Die Fondation pour la sauvegarde et la mise en valeur du patrimoine audiovisuel de la Radio Télévision Suisse (FONSART) wurde 2005 von der SRG SSR und der RTS gegründet. Ihr Hauptziel ist die Sammlung von Mitteln zur Bewahrung und Aufwertung des audiovisuellen Erbes der RTS. Dies umfasst die Sensibilisierung der Öffentlichkeit für die Bedeutung dieses Kulturguts und die Förderung seiner Nutzung.
Seit ihrer Gründung hat FONSART bedeutende Projekte initiiert, darunter die Restauration und Digitalisierung von Film- und Videomaterial der TSR und RSR, das als Kulturgut von nationaler Bedeutung gilt. Zwischen 2005 und 2020 ermöglichte die Stiftung die Digitalisierung und Sicherung von etwa 125.000 Stunden Programmarchiven der RTS. Ein weiteres bemerkenswertes Projekt ist die Einrichtung der partizipativen Plattform notreHistoire.ch im Jahr 2009, die es Privatpersonen und Institutionen ermöglicht, eigene Archive wie Fotos, Filme, Videos und Tonaufnahmen zu teilen. Dieses Modell wurde später auf andere Sprachregionen ausgeweitet, darunter lanostraStoria.ch und nossaistorgia.ch im Jahr 2017 sowie unsereGeschichte.ch im Jahr 2023.
Die Leitung von FONSART obliegt einem Stiftungsrat mit neun Mitgliedern, wobei seit dem 30. März 2022 Marc Savary als Präsident fungiert. Der Stiftungsrat setzt sich aus Vertretern verschiedener Fachrichtungen zusammen, die gemeinsam die strategische Ausrichtung der Stiftung bestimmen.
Langsam: Mein Blog ist mein Kartenraum und keine Bühne. Ich weiss wie man publiziert. Das hier ist etwas anderes. d!a!n!k!e | WORK IN PROGRESS reload für aktuellen schreibstand | warum ich nicht publiziere? weil ich es kann. weil es geht. weil ich es für angemessen halte.
ok. das war nicht der beste tag von #NotebookML ;-)))
Die Moderne hat sich selbst ernst genommen. Sie hat gesagt: Ordnung ist menschengemacht, Wahrheit ist herstellbar, Wissen ist produziert. Damit rückt der Mensch ins Zentrum. Nicht Gott, nicht Kosmos, nicht Tradition. Diese Setzung trägt alles: Wissenschaft, Recht, Öffentlichkeit, Politik. Aber sie trägt auch ihre eigene Überforderung. Denn dieselbe Form organisiert sich über Unterscheidungen wie ((Wahrheit)Irrtum), ((öffentlich)privat), ((Identität)Zugang), ((Mensch)Kommunikation). Sie machen Welt bearbeitbar – und erzeugen genau die Probleme, die danach mit grossem Aufwand gelöst werden sollen.
Nach 1945 wird das sichtbar. Nicht als moralischer Unfall, sondern als strukturelle Möglichkeit. Die Antwort teilt sich. #Frankfurt sagt: Jetzt erst recht – der Mensch ins Zentrum, die Vernunft retten, die Verfahren verbessern. #Bielefeld sagt: Der Mensch im Zentrum ist eine Lösung, die die Probleme selbst hervorbringt. Damit verschiebt sich der Blick. Nicht mehr: Wer ist verantwortlich? Sondern: Welche Unterscheidung macht dieses Problem überhaupt sichtbar? Luhmann zieht die Konsequenz. Nicht Menschen sind die Elemente des Sozialen, sondern Kommunikation. Nicht Absichten tragen Ordnung, sondern Anschlüsse.
