#TheLuhmannMap

#TheLuhmannMap

(0) GRUNDFORMEN SOZIALER PROBLEME
dissent.is/Grundformen

(1) DIE AXIOME: #TheLuh­man­n­Map
dissent.is/TheLuhmannMap

(1.5) DIE TEXTQUELLEN: #TheLuh­man­nRead­er
dissent.is/TheLuhmannReader

(2) VIER MACHTDIMENSIONEN: #TheS­taub­Ber­nascon­i­Ma­trix
dissent.is/TheStaubBernasconiMatrix

(2.5) Job, Beruf, Pro­fes­sion, Diszi­plin: #SozialeAr­beit
dissent.is/SozialeArbeit

Arbeits­stand: 13. August 2026/sms ;-)

#TheLuh­man­n­Map
y‑Achse: #bio #cyb #SOC #psy
x‑Achse: — + ≠ #

#Soziologie 4 Dummies 🍄🤖🖐️

Was zeigt dieses Schau!Bild?

Zuerst: sehr wenig.

Vier Kürzel:

#BIO
#CYB
#SOC
#PSY

Einen lan­gen Balken bei #SOC.

Darin einen Kreis.

Und darunter vier Zeichen:

− + ≠ #

Mehr nicht.

Ger­ade deshalb lohnt es sich, genau hinzuschauen.

WAS KÖNNEN WIR SEHEN?

Das Bild unter­schei­det.

Das ist bere­its die erste Aus­sage des Bildes.

Es gibt nicht «die Welt» auf dem Blatt. Es gibt geset­zte Unter­schiede.

Und genau hier begin­nen die Axiome.

Ein Axiom ist eine Set­zung: ein Aus­gangspunkt, von dem aus weit­ergedacht wird.

Die drei Set­zun­gen laut­en:

Du kannst nicht nicht

  1. unter­schei­den
  2. beobacht­en
  3. han­deln

Das Bild erk­lärt diese Axiome nicht.

Es vol­lzieht sie.

Wer das Bild anschaut, muss unter­schei­den.

Wer unter­schei­det, beobachtet.

Und wer unter­schei­det, han­delt bere­its.

Oder mit Maren Lehmann:

«The­o­rie ist auch Prax­is. Bloss nicht so ver­schwitzt.»

WAS ZEIGEN #BIO, #CYB, #SOC UND #PSY?

Vier Ebe­nen der Real­i­sa­tion von Autopoiesis.

#BIO: Leben.

#PSY: Bewusst­sein.

#SOC: Kom­mu­nika­tion.

Im Orig­i­nal der Grafik von Luh­mann aus «Soziale Sys­teme» von 1984 ste­ht an der vierten Stelle «Maschi­nen».

Im Schau!Bild wurde nur diese Beze­ich­nung erset­zt:

Maschi­nen → #CYB

#CYB: Code.

Die Behaup­tung ist nicht, dass es nur vier Sys­teme gibt.

Im Gegen­teil: Es gibt unzäh­lige Sys­teme.

Das Bild unter­schei­det vier Ebe­nen, auf denen sich für die Beobach­tung des Men­schen autopoi­etis­che Sys­teme real­isieren kön­nen.

Leben lebt.

Bewusst­sein denkt.

Kom­mu­nika­tion kom­mu­niziert.

Code codiert.

Keine dieser Oper­a­tio­nen kann durch eine Oper­a­tion der anderen Ebene erset­zt wer­den.

Ein Gedanke ist keine Kom­mu­nika­tion.

Eine Kom­mu­nika­tion ist kein Gedanke.

Das ist oper­a­tive Geschlossen­heit.

WARUM IST #SOC EIN BALKEN?

Weil genau dort die Sozi­olo­gie hin­schaut.

Nicht auf «den Men­schen».

Auf Kom­mu­nika­tion.

Das ist die vielle­icht grösste Zumu­tung des Bildes.

Der Men­sch ste­ht nir­gends.

