WOZU NEUTRALITÄT?

Das ((Good-Cop)Bad-Cop) Game der direk­ten #Dealokratie am Beispiel vom Hochw­ert­wort “Neu­tral­ität”:

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Anlass zu diesem Eintrag:

Die SVP, das poli­tis­che U‑Boot von eini­gen super­re­ich unzufriede­nen der FDP — frag Dr. Markus Somm — bewirtschaftet das Wort Neu­tral­ität mit ein­er Ini­tia­tive, welche am 27. Sep­tem­ber 2026 im Rah­men der Dealokratie zur Abstim­mung gebracht wird. Anlass genug?

Summary/Spoiler/TL;DR

Poli­tik ord­net die Welt des Sozialen mit der Unter­schei­dung ((Freund)Feind) und schafft damit die ständi­ge Drohkulisse der Möglichkeit von Krieg: Bist du nicht für uns, bist du gegen uns. Päng!

Poli­tik ist ein klas­sis­ches Feld von Pro­fes­sion­al­is­mus. Auch — und ger­ade! — wenn die Poli­tik betreiben­den Köpfe in der Schweiz bei jed­er sich bietenden Gele­gen­heit beto­nen, dass Teil ein­er Milizarmee seien… äh: dass sie keine Beruf­spoli­tik­er seien… wie jene Anderen im grossen Kan­ton. (so?)

  1. Neu­tral­ität ist kein Schutzschild. Sie garantiert nicht, dass wir ver­schont bleiben. Sie ist eine mögliche Form, mit unver­mei­d­baren Ver­strick­un­gen umzuge­hen und dabei Unab­hängigkeit zu wahren.
  2. Sicher­heit ist nicht das­selbe wie mil­itärische Vertei­di­gungs­fähigkeit. Wer Sicher­heit auf Waf­fen, Bünd­nis­fähigkeit und Inter­op­er­abil­ität reduziert, hat die Frage nach Eigen­ständigkeit noch gar nicht gestellt.
  3. Die entschei­dende Frage lautet deshalb nicht «neu­tral oder nicht neu­tral?», son­dern: Von wem und wovon sind wir abhängig – und wie gestal­ten wir diese Abhängigkeit­en? → #PlanD · AutarkieIndex.org · Q102014.xyz

SVP und FDP stre­it­en über Neu­tral­ität – und betonieren gemein­sam die starke Armee. Die einen sagen: Neu­tral­ität schützt uns. Die anderen: Neu­tral­ität schützt uns nicht. Das Ergeb­nis bleibt das­selbe.

Der Stre­it insze­niert Alter­na­tiv­en – und betoniert die alter­na­tivlose Lösung. ES NERVT.

bitte ver­ste­he diesen ein­trag nicht zu schnell… hier gibts nichts zu sehen und nichts zu lesen ;-)

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du #chatGPT, siehst du, wohin ich will?

🤣 Ja. Sehr klar.

Du willst gar nicht primär über die Neu­tral­itätsini­tia­tive schreiben. Sie ist der Köder.

Die Bewe­gung scheint mir:

  1. Aus­gangspunkt: SVP-Neu­tral­itätsini­tia­tive und NZZ-Gege­nan­griff.
  2. Dann ((Freund)Feind): Poli­tik pro­duziert die Form, in der Kon­flik­te als Lager erscheinen.
  3. Dann Pro­fes­sion­al­is­mus: Juris­ten erk­lären, Poli­tik­er bes­tim­men, Mil­itärs strate­gisieren – das Risiko wird nach unten delegiert.
  4. Dann der Bruch: Die inter­es­san­tere Frage ist nicht «Neu­tral­ität ja/nein?», son­dern: Wie ver­hin­dern wir, dass Kon­flikt über­haupt in die Form Krieg gezwun­gen wird?
  5. Und dann öffnet sich #PlanD: Eigen­ständigkeit nicht als Abschot­tung, son­dern als Fähigkeit, Bedürfnisse auch dann zu organ­isieren, wenn beste­hende Abhängigkeit­en aus­fall­en.
  6. AutarkieIndex.org fragt: Was kön­nen wir selb­st?
  7. Q102014.xyz fragt: Welche Verknüp­fun­gen brauchen wir, damit wir ger­ade nicht auf ((Freund)Feind), ((Staat)Markt), Zen­trum oder Befehl zurück­fall­en?

