.
Für eine Architektur des Dazwischen
| Nr. | Setzung |
|---|---|
| 1 | Eine Architektur des Dazwischen gestaltet nicht länger Objekte, sondern Bedingungen. |
| 2 | Das Dazwischen ist kein leerer Raum, sondern eine Operation. |
| 3 | Elemente sind nicht zuerst fertig und danach verbunden; sie werden in ihren Relationen bestimmbar. |
| 4 | Kein Mensch, keine Maschine, keine Organisation und kein System steht notwendig im Zentrum. |
| 5 | Zentren sind vorübergehende Effekte konkreter Konstellationen. |
| 6 | Professionalität ist ein Beitrag; Professionalismus ist ein Ausschliessungsanspruch. |
| 7 | Alles, was eindeutig formuliert werden kann, kann in Infrastruktur übersetzt werden. |
| 8 | Offenheit braucht dokumentierte Regeln, Grenzen, Redundanzen und Forkbarkeit. |
| 9 | Ein Modell greift in die Konstellation ein, die es beobachtet, und wird durch sie verändert. |
| 10 | Eine Architektur des Dazwischen bewährt sich nicht an ihrer Endgültigkeit, sondern an den Fortsetzungen, die sie ermöglicht. |
Für eine Architektur des Dazwischen
Die Architektur des 20. Jahrhunderts entwarf Häuser, Städte, Maschinen zum Wohnen, Megastrukturen und Ereignisräume.
Die Architektur des 21. Jahrhunderts wird weiterhin Häuser bauen müssen.
Aber das Gebäude ist nur noch ein Spezialfall.
Die entscheidenden Architekturen bestehen zunehmend aus Protokollen, Schnittstellen, Datenformaten, Energiesystemen, Eigentumsregeln, biologischen Kreisläufen, Kommunikationswegen, lokalen Speichern und verteilten Entscheidungsverfahren.
Sie sind häufig unsichtbar.
Gerade deshalb müssen sie gestaltet, beobachtet und kritisiert werden.
Eine Architektur des Dazwischen entwirft weder Menschen noch Gesellschaft.
Sie entwirft Bedingungen, in denen unterschiedliche Systeme aufeinander reagieren können, ohne zu einem einzigen System verschmolzen zu werden.
Sie baut keine konfliktfreie Gemeinschaft.
Sie ermöglicht Fortsetzung trotz Verschiedenheit, Konkurrenz, Nichtwissen und Dissens.
Sie ersetzt die professionelle Organisation gesellschaftlicher Probleme nicht durch die Genialität einzelner Amateure.
Sie verteilt Gestaltungsfähigkeit.
Sie fragt nicht zuerst nach dem Werk.
Sie fragt nach den Anschlüssen.
Nicht:
Was bauen wir?
Sondern:
Was kann zwischen all dem möglich werden?
Dafür eine Architektur des Dazwischen.
Quellen und Verweise
- Stefan M. Seydel/sms: Wider den Professionalismus
https://dissent.is/professionalismus/ - Stefan M. Seydel/sms: venezia (so?)
https://dissent.is/venezia/ - Stefan M. Seydel/sms: #passadis
https://dissent.is/passadis/ - Stefan M. Seydel/sms: Post-parametric Modeling #Caschlatsch
https://dissent.is/caschlatsch/ - Stefan M. Seydel/sms: Lugano? #Plan₿ | Gottardo? #PlanD
https://dissent.is/planD/ - Stefan M. Seydel/sms: #TheLuhmannMap https://dissent.is/theluhmannmap/
- Stefan M. Seydel/sms: #TheStaubBernasconiMatrix https://dissent.is/thestaubbernasconimatrix/
- Le Corbusier: Toward an Architecture, Getty Research Institute
https://shop.getty.edu/products/toward-an-architecture-978–0892368228 - Museum of Modern Art: Kisho Kurokawa und der architektonische Metabolismus
https://www.moma.org/collection/artists/6967 - Museum of Modern Art: Architecture Without Architects
https://www.moma.org/calendar/exhibitions/3459 - Christopher Alexander u. a.: A Pattern Language
https://www.patternlanguage.com/bookstore/pattern-language.html - MIT Press: Bernard Tschumi, Event-Cities
https://mitpress.mit.edu/9780262700528/event-cities/
Hinweis: Die begriffliche Reihe parametrisch – postparametrisch – metabolisch, die Erweiterung von #TheLuhmannMap um #cyb sowie der Begriff «Architektur des Dazwischen» werden hier als eigene theoretische Setzungen verwendet. Sie sind keine etablierten architekturwissenschaftlichen Klassifikationen.