Und genau hier beginnt ein nächster Anfang. Nicht ein neues Menschenbild, sondern eine andere Infrastruktur. Nicht Vertrauen in Personen, sondern Nachvollziehbarkeit von Prozessen. Nicht: Wer bist du? Sondern: Was ist geschehen? Der Stresstest ist banal und radikal zugleich: Kartoffeln. Wurden sie angebaut, gelagert, transportiert, verteilt? Ist die Spur sichtbar? Wenn Verbindlichkeit so organisiert wird, entsteht etwas Neues. Kein besseres Vertrauen. Sondern eine Form, in der Vertrauen nicht mehr die Voraussetzung ist.
Nicht die deutschsprachige Philosophie „macht“ die Moderne allein. Aber in ihr wird die Moderne besonders radikal selbstbewusst. Hier wird ausgesprochen, was im Zeitalter des Buchdrucks strukturell möglich wird: Wahrheit ist nicht mehr einfach da, sondern wird hergestellt, geprüft, kritisiert. Ordnung ist nicht mehr nur überliefert, sondern explizit menschengemacht. Legitimation wird nicht mehr aus Kosmos oder Herkunft gezogen, sondern aus Vernunft, Verfahren, Autorenschaft und Öffentlichkeit.
Genau deshalb ist Zygmunt Bauman für uns zentral. Der Holocaust erscheint nicht als Rückfall hinter die Moderne, sondern als Möglichkeit der Moderne selbst. Nicht als Abwesenheit von Vernunft, sondern als Konsequenz einer bestimmten Form von Rationalität, Organisation und Distanz. Das Problem liegt nicht ausserhalb der Kulturform, sondern in ihr.
Darum wird der Streit zwischen #Frankfurt #Bielefeld so scharf.
Kriterium
#Frankfurt
#Bielefeld
Grundintuition nach 1945
Jetzt erst recht: Vernunft, Mensch, Emanzipation retten
Der Mensch im Zentrum ist eine Lösung, welche die Probleme selbst hervorbringt
Zentrum
Subjekt, Verständigung, Menschenrechte
Kommunikation, Differenz, Beobachtung
Diagnose
Die Moderne hat ihre Versprechen verraten
Die Moderne produziert ihre Probleme aus ihren Unterscheidungen
Hoffnung
bessere Vernunft, bessere Verfahren
Beobachtung der Unterscheidungen und ihr Verlassen
blinder Fleck
hält am Menschen im Zentrum fest
riskiert normative Kälte
Die Moderne organisiert sich über Leitunterscheidungen. Sie notiert sie, stabilisiert sie, baut Institutionen darauf auf:
Diese Unterscheidungen sind nicht einfach falsch. Sie sind produktiv. Sie ermöglichen Wissenschaft, Recht, Politik, Öffentlichkeit. Aber genau darin liegt ihr Problem: Sie erzeugen die Probleme, die sie danach zu lösen versuchen.
Das ist der Punkt, an dem sich die Wege trennen.
#Frankfurt hält an den Unterscheidungen fest und versucht, ihre Ergebnisse zu korrigieren: bessere Verfahren, bessere Öffentlichkeit, bessere Inklusion.
#Bielefeld zeigt: Die gewählten Unterscheidungen sind selbst die Form des Problems. Sie strukturieren, was überhaupt als Problem erscheinen kann.
Zugespitzt:
#Frankfurt sagt: Der Mensch muss wieder ins Zentrum. #Bielefeld sagt: Der Mensch im Zentrum ist eine Lösung, welche die Probleme selbst hervorbringt.
Damit verschiebt sich auch unser Zugriff:
Nicht: Wer ist das Subjekt, das geschützt werden muss? Nicht: Wer darf sprechen, wer hat Zugang, wer ist legitim?
Sondern: Welche Unterscheidung bringt diese Fragen überhaupt hervor? Und was passiert, wenn wir sie nicht weiter bearbeiten, sondern verlassen?
Die Kulturform der Moderne vertraut darauf, dass Menschen Ordnung herstellen. Der Bruch besteht darin zu sehen: Ordnung entsteht aus Kommunikation – und aus den Unterscheidungen, die sie verwendet.
