

Bildquelle Rückseite Flügelaltar Sogn Valentin | DAS GANZE PRGROAMM vom 13./14. Sept. 2025: dissent.is/SognValentin | Langsam: Mein Blog ist mein Kartenraum und keine Bühne. Ich weiss wie man publiziert. Das hier ist etwas anderes. d!a!n!k!e | WORK IN PROGRESS reload für aktuellen schreibstand | warum ich nicht publiziere? weil ich es kann. weil es geht. weil ich es für angemessen halte. | abonniere kostenlos den WhatsApp-channel #LavinaNera treis
Von der Multiperspektive zu einem Denken in Kulturformen (in zwei Tagen ;-)
SAMSTAG, 14h
„Die 9 + 1 Perspektiven“
- Einstieg vor dem Flügelaltar (Sogn Valentin):
Frage in die Gruppe: „Was seht ihr da?“
– Jede Wahrnehmung ist erlaubt, spontan, ohne Filter. - Selbstverortung:
„Welche Professionen und Disziplinen sind im Raum vertreten?“
– So wird sichtbar, dass alle mit einem je eigenen Hintergrund schauen. - Arbeitsmaterial austeilen:
Blätter mit den 9 + 1 Perspektiven (Linguistik, Bildwissenschaft, Archäologie/Ethnologie, Kunstgeschichte, Soziologie, Theologie, Psychologie, Geschichtswissenschaft, Rechtswissenschaft, Journalismus/Kommunikation). - Gemeinsames Sammeln:
– Jede Perspektive kurz aktivieren: Was würde sie an diesem Altar/Hauszeichen suchen, fragen, sehen?
– Ergebnisse stichwortartig auf Flipchart oder Wandpapier. - Metafrage stellen:
„Was ist all diesen Perspektiven gemeinsam?“
– Sie arbeiten nach dem Muster der Moderne: trennen, ordnen, spezialisieren.
– Sie sind differenziert, aber keine hat das Ganze. - Folgerung:
– „Die eigentliche Erkenntnis heute: Ich weiss, dass ich nicht weiss.“
– Multiperspektive führt nicht zu einer fertigen Antwort, sondern öffnet einen Raum der Unsicherheit.
– Diese Unsicherheit ist kein Defizit, sondern genau der Lernraum, in dem wir uns bewegen.
Zu Punkt 3:
Perspektiven auf Hauszeichen (didaktische Kurzfassung)
1. Linguistik
- Standards: Sprache, Zeichen, Bedeutung.
- Leitfragen: Was bezeichnet das? Welche Semantik steckt darin? Welche Syntax/Muster?
2. Bildwissenschaft
- Standards: Form, Darstellung, Wahrnehmung.
- Leitfragen: Wie ist es gestaltet? Welche Bildlogik? Welche Rezeptionsweise?
3. Archäologie/Ethnologie
- Standards: Material, Fund, Kontext.
- Leitfragen: Was ist das für ein Artefakt? Wo und wie wurde es gefunden/genutzt? Welche Praktiken stecken dahinter?
4. Kunstgeschichte
- Standards: Stil, Epoche, Künstler, Technik.
- Leitfragen: Wer hat es gemacht? Wann? In welchem Stil? Wie fügt es sich ins Werk?
5. Soziologie
- Standards: Rollen, Normen, soziale Codes.
- Leitfragen: Welche Praxis drückt sich hier aus? Welche soziale Funktion erfüllt es? Welche Ordnung stabilisiert es?
6. Theologie
- Standards: Symbol, Sakralität, religiöser Sinn.
- Leitfragen: Wofür steht das religiös? Welche Heilsgeschichte? Welche Liturgie?
7. Psychologie
- Standards: Subjekt, Emotion, Motivation.
- Leitfragen: Welche Bedürfnisse drückt das aus? Welche psychische Funktion erfüllt es? Welche Gefühle weckt es?
8. Geschichtswissenschaft
- Standards: Chronologie, Kontext, Quellenkritik.
- Leitfragen: Wann ist das entstanden? Welche historische Situation? Welche Ereignisse sind damit verknüpft?
9. Rechtswissenschaft
- Standards: Eigentum, Norm, Regel.
- Leitfragen: Ist das eine Besitzmarke? Eine Rechtsregel? Wer darf was tun?
10. Journalismus/Kommunikation
- Standards: Aktualität, Relevanz, Verständlichkeit.
- Leitfragen: Wie mache ich das erzählbar? Was ist die Schlagzeile? Was ist die Story für heute?
