#COORA «Corporaziun dallas vischnauncas concessiunarias dallas Ovras Electricas Reinanteriur SA» ist eine öffentlich-rechtliche Körperschaft der sechs Konzessionsgemeinden Breil/Brigels, Trun, Sumvitg, Disentis/Mustér, Medel und Tujetsch | #NoCringe | M/ein Blog ist m/ein Kartenraum und k/eine Bühne. Ich weiss, wie man publiziert. Das hier ist etwas anderes. d!a!n!k!e | WORK IN PROGRESS reload für aktuellen Schreibstand | Warum ich nicht publiziere? Weil ich es kann. Weil es geht. Weil ich es für angemessen halte. (so?)
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Anlass zu diesem Eintrag:
Am 8. Oktober 2026 veröffentlicht Axpo ein 60-seitiges Whitepaper (pdf) unter dem Titel «Erneuerung von Wasserkraftkonzessionen: Chancen & Herausforderungen» – ein guter Anlass, genauer hinzuschauen, wem unsere Wasserkraft gehört, wer darüber verfügt und was der bevorstehende Heimfall für die Gemeinden der Cadi bedeutet.
Wenn es eine der dramatischsten kritischen Grössen gibt im 2030.AutarkieIndex.org, dann freilich die Frage der Energie…
Summary/Spoiler/TL;DR
Wem gehört unser Wasser? QED.
Öffentliches Eigentum. Privatrechtliche Organisation. Überregionale Verfügungsmacht. Lokale Ressourcen.
Am 9. Oktober 2026 erzählt mir der es weiss, dass die grossen Wasserkraftkonzessionen auslaufen und die Anlagen an die Gemeinden und den Kanton zurückfallen können.
Ich beginne zu recherchieren. Und je genauer ich hinschaue, desto bemerkenswerter wird die Konstruktion.
1. Das Wasser gehört den Gemeinden. Der Strom?
Die Kraftwerke Vorderrhein AG (KVR) betreiben die grossen Anlagen mit den Stauseen Nalps, Curnera und Sontga Maria.
Jährliche Stromproduktion: rund 800 Gigawattstunden.
Die Eigentumsverhältnisse:
- Axpo Power AG: 81,5 %
- Kanton Graubünden: 10 %
- Sechs Konzessionsgemeinden zusammen: 8,5 %
Die Konzessionen laufen am 30. September 2048 aus.
Wir reden über eine der wichtigsten Infrastrukturen der Region. Über eine Ressource, deren Nutzung seit Generationen über die Lebensbedingungen in der Cadi mitentscheidet.
Und über Gemeinden, die gemeinsam gerade einmal 8,5 % an der Kraftwerksgesellschaft halten.
2. Ein Vorgeschmack: Russein
2012 wird der ursprünglich für 2027 vorgesehene Heimfall des Kraftwerks Russein vorzeitig geregelt.
Die Gemeinden Disentis/Mustér und Sumvitg sowie der Kanton verzichten auf den Heimfall. Dafür wird eine Entschädigung von 19 Millionen Franken vereinbart, insbesondere in Form von Aktienbeteiligungen.
Axpo behält 60 %. Die beiden Gemeinden erhalten je 15 %, der Kanton 10 %.
Gleichzeitig wird eine neue Konzession für 80 Jahre erteilt.
Das Geschäft wurde 2011 von den beiden Gemeindeversammlungen beschlossen.
Demokratisch legitimiert? Ja.
Aber die entscheidende Frage ist doch: Was bedeutet ein demokratischer Entscheid, der die Verfügung über eine lebenswichtige Infrastruktur für mehrere Generationen gesellschaftsrechtlich bindet?
3. Wem gehört eigentlich Axpo?
Ich frage ChatGPT, ob ich Axpo-Aktien kaufen kann.
Nein.
Die Axpo Holding AG ist nicht börsenkotiert. Ihre Aktien gehören vollständig den Nordostschweizer Kantonen und Kantonswerken.
Graubünden gehört nicht zu ihren direkten Aktionären.
Eine Aktiengesellschaft in öffentlichem Eigentum, deren Aktien ich als Bürger nicht an der Börse kaufen kann. Ein Energiekonzern, der über Tochtergesellschaften und Beteiligungen wesentliche Teile der Wasserkraft ausserhalb seiner Eigentümerkantone kontrolliert.
