Die panischen 82 Schafe aus der Val Russein

#NoCringe | M/ein Blog ist m/ein Karten­raum und k/eine Bühne. Ich weiss, wie man pub­liziert. Das hier ist etwas anderes. d!a!n!k!e | WORK IN PROGRESS reload für aktuellen Schreib­stand | Warum ich nicht pub­liziere? Weil ich es kann. Weil es geht. Weil ich es für angemessen halte. (so?)

  • wenn es mir ums SENDEN gehen würde, machte ich alles falsch.
  • wenn es mir ums EMPFANGEN WERDEN gehen würde, machte ich alles anders.
  • wenn es mir ums FINDEN gehen würde, würde ich suchen.
  • wenn es mir ums GEWINNEN gehen würde, hielte ich mich an exper­tisen.

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Anlass zu diesem Eintrag:

“Bericht” & “Kom­men­tar” | #UserNeeds @suedostschweiz | wir haben 14 tage früher von dieser katas­tro­phe berichtet und die seite dissent.is/ppp eröffnet ;-)

ICH SEHE, WAS MIR GEZEIGT WIRD

82 tote Schafe, ein möglich­er Wolf, ein Bericht und ein Kom­men­tar. Ein kleines Lehrstück darüber, wie Jour­nal­is­mus Wirk­lichkeit ord­net – und warum wir die ange­botene Ord­nung nicht übernehmen müssen.

bitte ver­ste­he diesen ein­trag nicht zu schnell… hier gibts nichts zu sehen und nichts zu lesen ;-)

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ICH SEHE, WAS MIR GEZEIGT WIRD

82 tote Schafe, ein möglicher Wolf, ein Bericht und ein Kommentar. Ein kleines Lehrstück darüber, wie Journalismus Wirklichkeit ordnet – und warum wir die angebotene Ordnung nicht übernehmen müssen.

Heute Mor­gen zeigt uns die «Südostschweiz» ein starkes Bild: ein Schaf­bauer, eine Herde, ein Her­den­schutzhund, die Berg­land­schaft. Dazu eine Schlagzeile über 82 tote Schafe in der Val Rus­sein. Und eine Frage: War es ein tragis­ches Unglück oder trieb ein Wolf die Tiere in Panik?

Daneben ste­ht ein Kom­men­tar der­sel­ben Jour­nal­istin: «Der Wolf als Sün­den­bock?»

Eigentlich ist alles so, wie es die klas­sis­che Lehre des Jour­nal­is­mus ver­langt. Hier der Bericht, dort der Kom­men­tar. Hier die Tat­sachen, dort die Mei­n­ung. Die Tren­nung ist sicht­bar und sauber.

Und trotz­dem lohnt es sich, etwas länger vor diesem Bild ste­hen zu bleiben.

Denn das Ereig­nis selb­st liegt bere­its rund zwei Wochen zurück. 82 tote Schafe in ein­er bäuer­lich geprägten Region sind keine beiläu­fige Nachricht. Warum wird daraus erst jet­zt die grosse Geschichte?

Vielle­icht hil­ft eine andere Frage weit­er: Was wird uns hier eigentlich gezeigt?

Nicht nur 82 tote Schafe.

Uns wer­den Panik und Sorge gezeigt. Ein möglich­er Wolf. Ein Hirte. Eine Herde. Schutz und Bedro­hung. Und gle­ich daneben die Frage nach dem Sün­den­bock.

Mit einem Mal ste­ht eine sehr alte Unter­schei­dung im Raum:

((gut)böse)

Das ist bemerkenswert. Denn pro­fes­sioneller Infor­ma­tion­sjour­nal­is­mus beschreibt sich gern über andere Unter­schei­dun­gen: belegt oder unbelegt, wahr oder falsch, über­prüf­bar oder nicht über­prüf­bar. Er ver­dankt einen beträchtlichen Teil sein­er gesellschaftlichen Autorität ger­ade dieser Nähe zu wis­senschaftlichen Ver­fahren.

Doch längst geht es im Jour­nal­is­mus nicht mehr nur darum, was Men­schen wis­sen sollen. Mod­erne «User-Needs»-Modelle fra­gen eben­so danach, was ein Pub­likum ver­ste­hen, fühlen und tun soll. Infor­ma­tion wird adressiert. Aufmerk­samkeit wird organ­isiert. Gefüh­le wer­den aktiviert. Ori­en­tierung wird ange­boten.