Zu Punkt 5:
Möglicher Abschlussblock (Samstag)
- Welche Perspektive hat dich besonders angesprochen?
– Nähe, Resonanz, vielleicht auch Irritation. - Was hat sich verändert?
– Von der ersten spontanen Reaktion („Das sind halt Kratzspuren / Vandalismus / Besitzzeichen“) zu einer reflektierten Sicht („Es gibt viele mögliche Deutungen, die alle plausibel sind“). - Was ist das Gemeinsame an allen Perspektiven?
– Sie arbeiten mit Standards, Kategorien, Leitfragen.
– Sie trennen, teilen, bilden Häufchen.
– Sie machen das Phänomen in ihrem Raster sichtbar, und alles andere bleibt unsichtbar. - Was ist die Grenze dieser Arbeitsweise?
– Keine Perspektive ist „falsch“.
– Aber jede macht blind für anderes.
– Interdisziplinär wird es mühsam: Machtfragen, Geldfragen, wer „gewinnt“. - Erste Brücke zu Sonntag:
– Das ist typisch Moderne (≠): viele disziplinäre Raster nebeneinander.
– Und der Sonntag fragt dann: Was folgt daraus? Gibt es auch andere Zugänge – frühere, nächste Kulturformen?
SONNTAG, 14h
| Kulturform | Umgang mit Kulturerbe | Leitmuster | Beispielhafte Praxis |
|---|---|---|---|
| — (Antike / rätisch) | Einweben ins Leben, zyklisches Fortführen | Opfer – Ritual – Wiederholung | Steine neu setzen, Feuer neu entzünden, ohne Trennung von alt/neu |
| + (Alpin-Barock) | Integrieren in Fülle, Überformung, Glanz | Ornament – Überschreibung – Kontinuität | Gotisches Altarstück bleibt, aber wird barock eingekleidet |
| ≠ (Moderne) | Musealisieren: Kuratieren – Konservieren – Präsentieren | Differenzierung – Kategorisierung – Dokumentation | Sammlung, Inventar, Museum, Denkmalpflege |
| # (Next Society / Commoroque) | Resonanzieren: Erinnern – Gedenken – Erneuern | Commons – Beziehung – Transformation | Hauszeichen lesen als Echo… |
die ganze playlist auf WikiDienstag.ch | #TheJohannRitzCluster | meine “Lieblingsäbte”: der Walser Abt Petrus von Pontaningen (Abt:1402–38) | der Sozialarbeiter Abt Adalbert II da Medell (Abt: 1655–1696) | (so?)

Spoiler:
Dieser Text wird die Geschichtswissenschaft irritieren. Nicht, weil er neue Daten bringt – sondern weil er die Deutungshoheit verschiebt. Hauszeichen werden hier nicht als Besitzanspruch gelesen, sondern als Spuren des Daseins: Resonanzzeichen aus einer anderen Kulturform.
Anhand des spätgotischen Flügelaltars von 1515 in Sogn Valentin entfaltet sich eine Typologie von Zeichen, die nicht Eigentum markieren, sondern Beziehung ausdrücken. Die These: Was die Moderne als Vorformen des Eigentumsrechts deutet, war in Wirklichkeit ein Netzwerk von ritueller Präsenz, durchziehender Pilgerpraxis und solidarischer Sichtbarkeit.
Statt „ich beanspruche“ sagen diese Zeichen:
„Hier wurde ich gesehen. Hier wurde ich gesegnet.
Von der heiligen Mutter Gottes, von allen hier dargestellten Heiligen,
die mein Leben begleiten und mich bewahrt haben.
In spezieller Verbundenheit hinterlasse ich ein Zeichen –
damit es gesehen werden kann.“
Nicht Besitz, sondern Beziehung.
Nicht Eigentum, sondern Echo.
Nicht Macht über Raum, sondern Teilhabe am Ort.
Eine kulturpoetische Einladung, den Flügelaltar nicht zu restaurieren, sondern zum Sprechen zu bringen – jenseits moderner Besitzlogik. Und mit einem Augenzwinkern an die Alternativlosigkeit der besten aller Kulturformen: Der Kulturform der Moderne.
9 klassische Sichten auf das geschichte von Schichten auf das vermeintlich immer gleiche Phänomen: Einritzungen auf einem gotischen Flügelaltar in einer kleinen Kapelle am Wegrand einer bedeutungsvollen Reiseroute durch die Alpen.