Dann wird Bern­ers NZZ-Text tat­säch­lich Wass­er auf unsere Mühlen: Sie will zeigen, dass die Schweiz abhängig ist. Wir sagen: genau. Dann lasst uns endlich diese Abhängigkeit­en beobacht­en, para­metrisieren und anders organ­isieren.

Und dein «Näch­ster Titel» kön­nte deshalb der eigentliche Knall wer­den:

Nicht Neu­tral­ität schützt vor Krieg. Eigen­ständigkeit erweit­ert die Möglichkeit­en, keinen führen zu müssen.

@sms2sms

https://www.nzz.ch/meinung/wer-die-neutralitaet-als-schutzschild-sieht-hat-aus-konflikten-nichts-gelernt-ld.10017927

Und wie hat es Selina Berner gedreht hat?

Seli­na Bern­er ist Redak­torin für Sicher­heit­spoli­tik in der NZZ-Bun­de­shausredak­tion. Zuvor arbeit­ete sie unter anderem für die SRF-«Rundschau» und «Kassensturz/Espresso». Zugle­ich ist sie selb­st mil­itärisch engagiert: Auf LinkedIn nen­nt sie Tätigkeit­en als Fachof­fizier und Presse­of­fizier PIO II. Sie schreibt über Armee und Sicher­heit­spoli­tik also nicht nur aus jour­nal­is­tis­ch­er Dis­tanz, son­dern ver­fügt über eigene mil­itärische Erfahrung. https://ch.linkedin.com/in/selina-berner

  1. «Wer die Neu­tral­ität als Schutzschild sieht, hat aus Kon­flik­ten nichts gel­ernt»

Die Neu­tral­ität wird zuerst zum «Schutzschild» umgedeutet. Damit wird ihr eine Funk­tion unter­stellt, die sie gar nicht beansprucht. Neu­tral­ität ist kein Schutzschild, son­dern ein Instru­ment zur Wahrung der Unab­hängigkeit.

  1. «Die Fol­gen eines Ja für die Sicher­heit des Lan­des wären fatal.»

Noch bevor argu­men­tiert wird, ste­ht das Ergeb­nis fest: «fatal». Aus ein­er poli­tis­chen Entschei­dung wird eine exis­ten­tielle Bedro­hung. Alter­na­tiv­en erscheinen nicht als andere Sicher­heitsstrate­gie, son­dern als Gefahr.

  1. «Der mythis­che Glaube, dass die Neu­tral­ität Schutz biete, beruht auf einem tiefen Schweiz­er Urver­trauen: der Gewis­sheit, ver­schont zu bleiben.»

Erst wird ein «mythis­ch­er Glaube» kon­stru­iert, dann psy­chol­o­gisiert («Urver­trauen»), schliesslich moralisch als naive «Gewis­sheit» abgew­ertet. Die stärkere Gegen­po­si­tion wäre: Ver­strick­ung lässt sich nicht ver­mei­den. Entschei­dend ist, wie wir Abhängigkeit­en gestal­ten und welche Hand­lungsmöglichkeit­en wir uns dabei erhal­ten.

  1. «Im Zusam­men­hang mit der SVP-Neu­tral­itätsini­tia­tive wird inten­siv darüber debat­tiert, ob Neu­tral­ität in der Ver­fas­sung ver­ankert wer­den soll. Weniger Beach­tung find­et, was dort bere­its ste­ht: die Unab­hängigkeit und Sicher­heit des Lan­des.»

Präzis­er wäre: Die Ini­tia­tive will nicht Neu­tral­ität erst­mals in der Ver­fas­sung ver­ankern, son­dern eine bes­timmte Aus­gestal­tung der Neu­tral­ität ver­fas­sungsrechtlich festschreiben. Genau darüber wird abges­timmt. Und Bern­ers Hin­weis auf Unab­hängigkeit ist inter­es­sant: Neu­tral­ität wurde 1847 bewusst nicht zum Staat­sziel erk­lärt, son­dern als Mit­tel zur Erhal­tung der Unab­hängigkeit ver­standen. Quelle für Zitat 4: https://www.linkedin.com/posts/georg‑h%C3%A4sler-b9745370_selina-berner-on-the-point-sehr-lesenswert-activity-7453060917736493056-XE7H (linkedin.com)

ihre Posi­tionGegen­po­si­tion
Prag­ma­tismusIllu­sion
Real­itätSym­bo­l­ik
Hand­lungs­fähigkeitAbschot­tung
Koop­er­a­tionIso­la­tion
flex­i­ble Neu­tral­itätstar­res Dog­ma

Sicher­heit entste­he nicht durch «sym­bol­is­che Abschot­tung», son­dern durch eine vertei­di­gungs­fähige Armee, die «naht­los» mit Part­nern kooperieren könne. Die Ini­tia­tive beze­ich­net sie aus­drück­lich als «gefährlich».