Damit ver­schwindet die klas­sis­che Unter­schei­dung von Bericht und Kom­men­tar nicht. Im Gegen­teil: Sie wird weit­er­hin sorgfältig gezeigt.

Aber zwis­chen den Zeilen geschieht längst mehr.

Wir kön­nten das nun kri­tisieren. Wir kön­nten beobacht­en, wie Jour­nal­is­mus beobachtet. Wir kön­nten seine Auswahlmech­a­nis­men analysieren, seine Frames zer­legen und seine blind­en Fleck­en markieren.

Damit befän­den wir uns allerd­ings weit­er­hin genau in jen­er Kul­tur­form, die dieses Ver­fahren per­fek­tion­iert hat: beobacht­en, unter­schei­den, kri­tisieren – und schliesslich die Beobach­tung selb­st beobacht­en.

Es kuratiert, kon­serviert und präsen­tiert. Und wo diese Form an ihre Gren­zen kommt, wird das Muse­um heute gerne zum «Res­o­nanzraum». Das Pub­likum soll nicht mehr bloss betra­cht­en. Es darf teil­nehmen, wider­sprechen, sich ein­brin­gen.

Selb­st — und ins­beson­dere — die Kri­tik bekommt ihren Platz.

Das ist eine erstaunliche Immu­nisierungsleis­tung: Wer wider­spricht, bestätigt damit bere­its die Offen­heit des Res­o­nanzraums.

Vielle­icht müssen wir deshalb gar nicht noch bess­er wider­sprechen.

  • Wir kön­nen auch ein­fach etwas ganz anderes tun.

Wir kön­nen sehen, was uns gezeigt wird – und die ange­botene Auswahl trotz­dem nicht annehmen.

  • Nicht Wolf oder Unglück.
  • Nicht gut oder böse.
  • Nicht Bericht oder Kom­men­tar.
  • Nicht ein­mal eine raf­finiert­ere Inter­pre­ta­tion des­sel­ben Bildes.

In der Sur­sel­va gibt es dafür eine schöne, alte Fig­ur: Paders, Purs e Pas­turs. Patres, Bauern und Hirten. Nicht als roman­tis­che Rück­kehr in eine ver­meintlich bessere Ver­gan­gen­heit. Und schon gar nicht als katholis­che Gegen­moral zum jour­nal­is­tis­chen ((gut)böse).

Son­dern als Erin­nerung daran, dass soziale For­men gle­ichzeit­ig vorhan­den sind. Mündlichkeit, Schrift, Buch­druck, ver­net­zte Kom­mu­nika­tion; Kirche, Markt, Staat, Com­mons; Hirte, Herde, Nach­barschaft, Infra­struk­tur.

  • Wir müssen daraus keine Fortschritts­geschichte machen.
  • Wir kön­nen erin­nern.
  • Wir kön­nen gedenken.
  • Und wir kön­nen erneuern.

Vielle­icht beste­ht ein Kul­tur­wech­sel genau darin: ein Bild lange genug anzuschauen, um zu erken­nen, dass man sich nicht zwis­chen den Möglichkeit­en entschei­den muss, die es einem anbi­etet.

Dann kann man sich umdrehen.

Nicht um wegzuse­hen.

Son­dern um anders weit­erzu­machen.

Ste­fan M. Seydel/sms ;-)

Quellen und Arbeit­sräume:
https://dissent.is/UserNeeds
https://dissent.is/PPP
https://dissent.is/RerumNovarum
https://dissent.is/PlanD
https://dissent.is/IchBinFelix

Anderes anders machen…

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Nächster Titel

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Wie ich mit den Möglichkeiten von @openAI arbeite?

Links, Threads, zu verarbeitende Hinweise…

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Offene Blogeinträge, welche zu diesem Thema passen…

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Textsorte: (1) Traum, (2) Blitz, (3) Beken­nt­nis, (4) Memo, (5) Märchen, (6) Dra­ma, (7) Tabu
Arbeits­form: Doku­men­ta­tion, Lis­ten­bil­dung, Work in Progress
Anlass: (…)
TL;DR: (…)
Bildquelle: (…)
URL/Hashtag: (…)