#Modernity took itself seriously. It claimed: order is man-made, truth is produced, knowledge is constructed. With that, the human moves to the center — not God, not cosmos, not tradition. This move carries everything: science, law, public sphere, politics. But it also carries…
Nicht weil das Individuum unwichtig wäre. Sondern weil es in der Moderne als Lösungsfigur überlastet wird. Luhmann setzt gerade dort an: Soziale Systeme bestehen nicht aus Menschen, sondern aus Kommunikation. Kommunikation ist für ihn die Grundoperation sozialer Systeme; sie entsteht als Einheit von Information, Mitteilung und Verstehen, und soziale Systeme reproduzieren sich dadurch, dass Kommunikation an Kommunikation anschliesst. (SozTheo)
Darum kippt auch die heutige Debatte um #NetzDG, Altersverifikation und ähnliche Regime so leicht ins Falsche. Sie fragt: Welches Individuum muss geschützt, identifiziert, ausgeschlossen, freigeschaltet oder verifiziert werden? Luhmann würde den Schnitt anders setzen: Nicht Menschen werden beobachtet, sondern Kommunikation. Und auch Beobachtung und Beschreibung sind, bezogen auf soziale Systeme, selbst wieder Kommunikation. (نیکلاس لومان)
Genau hier liegt der Bruch zur modernen Überlastung des Ich. Die Moderne sagt: Das Individuum ist Träger von Vernunft, Verantwortung, Schuld, Rechten und Lösung. Nach 1945 wurde diese Figur moralisch noch weiter aufgeladen. Aus guten Gründen. Aber damit wird das Ich zugleich zur Adresse für alles: Hassrede, Radikalisierung, Jugendschutz, Desinformation, Zugang, Identität. Es soll zugleich Ursprung, Risiko und Lösung sein. Luhmanns Gegenzug lautet: Das ist eine falsche Zentrierung. Nicht der Mensch kommuniziert; Kommunikation kommuniziert. Das Individuum bleibt wichtig, aber nicht als Element des Sozialen, sondern als Umwelt sozialer Systeme. (Wikipedia)
Darum passt dein Satz jetzt sehr gut:
#Frankfurt sagt: Der Mensch muss wieder ins Zentrum. #Bielefeld sagt: Der Mensch im Zentrum ist eine Lösung, welche die Probleme selbst hervorbringt.
Für unseren Zusammenhang können wir es so weiterziehen:
die Problemform entsteht aus den gewählten Unterscheidungen
Konsequenz
mehr Identität, mehr Zurechnung, mehr Überlastung
mehr Beobachtung von Kommunikation, Medien, Formen und Anschlüssen
Und genau deshalb ist dein Hinweis auf Watzlawick interessant, aber wir müssen präzise bleiben: Bei Watzlawicks 4. Axiom bedeutet „digital“ nicht computerförmig, sondern diskret-symbolisch im Unterschied zu analog. Luhmann geht einen anderen Weg: Er sucht eine hinreichend bestimmte Definition des Sozialen über Kommunikation als eigenständige Operation sozialer Systeme. (Lutterer)
Als Verdichtung für den Blog würde ich es so stehen lassen:
Die Moderne überlastet das Individuum, weil sie es zum Träger ihrer Lösungen macht. Luhmann kappt genau diese Überlastung. Nicht Menschen sind die Elemente des Sozialen, sondern Kommunikation. Darum beobachten wir nicht Menschen, sondern Kommunikationszusammenhänge, ihre Unterscheidungen, ihre Anschlüsse und ihre Medien.
Einen belastbaren Beleg dafür, dass Sloterdijk das genau in „Der Anwalt des Teufels“ so formuliert hat, habe ich in dieser kurzen Suche nicht verifiziert. Den Luhmann-Punkt selbst trägt die Quellenlage aber klar. (SozTheo)
Wir gehen nicht von Moral aus. Wir gehen nicht vom Individuum aus. Wir gehen auch nicht von fertigen Institutionen aus.