Das ist nicht die klassische Privatisierung öffentlichen Eigentums.
Es ist die Verlagerung öffentlicher Verfügungsmacht in privatrechtlich organisierte Strukturen.
Und die direkte demokratische Einflussnahme? Sie wird über Parlamente, Regierungen, Verwaltungsräte, Aktionärsverträge und Konzessionen vermittelt.
4. Jetzt erklärt uns Axpo die Risiken!
Am 8. Oktober 2026 veröffentlicht Axpo ein 60-seitiges Whitepaper über auslaufende Wasserkraftkonzessionen.
Die Botschaft: Heimfall eröffnet Chancen. Aber Gemeinden müssen Risiken beachten. Fehlendes Fachwissen! Investitionsbedarf! Strompreisschwankungen! Klimawandel! Haftungsfragen!
Axpo empfiehlt, partnerschaftliche Modelle zu prüfen.
Welch bemerkenswerte Konstellation!
Der bisherige Mehrheitsaktionär erklärt den künftigen Eigentümern, weshalb sie bei der Übernahme ihrer Infrastruktur vorsichtig sein sollten und weshalb die Zusammenarbeit mit erfahrenen Energieunternehmen so wichtig sei.
Die Risiken sind real. Aber das Whitepaper ist auch ein Dokument aus der Perspektive eines wirtschaftlich beteiligten Akteurs.
Wer definiert eigentlich, was als Risiko gilt?
Der Verlust von Millionen Franken? Selbstverständlich.
Der Verlust lokaler Verfügungsmacht über Generationen? Wie wird der bewertet?
5. Und COORA?
2024 organisieren sich die sechs Konzessionsgemeinden der Cadi zur Vorbereitung des Heimfalls in einer gemeinsamen öffentlich-rechtlichen Körperschaft: COORA.
Die Gemeinden sollen spätestens 2038 über Verlängerung oder Heimfall entscheiden.
Das kann ihre gemeinsame Verhandlungsposition stärken.
Aber auch hier stellt sich die Frage: Wie werden die Entscheidungen vorbereitet? Wer verfügt über die Informationen? Wer verhandelt? Wer kontrolliert die Verhandler? Und welche Alternativen erhalten die Stimmberechtigten überhaupt zur Auswahl?
Denn eine Gemeindeversammlung kann nur über jene Möglichkeiten entscheiden, die ihr tatsächlich vorgelegt werden.
6. Gewinne privatisieren. Risiken vergesellschaften?
Diese Formel greift zu kurz. Axpo gehört selbst der öffentlichen Hand.
Vielleicht ist die Konstruktion noch interessanter:
Öffentliches Eigentum. Privatrechtliche Organisation. Überregionale Verfügungsmacht. Lokale Ressourcen.
Nicht ((Staat)Markt).
Nicht einmal ((öffentlich)privat).
Sondern die Frage, wie öffentliches Eigentum organisiert wird und welche demokratischen Zugriffe dabei erhalten bleiben oder verloren gehen.
Was nützt öffentliches Eigentum, wenn die Eigentümer ihre eigene Infrastruktur nicht mehr unmittelbar gestalten können?
7. #PlanD: Soziale Arbeit als Arbeit am Sozialen.
Mich interessiert nicht, ob Axpo gute oder schlechte Absichten verfolgt.
Mich interessiert die Machtstruktur.
Wer ordnet an? Wer erhält Zugang? Wie wird die Verfügung legitimiert? Wer setzt Entscheidungen durch?
Und vor allem:
Warum sollen Gemeinden beim Heimfall ihre Verfügungsmacht erneut für 80 Jahre abgeben, statt eine gemeinsame Infrastruktur aufzubauen, welche lokale Eigenständigkeit, demokratische Kontrolle und regionale Wertschöpfung ermöglicht?
Die Stauseen stehen schon da. Die Turbinen drehen sich längst.
Was fehlt uns eigentlich, um die Infrastruktur wieder selbst gestalten zu können?