Und noch eine 10. Bonus-Sicht. Wir nennen es #Multiperspektive und fragen:
- Welche Sichtweise ha!ha!haben wir vergessen?
- Welche noch?
- Welche noch?
- …
- Und später: Was verbindet alle diese Sichtweisen?
- Und was Folgern wir daraus?
| Nr. | Perspektive / Disziplin | Fokus (eure Lesart) |
|---|---|---|
| 1 | Linguistik | Zeichen |
| 2 | Bildwissenschaft | Bild |
| 3 | Archäologie / Ethnologie | Fund |
| 4 | Kunstgeschichte | Kunstobjekt |
| 5 | Soziologie | sozialer Code |
| 6 | Theologie / Religionswissenschaft | Symbol |
| 7 | Psychologie | Psyche / Affekt / Resonanz |
| 8 | Philosophie | Grundfragen / Prinzipien |
| 9 | Geistesgeschichte / Literatur-Wissenschaft oder Kommunikationswissenschaft? | Narrativ / Kommunikation |
| 10 | Bonus-Perspektive: Werbung / Marketing / Journalismus | USP, #LiberalPaternalism |
Wenn klassische Linguistik (der Kultuform der Moderne) auf Hauszeichen schauen würde, wie würden sie unterscheiden?
Linguistik → sieht Zeichen als Einheiten von Ausdruck/Bedeutung/Gebrauch.
| Dimension | Abstrakte Beschreibung |
|---|---|
| Semiotik | Zeichen als Einheit von Ausdruck und Bezug |
| Syntax | Regeln der Kombination und Formstruktur |
| Semantik | Beziehung zwischen Zeichen und Bedeutung |
| Pragmatik | Beziehung zwischen Zeichen und Gebrauch |
Wenn klassische Bildwissenschaft (der Kultuform der Moderne) auf Hauszeichen schauen würde, wie würden sie unterscheiden?
Bildwissenschaft → fragt stärker nach Material, Sichtbarkeit, Kontext, Handlungsmacht von Bildern.
| Dimension | Abstrakte Beschreibung |
|---|---|
| Ikonizität / Ikonologie | Verhältnis von Sichtbarkeit, Form und Deutungsebenen (vorikonografisch – ikonografisch – ikonologisch) |
| Materialität / Medialität | Wie das Bild durch Material, Technik und Medium geprägt ist |
| Funktion / Kontext | Rolle des Bildes im sozialen, rituellen, politischen Gebrauch |
| Bildakt / Performativität | Das Handeln des Bildes: was es auslöst, bewirkt oder „tut“ |
Wenn klassische Archäologie/Ethnologie (der Kultuform der Moderne) auf Hauszeichen schauen würde, wie würden sie unterscheiden?
| Dimension | Abstrakte Beschreibung |
|---|---|
| Fundkontext | Räumliche und zeitliche Einbettung eines Zeichens |
| Typologie | Vergleich mit ähnlichen Formen und Mustern |
| Chronologie | Datierung, Entwicklungslinien |
| Funktion | Vermutete Nutzung oder Rolle im Alltag |
Wenn klassische Kunstgeschichte (der Kultuform der Moderne) auf Hauszeichen schauen würde, wie würden sie unterscheiden?
| Dimension | Abstrakte Beschreibung |
|---|---|
| Stil | Formale Gestaltungsmerkmale |
| Motiv | Wiederkehrende Bild- oder Zeicheninhalte |
| Epoche | Verortung in historischen Perioden |
| Autorenschaft | Zuschreibung an Werkstatt, Künstler oder Tradition |
Wenn klassische Soziologie (der Kultuform der Moderne) auf Hauszeichen schauen würde, wie würden sie unterscheiden?
| Dimension | Abstrakte Beschreibung |
|---|---|
| Norm | Welche Regeln oder Konventionen gelten für Zeichen? |
| Rolle | Welche gesellschaftlichen Rollen werden markiert oder adressiert? |
| Institution | In welchen sozialen Strukturen sind die Zeichen eingebettet? |
| Macht | Welche Macht- oder Abhängigkeitsverhältnisse spiegeln sich? |
Wenn klassische Theologie/Religionswissenschaft (der Kultuform der Moderne) auf Hauszeichen schauen würde, wie würden sie unterscheiden?