Ste­fan M. Sey­del, aka sms, aka sms2sms in «Zürcher Fest­spiel 1901″ (2019, Foto­cre­d­it: Charles Schny­der):  Twit­ter, Wikipedia (Lem­ma), Youtube (aktuell), Sound­cloud, Mastodon, Insta­gram (ges­per­rt), Snapchat, Tik­Tok, Twitch, t.me/WikiDienstag (Nicht in Betrieb) | Exk­lu­siv: speakerbooking.ch/sms2sms

About @sms2sms, aka Stefan M. Seydel/sms ;-)

Ste­fan M. Sey­del, Jahrgang 1965, ist Unternehmer, Sozialar­beit­er und Kün­stler. Er machte nach ein­er Beruf­slehre als Hochbauze­ich­n­er einen Bach­e­lor in Soziale Arbeit in St. Gallen und einen Mas­ter in der gle­ichen Diszi­plin bei Sil­via Staub-Bernasconi in Berlin. Seine über­wiegend selb­st­ständi­ge Tätigkeit kreist um das The­ma der Entwick­lung und Real­isierung von Pilot- und Impul­spro­jek­ten für renom­mierte Auf­tragge­berin­nen.

Als Kün­stler hat er Ausstel­lun­gen und Per­for­mances auf inter­na­tionaler Ebene präsen­tiert, darunter in der Roy­al Acad­e­my of Arts in Lon­don, dem Deutschen His­torischen Muse­um in Berlin oder ein­er Einze­lausstel­lung “Kun­st Macht Prob­leme” in der Cryp­ta Cabaret Voltaire, Birth­place of DADA in Zürich. Er wurde mit dem Migros Jubilée Award in der Kat­e­gorie Wis­sensver­mit­tlung aus­geze­ich­net und hat diverse Ehrun­gen durch Web­by Awards für seine Arbeit mit rocketboom.com erhal­ten.

Ste­fan war Jury-Mit­glied des Next Idea Prix Ars Elec­tron­i­ca 2010 und war drei Jahre Mit­glied der Schulleitung des Gym­na­si­ums Kloster Dis­en­tis. Sein Wis­sen und seine Erfahrung im Bere­ich der Infor­ma­tion und Tech­nolo­gie haben ihm auch dabei geholfen, mit Sta­tis­tik Stadt Zürich und Wiki­me­dia Schweiz unter WikiDienstag.ch zusam­men­zuar­beit­en.

Sein Engage­ment im Bere­ich der frei­willi­gen Arbeit führte ihn in das Prä­sid­i­um Inter­na­tionaler Bodensee Club (Leitung Fach­gruppe Wis­senschaft) oder für einige andere Jahre als Vice-Präsi­dent des von Paul Wat­zlaw­ick ini­ti­ierten P.E.N.-Club Liecht­en­stein. Sey­del hat unter ((( rebell.tv ))) zwei Büch­er zusam­men mit sein­er Part­ner­in Tina Piazzi veröf­fentlicht, viele Kolum­nen, Fach­texte und jour­nal­is­tis­che Texte pub­liziert.

Seine Arbeit auf Social Media nutzt er als Microblog­ging. In seinem Blog ver­ar­beit­et er seine The­men. Einige davon wer­den auf Anfra­gen zu les­baren Tex­ten ver­tieft, andere wer­den zu Vorträ­gen aus­ge­baut. Bei Carl Auer Ver­lag in Hei­del­berg, sam­melt er “Ele­mente ein­er näch­sten Kul­tur­form”. Seine Entwick­lun­gen im Kon­text der sozial­räum­lichen Inter­ven­tion (“Arbeit am Sozialen”) machen konkrete Vorschläge in Bezug auf die Beant­wor­tung der Sozialen Frage.

Nach 12 Jahren Berlin und 6 Jahren Zürich zog er aber in sein­er zweit­en Leben­shälfte vom Bodensee der Rhein­quelle ent­ge­gen nach Dissentis/Mustér und hat seine Reisetätigkeit fast ganz eingestellt. Dafür macht er umsomehr soge­nan­nte Pas­sadis und #Feed­logs (Orgiastik). Das sind Arbeitsmeet­ings an inten­tionalen Fra­gen in einem Lifestream. (so?) Text sup­port­ed by #TaaS

Aus Band 2 von: Tina Piazzi & Ste­fan M. Sey­del, Junius-Ver­lag Ham­burg | pdf: Band 1, 2009 | Band 2, 2010

#dfdu = DIE FORM DER UNRUHE | pdf: Band 1, 2009 | Band 2, 2010 | blog: dissent.is | about: dissent.is/sms | dissent.is/muster

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