#PlanD #AutarkieIndex #TheStaubBernasconiMatrix
Quellen
- Kanton Graubünden, Richtplan Energie 2025, S. 80: https://www.gr.ch/DE/institutionen/verwaltung/dvs/are/richtplanung/KRIP_E_d/2.%20Richtplandokumente/Erl%C3%A4uternder%20Bericht%20KRIP‑E.pdf
- Kanton Graubünden, Konzession und Heimfallverzicht Russein, 26.01.2012: https://www.gr.ch/DE/Medien/Mitteilungen/MMStaka/2012/Seiten/2012012601.aspx
- Axpo, Eigentümer: https://www.axpo.com/group/de/ueber-uns/axpo-group/eigentuemer.html
- Axpo, Whitepaper, 08.10.2026: https://www.axpo.com/ch/de/newsroom/medienmitteilungen/2026/Axpo-veroeffentlicht-White-Paper-zum-Konzessionsablauf-von-Wasserkraftwerken.html
- COORA, Gründungsbotschaft und Statuten, 2024: https://trun.ch/wp/wp-content/uploads/2024/11/20240918i_COORA_Messadi.pdf
WIR NENNEN ES #DEALOKRATIE
Vielleicht nennen wir es einfach Dealokratie.
Die Demokratie entscheidet über die Konzession. Danach entscheidet der Vertrag über die Möglichkeiten der Demokratie.
80 Jahre lang.
Was als öffentliches Interesse beginnt, wird in privatrechtliche Beteiligungen, Aktionärsverträge, Verwaltungsratsmandate und langfristige Verpflichtungen übersetzt.
Alles demokratisch legitimiert. Alles rechtlich korrekt. Und mit jedem weiteren Deal wird es schwieriger, die ursprünglichen Entscheidungen demokratisch zu verändern.
Das ist der Clou der #Dealokratie:
Nicht die Demokratie wird abgeschafft. Ihre Verfügungsmacht wird vertraglich gebunden.
Die Demokratie darf den Deal beschliessen. Aber kann sie ihn auch wieder auflösen?
Und genau deshalb interessiert mich bei #PlanD nicht der nächste bessere Deal.
Mich interessiert eine Infrastruktur, die demokratische Verfügungsmacht nicht nur verspricht, sondern dauerhaft ermöglicht.
«Was nützt dem Volk das Eigentum an seinem Wasser, wenn andere darüber verfügen, was damit geschieht?»
8. Und was hätte der 21-jährige Caspar Decurtins dazu gesagt?
Am 6. Mai 1877 wird der 21-jährige Dr. Caspar Decurtins zum Mistral der Cadi gewählt.
Er verteidigt die Gemeindeautonomie, die Volksrechte und eine gesellschaftliche Ordnung, die sich nicht auf die Alternativen des aufkommenden ((Sozialismus)Liberalismus) reduzieren lässt.
Sein politischer Horizont umfasst Gemeinden, Klöster, Korporationen und über Jahrhunderte entwickelte Formen gemeinschaftlicher Selbstorganisation.
Genau das macht ihn für unsere heutige Frage interessant.
1877: Weder Staat noch Markt.
2026: Auch nicht Staat UND Markt.
Denn was beobachten wir bei der Wasserkraft?
Eine Ressource der Gemeinden wird über Konzessionen und Aktiengesellschaften in eine überregionale Wirtschaftsorganisation eingebunden. Die Verfügungsmacht wandert von den lokalen Gemeinwesen zu Verwaltungsräten, Konzernstrukturen und langfristigen Verträgen.
Und das nennt sich dann Public-Private Partnership. PPP.
Was hätte Decurtins dazu gesagt?
Wir wissen es nicht. Aber seine Verteidigung der Gemeindeautonomie und sein späteres sozialpolitisches Engagement legen eine andere Frage nahe:
Warum sollen wir zwischen staatlicher Verwaltung und marktwirtschaftlicher Verwertung wählen müssen, wenn wir seit Jahrhunderten eigene Formen gemeinschaftlicher Organisation kennen?
Vielleicht liegt genau darin die Aktualität von #LavinaNera.
Nicht zurück ins Jahr 1877.
Sondern die damals verteidigten Möglichkeiten gesellschaftlicher Selbstorganisation unter heutigen Bedingungen erneuern.