| Dimension | Abstrakte Beschreibung |
|---|---|
| Symbol | Zeichen als Träger von religiöser Bedeutung |
| Ritual | Einbettung in wiederkehrende Handlungen und Vollzüge |
| Mythos | Bezug auf Erzählungen, Legenden, Glaubensgeschichten |
| Transzendenz | Verweis auf das Jenseitige, Heilige, Göttliche |
| Institution (Moderne) | Blick auf das Phänomen | Transformation ins eigene Raster |
|---|---|---|
| Linguistik | „Das ist ein Zeichen.“ | Zerlegung in Semiotik, Syntax, Semantik, Pragmatik |
| Bildwissenschaft | „Das ist ein Bild.“ | Analyse nach Ikonizität, Materialität, Funktion, Bildakt |
| Archäologie / Ethnologie | „Das ist ein Fund.“ | Typologie, Chronologie, Kontext, Funktion |
| Kunstgeschichte | „Das ist ein Kunstobjekt.“ | Einordnung nach Stil, Motiv, Epoche, Autorenschaft |
| Soziologie | „Das ist ein sozialer Code.“ | Norm, Rolle, Institution, Macht |
| Theologie / Religionswissenschaft | „Das ist ein Symbol.“ | Symbol, Ritual, Mythos, Transzendenz |
Wenn klassische Psychologie (der Kultuform der Moderne) auf Hauszeichen schauen würde, wie würden sie unterscheiden?
| Dimension | Abstrakte Beschreibung |
|---|---|
| Kognition | Wahrnehmung, Denken, innere Verarbeitung |
| Affekt | Emotionale Resonanz, Gefühle, Stimmungen |
| Motivation | Antriebe, Bedürfnisse, Ziele |
| Verhalten | Sichtbare Reaktionen und Handlungen |
Wenn klassische Philosophie (der Kultuform der Moderne) auf Hauszeichen schauen würde, wie würden sie unterscheiden?
| Dimension | Abstrakte Beschreibung |
|---|---|
| Ontologie | Frage nach Sein und Wirklichkeit |
| Erkenntnistheorie | Bedingungen von Wissen und Wahrheit |
| Ethik | Prinzipien des Handelns, Gut und Böse |
| Logik | Regeln des Denkens, Schlussfolgerungen |
Wenn klassische Geschichtswissenschaft (der Kultuform der Moderne) auf Hauszeichen schauen würde, wie würden sie unterscheiden?
| Dimension | Abstrakte Beschreibung |
|---|---|
| Chronologie | Zeitliche Abfolge von Ereignissen |
| Kausalität | Ursachenzusammenhänge, Erklärungen |
| Narrativität | Darstellung als Erzählung, Plot, Sinnstiftung |
| Quellenkritik | Analyse, Einordnung und Bewertung von Überlieferungen |
Meta/Muster:
- Jedes System ordnet das Zeichen in seine Logik ein.
- Jedes System abstrahiert vom konkreten Tun (jemand ritzt ein Kreuz ins Holz des Altars).
- Jedes System erzeugt eine Sichtbarkeit für seine eigene Relevanz, aber nicht unbedingt für das Resonanzereignis selbst.
Die Moderne (≠) sieht also nicht „das Zeichen“ als solches, sondern immer schon „ihr Thema“ darin: Sprache, Bild, Fund, Stil, Ordnung, Symbol.
Dieses Muster ist typisch für die Kulturform der Moderne (≠):
– Sie macht Phänomene vergleichbar, indem sie sie in System-Raster übersetzt.
– Damit werden sie bearbeitbar, analysierbar, kritikfähig.
BONUS PERSPEKTIVE:
| Nr. | Perspektive / Disziplin | Fokus (was sie sieht) |
|---|---|---|
| 10 | Werbung / Marketing / Journalismus | Aufmerksamkeit, Storytelling, Inszenierung, Zielgruppen, Skandal oder „Unique Selling Point“ | Die Megaphone von #LiberalPaternalism: das Unsichtbar halten des dominanten Frames der Kulturform der Moderne ;-) |
Charakteristik:
– Sie fragt nicht nach Wahrheit, Symbol, Fund oder Ontologie,
– sondern: Wie lässt es sich verkaufen, erzählen, skandalisieren?
– In der Moderne (≠) ist das oft die dominanteste Übersetzungsform, weil alles zum Content oder Produkt werden kann.
Abgleich mit Project Muse von Harvard Projcet Zero
Project Dates: 1994 — 1996
Funder: The Bauman Foundation
Hier ist es, eng an deiner Anfrage:
Ist die Bauman Foundation (Funder von Project MUSE) heute noch aktiv?