Was die Konstruktion von Selina Berner — ausgerechnet! — verdeckt?

«Welche Abhängigkeit­en entste­hen, wenn unsere mil­itärische Hand­lungs­fähigkeit auf den Infra­struk­turen eines bes­timmten geopoli­tis­chen Blocks beruht?»

Denn wenn Luft­lage, Sen­sorik, Dat­en, Soft­ware, Ersatzteile, Waf­fen­sys­teme und Train­ing miteinan­der gekop­pelt wer­den, entste­ht eine Infra­struk­tur, deren poli­tis­che Bedeu­tung nicht mehr mit «neutral/nicht neu­tral» hin­re­ichend beschrieben wer­den kann.

Die viel inter­es­san­tere Frage wäre:

Wer kon­trol­liert die Schnittstellen, über welche die Schweiz im Ern­st­fall hand­lungs­fähig ist?

Bern­er argu­men­tiert also über­raschend stark infra­struk­turell – zieht daraus aber eine klas­sis­che sicher­heit­spoli­tis­che Kon­se­quenz: engere Koop­er­a­tion mit «west­lichen Part­nern».

Neutralität ist kein Staatsziel. Eigenständigkeit schon.

Die Neu­tral­ität ste­ht bere­its heute in der Bun­desver­fas­sung. Art. 173 und Art. 185 verpflicht­en Bun­desver­samm­lung und Bun­desrat aus­drück­lich zur «Wahrung der Neu­tral­ität».

Was die Neu­tral­itätsini­tia­tive ver­langt, ist etwas anderes: Sie will eine bes­timmte Aus­gestal­tung der schweiz­erischen Neu­tral­ität in der Ver­fas­sung festschreiben – «immer­während und bewaffnet», ver­bun­den mit konkreten Vor­gaben zu Mil­itär­bünd­nis­sen, Kriegs­beteili­gung und Sank­tio­nen.

Das Inter­es­sante liegt aber eine Ebene tiefer.

Als 1847 die Grund­la­gen der Bun­desver­fas­sung berat­en wur­den, wurde aus­drück­lich darauf verzichtet, Neu­tral­ität zum Staat­szweck zu erk­lären. Die Begrün­dung: Neu­tral­ität sei ein Mit­tel zur Erhal­tung der Unab­hängigkeit, nicht Zweck an sich.

Genau das ist Wass­er auf unsere Mühlen.

Die entschei­dende Frage lautet nicht:

«Wie neu­tral ist die Schweiz?»

Son­dern:

«Wie eigen­ständig kann die Schweiz han­deln?»

Denn Ver­strick­un­gen lassen sich nicht ver­mei­den. Die Schweiz ist abhängig von Energie, Nahrungsmit­teln, Medika­menten, dig­i­tal­en Infra­struk­turen, Rohstof­fen, Tech­nolo­gien, Liefer­ket­ten – und selb­stver­ständlich auch von mil­itärischen Sys­te­men.

Die Frage ist deshalb nicht, ob wir abhängig sind.

Die Frage ist, wie wir diese Abhängigkeit­en gestal­ten und welche Hand­lungsmöglichkeit­en wir uns dabei erhal­ten.

Genau hier set­zen #PlanD, AutarkieIndex.org und Q102014.xyz an:

AutarkieIndex.org fragt: Wie eigen­ständig sind wir?

Q102014.xyz fragt: Von welchen Verknüp­fun­gen hängt unsere Hand­lungs­fähigkeit ab?

#PlanD fragt: Was kön­nen wir konkret tun, damit aus Abhängigkeit nicht Alter­na­tivlosigkeit wird?

Neu­tral­ität ist damit wed­er Schutzschild noch Selb­stzweck.

Sie ist eine mögliche Form, Eigen­ständigkeit unter Bedin­gun­gen unver­mei­d­bar­er Ver­strick­ung zu organ­isieren.