Nicht den nächsten Deal aushandeln.
Sondern die Infrastruktur so gestalten, dass wir unsere Angelegenheiten wieder selbst ordnen können.
Erinnern — Gedenken — Erneuern.
#RerumNovarum #LavinaNera #PlanD
Quellen:
Historisches Lexikon der Schweiz, Caspar Decurtins:
https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/003565/2009–05-08/
#LavinaNera – die historische Arbeitshypothese:
https://dissent.is/2022/11/29/lavinanera/
#RerumNovarum:
https://dissent.is/RerumNovarum/
bitte verstehe diesen eintrag nicht zu schnell… hier gibts nichts zu sehen und nichts zu lesen ;-)
Wem gehört die Wasserkraft der Cadi? Und was geschieht beim Heimfall?
Am 9. Oktober 2026 erzählt mir der Gemeindeschreiber von Disentis/Mustér, dass in den kommenden Jahrzehnten Konzessionen für Wasserkraftwerke auslaufen und die Anlagen an die öffentliche Hand zurückfallen können.
Das ist keine Spekulation. Das Bündner Wasserrechtsgesetz regelt den sogenannten «Heimfall»: Nach Ablauf einer Konzession fallen bestimmte Kraftwerksanlagen grundsätzlich unentgeltlich je zur Hälfte an den Kanton und die Konzessionsgemeinden. Andere Anlagenteile können gegen Entschädigung übernommen werden (Art. 42).
Die wichtigsten Fakten für die Cadi:
- Die Kraftwerke Vorderrhein AG (KVR) betreiben drei grosse Stauseen: Sontga Maria, Nalps und Curnera.
- Die beiden Kraftwerksstufen Sedrun und Tavanasa produzieren zusammen durchschnittlich rund 800 Gigawattstunden Strom pro Jahr.
- Ihre Konzessionen enden am 30. September 2048.
- Axpo hält 81,5 % der KVR-Aktien, der Kanton Graubünden 10 % und sechs Konzessionsgemeinden zusammen 8,5 %.
- Ein Heimfall wurde bereits vorweggenommen: Beim Kraftwerk Russein verzichteten Disentis/Mustér und Sumvitg 2011/2012 im Rahmen einer Konzessionserneuerung auf den Heimfall. Die öffentliche Hand erhielt dafür eine Entschädigung von CHF 19 Millionen in Form von Aktienbeteiligungen.
Die Frage ist also nicht, ob sich etwas verändert. Sondern wer sich auf diese Veränderungen vorbereitet, wer künftig über die Infrastruktur verfügt und welche Möglichkeiten daraus für die regionale Eigenständigkeit entstehen.
Ich beginne deshalb mit einer Bestandesaufnahme der Wasserkraftwerke in vier Gemeinden: Medel (Lucmagn), Tujetsch, Sumvitg und Disentis/Mustér.
Welche Anlagen stehen hier? Wem gehören sie? Wer betreibt sie? Wie viel Strom produzieren sie? Wann laufen ihre Konzessionen aus?
Und schliesslich: Was bedeutet das für #PlanD und den #AutarkieIndex der Surselva?
Quellen
- Wasserrechtsgesetz Graubünden, Art. 42–46: https://www.gr-lex.gr.ch/app/de/texts_of_law/810.100
- Kantonaler Richtplan Energie, Erläuternder Bericht vom 15. Mai 2025, S. 80: https://www.gr.ch/DE/institutionen/verwaltung/dvs/are/richtplanung/KRIP_E_d/2.%20Richtplandokumente/Erl%C3%A4uternder%20Bericht%20KRIP‑E.pdf
- Axpo, Beteiligungsverhältnisse KVR: https://www.axpo.com/ch/de/newsroom/medienmitteilungen/2016/kvr-kraftwerke-vorderrhein-jahresbericht.html
- Kanton Graubünden, Heimfallverzicht Russein, 26. Januar 2012: https://www.gr.ch/DE/Medien/Mitteilungen/MMStaka/2012/Seiten/2012012601.aspx
Der Heimfall ist keine Theorie: Russein!
Hier haben wir bereits einen konkreten Präzedenzfall.