Meta:
Architektur wie Soziale Arbeit setzen den Menschen nicht ins Zentrum. Beide bearbeiten nicht unmittelbar Personen oder Objekte, sondern Bedingungen, Relationen und Konstellationen.
Für eine Architektur des Dazwischen, Stefan M. Seydel/sms ;-)
| Bewegung | Funktion |
|---|---|
| Titelform | markiert den Wechsel des architektonischen Gegenstands |
| Geschichte | zeigt die Ablösung vom Objekt |
| Professionalismus | öffnet Gestaltungsfähigkeit |
| Modellierung | führt von Parametern zum Stoffwechsel |
| kein Zentrum | verhindert den anthropozentrischen Rückfall |
| Venezia | liefert operative Irritationen |
| Infrastruktur | übersetzt Regeln in Anschlüsse |
| #PlanD | konkretisiert die Architektur |
| Soziale Arbeit | verbindet Relation und Macht |
| #AutarkieIndex | parametrisiert Begrenzungsbedingungen |
| Schluss | formuliert das Programm |
Le Corbusier
(…)
(…)
(…)
(…)
| Pilz | Myzel |
|---|---|
| Organismus | Geflecht |
| sichtbare Erscheinung | weitgehend unsichtbare Infrastruktur |
| einzelnes Lebewesen | verteilte Verbindung |
| Figur | Operation |
| Objekt | Dazwischen |
MYZELT EUCH
(…)
(…)
Soziale Arbeit als Arbeit am Sozialen
Genau. Das ist die strukturelle Verwandtschaft:
| Soziale Arbeit als Arbeit am Sozialen | Architektur des Dazwischen |
|---|---|
| arbeitet nicht am Menschen | gestaltet nicht das Objekt |
| beobachtet Kommunikation | beobachtet Relationen |
| verändert soziale Bedingungen | verändert Ermöglichungsbedingungen |
| setzt den Menschen nicht ins Zentrum | setzt kein Element ins Zentrum |
| arbeitet an Anschlussmöglichkeiten | gestaltet Anschlüsse und Übergänge |
Die Pointe wäre:
Soziale Arbeit, die am Sozialen arbeitet, ähnelt darin der Architektur des Dazwischen: Beide gestalten nicht Menschen oder Objekte, sondern die Bedingungen, unter denen Beziehungen, Anschlüsse und Veränderungen möglich werden.
Noch zugespitzter:
Eine Soziale Arbeit, die am Sozialen arbeitet, und eine Architektur des Dazwischen teilen dieselbe Zumutung: Der Mensch steht nicht im Zentrum. Im Zentrum steht nichts. Entscheidend ist, was zwischen Menschen, Kommunikationen, Dingen, Maschinen, Organismen und Infrastrukturen möglich wird.
(…)
(…)
(…)
Eine kurze Geschichte des Modellierens:
- Parametric modeling is when you define the parameters and the machine optimizes within that given framework dissent.is/poesierad & dissent.is/lapendenta
- Post-parametric modeling is when the machine participates in defining the parameters and you curate the emerging space of possibilities: dissent.is/caschlatsch
- Metabolic modeling is when parameters, machine, and model no longer appear as separate stages, but emerge within the same continuous process: dissent.is/cuflons
- dissent.is/passadis
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Nächster Titel
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Nächster Titel
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Nächster Titel
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Nächster Titel
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Nächster Titel
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Nächster Titel
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Nächster Titel
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Nächster Titel
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Nächster Titel
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Wie ich mit den Möglichkeiten von @openAI arbeite?