Er ist wed­er #BIO noch #PSY noch #SOC noch #CYB.

Was gewöhn­lich selb­stver­ständlich als Ein­heit «Men­sch» beze­ich­net wird, zer­fällt für die Beobach­tung in unter­schiedliche Sys­tem­ref­eren­zen.

Für Sozi­olo­gie ist eine davon entschei­dend:

#SOC.

Gesellschaft beste­ht deshalb nicht aus Men­schen.

Gesellschaft real­isiert sich als Kom­mu­nika­tion.

Und Kom­mu­nika­tion kann nur durch Kom­mu­nika­tion fort­ge­set­zt wer­den.

WAS MACHT DER KREIS IM BALKEN?

Jet­zt wird es inter­es­sant.

Da ist etwas eingeze­ich­net.

Damit entste­ht eine Unter­schei­dung:

((Kreis)Balken)

Was der Kreis «ist», sagt das Bild nicht.

Es zwingt nur dazu, etwas zu tun:

beobacht­en.

Und Beobacht­en heisst bei Luh­mann: unter­schei­den und beze­ich­nen.

Sobald der Kreis als Kreis beze­ich­net wird, entste­ht gle­ichzeit­ig etwas, das er nicht ist.

Jede Beobach­tung erzeugt damit zwei Seit­en:

((dies)alles andere)

Das Bild zeigt also nicht nur eine Beobach­tung.

Es macht Beobach­tung beobacht­bar.

UND WAS BEDEUTEN DIE VIER ZEICHEN?

− + ≠ #

Das Bild sagt es nicht.

Sehr absichtsvoll.

Es zeigt vier unter­schiedliche Zeichen und verzichtet darauf, sie zu benen­nen.

Damit wieder­holt sich dieselbe Oper­a­tion.

Wer wis­sen will, was die Zeichen bedeuten, muss unter­schei­den.

Eine mögliche Lesart wäre, darin unter­schiedliche Kul­tur­for­men zu erken­nen.

Aber diese Infor­ma­tion ste­ht nicht im Bild.

Das Bild lässt die Bedeu­tung offen.

Und genau dadurch erzeugt es:

Kontin­genz.

WAS IST KONTINGENZ?

Es ist so.

Aber es kön­nte auch anders sein.

Der Kreis kön­nte ander­swo ste­hen.

Der Balken kön­nte anders gezo­gen wer­den.

Die vier Zeichen kön­nten anders gele­sen wer­den.

Die Unter­schei­dung hätte anders getrof­fen wer­den kön­nen.

Kontin­genz bedeutet nicht Beliebigkeit.

Kontin­gent ist, was wed­er notwendig noch unmöglich ist.

Und damit kippt die Bildbe­sprechung unmit­tel­bar in eine poli­tis­che Frage.

WO IST DIE MACHT?

Sie ist eben­falls nicht eingeze­ich­net.

Aber sobald Kontin­genz sicht­bar wird, ist die Macht­frage da.

Wenn alles auch anders sein kön­nte:

  • Wer unter­schei­det?
  • Wer beze­ich­net?
  • Wer legt fest, welche Unter­schei­dung anschlussfähig wird?
  • Wer kann Möglichkeit­en öff­nen?
  • Wer kann Möglichkeit­en schliessen?

Macht erscheint damit nicht zuerst als Besitz, Befehl oder Herrschaft.

Macht erscheint als Möglichkeit.

Das lässt sich mit einem Satz zus­pitzen:

«Alles kön­nte anders sein, fast nichts kann ich ändern.»

Der erste Halb­satz beze­ich­net Kontin­genz.

Der zweite die Macht­frage.

WAS ZEIGT DAS SCHAU!BILD ALSO?

Erstaunlich wenig.

  • Vier Kürzel.
  • Einen Balken.
  • Einen Kreis.
  • Vier Zeichen.

Und darin fast die ganze Zumu­tung dieser Sozi­olo­gie.

