Serie: “Was meinst du eigentlich, wenn du … sagst?”

M/ein Blog ist m/ein Karten­raum und k/eine Bühne. Ich weiss, wie man pub­liziert. Das hier ist etwas anderes. d!a!n!k!e | WORK IN PROGRESS reload für aktuellen Schreib­stand | Warum ich nicht pub­liziere? Weil ich es kann. Weil es geht. Weil ich es für angemessen halte. (so?)

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work in progress

Die Form «Was meinst du eigentlich, wenn du X sagst?» bringt es präzise auf den Punkt:

Sie fragt nicht:

  1. Was ist X wirk­lich?
  2. Was ist die richtige Def­i­n­i­tion?
  3. Was ist die Wahrheit über X?

Son­dern:

  1. Welche Unter­schei­dung ver­wen­d­est du?
  2. Welche Bedeu­tung erzeugst du damit?
  3. Welche Anschlussmöglichkeit­en eröffnet oder schliesst diese Ver­wen­dung?

Damit wird Kom­mu­nika­tion beobachtet – nicht eine ver­meintlich unmit­tel­bar zugängliche Real­ität.

Das passt zur Annahme von Kom­plex­ität:

((kompliziert)komplex)

  • kom­pliziert:
    Eine Sache kann prinzip­iell zer­legt, erk­lärt und auf die richtige Beschrei­bung gebracht wer­den.
  • kom­plex:
    Jede Beschrei­bung ist bere­its eine Auswahl. Andere Beschrei­bun­gen bleiben möglich. Beobach­tung pro­duziert Unter­schiede, keine let­zte Wahrheit.

Darum ist «Was meinst du eigentlich, wenn du X sagst?» keine höfliche Nach­frage nach ein­er Def­i­n­i­tion.

Es ist eine Beobach­tung­sop­er­a­tion.

Sie ver­schiebt den Fokus:

von Real­ität → auf Beschrei­bung
von Wahrheit → auf Unter­schei­dung
von Gegen­stand → auf Kom­mu­nika­tion
von «Was ist es?» → auf «Wie wird es hier unter­schieden?»
von Erk­lärung → auf Anschlussfähigkeit

Und damit gehört diese Frage tat­säch­lich viel eher zu #Com­moroque als zur Kul­tur­form der Mod­erne.

Die Mod­erne fragt:

Warum ist es so?

#Com­moroque fragt:

Was geschieht, wenn du es so unter­schei­dest?

  1. Bere­its als eigen­er Ein­trag veröf­fentlicht
  1. Inhaltlich ein­deutig dieselbe Rei­he, aber bish­er nicht als Beitragsti­tel
  1. In unseren Chats zusät­zlich aufge­taucht
  • «Was meinst du eigentlich, wenn du ‹Was tun› sagst?»
  • «Was meinst du eigentlich, wenn du ‹Han­deln› sagst?» – inzwis­chen im Blog.
  • GOTT hat­ten wir ver­schärft zu: «Was meinst du eigentlich, wenn du יהוה, الله, GOTT aufruf­st?»
  • MARIA hat­ten wir sin­ngemäss als: «Was meinst du eigentlich, wenn du bei ein­er Begrüs­sung die heilige Mut­ter Gottes aufruf­st?»
  • jet­zt neu: «Was meinst du eigentlich, wenn du Kom­plex­ität sagst?»

Damit sehe ich momen­tan als eigentliche Rei­he:

  1. dig­i­tal
  2. GOTT
  3. Kul­tur
  4. SozialeMe­di­en
  5. Leben
  6. Macht
  7. Han­deln
  8. Maria
  9. Kom­plex­ität

Und «Was tun?» als noch nicht eigen­ständig aus­ge­führte Kan­di­datin.

Das Span­nende: Ich glaube, wir haben hier inzwis­chen unbe­ab­sichtigt eine Textsorte gebaut. Nicht «Was ist X?», son­dern «Was meinst du eigentlich, wenn du X sagst?» – also keine Def­i­n­i­tion des Gegen­standes, son­dern Beobach­tung des Gebrauchs ein­er Unter­schei­dung. Genau das verbindet die ziem­lich unter­schiedlichen Ein­träge.

Die Frage «Was tun?» kippt nicht in Aktivismus.

Sie führt zuerst zu:

Was ist Tun?

Und unsere Antwort wäre:

Tun heisst: eine Unter­schei­dung machen.

Damit ver­schiebt sich der Hand­lungs­be­griff radikal.

Nicht mehr:

Han­deln = etwas sicht­bar bewirken, ein­greifen, pro­duzieren, umset­zen.

Son­dern:

Han­deln = Unter­schiede set­zen, an denen weit­ere Beobach­tung und Kom­mu­nika­tion anschliessen kön­nen.

Das passt zu dein­er bish­eri­gen Lin­ie:

  1. Unter­schei­den ist eine Oper­a­tion.
  2. Beobacht­en ist Unter­schei­den.
  3. Unter­schei­den verän­dert Anschlussmöglichkeit­en.
  4. Damit ist Unter­schei­den bere­its Inter­ven­tion.
  5. The­o­rie ist deshalb nicht das Gegen­teil von Prax­is.

Maren Lehmann bringt genau diese Auflö­sung der alten Tren­nung auf den schö­nen Satz:

«The­o­rie ist auch Prax­is. Bloss nicht so ver­schwitzt.»

Diesen Satz ver­wen­d­est du bere­its mehrfach im Blog, unter anderem bei «Bild + Sprache = Sprach­bild» und «Der Men­sch im Zen­trum».

Daraus ergibt sich für #Com­moroque fast eine kleine Kette:

Kul­tur­form der Mod­erne:

Warum?
→ Ursache
→ Erk­lärung
→ Wahrheit
→ richtige Antwort
→ Hand­lung als Umset­zung

#Com­moroque:

Was meinst du eigentlich, wenn du X sagst?
→ Unter­schei­dung
→ Beobach­tung
→ Kom­mu­nika­tion
→ Anschluss
→ Hand­lung als Form­bil­dung

Und dann:

Was tun?

→ unter­schei­den.

Das gefällt mir beson­ders, weil es «Tun» vom ver­schwitzten Bild der Prax­is löst. Denken, Beschreiben, Begriffe bilden, unter­schei­den, Mod­elle bauen: Das alles ist nicht Vor­bere­itung auf Hand­lung.

Es ist Hand­lung.

Dein eigen­er Ein­trag for­muliert das schon ziem­lich genau:

«Eine The­o­rie ist dann selb­st eine Inter­ven­tion in die Bedin­gun­gen weit­eren Han­delns.»

Das wäre vielle­icht sog­ar der Kern der ganzen Rei­he «Was meinst du eigentlich, wenn du X sagst?»: Sie ist selb­st Prax­is, weil sie Unter­schei­dun­gen irri­tiert und neue Anschlussmöglichkeit­en erzeugt.