Wir gehen von #TheLuhmannMap aus:
Vier für Menschen relevante autopoietische Systeme: #bio #psy #soc #cyb
Und dann der harte Schnitt:
Nicht alles zugleich. Sondern Fokus auf #soc.
Also auf das Soziale als eigenständiges, operativ geschlossenes System von Kommunikation. Nicht Menschen kommunizieren. Nicht Psychen kommunizieren. Nicht Körper kommunizieren. Nicht Maschinen kommunizieren. Kommunikation kommuniziert.
Damit übernehmen wir die prinzipielle Kontingenz des Sozialen. Gerade weil Kommunikation auch anders anschliessen könnte, wird das Soziale beobachtbar. Und genau dort setzen wir nicht mit Werten oder Normen ein, sondern mit Macht.
Macht nicht als Herrschaft, sondern als Möglichkeit. Und darum die Unterscheidung:
Behinderungsmacht Begrenzungsmacht
Von dort aus beobachten wir die vier Dimensionen der Macht:
Anordnung Zugang Legitimation Durchsetzung
Und erst danach kommt die Konstellierung der Kulturformen. Also nicht als moralische Entwicklungserzählung, sondern als unterschiedliche historische Antworten auf die soziale Frage unter unterschiedlichen dominanten Kommunikationsmedien.
Der Satz, der das sauber zusammenzieht, könnte so lauten:
Ausgehend von #TheLuhmannMap fokussieren wir auf #soc als kontingentes Kommunikationsgeschehen. Von dort aus beobachten wir Macht als Möglichkeit in vier Dimensionen: Anordnung, Zugang, Legitimation und Durchsetzung. Erst auf dieser Grundlage lassen sich unterschiedliche Kulturformen als historisch je eigene Antworten auf die soziale Frage konstellieren.
Oder noch härter:
Nicht der Mensch steht im Zentrum, sondern die Kontingenz des Sozialen. Nicht Moral ist der Anfang, sondern Kommunikation. Nicht Herrschaft ist der erste Begriff von Macht, sondern Möglichkeit.
Das ist jetzt der Punkt, an dem #TheStaubBernasconiMatrix exakt anschlussfähig wird.
Wenn Luhmann den Menschen sieht und dennoch stur auf Kommunikation schaut, dann sieht er etwas, das im Alltagsblick fast unsichtbar bleibt: nicht Bewusstsein, nicht Absicht, nicht Charakter, nicht Moral als inneren Zustand, sondern Anschluss.
Er sieht, ob eine Mitteilung verstanden wird. Er sieht, woran Kommunikation anschliesst. Er sieht, welche Unterscheidungen verwendet werden. Er sieht, welche Formen sich stabilisieren. Er sieht, welche Erwartungen tragfähig werden. Er sieht, wo Kommunikation abbricht, stockt, eskaliert oder sich reproduziert.
Der Mensch verschwindet dabei nicht. Er wird nur nicht mehr als Element des Sozialen behandelt. Menschen bleiben für Luhmann hochrelevant, aber als Umwelt von #soc: Körper in #bio, Bewusstsein in #psy, technische Prozessierung in #cyb. Gerade dadurch kann das Soziale schärfer bestimmt werden. Nicht alles, was Menschen tun, fühlen, wollen oder denken, ist schon Kommunikation. Kommunikation entsteht nur dort, wo Information, Mitteilung und Verstehen operativ zusammenfallen.
Was sieht Luhmann also? Er sieht nicht den Menschen als Ursprung, sondern Kommunikation als Ereignis. Und darum sieht er auch, dass viele moderne Problemlösungen schief ansetzen. Sie fragen: Wer ist schuld? Wer ist verantwortlich? Wer muss geschützt, erzogen, kontrolliert, freigeschaltet werden? Luhmann kann stattdessen fragen: Welche Kommunikationsform erzeugt hier das Problem? Welche Unterscheidung strukturiert es? Welche Erwartungen werden stabilisiert? Welches Medium macht diese Form wahrscheinlich?