Die Konzession für das Kraftwerk Russein wäre 2027 ausgelaufen. Statt den Heimfall abzuwarten, wurde 2011/2012 eine vorzeitige Erneuerung für 80 Jahre vereinbart.
Das Ergebnis:
- CHF 19 Millionen Heimfallverzichtsentschädigung.
- Je 15 % Aktienbeteiligung für Sumvitg und Disentis/Mustér.
- 10 % Beteiligung für den Kanton.
- 60 % verbleiben bei Axpo Hydro Surselva.
Quelle: Regierung Graubünden, 26. Januar 2012.
Der entscheidende Punkt: Die 19 Millionen Franken wurden nicht bar an die Gemeinden und den Kanton ausbezahlt. Sie erhielten dafür Aktien an einer neu zu gründenden Kraftwerksgesellschaft.
Wer bekam wie viel?
| Empfänger | Heimfallentschädigung | Aktienanteil |
|---|---|---|
| Disentis/Mustér und Sumvitg zusammen | CHF 10’317’000 | je 15 % |
| Kanton Graubünden | CHF 8’683’000 | 10 % |
| Total | CHF 19’000’000 | 40 % |
Das bedeutet:
- Die beiden Gemeinden verzichteten darauf, die Kraftwerksanlagen beim ursprünglich vorgesehenen Heimfall 2027 zu übernehmen.
- Der Kanton verzichtete ebenfalls auf seine entsprechenden Rechte.
- Als Gegenleistung erhielten die öffentliche Hand Aktienbeteiligungen statt Bargeld.
- Die Konzession für die Nutzung der Wasserkraft wurde für 80 Jahre neu erteilt.
Quelle: Regierung Graubünden, 26. Januar 2012.
Wer hat also bezahlt?
Die Gegenpartei war die Axpo Hydro Surselva AG, der bisherige Kraftwerkseigentümer. Die neue Gesellschaft, Kraftwerk Russein AG, wurde mit folgenden Beteiligungen gegründet:
- Axpo Hydro Surselva: 60 %
- Disentis/Mustér: 15 %
- Sumvitg: 15 %
- Kanton Graubünden: 10 %
Eine wichtige Präzisierung zu meiner vorigen Antwort: Im kantonalen Strombericht steht ausdrücklich, dass der Grossteil der CHF 19 Millionen durch Aktienbeteiligungen und der Rest in bar abgegolten wurde. Auch ein zusätzlicher Energieertrag wurde ausgehandelt. Die genaue Höhe des Baranteils geht aus diesem Bericht nicht hervor.
Der Kern des Geschäfts: Die öffentliche Hand verzichtete auf die spätere Übernahme des Kraftwerks und erhielt dafür Miteigentum, eine Barentschädigung und Ansprüche auf Energie.
Damit wird die eigentliche Frage für #PlanD interessant: War der Tausch der Heimfallrechte gegen eine Minderheitsbeteiligung wirtschaftlich und infrastrukturell vorteilhaft? Und wer entscheidet heute über die Verwendung der erzeugten Energie?
Quelle: Kanton Graubünden, Strombericht, S. 58.
Es riecht nach:
«Gewinne privatisieren. Risiken vergesellschaften.»
Aber beim Kraftwerk Russein würde ich die These noch präziser formulieren:
- Die öffentliche Hand besitzt die Wasserrechte.
- Sie verzichtet vorzeitig auf den Heimfall und erteilt eine neue Konzession für 80 Jahre.
- Axpo behält 60 % der Aktien und damit die Kapitalmehrheit.
- Gemeinden und Kanton erhalten zusammen 40 % – samt Gewinnchancen, aber auch wirtschaftlichen Risiken.
Die CHF 19 Millionen sind dabei keine zusätzliche Investition in die Region, sondern die vereinbarte Gegenleistung für den Verzicht auf öffentliche Heimfallrechte.
Das beweist noch keine einseitige Verteilung von Gewinnen und Risiken. Aber es wirft eine grundsätzliche Frage auf:
Wer verfügt während der nächsten 80 Jahre über die Erträge, wer trägt die Kosten und wer entscheidet, wenn die Rechnung nicht mehr aufgeht?
Aber es gibt eine entscheidende Besonderheit!