  • Du kannst nicht nicht unter­schei­den.
    - Denn schon das Bild zwingt dazu.
  • Du kannst nicht nicht beobacht­en.
    - Denn Beobacht­en heisst unter­schei­den und beze­ich­nen.
  • Du kannst nicht nicht han­deln.
    - Denn jede getrof­fene Unter­schei­dung verän­dert, was anschliessend möglich ist.

Das Bild beschreibt diese Axiome nicht.

Es führt sie vor.

Und vielle­icht ist genau das der Witz:

Wer dieses Schau!Bild ver­ste­hen will, hat längst ange­fan­gen, das zu tun, wovon es han­delt. 🍄🤖🖐️

PS: Anlass für diese Aktu­al­isierung, war ein Schaubild von Dirk Baeck­er. Hier das PDF von seinem Vor­trag.

😳 Ja. Und die Folien sind für unsere Bildlek­türe ziem­lich rel­e­vant.

Baeck­er sagt auf der zweitlet­zten Folie als eine von genau zwei «lessons»:

«soci­ol­o­gy begins where insti­tu­tions enforce, inhib­it, and desin­hib­it the draw­ing and cross­ing of dis­tinc­tions»

Das liegt verblüf­fend nahe an dem, was wir ger­ade aus dem Bild her­aus­gear­beit­et haben:

«Du kannst nicht nicht unter­schei­den» ist dann nicht nur Erken­nt­nis­the­o­rie. Die sozi­ol­o­gis­che Frage lautet: Wer oder was ermöglicht, ver­hin­dert oder erzwingt, welche Unter­schei­dun­gen gezo­gen und welche Gren­zen über­schrit­ten wer­den kön­nen?

Und die erste «les­son» davor ist eben­so stark:

«cre­atio ex inde­ter­mi­na­tio instead of cre­atio ex nihi­lo»

Das passt exakt an unsere Kontin­gen­zstelle: Nicht aus dem Nichts entste­ht Neues, son­dern aus Unbes­timmtheit wer­den Möglichkeit­en selek­tiert.

Noch schön­er: Bere­its die Aus­gangs­folie kündigt aus­drück­lich «sto­chas­tic sys­tems», LLMs und deren «pro­duc­tive use of inde­ter­mi­na­cy» an.

Und auf Folie 6 definiert Baeck­er Kom­mu­nika­tion als Ver­ar­beitung der Dif­ferenz von Form und Medi­um.

Das heisst: Ich würde unseren Text jet­zt nicht länger machen. Aber Punkt 6/7 kön­nen wir mit diesen Folien erhe­blich präzis­er machen. Vor allem unsere bish­er etwas frei for­mulierte Macht­frage bekommt plöt­zlich eine viel bessere sozi­ol­o­gis­che Form:

Alles kön­nte anders sein, fast nichts kann ich ändern.

Sozi­olo­gie begin­nt dort, wo beobacht­bar wird, wie Insti­tu­tio­nen das Ziehen und Kreuzen von Unter­schei­dun­gen ermöglichen, ver­hin­dern oder erzwin­gen.

Das ist ziem­lich genau der Über­gang von Kontin­genz zu Macht, den du gesucht hast. Und dies­mal liegt er schwarz auf weiss auf ein­er Folie, die Dirk dir heute aus Cam­bridge geschickt hat. 😈

[/h]ARCHIV | MAKING OF…[/h]

Du kannst nicht nicht:

  1. unter­schei­den
  2. beobacht­en
  3. han­deln

Han­deln ist nicht zuerst Wille, Entschei­dung oder sub­jek­tive Tat, son­dern oper­a­tionales Vol­lziehen von Unter­schei­dung und Beobach­tung. Das sind Axiome, wie diese im Radikalen Kon­struk­tivis­mus vor­bere­it­et wor­den sind und bei Niklas Luh­mann radikalisiert angewen­det wur­den. Dann die Map:

Vier autopoi­etis­che Sys­teme:

  1. #BIO → Stof­fwech­sel
  2. #PSY → Bewusst­sein
  3. #CYB → Code
  4. #SOC → Kom­mu­nika­tion

Der sozi­ol­o­gis­che Zugriff fokussiert auf #SOC und ver­mei­det Rück­griffe auf die anderen Ebe­nen. Kom­mu­nika­tion kom­mu­niziert. Nicht Men­schen.