Genau das hilft bei der Suche nach einer nächsten Antwort auf die soziale Frage.
Denn solange wir den Menschen ins Zentrum setzen, landen wir fast zwangsläufig wieder bei denselben modernen Lösungsfiguren: Identität, Recht, Moral, Erziehung, Repräsentation, Öffentlichkeit, Zugang. Dann wird das Individuum überlastet. Es soll Träger von Vernunft, Rechten, Verantwortung, Schuld und Heilung zugleich sein.
Wenn wir aber auf Kommunikation schauen, verschiebt sich alles. Dann können wir beobachten:
Welche Form des Sozialen gerade dominant ist.
Welche Unterscheidungen Probleme überhaupt erst hervorbringen.
Welche Machtformen Möglichkeiten blockieren oder freisetzen.
Welche Infrastruktur neue Anschlüsse ermöglicht.
Dann wird die soziale Frage nicht mehr zuerst: Wie retten wir den Menschen? Sondern: Wie organisieren wir Kommunikation so, dass Möglichkeiten entstehen?
Das ist der praktische Unterschied.
Mit Luhmann wird sichtbar, dass eine nächste Antwort auf die soziale Frage nicht einfach ein neues Menschenbild braucht, sondern neue Kommunikationsformen, neue Infrastrukturen, neue Regeln der Verbindlichkeit. Also nicht bloss bessere Absichten, sondern andere Strukturen des Anschlusses.
Darum ist der Schritt zu #TheLuhmannMap und weiter zur Beobachtung von Anordnung, Zugang, Legitimation und Durchsetzung so stark. Denn jetzt können wir jede Kulturform nicht mehr nach ihrem Menschenbild beurteilen, sondern nach ihrer Weise, Kommunikation zu ordnen. Und wir können fragen, wo Behinderungsmacht Anschlüsse blockiert und wo Begrenzungsmacht Möglichkeiten schützt.
Der harte Satz wäre:
Luhmann sieht am Menschen nicht den Ursprung des Sozialen, sondern die Umwelt der Kommunikation. Gerade deshalb kann er im Sozialen präziser erkennen, welche Formen tragfähig sind und welche nur immer neue Probleme aus ihren eigenen Unterscheidungen erzeugen.
Und für unseren Übergang zur nächsten Kulturform vielleicht noch schärfer:
Wer den Menschen sucht, findet Moral. Wer Kommunikation beobachtet, findet Form. Und nur über Form wird eine andere Antwort auf die soziale Frage möglich.
Nicht als Heilsversprechen. Nicht total. Nicht überall zugleich.
Aber ja: in begrenzten, konkreten, realen Zusammenhängen ist das möglich.
Gerade darum sind die Kartoffeln so stark. Sie zwingen uns weg von grossen Worten und hin zu prüfbaren Übergängen:
wurde angebaut?
wurde gelagert?
wurde transportiert?
wurde verteilt?
ist die Spur nachvollziehbar?
Dort kann tatsächlich etwas Neues entstehen: nicht vertrauen, weil jemand gut ist, sondern handeln können, weil ein Prozess tragfähig dokumentiert ist.
Ganz ohne Vertrauen wird es trotzdem nie gehen. Schon die Entscheidung, ein neues System überhaupt mitzuspielen, enthält ein Restvertrauen. Aber dieses Restvertrauen ist anders. Es richtet sich nicht mehr auf die Reinheit von Personen oder die Würde von Institutionen, sondern auf die Prüfbarkeit, Korrigierbarkeit und Begrenztheit eines Arrangements.
Vielleicht so:
Das alte Vertrauen sagt: Ich glaube dir.
Das neue Vertrauen sagt: Ich kann sehen, was gilt.