Die Bauman Foundation existiert weiterhin. Hier die relevanten Fakten:
- Gegründet wurde sie in den 1980er-Jahren von Lionel R. Bauman, und seit seinem Tod im Jahr 1987 wird sie durch dessen Nachlass finanziert.(baumanfoundation.org)
- Die Stiftung ist auch heute aktiv, mit einem Vermögen von etwa 70–80 Millionen USD und jährlichen Fördersummen von rund 6 Millionen USD. Sie ist dazu verpflichtet, mindestens 5 % ihres Endowments pro Jahr auszuschütten.(baumanfoundation.org)
- Aktuelle Schwerpunkte: wirtschaftliche Gerechtigkeit, Transparenz in Regierung und Unternehmen, offene Demokratie und zivilgesellschaftliche Teilhabe.(baumanfoundation.org)
| Frage | Antwort |
|---|---|
| Gibt es die Bauman Foundation noch? | Ja, sie ist weiterhin aktiv. |
| Woraus basiert ihr Budget? | Auf dem Vermögen aus Lionel R. Baumans Nachlass (1970–80 Mio USD). |
| Umfang der Förderung heute? | Etwa 6 Mio USD jährlich (~5 % Ausschüttung). |
| Gegenwärtige Schwerpunktbereiche? | Wirtschaftliche Gerechtigkeit, Transparenz, Demokratie, Zivilgesellschaft. |

Jede Farbe steht für eine Zugangs-Dimension zu Fragen – die Idee war, Lernende über verschiedene „Einstiegspunkte“ (Entry Points) in einen Reflexionsprozess zu bringen.
Die fünf Dimensionen (wie auf den Büchlein):
- Narrative Questions (grün)
– Erzählen, Geschichten, biografische Bezüge herstellen. - Foundational Questions (violett)
– Grundannahmen, Prinzipien, tiefe Strukturen ansprechen. - Aesthetic Questions (rot)
– Schönheit, Form, Gestaltung, sinnliche Qualität thematisieren. - Logical/Quantitative Questions (gelb)
– Logik, Zahl, Messung, Struktur, Vergleich, Muster. - Experiential Questions (blau)
– Erfahrung, Erleben, eigenes Tun, Resonanz im Alltag.
1. Erfahrungsfragen (Experiential) – Blau
- Stell dir vor, du gehst in dieses Kunstwerk hinein. Was siehst, hörst, riechst, fühlst du?
- Wie würdest du dich fühlen, wenn du in diesem Kunstwerk wärst?
- Welche Erinnerungen aus deinem eigenen Leben ruft dieses Kunstwerk hervor?
- Wie würdest du dich in deinem Körper bewegen, wenn du Teil dieses Kunstwerks wärst?
- Wenn dieses Kunstwerk eine Geräuschkulisse hätte – wie würde sie klingen?
- Was würdest du tun, wenn du in diesem Kunstwerk leben würdest?
- Welche Dinge in deinem Leben fühlen sich an wie dieses Kunstwerk?
- Welche Emotionen empfindest du beim Betrachten? Woher kommen sie?
- Stell dir vor, du sprichst mit jemandem in diesem Kunstwerk – was würdest du sagen?
- Gefällt dir dieses Kunstwerk mehr oder weniger als am Anfang? Spielt es eine Rolle, ob es dir gefällt?
2. Ästhetische Fragen (Aesthetic) – Rot
- Welche Farben siehst du zuerst? Welche siehst du danach?
- Welche Linien fallen dir auf? Wo führen sie hin?
- Welche Formen erkennst du? Welche Beziehungen bestehen zwischen ihnen?
- Siehst du Bewegung oder wirkt es still? Woran erkennst du das?
- Wie wirken Raum und Tiefe? Flach, weit, eng, offen?
- Welche Materialien/Werkzeuge könnten verwendet worden sein?
- Welche Texturen (rau, glatt, weich, hart) kannst du mit den Augen spüren?
- Welche Details würdest du hervorheben, wenn du nur einen kleinen Ausschnitt zeigen dürftest?
- Erfinde einen Titel für dieses Kunstwerk. Vergleiche mit dem tatsächlichen Titel.
- Gefällt dir dieses Kunstwerk mehr oder weniger als am Anfang? Spielt es eine Rolle, ob es dir gefällt?
3. Logisch/Quantitative Fragen (Logical/Quantitative) – Gelb
- Welche Farbe siehst du am meisten? Welche am wenigsten?
- Welches Objekt/Form hast du zuerst gesehen? Warum wohl?