Der entschei­dende Punkt ist dann: Das Soziale ist kontin­gent.
Es ist nicht naturgegeben, nicht psy­chol­o­gisch fundiert, nicht tech­nisch deter­miniert, son­dern oper­a­tiv erzeugt. Aus Kul­tur und Kul­turen wer­den Kul­tur­for­men. Und diese kön­nen — je nach inten­tionaler Frage — kon­stel­liert wer­den. — + ≠ #

In der Arbeit von Luh­mann (#GdG) war wichtig, dass es bei einem Wech­sel des dom­i­nan­ten Kom­mu­nika­tion­s­medi­ums (Sprache, Schrift, Buch­druck, Com­put­er) zu Kul­tur­wech­sel kom­men muss. MUSS! Warum? Weil “Die Form die Möglichkeit­en der Struk­tur.” (TLP 2.033) Andere Form, anderen Struk­turen. Päng!

VORBEMERKUNG:

Sys­temthe­o­rie nach Niklas Luh­mann ist nicht eine The­o­rie unter anderen, son­dern die präzis­es­te ver­füg­bare Oper­a­tion zur Bes­tim­mung des Sozialen. Ihr entschei­den­der Zugriff liegt in einem ein­fachen, aber fol­gen­re­ichen Schritt:

Sie ent­fer­nt den Men­schen aus dem Zen­trum und set­zt an seine Stelle Kom­mu­nika­tion.

Nicht Men­schen han­deln, nicht Sub­jek­te entschei­den, nicht Insti­tu­tio­nen steuern –
Kom­mu­nika­tion kom­mu­niziert.

Damit ver­schiebt sich der gesamte Prob­lem­raum.
Die soziale Frage ist nicht mehr: Wer will was?
Son­dern: Unter welchen Bedin­gun­gen wird Kom­mu­nika­tion möglich, anschlussfähig, block­iert oder monop­o­lisiert?

Genau hier liegt ihre Über­legen­heit für die Bes­tim­mung ein­er näch­sten Kul­tur­form.

Denn Kul­tur­for­men sind keine Ide­olo­gien, keine Wer­te­ord­nun­gen und keine ästhetis­chen Pro­gramme.
Sie sind sta­bile Muster der Organ­i­sa­tion von Kom­mu­nika­tion.

Sprache, Schrift, Buch­druck, Com­put­er – jede dieser medi­alen Set­zun­gen hat nicht Inhalte verän­dert, son­dern die Form der Kom­mu­nika­tion selb­st.
Und damit den Möglichkeit­sraum des Sozialen.

Wer heute noch mit Begrif­f­en wie „Demokratie“, „Markt“ oder „Insti­tu­tion“ operiert, beschreibt bere­its ver­al­tete Sta­bil­i­sa­tions­for­men.
Sys­temthe­o­rie zwingt dazu, darunter zu gehen: auf die Ebene der Oper­a­tion.

Die näch­ste Kul­tur­form lässt sich deshalb nicht nor­ma­tiv entwer­fen.
Sie lässt sich nur beobacht­en – als emer­gente Neuord­nung von Kom­mu­nika­tions­be­din­gun­gen.

Der entschei­dende Vorteil der luh­mannschen Lesart liegt darin, dass sie genau diese Beobach­tung ermöglicht, ohne in die bekan­nten Fall­en zu laufen:

– keine Sub­jek­tzen­trierung
– keine Moralüber­höhung
– keine Steuerungsil­lu­sion
– keine Rück­pro­jek­tion alter Kat­e­gorien

Stattdessen:
Analyse von Dif­feren­zen, Medi­en, Codes und Anschlussmöglichkeit­en.