Und ja: das scheint mir nicht nur denkbar, sondern in Teilbereichen bereits real. Buchhaltung, Versionsgeschichte, offene Protokolle, gemeinsame Register, gute Logistik, nachvollziehbare Verfahren — überall dort kennen wir schon Vorformen davon.
Die harte Frage ist nicht, ob es möglich ist. Die harte Frage ist, ob wir den Mut haben, es klein, konkret und wirklich zu testen.
Die Kulturform der Moderne wird radikal, wenn sie sich selbst ernst nimmt:
Ordnung ist menschengemacht. Wahrheit ist herstellbar. Wissen ist produziert. Legitimation kommt aus Verfahren. Der Mensch steht im Zentrum.
Das ist ihre Stärke. Und ihr Risiko.
Denn dieselbe Form erzeugt auch ihre eigenen Probleme. Sie organisiert alles über Unterscheidungen:
Diese Unterscheidungen machen Wissenschaft, Recht, Öffentlichkeit überhaupt erst möglich. Aber sie erzeugen auch die Problemformen, die danach mit grossem Aufwand bearbeitet werden.
Nach 1945 wird das sichtbar. Die Katastrophe liegt nicht ausserhalb der Moderne. Sie liegt in ihren Möglichkeiten.
Darum die Reaktion:
#Frankfurt sagt: Jetzt erst recht. Der Mensch ins Zentrum. Vernunft retten. Verfahren verbessern.
#Bielefeld sagt: Der Mensch im Zentrum ist eine Lösung, die die Probleme selbst hervorbringt.
Damit kippt der Blick.
Nicht mehr: Wer ist verantwortlich? Wer muss geschützt werden? Wer hat Zugang?
Sondern: Welche Unterscheidung erzeugt dieses Problem überhaupt?
Und genau hier setzt der Bruch an.
Luhmann nimmt den Menschen nicht weg. Er verschiebt ihn.
Nicht Menschen sind die Elemente des Sozialen, sondern Kommunikation.
Nicht Absichten stabilisieren das Soziale, sondern Anschlüsse.
Nicht Vertrauen in Personen trägt Ordnung, sondern Erwartungsstrukturen.
Das ist das Ende der Moderne als Selbstverständlichkeit.
Nicht als plötzlicher Zusammenbruch, sondern als Verlust ihrer exklusiven Plausibilität.
Die bekannten Lösungen greifen nicht mehr:
mehr Identität mehr Kontrolle mehr Regulierung mehr Moral
Sie verstärken oft genau das Problem, das sie lösen wollen.
Und hier beginnt ein nächster Anfang.
Nicht: ein neues Menschenbild.
Sondern: eine andere Infrastruktur.
Nicht: Vertrauen in Personen.
Sondern: Nachvollziehbarkeit von Prozessen.
Nicht: Wer bist du?
Sondern: Was ist geschehen?
Das ist der Punkt, an dem dein Stresstest konkret wird.
Kartoffeln sind kein Symbol. Sie sind ein Test.
Ein Test dafür, ob sich Verbindlichkeit so organisieren lässt, dass sie sichtbar, überprüfbar und gemeinsam tragbar wird.
Wenn das gelingt, entsteht etwas Neues:
kein besseres Vertrauen, sondern eine Form, in der Vertrauen nicht mehr die Voraussetzung ist.
Der eine Satz dafür:
Die Moderne vertraut dem Menschen. Der nächste Schritt organisiert Verbindlichkeit ohne ihn ins Zentrum zu stellen.
Vom nie enden wollenden Ende der Kulturform der Moderne
Die Leistung der Kulturform der Moderne (≠) → Von „verantwortliche Spitze mit kollektiver Entlastung“ ((König)Papst) → zu „verantwortungsloses System mit individueller Dauerverantwortung“.