- Bewegen sich die Dinge schnell oder langsam? Woran erkennst du das?
- Ist dieses Kunstwerk älter oder jünger als du? Woran erkennst du das?
- Formuliere ein Argument, warum es lebensnah ist. Und eines, warum nicht.
- Finde eine verborgene Idee oder Emotion. Welche Hinweise führen dich dorthin?
- Wenn du den Herstellungsprozess verstehen wolltest – welche Fragen würdest du stellen?
- Ist dieses Kunstwerk genauso wertvoll wie die anderen hier? Warum mehr oder weniger?
- Verändert der Titel dein Verständnis oder deine Wertschätzung? Wie?
- Was kann man von diesem Werk lernen? Gefällt es dir jetzt mehr oder weniger als am Anfang? Spielt es eine Rolle, ob es dir gefällt?
4. Grundsätzliche Fragen (Foundational) – Violett
- Warum glaubst du, wurden diese Farben verwendet? Haben Farben Bedeutung?
- Was siehst du? Siehst du, was alle sehen?
- Ist das, was du siehst, schön? Ist es trotzdem Kunst, wenn es nicht schön ist oder dich unruhig macht?
- Spricht dieses Kunstwerk zu dir? Ist Kunst eine Sprache? Was sagt sie, was Worte nicht sagen können?
- Ist dieses Kunstwerk „real“?
- Drückt es Emotionen aus? Muss Kunst Emotionen ausdrücken? Wessen Emotionen?
- Warum, glaubst du, hat der Künstler dieses Werk geschaffen? Warum machen Menschen Kunst?
- Warum gelten die Objekte um dieses Werk herum als Kunst?
- Warum hat dieses Werk diesen Titel? Sollten Kunstwerke überhaupt Titel haben?
- Ist das, was du entdeckt hast, wichtig? Wie könnte dieses Kunstwerk das Leben anderer verändern? Gefällt es dir jetzt mehr oder weniger als am Anfang? Spielt es eine Rolle, ob es dir gefällt?
5. Narrative Fragen (Narrative) – Grün
- Welche Geschichte siehst du in diesem Kunstwerk? Wie helfen die Farben?
- Wer oder was ist die wichtigste Figur/Form/Objekt in dieser Geschichte? Warum?
- Was glaubst du, wird als Nächstes geschehen?
- Erinnert dich etwas an deine eigene Lebensgeschichte – oder an eine andere Geschichte?
- Ist diese Geschichte wahr? Woher könnte sie stammen?
- Welche Emotionen werden in dieser Geschichte sichtbar? Woran erkennst du das?
- Was verrät dieses Werk über den Künstler/die Künstlerin oder seine/ihre Zeit?
- Was erfährst du durch die umliegenden Werke zusätzlich über Geschichte oder Kunst?
- Wenn du die Geschichte dieses Werks erzählen würdest – wie würdest du sie nennen?
- Was hast du durch diese Geschichten gelernt? Über dich selbst oder andere? Gefällt dir das Werk jetzt mehr oder weniger als am Anfang? Spielt es eine Rolle, ob es dir gefällt?
(…)
(…)

(…)
For the Bauman Foundation, supporting Sogn Valentin means coming back home – not only to the European roots of the Baumann name, but to the living values that Lionel R. Bauman cared for: education, art, and social justice. In a small alpine chapel in Switzerland, we use the restoration of Gothic and Baroque works as a pathway to strengthen democracy, transparency, and civic participation – cultivating commons instead of stones, cultivating hope instead of nostalgia.
(…)
(…)
Warum die Warum-Frage so attraktiv werden konnte…
- Warum-Frage im Alpin-Barock (+)
– Im alpin-barocken Kontext gab es auf viele menschliche Bedürfnisse (Nahrung, Schutz, Gemeinschaft, Tod) klare Antworten: Rituale, Prozessionen, sakrale Bilder, gemeinschaftliche Strukturen.
– Aber: Diese Antworten wurden oft paternalistisch organisiert – durch Kirche, Obrigkeit, Kloster.
– „Warum so?“ → „Darum, weil es so geordnet ist.“ - Zerfallsform des Alpin-Barock (+)
– Die barocke Fülle kippte in Kontrolle, Vorschrift, Pflicht, Hierarchie.
– Gemeinschaftsformen wurden durch Macht abgesichert.