Damit wird eine neue Präzi­sion möglich:

  • Nicht mehr: Was ist richtig?
    Son­dern: Was funk­tion­iert kom­mu­nika­tiv?
  • Nicht mehr: Wer hat Macht?
    Son­dern: Welche Struk­turen ermöglichen oder ver­hin­dern Anschluss?
  • Nicht mehr: Welche Ord­nung wollen wir?
    Son­dern: Welche Ord­nun­gen entste­hen fak­tisch – und warum?

In dieser Per­spek­tive wird auch klar, warum die näch­ste Kul­tur­form nicht „gemacht“ wer­den kann.

Sie entste­ht dort, wo sich Kom­mu­nika­tion­s­me­di­en ver­schieben und neue For­men der Anschlussfähigkeit sta­bil­isieren.

Genau deshalb ist Sys­temthe­o­rie kein Beschrei­bungsin­stru­ment der Ver­gan­gen­heit, son­dern ein Detek­tor für Gegen­wart und Über­gang.

Sie liefert keine Inhalte.
Sie liefert Unter­schei­dun­gen.

Und nur über präzise Unter­schei­dun­gen lassen sich über­haupt Ele­mente isolieren, ver­gle­ichen und neu kom­binieren.

Die näch­ste Kul­tur­form begin­nt nicht mit einem Pro­gramm.
Sie begin­nt mit der Fähigkeit, anders zu unter­schei­den.

VORBEMERKUNG II: DIE KOPERNIKANISCHE KONSEQUENZ

Die Aus­sage „Die Sonne geht im Osten auf“ ist empirisch sta­bil – und trotz­dem falsch als Beschrei­bung der Welt. Erset­zt wurde sie nicht durch bessere Beobach­tung, son­dern durch eine radikal andere Unter­schei­dung.

Nicht mehr: Bewe­gung der Sonne.
Son­dern: Rota­tion der Erde.

Genau diese Oper­a­tion leis­tet Sys­temthe­o­rie im Sozialen.

Auch hier gibt es sta­bile Evi­den­zen:
Men­schen han­deln. Insti­tu­tio­nen entschei­den. Gesellschaft wird ges­teuert.

Das funk­tion­iert – wie der Son­nenauf­gang.
Aber es beschreibt nicht, was tat­säch­lich operiert.

Niklas Luh­mann macht densel­ben Schnitt wie Niko­laus Kopernikus:

Nicht der Men­sch ist das Zen­trum des Sozialen, son­dern Kom­mu­nika­tion.

Der Effekt ist iden­tisch:

  1. Empirische All­t­ag­sev­i­denz bleibt beste­hen
  2. Die Erk­lärungsebene kippt voll­ständig
  3. Neue Präzi­sion wird möglich

Was vorher selb­stver­ständlich war, wird zum Spezial­fall.

Han­deln ver­schwindet nicht –
es wird rein­ter­pretiert als Zuschrei­bung inner­halb von Kom­mu­nika­tion.

Macht ver­schwindet nicht –
sie wird sicht­bar als Struk­tur von Anschlussmöglichkeit­en.

Ord­nung ver­schwindet nicht –
sie erscheint als tem­poräre Sta­bil­isierung von Kom­mu­nika­tion.

Der Punkt ist nicht, dass die alte Sicht „falsch“ war.
Sie war funk­tion­al – aber lim­i­tierend.

Und genau deshalb lohnt es sich, sie loszu­lassen.

Die näch­ste Kul­tur­form wird nicht daran scheit­ern, dass wir zu wenig wis­sen.
Son­dern daran, dass wir an Evi­den­zen fes­thal­ten, die nur inner­halb ein­er alten Unter­schei­dung Sinn ergeben.