Links, Threads, zu verarbeitende Hinweise…
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Offene Blogeinträge, welche zu diesem Thema passen…
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(…)
Textsorte: (1) Traum, (2) Blitz, (3) Bekenntnis, (4) Memo, (5) Märchen, (6) Drama, (7) Tabu
Arbeitsform: Dokumentation, Listenbildung, Work in Progress
Anlass: (…)
TL;DR: (…)
Bildquelle: (…)
URL/Hashtag: (…)

Stefan M. Seydel, aka sms, aka sms2sms in «Zürcher Festspiel 1901″ (2019, Fotocredit: Charles Schnyder): Twitter, Wikipedia (Lemma), Youtube (aktuell), Soundcloud, Mastodon, Instagram (gesperrt), Snapchat, TikTok, Twitch, t.me/WikiDienstag (Nicht in Betrieb) | Exklusiv: speakerbooking.ch/sms2sms
About @sms2sms, aka Stefan M. Seydel/sms ;-)
Stefan M. Seydel, Jahrgang 1965, ist Unternehmer, Sozialarbeiter und Künstler. Er machte nach einer Berufslehre als Hochbauzeichner einen Bachelor in Soziale Arbeit in St. Gallen und einen Master in der gleichen Disziplin bei Silvia Staub-Bernasconi in Berlin. Seine überwiegend selbstständige Tätigkeit kreist um das Thema der Entwicklung und Realisierung von Pilot- und Impulsprojekten für renommierte Auftraggeberinnen.
Als Künstler hat er Ausstellungen und Performances auf internationaler Ebene präsentiert, darunter in der Royal Academy of Arts in London, dem Deutschen Historischen Museum in Berlin oder einer Einzelausstellung “Kunst Macht Probleme” in der Crypta Cabaret Voltaire, Birthplace of DADA in Zürich. Er wurde mit dem Migros Jubilée Award in der Kategorie Wissensvermittlung ausgezeichnet und hat diverse Ehrungen durch Webby Awards für seine Arbeit mit rocketboom.com erhalten.
Stefan war Jury-Mitglied des Next Idea Prix Ars Electronica 2010 und war drei Jahre Mitglied der Schulleitung des Gymnasiums Kloster Disentis. Sein Wissen und seine Erfahrung im Bereich der Information und Technologie haben ihm auch dabei geholfen, mit Statistik Stadt Zürich und Wikimedia Schweiz unter WikiDienstag.ch zusammenzuarbeiten.
Sein Engagement im Bereich der freiwilligen Arbeit führte ihn in das Präsidium Internationaler Bodensee Club (Leitung Fachgruppe Wissenschaft) oder für einige andere Jahre als Vice-Präsident des von Paul Watzlawick initiierten P.E.N.-Club Liechtenstein. Seydel hat unter ((( rebell.tv ))) zwei Bücher zusammen mit seiner Partnerin Tina Piazzi veröffentlicht, viele Kolumnen, Fachtexte und journalistische Texte publiziert.
Seine Arbeit auf Social Media nutzt er als Microblogging. In seinem Blog verarbeitet er seine Themen. Einige davon werden auf Anfragen zu lesbaren Texten vertieft, andere werden zu Vorträgen ausgebaut. Bei Carl Auer Verlag in Heidelberg, sammelt er “Elemente einer nächsten Kulturform”. Seine Entwicklungen im Kontext der sozialräumlichen Intervention (“Arbeit am Sozialen”) machen konkrete Vorschläge in Bezug auf die Beantwortung der Sozialen Frage.
Nach 12 Jahren Berlin und 6 Jahren Zürich zog er aber in seiner zweiten Lebenshälfte vom Bodensee der Rheinquelle entgegen nach Dissentis/Mustér und hat seine Reisetätigkeit fast ganz eingestellt. Dafür macht er umsomehr sogenannte Passadis und #Feedlogs (Orgiastik). Das sind Arbeitsmeetings an intentionalen Fragen in einem Lifestream. (so?) Text supported by #TaaS

Aus Band 2 von: Tina Piazzi & Stefan M. Seydel, Junius-Verlag Hamburg | pdf: Band 1, 2009 | Band 2, 2010

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