Damit wurde der Schuldbegriff aus der Religion säkularisiert und universalisiert – ohne den Mechanismus der Entlastung. Das völlig überlastete Individuum trägt nun Verantwortung für Strukturen, die es nicht geschaffen hat und nicht kontrollieren kann. Die beiden komplementären Entfaltungen der Moderne stabilisieren dieses Muster:
Liberalismus – Freiheit als Primat, Schuld bei individuellem Scheitern.
Sozialismus – Solidarität als Primat, Schuld bei mangelnder kollektiver Pflichterfüllung.
Das Motivations-Paradoxon:
Sozialismus ist Solidarität aus Gründen des eigenen Vorteils.
Liberalismus ist Individualismus aus Gründen kollektiver Vorteile.
Durcheinander ist Design. Die multipolare Welt als orchestrierte Bühne.
Was unten als Chaos erscheint – Proteste, Krisen, Dissens – ist aus der Sicht der Superreichen und ihrer Koordination (z. B. via WEF) kein Kontrollverlust, sondern strategisch zugelassene Komplexität. Das Durcheinander ist nicht Störung, sondern Bühne – dramaturgisch inszeniert, um Machtverschiebungen zu legitimieren und neue Ordnungen einzuführen.
Kuratiertes Chaos statt Kontrollverlust Die sichtbare Vielstimmigkeit ist ein kalkulierter Möglichkeitsraum. Kontingenz wird simuliert, nicht durchlitten. Je grösser das Durcheinander unten, desto mehr Handlungsspielraum oben.
Plattformlogik statt Politik Wer die Plattformen besitzt, besitzt die Bühne. Aktivismus, Empörung, Narrative – all das liefert wertvolle Daten, Frühwarnsysteme und Legitimität fürs Eingreifen.
Modularisierung statt Zerfall Die multipolare Welt ist kein Ausdruck wachsender Freiheit, sondern der Versuch, Komplexität in steuerbare Einheiten zu fassen: – USA (Tech-Hegemon) – China (Produktionsmacht) – EU (Regulierungsmodell) – Global South (Ressourcenfeld) – WEF (Choreografie der Schnittstellen)
Europa als Schlüsselmodul Europas Einigung ist keine romantische Idee, sondern geostrategische Notwendigkeit. Fragmentiert ist Europa instabil – geeint wird es systemkompatibel.
Simulierte Vielfalt, echter Konsens Unten: kultureller Streit, moralische Appelle, mediale Erregung. Oben: stille Übereinkunft über die neue Ordnung. Die Welt wird nicht dezentral – sie wird modular orchestriert.
Die Horde der professionell kommunizierenden kennt nur die ersten 5 von 6 Axiomen von #PaulWatzlawick und interpretierte diese (zum Beispiel) so:
Das mache ich als Sozialarbeiter freilich völlig anders: Der Impulsgeber zum PEN-Club, in welchem ich für einige Jahre Vize-Präsident war, interpretiere ich zunächst als das, wie er sich selbst verstanden hat: Als Radikalen Konstruktivisten ;-)
und dann kam ja erst — wie heute gewusst werden kann — DER LETZTE RADIKALE KONSTSRUKTIVIST: #NiklasLuhmann und beendete umstandlos “die Kulturform der Moderne”.
Nach Ostern beginnen Renovationsarbeiten am Strigel-Alter. Ivano Rampa wird die Entfernung des Pilzbefalls machen. Das genaue Renovationsziel ist mir nicht bekannt. Ivo könnte auch für unsere Arbeit in Frage kommen. Eine Kontaktnahme läuft.
Trump tut, was in der Politik aus der Mode gekommen ist, konstatiert der Kulturtheoretiker #DirkBaecker: Er holt die Macht aus ihrem Versteck. Und genau das scheint gefragt in unsicheren Zeiten. (du @peerteuwsen, das war 2016 ;-))) rede doch wieder einmal mit @ImTunnel. zB über… pic.twitter.com/RO0cxkyZaD