Axpo gehört selbst zu 100 % den Nordostschweizer Kantonen und ihren Kantonswerken. Die Gewinne werden also nicht einfach an private Aktionäre ausgeschüttet.
Was wir möglicherweise beobachten, ist subtiler:
«Die Ressource ist lokal. Die Verfügungsmacht wird überregional konzentriert. Die wirtschaftlichen Risiken werden zwischen den Beteiligten verteilt.»
Und ausgerechnet vorgestern, am 8. Oktober 2026, hat Axpo ein White Paper zu den bevorstehenden Heimfällen veröffentlicht. Darin warnt sie ausdrücklich vor den finanziellen Risiken einer stärkeren Beteiligung der Gemeinden und empfiehlt unter anderem partnerschaftliche Modelle.
Für #PlanD würde ich deshalb drei Fragen untersuchen:
- Wer vermarktet den Strom zu welchen Konditionen?
- Wer finanziert Investitionen und trägt Verluste?
- Wie viel Geld ist seit 2015 tatsächlich an die Gemeinden geflossen?

Das WhitePaper der Axpo (pdf) | PPP – Public-Private Partnership. Aber mit einer interessanten Besonderheit. Axpo beschreibt das Modell im Whitepaper selbst als «Partnerwerksmodell» (S. 23).
- Die Ressource ist öffentlich: Wasserrechte der Gemeinden und des Kantons.
- Die Organisation ist privatrechtlich: Aktiengesellschaften mit langfristigen Konzessionen.
- Die Verfügungsmacht liegt bei den Aktionären und den beauftragten Betreibern.
- Kosten, Strombezugsrechte und wirtschaftliche Risiken werden gemäss Beteiligungsquoten verteilt. AXPO_Whitepaper_Wasserkraftkonzessionen_DE.pdf
Der Clou: Axpo gehört selbst vollständig der öffentlichen Hand. Es handelt sich deshalb nicht um eine klassische öffentlich-private Partnerschaft.
Meine Arbeitshypothese
Nicht unbedingt «Gewinne privatisieren, Risiken vergesellschaften», sondern:
«Öffentliches Eigentum. Privatrechtliche Organisation. Überregionale Verfügungsmacht. Lokale Ressourcen.»
Die entscheidende Frage für #PlanD wäre:
Warum sollen Gemeinden nach dem Heimfall ihre Verfügungsmacht erneut für 80 Jahre abgeben, statt eine gemeinsame, selbstbestimmte Infrastruktur aufzubauen?
Genau diese Möglichkeit müssten wir am Beispiel von COORA untersuchen.
Quelle: Axpo, Erneuerung von Wasserkraftkonzessionen, Whitepaper 2026, S. 5–15 und 23.
Oder härter gefragt:
Wie können die Gemeinden beim Heimfall nicht nur Eigentumsrechte zurückgewinnen, sondern die direkte, demokratisch kontrollierbare Verfügung über ihre lebenswichtige Infrastruktur sichern – statt sie erneut für 80 Jahre an verschachtelte Gesellschaften zu delegieren?
Was bedeutet das konkret für Autarkie, Resilienz und Eigenständigkeit der Surselva?
Wasserkraftinventar Cadi – Stand Oktober 2026
Und inzwischen haben wir sogar einen bemerkenswerten zusätzlichen Hardfact: Die sechs Konzessionsgemeinden der KVR haben 2024 eine gemeinsame Körperschaft gegründet, um den Heimfall vorzubereiten.