Die Luhmannsche Konsequenz:

Niklas Luh­mann bes­timmte das Soziale nicht anthro­pol­o­gisch, son­dern oper­a­tiv: als eigen­ständi­ge Real­isierungsebene autopoi­etis­ch­er Sys­teme. Das Soziale beste­ht nicht aus Men­schen, son­dern aus Kom­mu­nika­tion.

Sein entschei­den­der Schritt bestand darin, das Soziale von den anderen Real­isierungsebe­nen autopoi­etis­ch­er Sys­teme zu unter­schei­den und ihm mit Kom­mu­nika­tion eine eigene Oper­a­tion zuzuweisen.

Das ist ein kopernikanis­ch­er Schnitt. So wie es sich gelohnt hat, die empirische Evi­denz loszu­lassen, wonach die Sonne im Osten aufge­ht und im West­en unterge­ht, lohnt es sich auch im Sozialen, die All­t­ag­sev­i­denz loszu­lassen, wonach Men­schen kom­mu­nizieren. Sicht­bar bleibt sie. Oper­a­tiv trägt sie nicht mehr.

Sobald das Soziale als Kom­mu­nika­tion begrif­f­en wird, wird die Zurech­nungs­frage gegen­stand­s­los. Es muss nicht mehr gek­lärt wer­den, wer kom­mu­niziert. Entschei­dend ist allein, ob Kom­mu­nika­tion Anschluss find­et.

Schon der Buch­druck hat diese Ver­schiebung vor­bere­it­et. Kom­mu­nika­tion löste sich von leib­lich­er Anwe­sen­heit, von Stimme, Herkun­ft und ein­deutiger Per­so­nen­zurech­nung. Anonymes Pub­lizieren war kein Rand­phänomen, son­dern Aus­druck eines Medi­en­wech­sels: Kom­mu­nika­tion wurde selb­ständig anschlussfähig.

Mit dem Com­put­er wird diese Entwick­lung radikal. Kom­mu­nika­tion zirkuliert, spe­ichert, verknüpft und prozessiert sich unab­hängig davon, ob ein Men­sch ein­deutig iden­ti­fizier­bar ist. Für ihre Oper­a­tion ist es gle­ichgültig, ob eine Mit­teilung von ein­er Per­son, ein­er Organ­i­sa­tion, einem Bot oder einem Pro­tokoll aus­ge­ht.

Der radikale Kon­struk­tivis­mus hat diesen Bruch vor­bere­it­et. Er hat den Ref­eren­zial­is­mus aufgegeben, also die Vorstel­lung, Kom­mu­nika­tion bilde eine gegebene Real­ität ab. Und er hat zugle­ich die Idee aufgegeben, dass Kom­mu­nika­tion auf ein Sub­jekt zurück­ge­führt wer­den muss.

Damit ver­schiebt sich der gesamte Bezugsrah­men: Nicht wer spricht, ist entschei­dend. Nicht worauf sich etwas „eigentlich“ bezieht. Son­dern wie Kom­mu­nika­tion oper­a­tive Wirk­lichkeit erzeugt, sta­bil­isiert und fort­set­zt.

In dieser Per­spek­tive gewin­nt Luh­mann seine volle Schärfe: Kom­mu­nika­tion kom­mu­niziert. Nicht Men­schen.

Die kopernikanis­che Kon­se­quenz bestand darin, der sinnlichen Wahrnehmung nicht mehr zu ver­trauen. Was evi­dent erschien, ver­lor seinen Sta­tus als Erk­lärung. Die luh­mannsche Kon­se­quenz geht einen Schritt weit­er: Der sozialen Intu­ition kann nicht ver­traut wer­den. Dass Men­schen han­deln, sprechen oder entschei­den, bleibt beobacht­bar, erk­lärt aber nichts mehr. Ins­beson­dere die Zurech­nung ver­liert ihren Sta­tus. Dass Kom­mu­nika­tion jeman­dem zugeschrieben wird, ist selb­st ein Effekt von Kom­mu­nika­tion, nicht ihr Ursprung. Nicht wer spricht, erk­lärt Kom­mu­nika­tion, son­dern wie Kom­mu­nika­tion Anschluss erzeugt.