– Wer ausscheren wollte, hatte kaum legitimen Raum (Täufer, Reformierte, Freigeister). - Abstoßung durch die Moderne (≠)
– Die Moderne stellte die WARUM-Frage neu: „Warum soll ich so leben? Warum darf ich nicht anders denken?“
– Sie wollte nicht mehr einfach „darum“ akzeptieren.
– Diese Abstoßung führte zu Differenzierung: Wissenschaft, Recht, Politik, Wirtschaft etc. entwickelten ihre eigenen Raster. - Attraktivität des Individualismus
– Nach Jahrhunderten von Paternalismus wirkte die Antwort „Du bist frei, du bist selbst verantwortlich“ befreiend.
– Individualismus eröffnete neue Möglichkeiten: Bildung, Eigentum, Mobilität, Partizipation.
– Er bot eine Antwort auf das Übermaß an Bevormundung.
Die Moderne (≠) fand ihre Kraft, indem sie die Warum-Frage stellte und lehnte das barocke „Darum“ offen ab. Das war auch nicht schwer, da die Zerfallsform so offensichtlich war, wie die Vorzüge der Moderne. Durch zerlegung von Phänomenen in Ursachen, analysierte, differenzierte, kritisierte sie alles Bestehende und konnte eine Wirkungsmächtige Ordnung schaffen…
Doch “irgendwann” reichte das nicht mehr – die Frage Wozu wurde plötzlich “populär”. Selbst in den klasischen wissenschaftlichen Disziplinen…
Die Moderne wurde durch einen zweiten, jetzt plötzlich als komplementär erkennbaren, Zugang ergänzt: Neben der Kompliziertheit wurde auch die Komplexität zum Leitbegriff.
- Kompliziertheit
– steht für den linear-kausal-deterministischen Zugang.
– Linear: Abläufe werden in klaren Reihenfolgen beschrieben.
– Kausal: Jede Wirkung hat eine Ursache.
– Deterministisch: Wenn A gegeben ist, folgt zwingend B.
– Beispiel: eine Maschine, die nach festen Gesetzen funktioniert. - Komplexität
– steht für den prozessual-systemisch-dynamischen Zugang.
– Prozessual: Abläufe entwickeln sich Schritt für Schritt in Zeit.
– Systemisch: Elemente stehen in Wechselwirkungen, bilden Netze.
– Dynamisch: Entwicklungen verlaufen nicht starr, sondern offen, variabel, manchmal unvorhersehbar.
– Beispiel: ein Ökosystem, das in ständigen Wechselwirkungen lebt.
Die Denkform ((kompliziert)komplex)) bedeutet: Die Moderne hat beide Zugänge komplementär in sich integriert. Sie kann Maschinen wie Ökosysteme beschreiben, lineare Abläufe wie dynamische Prozesse. Sie hat ihr eigenes Spielfeld vervollständigt.
Genau dadurch wird nun aber die Kulturform selbst beobachtbar und kritisierbar – „ganz im Stil der Moderne“: reflexiv, differenziert, selbstbeobachtend, schliesst sich die Kultuform selbst ab und beendet sie selbst: Sie hat ihre Möglichkeiten ausgeschöpft. Und #Kulturekel greift um sich. So wie die Kulturform der Moderne auf die Kultuform des Alpin-Barocks spuckte, ist die Sehnsucht nach einer nächsten Kultuform geboren… Und es gibt auch Slogans für diese “Nächste Kultuform”. Etwa:
global denken — lokal handeln (so?)
Die Frage an welchen wir arbeiten lautet: Was könnten die Elemente einer nächsten Kulturform (#) sein?
Um dies herauszufinden – und um als Soziale Arbeit am Sozialen zu arbeiten – nutzen wir die #TheStaubBernasconiMatrix: Sie verschiebt den Blick von Objekten und Systemen auf die Bedingungen von Anordnung, Zugang, Legitimation und Durchsetzung.
(…)
(…)
(…)
Feedbacks von Dr. Daniel Schläppi und Dr. Pater Bruno Rieder
2doListe: Feedback von Dr. Daniel Schläppi einarbeiten:

Auskömmliche Haushalte als ökonomisches
Fundament und sozialer Kern der Gemein-
wirtschaft. Daniel Schläppi, PDF



















































































































