| Gemeinde | Kraftwerkszentrale | Betreiber / Gesellschaft | Produktion pro Jahr |
|---|---|---|---|
| Tujetsch | Sedrun | KVR / Axpo | ca. 250 GWh |
| Tujetsch | Curnera | KVR / Axpo | bis 10 GWh |
| Tujetsch | Val Giuv | Energia Alpina | 5,80 GWh |
| Tujetsch | Val Strem | Energia Alpina | 8,00 GWh |
| Tujetsch | Val Mila I | Energia Alpina | 0,54 GWh |
| Tujetsch | Val Mila II | Energia Alpina | 0,16 GWh |
| Tujetsch | Prau Cumin | Energia Alpina | 0,19 GWh |
| Sumvitg | Russein | Ovra Russein SA / Axpo | 66,80 GWh |
| Sumvitg | Cumpadials | Gemeinde Sumvitg | 0,94 GWh |
| Disentis/Mustér | Londernei | Spina da Vin | 0,80 GWh |
| Disentis/Mustér | Pardi | Spina da Vin | 0,65 GWh |
| Disentis/Mustér | Sax | Spina da Vin | 0,33 GWh |
| Medel (Lucmagn) | Keine Zentrale nachgewiesen | – | – |
Damit sind zwölf aktuell belegte Kraftwerkszentralen erfasst. Hinzu kommt das historisch dokumentierte Laufwerk Sedrun (750 kW), dessen heutigen Betriebsstatus wir noch überprüfen müssen.
Die Angaben sind mittlere oder erwartete Jahresproduktionen; bei Cumpadials handelt es sich um die tatsächliche Produktion 2024.
Stauseen, Staumauern und weitere Anlagen
| Gemeinde | Anlage | Funktion |
|---|---|---|
| Medel | Sontga Maria | Stausee, 67 Mio. m³ |
| Tujetsch | Nalps | Stausee, 44,5 Mio. m³ |
| Tujetsch | Curnera | Stausee, 40,8 Mio. m³ |
| Sumvitg / Disentis | Barcuns | Stauanlage Kraftwerk Russein |
| Sumvitg | Runcahez | Ausgleichsbecken, KVR |
Die drei grossen Speicherseen gehören zu einem zusammenhängenden Kraftwerksystem. Die zweite Hauptzentrale steht in Tavanasa, ausserhalb unserer vier Gemeinden. Sie produziert rund 550 GWh pro Jahr.
Die Konzessionen und der Heimfall
| Kraftwerksystem | Konzessionsende | Bedeutung |
|---|---|---|
| KVR Sedrun / Tavanasa | 30.09.2048 | Heimfall steht bevor |
| Russein | 80-jährige Neukonzession, 2012 genehmigt | Heimfall bereits vorzeitig geregelt |
| Curnera (neues Kleinwerk) | Offen | Separate Vertragslage prüfen |
| Übrige Kleinkraftwerke | Offen | Konzessionsregister prüfen |
Und jetzt kommt der wichtige Punkt: Laut dem Geschäftsbericht 2024 der Gemeinde Sumvitg muss jede Konzessionsgemeinde spätestens zehn Jahre vor dem Auslaufen der KVR-Konzession über deren Verlängerung oder den Heimfall entscheiden.
Das heisst: Spätestens 2038 müssen die politischen Weichen gestellt sein.
Die sechs Gemeinden Tujetsch, Medel, Disentis/Mustér, Sumvitg, Trun und Breil/Brigels haben dafür 2024 die «Corporaziun dallas vischnauncas concessiunarias dallas Ovras Electricas Reinanteriur SA» (COORA) gegründet.
Quellen
- Gemeinde Sumvitg, Geschäftsbericht 2024, S. 15–16 – Heimfall, COORA und Produktion Cumpadials.
- Energia Alpina – sämtliche Anlagen und Produktionszahlen in Tujetsch.
- Spina da Vin – drei Trinkwasserkraftwerke in Disentis.
- Bundesamt für Energie, Wasserkraftstatistik 2025 – amtliches Inventar grösserer Zentralen.
- Kantonaler Richtplan Energie, 2025, S. 80 – Konzessionsende KVR.
Noch ist dies kein abschliessendes Inventar sämtlicher Kleinstanlagen. Aber die wichtigste Unterscheidung ist bereits sichtbar: Die Standorte der Stromproduktion, die Standorte der Wasserfassungen und die Gemeinden mit Konzessionsrechten sind nicht immer identisch.
Genau deshalb müssen wir bei #PlanD die Infrastruktur und ihre Verfügungsrechte gemeinsam kartieren.
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Wer ist diese Axpo?
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Wie ich mit den Möglichkeiten von @openAI arbeite?