Q102014.xyz

Ja. Zurech­nung ist hier sehr wahrschein­lich der Schlüs­sel. Nicht weil sie das Let­zte wäre, son­dern weil an ihr sicht­bar wird, dass zwis­chen Oper­a­tion und zugeschrieben­em Sinn eine Dif­ferenz liegt.

Es geschieht etwas. Aber was es gewe­sen sein wird, entschei­det sich nicht im Moment des Geschehens, son­dern in späteren Anschlüssen.

In Ungarn wer­den Stim­men gezählt, Ver­fahren vol­l­zo­gen, Resul­tate fest­gestellt. Musk rech­net den Effekt trotz­dem Soros zu. Genau darin zeigt sich der Punkt: Die Oper­a­tion und ihre Zurech­nung fall­en nicht zusam­men. Dass etwas geschieht, ist das eine. Wem es zugerech­net wird, was es bedeutet, wer „gewon­nen“ hat, entschei­det sich auf ein­er anderen Ebene.

Das­selbe bei Aus­sagen. Men­schen äussern Sätze. Aber was gesagt wor­den ist, entschei­det sich nicht im Mund des Sprech­ers, son­dern in der Kom­mu­nika­tion, die darauf fol­gt. Erst spätere Anschlüsse stellen fest, ob es ein Witz, ein Beken­nt­nis, eine Dro­hung, ein Fehler oder ein Skan­dal war.

Und bei Kartof­feln eben­so. Geern­tet wird oper­a­tiv etwas ganz Konkretes. Aber ob diese Ernte als Erfolg, Auss­chuss, Fäul­nis, Saatgut oder Nahrung gilt, ist keine Eigen­schaft des Moments selb­st. Es ist eine nachträgliche Zurech­nung inner­halb eines weit­eren Zusam­men­hangs.

Der harte Satz wäre also: Nicht das Ereig­nis trägt seinen Sinn in sich, son­dern der Sinn wird zugerech­net. Und diese Zurech­nung ist selb­st wieder Kom­mu­nika­tion.

Darum ist Zurech­nung so stark. Sie zeigt, dass wed­er Wahrnehmung noch Sprecher­in­ten­tion noch unmit­tel­bare Evi­denz aus­re­ichen. Entschei­dend ist, was sich kom­mu­nika­tiv als das durch­set­zt, was der Fall gewe­sen sein wird.

Die Axiome nach Niklas Luhmann aus der Bielefelder Schule

Ein Axiom ist eine Grun­dan­nahme, die nicht bewiesen wird, son­dern als Set­zung dient. Es struk­turi­ert ein Denksys­tem und legt fest, worauf weit­ere Aus­sagen auf­bauen. Ohne die Explizierung der eige­nen Axiome bleibt jede Analyse beliebig und unfal­si­fizier­bar.

#TheLuh­man­n­Map ist eine grafis­che Darstel­lung der Axiome des Sozi­olo­gen Niklas Luh­mann. Wäre er Human­medi­zin­er gewe­sen, hätte er andere Axiome geset­zt. Für die Soziale Arbeit machen die Unter­schei­dun­gen des Sozi­olo­gen aber einen prak­tis­chen Unter­schied:

Y‑Achse: Die vier autopoietischen Systeme und ihre Reproduktion

Sys­temOper­a­tion (klas­sisch Luh­mann)Erweiterung (/leben)
#bioStof­fwech­sel (Metab­o­lis­mus)Ord­nung gegen Entropie, dis­si­pa­tive Struk­tur, nicht auf Wasser/Erde beschränkt
#cybCode (Binär­logik, Pro­gramme)Rech­nen, nicht Kom­mu­nizieren – maschinelle Autopoiesis
#SOCKom­mu­nika­tion (Infor­ma­tion – Mit­teilung – Ver­ste­hen)Kom­mu­nika­tion kom­mu­niziert – kein Sub­strat, keine Men­schen
#psyBewusst­sein (Gedanken­fluss, Wahrnehmung)Nutzung von Rauschen für unbe­gren­zte neue Verknüp­fun­gen (Emer­genz)