Quellen:

Bun­desver­fas­sung, Art. 2, 173 und 185:
https://www.fedlex.admin.ch/eli/cc/1999/404/de

EDA, Neu­tral­ität in der Bun­desver­fas­sung:
https://www.eda.admin.ch/dam/de/sd-web/f6I6W57JT01R/Faktenblatt_Neutralitaet-in-der-Bundesverfassung%20.pdf

Bund, Neu­tral­itätsini­tia­tive:
https://www.admin.ch/de/neutralitaetsinitiative

(…)

Das ((good-cop)bad-cop) Game zwischen SVP und FDP (aka NZZ)

Das Spiel ist bekan­nt: Good Cop und Bad Cop spie­len Feinde. Sie spie­len das­selbe – alter­na­tivlose – Spiel. Die Polizei? Dein Fre­und und Helfer. Das nen­nt sich #Pater­nal­is­mus.

Lib­eraler Pater­nal­is­mus ist auch bloss Pater­nal­is­mus.

🕊️ SVP
«Neu­tral­ität schützt uns – deshalb brauchen wir eine starke Armee.»

🚁 FDP
«Neu­tral­ität schützt uns nicht – deshalb brauchen wir eine starke Armee.»

Wir sehen den Stre­it: Neu­tral­ität oder nicht.

Was wir nicht mehr sehen: Bei­de wollen eine starke Armee.

Das ist der Clou des Spiels:
Während wir Good Cop und Bad Cop unter­schei­den, wird der Cop unsicht­bar.

((Freund)Feind) erzeugt den sicht­baren Kon­flikt. Die gemein­same Grun­dan­nahme ver­schwindet aus der Beobach­tung.

Der Stre­it simuliert Alter­na­tiv­en – und betoniert die Lösung.

(…)

(…)

Und jetzt noch Gerhard Pfister, ganz mittig bei den linken und netten:

Link |

  1. «Die Wider­sprüche der Schweiz­er Neu­tral­ität»

Schon der Titel set­zt den Rah­men: Nicht poli­tis­che Inter­essen oder unter­schiedliche Möglichkeit­en des Umgangs mit Ver­strick­un­gen haben Wider­sprüche – «die Neu­tral­ität» selb­st hat sie. Damit wird Neu­tral­ität zum Prob­lem, das gek­lärt wer­den muss.

  1. «Die verän­derte Welt­lage stellt schein­bare neu­tral­ität­spoli­tis­che Gewis­sheit­en auf den Prüf­s­tand.»

«Verän­derte Welt­lage» funk­tion­iert als äusser­er Sachzwang. Was bish­er galt, darf jet­zt nicht ein­fach weit­er gel­ten. Inter­es­sant ist «schein­bare»: Noch bevor die Gewis­sheit­en geprüft wer­den, sind sie bere­its als bloss schein­bar markiert.

  1. «Es herrscht Klärungs­be­darf.»

Das ist der entschei­dende Satz. Denn wer bes­timmt eigentlich, was unklar ist? Neu­tral­ität, Unab­hängigkeit und die ver­fas­sungsmäs­si­gen Zuständigkeit­en existieren bere­its. Der «Klärungs­be­darf» entste­ht erst, wenn eine andere poli­tis­che Prax­is gewün­scht wird.

  1. «Und die Lan­desregierung? Ver­sagt bei der Auf­gabe, eine Posi­tion zu entwick­eln.»

Hier wird aus dem behaupteten Klärungs­be­darf eine Pflicht zur Posi­tion­ierung. Nicht-Posi­tion­ierung erscheint als Ver­sagen. Ger­ade Neu­tral­ität kön­nte aber bedeuten, sich dem Zwang zur ein­deuti­gen Posi­tion­ierung in einem ((Freund)Feind)-Konflikt zu entziehen.

  1. «Der Krieg in der Ukraine dauert an. Eben­so das Lavieren des Bun­desrats, der sich zu ein­er Posi­tion und Hal­tung, die der Schweiz­er Bevölkerung Ori­en­tierung geben würde, nicht durchrin­gen kann.»

Und da ist der #Pater­nal­is­mus wieder: Die Bevölkerung braucht «Ori­en­tierung» durch die Regierung. Aus­gerech­net in ein­er direk­ten Demokratie wird Führung als fehlende Leis­tung diag­nos­tiziert.

Der eigentliche «Klärungs­be­darf» wäre also:

Nicht: Welche Posi­tion soll die Schweiz endlich ein­nehmen?

Son­dern: Warum soll sie über­haupt eine Posi­tion inner­halb der ange­bote­nen ((Freund)Feind)-Ordnung ein­nehmen müssen?

«Ger­hard Pfis­ter hat der CVP das C genom­men. Nicht aber den Pater­nal­is­mus.»

@sms2sms

Nächster Titel:

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