Links, Threads, zu verarbeitende Hinweise…
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Offene Blogeinträge, welche zu diesem Thema passen…
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Textsorte: (1) Traum, (2) Blitz, (3) Bekenntnis, (4) Memo, (5) Märchen, (6) Drama, (7) Tabu
Arbeitsform: Dokumentation, Listenbildung, Work in Progress
Anlass: (…)
TL;DR: (…)
Bildquelle: (…)
URL/Hashtag: (…)

Stefan M. Seydel, aka sms, aka sms2sms in «Zürcher Festspiel 1901″ (2019, Fotocredit: Charles Schnyder): Twitter, Wikipedia (Lemma), Youtube (aktuell), Soundcloud, Mastodon, Instagram (gesperrt), Snapchat, TikTok, Twitch, t.me/WikiDienstag (Nicht in Betrieb) | Exklusiv: speakerbooking.ch/sms2sms
About @sms2sms, aka Stefan M. Seydel/sms ;-)
Stefan M. Seydel, Jahrgang 1965, ist Unternehmer, Sozialarbeiter und Künstler. Er machte nach einer Berufslehre als Hochbauzeichner einen Bachelor in Soziale Arbeit in St. Gallen und einen Master in der gleichen Disziplin bei Silvia Staub-Bernasconi in Berlin. Seine überwiegend selbstständige Tätigkeit kreist um das Thema der Entwicklung und Realisierung von Pilot- und Impulsprojekten für renommierte Auftraggeberinnen.
Als Künstler hat er Ausstellungen und Performances auf internationaler Ebene präsentiert, darunter in der Royal Academy of Arts in London, dem Deutschen Historischen Museum in Berlin oder einer Einzelausstellung “Kunst Macht Probleme” in der Crypta Cabaret Voltaire, Birthplace of DADA in Zürich. Er wurde mit dem Migros Jubilée Award in der Kategorie Wissensvermittlung ausgezeichnet und hat diverse Ehrungen durch Webby Awards für seine Arbeit mit rocketboom.com erhalten.
Stefan war Jury-Mitglied des Next Idea Prix Ars Electronica 2010 und war drei Jahre Mitglied der Schulleitung des Gymnasiums Kloster Disentis. Sein Wissen und seine Erfahrung im Bereich der Information und Technologie haben ihm auch dabei geholfen, mit Statistik Stadt Zürich und Wikimedia Schweiz unter WikiDienstag.ch zusammenzuarbeiten.
Sein Engagement im Bereich der freiwilligen Arbeit führte ihn in das Präsidium Internationaler Bodensee Club (Leitung Fachgruppe Wissenschaft) oder für einige andere Jahre als Vice-Präsident des von Paul Watzlawick initiierten P.E.N.-Club Liechtenstein. Seydel hat unter ((( rebell.tv ))) zwei Bücher zusammen mit seiner Partnerin Tina Piazzi veröffentlicht, viele Kolumnen, Fachtexte und journalistische Texte publiziert.
Seine Arbeit auf Social Media nutzt er als Microblogging. In seinem Blog verarbeitet er seine Themen. Einige davon werden auf Anfragen zu lesbaren Texten vertieft, andere werden zu Vorträgen ausgebaut. Bei Carl Auer Verlag in Heidelberg, sammelt er “Elemente einer nächsten Kulturform”. Seine Entwicklungen im Kontext der sozialräumlichen Intervention (“Arbeit am Sozialen”) machen konkrete Vorschläge in Bezug auf die Beantwortung der Sozialen Frage.
Nach 12 Jahren Berlin und 6 Jahren Zürich zog er aber in seiner zweiten Lebenshälfte vom Bodensee der Rheinquelle entgegen nach Dissentis/Mustér und hat seine Reisetätigkeit fast ganz eingestellt. Dafür macht er umsomehr sogenannte Passadis und #Feedlogs (Orgiastik). Das sind Arbeitsmeetings an intentionalen Fragen in einem Lifestream. (so?) Text supported by #TaaS

Aus Band 2 von: Tina Piazzi & Stefan M. Seydel, Junius-Verlag Hamburg | pdf: Band 1, 2009 | Band 2, 2010

#dfdu = DIE FORM DER UNRUHE | pdf: Band 1, 2009 | Band 2, 2010 | blog: dissent.is | about: dissent.is/sms | dissent.is/muster


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