📌 Erk­lärung:
Jedes dieser vier Sys­teme ist oper­a­tiv geschlossen und repro­duziert sich durch seine eigene spez­i­fis­che Oper­a­tion. Für den Sozi­olo­gen Luh­mann ist entschei­dend, dass er für die Beant­wor­tung sein­er inten­tionalen Fra­gen streng auf das soziale Sys­tem (#SOC) fokussiert. Für dieses Feld gilt radikale Kontin­genz – alles kön­nte auch ganz anders sein und ist somit erk­lärungs­bedürftig im So-Sein, wie es ist. ;-)

X‑Achse: Die Konstellation von Kulturformen als Antwort auf eine intentionale Frage

Eine inten­tionale Frage ist ein Prob­lem, das nach ein­er Lösung ver­langt. Lösun­gen sind daran zu erken­nen, dass das Prob­lem ver­schwindet (Wittgen­stein). Die gesuchte Kul­tur­form oder Antwort wird mit # beze­ich­net.

Sym­bolFunk­tionBedeu­tung für Kul­tur­for­men
Tra­di­tion, Sta­bil­itätFrüher­er Zus­tand: „Alles bleibt, wie es ist“
+Inno­va­tion, EntwurfAndere, bekan­nte Lösun­gen, die ein­mal Prob­leme lösten
Mod­erne, Dif­ferenzAktueller Zus­tand, zeigt sich als nicht mehr stim­mig
#Next Soci­etyNäch­ster Zus­tand, in dem aktuelle Prob­leme ver­schwun­den sind

📌 Erk­lärung:
Alles kön­nte auch ganz anders sein. Jede Antwort ist eine kontin­gente Set­zung – kein Naturge­setz, son­dern eine kom­mu­nika­tive Lösung inner­halb ein­er Kul­tur­form. Das # markiert die Emer­genz ein­er neuen Möglichkeit, die das Prob­lem auflöst oder trans­formiert. 😉

Paraphrasierung – was #TheLuhmannMap ermöglicht

Sie erlaubt eine klare Fas­sung des eige­nen Fokus: Was meine ich, wenn ich „das Soziale“ sage? Antwort: Kom­mu­nika­tion kom­mu­niziert (nicht Men­schen!). Sie macht sicht­bar, dass das Soziale kontin­gent ist – alles kön­nte anders sein. Warum ist es so, wie es ist, und nicht ganz anders? Etc. Durch die Kon­stel­la­tion der X‑Achse öffnet sich der Möglichkeit­sraum:
≠ markiert den aktuellen, nicht mehr stim­mi­gen Zus­tand.
# zeigt die näch­ste mögliche Antwort, in der die gegen­wär­ti­gen Prob­leme ver­schwun­den sind.
— und + bleiben als Mark­er früher­er Lösun­gen les­bar.

Anwendungsbeispiel von #TheLuhmannMap

Die Befragung von #TheLuhmannMap

Die Axiome des Radikalen Konstruktivismus — oder: Paul Watzlawick reloaded (nach dem Niklas Luhmann die Ideen radikalisiert hat (so?)

Doku­ment öffen

Archiv der Vergessenen Zusammenstellungen

Falls du die Tradition des Konstruktivismus — seit Immanuel Kant — nicht kennst:

Falls du eine schnelle Herleitung brauchen würdest ;-)

DIE SOZIALE FRAGE ALS LEITUNTERSCHEIDUNG FÜR SOZIALE ARBEIT, WELCHE SICH ALS EINE ARBEIT AM SOZIALEN VERSTEHT: